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UNIVERSITY OF CALIFORNIA
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Zeitschrift
für
weizerische Kirchengeschichte.
I(evue d’Histoire Ecclesiastique Suisse.
HERAUSGEGEBEN VON
PUBLIEE PAR
Marius BESSON,
Professeur ä l'Univcrsite et au Seminairc. Fribourg.
Albert BÜCH I und Joh. Peter KIRSCH
o. o. Professoren an der Universität Freiburg (Schweiz).
XIV. Jahrgang
XIV™ Annee
1
920
Stans 1920.
Hans von Matt & C ic Verlagshandlung.
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Original fr
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INHALTSVERZEICHNIS — SOMMAIRE
XIV. Jahrgang. — XIV" ,P Annöe.
1920
Aufsätze. — Grands articles.
Seite.
Bcerli, P. Willibald. Die Verehrung der hl. Vitalis und Marcellus M..M.
in .Mariastein.
Lastei mur, Anton, Die Rheinauer Handschrift der Passion des heiligen
Placidus aus dem Anfang des XIII. Jahrhunderts.
Lourtray, Dom Albert. Documents supplementaires du Gatalogue
des Chartreux d’lttingen.
Färber, Dr. Otto, kirchenpolitisches aus Basel. 1322-40.
Fleury. R. P. Bernard, Notes historiques sur le couvent des Gordeliers
de Grandson.
Heü, Dr. P. Ignaz, O. S. P., die Sammnung in Wil.
Meier. P. Gabriel, Zur Geschichte des eidgenössischen Bettages
Müller, Jos., karl Borromco und das Stift St. Gallen . . . Ri, u»o,
•
Keymond, M., Aymon de Montl'alcon. eveque de Lausanne,
14H1—1 5 1K. 28,
Scheiwiler. Dr. Alois. Feierliche Grundsteinlegung der st.-gal¬
lischen Stiftsbibliothek nach der (ilaubensspaltung.
Segmüller, Fridolin, So macht man Geschichte. 124,
Steiger, k., kirchen
Fürstentums
Troxler, Prof. Jos.
Cantiones) .
und Staatsetat eines schweizerischen geistlichen
Liturgisches aus Beromünster (Tropen und
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Kleinere Beiträge. — Mölanges.
Büchi, Albert, Reliquien des hl. Fridolin.•
Imesch, Dionys, Inventar des hl. Sebastiansallares auf Valeria (Sitten)
vom i<). Januar j 52 o.
-Hin Meli ge wand des Kardinals M. Schiner für die Kathedrale
von Sitten.
-Fine Notiz über die Insignien des Bischofs Jost von Silinen .
-Gaben für ein Missale der Kirche von Zweisimmen im Jahre 1470
Lunz, Konrad, Mellinger Spenden für kirchliche Zwecke von 1744-1751)
— — An wen richtete Antistes Heinrich Bullinger seine Schrift wider
das heilige Meliopfer f .
Meier, P. Gabriel. Vom Jubiläum des Jahres 1X2Ö.
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133
15»)
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- IV -
Müller. Jos., Das Todesdatum Fridolin Brunners.
-Die Stiftung zweier Kaplaneien in Sargans im Jahre i3q4 . . .
Segmüller. P. Fridolin, Abt Barnabas Bürki oder Barnabas Steiger? .
Wymann, Fduard. Ein Aktenstück des hl. Karl für das Frauenkloster
Madonna del Monte sopra V'arese.
— — Die letzten schweizerischen und deutschen Offiziere der päpst¬
lichen Armee.• . . .
-Abfall eines Jerusalem pilgtfrs.
-Die Melodie zu einem Bruderklausen-Lied.
-Entstehung und Schicksale eines Brudenklausen-Gemäldes . .
-Eine Authentik von Eiemens Maria HofTbauer.
-Ein alter Jerusalempilger aus Schattorf.
Rezensionen. — Comptes rendus.
Bliemetzrieder, Franz PI., Anselms von Laon systematische Sen
tenzen (P. G. M. Manser, O. P.).
Büeler, (i. Petrus Dasypodius (Peter Hasenfratz), ein Frauenfclde
Stammist des XVI. Jahrhunderts (Büchi).
Die rauer, Johannes, Geschichte der schweizerischen Eidgenossenschal
I. Band (bis 1415) 3 . Auflage (Büchi).
Farner, Oskar, 11 u Id rieh Zwinglis Briefe I. Band (Büchi) . . .
Göller. Emil, Die Periodisierung der kircbcngeschichtc (Schnürer)
Hug. Anna. Die St. ITbarer Schulreform an der Wende des 18. Jahr
hunderts (Büchi) .'..
Meyer. Dr. kathi, Der chorische Gesang der Frauen (Wagner) .
Müller, Dr. Alois, Peter II. Schmied, Abt von Wettingen (W.J.Meyer)
Munding, P. Emanuel. Das Verzeichnis der St. Galler Heiligenleben
und ihrer Handschriften (Gabriel Meier).
-königsbrief karls des Groben an Papst Hadrian über Abt-Bischof
Waldo von Reichenau-Pavia (Gabriel Meier).
Pastor, Ludwig v.,Geschichte der Päpste. VII. Bd. (Fridolin Segmüller)
Keymond, Maxime, Die Abtei Montheron (H. Hüfler).
Schaltcgger, Friedr., Thurgauisches Lrkundenbuch 111 . Bd. (Büchi)
Schau fei berger. Rosa. Die Geschichte des eidgenössischen Bettages
(Gabriel Meier).
Suter,* L. und G. Castella, Histoire Suisse, 3 "* edition (Büchi) , .
Urkundenbuch der Abtei St. Gallen, herausgegeben von J. Müller und
Pfr. Schieb. VI. 1,2 (Büchi).
Wein mann. karl. Das konzil von Trient und die Kirchenmusik
(Wagner).
Wolff, Odilo. Mein Meister Rupertus (Gabriel Meier).
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Fribourg. Iui|«r Saint-Pml. IW'I TI
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HERAUSGEGEBEN VON
PUBL1EE PAR
Marius BESSON,
Professeur ä l'Universitc et au Seminaire, Fribourg.
Albert BUCHl UND JOH. PeTER KIRSCH
o. o. Professoren
an T^^35urg^Schweiz).
AUG 2 c 1949
XIY. JAHRGANG, I. HE
CALIrCRNiA
4 MiVI^EE FASC. I
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Erscheint viermal jährlich. — Parait quatre fois par aiu
Abonnemenlspreis : 8 Tr. — Prix Je l'jbonnemenl : 8 Tr
Stans 1920.
Iatt & C' e Verlagshandlung
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Inhaltsverzeichnis — Sommaire
Dr. P. Ignaz Hess, O. S. B. — Oie Samnung in Wil..
M. Heymond. — Aymon de Montfalcon. eveque de Lausanne, iqiii-irw*.
P. Gabriel Meier. — Zur Geschichte des eidgenössischen Betlages . .
Dr. Otto Färber. — Kirchcnpolitischcs aus Basel. i322-i3qb . . . .
Dr. Alois Scheiwiler. — Feierliche Grundsteinlegung der st. gallischen
Stiftshibliothek nach der Glaubensspaltung.
Kleinere Beiträge. — Mölanges ...... .
Rezensionen. — Comptes rendus..
GROSSI- RE BEITR Ä(iE TR A VAl • X
welche für die nächsten .Kümmern que la Ra ue publiera
in Aussicht genommen wurden. prochainement.
Konrad Kunz, Oie Synodalstatuten des Bischofs Friedrich II. von Konstar
vom Jahre iq36. — L. Kern, l/incorporation des couvcnis de femmes J.<">
rürdre de Citeaux. — Leo Meyer, Die Walliser Kanzlei bis i35o. — Aloys
Müller, Abt Peter II. (Schmidt von Wettingen ( 1 5*<j4- 1 033». — Josef Müller
(Stiftsarchivar), Karl Borromeo und das Stift St. (»allen. — Troxler, Jos.,
Liturgisches aus Beromünster. — Steiger, K., Kirchen- und Staatsetat eir*'
schweizer, geistl. Fürstentums.
N.-B. — Alle für die Zeitschrift für Schweiz. Kirchengeschichte bestimmt-.:
Rezensionsexemplare sind an den Rcdaktionssekretär Prof. Dr. M. Bess»
Grand Seminaire. Fribourg, zu adressieren. — Tous les ou\rages desti
a rccevoir un compte rendu dans la Rente d'Ilistuire cccle.siastique su
doivent etre envoyes directement au seerctaire. M. Besson, professeur, Gr
Seminaire, Fribourg.
Die Zeitschrift
/ ü r S c hwc i : c ? * i sc h e K irc h e n ge sc h ic h t e
erscheint 4 Mal jährlich.
LA REVUE
l/lUSTOIRE KCCLESIASTIQUE SI
jmr.iit |t;ir fasrjrijles inuirslnrls.
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Die Samnung in Wil
Von Dr. P. Ignaz HESS, O. S. B., Engelberg
Wie so manche andere Orte, besaß auch Wil, die st. gallische Äbte¬
stadt, eine Samnung — seit alter Zeit auch Samlung, lateinisch Colle¬
gium, dominae collegiatae genannt —, eine klosterähnliche Vereinigung
frommer Frauen mit gemeinsamem religiösem Leben, ohne bindende
oder ewige Gelübde. 1 Die meisten dieser Samnungen traten mit der
Zeit einem der bestehenden Orden bei und wurden dadurch regelrecht» 1
Klöster, so auch diejenige in Wil, die jedoch bis zum Ende den Namen
einer Samnung beibehielt. Sie bestand vom 13.«Jahrhundert bis zum
Jahre 1615.
Nur spärlich fließen die geschichtlichen Quellen über die Geschicke
dieser kleinen klösterlichen Familie ; keine eigene Klosterchronik, keine
Kapitelakten und kein Personalverzeichnis oder Sterbebuch sind auf
uns gekommen. Was wir besitzen, sind einige nicht sehr zahlreiche
Urkunden über Rechtsgeschäfte, zwei Visitationsberichte aus dem
16. Jahrhundert, einige zerstreute Notizen, ein Vermögensinventar von
1604 und die Translationsurkunde von 1615 über die Einverleibung der
Samnung in den Konvent von St. Katharina. Sie befinden sich im
Klosterarchiv zu St. Katharina (A. St. K.), im Ortsbürgerarchiv von
Wil (A. W.) und im Stiftsarchiv St. Gallen (St. A. St. G.); die letzteren
sind zum Teil gedruckt im Urkundenbuch der Abtei St. Gallen (U. B.
St G.). Was in diesen Quellen Wissenswertes über die Samnung in Wil
sich befindet, ist hier zusammengestellt und unter folgende Gesichts¬
punkte geordnet: 1. Die Gründung ; 2. die örtliche Lage der Samnung ;
3 - das klösterliche Leben ; 4. der Personalbestand ; 5. der Lebens¬
unterhalt und die Verwaltung ; 6. die Einverleibung mit dem Frauen¬
kloster zu St. Katharina und 7. das spätere Schicksal der alten Samnung
**i St. Nikolaus in Wil.
1 Vgl. Meier, P. Gabriel : Die Beginen der Schweiz, im Jahrgang IX, S. 23
dieser Zeitschrift.
REVUE D'niSTOIRE ECCI.&SIASTIQUE \
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1. Die Gründung.
Keine Stiftungsurkünde und keine bis jetzt bekannt gewordene
geschichtliche Notiz nennt uns den Namen des Stifters oder der Stifterin
der Samnung in Wil oder überliefert uns das Datum ihrer Gründung.
Die erste Erwähnung von Schwestern in Wil findet sich in der Urkunde
vom 13. Mai 1284, durch welche die drei Töchter des verstorbenen
Herrn Rudolf von Dümten im Kanton Zürich dem Abte Wilhelm von
St. Gallen den Ödenhof in der Gemeinde Wittenbach im Kanton
St. Gallen aufgeben. 1 Eine dieser Töchter ist Schwester Elisabeth,
«diu da ist bi dien swesteron ze Wille»; mit ihr ist zugegen «der
swesteron ainiu von Wille, bi dien si ist *. Schwester Elisabeth und
ihre Mitschwestern in Wil entziehen sich aller Ansprachen, die sie
an den genannten Hof haben könnten. Es ist keine zu gewagte An¬
nahme, daß wir es hier mit den Frauen der Samnung zu tun haben,
die als solche mit Vorliebe Schwestern genannt wurden. 2 Auch finden
wir in späterer Zeit keinen andern Frauenkonvent in Wil als denjenigen
der Samnung. Allerdings nennt das im Jahre 1397 erneuerte Jahneit-
buch der Pfarrkirche Wil aus dieser Zeit mehrere Namen mit dem
Beisatz: Conversa — Mechthild von Bronschhofen, Adelhait Hailwig.
Margaretha Zöbilin, Elsbetha Prediger und Mechthild Stamler—. aber
das Verkündbuch von 1550, in welches der Name der zuerst aufgeführten
überging, übersetzt das «conversa * mit Klausnerin, woraus erhellt,
daß der Schreiber jener Zeit sie nicht für Mitglieder eines Konventes
hielt. Ebenso ist damit ausgeschlossen, dieselben für Laienschwestem
der Samnung zu halten. Auf diese Conversae bezieht sich wohl der
Eintrag im alten Einkünfterodel der Kirche Wil aus dem 14-15. Jahr¬
hundert : Vom Zehnten der Conversen, in der Bünde genannt, werden
drei Viertel gegeben. 3 Die Pündt ist das Gut, auf dem heute dis
Frauenkloster St. Katharina steht. Über die Wohnstätte der ehemaligen
Conversen in ihm ist weiter nichts bekannt.
Als Angehörige eines Frauenkonventes aber erscheinen in der
1 U. B. St. G. IIL Nr. 104!.
1 Meier , P. Gabriel, a. a. O.
3 U. B. St. G. III. Anhang Nr. 67, S. 782.
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3
Urkunde vom 28. April 1323 1 : die ehrwürdigen Frauen in Gott, die
Priolin (!) und der Konvent zu Wil, und in derjenigen vom 29. No¬
vember 1353 wird dieser Konvent als «Saemenung* bezeichnet. 2
2. Die örtliche Lage der Samnung.
Die Notiz über die Conversen in der Pündt in Wil veranlaßte
P. Ildephons von Arx 3 , die erste Heimstätte der Samnung in dieses
Grundstück zu verlegen. Er ist damit im Irrtum, denn um die Zeit
jenes Eintrages befindet sich die Samnung nachweisbar auf der Matt,
anstoßend an die Wilmatt und in der Nähe der St. Peterskirche, nicht
weit vom Mühlebach, jetzt Krebsbach genannt. Folgende urkundliche
Zeugnisse weisen darauf hin.
Am 13. Januar 1390 verkaufen die Frau Ursul Kamerer, Rudolf
Gioggners Gattin, und ihre Schwester Margreth Kamerer, Ulrich Stuckis
Gattin, Bürger in Zürich, ihre Wiese und zwei Gärten, die gelegen sind
zu Wil im Thurgau, vor der Stadt, zwischen dem Mühlebach und dem
Gäßli, da man von der Stadt in die Samnung geht, den geistlichen
Frauen in der Samnung vor der Stadt Wil gelegen 4 . Urkunden von
1420 und 1421 erwähnen die Samnung als Anstößer oder Nachbarn
der Wilmatt und der Peterskirche 6 ; am 9. Mai 1426 entscheidet ein
1 Original, Pergament A. St. K. Wegen der in ihr genannten Personen
hat diese Urkunde mehr als nur lokale Bedeutung, weshalb ich sie in ausführlichem
Hegest hier beifüge :
Wir Graf Krapft (!) von Toggenburg, Probst in Zürich und Chorherr in
Konstanz und wir Graf Friederich und Graf Diethelm von Toggenburg, Gebrüder,
künden allen, daß der erbar Edelknecht Toman von Lommis, der von uns die
Schuposse zu Ober-Tutwil zu Lehen hat, die von ihm unsere lieben Diener Hein¬
rich und Herman ab dem Huse zu Lehen haben, uns diese ledig und frei aufgab
und daß uns dieser Toman und die genannten Heinrich und Herman ab dem Huse
bitten, sie von ihnen aufzunehmen, so daß sie ganz in unserer Hand und Gewalt
wäre. Und als dies geschehen war, baten sie uns, daß wir dieselbe in Ansehung
ihres ewigen Dienstes den ehrwürdigen Frauen in Gott, der « Priolin » und dem
ganzen Konvent zu Wil, in den sic die eheliche Tochter Heinrichs ab dem Huse
hingetan, zu eigen geben möchten. Das haben wir getan. — Es siegeln die drei
Grafen. — Gegeben zu Lütisburg in der Burg, am nächsten Donnerstag nach
sant Gcorien Tag 1323.
Die Rundsiegel der Grafen Friedrich und Diethelm hangen wohlerhalten,
das ovale Krafts ist zerbröckelt. Ober-Tutwil, Gemeinde Wängi, Thurgau.
1 A. St. K. und U. B. St. G. III. Nr. 1500.
3 Geschichten des Kantons St. Gallen, II, 206.
4 U. B. St. G. IV, Nr. 1990.
4 U. B. St. G. V, Nr. 2891 und 3001.
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fünfgliederiges Schiedsgericht, daß die Frauen der Samnung das Recht
haben, durch die Wiese des Jakob Koler-Schmidberger das Wasser
auf ihre Wiese zu leiten und zur Zeit, wenn kein Heu und Emd darauf
steht, über dieselbe zum Bache zu gehen und Wasser daraus in da?
Haus zu holen oder an demselben zu waschen ; in der Urkunde vom
13. Januar 1429 ist die Rede von einer Wiese oben auf der Matt unter
der Samnung zu Wil gelegen, stoßt an St. Petersstrass und an des Leder
gerwen Wiese und an eine Wiese auf der Wilmatt ; eine andere Urkunde
vom gleichen Tage spricht von einer Wiese zuoberst auf der Wilmatt,
«als der zun jetz begriffen hat, da der bach durchgat underhalb der
egenanten sampnung.» 1
Während des Appenzellerkricges war freilich die Samnung einer
großen Gefahr ausgesetzt, da die Appenzeller dieselbe bei ihrem Streifzup
gegen Wil verbrennen wollten. In der Reimchronik des Appenzeller¬
krieges heißt es von ihnen :
« Sy wurdent füro langen
Uff das veld gen Wyl.
Da ward hüpsches spil:
Si woltend gen der Samlung louffcn
Und woltend die bestrouffen
Und darzü han verbrennt. »
Aber die Wiler-Scharfschützen traten ihnen mutig entgegen und
vereitelten den bösen Anschlag. *
Im alten Zürcherkrieg erneuerte sich zweifellos die gleiche Gefahr
besonders im Jahre 1445, als die Zürcher vor der Stadt erschienen
und sie hart bedrängten ; damals gelobten die Wiler die alljährliche
feierliche Pfingst prozession zum Danke für die glücklich abgewendete
Gefahr. * Wie es dabei der Samnung erging, ist uns nirgends gesagt
wahrscheinlich fiel sic dem sengenden Feind zum Opfer oder der Kon¬
vent fand es sonst für gut, seinen Wohnsitz innerhalb die schützender
Mauern der Stadt zu verlegen. Bereits im Jahre 1448 erscheint die
Samnung in den Steuerbüchern Wils mit den Häuserbesitzem der
1 A. a. O.
* Herausgegeben von Traugott Schieß, St. Gallen 1913, S. 82 und 83. Vers
2680 ff.
s Jahrzeitbuch der Pfarrkirche Wil von 1397. S. 125 und 229.
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Hintergasse als steuerpflichtig, während sie im Jahre 1444 noch mit
den Ausburgem ihre Abgabe bezahlte. 1
Die Samnung bezog also um diese Zeit ihre Wohnung in der Stadt
selbst neben dem Heiliggeist-Spital, gegenüber der Westfront der
St. Niklauskirche. Während der Reformationszeit im Jahre 1529
sahen sich die Frauen allerdings gezwungen, ihr Heim vorübergehend
zu verlassen, durften aber wieder in dasselbe zurückkehren und blieben
darin bis zum 19. August 1615, an welchem Tage sie nach St. Katharina
übersiedelten.
3. Das klösterliche Leben.
Die kirchliche Oberleitung und Aufsicht der Samnung stand
ordnungsgemäß beim Diözesanbischof von Konstanz, ging aber im
Jahre i486 an den Abt von St. Gallen über. Im Visitationsrezeß vom
zb. November 1557 gibt uns Abt Diethelm Blarer von St. Gallen darüber
eingehenden Aufschluß, indem er sagt :
«Alls dann der hochwirdig fürst unnd herr, herr Herman, von
Gottes genaden bischoffe ze Constanntz löblicher unnd säliger ge-
dächtnuss, wylund unnserm lieben herren unnd vorfaren, herren
Ulrichen 2 , appte bemelts unnsers gotzhus, die Sammlung unnd schwo-
sterhus inn unnser statt Wyl inn dem jar, als man zallt thusennd
vierhundertt achtzig unnd sächs jar, dergestallt übergeben, das wir
zt yedertzyt unnd es die notturfft erhaischt, die schwösteren, so darinn,
•
in meren unnd mindern emptern ze visitieren, inn Sachen, so die reli-
gion, ouch den orden unnd iren ehr, nutz unnd frommen berürtt,
» corrigieren, ze erbesseren, restituieren, von crgerlichen handlungen
ze absolvieren, die innschlöuffung oder anlegung des ordenns ze thün,
heilsame und ordennliche Satzungen, stattuten, pott, verpott, die-
selbigen ze halten unnd lassen, ufsetzen, die empter besetzen, ennt-
setzen unnd in suma inn gaistlichen unnd weltlichen Sachen regieren
unnd versechenn, dess wir Gott unnd der weit anntwurtt ze geben
wissen.» 3
Der Umfang der übertragenen Vollmachten dürfte mit diesen
Worten erschöpfend umschrieben sein. Ein Irrtum liegt darin vor,
mdem der Name des Bischofs zu der Jahreszahl nicht stimmt, oder die
1 A. W. ; gütige Mitteilung des Herrn Reallehrers K. Ehrat.
* Rösch.
1 A. St. K.
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UNIVERSITY OF CAUPÖR
6
i
1
►
I Jahrzahl nicht zum Namen des Bischofs ; denn Bischof Hermann III
von Konstanz regierte von 1466-1474, sein Nachfolger, Otto IV., 1475 ;
bis 1490 1 ; nehmen wir an, der Schreiber des Abtes habe die Jahrzahl
richtig nachgeschaut, den Namen des Bischofes aber verwechselt
u Im Stiftsarchiv St. Gallen findet sich eine hierauf bezügliche Urkunde,
| die ehemals Vorgelegen haben muß, heute nicht mehr. 2
;■ Irgendwelche Amtshandlungen der Bischöfe von Konstanz in der
r ( Samnung von Wil sind in deren schriftlichem Nachlaß nicht verzeichnet;
1, von denjenigen der St. Galler Äbte wird bald die Rede sein.
\ Von grundlegendem Einfluß auf das klösterliche Leben in der
Samnung war ihr Beitritt zu einem Orden und zwar zum Dominikaner
.i orden. Derselbe muß schon ziemlich frühzeitig erfolgt sein. Schon
! das Auftreten einer Priorin mit dem Konvente im Jahre 1323 weist
! darauf hin. Seit dem Jahre 1388 führen dieselben ein eigenes Siegel
mit der Umschrift : « S(igillum) PRIORISSE ET CONVENTUS IN
WIL *, deren Wortlaut auf ein Kloster geht, nicht auf ein bloßes
« collegium *. Das Siegelbild, ein stehender Heiliger in weitem Mantel
um die Schulter, ein Kruzifix in der Linken, ein Buch (?) in der Rechten,
könnte ganz wohl den hl. Dominikus darstellen. Strikte Beweise für
die Zugehörigkeit zum Orden dieses Heiligen erhalten wir erst im
15. Jahrhundert. Die Priorin, Gerine oder Gertrud Gupfer, nennt in
der Urkunde vom 30. Juli 1468 den Vikar und Prior des Prediger¬
ordens in Konstanz ihren Obern, und die Kapelle, die für die Samnung
bei St. Nikolaus gebaut wurde, ist dem hl. Dominikus geweiht und wird
Dominikuskapelle genannt. Einen Hinweis auf das Verhältnis zum
Dominikanerorden gibt auch das Vorgehen der Äbte Diethelm Blarer
und Joachim Opser von St. Gallen, die bei den Visitationen der Sam
nung in den Jahren 1557 und 1585 jedesmal einen Obern des Domini¬
kanerklosters in Konstanz beizogen. Damit steht wohl ganz außer
Zweifel, daß die Samnung in Wil jedenfalls seit dem Beginne de*
14. Jahrhunderts dem Dominikanerorden angehört hat.
Auch für die Verrichtung des Chorgebetes haben wir ein Zeugnis
aus ziemlich früher Zeit. Am 29. November 1353 stiftet nämlich
Hermann, der Junge, Kupferschmied, Bürger zu Wil, für das Seelen
heil seiner verstorbenen Frau Ursula Kamerer eine Jahrzeit, welche
die Samnung alljährlich am Montag nach des heiligen Kreuzes Tag
1 Geschichtsfreund, Register zu Band 41-50, S'. 105.
1 Gütige Mitteilung des hochw. Herrn Stiftsarchivars J. Müller in St. Gallen.
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im Herbst begehen soll mit einer Vigilie (Totenoffizium) oder mit
sonstigen Gebeten von Seite derjenigen, welche den Psalter nicht
können ; als Entgelt erhält die Samnung einen Zins ab der Wiese
Kupferschmieds, die gelegen ist auf der Wilmatt. 1 Unter dem Psalter
ist das Psalterium, das kirchliche Breviergebet, zu verstehen und aus
der Bestimmung bezüglich der Gebetspflicht dürfen wir sogar schließen,
daß es damals in der Samnung Chorfrauen und Laienschwestem gab,
von denen letztere es waren, die den Psalter nicht konnten.
In ihrem ersten Hause bei St. Peter besaßen die Frauen der Sam¬
nung keine eigene Kapelle, wenigstens nicht eine solche mit einem
geweihten Altar, auf dem das heilige Meßopfer gefeiert werden konnte.
Das bereits angeführte alte Jahrzeitbuch der Pfarrkirche Wil würde
sonst sicher das Patrozinium und die damit verbundenen Ablässe
angeben, wie es das für die übrigen Privatkapellen im Hof und im
Spital auch tut. Die Frauen waren also für die Anhörung der heiligen
Messe zunächst auf St. Peter angewiesen. Die vielen Seelämter und
Jahrzeitstiftungen in Wil gaben ihnen sogar Gelegenheit, am Gottes¬
dienste selbst aktiv durch Beten und Singen der Totenvesper und des
Totenoffiziums und durch pflichtgemäße Gegenwart teilzunehmen.
Wie anderwärts, so blühte auch in Wil während der zwei oder
drei Jahrhunderte, welche der Reformation vorausgingen, ein reger
Wetteifer in der Stiftung von Jahrzeiten für die Verstorbenen, für
deren Heil alljährlich nicht bloß heilige Messen gelesen, sondern auch
das Totenoffizium gesungen oder gebetet und die Totenvesper auf den
Gräbern gehalten wurde. Manchmal wurde zu der heiligen Messe für
die Verstorbenen in St. Peter noch ein gesungenes Amt, gewöhnlich
zu Ehren der Mutter Gottes, in der St. Niklauskirche angeordnet und
dabei ausdrücklich die Einlage der Sequenz: Ave praeclara maris
stella, oder : Salve mater salvatoris gewünscht, ein Beweis, wie bekannt
und beliebt damals solche liturgische Einzelheiten waren und durch
eine kleine Verlängerung des Gottesdienstes niemand erschreckten !
Und dies an Tagen, an denen ein Seelenamt und ein Lobamt nach¬
einander gehalten wurden !
Das genannte Jahrzeitbuch der Pfarrei Wil enthält auf 120 großen
Pergamentblättem zahlreiche und rührende Zeugnisse für die fromme
Fürsorge und die treue Liebe der alten Wiler für ihre verstorbenen
' A. St. K. und U. B. St. G. III, Nr. 1500.
* A. St. K.
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Angehörigen und Freunde. Ausführlich wird darin bestimmt, wann
und wie die Jahrzeit zu begehen sei, welche Verpflichtungen dabei die
Priester zu erfüllen und wer daran teilzunehmen hatte. Gewöhnlich
mußte der Schulmeister der Stadt mit seinen Schülern mit Singen sich
betätigen und in vielen Fällen wurde es auch den Frauen der Samnunp
gegen eine bestimmte Entschädigung zur Pflicht gemacht, dabei zu
sein, das Offizium zu singen oder zu beten, über die Gräber zu gehen
und die Totenvesper zu verrichten. Gewöhnlich ist für die Konvent-
frauen ein Schilling Pfennig ausgesetzt, der gleiche Betrag, den die
gewöhnlichen Priester bei dieser Gelegenheit für die Zelebration er¬
hielten. Meistens ist dabei auch der armen Leute gedacht, denen für
einen bestimmten Betrag Brot als Spende ausgeteilt wurde. Auch der
Schulmeister und seine Schüler gingen nicht leer aus.
Hören wir als Beispiel den Wortlaut zweier solcher Stiftungen.
Jahrzeit des Konrad Bischoff 1406.
9. August « Am sonntag und mentag nach sanct Laurentien tag
gevallt allweg jaurtzit Conraten Bischofs selgen, Elsen Bollin, sins
wips, iro beder vatter, müter und geswistregiden, kinden und vor¬
dem, och her Hanses, sins pruoders, durch der aller seien hail willen
die gencmpt Eis Bollin und her Marti Bischof, ir elicher son, der zit
caplon sanct Arbogasts pfründ zü Wil in sanct Peters kirchen, ainer
frigen gotzgab gegeben haben fünf juchart holtz in Wuoren, ain wi>
zü Niderwilan, ain mannmad wiswachs uff Wilmatt und ain krutgarten
an sant Peters weg gelegen nach sag ains besigleten briefs, darüber
vergriffen mit geding, das ain lütpriester, sin hällfer, der frümesser
Unser Lieben Frowen in sant Niclas kirchen, sant Agtten (Agatha),
sant Johans ewangelists, sant Verenen und Unsser Lieben Frowen
im banhus pfründere und der schülmaister sampt sinen schülererr
umb behaltnuss obberüerter seien hinfür allweg uff den genanter,
sontag nach dem jmbis in sant Peters kirchen ain gesungen vigil und
momes am mentag daselbs ain gesungen selampt von den gedachten
seien haben und über iro greber gön und der lütpriester iro an der
cantzel, als andrer seien, gedencken. Darumb soll ain caplon der
vermelten sant Arbogasts pfründ jerlichs dennzemal aim lütpriester
xviii pfennig, dem hellfer und dem benempten caplonen iedem
1 Schilling pfennig, dem schülmaister 1 Schilling pfennig und den Frowen
in der Samnung och 1 Schilling pfennig, dem messner iiij pfennig.
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und darzu dz oppfer sust begonn mit oppfer und kertzen, als zu
Wil sitt ist. Weiher oder weihe aber under den gemelten personen
als dann nit zü gegen wer, dem ist dennzemal ain caplön nicht schuldig.
Actum anno Ixxxxv 40 . *
Jahrzeit des Hans Sailer 1512.
io. März. « Am sonntag : Misericordias domini und am mentag
ilamoch gevalt allwegen jortzit Hansen Sailers und Elsin Proglin,
•>in eeliche husfrow, och ir baider vatter und muter und all ir vordem,
och ir baider nochbenempter eelicher kinder, nämlich Hainrich Sailer,
Irow Margredt Sailerin, conventfrow in der samlung zu Wil, Junghans
Sailer und Elsi Frygin, och Magdalen Spätin, siner baider eelichen
husfrowen, och Anna Sailerin, Elssbeth Sailerin, Fida Saileri, Barbara
Saileri und Rachilla Saileri, och Conrade Bochssler, ir friind, und allen
denen, so innen ye guts gethon hand, och all ir vordem und nachkomen,
durch deren aller menschen seien hail willen die genempt Hans Sailer
und Elsi, sin wip, an sant Niclaus kilchen zu Wil gesetzt und geordnet
/.wen guldin gelts und ain mut kernen gelts noch lut und sag der
versigloten hoptbrieffen, darüber vergriffen, also mit dem geding,
das ain lütpriester zu Wil und sin helffer mit den nochbenempten
caplönen, der frümesser Unser Lieben Frowen pfrund in sant Niclaus
Elchen, Unser Lieben Frowen pfrund zu sant Peter, sant Agthen,
'ant Frenen, sant Johans ewangelist und sant Arbogascht und wen
sant Eloys pfrund uffgericht wirtt, mit demselbigen caplon och begangen
werden, och sampt dem schulmaister mit sinen schulem, umb hail
und behaltnis obbegriffner menschen seien hinfür allwegen järlich
uff den gemelten sontag noch dem imbis in sant Peters kilchen ain
vigilg singen und enmomdes an dem mentag ain gesungen selampt
und jetweders mol über greber gon und got für die seien pitten und
darzuo morgens und aubentz ob den grebern ain placebo betten und
damoch in sant Niclaus kilchen zu Wil soll man ain gesungen ampt
von Unser Lieben Frowen singen und underm ampt den sequentz :
Ave preclara maris stella, und sollent an baiden orten die frowen in
der samlung zu Wil darbi sin. Do soll der pfleger gemelter sant Niclaus
kilchen geben ainem lütpriester iij Schilling pfennig, den gemelten
vij caplönen und dem schulmaister jetlichem xvj pfennig und
dem altar sant Eloii xvij pfennig. Und wen die pfrund uff gericht
württ, danathin sol man dem selbigen caplon die xvj pfennig
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IO
geben und dem messmer iiij pfennig und den frowen in der samlung
allwegen uff den jorzittag v Schilling pfennig an tisch. Und der kilcher,
pfleger sol allwegen jortzit begon mit oppfer brot und kertzen, ak
das zu Wil sit und gewonlich ist. Und soll ain spennpfleger allwegen
uff den jorzittag j müt kernen malen, den zuo brot bachen und der.
uff Hansen Sailers seligen grab armen lüten zu ainer spenn geben
Und welher und weihe der genanten priestem, schulmaister ald die
frowen in der Samlung nit am abent by der vigilg werint und über
greber gengint und morndes nit bi dem gesungen selampt und über
Greber gengint, och nit mess hettint, och nit in Unser Frowen ampt
werint, den sol man, an welchem stuck ainer sümig wer, uff den tag
für presentz nichts geben, sunder das der kilchen an ire buw behalten
Och ob beschee und die obgemelten zinss abgelösst würdent, als dan
solli ain pfleger gemelter sant Niclaus kilchen die noch erkantnis ain
schulthais und rats widder umb zinss anleggen. Actum anno 1512. •
Folgende Stifter verpflichteten die Frauen der Samnung zur Teil¬
nahme an ihren Jahrzeiten ; die Namen sind alphabetisch geordnet
und das bestimmte oder ungefähre Datum beigefügt :
Aster Johann (1401), Arnoltschwiler Johann (1398), Bischofi
Conrad (1495), Burkhard Thüringer, Meister (um 1367), Ferwer Petrus.
Kaplan in Wil (1477), Fuchs Johann, Pfarrer und Dekan in Wil (14221
Großmann Hans. (1487) Hafner Adelheid (1496), Hohans Konrad
(1513), Huber Ulrich (1512), Kamerer Konrad und Heinrich (1390),
Holzhuser Albrecht, genannt Keller von Bütschwil (1435), Kupfer¬
schmied Hermann (1353). Ledergerw Eberhardt (um 1442), Meyer
Marquard, Frühmesser in Wil (1439), Müller Hans im Steinhaus (1475).
Nufer Ulrich (1447). Opser, Abt Joachim von St. Gallen (1608), Rimeli
Konrad (vor 1450), Rösch Konrad, Pfarrer in Wil (1514), Rych Hans
genannt Wyssheini (um 1470), Sailer Hans (1512), Schnider Han-
(um 1450), Stygleder Adelheid (1429), Töber-Gurras Margreth (1493).
Töber Margreth, genannt Wirttin (1495), Trunger Mechilt und Eber
hart (1397), Winkler Georg, Kaplan U. L. F. in Wil (1562), Zehnder
Johann, Priester (um 1424), Zehnder Wemher, Schulmeister (1418).
Nach der Verlegung der Samnung in die Stadt erhielten die Frauen
eine eigene Kapelle zwischen ihrem Haus und der Westfront der
St. Niklauskirche mit direktem Anschluß an die beidseitigen Mauern
Die Priorin Gerina oder Gertrud Gupfer stiftet in dieser «neuen
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II
Kapelle » am 30. Juli 1468 durch die Vergabung ihrer zwei Wiesen
auf Wilmatt und 23 Pfund Pfennig Kapital eine wöchentliche heilige
Messe und zwei gesungene Jahrzeitmessen für ihre Angehörigen, sobald
die Kapelle geweiht wird, zu deren Zelebration in erster Linie ihr
geistlicher Herr Vetter Heinrich Ledergerw berechtigt sein sollte ;
ferner «dem allmächtigen Gott zu Lob und Ehren » ein ewiges Licht
Tag und Nacht vor dem Sakrament und dem Häuschen, das dazu
in der genannten Kapelle gemacht wird. 1 Die Samnungsfrauen hatten
also ein Sakramentshäuschen, wie ein solches in der St. Niklauskirche
jetzt noch vorhanden ist, und das Allerheiligste in ihrem Oratorium.
Das alte Verkündbuch von Wil verzeichnet auch die Ablässe,
welche die Ordensfrauen und die Gläubigen in der Dominikuskapelle
bei St. Nikolaus an einzelnen Tagen des Jahres gewinnen konnten. Es
sind folgende Feste der Dominikanerheiligen und der Landes- und
Kirchenpatrone : Am 22. Januar Vincentius, Märtyrer, am 7. März
Thomas, Kirchenlehrer, am 14. März Petrus, Märtyrer, Argobast,
Bischof (Patron eines Altares), am 2. Mai Wiborada, Jungfrau und
Märtyrin, am 5. August Dominikus, Ordensstifter und Patron der
Kapelle, am 16. Oktober Gallus, Abt, am 16. November Othmar, Abt,
am 25. November Katharina, Jungfrau und Märtyrin, am 6. Dezember
Nikolaus, Bischof, Kirchenpatron, am 13. Dezember Otilia, Jungfrau
und Luzia, Jungfrau und Märtyrin.
Auch in St. Nikolaus besuchten sie den Gottesdienst; Beweis
dafür ist das Anrecht auf zwei oder drei Kirchenstühle daselbst, das
sie wahrscheinlich durch einen Beitrag an den Bau der Kirche oder deren
Ausstattung erworben hatten.
In den Stürmen der Reformation, die auch über Wil hereinbrachen,
hielten die Frauen in der Samnung tapfer und treu an ihrem alten
Glauben fest. Eine alte Wiler-Chronik meldet uns vom Jahre 1529 :
«Uli Zwingli predigte selbst allhier, nahm den Klosterjungfem in der
Samnung ihr Brevier und gab ihnen hergegen das neue Testament
zu lesen.» * Nach der Chronik des Frauenklosters von St. Katharina
von P. Pius Kolb vom Jahre 1759, S. 416, widerfuhr die gleiche Behand¬
lung von Seite des Reformators den Frauen von St. Katharina, die,
von St. Gallen vertrieben, in der Samnung in Wil eine Zuflucht gefunden
hatten.
1 A. St. K.
• Zitiert von Adolf Keßler in : Beschreibung der Franz Müllcr'schcn Ansichten
von Wil, 1896. S. 26.
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Nachdem auch die Samnungsfrauen aus ihrem Hause vertrieben
worden, widersetzten sie sich der doppelten Zumutung von Schultheiß
und Rat von Wil, die 1529 zur Glaubensneuerung übergetreten waren
sich «dem Gotteswort gleichförmig zu machen» und ihre Vermögens
titel auszuliefem, in gleich entschiedener Weise. Während die übrigen
Frauen in Wil ein Obdach fanden, flüchteten sich die Priorin Elisabeth
Huber und Frau Katharina Wächinger mit den Wertschriften der
Samnung nach Rapperswil und suchten Schutz und Hilfe bei den Ab
geordneten der IX Orte in Baden. 1 Noch im Jahre 1557 beklagen
sich die Frauen, daß ihnen eine Jahrzeitstiftung leider seit der ein¬
gerissenen widerwärtigen Zeit, da sie von dem Ihrigen vertrieben
wurden, nicht mehr ausgerichtet worden sei.
Hatten die Frauen der Samnung der Reformation von unbefugter
Seite mutig und entschieden Widerstand geleistet und dadurch den
klaren Beweis ihres kirchlich treuen und in religiösen Dingen woh!
unterrichteten Sinnes geleistet, so widersetzten sie sich doch keines¬
wegs der Reform von Seite ihrer rechtmäßigen Vorgesetzten. Ihr
religiöses Leben hatte unter den bösen Zeitläufen in mancher Beziehung
Schaden gelitten und selbst die vielen Jahrzeiten und kirchlichen
Gedächtnisse trugen dazu bei, indem sie Anlaß boten, daß die Frauen
an den Leichenmählcm und andern Mahlzeiten außerhalb des Klosters
tei Inahmen.
Der um die kirchliche Reform seines Gebietes hochverdiente Abt
Diethelm Blarer 2 schenkte auch der Samnung in Wil seine Aufmerk
samkeit und nahm im Jahre 1557 in derselben eine Visitation vor;
er zog dazu den Dominikanervikar Konrad Burgstaller von Konstanz
bei. Der Rezeß, auf Pergament geschrieben und von beiden Herren
gesiegelt, datiert 26 . November 1557 , * st > n väterlichem Tone gehalten
und mit Stellen aus der Heiligen Schrift und den Ordensregeln woh!
begründet. 3 Er ist indes nicht für die Samnung in Wil erstmals auf¬
gesetzt, sondern bereits bei der Visitation des Klosters Magdenau
durch den Abt von Wettingen im Jahre 1535 ähnlich vorgelegt worden;
1 Schreiben von Schultheiß und Hat von Wil an Undammann und Rat von
Schwyz vom 28. Februar 1530 und von Schultheiß Grunauer und Stadt sc hreibrr
Seiler von Rapperswil vom 6. August 1530. A. W.
* Vgl. SchciwiUr.Dr. A., Reformation und Gegenreformation im St. Gallische,
in Schweizerische Rundschau, Jahrg. XVII. 297.
* A. St. K.
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Abt Diethelm mochte ihn, als 1549 das Recht der Visitation in Magdenau
an ihn überging, daselbst eingesehen haben. 1 Er enthält keine direkten
Klagen über schwere Verfehlungen oder gegebenes Ärgernis, sondern
trifft vielmehr Maßnahmen zur Verhütung von solchen ; dabei gibt
er uns recht interessante und willkommene Einblicke in das innere,
häusliche Leben der kleinen Ordensfamilie, wie wir sie aus den früheren
Urkunden, die ausschließlich Rechtsgeschäfte betreffen, nicht erhalten.
Der Visitator mahnt, wie er versichert, und bittet in väterlicher
Treue alle Ordenspersonen dieses « Gottshüsli * zu Friede und Eintracht
im gemeinsamen Leben, zu treuer Verrichtung des täglichen Chorgebetes
in den sieben Tagzeiten samt dem Kursus der seligsten Jungfrau und
dem Totenoffizium bei Nacht und bei Tag, mit guter Aussprache der
einzelnen Worte, Einhaltung der Pausen und der Bewegungen nach
den Sitten und Gewohnheiten des Ordens und der Regel des heiligen
Vaters Dominikus ; die Frauen sollten sich zum Chorgebet und zu den
Ämtern, welche in St. Nikolaus, Sankt Peter oder in ihrer Kapelle
täglich gehalten werden, rechtzeitig begeben und bis zum Ende der¬
selben bleiben ; sie sollen das Stillschweigen lieben und halten ; die
Oberin soll die Stube, darin die Frauen wohnen und die Kammer,
worin sie gemeinsam schlafen, fleißig visitieren ; diejenigen Frauen,
die Einzelzimmer haben, sollen dieselben zur Visitation der Priorin
ebenfalls gutwillig öffnen ; zur Aufnahme von Gästen soll eine besondere
Kammer eingerichtet, nur wohlbeleumdete Gäste in das Gottshüsli
aufgenommen und längstens drei bis vier Tage darin behalten werden ;
die Priorin soll in Verwaltungssachen nicht eigenmächtig handeln ;
die Kleidung : Röcke, Kutten, Hauben, Schuhe, Säcklein, soll einfach
undohne weltliche Zierde sein ; Pfründerinnen dürfen nur mit Erlaubnis
und Vorwissen der Oberen und des Konventes aufgenommen werden ;
die Frauen sollen unter sich alle Parteiungen vermeiden ; alle sollen
der Priorin als ihrer geistlichen Mutter gehorsam sein ; keinen welt¬
lichen Schutz gegen die Obern suchen ; die Priorin soll, da keine eigene
Pförtnerin da ist, die Haustüre unter guter Obhut behalten und ein
neues Schloß daran machen lassen ; die Frauen dürfen nicht ohne
Erlaubnis zu Gastmählem bei Verwandten oder in anderen Bürger¬
häusern gehen, wie es bisher täglich geschehen ; bei Krankheits- und
Todesfällen der Angehörigen und aus andern wichtigen Gründen kann
1 Hardegger August, Die Cisterzienserinnen zu Maggenau. Neujahrsblatt
für die St. gallische Jugend, 1893, S. 15 und 17.
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es ihnen erlaubt werden ; weder die Priorin noch eine der Frauen
soll ohne Erlaubnis des Vogtes an fremde Orte, sei es nach Einsiedeln
oder in ein anderes Kloster oder sonstwohin gehen ; die Priorin soll
allen Frauen die tägliche Nahrung : Wein, Brot und anderes gleich¬
mäßig zuteilen und um den Konvent und besonders die Kranken treu
besorgt sein, die Küche mit einer geschickten Köchin versehen und
den Frauen, die die Last des Tages tragen, gutes, wohlschmeckendes
Mueß oder Speise geben ; am Konventtisch, an dem alle Frauen essen,
sollen zwei Kapitel aus den vier Evangelien, aus dem heiligen Paulus
oder anderen biblischen Büchern verständlich vorgelesen werden und
zwar mittags und ebenso abends beim « Collatz » vor der Komplet;
die Priorin soll keiner Frau erlauben, in eine auswärtige Badstube zu
gehen und deshalb die eigene Badstube wieder einrichten und wenn
es nötig ist, heizen lassen ; keine Konventualin soll etwas außer das
Kloster testieren ; jede ist erbberechtigt und soll ihren Erbteil lebens¬
lang als Leibding nutznießen, nach ihrem Tode soll die eine Hälfte dem
Gottshüsli, die andere den Verwandten zufallen ; alle Verkäufe von
Gütern und Kleinodien ohne Vorwissen und Bewilligung des Abtes
sind verboten. Die Übertretungen dieser Verordnungen werden mit
strengen Strafen — Fasten bei Wasser und Brod und Kerker — belegt.
Der Beichtvater 1 soll dieselben alle Fronfasten den Frauen im
Kapitel vorlesen und erläutern und mit dem Vogt auf ihre Beobachtung
ein wachsames Auge haben.
Diese heilsamen Verordnungen, die ein wohlgeordnetes klöster¬
liches Leben in der Samnung herstellten, erhielten durch die Konsti¬
tutionen des Abtes Joachim Opscr — aus Wil gebürtig — vom 28. April
1585 einige Ergänzungen, bei deren Erlaß wiederum ein Vertreter
des Dominikanerordens, der Prior Christoph Dürbrüt aus Konstanz,
beigezogen wurde. Den Anlaß bot die Neuwahl einer Priorin, die in
Gegenwart des Abtes, des genannten Priors, des Herrn Heinrich Forer,
Statthalters, des Pfarrers Johann Gnir und des Kaplans Heinrich Wirt
von Wil stattfand. Auf Wunsch der Priorin und des Konventes wurd<‘
folgendes verordnet :
1. Es sollen mit der Priorin nicht mehr als sechs «gewylete*.
das heißt schleiertragende Klosterfrauen, in der Samnung sein.
2. Alle Frauen sollen gemeinsam am Tische aus einer Platte und aus
einem Geschirr essen ; an besonderer Speise, das heißt nebenbei, soll
1 Gewöhnlich der Statthalter des Abtes im Hofe Wil.
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nichts gegeben werden, als jeder wöchentlich ihr Brot, wie es bisher
üblich gewesen. ; die Priorin soll jeder zum Imbiß und zum Nachtessen
ein Quärtli Wein aulstellen und sich selber auch mit der gleichen
♦ Facht * Weins begnügen ; Verwandte oder andere zur Priorin oder
zu den Konventfrauen ins Gottshüsli kommende Gäste sollen auf
Kosten des Konvents, nicht der einzelnen, erhalten werden, doch in
Bescheidenheit.
3. Zur Ausbesserung der Kleider soll die Priorin jeder wöchentlich
einen Batzen geben und denselben auch für sich selbst beanspruchen
können.
In allem übrigen soll es bei den Bestimmungen der Visitation von
1557 bleiben. 1
An diesen Verordnungen des Abtes Joachim vom Jahre 1585
wollen wir nicht ohne einige Bemerkungen vorübergehen. Die Be¬
stimmung, daß die Zahl der Konventualinnen auf sechs beschränkt
werden solle, war keine glückliche. Die Priorin Elisabeth Schwader
tat nicht klug daran, die Aufstellung dieser Verordnung vom Abte zu
erbitten, und der Abt war nicht gut beraten, als er dieser Bitte will¬
fahrte. Diese Bestimmung schädigte das Ordensleben, hemmte die
fernere Entwicklung der Samnung und wurde infolgedessen ihrem
Fortbestände verhängnisvoll. Versetzen wir uns einen Augenblick
im Geiste in die Mitte dieses kleinen Konventes, so werden wir dieses
bald einsehen. Die Verrichtung des Chorgebetes war für eine so kleine
Zahl mühsam und verdrießlich und entbehrte des nötigen Schwunges
und der gegenseitigen Anregung ; traf es sich, daß mehrere der Frauen
alt oder kränklich waren, so lasteten fast alle Arbeiten und Verpflich¬
tungen auf den Schultern der wenigen übrigen ; Kandidaten und
Novizen konnten nur aufgenommen werden, wenn Stellen frei waren ;
durch Zurückstellen gingen sie gar leicht verloren. Etwas mehr Gott¬
vertrauen, Vertrauen auf den Vater, der im Himmel ist, hätte auch
hier gut getan !
Ebenso unglücklich war die andere Verordnung, daß alle Frauen
am Tische gemeinsam aus einer Platte oder aus einem Geschirre essen
sollten, wenn nämlich diese Bestimmung wörtlich aufzufassen ist.
Mochte dabei die Absicht bestehen, den Geist der Armut und des
gemeinsamen Lebens unter den Schwestern zu fördern, so geschah
dies doch nur auf Kosten der gegenseitigen Verträglichkeit und ver-
1 St. A. St. G.
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tr Go ‘ ’S 1
— 16 —
nünftiger Rücksichtnahme und stiftete deshalb mehr Schaden als
Nutzen.
Eine Gefährdung und Schädigung des klösterlichen Lebens, vor,
welcher in den bisherigen Verordnungen nicht die Rede war, ergab
sich zweifelsohne durch die Ausübung der Patenstelle von Seite der
Priorin und der Konvent trauen. Das älteste Taufbuch der Pfarrei
Wil verzeichnet Elisabeth Schwader als Konventfrau in den Jahren
1574-1584 neunzehnmal und als Priorin in den Jahren 1585-159»»
einundzwanzigmal als Patin ; die Priorin Anna Kunz erscheint dreimal.
Barbara Erhärt und Gerschwiler Salome je achtmal, sieben ander*
Konventualinnen erscheinen zusammen zweiundzwanzigmal in gleicher
Eigenschaft, meist an der Seite angesehener Paten, wie der geistlichen
Herren und angesehener Laien von Wil. Im Jahre 1596 tritt zum letzter.
Mal eine Konventualin der Samnung als Patin auf.
Als ehrendes Zeichen darf dagegen die Berufung der Konventfrai;
Katharina Hunzikofer in das Dominikanerinnenkloster zu Weesen
betrachtet werden, die auf Anhalten und Begehren der beiden Om
Schwyz und Glarus und mit Erlaubnis und Zustimmung des Abtes
Othmar von St. Gallen und der Priorin Anna Kunz und der Mit¬
schwestern im Jahre 1566 erfolgte ; die genannte verzichtet am
25. Oktober 1566 auf das Pfrundgeld, das ihr Vater für sie in die Sam¬
nung einbezahlt hatte und auf alle Anforderungen, die sie sonst an
dieselbe haben könnte. Der Vogt der Samnung, Michael Opser, «Vogt-
rychs» (Reichsvogt) in Wil, siegelt an Stelle der Klosterfrau die Ur¬
kunde. 1 Katharina Hunzikofer wurde in Weesen Priorin des Klosters. :
4. Der Personalbestand.
Ganz ohne Zweifel gab es auch in der Samnung ein Verzeichnis
aller Konventualinnen oder wenigstens ein Sterbebuch, aus dem
täglich beim Chorgebete, bei der Prim, die Namen derjenigen vorgelesen
wurden, die an dem betreffenden Tage gestorben waren, wie dies in
1 Original, Pergament A. St. K.
2 Ich stütze mich dabei allerdings nur auf v. Mülinin, II., S. 199. der den
Namen mit iCatharina Hundiskopf, nach 1560, eingeschrieben in die Heilig-Kmir-
bruderschaft der Bühlkirche zu Weesen » angibt. Wahrscheinlich liegt ein Lese
fehler vor. Von Interesse ist das Vorkommen mehrerer anderer Wilerinnen m
der Priorinnenreihe von Weesen um diese Zeit, einer Anna Kopp. 1514, und zweirr
Vertreterinnen des Geschlechtes Senn.
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allen Orden und Klöstern gebräuchlich ist. Leider ist kein solches
Verzeichnis oder Sterbebuch auf uns gekommen und wir müssen uns
mit der Kenntnis der Namen der Priorinnen und der Konventfrauen
begnügen, die, man darf sagen, zufällig in den Urkunden erwähnt sind.
Denn gar manche Aktenstücke sprechen nur von der Priorin, ohne
ihren Namen zu nennen, so zum ersten Mal die Urkunde vom 28. April
1323, und ganz selten kommen darin auch die Namen anderer Konven-
tualinnen vor.
Die Reihenfolge der Priorinnen, soweit sie sich herstellen ließ,
erschien zum erstenmale in dem bekannten Werke von E. F. von
Mülinen. 1 Ich kann dieser Reihenfolge einige Namen böifügen, die
bisher nicht bekannt waren, dagegen müssen daraus auch einige
Namen gestrichen werden, da ihre Trägerinnen bloß Konventfrauen,
aber nicht Priorinnen waren, oder gar nicht zur Samnung in Wil
gehörten. Beigefügt sind die Jahreszahlen der Urkunden, in denen
die einzelnen Namen Vorkommen oder Lebensdaten, die aus denselben
hervorgehen. Dasselbe gilt vom Verzeichnis der Konventualinnen.
Wie es scheint, haben die Konventualinnen der Samnung ihren
Taufnamen bei der Profeß beibehalten. Auffallen muß uns, daß auch
nicht eine einzige Profeßurkunde mehr vorhanden ist; vielleicht wurden
sie, wie in anderen Frauenklöstem in früherer Zeit, den Verstorbenen
in den Sarg mitgegeben.
Priorinnen.
1. Adelhaid Trunger, « swöster », Priorin, 1362, 19. Januar; 1374,
12. April, U. B. St. G. IV, Nr. 1583 und 1725.
2. Anna von Henkart (Henggart), 1388, 6. November ; 1394, 11. Juli,
U. B. St. G. IV, 1968 und 2065.
3. Margareth Borhuser, 1399, 2. Oktober ; 1401,17. Mai, U. B. St. G.
IV, 2175 und 2222.
4. Anna von Sidwald (Krummenau, St. Gallen), 1412, 18. April,
V. B. St. G. V, 2520.
5. Anna von Bondorf (Schwarzwald), 1429, 13. Januar, U. B. St. G.
V, 3460.
6. Gerine (Gert, Gertrud) Gupfer, Tochter des Konrad und der
Margaret Gupfer in Wil, Konventfrau 1442, 3. Januar, U. B. St. G. V,
4347 Priorin 1454,1. November, St. A. St. G.; 1468, 30. Juli, A. St. K.
1 Helvetia Sacra oder Reihenfolge der kirchlichen Obern und Oberinnen etc.
Bern 1858 und z86i.
REVUE DHISTOIBK ECl'LtSUSTlQUE *
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— i8 —
Sie wird in der Urkunde von 1442 Gerine, in derjenigen von 1454
Geri genannt ; es ist kein Zweifel, daß es sich hier um die gleiche Person
handelt, zumal auch der Gegenstand der Rechtshandlung, die zwei
Wiesen auf Wilmatt, genau der gleiche ist ; 1468 aber heißt sie Gertrud
und es betrifft wiederum zwei Wiesen auf Wilmatt in gleicher örtlicher
Lage, aber mit andern Anstößem ; die letztem können aber unterdessen
ganz gut gewechselt haben, so daß es sich wieder um die gleichen Wiesen
handelt, wie auch der übrige Text schließen läßt ; infolgedessen ist
auch die Gertrud Gupfer als Eigentümerin derselben als identisch
mit Gerine und Geri Gupfer zu betrachten. Siehe unten, Abschnitt 5.
7. Verena Schnider, 1473, 3. August ; 1477, 20. März, A. St. K.
8. Elisabeth Huber , Tochter des Ulrich und der Klara Huber in
Wil, 1511, 22. November, A. St. K. ; 1512, Jahrzeitbuch Wil, 204;
1516, 4. Juni 1518, 23. Juni, A. St. K. ; 1520, 4. Mai, St. A. St. G.
9. Maria , resigniert ; lebt noch 1558, 18. Mai, A. St. K.
10. Elisabeth Hafner von Wil , Konventfrau 1542. 17. März, Prionn
1545. 16. Dezember, stirbt 1558, A. St. K.
ir. Anna , 1558. 18. Mai ; 1559, 2 7 - Mai I A St. K - ; wohI iden *
tisch mit
Anna Kunz von Wil, Schwester des Hauptmann Joachim Kunz
in Wil, 1566, 25. Oktober; 1572, 21. Juni, A. St. K. ; 1573; 1574
21. Januar, Taufbuch Wil. 1
12. Barbara Keller , 1576, 1577, 1. November, Taufbuch Wil;
gestorben vor 1585, 28. April.
13. Elisabeth Schwader , Konventfrau 1574-1584, Taufbuch Wil;
Priorin 1585, 28. April bis 1596, 21. Februar, St. A. St. G. und Taufbuch
Wil; lebt noch 1604, 27. Oktober, A. St. K.
14. Katharina Schmitler, genannt Hug, aus Wil, Konventfrau 1587
bis 1595, 2. August, Taufbuch Wil ; Priorin 1596 bis 27. Oktober 1604.
A. St. K.
15. Katharina Eigenmann von Dürliwangen, Thurgau, 1595 Kloster
frau bei den Frauen von St. Katharina auf dem Nollenberg, Taufbuch
Wil ; 1604, 27. Oktober von Abt Bernhard von St. Gallen als Prionu
der Samnung eingesetzt, A. St. K. ; gestorben am 26. Juli 1615, A. St. K
16. Barbara Käfer aus Wil, bis 19. August 1616 ; gestorben zu
St. Katharina in Wil am 27. Juli 1617, A. St. K.
1 Die Auszüge aus dem Taufbuch Wil verdanke ich der Güte des Herrn
Paul Zuber.
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I
Von Mülinen exwähnt noch zwei Priorinnen mit dem Familien¬
namen von Helmsd«>rf in der Zeit von 1572-1585, deren Namen aber
in Wil nicht Vorkommen. Sie finden sich auf einer Totentafel des
Schweizerischen Landesmuseums in Zürich, die aus dem Kloster
St. Katharinathal stammt. (Offizieller Führer, 4. A. S. 43.)
Konventualinnen.
1. Elisabeth, Tochter des Herrn Rudolf von Dürnten, Zürich.
1284.
2. N. ab dem Huse, Tochter des Heinrich ab dem Huse, Obertutwil,
Thurgau, eines Dienstmanns der Grafen von Toggenburg, 1323.
3. Anna Engler, Schwester des Konrad Engler, Leutpriesters
zu Bemang (Bernegg), St. Gallen, 1388.
4. Adelheid, Witwe des Schulmeisters Burkart Thüringer, um 1400. 1
5. Margreth Schmidberger, wahrscheinlich Tochter des Konrad.
Bürgers zu Wil, und der Ursula Koler, 1429, 1430, 1432.
6. Adelheid Großmann von Wil, vor 1487.
7. Katharina Rösch, wahrscheinlich eine Tochter des Konrad
Rösch, Schwester des Pfarrers Konrad Rösch in Wil, um 1500.
8. Anna Hohans, Tochter des Konrad, «Schniderkonradli * ge¬
nannt, und der Margreth Greminger, Base des P. Heinrich Hohans,
Augustiners in Konstanz, 1511, 1513.
9. Margreth Sailer, Tochter des Reichsvogtes Hans Sailer und der
Elisabeth Proglin, 1512.
10. Rachilla, wahrscheinlich eine Schwester des Junkers Heinrich
'on Schwarzach, um 1512.
11. Katharina Wächinger, 1530, 1542.
12. Dorothea Schnider, Tochter des alt Schultheiß Lienhardt in
Wi| . 1535 -
13. Katharina Herzog, deren Base die Priorin Elisabeth Hafner
1558 . 1573 -
14. Katharina Hunzikofer; sie tritt auf Wunsch der Orte Schwyz
und Glarus mit Einwilligung der kirchlichen Obern im Jahre 1566
'n das Kloster Weesen über.
15. Erhärt Barbara, 1575-1588.
1 Meister B. Thüringer entscheidet als Obmann in einem Zehntstreite 1367
irischen dem Kloster Magdcnau nnd Rudolf von Andwil. Vgl. Keßler G., Schul-
Kwchichtliche Notizen ans Wil, Pädagogische Blätter. Einsiedcln 1910 , S. 657 .
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20
16. Gerschwiler Salome, 1576-1580.
17. Größer Barbara. 1576-1589. J
18. Katharina Rüti von Wil, 1589-1615, gestorben 8. Januar 1641. I
19. Helena Riggenschwiler von Wil, 1593. 1615, gestorben 2. Ok- I .
tober 1626. |
20. Elisabeth Kopp, Tochter des Fabian und der Magdalena Ritz, I
von Wil. geboren 1576. eingekleidet 1590. Konventfrau 1604, 1615 I
gestorben 24. Februar 1646. I
21. Magdalena Bolstetter — in der Translationsurkunde von 1615 |
steht unrichtig Dolschwiler — Tochter des Jakob und der Justina I
Spön von Radolfzell am Untersee. gestorben 18. Mai 1665. I .
Es sind also im ganzen bis jetzt bekannt : 16 Priorinnen und 21 I.
sonstige Konventualinnen, zusammen 37, gewiß nur ein kleiner Teil I
der einstigen Mitglieder der alten Samnung in Wil. Hoffen wir. daß
die Namen aller ohne Ausnahme eingetragen seien im Buche de* I
Lebens! J.
5 . Der Lebensunterhalt und die Verwaltung. 1
Das Kirchcnbrod, das bei den Jahrzeiten ausgeteilt wurde, und 1
die Vergabungen an den Tisch der Schwestern waren in der Samnuiu; |
sicher willkommene Beigaben an den täglichen Lebensunterhalt. Ein I
eigentliches Stiftungsgut zu diesem Unterhalt scheint von Anfang an I
überhaupt nicht vorhanden gewesen zu sein. Der gemeinsame Besitz I
beschränkte sich offenbar auf das Haus, das die Frauen bewohnten. I
und die sich daran schließende Hofstatt oder den Hausgarten. Doch
zeigt sich mit der Zeit auch das Bestreben, in der nächsten Umgebung; 1
mehr Grund und Boden zu gewinnen. Freilich beginnt dieser Erwerb
erst im zweiten Jahrhundert seit dem Bestehen der Samnung. Vielleicht
war ihr vorher der Ankauf liegender Güter obrigkeitlich verwehrt
aus Furcht vor dem Übergang derselben in den Besitz eines Kloster*
oder der sogenannten « toten Hand *. Später wurde ihr der Ankauf
liegender Güter ohne weiteres eingeräumt oder die Erlaubnis dazu
war leicht erhältlich. Sehen wir nun. w f as hierüber die alten Urkunden
und Aufzeichnungen der Samnungsfrauen enthalten.
Im Jahre 1390 verkauften die zwei Schwestern Ursula und Margreth
Kamerer in Zürich ihre Wiese und zwei Gärten vor der Stadt Wil
der Samnung für 80 Pfund Heller. Neun Jahre später findet ein neuer
Kauf um eine Wiese auf der Wilmatt um 25 y 2 Pfund Pfennig statt;
e
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21
Verkäufer sind Wernher und Albrecht, die Holzhuser, genannt Keller
von Bütschwil; 1433 begegnet uns in einer Urkunde eine Wiese auf
der Wilmatt, welche die Samnung an Bertschi Witwil verkauft
hatte.
Von besonderer Bedeutung für die Samnung wurden die zwei
Wiesen auf Wilmatt, welche die Priorin Gerine oder Gertrud Gupfer
am 30. Juli 1468 ihrem Konvente als Teil ihrer Jahrzeitstiftung über¬
gab. Sie hatte dieselben laut Urkunde vom 3. Januar 1442 von Elsbeth
Schnetzer von Wil, Ehefrau des Hans Boßhart, Bürgers in Zürich,
um 64 rheinische Gulden gekauft und am 1. September 1454 von Abt
Eglof von St. Gallen die Erlaubnis erhalten, sie der Samnung als eigen
zu vergaben. 1
1520 ist abermals von einer Wiese auf Wilmatt die Rede, die
Konrad Langenhardt, Bürger zu Wil, den Frauen in der Samnung
verkauft hatte. Diese Wiesen können nicht groß gewesen sein, vielleicht
jede nur 60-100 Aren nach heutigem Maß. An auswärtigem Besitztum
erhielt die Samnung 1323 die Schuposse — ein Grundstück von zwölf
Jucharten — zu Obertutwil als Leibding oder Rente der Tochter des
Heinrich ab dem Huse, die in die Samnung eingetreten war ; 1419
kaufen Priorin und Konvent in Wil von Abt und Konvent von St. Jo¬
hann im Turtal das sogenannte Johannergut zu Buwil unterhalb
Andwil, aus welchem die Samnung schon früher einen ewigen Zins
von 4 Mutt Kernen Wiler Maß besaß.
Neben dem Gutsbesitz erwarb die Samnung im Laufe der Zeit
Geld- und Naturalzinse ab verschiedenen Gütern, insbesondere seit
dem Jahre 1438 von einem Gute in Maugwil, das sie der Frau Anna
Wetzlin und ihren Töchtern verkauft hatte, und seit 1518 ab dem
sogenannten Horber Hof daselbst, dem Besitztum des Hans Horwer
und seiner Rechtsnachfolger.
Auch das Grundstück in Obertutwil hatte die Eigenschaft eines
zinspflichtigen Erblehens ; der Zins betrug jährlich 10 Viertel Kernen,
50 Eier und 3 Hühner. Die Samnung gestattet am 3. November 1523,
daß Eis Lemp, die Witwe des Rudi Huß, vielleicht eines Nachkommen
des Heinrich ab dem Huse, das Gut an Klenhans Wegman verkauft
unter Zusicherung der schuldigen Zinsabgabe. Dieselbe ging später
an St. Katharina über.
Eine kaum nennenswerte Einnahme bildeten die Erträgnisse der
1 Siehe die Urkundenzitate oben S. 18 , Priorinnen, Nr. 6.
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Jahrzeitstiftungen, für deren jährliche Abhaltung die Samnung besorgt
sein mußte und dafür die Zinsen bezog.
Diesen Gutsbesitz oder wenigstens einen Teil davon behielt die
Samnung bis zu ihrem Übertritt in das Kloster zu St. Katharina
Im Jahre 1623 vertauschte letzteres die zwei Samnungswiesen aul
der Wilmatt bei St. Peter, die einst der Priorin Gerine Gupfer gehört
hatten, mit dem Abt von St. Gallen gegen gleich viel Wiesland in der
Pündt, in der nächsten Nähe von St. Katharina, wo heute das Töchter¬
institut steht. Infolge dieses Tausches gingen auch die zwei Urkunden
von 1442 und 1454 in den Besitz des Klosters St. Gallen über.
Laut Bestandesaufnahme vom 27. Oktober 1604 bezog die Sain-
nung an jährlichen festen Einkünften insgesamt : an Geld 282 Gulden
4 Schilling 9 Pfennig ; an Kernen 36 Mutt 4 Viertel ; an Hafer 1 Malter
und 1 Mutt ; an Eiern 50 und an Hühnern 5, gewiß kein übermäßig
reiches Einkommen !
Außer dem gemeinsamen Besitze standen nach damaligem Ge
brauche den einzelnen Konventualinnen unter der Aufsicht der Obern
noch persönliche Nutznießungen, das sogenannte Pekulium, zu, Zinse
aus den Leibdingen und andere Zuwendungen. Auch das Verfügung*
recht über derartige Güter dauerte fort. So erklärt es sich, daß Priorin
Gerina oder Gertrud Gupfer ihre Wiesen der Samnung, also ihrem
eigenen Kloster, vergaben und zu Gunsten ihrer Familie eine Jahrzeit
stiften konnte.
Die Verwaltung des gemeinsamen Gutes und die Obsorge für den
täglichen Lebensunterhalt oblag der Priorin. In den älteren Urkunden
wird sie als Vertreterin des Konventes genannt. Doch schon 1429
bevor die Samnung unter den Schutz und die Aufsicht der Äbte von
St. Gallen gestellt war, stand ihr als Ratgeber und Vertreter bei Rechts
handlungen der Vogt zur Seite, welchen, wenigstens später, der Abt
von St. Gallen als kirchlicher Oberer ernannte. Bei der Visitation von
I 557 werden dem Vogte sogar die Kompetenzen erteilt, die Erlaubnis
zu einer Wallfahrt nach Einsiedeln oder zu einem Gange in ein anderes
Kloster oder sonst wohin zu erteilen und in Abwesenheit des Beicht¬
vaters alle Fronfasten den Visitationsrezeß den Frauen vorzulesen
und über dessen Ausführung wachen zu helfen. Er wird gelegentlich
auch Pfleger oder Vormund genannt. Dagegen stand ihm nicht die
eigentliche Verwaltung des Klostergutes zu, auch nicht dem Rate der
Stadt Wil; die zwei Konventualinnen Elisabeth Huber und Katharina
Wächinger weigern sich im Einverständnis mit ihren Mitschwestem
gle
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23
im Jahre 1530 energisch dagegen, dem Rate ihre Besitztitel, mit denen
sie zu größerer Sicherheit geflohen waren, herauszugeben.
Folgende Männer, meistens Mitglieder des Rates zu Wil, begegnen
uns in den Urkunden als Vögte, Pfleger oder Vormünder der Samnung :
Heinrich Ledergerw 1429, Hans Klinger 1473, 1477, Johann
Klinger 1516, Rudolf Sailer 1518, 1520, 1542, 1545 (1559 Rudolf Sailer
der alt, gewesener Vormund und Vogt der Samnung), Sebastian Uelin
1558, 1559, Reichsvogt Michael Opser 1565, Christoph Rütte 1583,
1593. Bei der Übersiedelung nach St. Katharina geschieht keines
Vogtes Erwähnung.
Die Rechtsstreitigkeiten, an denen die Samnung bisweilen beteiligt
war, betrafen zumeist Befugnisse oder Pflichten, die auf ihrem Grund
und Boden hafteten.
Als Nachspiel der Reformation in Wil begegnet uns ein schieds¬
richterlicher Entscheid des Pfalzgerichtes in St. Gallen, wodurch den
Flauen in der Samnung für den erlittenen Schaden 70 Gulden zuge¬
sprochen werden, dem Hofammann und den «Plaikem » 50 Gulden ;
die Räte des Jahres 1530, «so domalen geregiert», hatten daran
100 Gulden beizutragen. 1
6. Dfe Einverleibung mit dem Kloster St. Katharina.
Der Konvent der Samnung in Wil war auf die Dauer nicht mehr
lebensfähig. Die Zahl der Konventualinnen war zu klein für die Ab¬
haltung des Chorgebetes und die Einkünfte reichten für eine größere
Zahl nicht aus. Das Haus war enge und ungeeignet für das klösterliche
Leben; althergebrachte Verpflichtungen, wie die Teilnahme an den
Jahrzeiten in St. Peter und die Entfernung von ihren Wiesen und
Gärten traten demselben ebenfalls hindernd in den Weg und machten
die Klausur unmöglich. Auf Grund dieser Wahrnehmungen richtete
der geistliche Vorgesetzte dieses Konventes, Abt Bernhard von Sankt
Gallen, ein Bittgesuch an den Heiligen Vater in Rom, es möchte ihm
erlaubt werden, die Samnung mit dem Kloster zu St. Katharina zu
Wil zu vereinigen.
Das Kloster der hl. Katharina, gestiftet 1228 in der Stadt Sankt
Gallen, fiel daselbst nach dreihundertjährigem Bestände der Refor¬
mation zum Opfer, indem es 1528 aus der Stadt vertrieben wurde, da
1 St. A. St. G.
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24
sich die Konventualinnen weigerten, den neuen Glauben anzunehmen.
Der tatkräftigen Priorin Regula Keller gelang es, die Überreste des
Konventes im Jahre 1561 auf dem Nollenberg bei Wuppenau anzu¬
siedeln und zu neuem klösterlichem Leben zu vereinigen. Von Uu
gemach heimgesucht, bezog die klösterliche Familie im Jahre 1607
ein neues Heim vor den Mauern der Stadt Wil in der Pündt; von der
Samnung aus zog sie dorthin. Mit diesem Konvente gedachte Abt
Bernhard die fünf Mitglieder der Samnung zu vereinigen. St. Katharina
zählte damals fünfzehn Konventualinnen.
Die gleiche Erlaubnis erbat sich der Abt auch zu der Übersiedelung
der sechs oder sieben Schwestern vom dritten Orden des hl. Franziskus
von Hundtobel nach Rorschach.
I
Durch päpstliches Breve vom 30. Dezember 1614 wurde den
päpstliche Nuntius in der Schweiz, Graf Ludwig Saregi, mit dem Unter¬
such und Vollzug dieser Angelegenheit betraut. Der hohe Herr verfügte
sich zu diesem Zwecke nach Wil und besichtigte in Gesellschaft des
Abtes die beiden Ordenshäuser und fand alles so, wie es ihm der Abt
bereits kund getan hatte. Die Überführung der Samnungsfrauen nach
St. Katharina wurde auf den 19. August 1615 angeordnet. Dieselben
gaben hiezu ihre Zustimmung, ebenso zu den übrigen Bedingungen:
nämlich, daß die Priorin der Samnung auf ihr bisheriges Amt ver¬
zichte, daß alle Schwestern sich unter den Gehorsam der Klosterobem
von St. Katharina begeben, daß ihr Haus und die Kapelle in der Stadt
und ihr zeitliches Gut mit allen Einkünften an das Kloster St. Katharina
übergehe, und daß in dem bisherigen Haus der Samnung ferner keine
Einkleidung und keine Profeß mehr stattfinden solle. Ihrerseits er¬
klärten sich auch die Klosterfrauen von St. Katharina bereit, die Sam-
nungsschwestem unter diesen Bedingungen in den Klosterverband
aufzunehmen und als wahre Mitschwestem zu betrachten. So erfolgte
denn am 19. August 1615 die Übersiedelung der fünf Konventualinnen
der Samnung, nämlich : Barbara Käfer, Priorin, Katharina Rüti.
Hilena Riggenschwiler, Elisabeth Kopp und Magdalena Bolstetter
nach St. Katharina. P. Kolumban Tschudi, Statthalter in Wil. ihr
Beichtvater, geleitete sie dorthin. Der Nuntius und P. Jodok Metzler
als Vertreter des Abtes von St. Gallen und der Konvent von St. Katha¬
rina erwarteten sie im innern Chore. Der Nuntius hielt bei ihrer An¬
kunft eine kleine Ansprache über Friede, Liebe und Einigkeit und
empfahl sie der Priorin und den übrigen Konventualinnen. Sie gelobten
der Priorin Gehorsam und wurden von ihr als geistliche Töchter und
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von allen übrigen durch Umarmung, Friedenskuß und Einweisung in
ihre Plätze in den Chorstühlen als vollberechtigte Mitschwestem auf¬
genommen. Zum Schlüsse ermahnte der Nuntius alle zur treuen Beob¬
achtung der Klausur, zu welchem Zwecke das Kloster mit genügend
Garten und mit einer Mauer umgeben werden solle.
Mit diesem Akte hat die Samnung zu Wil zu existieren aufgehört.
Die Einverleibung der letzten Samnungsfrauen mit den Konven-
tualinnen zu St. Katharina stellt beiden Teilen ein gutes Zeugnis aus:
•len erstem, weil sie des höheren Zweckes, der Führung eines regelrechten
klösterlichen Lebens willen, ihre Selbständigkeit aufgaben und sich
willig unter den Gehorsam einer neuen Oberin und einer strengeren
Hausordnung begaben. Den letzteren, daß sie dieselben, obwohl nicht
in ihrer Mitte erzogen und im Alter schon vorgerückt, ohne Wider¬
streben als Mitschwestem aufnahmen und behandelten.
Die Übersiedelung der Samnung in das Frauenkloster zu St. Katha¬
rina trug auch dazu bei, daß daselbst ein eigener Beichtvater angestellt
werden konnte. Bisher hatte einer der Patres im Hof Wil dieses Amt
versehen. Der apostolische Nuntius Saregi gestattete am 2. Oktober
1615, daß das Frauenkloster die 5 y 2 Mutt Kernen, welche die Samnung
alljährlich an die Spend gegeben hatte, fortan zum Unterhalt des
Priesters, der in ihrer Kirche die heilige Messe las, verwenden durfte.
7 . Das spatere Schicksal der alten Samnung bei St. Nikolaus.
Um den Konvent von St. Katharina in keiner Weise mit dem
Unterhalt und der Bedienung der Dominikuskapelle bei St. Nikolaus
zu belasten, erlaubte der apostolische Nuntius in der Translations¬
urkunde, dieselbe abzubrechen oder zu anderen ehrbaren Zwecken
zu benützen. Das Frauenkloster machte von dieser Erlaubnis vorder¬
hand keinen Gebrauch.
Wozu indessen das Haus der alten Samnung benutzt wurde,
ist nicht bekannt. Im Jahre 1657 scheint cs den ehrwürdigen Vätern
Kapuzinern vor ihrem Einzuge in das neuerbaute Kloster zum einst¬
weiligen Aufenthalt gedient zu haben. Das geht aus einem Beschlüsse
des Stadtrates von Wil hervor, der zum Jahre 1657 folgendermaßen
in das Ratsprotokoll eingetragen ist:
«Schießen unter dem Gottesdienst von der Stadt befohlen.
Weil die Patres Kapuziner aus der Samlung in das neue Kloster
mit dem Hochwürdigsten und in öffentlicher Prozession einziehen
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— 26 —
wollen, ist beratschlagt, daß an bestimmtem Ort und zu bestimmter
Zeit, nämlich unter dem Gloria, Evangelium und Elevation die Doppel
haken und Geschütz und die Stücklein gelöst werden. *
In der Folge wohnten Hausleute in dem Hause, was zu Zwistig¬
keiten mit der Stadtbehörde führte. Der Statthalter im Hof bean¬
spruchte im Namen seines gnädigen Herrn die Jurisdiktion über die¬
selben, so daß er zum Beispiel bei eintretenden Todesfällen sein Siegel
an die Hinterlassenschaft anlegte und dasjenige des Schultheißen oder
Stadtammanns entfernte, mit der Begründung, daß das Haus eine
klösterliche Wohnung sei und die Privilegien eines Klosters genießt.
Es bestand im Frauenkloster die Furcht, es möchte im Falle des Zuge¬
ständnisses diese Befugnis von der Stadtbehörde auch auf Kosttöchter
und Verpfründctc im Kloster selbst ausgedehnt werden. Der Streit
wurde an das Konsistorialgericht nach St. Gallen gebracht.
Er fand seine definitive Erledigung, indem die Stadt Wil im Jahre
1756 die Gebäulichkeiten der alten Samnung zu Lehen nahm, mit
der Absicht, die Stadtschule darin halten zu lassen ; 1783 brachte sie
dieselben und zwar das Wohnhaus und die Kapelle, käuflich an sich
mit der Berechtigung, darüber für alle Zeiten nach Gutdünken zu
verfügen. Der Kaufpreis beträgt 800 Gulden. Dazu wird dem Kloster
die rückständige « Patrollwachtsteuer • nachgelassen, die es sich bisher
zu zahlen geweigert hatte, die fernere Entrichtung derselben aber im
Betrage von 7 y 2 Gulden jährlich zur Pflicht gemacht. 1
Bis zum Jahre 1835 diente die alte Samnung zu Schulzwecken,
worauf sie mitsamt dem angrenzenden Heiliggeist-Spital abgebrochen
und durch ein neues, 1840 eingeweihtes Schulhaus ersetzt wurde.
An die Stelle der einstigen Dominikuskapelle trat die aussichtsreicht
Kirchenterrasse mit dem steinernen Treppenaufstieg von der Graben¬
straße her.
Zum Besuche des Gottesdienstes in der Pfarrkirche zu St. Nikolaus
besaßen die Frauen der Samnung, wie wir gehört, ehemals das Recht
auf zwei oder drei Kirchenstühle in derselben. Mit dem übrigen Besitz-
1 Im Jahre 1622 hatten Schultheiß und Rat der Stadt Wil das Frauenkloste:
gegen Bezahlung von 346 Gulden 10 Batzen von jeder Steuer für alle künftig*
Zeit freigesprochen ; 1652 wurde diese Vereinbarung bestätigt und durch gesiegelte
Pergamenturkunde bekräftigt; im Jahre 1725 wurde diese Steuerfreiheit infolge
erhobener Klagen von Seite der Stadtbehörde von Wil nach Entscheid des Koc
sistorialgerichtes in St. Gallen auf die Kapitalien und die Barschaft des Frauen¬
klosters beschränkt. Später scheint die Sache in Vergessenheit gekommen zu sein.
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t
- 27 —
tum der Samnung ging auch dieses Recht an das Frauenkloster zu
St. Katharina über. Am 12. August 1642 bekennt Hans Jörg Dietrich
Ryssy, Bürger zu Wil, in einem Reversbrief, daß ihm aus «sundern
Gnaden und Gunsten » von der ehrwürdigen geistlichen Frau Priorin
des Gotteshauses zu St. Katharina bewilliget worden sei, in ihres
Gotteshauses eigenem Kirchenstuhl in der Pfarrkirche zu St. Nikolaus
einen «Standt * zu haben und während des Gottesdienstes zu benützen.
Am 7. Januar 1654 entschieden ihre fürstlichen Gnaden von Sankt
Gallen auf Anbringen von Schultheiß und Rat zu Wil, daß dem Gottes¬
haus St. Katharina die hintern oder Samlungsstühle sein und verbleiben
sollen, wohin es auch seine Dienstboten und fremden Gäste stellen
und so dieselben benützen könne. Schultheiß und Rat geben darüber
dem Frauenkloster einen Revers mit dem Beifügen, daß sie für den
Fall, daß die Klosterfrauen durch Pest, Brand, Krieg oder andere
Ursachen genötigt würden, den Gottesdienst in der Pfarrkirche zu
besuchen, ihnen nach Gebühr und Notdurft Stühle einzuräumen bereit
seien. Dieser Entscheid wurde am 20. Mai 1682 vom Abte Gallus Alt
unter Berufung auf die Urkunde von 1654 neuerdings bestätigt. Ob
in dieser Sache später noch ein Entscheid getroffen wurde, entzieht
sich zur Zeit unserer Kenntnis.
Ein Wiler Künstler, Direktor Franz Müller (f 1887), hat das Bild
der ehemaligen Samnung mit der Dominikuskapelle kurz vor dem
Abbruche mit andern Ansichten des alten Wil mit seinem Zeichenstifte
festgehalten. Es wurde in der sehr verdienstvollen Publikation : « Alt
Wil in Bildern», Wil, Verlag von F. G. Sailer (1896) reproduziert.
Die ehemalige Samnung hat ein freundliches Andenken in Wort und
Bild wohl verdient.
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Aymon de Montfalcon
EVfiQUE DE LAUSANNE, 1491-1518
Par M. REYMOND
8cm fclectkm
Benoit de Montferrand, 6veque de Lausanne et comte de Vaud,
prince du Saint-Empire, se sentant malade apr&s quinze annees d'un
episcopat tres mouvementc, avait fait son testament le 26 avril 1491 *,
puis s’dtait mis en route pour aller passer ses demiers jours dans sa
demeure familiale de Lanieu cn Bugey. La mort l’arreta ä Nyon le
samedi 7 mai * Son corps fut immcdiatement transporte ä Lausann.-
oii ses fun6railles eurent lieu solennellement dans la cath6drale, le len-
demain dimanche. Le lundi 9 mai, apres un office solennel, les chanoines
presents, au nombre de quinze, se reunirent dans la salle capitulaire
du cloitre, aux fins d’elire un nouvel 6veque. Les deux principaux
dignitaires du Chapitre etaient absents, le prdvot Andre Provanes
vraisemblablement en Savoie, et le trdsorier Jean de Salins, probabk-
ment ä la cour d'Alleniagne. Ce fut en consequence le chantre, le vene-
rable Joffred des Arches, qui depuis pr£s d'un demi-siecle assistait
regulierement aux seances du Chapitre, qui presida l’assemblee. 11
fit l’eloge du defunt, puis proposa de le remplacer par le meilleur et
le plus sage des chanoines. L’un des assistants, le doyen de Savoie.
Philippe de Compey, qui, vingt ans auparavant, avait 6t6 lelu du
Chapitre, mais avait du ceder l’Eveche ä Julien de la Rov£re (le pap>e
Jules II), se leva et proposa comme 6veque le protonotaire Francis
de Colombier. Le chantre et tous les autres chanoines approuvdrenr
I’un apres l’autre ce choix, ä l’exception du pr6vöt de Berne, Jear.
1 Arch. Eveche de Fribourg et A. C. V., sd*rie C, IV, 6 i 3 .
* Ces dates resultent du Manuale Capituli , f. 3 k 3 , aux Arch. Eveche; de
Facte de nomination de Francois de Colombier (A. V. L., Corps de ville. EE,
et des comptes de la ville de Lausanne, f. 3 a, qui disent express£ment que Benort
de Montferrand mourut le samedi 7 mai et fut enseveli le dimanche.
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— 29 -
Armbraster, qui s’Stait retire d6s le debut des operations et qui, rejoint
par deux de ses coltegues, avait refuse de leur dire quel etait son can-
didat. Frangois de Colombier tut nooobstant proclam6 elu, sous reserve
de ratification par le Saint-Si£ge. Apr£s un Service d’actions de gräces,
il fut conduit au son des cloches dans la cath6drale, au chceur, devant
le maitre-autel, et lä son 61 ection fut annoncee au peuple. Le notaire
Pierre de Fossa en dressa proc^s-verbal. En attendant la confirma-
tion de Rome, Frangois de Colombier fut nomm6, avec deux autres
chanoines, syndic et administrateur de la mense 6piscopale, le si£ge
vacant.
Le prdvöt Jean Armbruster qui vient de nous apparaitre ütait
un personnage fort influent. C’est lui qui avait, avec l’assentiment de
Benoit de Montferrand, dont il 6tait le familier, cr66 le Chapitre coltegial
de Berne et il 6tait en quelque sorte consid6r6 comme le chef de la partie
>
allemande du dioc^se. Il pr6tendait cettc fois-ci le gouverner tout
entier. A la nouvelle de la mort de Benoit, il 6tait accouru k Lausanne.
Il n etait point seul, car les comptes de la ville de Lausanne mention-
nent l’arrivee, dans la cit£ 6piscopale, le lundi, des avoyers de Berne
et de Fribourg avec le pr6vöt 1 , ainsi que la r&eption que les magis-
trats lausannois leur firent. En route, se trouvant k Payeme dans la
nuit du dimanche au lundi, ä i heure du matin, il avait ecrit au Conseil
de Fribourg l'assurant que le Chapitre nommerait le candidat des villes
ä la condition qu’il füt pris dans son sein, qu'il y aurait avantage pour
lui ä ce que l' 61 u nc füt pas un welsche, comme cela avait toujours
et£ le cas pr6c£demment, et que lui-mfime le favoriserait s’il 6tait 6lu *.
Mais l’avoyer de Fribourg 6tait dejä sans doute sur le chemin de Lau¬
sanne quand la lettre arriva aux bords de la Sarine, et k la Citü de
Lausanne il put se convaincre du peu de chances du prevöt de Berne.
Il ne fut plus question, des lors, de la candidature de ce demier.
Suivant certains auteurs *, le Chapitre aurait encore discute un
autre nom et meme porte sur lui ses suffrages. Il s'agirait du chanoine
Guillaume de Montdragon qui, lui non plus, n’assistait pas k la s6ance
du 9 mai. Mais son nom ne figure pas au Manuale Capituli qui rend
compte de l’dection de Frangois de Colombier. Comme ce compte
rendu occupe les demi^res pages du registre conservü k l'Evüchü, a
1 Les comptes disent que les avoyers arrivferent avec le drapeau de Berne.
’ Schmitt et Gremaud, Histoire du diocise de Lautanne, t. 11, p. 240.
* Besson, Mimoires pour l’histoire ecclisiastique des diocises de Genive. etc.,
P- 176 .
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30
Fribourg, et que le registre suivant a disparu, on ne peut savoir >i
le Chapitre est peut-etre revenu de sa premifcre d6cision et a plus tard
remplac£ Francois de Colombier par Guillaume de Montdragon. La
chose est toutefois peu vraisemblable.
Le Chapitre n’ignorait pas que la d6cision definitive serait prist
ä Rome, au Saint-Si£ge, oü les influences locales avaient peu de poids
et oü l'on obeissait g6n6ralement ä d'autres suggestions. A peine la
nouvelle de la mort de Benoit de Montferrand 6tait-elle arrivee ä la
cour de Savoie, que le duc Aim6 IX avait envoye ä Rome un courriei
recommandant une candidature qui n’etait aucune de celles que nou>
venons de nommer, mais celle d’un de ses conseillers, maitre de sa cha-
jjelle, Aymon de Montfalcon, abb6 de Hautcret et prieur de Ripaille,
beau-früre de l’ivöque defunt, et cette recommandation avait d’autant
plus de poids que, quelques semaines auparavant, le duc avait dejä
solIicit£ le Pape de donner Aymon comme coadjuteur k Benoit.
Cependant, un autre personnage aurait pu s’opposer utilement
ä cette candidature, l’empereur Fr6d6ric III. Celui-ci avait en efiet
un candidat particulier, dans la personne du tresorier meme du Cha¬
pitre, le protonotaire Jean de Salins, dont nous avons constatü l’absence
un peu insolite aux obs£ques de Benoit et qui parait avoir frequente
la cour impüriale, comme repr&entant de l’6veque düfunt. L’empereur
envoya ses messagers ä Rome pour recommander le protonotaire.
Mais Turin est plus pr6s de la Ville etemelle que l’Allemagne, et lorsque
le nonce imperial arriva ä Rome, le pape Innocent VIII, dans un con-
sistoire tenu le 16 mai, a 16 heures de l’apr£s-midi — cette pr£cision
nous est foumie par une lettre d’Aymon lui-meme au Conseil de Fri¬
bourg 1 —, avait preconise 6veque de Lausanne le maitre de la chapelle
et conseiller du duc de Savoie. L’empereur n’eut plus qu’ä s’incliner.
Dans une lettre du 16 octobre 1493 *, adress6e ä la duchesse Blanche
de Savoie, il rappelle que l’eveque de Lausanne, 6tant prince du Saint-
Empire, ne relevait d’aucun autre prince, pas meme celui de Savoie.
et que c’6tait ä l’empereur seul ä prdsenter un candidat. Cependant,
par gain de paix et k la demande meme du protonotaire de Salins, il
renonfait k exiger reparation, k la condition toutefois que la duchesse
accordät ä son protege le premier ev£ch6 vacant ä venir, ce dont la
duchesse d’ailleurs ne se soucia pas.
1 Bibi. canl. de Fribourg. Coli. Girard, t. XII, f. 76. Eubel, Hierarchia. Il,
192. Wirz, Regesten, V, n' 439, A. V. L. Poncer, Bulles, n' 2.
* A. C. V. Sörie C I b, n' H.
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3i
L’incident, en definitive, n’avait fait qu’affirmer davantage l’in-
fluence pr6ponderante du duc de Savoie sur l’evech£ de Lausanne,
influence que ni Ie Chapitre, ni les villes de Berne et de Fribourg, ni
nieme l’empereur ne pouvaient contrebalancer ä Rome.
La carrtöre d’Aymon de Montfalcon
Le nouvel 6v£que de Lausanne, Aymon de Montfalcon, n etait
plus un jeune homme. II pouvait avoir environ cinquante ans. II appar-
ti-nait ä une importante famille du Bugey, que Ton eite d6jä ä la fin
du onzieme siede, et qui, ä l’gpoque ofi nous sommes, possedait la
baronnie de Flaccieu et plusieurs autres terres V II 6tait le cinquidme
fils de Guillaume de Montfalcon et de sa femme Marguerite, laquelle
etait soeur d'un ancien chanoine de Lausanne, Urbain de Chevron-
Villette, qui avait 6te 6veque elu de Gen£ve et mourut archevSque
de Tarentaisc. Une des soeurs d’Aymon, Alice, avait epouse Claude
de Montferrand, fr&re de l'6veque Benoit. Neveu et beau-frdre d’dveques,
Aymon ne pouvait etre surpris de sc trouver un jour place au memc
rang qu’eux.
On ne sait quelle universite ^ymon fr£quenta : ce fut peut-6tn
ä Turin qu’il acquit le titre de docteur en droit canon. II se destina
tuut d’abord ä la vie religieuse et, ä la fin de sa vie, le pape L6on X
L qualifie de profös de l’Ordre de Saint-Benoit *. L’historien Guichenon
l’a trouvS, en effet, religieux, puis aumönier du monast£re b6n6dictin
de Saint-Rambert de Joux en Bugey, et, d&s 1471, Aymon nous appa-
ra it comme prieur d'Anglefort, un prieure rural döpendant du couvent
d’Ambronay, et qui se trouve ä une lieue de Seyssel, sur la route de
Belley. II est ä croire que le futur 6veque fut simplement pourvu des
bfnefices du prieur^ et de l'aumönerie — b6nefices d’un revenu m£-
diocre d’ailleurs — , car, dds cette epoque, nous le voyons ä la cour
de Chambery. Aymon de Montfalcon, prieur d’Anglefort, est nomme
eonseiller ducal k rdsidence continue, par brevet du 11 septembre 1471 3 .
Ou ne peut guöre lui donner alors moins de trente ans.
Deux ans plus tard, Aymon de Montfalcon, qualifie alors de prieur
Coyse, d'Anglefort et de Douvaine, est envoy6 ä Rome par l’un
des princes de Savoie, Louis, ä qui sa femme a apporte les beaux titres
1 Fobas, Armorial de Savoie, t. IV. p. 92 et suiv.
5 Gallia Christiana, t. XV, n* 65 .
■ A. C. V., Sirie II, 206.
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32
de roi de Jerusalem, de Chypre et d'Armönie, et qui voudrait bien
entrer en possession de son royaume de Chypre tout au moins. Aymon
est chargö par le roi in partibus d’aller intercöder le Pape en sa faveur
(diplöme du 24 döcembre 1473 ) 1 . En outre de l’acte de nomination,
on conserve encore, aux archives de l’Etat de Vaud, une lettre de
Louis invoquant, par l’intermödiaire d’Aymon, l’appui du puissant
Cardinal de Rohan. Toutes ces instances, helas, furent vaines, et le
roi Louis n’eut finalement d’autre ressource que d’aller mourir dix ans
plus tard au cölöbre ermitage de Ripaille, dont Aymon de Montfalcon
ötait aussi devenu prieur, dös l’annee 1476. C’ötait une Charge im¬
portante dont la possession tömoignait surtout de la considöration
de plus en plus grande dont le bönöficiaire jouissait k la cour de Savoit
Au moment des guerres de Bourgogne, le I er juillet 1476, la duchesst
Yolande de Savoie, se trouvant k Genöve, ordonna k Aymon de Mont
falcon, protonotaire apostolique et prieur de Ripaille, ainsi qu’ä son
fröre Pierre, öcuyer ducal (un autre fröre, Georges, fut aussi öcuyer
et, en outre, bailli du Bugey), de se rendre k Seyssel et en Bugey, afin
de recommander aux baillis et aux autres officiers ducaux de prendrr
les mesures nöcessaires au maintien de l’ordre *
Pendant les dix annöes qui suivirent, on vit Aymon de Mont
falcon assumer röguliörement sa part de travail au conseil ducal, se
familiarisant de plus en plus avec les dötails de radministration en
möme temps qu’avec les grandes affaires politiques, et son influence
devint teile que le roi de France Charles VIII jugea bon de se l’attacher
k son tour. II le traite de « eher et föal conseiller * dans une confirmation
de revenus qu’il fit, le 12 juin 1489 *, k l’abbaye de Hauteröt, dom
Aymon venait tout justement d’ötre nommö abbö commandataire
Retenons cette dignitö nouvelle de conseiller du roi de France, qu’obte-
nait, aussi k ce moment möme, Benoit de Montferrand : eile döploiera
quinze ans plus tard toute sa signification.
Conseiller du roi, conseiller du duc, abbö de Hautcröt, prieur de
Ripaille et de Douvaine, d'Anglefort et de Coyse, en möme temps
que doyen du döcanat de Ceyserieu au diocöse de Genöve et recteur
de Saint-Andrö, Aymon de Montfalcon ötait ainsi devenu de toutes
maniöres un gros personnage. Röcompensant des dömarches qu’il avait
‘ Id., Sirie II, 208 bis et IV, 573.
* Mandat de la duchesse Yolande de Savoie au prieur de Ripaille, Aymon de
Montfalcon, du 1" juillet 1476, A. C. V., Sirie C II, 210.
* A. C. V., Sirie C I. 3 .
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33
faites, l’annfe pr6c6dente, ä Rome, pour arranger un litige entre le duc
de Savoie et l’6v6que de Sion, la duchesse Blanche nomma encore,
le I er juin 1490 1 , Aymon maitre de la chapelle et des chantres du duc,
avec un traitement annuel de 300 florins, en meine temps qu’on lui
renouvelait sa patente de conseiller, valant plus de 1,000 florins (18,000
f ran cs).
Par la multiplicite et la varietS des charges qu’il avait remplies
et l'6tendue de ses connaissances, le nouvel eveque de Lausanne m6ritait
donc bien la confiance que l’on mettait en lui, et, dans les delicates
fonctions auxquelles le Saint-Si&ge l’appelait enfin, il la justifia certai-
nement.
L’mstalla
!•_
* • •
da noavel 6v§que
Aymon de Montfalcon se trouvait 4 Turin, le 20 mai, lorsque lui
parvint la nouvelle de son 616 vation 4 l’6piscopat, qu'il communiqua
imm&iiatement, comme nous l’avons vu, au Conseil de Fribourg. II est
possible qu’il ait pris sitöt apr£s le chemin de Rome, car il y avait
eertaines questions 4 regier. C’est ainsi que le Cardinal Julien de la
Roväre, le futur pape Jules II, qui avait 6t6 6veque de Lausanne au
0
moment de la guerre de Bourgogne, et avait r6signe cet 6vech6 en faveur
de Benoit de Montferrand, percevait encore 2,000 florins (36,000 fr.)
sur les revenus annuels de la mense 6piscopale, 6valu6s ä 5,000 ducats
(300,000 fr.). Le nouvel 6vöque dut les assurer, et il abandonna, en
outre, 4 Julien, les revenus du prieur6 de Douvaine, en m£me temps
qu’il c£dait au Cardinal Jean Conti, du titre de Saint-Vital, nous ne
savons pour quel motif, l’abbaye de HautcrSt * Il re$ut d'ailleurs,
en compensation, le prieur6 de Lutry, uni de fait, comme celui de
Saint-Maire, 4 la mense 6piscopale et qu’il conserva jusqu ’4 sa mort *.
Nous n’avons aucune certitude au sujet de ce voyage de Rome.
Ce qui est certain, c'est qu’il se trouvait au pays le 5 juin d 6 j 4 et s'occu-
pait de l’administration de son diocöse. Ce jour- 14 , d'une localit6 non
dfeignee, il dcrivit au Conseil de Fribourg au sujet des redevances
en bl6 que lui devaient les bourgeois d'Avenches 4 . Le 15 juin, il 6tait
1 A C V, Sirie II, ai8.
* Wirz, Regesten, t. V, n* 442,
* Id., t. VI, n* 245. Lc chanoine Philippe de Compey administra le prieure de
Lutry jusqu’ä sa mort, fin 1496, mais il devait servir des pensions ;> l’evöqiie
Aymon et au Cardinal Julien de la Rovöre. A sa mort, Aymon prit en main
i'administration directe du couvent.
4 Bibi. cant. Fribourg, Coli. Girard, t. XII, f. 78.
REVUE D'HISTOIRE KCCLfe8IASTIQUF. 3
i
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34
au prieurfe de Ripaille. Le Conseil de la ville de Lausanne chargea
cinq de ses membres (Pierre Grant, Amfedfee de Chissfe, Louis de Russin,
Claude de Mont et Pierre Chandeleir) d’aller le complimenter et de
recevoir ses instructions L Le 3 juillet, Aymon de Montfalcon est
4 Gruyferes. De cette localitfe, il annonce qu’il prendra possession de
l’Evfechfe et fera son entrfee 4 Lausanne le samedi suivant, et recevTa
le lendemain dimanche sa consfecration dans la cathedra le ra ferne 1
Les comptes de la ville de Lausanne nous apprennent en effet que,
le 9 juillet, l’fevfeque fit son entrfee solennelle dans sa citfe, entourfe de
plusieurs archevfeques, fevfeques et abbfes, et d’une « copieuse jnultitude ►
de notables, de bourgeois et d’habitants de Lausanne. De l’Evfeche,
il descendit 4 la porte Saint-Etienne ofi il prfeta le serment traditionnel
de respecter les franchises et les libertfes de la ville. Le peuple, qui
s’fetait portfe au-devant de lui avec des fifres et des tambourins, raani-
festa une grande joie et il y eut des rfejouissances et des jeux publics
dans les rues. Le dimanche eut lieu, 4 Notre-Dame, 1 *importante cfere-
monie de la consfecration, sur laquelle nous n’avons, malheureusement,
aucun dfetail. Le limdi, huit archers allferent au chätAu Saint-Maue
lui porter les cadeaux de la ville : une belle ( egrege ) coupe de vermeil
— le chanoine Louis des Pas avait vendu une coupe d'argent que
l’orffevre Pierre Dorer avait dorfee, et qui fetait revenue 4 54 livres,
soit environ 4,000 fr. —, plus 6 flambeaux de cire, 6 boites de dragfees
et 6 amphores d’hypocras, un vin sucrfe et aromatisfe dont nos aieux
fetaient friands. Le nouvel fevfeque fetait complfetement installfe et allait
pouvoir donner sa mesure.
La rfeforme de la discipline et des morars
La carrifere fepiscopale d’Aymon de Montfalcon est 4 fetudier sous
des aspects divers, et nous saluerons tout d’abord en lui le chef spiritual
de son diocfese. Dfes le dfebut de son fepiscopat, nous le voyons occupe
4 assurer la discipline et l’ordre en revoyant les constitutions synodales
de son grand prfedfecesseur Georges de Saluces, et en les confirmar.t,
en date du 22 ffevrier 1493 * Ces constitutions furent lues au synode
diocfesain qui se tint 4 Lausanne le mardi aprfes le dimanche de Qua-
sitnodo, 16 avril, et auquel neuf abbfes, vingt-cinq prieurs, quinze prfevfets
1 A. V. L. Comptes de la ville. 1491, f. 3 a.
* Coli. Girard, t. XII, f. 80.
* Schmidt et Gremaud, Hist, du diocise, II, 243.
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35
«
; et chanoines, huit doyens, quatre recteurs d’höpitaux et trois Cents
eures dont la liste nous a etl conservle avaient Itl convils 1 . Ces dlcrets
(urent ensuite imprimls ä Lyon, tandis que la meine annle 1493, I'im-
primeur Jean Belot de Rouen imprimait, k Lausanne mime, des missels
ü’usage du dioclse. Plus tard, en 1500, Jean Belot imprima un rituel,
puis en 1505 un nouveau missel et en 1509 un brlviaire lausannois.
Ce furent lä les premiers livres imprimls dans notre diocese, et l'lvlque
Aymon prit en cela une initiative heureuse, qui fut bientöt imitle
autour de lui, entre autres par son ami Claude d’Estavayer, Ivlque
de Belley, le premier Chevalier de l'Annonciade.
P
Gardien de la foi, l’lvlque est en mime temps le gardien de la
morale, et c’est dans le clergl mime qu'il doit veiller le plus jalousement
a faire observer la plus grande puretl de meeurs. Aymon de Montfalcon
ne manqua pas k sa mission. Dans son beau livre sur la Cathedrale de
Lausanne, M. le chanoine Dupraz donne plusieurs exemples caractl-
ristiques de l’lnergie avec laquelle le prllat veillait k maintenir la
discipline et les bonnes moeurs dans le clerg! de la cathldrale, faisait
ses remontrances au Chapitre chargl du droit de correction et ne crai-
{.rnait mime pas, au besoin, de recourir au bras slculier. En 1507 et 1508,
ün le voit presider lui-mlme l'enqulte contre les deux Dominicains de
Berne qui, avec le novice Jetzer, avaient attaqul le dogme de l’Imma-
culle-Conception et s’ltaient livrls k des sacrillges qui entrainlrent
leur condamnation. Cette affaire est trop connue pour que nous ayons
besoin ici d’insister 2 . II en est de mime de celle oü fut compromis, un
peu plus tard, D. Claude Martignier, d’Estavayer *
Quelques annies auparavant, l’lveque Aymon de Montfalcon avait
B dellgul le vice-inquisiteur de la foi, le dominicain Francois Fossaud,
ducouvent de Lausanne, et son chapelain Pierre Roset, curl de Gruylres,
pour enquete sur une affaire d’hlrlsie, qui faisait scandale dans la
region de Dommartin, au coeur du pays de Vaud. Une dizaine d'indi-
vidus, hommes et femmes, avaient Itl arrltes pour pratiques supersti-
«
tieuses et crimes de droit commun, car les pratiques semblent, pour
plusieurs d’entre eux, n'avoir eu d’autre raison que de llgitimer de
'Tilgaires crimes. On conserve, aux Archives d’Etat de Vaud, une partie
1 A. V. L., Corps de ville, A. 181.
’ Cf. Revue d’histoire ecclisiastique suisse, 1908, p. 1. Pikees inüdites aux
A - C. V*., Sirie CIII, 80 et 8«.
1 Apollinaire Dellion, Dictionnaire des paroisses du canton de Fribourg,
'• V, p. 125 .
1
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— 36 —
des proces-verbaux de cette lamentable affairc *. Le premier accu*
pr^tend ötre tombö d’un nuage au cours d'un orage de grele, mais er
n’est, en fin de compte, qu’un vulgaire empoisonneur de Mtail. D’autres
accuses avouent des crimes contre nature. Ils reconnaissent avoir mangi-
de la chair d’enfants, qu’ils döterrent gönöralement dans les cimetiires
l’une des femnies raconte comment eile n’a pu se rendre maitre d'un
enfant quelle avait voulu etouffer, et qui cria tant et si bien quelle
dut l’abandonner. Ces individus communiaient ä Päques, et gardaient
l’Hostie, qu’ils allaient brüler dans une poele a frire. Tels sont les crime* ;
les plus manifestes de ces hörötiques, et l’övöque, en les poursuivant, |
ne döfendait pas seulement la religion profan£e, mais les principes de
morale les plus el£mentaires.
I
Les couvents de Samte-Catherine et de Morges (
La grossiöretö des moeurs dans certaines campagnes fut sans doutc I
une des principales raisons qui döterminörent, en 1497, ce prtlat ük
ä introduire, dans le diocöse, deux nouveaux Ordres religieux, les
Carmes döchausses et les Cordeliers. Les premiers s’installörent ä Sainte-
Catherine, au-dessus de Lausanne, qui est aujourd’hui un centre de i
patinage trös fr6quentö, mais qui, autrefois, n’ötait qu'un modeste
abri, hospice et chapelle, au milieu d’ime forfit öpaisse, parcourue
par les Mt es sau vages, sur la route de Lausanne ä Moudon et ä Fn
bourg, trös penible en cet endroit au gros de l’hiver. C’est lä que k :
fröre Henri Riou, et quatre autres Cannes, s'installörent, au printemps j
de 1497 *. Par acte solennel du 13 avril *, l’övöque Aymon de Mont :
falcon fonda le nouveau couvent ä cötö de l’hospice ruinö, en lTionneur ■
de Dieu, de la Bienheureuse Vierge Marie et de sainte Catherine, pour
le repos de son äme et de celles des membres de sa famille, retenant
pour le baron de Flaccieu son neveu, le droit de protection du nou
veau couvent. Vingt ans plus tard, ä la veille de sa mort, le 13 mars ;
1517, l’öveque donna encore divers biens aux religieux de Sainte j
Catherine, mais bientöt aprös, ce couvent qui, ä des titres diveis, aurait
dü rendre de si grands Services, fut emportö dans la tourmente de
la Röforme 8
1 A. C. V., Serie A t 29 et C. IV , 628 et 629. Cf. Reymond, Archires suisx*
des traditions populaires , Bile, 1908, p. 1.
f M. D. R., t. XXXV, p. a 3 4 .
1 M. D. R. t. XXXV. p. 234.
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I
II en fut de meme du couvent des Cordeliers de Morges, fonde
en la m€me annee 1497, et dont le R6v. P6re d'Anglade a racont£
recemment la br£ve histoire 1 . Aymon de Montfalcon avait du etre
en rapport avec le fr£re Amable d’Antioche, religieux de la stricte
Observance, appartenant ä unc importante famille de Savoie, et, d£s
le d6but de son episcopat, il l’encouragea ä venir £tablir un couvent
ä Lausanne. II obtint dans ce but, le 4 aoüt 1494 d£jä, une bulle du
pape Alexandre VI. Mais son projet parait avoir et6 contrecarr£ par
les religieux conventuels existant d6jä ä Lausanne, k Samt-Francis ;
d’autre part, les habitants de Morges sollicit^rent la faveur d’avoir
la nouvelle maison religieuse. L’6v6que finit par condescendre k leur
desir. II fit acheter le terrain necessaire, le mit, le 10 septembre 1497,
ä la disposition des religieux franciscains, et, le 24 mai 1500, b£nit
la premiere pierre de l'6glise. Nous voyons, d&s lors, les Cordeliers
de Morges exercer leur mission spirituelle dans tout le dioc&se, de
Romainmötier jusqu’ä Gruyfcres. Mais, ici encore, la R6forme emporta
l'oeuvre si heureusement commenc6e. En 1530, les Bemois saccag^rent
1c couvent et l’6glise, que Ton ne put restaurer.
L’6v£que de Lausanne fut certainement plus heureux lorsqu’il
appuya, en 1512, le projet d’£ 16 vation de l’6glise Saint-Nicolas en
coltegiale * II voulait en cela faire plaisir ä l’avoyer et au Conseil de
Fribourg, qu'il avait .en affection particuliere, ainsi qu’en t6moigne
la volumineuse correspondance d'Aymon, qui a 6td conserv£e dans
cette ville. II ne pensait sürement pas que sa derni^re ceuvre serait
la plus solide et que c’est sur la coll6giale de Fribourg que devraient,
aprfes lui et pendant plus de quatrc cents ans, s’appuyer ses successeurs
d&empar6s.
L’frvöque Aymon et les Laosannois
Aymon de Montfalcon avait pris le pouvoir ä Lausanne dans des
circonstances assez difficiles. Son pr£d£cesseur Benoit de Montferrand
vivait depuis plus de dix ans en conflit ouvert avec les bourgeois de
Lausanne, ä propos d’autonomie communale. Jusqu’en 1480, la Cit6
episcopale avait deux administrations distinctes, celle du quartier
de la Cit6 proprement dit et celle de la ville inferieure comprenant,
entre autres, les quartiers de la Palud, du Bourg et de Saint-Laurent.
1 Revue historique vaudoise, 1914, p. 1 3 g.
* Brasey, le Chapitre de Saint-Nicolas, Fribourg. 191a.
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- 38 -
Le 9 juillet 1480, 4 la suite de differends avec l'6vÄque, les bourgeoi>
de la Cit6 et du Bourg proclam^rent l’union des deux communautfe.
et ils gagn£rent 4 leurs vues le Chapitre cathMral lui-m£me. Celui-ci
dtait en train de ratifier l’acte d’union lorsque Benoit, entrant dans la
salle des s6ances, protesta contre cet arrangement qu’il jugeait contraire
ä ses droits et prejudiciable aux intärets de la mense 6piscopale‘
II r&ulta de cette Opposition des scenes fort vives qui alterent jusqu’ä
la guerre civile, et la tension entre Benoit et ses administrfe resta si
vive que plus tard le Conseil de Fribourg ayant intercedS en faveur
de l'un d’eux, l’avocat Jean Blanchet, un des notables de la rue de
Bourg, l’6veque lui r£pondit : « Mais voici quatre ans que je ne I'ai
point vu » *.
C’est pourquoi, les Lausannois accueillirent avec empressemem
Aymon de Montfalcon. Ils esperaient entretenir avec lui les meilleu^
rapports, et ils ne sc trompaient pas. Les vingt-cinq annees de l'admi-
nistration d’Aymon furent une p^riode de paix, troublde une fois ou
deux seulement, pour des questions de comp£tence. C’est ainsi qu’un
differend rclatif au droit de la ville de Lausanne d’entretenir un h&aut
4 ses armes, fut port6 jusqu ’4 Rome. Mais, d’une manitre gdnirale
Aymon laissa les Lausannois s’arranger et se disputer 4 leur guise,
ce dont ils ne se firent pas faute, se bornant ä faire respecter, parl'admi-
nistration de la justice, ses droits souverains. Aussi, voit-on les bour
geois demeurer en bons termes avec lui, lui offrir des cadeaux, envoyer
en Savoic des d£put6s, lors de la mort de son frtre ou de celle d’un .
neveu qui avait succomb£ 4 la morsure d’un chien enragc.
Patient envers les Lausannois — cependant, tr 4 s turbulents ä
l’epoque — l’fevgque se montra tres energique vis- 4 -vis d'un autn
adversaire de son autorite, qui n’etait autre que le duc de Savoie en
personne, celui -14 meme auquel il devait sa nomination. C’est qu< ,
la Situation de l’6v6que de Lausanne 6tait assez singulare, teile que >
•
seul le moyen 4 ge pouvait l’admettre. En droit, l’6veque etait un prince
du Saint-Empire, qui ne relevait que de l’empereur et avait toute au
torit£ 4 Lausanne, 4 Lutry, ä Avenches, 4 Bulle et 4 Roche. En fait.
sa ville 6piscopale et ses principales pessessions dtaient enclavdes dans j
les Etats du duc de Savoie, il etait lui-m6me sujet du duc, comme la .
plupart des chanoines et des membres de son entourage, et, lorsqu’il
i
1 Dictionnaire historique du cant. de Vaud , notice, Lausanne t pnr M. Bk** 0 * 0 |
* Bibi. cant. Fribourg, Coli. Girard, t. XII, p. 104, c 3 mars (Fannie manque. j
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I
39
venait ä Lausanne, le duc s’y comportait ä peu pr£s commc chez lui.
II y a plus. Un 6v£que pr£cedent avait accorde l'exterritorialite k unc
maison que le duc de Savoie poss6dait ä Lausanne, la maison de Billens,
ä l’entr£e est actuelle du pont Besseres, et le bailli de Vaud y avait
lä plus qu'un pied-ä-terre. En 1365, l’empereur Charles avait accord*
au comte Am6d6e V les droits d’un vicaire imperial, avec le pouvoir
de juger ä Lausanne les causes judiciaires qui etaient portees en appel
de la cour de l'£v£que ä celle de l’empereur, et, k cause de cela, le duc
entretenait dans sa maison de Billens un juge d’appel imperial qui
n’6tait autre que le bailli de Vaud ou son lieutenant. L’6v6que n’avait
jamais accepte cette Subordination, et protestait chaque fois qu’il en
avait l’occasion. Quant aux Lausannois, lorsqu’ils 6taient en bons
termes avec l’gvdque, ils acceptaient les arrets de ses juges, quittes ä
recourir quelquefois ä l’archevöque m£tropolitain de Besan^on ou ä
Rome; mais, d£s qu’il y avait du froid entre la Palud et l’Ev£ch6, le
juge de Billens reprenait de l’importance. Or, nous constatons que par
deux fois, en 1502 et en 1510, l’6v£que protesta auprfcs de l’empereur
contre la concession du vicariat imperial au duc de Savoie, et que,
pendant son episcopat, le juge de Billens fit assez peu parier de lui.
II fit de semblables protestations k Genöve, au nom de l’6veque de cette
ville, dont il administra pendant douze ans les biens, de 1497 k 1510.
Au surplus, les questions de juridiction £taient si enchev£tr£es
au moyen äge que personne ne voyait d’anormal aux relations de l’6v£que
avec le duc de Savoie. Elles etaient d’une complexite plus grande encore,
puisque le duc 6tait lui-mfcme vassal de l’6v£que de Lausanne et lui
prÄtait hommage — ainsi en 1498 le duc Philibert ä Aymon '— pour
quelques-unes de ses possessions, notamment Moudon et Vevey qui
relevaient primitivement de l’6vfique comte de Vaud. Et personne non
plus ne trouvait etrange que l’lvdque, prince ind£pendant, servit
deux maitres, le duc de Savoie et le roi de France, alors meme qu’ils
äaient en conflit avec l’empereur son propre souverain, et c’est lä
aussi une des faces les plus interessantes de l’activite d’Aymon de
Montfalcon. (A suivrc.)
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Zur Geschichte
des eidgenössischen Bettages.
Von P. Gabriel MEIER, Einsiedeln.
Lic. W. Hadorn hat in den «Blättern für bemische Geschichte.
Kunst- und Altertumskunde *, Jahrg. II-IV (1906 ff.) eine Geschichte
des «Eidgenössischen Dank-, Buß-und Bettages * veröffentlicht, «mit
besonderer Berücksichtigung der bemischen Geschichte ». Er findet 1
die ersten Ursprünge des eidgenössischen Bettages in den großen Bitt¬
gängen, Ablässen und « Romfahrten », von denen namentlich die zweite i
Hälfte des 15. Jahrhunderts so reich ist. In der Reformationszeit j
verschwinden in den evangelischen Kirchen diese Veranstaltungen eine
Zeit lang ganz von der Bildflächc, um in der nachreformatorischen Zeit |
wieder auf sie zurückzugreifen. Die erste Spur eines gemeinsamen !
Bettages reformierter Stände ist eine Aufforderung Genfs im Jahre |
1572, einen gemeinsamen Bußtag zu feiern im Hinblicke auf die Ver- <
folgung der Hugenotten in Frankreich. Der erste gemeinsame Bettag 1
der Reformierten ward 1639 gehalten. Ihr Beispiel scheint bei den ;
Katholiken Nachahmung gefunden zu haben. An ihrer Konferenz vom
30. Dezember 1643 beschlossen sie, Andachten und Bettage anzuordnen,
und wo es von Nöten ist, der im Schwünge gehenden Üppigkeiten halber
ein Einsehen zu tun. Die erste gedruckte Bettagsproklamation, die |
wir kennen, erschien 1649 * n Bern. •
Die Bettage fanden nicht regelmäßig statt und nicht gemeinsam 1
mit den getrennten Konfessionen. Die Obrigkeiten der reformierten
Kantone verordneten solche nach Lage der Umstände ; bei den Katho- (
liken ist es die kirchliche Behörde, je nach Umständen von der weit- ;
liehen Obrigkeit darum angegangen, welche Zeit, Art und Weise •
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— 4 r —
bestimmt. Während Hadorn sich hauptsächlich mit der Westschweiz
und den reformierten Kantonen beschäftigt, möchte ich einige Ergän¬
zungen dazu aus der Ostschweiz und von katholischen Orten bringen,
d:e noch wenig bekannt sind. Ich schöpfe diese aus den handschrift¬
lichen Tagebüchern des Klosters Rheinau, welche, von verschiedenen
Händen aufgezeichnet, sich zwar auf einen engen Kreis beschränken,
■ y
’■ aber zuverlässige Nachrichten bieten.
P. Cölestin Schindler berichtet von einem furchtbaren Sturm,
der am Sonntag, den 18. Januar 1739 weitum gewaltigen Schaden
anrichtete. In Zürich soll ein Haus eingestürzt sein, wobei drei Personen
unkamen. In Bülach und Glattfclden wurden mehr als 11,000 Bäume
zu Fall gebracht. In Kaiserstuhl wurde die obere Kirche beschädigt.
Die Zürcher und Schaffhauser hielten einen feierlichen Buß- und Fasttag,
um Gott zu versöhnen wegen des hauptsächlich durch den Sturm er¬
littenen Schadens. Es wurden für diesen Anlaß besondere Gebete
gedruckt. Auch die Katholiken hielten besondere Andachten. In
Rheinau wurde das 40-stündige Gebet vor ausgesetztem Hochwür¬
digsten Gute gehalten. Der Anfang geschah am 1. Mai, der als Festtag
der heiligen Apostel Philipp und Jakob ein Feiertag war. Das Sanktissi-
mum wurde morgens 5 Uhr ausgesetzt, worauf 10 Anbetungsstunden
gehalten wurden bis nachmittags 3 Uhr. Auch die Bewohner von
Altenburg fanden sich dabei ein. Der zweite Bettag war Sonntags,
den 3. Mai. Es wurde eine Prozession mit dem Allerheiligsten gehalten
und dabei die Litanei von der Mutter Gottes deutsch gesungen. Das
Volk antwortete : Bitt für uns ! Streit für uns ! Den 7. Mai, am Tage
Christi Himmelfahrt, war der dritte Bettag und am Sonntag darauf
der letzte mit feierlichem Schluß. Es wurden zwei Ämter gesungen ;
. nach der Vesper war Prozession mit dem Hochwürdigsten Gute auf dem
Platze vor der Kirche, wobei die Litanei vom Namen Jesu deutsch
gesungen wurde. Der Segen mit dem Allerheiligsten bildete den Schluß
des 40-stündigen Gebetes.
Im Jahre 1748 hielten die Reformierten des Thurgaus ihren Bettag
Ifangs September. Soviel ergibt sich aus einer Notiz im Tagebuch
des Abtes Bemard Rusconi.
Im Jahre 1756 verordnete der Bischof von Konstanz, Kardinal
Pranz Konrad von Rodt, für seine ganze Diözese öffentliche Gebete
und außerordentliche Fasten wegen dem Kriege zwischen Maria Theresia
und Friedrich von Preußen, nach dem Vorbilde der Niniviten, weil
d*s Volk noch in Schrecken war wegen dem Erdbeben von Lissabon,
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i
_ 42 — I
welches am 1. November des vorhergehenden Jahres die Welt erschreckt
hatte. Zu Rheinau wurde der Bettag am 3. April gehalten. ■
Im Sommer 1758 richtete der Regen vielen Schaden an. Der Kardi¬
nalsbischof von Konstanz verordnete für den glücklichen Erfolg der
österreichischen Waffen gegen den König von Preußen und zur Ab¬
wendung des Unwetters eine 9-tägige Andacht. Sie dauerte vom 13. Mai
bis zum Dreifaltigkeitssonntag, den 21. Mai. An allen Tagen soll das
Sanktissimum ausgesetzt, der Rosenkranz gebetet und der Segen;
I
erteilt werden. !
In der teuren Zeit des Jahres 1771 befahl der Bischof, deswegin j
Bettage zu halten. Der erste war am 28. April, der zweite am 26. Mai. •
der dritte am 30. Juni, der vierte und letzte am 11. August. j
Nachdem der erste Koalitionskrieg (1792-1797) ausgebrochen war,
schreibt der Pfarrer von Rheinau, P. Roman Fischer, am 5. April 1
1793 in sein Tagebuch : Der Bischof von Konstanz erließ am 17. MärZ'
eine Bulle (!) an die Diözesanen, welche dem Reiche und Österreich'
unterworfen sind, worin Gebete vorgeschrieben werden für den glück- 1
liehen Erfolg der Waffen gegen die Franzosen, welche Feinde der
Religion und der legitimen Ordnung sind. Es wird ein 10-stündigo
Gebet vor ausgesetztem Hochwürdigsten Gute angeordnet. Die
Schweiz, weil neutral, wurde davon nicht betroffen. Der Pfarrer von!
Rheinau verlas daher die Verordnung bloß in Altenburg, welches eine
halbe Stunde entfernt, am rechten Rheinufer gelegen ist und damals :
noch zur Pfarrei Rheinau gehörte. I
Im Jahre 1794 hielten Katholiken und Reformierte zum erstenmal
gemeinsam einen Bettag am 14. März. Nach Rheinau kam die Anzeige
davon ziemlich überraschend durch ein Zirkular des Landvogtes in ,
Frauenfeld namens des Vorortes Luzern. Ein Eilbote überbrachte es |
am Freitag mittag, den 14. März. Da eine Verkündigung in der Kirche j
nicht mehr möglich war, mußte der Stadtknecht von Haus zu Haus
die Anzeige machen. Der Bibliothekar, P. Blasius Hauntinger, schreibt
in seinem Tagebuche zum Sonntag, den 16. März : « Heute war in der
ganzen Eidgenossenschaft bei Katholischen und Reformierten ein
allgemeiner Bettag. Die Absicht dessen ist, Gott dem Allmäch
tigen Dank zu sagen für die große Gnade, daß er unser Vaterland vor
dem Kriege bis jetzt noch so gnädigst erhalten und ihn inbrünstigst
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— 43 —
zu bitten, daß er uns ferner vor demselben beschütze und uns den
Fneden immer schenken wolle. »
Es wird hierauf, weil es das erstemal ist, die Gottesdienstordnung
mitgeteilt, zur Orientierung für später. Neu ist die Predigt, «den
Umständen angepaßt. * Darauf wurde das Sanktissimum zur Anbetung
ausgesetzt und von 10-3 Uhr Betstunden gehalten. Eis wurden im
Ganzen 15 Rosenkränze gebetet. Darauf folgten Vesper, Prozession,
Te Deum laudamus und zum Schlüsse der Segen. Das Volk zeigte
große Andacht und Erbauung.
P. Januarius Frey hat seinem Berichte noch eine Notiz über die
Feier des Tages in Muri beigefügt. Dort ging morgens das ganze
Konvent in Prozession in die Pfarrkirche, wo eine Predigt gehalten
und das Allerheiligste ausgesetzt wurde. Vor demselben wurden 3 Rosen¬
kränze gebetet und das «allgemeine Gebet *. Am Nachmittag kam
das Volk in die Stiftskirche, wo die gleiche Andacht gehalten ward.
Die Reformierten in Zürich hielten 3 Predigten, diejenigen in Schaff¬
hausen 4.
Ein Jahr später, am 15. März 1795, fand wieder eine Bettagsfeier
statt, ganz wie im vorigen Jahre. Es war ein Dank- und Bittfest für
Abwendung der Kriegsgefahr. Der Bischof von Konstanz hatte vom
Papste hiefür einen besondem Ablaß verlangt. Zu Luzern wurde die
Andacht 3 Tage nacheinander gehalten, mit höchster Erbauung.
Wieder ein Jahr später, den 10. April 1796, am zweiten Sonntag
nach Ostern, war in der ganzen Schweiz ein allgemeiner Bettag zum
Danke für die Bewahrung des Friedens verordnet. Auf Ansuchen der
katholischen Stände erließ der Bischof von Konstanz ein Kreisschreiben,
•folglich auch einmal in Ordnung», bemerkt dazu P. Blasius Haun-
tinger. Die Gottesdienstordnung war die gleiche wie im Jahre vorher.
Not lehrt beten und zusammenstehen. Aber auch der Geist der
Zeit, das llluminatenwesen, der Rationalismus und der Josephinismus
des 18. Jahrhunderts machten die religiösen Gegensätze weniger em¬
pfindlich, die verschiedenen Bekenntnisse gegen einander verträglich.
So kam der Beschluß der Tagsatzung zu Frauenfeld vom 4.-28. Juli
1796 zustande, was bisher freiwillig geübt worden, in eine bleibende
Einrichtung zu verwandeln, die jährliche Feier eines eidgenössischen
Bettages. 1 Freiburg nahm die Sache bloß vorläufig an, unter Vorbehalt
1 Amtliche Sammlung der Eidgenössischen Abschiede, Bd. VIII, Nr. 228 ,
S. 226, 4.
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der Ratifikation. Gleichzeitig wurde die nächste Feier auf Donnerstag, ’
den 8. September 1796, angesetzt. 1 Es war der katholische Feiertag
Mariä Geburt, an dem in Rheinau Prozession stattfand. Sonst war die
Feier wie in frühem Jahren. •
1797 wurde sie für alle Zukunft auf den Sonntag verlegt, auf Wunsch J
der katholischen Stände, da sie ohnehin viele Feiertage hätten und <
die Landleute die Zeit zur Arbeit brauchten. 2 So wurde er am Sonntag. !
den 17. September, gehalten. :
\
1798 brachte den Untergang der alten Eidgenossenschaft und die 1
helvetische Einheitsverfassung. Stapfer, Minister der Künste und t
Wissenschaften, dem auch die kirchlichen Angelegenheiten zuständig '
waren, erließ am 3. August ein Kreisschreiben an die 19 Kantone, ;
worin auf den 19. September ein allgemeines Bitt- und Dankfest an- •
geordnet war. In Rheinau verlief es «NB sehr erbäulich» schreibt j
P. Blasius, aber an andern katholischen Orten wurde es nur wenig i
gefeiert. Im Kanton Luzern wurde es von einigen Landpfarrem aui :
Sonntag, den 9. September, verschoben, jenen 9. September, der m ;
Unterwalden als « der schreckliche Tag * noch heute nicht vergessen ist. !
Der Sonntag am 8. September 1799 wurde wohl kaum allgemein j
gefeiert, wohl aber Donnerstag, den 14. September 1800, ein allge ;
meiner Buß- und Danktag, « für die Wohlfahrt Helvetiens, der ganzen
Menschheit und die Hoffnungen eines baldigen dauernden Friedens, j
nach gepflogener Korrespondenz beider Religion Dienern und daß j
dies Fest mit Würde und Erbauung gefeiert werden soll. » So schreibt j
P. Michael Wey, damals Pfarrer von Mammem im Thurgau, dessen Auf- j
Zeichnungen auch die Berichte über die folgenden Jahre entnommen j
sind. ;
Am 30. August 1801 verkündet der Regierungsstatthalter Sauter <
von Frauenfeld einen allgemeinen Buß-, Bet- und Danktag für beide i
Religionen auf den 13. September, Sonntag nach Maria Geburt. Alle ;
Wirts- und Schenkhäuser sollen geschlossen bleiben, desgleichen die
Kramläden. Alles Spielen, Kegeln, Tanzen, Jagen, ist aufs Strengste
verboten usw.
Die gleiche Verordnung ergeht für den 12. September 1802. Die
Proklamation des Statthalters sagt: Der Allgütigste ist es, der die
Revolution schonend vorübergeführt hat, daß wir nicht ganz auf- .
1 Daselbst, Nr. 230, S. 233, a.
1 Daselbst, Nr. 241. S. 260, <1.
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gerieben wurden. 1803 beschloß die Tagsatzung, den Bettag am
8. September wieder zu feiern. 1804 bestimmte sie den ersten Donnerstag
im September. Der kleine Rat von Frauenfeld verlegte sie auf den
zweiten Sonntag im September, im Jahre 1805 auf den 7. September,
1806 auf den 8., desgleichen 1807. Im Kloster Rheinau ward
Kapitelsberatung gehalten, wie der Bettag zu halten sei. Man entschied
sich für den 8. September und so blieb es in den folgenden Jahren,
1810 ausgenommen, wo der 9. September gefeiert wurde. Während
der Kriegsjahre mahnen die Bettagsmandate der Thurgauer Regierung
zum Danke gegen Gott für die Verschonung vor den Greueln des
Krieges. « Pest und Hunger haben uns nicht berührt ; wir sind im
Überfluß. » 1814 heißt es : «Ein Jahr voll der denkwürdigsten Ereig¬
nisse für den ganzen Erdkreis ging unter dem besondern Schutze Gottes
vorüber. Wir haben Überfluß an Lebensmitteln. *
1815 erläßt der Generalvikar Göldlin von Tiefenau ein Zirkular
an die Pfarrämter, worin der von der Tagsatzung bestimmte Bet-
und Danktag angekündigt wird. Er erinnert an die Herstellung des
Tempels in Jerusalem und das sichtbare Walten der Vorsehung und
ordnet einen vor- und nachmittägigen Gottesdienst an. Ähnlich wird
der Bettag 1816 am Donnerstag, den 5. September, gehalten, doch ist
er kein gebotener Feiertag. 1817 hielten die Graubündner den Bettag
am Sonntag, den 7. September, die Katholischen am 8., die Evange¬
lischen am 11. «Ein neuer Beweis der Einigkeit», bemerkt ironisch
Abt Januarius Frey. 1818 fiel im Kanton Zürich der «politische
, Feiertag* auf den 10. September, 1819 auf den 9., einen Donnerstag.
Die Proklamation der Regierung war geeignet, das Bedenken der
Katholiken zu erregen : « Alle Glieder unserer vaterländischen Kirche
versammeln sich an diesem Tage. Man soll danken wegen der Erinne
ning, daß vor 300 Jahren das große Werk der Glaubensbesserung
begonnen. » In Rheinau ward nicht gearbeitet, eine Festfeier aber
*ard nicht gehalten.
Der 8. September 1820 war wieder der allgemeine Bettag in der
ganzen Schweiz. 1821 aber schreibt Abt Januarius : Auf den 6. Sep¬
tember war von Zürich der allgemeine Bettag ausgeschrieben, dem sich
Schaffhausen anschloß. Aber Freiburg und Solothurn halten den 8.,
* ^dere den 9., andere den 13. «Das ist ein Beweis der allgemeinen
Einheit.» 1822 ist der « Nationalbettag * Donnerstag den 5. September.
Er wird gefeiert wie der Sonntag in der Fronleichnamsoktav, ohne
Tc Deum ; am Nachmittag wird ein Rosenkranz gebetet. Das Gleiche
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ist der Fall am 11. September 1823. Aber 1824, am 9. September, !
lesen wir : Das meiste Volk verließ nach der Messe die Kirche, deswegen ;
%
ward das Sanktissimum nicht ausgesetzt und der Tag wie ein gewöhn- ,
licher Sonntag gefeiert. Zum 8. September 1825 schreibt Abt Januarius:
« Es war der allgemeine Bettag, aber die meisten Rheinauer gingen '
noch vor der Wandlung hinweg, welches geahndet wurde. » das heißt 1
wohl, daß es in der Predigt gerügt ward. Im Kloster Paradies im ;
Thurgau wurde das Sanktissimum am Vor- und Nachmittag ausgesetzt.
Zum Jahre 1826 finde ich keine Notiz über den Bettag : 1827 heißt :
es am 6. September : Heut war der Zürcher Bettag. Das Sanktissimum !
ward nimmer ausgesetzt, weil das Volk nach der Pfarrmesse immer (
auslief. Eis wurde daher ohne weitere Zeremonien der Gottesdienst i
wie an gemeinen Sonntagen gehalten. 1828 fällt der Bettag der Zürcher
auf den n. September, 1829 auf den 10. An diesem Tage waren viele ;
Kommunionen, schreibt der Beichtiger im Paradies.
III.
Am 9. September 1830 schreibt Frater Leodegar Itieichen, der
spätere Abt von Rheinau, in sein Tagebuch : « Heute war der allgemeine
Bettag, der in den protestantischen Kantonen so strenge gehalten !
werden muß. Warum er eigentlich eingesetzt ist, weiß ich nicht j
Etwas Protestantisches muß er beabsichtigen, weil er den Katholiken ;
nicht so gar angenehm, beinahe verhaßt ist. — Aber auch wir können j
ihn gut anwenden, wenn wir nur wollen. > Eine spätere Hand hat mir
Bleistift diese letzten Worte durchgestrichen. Ähnlich lautet dir
Ansicht Hadoms (a. a. O. IV. 59) : « Es ist übrigens nicht zu verwundern,
daß der Bettag bei den Katholiken nicht mehr Anklang fand, da er
aus dem reformierten Bettag hervorgegangen und die ihm zu Grande
liegende Idee eines vaterländischen Feiertages dem Wesen des Katho¬
lizismus fremd war. * Bern beklagte sich 1812 an der Tagsatzung,
daß der Bettag in den katholischen Kantonen mit so wenig Stille
und Feierlichkeit begangen wurde. Die Reformierten Ijielten ihn
besonders auch als Bußtag, ja als Fasttag, an welchem man sich des
Fleischessens enthielt. Heißt er ja heute noch in der französischen
Schweiz « le jeüne föderal ».
Allgemein empfand man es mit Bedauern, daß, wie in andern
Dingen, es an Einigkeit fehlte, so auch bei der Feier des Bettages.
Um das Gefühl der Zusammengehörigkeit zu beleben und zu stärken.
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schien eine gemeinsame religiöse Feier das geeignetste Mittel. Dieser
Gedanke wurde an der Tagsatzung zu Luzern im Jahre 1831 von der
aargauischen Gesandtschaft auf die Tagesordnung gebracht und durch
ihren Sprecher, Karl Bertschinger von Lenzburg, in einer begeisterten
Rede begründet. Der Erfolg war : « Die Tagsatzung spricht ihre lebhafte
Freude aus, daß im gegenwärtigen Jahre, wo die göttliche Vorsehung
so sichtbar über dem Vaterlande gewaltet und die drohenden Gefahren
von demselben gnädig abgewendet hat, der nämliche Tag alle Eid¬
genossen in dankbarem Gebet zu dem Allerhöchsten vereinigen würden. »
Es wurde eine Kommission ernannt, um im nächsten Jahre einer
Antrag einzubringen. So geschah es, und «am 1. August 1832 ist ein¬
stimmig beschlossen worden, der gemeine eidgenössische Dank-, Bü߬
end Bettag soll künftig in allen Ständen der Eidgenossenschaft am dritten
Sonntag im Herbstmonat gefeiert werden ». 1 So wurde es seither gehalten.
Eine erhöhte Bedeutung erhielt die Bettagsfeier bei den Katholiken
durch die Mandate der Bischöfe, welche seit Jahren an diesem Tage
in den Kirchen verlesen werden und ein zeitgemäßes Thema besprechen.
Zum Schlüsse noch eine Notiz aus dem Tagebuche des P. Deodat
Kälin. Er schreibt zum 18. September 1842 : «Der Nuntius war in-
Rheinau, firmte und las privatim Messe. Der Auditor aber sang die
Konventmesse feierlich vor dem ausgesetzten Sanktissimum wegen
dem gewohnten eidgenössischen Bettage. » In der Folge geschieht
des Bettages in Rheinau nicht weiter Erwähnung. Das ist es, was ich
aus seiner Vergangenheit auffrischen wollte.
1 Repertorium der Eidgenössischen Abschiede von Fetscherin, I, Nr. 886.
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Kirchenpolitisches aus Basel
1323 - 1346 .
Von Dr. Otto FÄRBER.
I
4
I
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i
9
l
Basel gehört zu den Städten, die während des Kampfes Ludwig
des Bayern mit dem Papsttum in der ersten Hälfte des 14. Jahrhundert*
unter das in der Kirchengeschichte beispiellose Interdikt fielen, ohr.r
offene Parteinahme für König Ludwig, nur unter dem Drange der
Verhältnisse. Über die Haltung Basels, sowie über den Zeitpunkt
der Interdizierung der Stadt fehlte bis jetzt eine klare Feststellung
Zur Verwirrung hat noch der kurze Bericht des Propstes Heiden |
reich beigetragen. 1 !
Daß Basel bis zuletzt zu den kirchen- und papstfreundlicher .
Städten gehörte, beweisen auch die zeitweiligen Suspensionen des Inter¬
diktes unter den Päpsten Johann XXII. und Klemens VI. ; denn diey j
wurden nur solchen Städten, Gemeinwesen und Herrschaften erteilt
die an sich kirchenfreundlich und bloß der Gewalt oder dem Druck;
der Verhältnisse erlegen waren. Am besten betrachtet man die Basic;
Kirchenpolitik an der Hand der Vatikanischen Akten, die fast dir
einzige, aber auch sehr ergiebige Quelle darstellen.
Der damalige Bischof von Basel, Gerhard von Wippingen, ein öster- ■
reichischer Parteigänger *, publizierte den Prozeß vom 8. Oktober 1323
gegen Ludwig den Bayer in der Stadt Basel sofort und teilte ihr;
zwecks Bekanntmachung am 7. Januar 1324 den Dekanen der beiden
Dekanate diesseits . des Rheins und jenseits des Ottensbühe!
(Oberelsaß) mit. * Strafen droht er nicht an, Übersetzung in dir ;
Muttersprache wird dringend befohlen. Ein Exemplar des gleicher j
\
9
1 Quellen und Forschungen aus italienischen Archiven und Bibliothek*n. j
XI (1908). 70. j
* Müller, Der Kampf Ludwigs d. B., S. 141. J
3 Mon. Germ, hist., Constt. V. Nr. 838. S. 661. Z. 1-3. Riexler , Vat. Akt. j
Nr. 342. 170. j
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Prozesses wurde dem Bischof später noch durch einen Brixener Geist¬
lichen, Giselbert, am 2. März zugestellt, wofür er dem Papst die Em¬
pfangsbescheinigung ausstellt. 1 Die übrigen Prozesse wurden alle
ebenfalls vom Bischof korrekt und eifrig bekannt gegeben, wodurch
er sich einen der bekannten Lobesbriefe erwarb. *
Bis 1330 entging Basel dem über die Anhänger Ludwigs verhängten
Interdikt. Indessen tobten die Leidenschaften der Parteiungen, ein
privater Kirchenstreit in seinem Innern.
Bischof Gerhard von Wippingen starb am 17. März 1325. * Wäh¬
rend dessen letzter Krankheit reservierte sich Johann XXII. die Be¬
setzung des Basler Stuhles 4 (25. März) und ernannte am 30. März
1325* den Dekan von Langres, Johann, Sohn Johanns, Herrn von
Arlay, aus dem Stamme der Grafen von Bourgogne und Chälons-sur-
Saöne 4 , unter Erteilung von Altersdispens zum Bischof. Das Kapitel
jedoch, gesonnen, sein schon durch Klemens V. entzogenes Wahlrecht
wieder zu erlangen, hatte geglaubt, dies am ehesten dadurch erreichen
zu können, daß es den Papst einer vollendeten Tatsache gegenüber¬
stellte und war zur Wahl geschritten. Aus ihr ging als Bischof hervor
Hartung Münch aus der mächtigen Basler Familie. 7 So gelang es dem
rechtmäßigen Bischof nicht, von seiner Kirche Besitz zu ergreifen. 8
Die päpstlichen Prozesse, die gegen Hartungs Anhänger gerichtet
wurden, fanden keine Befolgung ; es kam zu den gröbsten Ausschrei-
1 MG. Constt. V. Nr. 871, 684. cf. Müller, ebd.
* MG. Constt. V, Nr. 966, S. 804.
5 Vautrey, Histoire des Evfiques de BAle (1884), p. 328.
* Vat. Akt. Nr. 459. 212. Abh. Münch. Akad. xvii (1883), p. 165.
Nr. 212. Capitulo eccl. Basil. : « Ad eccl. Basil. paterne dirigentes considerationis
aflectum eidemque volentes, si nunc vacat vel quam primo vacaverit, de pastore
ydoneo .... providere, provisionem .... nobis et sedi apost. specialiter duximus
reservandam.» Die Worte : si nunc vacat etc. glaube ich richtig gedeutet zu haben.
* Dieses Datum hat Preger, Abh. Münch. Akad. xvn (1883), p. 165, Nr. 213.
Dann kann nicht richtig sein, daß am 5. April ein gleiches Schreiben abging wie
am 25. März. Preger hat dies aber 1 . c. Nr. xx angegeben, während die Vat. Akt.
Nr. 459 . 212, bemerken, das Schreiben (das angeblich vom 5. April datiert) sei
undatiert. Eubel hat als Datum der Ernennung J’s. den 25. April! ! Ich muß die
Frage leider hier offen lassen.
* So Vautrey, a. a. O. p. 330.
1 Datum der Wahl unbekannt. Am 30. April nennt sich Hartung «electus
et confirmatus in episcopum ecclesie Basiliensis >. ( Vautrey , p. 229.) Vgl. Vat.
Akt. Nr. 1083, 398-99. : per capitulum seu quosdam canonicos electus et per
archiepputn Bisuntinum (nicht Bisantinum) confirmatus in dictam eccl. sc intrusit.
* Vautrey, a. a. O. p. 330.
RITUS O'lIISTOIRE ZCCL&SIASTIQUE ’*
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tungen. 1 Mit Hilfe des Hauses Österreich siegte jedoch Johann zuletzt. •
Hartung unterwarf sich. Mittlerweile hatte der Papst Johann, der am ,
6. April 1328 Bischof von Langres geworden war, zum Administrator
des Bistums Basel bestellt. * Diese Vorgänge sind — weniger für den ;
ludwigischen Kirchenstreit selbst, als für seine Darstellung von Einfluß
geworden. Der Bericht des Propstes Heydenreich 3 , ein interessantes
Dokument, erledigt Basels Verhältnisse im Jahre 1327 mit einem :
Sätzchen : « prima Basilea ; et hec est tota rebellis. * Dies bezieht
Hauck auf die Stellungnahme der Stadt zu Ludwig d. B. selbst. 1 Das
ist nicht zulässig. Heydenreichs Bemerkung bezieht sich nur auf den
Basler Bistumsstreit, weil Basel damals Ludwig d. B. noch nicht ;
anhing, sondern demselben, wie Konstanz, erst nach dem Römerzug
huldigte. Das große, durch Parteinahme für Ludwig eo ipso eintretende'
Interdikt hat Heinrich von Nördlingen im Auge, wenn er 1345 sagt:.
wohl 14 Jahre haben die Basler das Abendmahl entbehrt. ‘
Das Nichtauseinanderhalten des ganz lokalen Basler Bistumsstreites,
und des welterschüttemden Kampfes zwischen Kaiser und Papst 1
hat auch Müller in seiner kurzen Darstellung der Basler Verhältnisse ‘
irregeführt. 6 Er schreibt in seiner Übersicht über die Jahre 1330-34 7 :
« Für diese Jahre wissen wir wenig von dem Bistum. Ludwig kam bald
nach seiner Rückkehr aus Italien in die Stadt, ließ sich von ihr huldigen
und bestätigte ihre Privilegien. Doch scheint sich die Stadt bald darauf
den päpstlichen Forderungen vorübergehend gefügt zu haben. Denn >
die Aufhebung der Exkommunikation und des Interdiktes, welche [
1 Vgl. Müller, p. 143-44. Damals war Basel vom Interdikt betrofien ; dessen >
* Aufhebung » war eine der Haupt- und Staatsaktionen des Gegenpapstes Niko¬
laus V. Am 1. Juni 1328 erfolgte sic. Vat. Akt. Nr. 1029. 386 ; gleichzeitig kassierte
er die Prozesse gegen Hartung.
Am 20. September 1328 werden Hartungs Anhänger absolviert ; Vat. Akt.
Nr. 1082, 398. Die Prozesse gegen Hartung wurden auch in Konstanz, Besang
und Lausanne verkündigt. Rcgesta episc. Constantien. Nr. 4132. Vat. Akt. Nr. 868
2 Vat. Akt. Nr. 996, 372. An diesem Tage wird der bereits electus Ltngooens n
genannte Johann Administrator von Basel. Die Ernennung auf den Stuhl von
Langres wird also etwas vor dem 6. April erfolgt sein.
3 S. oben.
4 Hauck, Kirchengeschichte, V, p. 495.
5 Strauch, Ph., Margaretha Ebner u. H. v. Nördl. 238, 85-92. Gegen Hantcks ,
Erklärung der Stelle spricht der Wortlaut und alle Umstände. Hauck meint aller¬
dings. das ganze Reich sei interdiziert worden. Daher der Fehler. (Hauck, p. 49 1
Zeile 2.) .
• Müller, I. 144 u. 295.
7 Ebd. p. 295. ;
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schon seit 1328 (Sept. 20.) fakultativ geschehen war, erfolgte Ende 1333
oder anfangs 1334 definitiv. Johann von Chälons, der nie eigentlicher
Bischof von Basel wurde, sondern stets Administrator des Bistums
blieb, starb bald darauf 1 (a. 1335 ca. Juni) *.
Die «fakultative * Aufhebung der Exkommunikation und des
Interdiktes vom 20. September 1328 wird hier als Vorspiel einer defi¬
nitiven Aufhebung Ende 1333 oder Anfang 1334 hingestellt und damit
in Zusammenhang gebracht. Wir sahen indes, daß es sich bei jenem
um die Absolution der Anhänger Hartungs handelte 2 , während wir
(las andere Mal ein ganz anderes Interdikt vor uns haben.
Wie an viele andere Städte (zum Beispiel Konstanz) hatte Papst
Johann XXII. auch an Basel dringende Warnungen vor Ludwig ge¬
schickt. 3 Indessen, Ludwigs Macht wuchs rasch, nachdem er Italien
verlassen, und seine Aussöhnung mit Otto von Österreich ließ keinen
Gedanken an Widerstand zweckmäßig erscheinen. Johanns des XXII.
Pläne von damals waren die große Illusion seines Alters. Er wähnte
immer noch, einen Block gegen Ludwig zu Stande zu bringen und
vergaß, daß die Masse mehr auf Tatsachen gibt als auf Theorien.
In zwei Schreiben werden die Bestrebungen des Papstes deutlich
gezeigt. Diese Schreiben sind außerdem ein Mittel, um die Zeitpunkte
festzustellen, an denen Basel dem auf den Prozessen gegen Ludwig
beruhenden Interdikt noch nicht verfallen ist. Das eine ist datiert
vom 23. Mai 1330. 4 Es ist gleichzeitig mit Basel an eine Reihe von
1 Letztere Bemerkung ist zum mindesten mißverständlich. Johann war
Bischof von Basel 1325-26 und wurde dann Bischof von Langres, blieb aber dem
Bistum von Basel als Administrator vorgesetzt. Eine Kumulation von Bistümern
und vollem Titel war damals noch nicht üblich.
* Ich habe nur Vat. Akt. zur Verfügung. S. ebd. Nr. 1082. 398. Offenbar
definitive Aufhebung. 1328 Febr. 15 war Hartung zu Kreuz gekrochen. Vat. Akt.
N’r. 976. 366. Müller stellt hier die Begriffe definitiv und fakultativ einander gegen¬
über. Daraus würde folgen, daß am 20. September 1328 die Exkommunikation
und das Interdikt nicht definitiv, also provisorisch, auf eine gewisse Zeit aufgehoben
«nrden. In diesem Sinn wird aber fakultativ nicht gebraucht ; der beste Ausdruck
ist zeitweilige Suspension. Das auf dem Prozeß gegen Ludwig beruhende
Interdikt in Basel wurde zudem anno 1334 nicht definitiv aufgehoben.
* S. z. B. Vat. Akt. Nr. 1249, 437, von Januar 17., ferner Vat. Akt. Nr. 1252,
438 vom 19. Januar 1330, ferner Nr. 1253, 438 eod. die (!). Hieher gehört
»och Nr. 1257, 439 und Nr, 1260, 440. Die bei den zwei letzten Nummern
'^wähnte Mission des Pönitentiars Ulrich dürfte noch eine eigene Behandlung
gerechtfertigt erscheinen lassen. Knöpftet, Kaiser L. und die Reichsstädte, ver-
niotet p. 37 irrig in Ulrich den während des Bistumsstreites (!) ertränkten päpst¬
lichen Boten ! I (S. auch Müller, I, 143.)
4 Vat. Akt. Nr. 1316, 459.
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Städten, sowie mehrere Fürsten gerichtet, und enthält neben hohen
Lob kräftige Warnung vor Ludwig, unter Hinweis auf die Strafen,
denen dessen Anhänger verfallen (Futur). Also ist zu jenem Zeitpunkt j
Basel noch nicht im Interdikt.
Das andere Schreiben trägt kein Datum. Es läßt sich aber nach- j
weisen, daß es um den 31. Juli 1330 verfaßt ist. 1 In ihm drückt der ,
Papst seine Freude darüber aus, daß von dem Bayern noch kein Brief j
eingelaufen sei, durch den er von ihnen Gehorsam und Unterwerfung j
fordere ; * ebenso freue er sich, daß sie entschlossen seien, gegebenen- •
falls nicht ohne sein Wissen zu antworten. Gleichzeitig ermahnt er
sie dringend, von der Berührung mit dem Bayern sich zu enthalten.
Der Papist verspricht den Baslern, ihnen über die schwebenden Versöh¬
nungsverhandlungen, die gewisse Fürsten zu Gunsten Ludwigs ange¬
knüpft haben, wahrheitsgetreue Mitteilung zu machen, damit Ludwig
sie nicht durch entstellte Nachricht in Verwirrung bringen könne. *
1 Vat. Akt. Nr. 1317, 459 . ohne Datum. Vermerk des Herausgebers : «nicht j
vor Mai». Es ist die Antwort auf einen Brief der Basler.
«Literas vestras leta manu rccepimus continentcs, quod Bavari litterae
nondum ad vos pervenerunt. per quas a vobis oboedientiam vel subiectionem
aliquam postularet, et, si contingeret ipsum vobis aliqua scribere, sibi non inten
debatis aliquid absque nostra conscientia respondere. Super quo vestram ad deum
et sanctam ecclesiam devotionem .... commendantes, circumspectionem verstram
exhortamur . quod .... a tactu eiusdem per concensum .... abstinere
sicut viri prudentes et providi procuretis, et quia certi principes pro ncgociis dicti
Bavari suos ad nostram presenciam nuncios hiis diebus preteritis destinanwt. ;
nc lingua tercia vera supprimens seu falsa proferens possit vestri pacem anirai J
perturbare, ecce quod per nostras litteras alias vobis, quid per ipsos propositum j
quidve per nos responsum fuerit, nil detracto, nil addito nunciamus.»
Das « per consensum » zeigt, daß der Papst bereits mit der Möglichkeit von
Basels Bezwingung rechnet.
* Also hatte sich Basel noch nicht unterworfen.
* Johann durchschaut L’s. Gesinnung. Der Vermittlungsversuche « gewißer
Fürsten » fanden damals mehrere statt, nämlich (1.) anfangs 1330, brüflicket
Vermittlungsvorschlag des Königs Christoph von Dänemark, an die Kardinale
gerichtet; kann also nicht gemeint sein. (2.) Vermittlungsversuche des Grafen
Wilhelm von Holland brieflich schon vor 1330, sodann in persönlicher Unterhand¬
lung gemeinsam mit dem Bruder des Königs von Frankreich ; kann also nicht
gemeint sein. Bleibt also nur (3.) der Versuch der beiden Luxemburger und de>
Herzogs Otto. Diese sind die «certi principes », welche «hiis proximis diebus j
preteritis » ihre « nuncios destinarunt». Im Zusammenhang mit dem Brief Vat.
Akt . Nr. 1316. 459 . ergibt sich, daß der Brief an die Stadt gleich nach oder mit
der Antworterteilung an die Gesandtschaft der Fürsten geschrieben ist. D*
Gesandtschaft war im Juni auf Juli in Avignon. Die Antwort des Papstes ist
vom 31. Juli. Ergo. S. Müller, 247-49. Kopp, Geschichte der eidgen. Bünde. V.
p. 51. I
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53
Als indes der Papst unter dem 21. August wieder schrieb und sein
Lob erneuerte 1 , war Basel bereits dem Interdikt verfallen. Die Stadt
hatte dem gebannten Kaiser gehuldigt. Ludwig stand daselbst vom
18.-27. August. a
Wohl nirgends wurde das Interdikt so schwer aufgenommen.
Basel war eine überaus kirchlich gesinnte Stadt. 8 Es wurden denn bald
Gesuche um Absolution nach Avignon gesandt. Der Bürgermeister 4
Kuno zur Sonne wurde am 5. August 1331 von dem Eide, den er
Ludwig in der Not geschworen, losgesprochen. 5 Kurz nachher, am
25. September 1331, befaßte sich der Papst mit den Basler Verhält¬
nissen in einem ausführlichen Schreiben. 8 Darin wird in klarer Weise
der Verlauf der Dinge mitgeteilt: Die Basler haben Ludwig aus Furcht
ds Kaiser gehorcht und Ritter Werner Scalarius, einen ihrer Mitbürger,
als Advokaten und Stellvertreter Ludwigs aufgenommen, weshalb durch
apostolischen Prozeß das Interdikt auf ihnen lastet. Sie haben nun
um Aufhebung desselben gebeten, da sie dem Bayer nie von Herzen
angehangen hätten und auch für die Zukunft entschlossen seien, der
Kirche zu gehorchen. Der Papst hebt es für die Zeit auf, in der jener
Werner oder ein anderer Stellvertreter Ludwigs in der Stadt oder in
den Vorstädten nicht zugegen ist; und zwar hat das Dekret Kraft
bis zum bevorstehenden Osterfeste (19. April 1332). Noch vor Ablauf
der Frist, am 20. Dezember 1331, ist das Interdikt dann ganz suspen¬
diert worden. Der Wortlaut läßt vollends gar keinen Zweifel mehr,
daß Basel erst 1330 durch Ludwigs Anwesenheit dem Interdikt verfiel. 7
Die treu kirchliche Gesinnung der Stadt spiegelt sich m mehreren
Briefen des Papstes wieder. Johann, in unentwegter Verfolgung seines
1 Wackernagel, UB d. St. B. IV, Nr. 87, 86. — Vat. Akt. Nr. 1376, 479.
1 Müller, a. a. O. p. 295, Nr. 3. Gesta Bertholdi, p. 305 : per Alsatiam, Basi-
leam et supra receptis homagiis potenter transivit.
3 cf. die Briefe Heinrichs von Nör(Hingen bei Strauch, a. a. O.
4 Vat. Akt. 1539. 531.
4 Ebd. Nr. 1475, 513.
* Abh. Mönch. Akad. xvn (1883), p. 317, Nr. 585. Kuno zur Sonne erhielt
kuri darauf ein Privileg, wie es hauptsächlich den Fürsten zu teil wurde, nämlich
m interdizierten Orten unter den üblichen Bedingungen sich Messe lesen
lassen zu dürfen. Vat. Akt. Nr. 1506, 524, anno 1332 Jan. 6.
7 Vat. Akt. Nr. 1503, 519. Ad futuram rei memoriam. Cum cives civitatis
Basiliensis, qnae pro eo, quod Ludovicus de Bavaria eiusque sequaces etc. contra
Bttndatam sedis ap. in ea recepti fuerant et habuerant exindc auxilia .... sub-
a cef ecd. interdicto, ad Romane ecclesie devotionem redire sc disponunt, sus-
pendit interd. usque ad fest, resurr. dom. inst.
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- 54 —
politischen Programms, das bei dem Stand der Dinge nicht verwirklicht
werden konnte, war doch zu verständig und weitblickend, als daß er
das passive 1 Verhalten der Städte mißverstanden hätte. Am 25. Mai
ernteten die Spitzen der Basler Bürgerschaft hohes Lob, wie auch gleich¬
zeitig die Mainzer, Straßburger und Freiburger. * Der 27. Mai brachte
die Aufmunterung zu einem Bund zwischen Basel, Straßburg, Freiburg
und Mainz gegen Ludwig d. B. an die Adresse des Administrators 1
Guter Wille war vorhanden, aber man entschloß sich nicht — und man
wußte warum — sich aufzuraffen.
Der Höhepunkt des kirchlichen Lebens in Basel im Jahre 1332
war unstreitig das Provinzialkonzil der Minoriten daselbst. Während
seiner Dauer hellte sich das düstere Dunkel, das durch Einstellung des
Gottesdienstes sich über die Stadt gelagert, wieder etwas auf. Ohne
Beeinträchtigung durch das Interdikt, dem die Stadt Basel unterbege
dürfe in der Franziskanerkirche, so heißt es in dem Schreiben des
Papstes vom 7. August 1332, während der ganzen Dauer des Kapitels,
bei geschlossenen oder bei geöffneten Türen von allen, die dem Kapitel
beiwohnen, Gottesdienst gehalten werden. 4 Dann ward es wieder
stiller in den Kirchen bis zum Jahresschluß. Wie noch vielen andern
Städten und Dörfern, ja ganzen weiten Länderstrichen brachte das
neue Jahr eine ausgiebige Suspendierung des Interdiktes. 4 Es wurde
diesmal für 9 Monate aufgehoben, vom 29. Dezember 1332 bis Michaelis
1333 ( 2 9 - September). Vor dem Tode Johanns XXII. erfolgte noch eine
zeitweilige Suspension in Basel. • Die Haltung der Stadt war andauernd
treukirchlich, wie Briefe des Papstes vom 4. und 31. Oktober 1333
beweisen. 7 Sie blieb es auch während der nächsten Jahre, trotz der
1 Mehr oder weniger. In dem Brief vom 1. Nov. 13t- dankt Joli. XXII
den Vorstehern des Rates zu Basel für das Anerbieten ihres Dienstes im Kampi'
mit Ludwig. (Abh. Münch. Akad. xvn (1883). p. 321, Nr. 601.) In etwa wurclr
durch die Haltung der südwestdeutschen Städte L. doch im Schach gehalten
Das Schicksal Bert hold s von Straßburg zeigt das. Er konnte sich nicht mehr
gegen Ludwig halten, als Johannes XXII. die Augen geschlossen.
1 Vat. Akt. Nr. 1539. $31.
3 Ebd. Nr. 1540. 532.
4 Vat. Akt. Nr. 1560. 536.
1 Ebd. Nr. 1594. 545 : anno 1339, Dez. 29. Wackernagcl, Nr. 109. !<*'•
Gleichzeitig für Konstanz, Zürich ; österr. Schwaben ; Thurgau. Aargau: 111
letzteren für ein Jahr.
• Auf ein Jahr. Wackcrnagel. Nr. 113. i 10. Dat. : 21. Sept. 1333. Beginn
der Suspension : 30. Sept. 1333.
7 Vat. Akt. Nr. 1026. 554 und Nr. 1633, 55«*.
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Härte Benedikts XII. Selbst der Sturm von 1338-39 konnte die Bevöl¬
kerung nicht veranlassen, ihre Geistlichen zur Verletzung des Inter¬
diktes zu zwingen. Mit der Stadt Rheinfelden war Basel die einzige
der Diözese, die sich vom Gottesdienst enthielt. 1
Gemäß dem Vorgänge Johanns XXII. ließ Klemens VI. der Stadt,
die sich wirklich vornehm gegen die Geistlichkeit benommen hatte,
mehrere zeitweilige Suspensionen des Interdikts zu teil werden. Am
30. Januar 1345 erstmals und zwar auf ein Jahr *; dann wieder vom
n. Februar bis Pfingsten 1346 * und zum letzten Mal vor der end¬
gültigen Absolution vom letzten Termin bis 1. September 1346. 4
1 H. v. Diess. p. 30. Hicfür den einzigen Grund in einer radikaleren
Gesinnung von Geistlichkeit nnd Volk in der Diözese als in der Stadt zu sehen,
dürfte verfehlt sein.
* Wachernagel, a. a. O. Nr. 162. 152 ; Vat. Akt. Nr. 2203. 797.
* Wackemagel, a. a. O. Nr. 165. 157 ; Vat. Akt. Nr. 2243, 815.
4 Wachernagel, a. a. O. Nr. 169, 159 ; fehlt in Vat. Akt.
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Feierliche Grundsteinlegung
der st. gallischen Stiftsbibliothek nach
der Glaubensspaltung.
Von Dr. Alois SCHEIWILER.
Die Geschichte der st. gallischen Stiftsbibliothek von ihren ersten
Anfängen bis zur Aufhebung der Abtei ist reich an interessanten,
kulturhistorisch außerordentlich bemerkenswerten Daten und Er¬
eignissen. 1 In dieser Geschichte spiegelt sich nicht bloß aufs deutlichste
der jeweilige Zustand des berühmten Klosters, sondern auch ein großes
Stück reichbewegter Kirchen- und Weltgeschichte.
Die hervorragendsten Äbte vor St. Gallen haben stets der kost¬
baren Bibliothek eine besondere Fürsorge angedeihen lassen. Aber auch
die namhaftesten Gelehrten Europas fanden immer wieder den Weg
zur weit entlegenen Galluszelle, um sich dort in die uralten Manuscriptr
und Kodizes fleißiger Bücherabschreiber im Mönchshabit zu vertiefen
und die Wissensschätze der Vorzeit den späteren Geschlechtern zu
vermitteln.
Besonders waren es die Konzilien von Konstanz und Basel, welche
manchen wissensdurstigen «Römling» nach St. Gallen geführt, aber
auch die Klosterbibliothek um nicht wenige kostbare Bände ärmer
gemacht haben. *
#
1 Vgl. Geschichte der Bibliothek von St. Gallen seit ihrer Gründung um dm
Jahr 830 bis auf 1841. Aus den Quellen bearbeitet auf die 1000-jährige Jubelfeier
von Bibliothekar Weidmann. St. Gallen 1841.
1 Vgl. Weidmann, Geschichte der Bibliothek. S. 38 ff. Im Sommer I 4 |C >
kamen « drei Römlinge », ihre Muße in Konstanz benützend, nach St. Gallen, wo
sie durch Abt Heinrich von Gundelfingen freundliche Aufnahme fanden. Sie
heißen Poggio. Cencius und Bartholomä. Es gelang ihnen, eine Anzahl wert¬
vollster Schriften der gelehrten Welt zugänglich zu machen.
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57
Der berühmte Humanist und nachmalige Papst Eneas Silvius
(Pius II.) schreibt an einen ihm befreundeten Rechtsgelehrten in
Deutschland:
«Inveni apud S. Gallum, quod Suevorum est oppidum, in Veteri
Monasterio bibliothecam pervetustam, ubi et libros reperi ornatissime
conscriptos, quorum autores fuerunt Teutones; mirabar, cur pridem
nil eloquentiae his in regionibus eluxisset, sed venit in mentem apud
Italos quoque tempus fuisse, quo sepulta dicendi facultate barbarorum
justitia dominabatur. * 1
Gerade der zeitgenössische Abt des großen Glaubensabfalls, Franz
von Gaisberg (1504-1529), ein Vetter Vadians, war ein großer Gönner
der Bibliothek. Er hatte gern Umgang mit Gelehrten und ließ sehr
kostbare Bücher, besonders für den Chor, abschreiben. Darunter
zeichnet sich der Codex Gaisbergianus sowohl wegen seines Inhalts
als auch wegen der Malereien aus. Franz Gaisberg ist auch der erste
unter den Äbten, von dem man eine Art Instruktion für die beiden
Aufseher der Bibliothek besitzt. Er trug sich sogar mit dem Plan, ein
neues Bibliothekgebäude aufzuführen, aber der bald losbrechende
Reformationssturm verunmöglichte dieses Vorhaben. 2 Abt Franz starb
in Rorschach, der st. gallische Konvent mußte auf österreichisches
Gebiet fliehen, das Kloster fiel mit all seinen Rechtsamen der Stadt
St. Gallen zu, ein furchtbarer Bildersturm verwüstete das Gallusmünster,
die Reformation triumphierte.
Da kam die Niederlage der Zürcher bei Kappel. Der junge Abt
Bietkeim Blarer von Wartensee (1530-1564), durch die katholischen Eid¬
genossen wieder in alle Rechte eingesetzt, fand die Bibliothek nicht
bloß gänzlich entwendet, sondern auch deren Gebäude im traurigsten
Zustand. Es war ein scheußlicher Anblick voll Wust und Unreinigkeit. *
Ehe indessen der tatkräftige Fürst an die Restauration der Bibliothek
schreiten konnte, mußte er in harter, langwieriger Arbeit die politischen
und religiösen Verhältnisse seines Landes ordnen.
Endlich sah Abt Diethelm im Jahre 1551 den Augenblick gekommen,
wo er an sein Lieblingsprojekt herantreten durfte.
Wir lassen hier die Urkunde 4 in ihrer lateinischen Fassung folgen,
welche schön und anschaulich die am 6. Juni 1551 erfolgte Grundstein-
1 Stiftsarchiv, Bd. 193, p. 371.
* S. Weidmann, a. a. O.. S. 55 ff.
* S. Weidmann, a. a. O., S. 59 f.
4 S. Stiftsarchiv St. Gallen, Bd. 193. S. 500-502.
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legung des neuen Bibliothekgebäudes schildert. Das ansprechend, j
Dokument bildet einen wertvollen Beitrag zur Geschichte der katho¬
lischen Restauration und zeigt in fast rührender Weise die Hoch¬
schätzung der Katholiken jener vielfach so falsch lind ungerecht
beurteilten Zeit für Wissenschaft und Literatur.
Die Urkunde besitzt noch desto größeren Wert, da sie die Namen
sämtlicher Konventualen, Novizen, Kapläne, Othmarsbrüder, sowie
der fürstäbtlichen Hofbeamten enthält, die alle bei der Feier zugegen
waren. Sprachlich läßt sie allerdings zu wünschen übrig. |
Eis folgt der lateinischen Urkunde unmittelbar ein deutscher Text. ;
mit Rechnungen des Abtes Othmar (1564-1577) für die Bibliothek.
Wir fügen auch diesen Text unserer Arbeit bei.
1
De Exstruotura Bibliothecae Monasterii D. Oalli in horto
post Xenodochium posito.
Noverint universi et singuli: Postquam Reverendissimus Dominus;
D. Diethelmus, Dei gratia Abbas Monasterii D. Galli, sibi ex animi |
desiderio matura deliberatione et in commodum ac utilitatem praefati j
monasterii S. Galli, praecipue incrementum honoris et gloriae et laudis j
Altissimi, decreverat Bibliothecam quandam, intra muros Monasterii
et in horto post Xenodochium erigendum et aedificandum, quod bis
memoratus Dominus Abbas in Octava Petri et Pauli Apostolonim.
I
quae est sexta dies praesentis Mensis Juhi, circa horam quartain post 1
meridiem, anno M. D. LI, una cum Decano, Conventuahbus, Presby- i
teris, Diaconis, Subdiaconis et Ordinem expresse professis ac Novitiis ;
sive Scolaribus, Sacellanis, Fratribus Ptochotrophii S. Othmari necnon
Saecularibus Officiariis, quotquot eorundem praefata hora praesentes
erant, in praefato loco et horto Xenodochii, ubi fundamentum biblio¬
thecae fodebatur et bibliotheca aedificatur, comparuerunt et convene-
xunt: Ibidem Dominus Diethelmus Abbas in primis, deinde unus j
post alterum Conventualium in fossam fundamenti ingredientes, Abbas
tres silices et lapidem petralem super illud fundamentum imponens: \
Deinde Decanus et quisque Conventualium quoque unum lapidem ;
imposuerunt et locaverunt ad primam Exstructuram bibliothecae t
et cum Solemnitatibus, Orationibus et psalmis. Est quidem fundamen- <
tum ejusdem bibliothecae in profunditate altitudinis duorum virorum.
murus vero in fundamento positus septem pedes in densitate contmet. j
Et in perpetuam hujus rei memoriam artificibus, lapidicidiis, fodi- ,
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1
59
toribus et aliis mercenariis datae sunt decem mensurae rubri vini,
tres panes aulicales maiorci, et sex bacii. Ea omnia insumpserunt
invicena cum hilaritate et gaudio magno. Fuerunt quidem eo tempore
in Monasterio S. Galli
De Religiosis et Conventualibus videlicet :
P. Jacobus Bertz, Decanus.
P. Heinricus Keller, Supprior.
Joachimus Waldtmann, Vicegerens in Wila.
Georgius Mangolt, Vicegerens in Rorschach.
F. Jacobus Stössel, Parochus in oppido Wila.
F. Marcus Hartsch. F. Paulus Altherr.
F. Martinus Bickhart, Vicegerens in Monasterio S. Galli.
F. Gallus Wittenwyler. F. Hieronymus Hener. F. Magnus Back.
Diaconi et Subdiaconi.
F. Othmarus Cuontz. F. Christophorus Wölber. F. Georgius Hopf.
F. Balthasar Schmid. F. Joannes Riner. F. Georgius Erliholzer.
Professi.
F. Andreas Eberlar. F. Christophorus Blizger. F. Joannes Landt-
sperger.
Novitii.
Wendelinus Bayer. Sebastianus Wuchrer. Alexander Schnider.
Jacobus Wittwyler. Conradus Billstein. Bemhardus Segesser. D. Tho¬
mas Moser, Conventualis Monasterii Petrefhusiensis.
Nomina Sacellanorum B. Mariae Virginis :
Joannes Schürpf. Martinus Vonwyler. Sebastianus Fabricius,
preceptor Ludimoderator.
Joannes Landolt, Capellanus minoris Praebendae S. Fidae.
Nomina Fratrum Ptochotrophii St. Othmari, intra septa Mona¬
sterii :
Udalricus ösch, pater (=Altvater). F. Joannes Appenzeller.
F. Andreas Bawmann. F. Othmarus Custer.
Nomina et Cognomina Saecularium Officianorum ex Senatu et ex
caeteris Aulicalibus, qui in hujusmodi actu in testes sunt rogati, vidi. :
Heinricus Bircher a Lucema, Capitaneus. — Diethelmus a.
Hallwyl, Architriclinus.
Leonardus Hensler, Cancellarius. — Joannes Jacobus Zoch, Feu-
dorum procurator.
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— 60 —
Joann. Waltherus Rockstohler, Scriba. Conradus Criizlinger, Sub
stitutns.
Et alii quam plures, quorum nomina brevitatis causa omittuntui.
Dem hochfeierlichen Anfangsakt dieses Baues entsprach auch
dessen Vollendung. Abt Diethelm stattete denselben sodann mit hand¬
schriftlichen und gedruckten Büchern aufs reichlichste aus. Unter
jenen befanden sich Prachtexemplare von Chorbüchem mit schönen
Malereien, Prospekten, reichen Vergoldungen, einer Bildergalerie von
Musikinstrumenten, Engeln, Vögeln, Wappen, Kapellmeistern und
andern Vorstellungen, bei denen der treue Gefährte des hl. Gallus,
der Bär, oft eine komische Figur spielt. Den Text und die Musik hatte
der Konventherr Heinrich Keller meisterhaft niedergeschrieben. Dieser
Heinrich Keller war mit seinem Ordensbruder und Vorgänger auf der
Münsterkanzel zu St. Gallen, P. Johannes Heß, Doktor der Theologie,
ein eifriger Prediger und Schriftsteller.
Abt Diethelm erwarb sich um die Bibliothek noch ein weiteres
großes Verdienst, indem er die seit dem zehnten Jahrhundert beseitigte
Stelle eines Bibliothekars wieder ins Leben rief und zum Bibliothekar
den P. Moriz Enk von Altstätten, einen großen Sprachenkenner und
trefflichen Gelehrten ernannte. 1
. Ex ralionibus Othmari Abbatis.
Item den 7. tag Aprilis han ich ußgeben den Tischmachern ruo
Rorschach von wegen den Kästen, so m. g. H. selgen verdinget hat
zumachen in die librery 27 K. V baien.
Item den 20. tag Junii abgerait mit M. Luzi Loberthal dem schlosser
zu Lindaw, antreffendt die ißinen thüren und laden und ander darzu-
dinend in die librerey, wigt als zusamme 24. Centern 77. pfund, umb
5 krüzer gerechnet, thuot 206 R 6 baz. I Crüzer.
Mer umb die Schloß und 1 Kasten zbschlagend 14 - R-
Item siner husfrowen trinkhgelt IO- R
Sinen Dienern geben H. R
Item den 14. tag Augusti Sebastian Fechter, Apotheker zuo Lindow
geben umb linöll und anders zu den thüren und läden 17 - R-
An Bücher kaufft in die Librerey.
Item den 27. tag Martii, han ich h. Subprior um ain newes gsang-
buoch geben zschreiben 14. Sunnkronen
1 Weidmann, S. 61 ff.
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6i
5. Kronen.
1 R. in gold.
Item einem Physico von Basel geschenkt
Dem Diener
Hatt mir ein buoch überantwurt in die liberey.
Item den 2. tag April geben um bücher 16. R.
Item den 2. tag May umb bücher 6. R.
Item den 30. tag Octobris 11 R. 5. baz.
Item den 14. tag Januarii deß 1566 iahrs 5. R. 5. baz.
Mer eod. die 8 y 2 R.
Abt Othmar zeigte sich überhaupt als glänzender Mäzen der
Bücherei und verausgabte für dieselbe die ganz bedeutende Summe
von 5000 Fl. Zwei hochgelehrte St. Galler Konventualen Moriz Enk
und Joachim Opser, welche zu Paris bei den Jesuiten studierten,
kauften daselbst die meisten dieser Bücher im Aufträge ihres Abtes. 1
Auch die folgenden Äbte waren ausnahmslos großmütige Freunde
und Hüter des reichen Bücherschatzes. Der unglückliche Zwölferkrieg
brachte eine namhafte Zahl Bücher und Handschriften nach Zürich,
wo sie immer noch, in der Wasserkirche untergebracht, nach ihrer alten
Heimat trauern.
Im April 1758 wurde das Diethelmische Bibliothekgebäude ab¬
gebrochen, und an dessen Stelle ließ der große Fürstabt Cölestin II.,
der Erbauer der prachtvollen Kathedrale, einen neuen herrlichen Bau
errichten, der heute noch glänzendes Zeugnis ablegt von der eifrigen
Pflege der Künste und Wissenschaften im einst so ruhmreichen,
untergegangenen Kloster St. Gallen.
1 VgJ. « Briefwechsel zwischen Paris und St. Gallen », Jahrgang 12, S. 45
dieser Zeitschrift.
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KLEINERE BEITRÄGE — MfiLANGES
Ein Aktenstück des hl. Karl für das Frauerikloster
Madonna del Monte sopra Varese.
Als P. Franz Xaver Schürmann, Beichtiger im Frauenkloster zu Fahr.
Knde November 1916, in seiner Wohnung aufräumte, um als Spiritual ins
Institut Heiligkreuz bei Cham überzusiedeln, fand er in einer Schublade
unter einer Anzahl von kleinen Reliquien römischer Heiligen ein völlig zer¬
knittertes Papier. Der Fundort scheint darauf hinzudeuten, daß man dieses
Schriftstück seinerzeit wohl als Reliquie taxierte, aber jedenfalls nicht immer
nach seinem historischen Inhalte zu würdigen verstand, denn bei näherer
Prüfung entpuppte sich dieser Fund als ein ganz wertvolles Aktenstück zu r
Geschichte eines berühmten Wallfahrtsortes in Oberitalien.
Ein Ausläufer der Alpen, welcher bis hart an die Grenze der lom¬
bardischen Ebene vorstößt und noch bis zu einer Höhe von mehr als 80•
Meter emporsteigt, trägt schon seit frühmittelalterlichen Zeiten ein viel
verehrtes Marienheiligtum. Dasselbe gewann als Wallfahrtsort um so leichter
einen Ruf, als sich den Pilgern auf dieser Höhe ein äußerst lohnender Aus¬
blick bietet. Südwärts erkennt das staunende Auge den Mailänder Dom, den
Campanile von Monza, die Kuppel von San Gaudenzio in Novara, ja cs er
reicht sogar den Torrazzo von Cremona und erkennt die Umrisse der Supcrga.
Gegen Norden liegt die Riesenstatue des hl. Karl bei Arona noch im Gesichts¬
kreis. Die selige Katharina von Pallan^a, geboren 1437, begann an dieser
Stätte mit i 5 Jahren ein zurückgezogenes Leben, und 1454 schloß sich die
selige Juliana von Vcrghcra ihr an. Darin lagen die Anfänge eines Frauen¬
klosters, in dem bald die Regel des hl. Augustin cingeführt wurde. Ein
Arciprete mit dem Rechte der Pontifikalien und mehrere Priester besorgten
ehedem den Gottesdienst und die Wallfahrt. Nachdem aber die Einkünfte des
Erzpriesters zu Beginn des 16. Jahrhunderts dem Kloster zugefallen, kam
einige Zeit nachher auch der entsprechende Titel in Wegfall und gemäß Bulle
Leos X. von 1 5 i7 sollte fortan ein Vicarius curatus amovibilis mit vier Kaplinen
und einem Schatzmeister des Heiligtums warten. Der hl. Karl erhob die
Stelle eines Vikars zu einer eigentlichen Pfründe und stellte sie unter das
Patronat der Äbtissin. 1
1 II Santuario della .Madonna del Monte sopra Varese. Varese, Tipograßa delia
«Cronaca Prealpina» 190.4. S. 19. 26 fl*. Mit Vergnügen fanden wir am Schlüsse des
Büchleins als Zensoren zwei unserer ehemaligen Professoren unterschrieb«,
nämlich : Can. Angelus Nasom eens, ccclcs. und P. C. Gorla, Provicarius Generalis.
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— 63 —
Das sechste Provinzialkonzil vom io. Mai i582, zugleich das letzte,
welches der hl. Karl abhielt, stellte in Bezug auf die Klausur der Frauen¬
klöster sehr strenge Normen auf. Ohne schriftliche Erlaubnis des Bischofs
oder des Generalvikars sollte gar niemand ein Frauenkloster betreten, auch
nicht unter dem Vorwände, eine Kosttochter daselbst besuchen zu wollen. 1
Nicht einmal der Generalvikar durfte ohne ganz besondere Ermächtigung von
Seite des Bischofs eine solche Erlaubnis erteilen. Diese sollte in Anwesenheit
des Bischofs ihm überhaupt vorenthalten bleiben.* Das Kloster Santa Maria
del Monte hatte jedoch damals einen beschwerlichen Zugang und war vom
Bischofssitze ziemlich entlegen. Anderseits kam es sicher häufig vor, da£
Pilger einen Besuch im Kloster machen wollten, die aus Unwissenheit und
wegen der gro&en Entfernung keine bischöfliche Erlaubnis eingeholt hatten
und doch nicht gern vom Wallfahrtsorte heimkehrten, ohne ihre Verwandten
und Bekannten im Kloster gesprochen zu haben. Es erschien daher geboten,
den Beichtiger, Vin^en\ Gilio, mit einer entsprechenden Vollmacht aus¬
zustatten. Es geschah dies von Seite des hl. Karl zweimal je für das laufende
Jahr. Das zweite Jahr war aber kaum zur Hälfte beendet, als der hl. Oberhirte
surb. Es war deshalb die Vollmacht schriftlich zu erneuern, was durch den
bisherigen Generalvikar, Johann Fontana, der nun als Kapitelsvikar amtete,
den 20. November 1584, geschah. Auch die spätem Erneuerungen gingen
zeitlich nicht weiter, im Gegenteil, sie wurde auf sechs Monate und zuletzt
sogar auf zwei Monate beschränkt, ein Beweis dafür, dafi die Klausur der
Frauenklöster auch von den Amtsnachfolgern des hl. Karl mit Strenge
gehandhabt wurde.
Diese Vollmachtsverlängerungen haben auch als Autographensammlung
einen nicht zu unterschätzenden Wert. Wir finden mit ihrer Unterschrift
nicht bloß den unmittelbaren Nachfolger des hl. Karl auf dem erzbischöflichen
Stuhle von Mailand in der Person des Kardinals Gaspare Visconti (t 585-95)
vertreten, sondern auch die bedeutendsten und langjährigen Mitarbeiter des
hl. Oberhirten, die nachträglich ebenfalls zur bischöflichen Würde gelangten.
Wir treffen an erster Stelle den Generalvikar Johann Fontana, der zur
Gründungszeit des schweizerischen Kollegs in Mailand sich viel um diese
unsere Nationalstiftung bemühte und auch unter Karls Nachfolger noch als
‘ Ratti, acta ecclesiae Mediolanensis. Mediolani MDCCCXC, pag. 772. Ne quis
^Icricus laicusve, cuiuscumquc generis, ordinis, conditionis, sexus aetatisve sit,
absque episcopi aut eius vicarii concessu literis exarato, ad monialium monasteria
quovis praetextu causave ac ne eo quidem nomine invisendi alloquendive puellas
tantum, quae ibi educantur, unquam accedat, propositis poenis et censuris arbitrio
tpiscopi.
Ne quis item absque eiusdem episcopi facultate scripta, intra septa monasterii
monialium in posterum ingredi audeat.
* Facultas ingrediendi septa monasterii nulla detur nisi in scripto.
Episcopus autem solummodo, ac nullo modo vicarius generalis, lianc
potestatem faciat, nisi speciatim ei episcopus auctoritatem delegarit, qua aliis
mgrediendi facultatem dari possit : atque episcopus quidem eam auctoritatem
minime alii demandet, nisi vicario tantum generali : ac neque ei item, cum ipse
praesens est.
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— 64 —
Generalvilcar sich betätigte. 1589-1611 stand er jedoch als Bischof der Diözese
Ferrara vor. Marc’ Antonio Bellino war Domherr zu Mailand, wurde dann
von Karl Borromeo dem ersten schweizerischen Nuntius, Johann Franz
Bonhomini, als Uditore beigegeben. Der Nuntius hielt ihn aber fQr den er¬
wähnten schwierigen Posten noch für zu jung und zu unerfahren, woraui
Borromeo diesen Geistlichen wieder zurückrief. Dies geschah mit einigem
Glimpf, indem Bonhomini seinen Uditore am 1. Januar i 58 o von St. Moritz
aus nach Rom sandte, um die Gründung des Jesuitenkollegs in Freiburg zu
betreiben. Borromeo nahm hernach diesen jungen Mann in eigene Dienite
und machte ihn zum erzbischöflichen Kanzler, in welcher Stellung er bis zum
Tode seines Herrn verblieb. Mit Stadtpfarrer Sebastian Werro blieb Bellino
seit seinem Schweizeraufenthalte zeitlebens befreundet. Als jener am 20. No¬
vember 1 58 1 auf seiner Heimreise von Jerusalem in Mailand eintraf, besuchte
ihn der erzbischöfliche Kanzler in der Herberge und zeigte ihm vor dem
Abschied den Domschatz. * Später finden wir Bellino als Bischof in Bobbio.
Als solcher erteilte er am i 3 . Juni 161 5 dem nachmaligen Bischof von
Lausanne, Jakob Knab, in der Kirche des schweizerischen Kollegs zu Mailand
das Diakonat. 1
Dr. Bernhardin Morra von Caluso, in der Diözese Jvrea, war zeitweilig
Generalvikar des hl. Karl und Uditore während seinen apostolischen
Visiutionsreisen. Er befand sich namentlich auch in der Begleitung des
Kardinals zur Zeit seines Aufenthaltes im Misoxertal. Von dort aus sandle
ihn Borromeo, den 18. November 1 583 , mit seinem Kammerdiener Ambros
Fornero nach Chur, behufs wichtiger Verhandlungen mit dem Bischof und
den Landesregenten.* Morra wurde 1598 zum Bischof von Aversa ernannt
und starb i 6 o 5 .
So begegnen uns im nämlichen, scheinbar so fernliegenden Aktenstück
mehrere Namen von Personen, die ihr Wirken auch auf die damalige Eid¬
genossenschaft ausdehnten und einst dort sehr wohl bekannt waren. Dadurch
steigt natürlich der Wert unseres Dokumentes, der an und für sich schon
nicht gering ist, weil wir sonst dermalen keine Beziehung des großen katho¬
lischen Reformators zu diesem Heiligtum kennen. Die Biographien erzählen
wohl von seinen Wallfahrten nach Saronno, Rhö, Sacro Monte di Varallo,
Einsiedeln, Loreto, Postua usw., aber von Madonna del Monte schweigen -
sie. 4 Letzteres erfuhr eist unter seinem Neffen, dem Kardinal Friedrick
Borromeo, die besondere Gunst des erzbischöflichen Stuhles von Mailand,
indem dieser das kühne Projekt des Kapuziners, Johann Baptist Aguggiariron
Monza, auf alle Weise förderte. Aguggiari hatte nämlich vorgeschlagen, behufs
Darstellung der i 5 Rosenkranzgeheimnisse dem Weg entlang i 5 Kapellen und
\
1 Siehe diese Zeitschrift 1908, S. 1 3 y.
* Knab notierte dies in einem Kollegheft, jetzt codex 287 der Stiftsbibliotbe* j
Engel berg. 1
• D’Alessandri, Atti di San Carlo. Locarno 1909, S. 347 ff. und Oltrocdu, be '
vita et rebus gestis S. Caroli. Mediolani 1751, S. 703 ff. 1
4 San Carlo Borromeo nel terzo centenario della canonizzazione. Periodico •
mensile 1908—1910, S. 449 ff. :
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“ 65 —
drei Triumphbögen zu erbauen, eine Jdee, die zwischen 1602 und 1680
wirklich Gestalt annahm. Don Vin^en\ Giglio, Pfarrer im benachbarten
Malnate, begann anderseits 1604 mit 5 o Malnatesen den Bau einer neuen
bequemen Pilgerstraüe. Durch diese Bereicherungen und Verbesserungen
gewann der Wallfahrtsort an Originalität und Zugkraft. Auffallenderweise
trägt der unternehmungslustige Pfarrer von Malnate den gleichen Namen wie
der Beichtiger in unserem Aktenstück. Es scheint mir nicht ausgeschlossen,
daü beide Namen sich auf die nämliche Person beziehen, indem der Beichtiger
von Madonna del Monte später zwar als Pfarrer nach Malnate zog, aber die
Sympathien für das ihm lieb gewordene Heiligtum mitnahm und auch in der
neuen Stellung die Wallfahrt dorthin zu heben suchte. Stehen die Kapellen
von Madonna del Monte an künstlerischem Gehalt auch hinter jenen des
Sacro Monte di Varallo zurück, so stellen sie doch beachtenswerte Leistungen
dar. Ritter Melchior Luäy von Stans hat im März 1570 diesen Wallfahrtsort,
als er noch bescheidener und schwerer zugänglich war, ebenfalls besucht. ‘
Jetzt kann man sogar mit einem elektrischen Tram von Varese bis zur ersten
Kapelle fahren. Im Jahre 19io ersah der Z&\ilienverein von Zug sich unter
anderem auch diesen hl. Berg als Ausflugsziel, und Stadtpfarrer Franz Weili
legte unter dem Titel « Sangreiche Südlandsfahrt» in einer schwungvollen
Feuilletonserie die empfangenen Eindrücke fest. * Seit der ersten Hälfte des
19. Jahrhunderts ist mit dem Kloster eine Erziehungsanstalt verbunden. Die
Anfänge hiezu glauben wir schon aus dem borromäischen Dokument von
i 583 herauszulesen, wo von den «saeculares puellas» die Rede ist. Doch
dürfte es auch nicht ganz unmöglich sein, dah hinter dieser Wendung nur
eine schematische Formel steckt, wie sie nicht selten in derartigen Fakultäten
und Privilegien erscheinen, ohne bis in alle Detail einem bestimmten Orte
oder Verhältnis angepaät zu sein.
Wie die vorliegende lateinische Urkunde aus Oberitalien nach Fahr
gekommen, wird wohl schwerlich genau festgestellt werden können. Es kann
behufs Regelung ähnlicher Bedürfnisse ursprünglich ein sachliches Interesse
vorhanden gewesen sein, und es mag die Urkunde in diesem Falle gleichsam
als Vorlage gedient haben. Doch ist eher anzunehmen, dieses Aktenstück sei
als Reliquie nach Fahr gelangt und von einem oberitalienischen Durch¬
reisenden oder sonst von einem Gaste oder Freunde dem Kloster zum
Geschenke gemacht worden. Da Fahr an einem ehemals vielbenützten Durch-
pa& lag und auch das Kloster Einsiedeln, welches hier die geistliche und
weltliche Verwaltung führt, ausgedehnte Beziehungen unterhielt, so boten
sich für einen solchen Erwerb tausend Möglichkeiten. Erwähnt sei b!o§ die
Tatsache, daä der päpstliche Nuntius, Friedrich Borromeo, ein Verwandler
des hl. Karl, am 27. Juni 1661 mit der Priorin von Fahr, Maria Katharina von
Sonnenberg, die Patenschaft für ein Kind des venetianischen Residenten, Paul
Sarotti in Zürich, übernahm, wobei jedoch beide Paten nicht persönlich
1 Vignola an Karl Borromeo, Bellinzona, 18. März 1570. Der Colonello geht al
Sepolchro de Varalo et a Santa Maria del Monte et Santa Catelina ( 1 ) [bei Angeraj
et credo che staraa far Pasqua Arona. Ambrosiana, F. 118, Nr. 1 56 .
* Zuger Nachrichten 1910 und Schweizerische Kirchenzeitung Nr. 9, 1911.
RBTUt D HtSTOIRE KCCLiSIASTIQUE 5
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(
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funktionierten, sondern eine Stellvertretung mit dem bezüglichen Ehrenakt;;
betrauten. Die Gesandten Venedigs und andere Angehörige italienischer
Staaten benützten übrigens die Klosterkirche von Fahr wiederholt für
Taufen und Begräbnisse. 1
Der Wallfahrtsort Santa Maria del Monte hat vor Jahren ein historisches
Museum eingerichtet, das den Pilgern gegen ein billiges Eintrittsgeld zur
Besichtigung offen steht. Das vom hl. Karl ausgestellte und eigenhändig \
unterschriebene Aktenstück würde dieser Sammlung zur hohen Zierde ge- i
reichen und darin zweifelsohne wie ein kostbarer Schau gehütet werden. \
Gegenwärtig liegt es in der Gewahrsame des Stiftsarchives von Einsiedeln. :
Eduard Wymann. •
• *
♦
CAROLUS, S. R. E. Presbyter Cardinalis tituli Sanctae Praxedis, Dci c: *
Apostolicae Sedis gratia archiepiscopus sanctae Mediolanensis ecclesiac etc.
Dilecto nobis in Christo R. P. Vincentio Gilio, confessario monitlium
sanctae Mariae supra montem Varisii , nostrae Mediolanensis dioecesis,
salutem in Domino. i
Pro nostra pastorali cura et sollicitudine necessitatibus monasterii predicn ,
ac pro observatione decreti [Concilii] Provincialis sexti de non accedendo ad j
parlatoria et rotas monialium absque licentia a nullo nisi a nobis vcl \icari«) ;
nostro tradenda, nuper editi, opportune consulere volentes et ne, qui ex causis.
rationabilibus alloqui moniales quandoque cupiunt, nimis fatigentur, tibi, de |
cuius prudentia, pietate et morum probitate in Domino confidimus, ut laicis j
quibuscunque tibi bene visis ac probatis, ad collocutionum fenestrellis seu ,
parlatoria ac rotas monasterii praedicti accedendi ac ibidem praefectas et alias |
moniales ac seculares puellas alloquendi facultatem dare possis et valeas ac i
item (?) capellanis ordinariis legitime impeditis et absentibus in cisibus ,
necessitatis, ne moniales sanctissimo missae sacrificio quotidiano priventur,
alios sacerdotes ex approbatis ad XV dies tantum approbare et substituere,
servatis servandis et iuxta modum et instructiones a vicario nostro monialium
tibi praescribendas, litteris nostris per praesentem annum potestatem facimus,
ac licentiam impartimur.
In quorum fidem etc.
Datum Mediolani ex aedibus nostris archiepiscopalibus die VIII. Juli
MDLXXXIII.
C. Archiepiscopus. (Locus sigilli.) !
Renovata ad annum praesentem 27. Junii 1584. j
C. Archiepiscopus. J
1584 die 20. Novembris confirmata per annum.
J. Fontana . I
i 586 die 4. Januarii confirmata ad annum. 1
J . Fontana.
M. Ant. Bellinus, cancellarius.
1 Wymann. Familienstand der venetianischen Gesandten in Zürich,
für Schweiz. Gesch. 190*, S. 272.
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B. Morra, Vic. Gen.
— 67 —
Die 16. Xbris 1 586 . Confirmata pro anno 1587.
Die n. (?) Xbris 87. Confirmata ad sex menses.
Caspar Archiepiscopus.
Antonius Grimoldius, canceliarius archiepiscopalis.
Die 3 . Junii 88. Confirmata ad duos menses. ß. A/orra, V. G.
In der linken Ecke zu unterst: S. Mariae Montis confessario. Auf de r
Rückseite steht die ursprüngliche Aufschrift: Sanctae Mariae Montis. Eine
spätere Hand notierte nach 1610 hier weiterhin : Lettera sottoscritta della
propria man di S. Carlo anno 1 583 et 1584. Jemand anders setzte darüber :
Lettera di San Carlo.
Inventar des hl. Sebastiansaltares auf Valeria (Sitten)
vom 19. Januar 1520.
Wilhelm von Raron, der Sohn des Julian Egid und der Annina von
Raron, der bereits 1422 als Kleriker und 1427 als Domherr von Sitten
vorkommt, wurde 1428, 6. August, zum Kantor, 1433 zum Dekan voi
Sitten und 1437, 24. April, zum Bischof von Sitten gewählt. 1 1437, 8. März
stiftete er zu Ehren der hl. Fabian und Sebastian einen Altar in der Kirche
von Valeria, den er 1450, 2. Juli, als Bischof in feierlicher Weise einweihte
Der Altar besteht noch jetzt und befindet sich an einem Pfeiler des süd
liehen Schiffes genannter Kirche. In dessen Nähe wurde der gedachte
Stifter, der 1451, 10. Januar, auf der Rückreise von Rom zu Pallanza
gestorben ist, zur letzten Ruhe bestattet, wie das noch erhaltene Grabdenk¬
mal bezeugt. *
Über die Utensilien dieses Altars wurde den 19. Januar 1520 eir
Inventar aufgenommen, dessen Wortlaut hier folgt:
1520, 19. Januar.
Anno 1520, die 19 m. Januarii ad instantiam ven. viri d. Heinrici
Tarant , 9 can. Sed., veluti procuratoris v. capituli Sed. asserti, neenon
v. dom. Johannis Braseti 4 , cantoris Sed. et Jacobi Marquis, mercatoris
Sed., veluti exequutoris testamenti quondom hon. viri d. Petri Truscheti.
olim rectoris altaris S. Sebastiani in ecclesia castri Vallerie fundati, hierum
bona mobilia dicti altaris S. Sebastiani derelicta per dictum quondan
d Petrum Truscheti 6 inventarizata et in scriptis posita per me notariun.
1 Vergl. Hauser, Geschichte der Freiherren von Raron, 180 etc.
* Vergl. Van Muyden, Anzeiger für Schweizerische Altertumskunde, N. F.
IV, 151 ff.
* Heinrich Tarani, Bürger von Sitten, erscheint in den Urkunden seit 1500
als Rektor, seit 1516 als Domherr von Sitten. Gestorben zwischen 1528-1530.
4 Johannes Braseti von Genf wird 1489 Domherr u. 1505, Febr. 7, Großkantor
von Sitten ; er stirbt den 15. Dezember 1535.
* Peter Truscheti erscheint als Rektor des hl. Sebastian seit dem 22. Sep¬
tember 1506 und wird 1507, 15. Oktober Pfarrverweser von Saillon.
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68
et juratum subscriptum, maxime bona, quc fuerunt in altari predicto et
in duabus archis ibidem propc dictum altare existentibus.
Et primo super dictum altare fuerunt reperta tria linteamina, quatuor
mape, unum corporale, et unum copertorium desuper. Item unus calix
argenteus, partim deauratus, signo aquile signatus, una cum patheua
Item unum missale. Item una parva campana. Item quinque casule
Item unum sudarium nigrum. Item magis duo corporalia pulcra. Item tres
albe cum duobus amictis et tribus cingulis. Item magis adhuc unum
copertorium parvum pro ponendo super altare. Item duo gausapia altaris
Item duo curtinc, seu duo velamina ad alas altaris predicti. Item sex lintea¬
mina, quorum tria sunt nova. Item magis adhuc unum magnum premidis (?;
figuratum pro coperiando altare. Item adhuc unum aliud pulcrum linteamen
pro ponendo supra altare. Item due magne mape integre et due parve
Item iterum adhuc unum magnum linteamen premidis (?) ad ponendum 1
supra altare. Item unum copertorium nigrum, ubi est crux alba pro Pla¬
cebo. Item duo amicti. Item unum capitegium de sirico. Item adhuc *
unum alium linteamen pulcrum. Item una tabula, in qua sunt scripte :
reliquie pertinentes dicto altari, incipiens : Hee sunt reliquie scilicet de :
pillis D. N. J. Christi, etc., finiens : pro peccato meo. Amen. Item noveoi ?
lapides pretiosi cum quadam parva imagine argentea. Item una cmx }
argentea cum sua vagina seu sua domo ex coreo. Item quedam cupa deau- j
rata. Item una mitra alba episcopi, in qua sunt quatuor lapides pretiosi ]
Item unum obsculum (sic) pacis, ubi sunt tres lapides pretiosi. Item malte ;
indulgentie episcoporum. Item unum pulvinial. Item littera fundationb \
dicti altaris facta per rcvdum d. Guillelmum de Rarognia, decanum eccl •
Sed. et dominum Montisville in valle de Herens, recepta per discretum •
virum Ambrosium de Poldo , not. Mediol. dioc. curie Sed. sub anno dom 1
i
1437, indictione quintadecima, et die octava roensis Martii. Item sunt duo j
cerei supra dictum altare. Item unus über, in quo continentur recupertoir I
multe et instrumenta ac recognitiones ad opus dicti altaris. Item duo
alia instrumenta. Item in archa reliquiarum dicti altaris fuit repertum
quoddam parvum olobostrum ferreum sine clave, quod fuit datum io
custodiam dicto quondom dom. Petro Truscheti rectori dicti altaris per
quemdam Mar cum — servitorem quondam ven. d. Johannis Asper 1
prout ven. vir d. Felix Mancz can. Sed. retulit ibidem. Quod quidem
olobostrum fuit repositum et datum ad manus prefati d. Henrici Tarent j
procuratoris prefati ven. capituli Sed., prout idem d. Henricus confessus ;
cst recepisse et penes se eundem olobostrum custodire. [
Valerie in ecclesia. Testes: Felix Mancz Ä , curatus Saillonis. Jok. ;
Magni •, Georgius de Chivrone 4 c. Sed. Jod. Nestier, janitor. •
Notarius Ludovicus Frarerii . (A Val). D. Imesch. j
•
1 Joh. Asper, c. 1465 geboren, ist 1478 Rektor des hl. Claudius auf Vakru,
wird i486 Domherr und 1509 Großsacristan von Sitten und stirbt 29. Nov. I 5 r 9 -
1 Felix Manz, Pfarrer von Saillon und Domherr von Sitten, 1494-1523-
3 Joh. Magni, Grand, von Leuk, Domherr von Sitten 1514-1527.
4 Georg de Chivrone, von Sitten. Domherr von Sitten 1511-1528.
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69
Das Todesdatum Fridolin Brunners.
Gottfried Heer hat in seiner Biographie Fridolin Brunners, die er zum
Reformations-Jubiläum herausgab, ebensowenig wie Emil Egli in dem 1910
in den Zwingliana erschienenen Artikel das genaue Todesdatum des Glarner
Reformators anzugeben vermocht. Beide verzeichnen nur 1570 als Brunners
Todesjahr. Der Todestag, 30. Juni 1570, ergibt sich aus einem Briefe des
Glarner Landammanns Joachim Bäldi an Bullinger, enthalten im Band 122
der Simmler Sammlung der Zentralbibliothek Zürich. Unterm 26. Juni
berichtete Bäldi über die Todeskrankheit Brunners nach Zürich : « Unser
herr Fridli ist krank und mit dem husten und herzwee beladen, das er
gester und vorgester [Fest Johannes des Täufers und 6. Sonntag nach Pfing¬
sten] nit geprediget, sonder der herr von Schwanden das best thon. Der
trüw Gott erhalt und schenke inn uns wieder. » Der nächste Brief Bäldis,
der in aller Eile Bullinger den eingetretenen Tod Brunners gemeldet hatte,
mangelt in der Sammlung. Am 4. Juli darauf ersuchte Bäldi den Zürcher
Antistes bereits wegen der Besetzung der erledigten Pfründe um Rat
und kommt dabei mit folgenden Worten nochmals auf den Verewigten
zurück : « — Ich hab üch vergangcs frytags [30. Juni] in yl und grossem
schmertz geschryben, wie der gütig gott uns unsem trüwen und frommen
hirten, hem Fridli Brunner, zu sinen göttlichen gnaden genommen. Mag
nit wüssen, was oder wie ich üch geschryben, dann es uns gantz übel
gangen, das es einem wohl kummcr und leyd sin sölte, und wenn ich nit
bedächte, das er sin louff des lebens (das im 72. jar) erfüllt, besorgte ich
gar groß straff. » Zur Neubesetzung der Pfründe fügte Bäldi bei: . . .
und wiewohl sich der trüw mann, her Fridli selig, mit einer schlechten besol-
dung gelitten, das wir wohl gedenkend, sich hinfür keiner mehr begnügen
werde, habend wir uns bedacht, der besoldung halb ouch wyters zu thun,
diewyl man doch dem meßpricster so rychlich geben muß. »
St. Gallen. Joseph Müller.
Bin Meßgewand des Kardinals M. Schiner
für die Kathedrale von Sitten.
Nach alter Übung war und ist jeder Bischof von Sitten gehalten,
einen Pontifikal-Omat für die Kathedrale anzuschaffen. Kardinal Schiner
konnte zu seinen Lebzeiten dieser Verpflichtung nicht nachkommen. Denn
nach seinem Tode stellte das Domkapitel von Sitten an die Erben die
Forderung von a6o Dukaten für das Pontifikal und anderes, so der h. Cardinal
als bischof der kilchen von Sitten schuldig geblieben zu bezahlen ». 1 Immer¬
hin muß der Kardinal der Kathedrale ein Meßgewand vermacht haben,
1 B. Arch. Sitten. Tir. 103 . Nr. i, p. 749 .
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70
über das ein Inventar vom 7. Juli 1705 folgende Beschreibung bringt:
c* Casula rubra ex damasco cum duabus dalmaticis damascenis cum cruct
auro et argento intexta per quondam rev mura d. cardinalem Schyner, epis-
copum Sedunensem : indigent restauratione, et sic manus apponenda ad
reficiendum hunc omatum pretiosum in signum et memoriam tanti bene-
factoris episcopi et cardinalis. » 1
Ein Inventar von 1770 bemerkt hiezu: «Casula haec attrita valde
extat in sacristia Valeriae : dalmaticae vero non extant. » 1
Spätere Inventare erwähnen auch die Casula nicht mehr.
Eine Notiz
über die Insignien des Bischofs Jost von Silinen.
Jost von Silinen, seit 1469 Propst von Beromünster und seit dem
g. Juli 1477 Bischof von Grenoble, wurde 1482, 2. August, vom Papste
Sixtus IV. als Bischof von Sitten bestätigt, 1496, 19. April aus dem Wallis
vertrieben. Uber seine bischöflichen In ignien, zumal die Mitra, den Hirtra¬
stab und das Schwert (wohl das sogenannte Regalienschwert) befindet sich
in den Protokollbüchem des Domkapitels von Sitten unter dem Datum
vom 24. Oktober 1517 folgende interessante Notiz :
« Seduni, in capclla S. Michaelis Majorie. Notum sit etc. quod ex
commissione v. capituli Sed. v. d. Johannes Bertholdi* can. et tamquam
procurator eiusdem v. capituli adjunctis sibi v. dominis Philippo de Plot* * 4 .
Jodoco de Plotea 6 et Joh. Magni •, can. Sed., petita de Petro Empken 7
capellano rev. ml d. cardinalis Sed. in presentia d. Egidii Venetz • ballin
terre Valesii et infrascriptorum testium, videlicet mitram, gladium etbaccu-
lum pastoralem per bone memorie d. Jodocum de Sillinon episcopum Sed
ipsi ven. cap. Sed. donatos. Qui d. Petrus intrans capellam S. Michaelis
castri Majorie apperuit quamdam magnam archam in eadem capella exi-
1 Arch. Valeria. Nr. 400 .
2 1. c.
3 Johann Bertholdi, 1503-1522. Domherr von Sitten.
4 Philipp de Platea, 1485-1522. Domherr von Sitten ; den 20. Oktober 1521
zum Bischof von Sitten gewählt, erlangt die päpstliche Genehmigung nicht, tritt
daher den 29. August 1529 zurück und stirbt den 22. April 1538.
* Jodok de Platea. seit 1505 Domherr und seit 1524 Dekan von Sitten,
stirbt im Herbste 1532.
• Johann Magni (Grand), Domherr von Sitten, 1514-1527.
7 Empken (Emchen) Peter stammt aus St. Niklaus, erscheint 1505‘" l 5 21
als Kaplan des Kl. Matth. Schiner. Einige Bücher ans seinem Nachlaß befinder
sich im Archiv von Valeria.
1 Egid Venetz von Naters, 1515 Kastlan von Brig. 1516 und 1517 Lande>
hauptmann von Wallis.
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7i
stentem, extraxit quaradam capsam, in qua erat dicta mitra seu infula
d. Jodoci, ut dicebatur, unacum qua dam alia minoris existimationis;
item et unum gladium ipsius quondam dom. Jodoci, cuius vagina fuerat
de argento deaurato composita cum quodam alio gladio minori; item
et baculum pastoralem per prefatum d. Jodocum, ut prefertur, donatum
et prefato d. cardinali per ipsum v. cap. Sed. mutuo concessos. Que omnia
prenarrata idem d. Petrus eisdem d. canonicis prenominatis presentibus
et ad opus ipsius capituli recipientibus et de Castro Majoric deportantibus. »
Testes: Petermann in Superiori Villa, not., Hans Braden, Nikolaus Randier.
Amoldus Venetz, servitores ipsius ballivi et plures alii.
Not. Pet. Dominarum. (A. V. Kalendale.)
Die Mitra, von der hier die Rede ist, befindet sich noch gegenwärtig
im Besitze des Bistums Sitten. Sie ist reich gestickt und mit Edelsteinen
verziert. Die Vorderseite bietet in erhabener Arbeit die Brustbilder der
' Mattergottes mit dem Jesuskind und des hl. Theodor; die Rückseite die
*jj Bildnisse des hl. Michael und einer heiligen Märtyrin (hl. Katharina ?).
Am Ende der beiden Schleifen steht das Wappen der Silinen, ein aufrechter
roter Löwe in Gold, überragt von Inful, Krummstab und Schwert. Nach
einem Bericht des Herrn M. de Mely in einer französischen Zeitschrift
wurde diese Mitra Jost von Silinen durch den französischen König
Ludwig XI. geschenkt. (Mitteilung von Louis de Farcy.) Der Hirten¬
stab und ebenso das Schwert scheinen nicht mehr vorhanden zu sein.
D. Imesch.
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REZENSIONEN
COMPTES RENDUS
L. Suter und G. Caitolla, Histoire Suisse. Troisieme edition. revuc
et augmcnt6e. Einsiedeln, Benziger u. Cie, 1918. 486 S.
Für die Vortrefflichkeit dieses Schul- und Handbuches der Schweizer¬
geschichte spricht der Umstand, daß es binnen weniger Jahre bereits die
dritte Auflage erlebte, ein Beweis auch dafür, wie groß und allgemein das
Bedürfnis nach einem derartigen Lehrbuch für katholische Mittelschulen
war. Der Umfang ist ein wenig erweitert, die Zahl der Illustrationen aber
beibchalten, kleinere Fehler der früheren Auflage sind berichtigt worden;
einiges ist noch stehen geblieben, was wissenschaftlich beanstandet, aber
vom Standpunkte des Schulbuches nicht ohne Widerspruch von Seite der
Lehrerschaft zu eliminieren wäre, so die allzu großen Konzessionen an die
volkstümlich gewordene, aber wissenschaftlich aufgegebene Überlieferung
bez. verschiedener ausschmückender Sagen. Die Fassung über die Lehr¬
tätigkeit des Erasmus in Basel ist zweideutig (S. 205), da er nicht als Lehrer
an der dortigen Universität gewirkt hat; ebenso was von Bonstetten
gesagt wird (205), der nie eigentlicher Oberer (Abt), sondern nur Dekan
war ! Freiburg hat nie eine Kathedrale besessen (ib.). Die wichtigste Ab¬
änderung, die eine glückliche Verbesserung bedeutet, beschlägt das letzte
Kapitel, wo die bisherigen Ausführungen über die Lage der Schweiz beim
Ausbruch des Weltkrieges, die allzusehr durch die Zeitereignisse beinflußt
waren und zu sehr aus dem historischen Rahmen heraustraten, durch
einen ganz neuen Abschnitt über die Schweiz. Neutralität ersetzt werden,
der, nicht weniger aktuell, weit besser in den übrigen Zusammenhang paßt.
Für eine künftige radikale Umgestaltung, der leider der für derartige
Bücher nicht zu empfehlende Stereotypdruck im Wege steht, wäre vom
pädagogischen Standpunkte die Einführung von zweierlei Satz sehr ange¬
zeigt, wodurch das Buch für verschiedene Unterrichtsstufen sich leichter
verwenden ließe. Alb . Bücki.
HurgaoiSGhe« Urkundenbuch, herausgegeben auf Beschluß und Ver¬
anstaltung des Thurgauischen Historischen Vereins. Dritter Band, 1. Heft
(1251-1260). Redigiert von Friedrich Schaltegger. Frauenfeld, Huber.
1819. 192 S. 6 Fr.
Enthält unter anderem eine Anzahl bisher ungedruckter Papsturkunden,
die auch bei Potthast fehlen (Nr. 280, 314-315. 351-352, 373-403); eine
andere vom 25. Februar 1255 ist wichtig zur Datierung des Aufenthalts
des großen Franziskanerpredigers Bcrchtold von Regensburg in Konstanz
(Nr. 334). Die noch zahlreichen ungedruckten Urkunden sind meistens
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73
dem Thurgauischen Kantonsarchiv entnommen, einige wenige entstammen
den Staatsarchiven von Zürich und Schaffhausen, sowie dem Landesarchiv
in Karlsruhe und dem Pfarrarchiv von Paradies, eine ist in Privatbesitz.
Bei einigen Stücken (Nr. 285, 360, 384, 389, 402) fehlen die sonst üblichen
Angaben über Herkunft oder ob schon früher gedruckt. Die Edition ist
gut, die Wiedergabe sorgfältig; die begleitenden Erläuterungen zweck¬
mäßig, und die kritischen Erörterungen zeugen von gesundem Urteil.
Kirchen und Klöster kommen sehr häufig vor, so daß das Thurgauische
Urkundenbuch eine wichtige Quelle für die Schweizer. Kirchengeschichte
bildet. Wir wünschen dem Werke einen raschen Fortgang und zu diesem
Zwecke, daß der Herausgeber noch häufiger für bereits gedruckte Stücke
vom Regest Gebrauch mache ; sonst könnte das bisherige Verfahren, das
ja für die Benutzung sehr angenehm ist, doch auf die Dauer zu viel Raum
beanspruchen. Alb. Büchi.
Mondtag , P. Emmanuel. Benediktiner der Erzabtei Beuron. Das
Verzeichnis der St. Galler Heiligenleben und ihrer Handschriften in Codex
Sangall. Nr. 566. Ein Beitrag zur Frühgeschichte der St. Galler Hand¬
schriftensammlung. Nebst Zugabe einiger hagiologischer Texte. (Texte
und Arbeiten herausgegeben durch die Erzabtei Beuron. I Abt. Heft
3-4.) 1918. Verlag der Kunstschule Beuron. Leipzig, Otto Harrassowitz.
xvi, 184 SS. 11 Mk.
Im 9. Jahrhundert war man in Deutschland eifrig bemüht, die Heiligen
und ihre Reliquien zu verehren. Aus Italien, der reichen Schatzkammer
heiliger Gebeine, suchte man auf jede Weise sich diese kostbaren Überreste
zu verschaffen, um Kirchen und Klöster damit zu bereichern. Hand in
Hand damit ging das Interesse für die Heiligenleben ; ihre Geschichten und
Legenden wurden fleißig gesammelt und begannen, wertvolle Pergament¬
bände zu füllen. Mit der wachsenden Menge stieg auch das Bedürfnis nach
einem Repertorium oder Übersicht zur Orientierung in dem zerstreuten
Material. So entstand um das Jahr 950 in St. Gallen ein Verzeichnis der
Heiligenleben, welche in etwa 80 verschiedenen Handschriften des Klosters
enthalten waren. Es nimmt die Seiten 3-21 der Handschrift 566 ein und
ist erstmals von Lehmann veröffentlicht worden in den mittelalterlichen
Bibliothekskatalogen Deutschands und der Schweiz. Bd. I. München 1918.
VgL Zeitschrift für Schweizerische Kirchengeschichte 13 (1919), 85 ff. Heute
würde man für einen solchen Katalog die alphabetische Ordnung wählen ;
damals gab man der kalendarischen Reihenfolge den Vorzug, als der ge¬
eignetsten zur möglichst raschen und bequemen Auffindung der einzelnen
Legenden, Das Verzeichnis beginnt daher mit dem ersten Januar und
schließt mit dem 31. Dezember. Das ist der Grund, weshalb Scherrer es
irrtümlicherweise für ein Kalendarium ansah. Spätere Schreiber haben
dann noch bis ins 13. Jahrhundert die Liste durch Nachträge vervollständigt.
Der Verfasser bezeichnet bescheiden seine Arbeit als einen Versuch, die
Angaben des Katalogs mit dem gegenwärtigen Bestände der St. Galler
Stiftsbibliothek durch vergleichende Studien zu identifizieren. Kein leichtes
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Unternehmen, wenn man erfährt, daß die nahezu 1000 Namen in 27 Samme!- ’•
handschriften zerstreut sind, von denen eine in Zürich, eine in Stuttgart :
ein großer Teil verloren ist. Nur durch mühsame pabiographische Unter¬
suchungen. Vergleichungen und Kombinationen ist es dem Fleiße und :
Spürsinn des Verfassers gelungen, zu gesicherten und erfreulichen Resul¬
taten zu gelangen. Allerdings sind noch manche Fragen nicht aufgeheilt -
und werden wohl nie aufgehellt werden ; aber unser Vertrauen in die Zuver¬
lässigkeit des Resultates wird nicht vermindert, wenn es öfter auch mit ::
einem 0 vielleicht», « es ist möglich » und dergleichen vorgebracht wird :
Codex 566 und die ehemalige St. Galler, jetzt Zürcher Handschrift, ent- 1
halten noch einige kleinere hagiologische Texte, die als Beilagen hier ; :
erstmals abgedruckt sind. Wer die Mühe nicht scheut, den Darlegungen s
des Verfassers zu folgen, wird ihm für dieses, sein Erstlingswerk dankbar !
sein, mit der begründeten Hoffnung, daß aus seiner Feder noch weitere ■
ebenso gründliche Quellenstudien hervorgehen werden. Wie aus den An* •
merkungen S. 92 und 145 zu ersehen ist, sind zunächst solche über Abt j .
Waldo von Reichenau und die St. Galler Kalendarien vom 9.-11. JahT- ;•
hundert zu erwarten. j
Einsiedcln, 31. Mai 1919. P. Gabriel Meier, O.S.B
I
Urkondenbuoh d€r Abtei 8t Galleo, herausgegeben vom histo¬
rischen Verein des Kantons St. Gallen, unter Mitwirkung von Jos. Müller :
bearbeitet von Traugott Schieß. Teil VI. Lieferung x u. 2 (1442-1453; ;
St. Gallen, Fehr, 1917-18. 400 S.
Dieses treffliche Urkundenbuch, in dessen Redaktion der verdiente \
Stiftsarchivar Jos. Müller eingetreten ist, wird nun meist in Regestenform
weitergeführt von Nr. 4376-5594 nach bewährten Editionsgrundsatzcn :
Wir werden nach Erscheinen des ganzen Bandes darauf zurückkommen
in einer eigenen eingehenderen Besprechung. A. Büchi.
Die Abtei Hontharom (M.D.S.R. 2. Serie. Bd. X.) von Misixni ]'
Raymond, Lausanne 1918. 242 S.
Gleichsam als Auftakt zur Hcrbstversammlung dei Westschweue- ..
rischen Geschichtsforschenden Gesellschaft in Montheron erschien (kr ,
vorliegende Band der M. D. S. R. mit der Arbeit Maxime Reymond’s.
der ja den Lesern der Zeitschrift für Schweizer. Kirchengeschichte schon
längst als eifriger Forscher mittelalterlicher Kirchengeschichte in der j
Westschweiz bekannt ist. Wenn auch die Geschichte Montherons keine .
weltbewegenden Ereignisse verzeichnen kann, so hat sie für uns doch
ihren eigenen Reiz ; das Hereingreifen des hl. Bernhard von Clairvaux in
die Entstehung des Klosters, die Gründung im stillen Joratwalde, das Leben
und Treiben der Mönche, ihr Mühen und Schaffen um die Kultivierung des ;
Ödlandes, ihre berühmten Weinpflanzungen von Dözaley. die reichen .
Schenkungen des umliegenden Adels, alles auf dem Untergründe einer 1
geistigen und materiellen Blütezeit des Mittelalters, wechselt dann ab mit ,
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•lern Auftauchen trüberer Bilder, mit Erschlaffung und Verarmung, um
•.ndlich mit der Aufhebung der Abtei und der Übersiedlung der letzten
Mönche 1539 nach Lausanne zu schließen.
In 4 Abschnitten behandelt Reymond Gründung und erste Ausstattung
der Abtei, das innere Leben, die Verwaltung des Klosters und seine Äbte ;
er gibt dann im 3. Teil in dankenswerter Weise eine genaue Darstellung
des Klosterbesitzes, im 4. Teil spricht er von den Klosterbauten. 11 Doku¬
mente und ein reicher Index etc. vervollständigen das Werk.
Ich möchte auf einzelne Punkte der Klostergeschichte noch etwas
vmgehen. Die Gründung Monthcrons, wie die des benachbarten Hautcröt
fällt zusammen mit der Reformtätigkeit des hl. Bernhard, der 1133 oder
1135 nahen Bischofssitz Lausanne weilte. Vorher bereits hatte Bischof
Girard von Lausanne zwischen 1120-29 Ländereien am Jorat, und zwar
:un Südabhang, für eine geistliche Gründung zur Verfügung gestellt. Das
»debiet stieß an den Besitz der Herren von Palezieux, die auch später An¬
sprüche darauf erhoben. Ursprünglich scheint alles Land zwischen dem
Genfersee bei Ouchy und den Joratwaldungcn bis nach der Gegend von
Oron bischöflicher Besitz gewesen zu sein ; doch machte sich im 1. Teil
iles 12. Jahrhunderts, und besonders um die Mitte, das rücksichtslose Vor¬
gehen der Bistumsvögte, der Grafen von Genf, drückend bemerkbar, was
dann schließlich zu einem Bunde des hl. Amadeus von Lausanne mit dem
öorgundischen Rektor Herzog Bertold IV. von Zähringen führte. Nicht
lange scheint indessen das erste primitive Kloster, als dessen Gründungsjahr
1139 genannt wird, und das 1142 von Bischof Guy von Merlen noch am
Südhang des Joratgipfels bestätigt wurde (vgl. M. D. S. R. 1. Serie XII :
Cart. de Montheron und vorliegenden Band, 1. Dokument, p. 197-200)
dort bestanden zu haben ; bereits 1147 wohnen die Zisterzienser im einsamen
Talenttale (Cart. de Montheron, p. 10), von nun an dem Hauptsitz ihres
Schaffens. Die Ufer des Talent, der sich vom Jorat nordwärts zur Orbe
und dem Neuenburgersee wendet, waren im Besitz der Herren von Gumoöns ;
diese waren die Oberjägermeister des Bischofs von Lausanne in den ge¬
waltigen Waldungen des Jorat; von ihnen bekam das junge Kloster mit
Erlaubnis des bischöflichen Lehensherm den Grund und Boden am Talent¬
bach. wo sich nun die Abtei Montheron (oder Tela) und später im 13. Jahr¬
hundert das von ihr besiedelte Dorf Froideville erhob. 1154 traten die
Herren von Aubonne und Eclöpens ihre Rechte in der gleichen Gegend
ab; schnell folgten weitere Schenkungen, die zusammen die Herrschaft
Montheron-Fi oideville bildeten, und über die der Abt die volle Gerichts¬
barkeit, ausgenommen den dem Bischof reservierten Blutbann, hatte.
Reymond bietet p. 24-26 eine genaue Umgrenzung dieses ursprünglichen
Besitzes. — Reichlich flössen die Schenkungen auch in der weiteren Um¬
gebung der Abtei, und Ende des 12. Jahrhunderts hatte die Abtei im wesent¬
lichen ihren spätem Besitzstand schon erreicht. Vor 1142 erhielt sie die
bedeutende Domäne Cugy, dank der Freigebigkeit der Herren von Stäffis,
1154 traten die Herren von Cossonay ihre Rechte auf Villars-Aillevens
und Coneston (östlich Milden) ab ; um die gleiche Zeit konnte die Domäne
v on Pailly gegründet werden mit Erlaubnis der Herren von Grandson.
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— 7& —
Herr Ulrich von Boulens brachte bei seinem Eintritt in die Abtei (zwischen
1144-63) mit Gestattung seiner Lehensherren, der Grafen von Genf, seine
ganze Herrschaft dem Kloster zu. Die bedeutenden Ländereien bei
Chcvressy (Yverdon) folgten bald ; sie waren so wertvoll, daß man 12:4
daran dachte, die Abtei dorthin zu verlegen. 1147 notifizierte Hugo von
Font die Schenkung seiner Vasallen, der Edlen von Cuissier, die die Domäne
Buron (bei Villars le Terroir) gegeben hatten ; andere Schenkungen ver¬
mehrten dauernd den Besitz Montherons ; trotzdem blieb Montheron eir.e
ziemlich arme Abtei, da die Mehrzahl der geschenkten Ländereien erst in
harter Arbeit kultiviert werden mußten ; und war dies geschehen, meldeten
sich gar häufig die Nachkommen der Geber, um von den neugewonnenen
Kulturen Einkünfte und Zehnten zu fordern ; und meist endete der Streit
dann mit einem Kompromiß, aus dem die Klostergüter nicht schadlos
hervorgingen. Die Not der Mönche stieg so, daß sich 1207 und später das
Gencralkapitcl der Abtei annehmen mußte.
Aus der bewegten Konfliktszeit Friedrich Barbarossas mit dem Papst¬
tum und der Regierung der zähringischen Rektoren weiß das einsame
Kloster uns wenig zu melden ; doch zeigt immerhin eine Bestätigungsbulle
Alexanders III. für die Besitzungen Montherons dessen Stellung im Kon¬
flikt. Auf die weiteren Schicksale des Klosters bis zu seiner Aufhebung
einzugehen, würde hier zu weit führen. Ich möchte nur noch einmal die
wertvolle eingehende Angabe der Klostcrbesitzungen hervorheben, dir
sich mosaikartig über einen großen Teil des Waadtlandes verbreiten, und
die so im Kleinen schon das Bild der furchtbaren Zersplitterung der Besiu-
Verhältnisse des Waadtlandes, die ich später für die Zähringerzeit auf einer
Karte darzustellen versuche, geben. — Mehrere Illustrationen ergänzet?
anschaulich das Geschriebene.
Es sei mir als letztes der Wunsch gestattet, daß zur schnelleren Be¬
nützung der wichtigen Sammlung einmal ein Verzeichnis aller in den ver¬
schiedenen Bänden enthaltenen Arbeiten (statt der bisherigen Melange
erscheint.
Freiburg i. Ü. H . Hü ff et.
Dr. Kathi Meyer, Der chorieohe Gesang der Frauen mit besonderer
Bezugnahme 1 seiner Betätigung auf geistlichem Gebiet. I. Teil : Bis zur
Zeit um 1800. Leipzig, Breitkopf und Härtel. 1917. 151 S. u. xxxvm S.
Musikbeilagen.
Vorliegende Schrift zerfällt in zwei nach Umfang und Wert ungleiche
Teile. Der zweite beginnt S. 43 und behandelt das 17. und 18. Jahrhundert.
Der erste trägt zusammen, was die Verfasserin über den gottesdienstlichen
Chorgesang der Frauen aus der Zeit vor 1600 gefunden hat.
Weibliche Gesangchörc sind im Grunde eine Errungenschaft der
neueren Zeit; die Mädchenkonservatorien in Venedig waren ihre ersten
Heimstätten. Sie führten an Festtagen die Vesper (Psalmen u. a.) aof.
1 Besser wäre wohl: Bezugnahme auf usw.
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und bei andern Gelegenheiten, auch vor fürstlichen Besuchern in mehr
konzertmäßigen Veranstaltungen, Oratorien, Kantaten, wie instrumentale
Werke. Solche Konzerte gehörten zu den Genüssen, die der gebildete
Besucher Italiens sich nicht entgehen lassen durfte. Die Berichte der Hörer
von Rang und Namen, die Verf. vorlegt, sind voll des Lobes über die künst¬
lerischen Leistungen dieser weiblichen Sing- und Spielkapellcn. Gegen das
Ende des 18. Jahrhunderts begannen sie rapide zu sinken.
Verf. ist der Musikgeschichte der venetianischen Musikanstalten mit
großem Fleiße nachgegangen und berichtet über ihre äußere und innere
Entwicklung, so weit es die zugänglichen Quellen und Archive gestatten.
Unter den Chorleitern des Conservatorio degli Incurabili begegnen uns
Hasse, Porpora, Iomelli und Galuppi. Mit den Incurabili wetteiferten
die Mendicanti um den Vorrang in Gesang und Spiel. Ihre wichtigsten
Meister waren Bertoni und Pasquale Anfossi, zuletzt noch Simon Mayr.
Am sog. Ospedaletto lehrten und schufen u. a. Traetta, Sacchini und
Cimarosa. Im Ospedale della Pietä endlich wurden namentlich die Instru¬
mente gepflegt und an Feiertagen Orchesterkonzerte veranstaltet.
Vivaldi war hier Direktor und schrieb für seine dortigen Schülerinnen
viele seiner Konzerte. Bei allen vier Konservatorien macht Verf. die Liste
der für sie verfaßten Kirchen- und anderen Kompositionen namhaft, Ora¬
torien, geistlicher Dramen, Psalmen und anderer geistlicher Werke, so¬
weit sie sich herstellen ließ. Außerhalb Italiens sind ähnliche Anstalten
nur in Wien im Kloster der Ursulinerinnen, und in Paris im Erziehungs¬
institut der M me von Maintenon in St. Cyr nachweisbar, für welche Racine
seine Tragödien Esther und Athalie verfaßt hat, zu denen dann Moreau
die Musik schrieb.
In einer Art Anhang (S. 125 ff.) sammelt Verf. zahlreiche Angaben
über weltlichen weiblichen Chorgesang, zumal im Mittelalter, über die Teil¬
nahme von Frauengesang an höfischen und Volksfesten, über die Musik
an den italischen Renaissancehöfen in Florenz, Mantua, Ferrara. Daran
schließen sich Angaben über die allmähliche Zulassung von Frauen zum
Kirchen-, Konzertgesang und zur Oper.
Alles in allem eine emsige Zusammenstellung von Notizen, von denen
viele neu und nur an Ort und Stelle erreichbar waren, und für welche wir
der Verf. dankbar sind. Sie bietet ein ziemlich lebendiges Bild von der
Musikpflege in den merkwürdigen Kunststätten des Landes, das damals
das erste im Bereiche der Musik war und die Formen der neueren Gesangs¬
musik geschaffen hat. Die Musikbeilagen beleuchten die Entwicklung des
Gesangstiles von den einfachen geistlichen Lauden des Razzi, 1563, über
den rezitativisch-monodischen zum Koloraturstil, der mit dem Ende des
17. Jahrhunderts vorherrscht. Die beiden letzteren Stile sind durch Kompo¬
sitionen von Frauen vertreten. (Hoffentlich wird aber die über den Silben¬
wechsel fortlaufende Querstrichelung von Achtel- und Sechszehntelsnoten,
wie sie die Verf. vomahm, nicht die Regel 1 )
Leider kann ich dasselbe Lob nicht dem ersten Teil spenden (S. 1-43).
Hier bewegt sich die Darstellung mehrfach auf dem Boden der Liturgie
und des kirchlichen Lebens, offenbart aber eine bemühende. Unerfahren-
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heit und Hilflosigkeit, die sie zahlreichen schiefen Urteilen und Miflve:- *
ständnissen zum Opfer fallen ließ. Was sind das für seltsame Neubildungen
auf S. 6 « antiphonal » und « responsional » ? Warum nicht sagen «anti*
phonisch » und « responsorisch » oder « responsorial», wie die Queller. *
nahelegen und auch von der Vcrf. sonst gesagt ist ? Was ist (S. 7
« die Form des Antiphons » ? Im Lateinischen und Griechischen ist das
Wort immer feminini generis, antiphona und antiphone. Was soll S. 1;
« das Anthem der unbefleckten Empfängnis » bedeuten ? Sangen die Thea¬
tinerinnen englisch? Gemeint ist die Antiphone de Immaculata Conceptione *
Was sind « die Kapitularien der Prisciniallisten » (S. 7) ? Da von eine'
Sekte dieses Namens bisher noch nichts verlautete, dachte ich zuerst er
einen Schreibfehler. Aber das Wort sieht auch im Register am Ende de>
Buches ! Sicher sind die Priszillianistcn gemeint, und es liegt ein Lesefehler
vor. Aber ihre c Kapitularien » ? Zum Glück verweist die Anmerkung aui
die « Capitularia regum Francorum des Baluzius ». Es sind also die frän
kischen Könige mit den Priszillianisten verwechselt worden und diese sind
zu Prisziniallisten gemacht. S. 9 werden dem hl. Ephraem « Stufen- (Gra-
duale) und Wechselgesängc » zugeschrieben, die er die gottgeweihten Jung¬
frauen gelehrt habe. Was hat es da mit den Stufen für eine Bewandnis;
Glaubt die Verf., die Jungfrauen hätten auf den Stufen eines Ambo p- •
sungen ? Gradualien hat cs im 4. Jahrhundert nicht gegeben. S. 14 wiri 1
das Ordinarium Missae mit Chorgesang identifiziert; es « sei schließlich |
den Nonnen gestattet geblieben ». Aber auch andere Teile des Meßgesanges 1
wie Introitus und Communio, sind Chorgesänge. Geradezu verwirrt ist j
was S. 15 und 16 über den Unterschied von «regulären und kanonischer
Nonnen » gesagt ist. Die einen wie die andern hatten den Gebetsdienst de>
Officiums zu leisten, und unter dem musikalischen Gesichtspunkt bestand
zwischen beiden so gut wie kein Unterschied. Ganz irrig ist es, wenn Yen I
meint (S. 16), «der Name Canonicac weise auf eine erhöhte Bedeutung !
der kanonischen Stunden für diese Institute » hin ; er bezieht sich auf ihr-,
äußere Lebensweise, die weniger streng war, als bei den unter der Benedik¬
tinerregel lebenden Ordensfrauen. Mit größerem Recht könnte mau j
daher das Gegenteilige von diesen «Canonicae » behaupten, daß nämlich •
der Chordienst bei ihnen nicht mit derselben Strenge gehalten wurde, ab J
bei den « regulären » Ordensfrauen. Die weitere Entwicklung des Institute.' j
der Kanonissen hat dann diese freiere Richtung immer stärker heraus ;
gebildet. Warum hat Verf. sich über diese Dinge z. B. nicht im « Kirchl *
Handlexikon » oder einem andern von fachkundiger Seite hergcstellte: j
Werke Aufschluß geholt ? S. 16 ist die Rede von Vorschriften des hl. Bene- '
•
dikt, dann vom Orden der Visitation, dann der Dominikanerinnen us* j
Dabei stammt die Regel des hl. Benedikt aus dem 6., der Orden der Vis: ;
tation aus dem 17., der Dominikanerinnen aus dem 13. Jahrhundert ?
Warum die Zcitfolgc nicht besser beachten ? Was Verf. über di;
Ordnung des Kirchengesanges bei ihnen sagt, z. B. über die Unterscheidur.; j
von Chor- und Konversschw'estem, trifft für alle weiblichen Orden mit :
Chorleben zu und zwar bis auf den heutigen Tag. Wichtiger wäre hier ein
Darlegung z. B. der eigentümlichen Gesangsweise der Visitandinnen ge-
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wesen, worüber z. B. Mettenleiter, Musica, Archiv für Wissenschaft usw.
der heiligen und profanen Tonkunst, Heft II, S. 226, berichtet, eine Ab¬
handlung, die auch noch andere für den Gegenstand wichtige Notizen
enthält. Mißglückt ist die Wiedergabe von Choralmelodien S. 23-27 ;
ich habe Grund, darin zahlreiche Schreibfehler zu vermuten, und muß von
einer Benutzung derselben abraten. Gleich die Ant. Prudentes virgin $
ist im ganzen Mittelalter und in der Neuzeit niemals so gesungen worden,
wie. sie dasteht. In der Intonation des Hymnus Veni Creator (S. 24)
stehen die meisten Noten eine Stufe zu hoch usw. usw. Auch wundere ich
mich, daß hier nicht die schönen Choraltypen verwendet wurden, die das
Haus Breitkopf und Härtel für meine « Einführung » eigens angeschafft
hat. Warum auch die häßlichen Bindebogen über den zu einer Silbe ge¬
hörigen Noten ? Daß das Original z. B. den Podatus in der romanischen
Art J. und nicht . 1 schreibt, vermute ich nach dem Zeichen der ersten Silbe
von «veni «. S. 16 oben.
Das stärkste ist aber die Übersetzung des « ut feminae sacris altaribus
ministrare ferantur » (S. 13 und 14, Anm.) mit « daß Frauen Messe lesen*,
und der Satz, daß « den Frauen jede Meßzelebration untersagt war » (S 39).
Damit ist wohl der Gipfel der Unkenntnis der kirchlichen Riten erklommen,
Daß die Geschichte von der Nonne Nantildis, die König Dagobert wegen
ihrer schönen Stimme aus dem Kloster heraus zu seiner Frau gemacht
habe, eine Fabel ist, habe ich in meiner « Einführung » I*, S. 226, Anm.
nachgewiesen; sie verdankt ihre Entstehung der falschen Lesung von
monasterium » statt « ministerium # in der Chronik Fredegars. Nantildis
war eine Hofdame, aber keine Klosterfrau. Was soll das heißen, daß die
Canonici mit den « domicellis» von Chor zu Chor « Antifone » (!) sangen ?
(S. 40). Gemeint sind wohl « damicellae », die mit den Kanonikern «ab¬
wechselnd » sangen. Gleich darauf kommt das Wort «antifonierend»
wieder in demselben schiefen Sinne vor. Auf derselben Seite 40 erfahren
wir, daß der Chor «antifonierend und respondierend bei Rubriken » (!)
mitwirkte. Ebenda ist noch die Rede von den «oberdeutschen Stiften der
Predigerorden ». Bisher hat man nur einen einzigen Predigerorden gekannt.
S. 41 ist das « Salve Regina » eine Sequenz genannt; es ist aber keine solche,
weder nach Text noch nach melodischer Struktur und nie eine gewesen ;
vg. dazu meine Einführung« » I 8 , S. 157 usw.
Nicht, um der Verf. unangenehmes zu sagen, habe ich diese kritischen
Bemerkungen so ausführlich gehalten. Ihr Fleiß und Eifer verdienen im
Gegenteil alle Anerkennung. Es lag mir aber daran, zu zeigen, daß ohne
ausreichende Kenntnis der mittelalterlichen kirchlichen Verhältnisse und
Einrichtungen eine zutreffende Darstellung von Gegenständen, wie sie in
dieser Schrift behandelt sind, einfach nicht zu gewinnen ist. Und ich darf
es bei dieser Gelegenheit einmal aussprechen, daß ich angesichts solcher
Irrtümer mich manchmal frage, warum ich eigentlich meine « Einführung
in die gregor. Melodien » geschrieben habe, daß sie so wenig benutzt wird ?
Ich hätte da Klagen auch noch an andere Adressen zu richten.
P. Wagner
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8o
Mflller, Dr. Alois. Peter II. Schmied, Abt von Wettingen i 55 g-i 633 .
Ein Lebensbild aus der Zeit der Gegenreformation. (Mit Portrait). 33 S. 4".
Zug, J. Kalt, 19(8.
Die Schrift gibt ein getreues Bild Qber den äußern und innem Aufbau
des in Zerfall geratenen Cisterzienserklosters Wettingen am Ende des 16. und
Anfang des 17. Jahrhunderts. Die Einleitung mit guten willkommenen Litera-
turangaben führt uns ein in das, was wir von der Geschichte des Klosters im
Allgemeinen wissen. Auf dieser Grundlage wird Abt Peter II. als zweiter Gründer
des Klosters nach seinem Herkommen, Studium, als Statthalter des Klosters
gewürdigt; seine Wahl zum Abt (10. Febr. 1594), seine Finanzrefonn, Bau¬
tätigkeit, die Hebung des innem Klosterlebens, der Bildung und Wissenschaf;
in Wettingen werden für die 40 Jahre, während denen Peter II. dem Kloster
als Abt Vorstand, eingehend erwähnt. Auch seine Gegner kommen zum
Worte. Die Biographie, die zugleich eine Monographie des Klosters jener Zeit
ist, stützt sich auf gründliche Studien des archivalischen Materials in Aarau.
Luzern und Karlsruhe. Es ist ein wertvoller Beitrag zur Kirchen- und Kultur¬
geschichte unseres Landes, für den jeder Geschichtsforscher dem Verfasser
dankbar sein wird. S. i-ar sind im Zuger Neujahrsblatt 1919 abgedruckt.
Wilh. Jos. Meyer.
Fribourg (Suisse). — Imprimcric Saint-Paul.
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Hans von Matt & Co., Verlag, Stans.
Dr. Joseph Hürbin '
Handbuch der Schweizergeschichte.
2 Hände.
In eleganter Original-Leinwanddecke
(nach berühmten Holzschnitt blättern entworfen».
, Preis Fr. 22.
ln der « Schweizerischen Rundschau > schreibt Universitäts-Professor
l»r. Büchi von Krciburg über Hürbins Handbuch der Schweizergeschichte :
«Wir haben nun ein Buch für alle gebildeten Katholiken jeden Standes , das
?,nem längst empfundenen Bedürfnisse abhilft und in keiner gebildeten
katholischen Familie fehlen sollte. . 1 « wissenschaftlichem Gehalt und
gefälliger Darstellung braucht es den Vergleich mit andern Handbüchern der
SChweizergeschichtc nicht zu scheuen. I£s unterscheidet sich von den bis¬
herigen Bearbeitungen durch besondere Betonung des religiösen und kultur¬
geschichtlichen Momentes ; in dieser Hinsicht wird es von keinem anderen
Werke erreicht, geschweige übertrofTen ».
Dr. Joh. Georg Mayer
Geschichte des Bistums Chur.
Mit zahlreichen Konstbeilagen und Textillustrationen.
2 . Bände in eleg. Originalleinwanddecken mit Goldprägung. Preis Fr. 31 . 50 .
Der Verfasser hat bereits durch eine ganze Keihc wertvoller geschichtlicher
Publikationen sich einen angesehenen Namen im Kreise der schweizerischen
Geschichtsforscher gemacht. Hier liegt nun sein bedeutendstes Werk.- gewisser-
rriaüen seine Lebensarbeit vor. Sie bietet sehr viel Neues, noch ganz Unbekanntes,
und ist direkt aus den primären Quellen geschöpft, gana original. — Kür alle
Freunde vaterländischer Geschichte bietet das Werk reiches Interesse: für die
Geschichte Granböndens and der schweizerischen Eidgenossenschaft bietet es eine
Menge wertvoller Bausteine. Kirchengeschichtlich ist es eine der bedeutungs¬
vollsten unter den bisher erschienenen schweizerischen Publikationen.
DIE ERRICHTUNG DES BISTUMS ST. GALLEN
Von Dr. Frid. (iSCUVVEND
Gr. S'. ln 2 Abteilungen broschiert. Preis 9 Fr.
Was Dr. Gschwcnd in diesem Interessant und flüssig; geschriebenen Werke bietet, ist weit
mehr als der Titel vermuten Iflsst. Er pht eine aktcnin.issitf bebv'c Geschichte der Aufhebung dc>
altbcruhmicn Klosters St. Gallen,der Griindun.udcs Kantons St. Gallen und der st. gallischen Politik in
Jen ersten Jahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts und daraut basierend und damit verflochten die
Geschichte des Doppclbistutns Chur-M.Gallen u.d.ktrcld. Errichtung des neuen bistmifs St. Gallen.
Diffor Molnhmr I iiooi >ün Inlerwaldni, seine Beziehungen zu Italien
niUUI IVIUIUIIlUf LUool und sein Anteil an der Gegenreformation.
Von Dr. Richard FELLER.
2 Bände 5 S\ 247 und 1 35 Seiten. — Broschiert Preis t> l**r. f».
* Dr. Keiler bittet uns hier ein Buch von bleibendem Werte, ein < .haraktereern.ilde. zugleich
ein Zeitbild, für das wir ihm autrichti&'cn Dank schulden. Kein anderer Schweizer u-ner Zeit hat
•»ich um die Wiederbelebung des Katholizismus in unserem Vaterlande so verdient ucm.idu
w ">c Ritter Melchior Lussi. In überaus anziehender, geistreicher, ot: Jerade/i: ^p.iiinruic:' Dar?te»-
• 'ing wetss Dr. Feiler den I .cser tiir seinen Hehlen zu interessieren „Ni liwrirfr. hin lirn/rihiinj**.
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f, V ^NS von MATT & C ,e , Antiquariat in Stans
offerieren nachstehende hervorragende Werke zur schweizerischen 'Kirch en¬
ge schichte zu den bei gesetzten ermäßigten Preisen :
--O 18 o
r
Archiv für schweizerische Reformationsgeschichte. 3 bänd«£r
Solothurn 1868-76. Lex. 8°
tstatt 60 .—t 27.50
/
Büchi, Dr. A. Die katholische Kirche in der Schweiz. Mit o 3 Illustrj
Stans 1902. Lex. 8°. Gebunden (statt 4.501 3.—
Freiburger Diözesan-Archiv. Zeitschrift für Geschichte, christliche
Kunst, Altertumskunde des Krzbistums Freiburg i. Breisgau. mit Berück«:
sichtigung der angrenzenden Bistümer. 1.-37. Hd. nebst Generalregister^
Freiburg 1 863 -1909. 16 Bde. in Orig. Hfbdn. Rest broschiert
(stau 260 .—) 95.—
Gatrio, A. Die Abtei Murbach im Llsali. 2 Bde. Strabburg iSq 5
(stau 20.—» 7.50
Geipke, E. F. Kirchengeschichte der Schweiz. 2 Bände. Bern i 856
Gebunden (statt 20.—) 7.50
-nie
Geschichtsfreund. Mitteilungen des historischen Vereins der 5 Ortei-•
1.-60. Band und 4 Registerbände. L'insiedeln u. Stans 1843-100?. Gebundetv
(stau 53 o.—) 235.— 4
Lütolf, A. Die Glaubensbolen der Schweiz vor St. Gallus. Luz. 1X71. Gebündelt.
9.—
— l>ie Schweizergarde in Rom. Linsiedeln iS 5 q. Selten! 3.75 -
NQscheler, Dr. A. Die Gotteshäuser der Schweiz: Bistum Konstanz:
Archidiakonat Aargau und Dekanat Wiliisau. Sursce und Kapitel HochdorC.'
10 Hefte. Linsiedeln 1884-1906. Separat-Abdrücke 12.50
Ringholz, O. Geschichte des Benediktinerstiftes Linsiedeln. I. Band. Sla
vielen Illustrationen. Linsiedeln 1904. Lex. 8° (statt 35.7?) 22.50
Scheuber, Dr. J. Die mittelalterlichen Ghorstühle in der Schweiz. MitC
11 Lichtdrucktafeln. Strabburg 1910 (statt 8.—) 5.75
Katholische Schweizerblätter. I. und II. Reihe. 33 Bände. I.uzern.
1859-1904. Alles was erschienen (statt 223 .—) 67.50
Steimer, R. Die päpstlichen Gesandten in der Schweiz von 1073-1873. Mil
35 prächtigen Rortraits. Stans 1907 (statt 12.— ) 8.—
Vautrey, lVIgr. Histoire des eveques de
iliustraio»ns, vues, portraits, sceaux, etc.
Bäle. Avec chromos, nombreuses-,
Tomcs II ä IV. Linsiedeln i88ö„ ;
(statt 3 o .—1 11.75
- >
Antiquariatskataloge über r
Kirchengeschichte und Schweizergeschichte gratis und franko^
Imrrimirie Saim-Fall, 1 riboi hg.
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Zeitschrift
0
für
MERAUSQEOEBEN VON
PUBLI&E PAJt
• •
Albert BUCH1 und Joh. Peter KIRSCH
■
o. ö. Professoren an der Universität Freiburg (Schweiz).
i > i a r • v
L * L J « X A « % T
XIV. JAHRGANG.
i im-^ 1K-3 |
V HEFT. — 14- AN^EE
j tjfiiy. KSiiV Qi ULi.ü-M A |
FASC. II
Erscheint viermal jährlich. — Parait qnatre fois par an.
Abonnemejilspreis : 8 Tr. — Prix de 1'dbonnement : 8 Fr.
Stans 1920.
Hans von Matt & C ic Verlagshandlung.
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Inhaltsverzeichnis — Sommaire
Joseph. Müller. — Karl Borromeo und das Stift St. Gallen .... 8/
M. Reymond. — Aymon de Montfalcon, evfique de Lausanne, 1491-1518. 94
Prof- Joseph Troxler. — Liturgisches aus Beromünster (Tropen und
Cantiones).112
Fridolin Segmüller. — So macht man Geschichte.124
Kleinere Beiträge. — Mdlanges. 140
Rezensionen. — Comptes rendus. m - 139
GRÖSSERE BEITRÄGE TRAVALX.
welche für die nächsten Nummern que la Revue publiera
in Aussicht genommen wurden. . prochainement.
Ant. von Castelmur, Die Rheinauer Handschrift der Vita S. Sigisberti.
R. Hoppeier, Das Subsidium charitativum vom Jahre i 5 oo. — Hermann
Hüffer, Die geistlichen Herrschaftsgebiete in VVelschburgund unter der Herr¬
schaft der Zähringer. — L. Kern, L’incorporation des couvents de femmes dans
l’Ordrc de Citeaux. — Konrad Kunz, Die Synodalstatuten des Bischofs Fried¬
rich II. von Konstanz vom Jahre 1436. — Aloys Müller, Abt Peter II. (Schmidt
von Wettingen (1594-1633). — P. Fridolin Segmüller, Marianus Herzog.
Steiger, K., Kirchen- und Staatsetat eines schweizer, geistlichen Fürstentums.
Prof. Dr. Arnold Winkler, Der Tessiner Kirchenstreit, 1845-1847.
N.-B. — Alle für die Zeitschrift für Schweiz. Kirchengeschichte bestimmten
Rezensionsexemplare sind an die Redaktion Freiburg, zu adressieren. —
Tous les ouvrages destines ä recevoir un compte rendu dans la Revue
d'IIisloire ecclesiastique suissc doivent <}tre envoyes directement k la Redaction.
Fribourg.
Die Zeitschrift
für Schweizerische Kirchcngeschichte
erscheint 4 Mal jährlich.
LA REVUE
d’histoire ecclesiastique suisse
%
p.uait par fasricultt tmuestriels.
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Karl Borromeo
und das Stift St. Gallen . 1
Von Joseph MÜLLER.
Nach vierunddreißigjähriger Regierung, der es gelang, den poli¬
tischen wie finanziellen Stand des Stiftes St. Gallen zu erneuern und
zu kräftigen, war Abt Diethelm Blarer von Wartensee am 18. Dezember
1564 in Rorschach gestorben. Gleichen Tages noch erließ Dekan Markus
Harsch mit der Todesnachricht die Einladung an alle Professen, am
20. Dezember die Neuwahl des Abtes im Kloster St. Gallen vorzu¬
nehmen. * Der Konvent zählte 24 Mitglieder, von denen 22 sich zur
festgesetzten Frist in St. Gallen einfanden 8 und auf dem Wege des
1 Nachstehender Aufsatz wurde am 16. April 1918 in der Versammlung
des historischen Vereins in St. Gallen vorgetragen. Er erscheint hier nochmals
umgearbeitet und um die Exkurse und Beilagen vermehrt.
* Bericht Florin Flerchs an Abt Otmar über die Vorgänge bei der Wahl
und Konfirmation, S. 220 f. Der sehr weitschweifige Bericht ist im offiziellen
Aufträge Otmars unmittelbar nach seiner Benediktion geschrieben worden. Er
hat sich in Kopie erhalten im Stiftsarchiv, Band 358, doch sind die einzelnen
Lagen auseinander gerissen und zwischen hinein die in der Konfirmations¬
angelegenheit gewechselten Briefe kopiert, die sich besser in gleichzeitiger
Abschrift in Band 108 vor finden.
* Es fehlten P. Jakob Stößel, der 1582 als Pfarrer in Bcinhardzcll. und
P. Gallus Wittwyler, der 1566 schon starb. Johannes Egli, Die Glasgemälde des
MonogTammisten NW, Beiträge zur St. Gallischen Geschichte, S. 279, bemerkt,
es seien schon bei der Wahl Otmars im Konvente die Gegner des jungen energischen
Mannes hervorgetreten. In den Akten über das Wahlgeschäft fehlt jeglicher
derartige Hinweis. Die Bemerkung Eglis beruht auf einem Mißverständnis seiner
sekundären Quelle, der Chronik P. Hermann Schenks, Stiftsbibliothek Msc. 1240,
die S. 516 über die Wahl aber nur sagt, Otmar sei omnium ferc suffragiis erkoren
worden, S. 520, wo sie von den Schwierigkeiten der Konfirmation handelt, unter
den malevoli nur an Konstanz denken kann.
revuz d'histoire eccl£siastiqce 6
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— 82 — i
Kompromisses den vierunddreißigjährigen Statthalter zu Rorschach.
Otmar Kunz, zum neuen Vorsteher der Gallusstiftung erwählten. 1 * * 4 ;
Die Eile, mit der die Wahl vorgenommen wurde, fiel auch damals ;
auf. Gilg Tschudi, der von früher her Beziehungen zu St. Gallen !
unterhielt und dessen Bruder Balthasar seit zehn Jahren den Posten 1
des Landvogtes im Toggenburg bekleidete, wird die Gedanken der i
maßgebenden Konventsmitglieder richtig gedeutet haben, wenn er !
über die Wahl dem Abte von Einsiedeln schrieb, langer Verzug wäre ■
nicht nützlich gewesen, weil die Arglistigkeit der Welt freventliche
•
Eingriffe sich gestatte. Das Beispiel Rheinaus, das Tschudi dabei ;
erwähnt a , zeigt, von woher man in St. Gallen diese Arglistigkeit be¬
fürchtete. In Rheinau hatten 1562 die VII alten Orte als Schirm¬
herren des Klosters in Folge der schweren Krankheit des Abtes Michael j
Herster den Wettinger Konventual Johann Jakob Schweizer zum j
Verwalter bestellt, wogegen sich die Konventualen als gegen einen j
Eingriff in die Freiheiten des Stiftes gewehrt und soeben nach langem j
und teilweise erregten Verhandlungen auch den Sieg davon getragen
hatten. #
Die Furcht, bei der ersten Abtswahl, die nach den Wirren der
Reformation in St. Gallen erfolgte, auf Schwierigkeiten vor allem von
Seite der evangelischen Schirmorte zu stoßen \ konnte nicht allzusehr
befremden nach den Erfahrungen, die Otmars Vorgänger, Kilian und
1 St.-A., Urk. A2-L1.
1 Vogel, Egidius Tschudi, Anhang Nr. 28, S. 233 f. Es ist das von Reinhardt.
Die Nuntiatur von Giovanni Francesco Bonhomini, Einleitung : Studien zur
Geschichte der katholischen Schweiz im Zeitalter Carlo Borromeos, S. 64. A. x. j
zitierte Schreiben Tschudis vom 23. Dezember 1564, das dort auf die Stimmung 1
gegen Konstanz als bisher zu wenig beachtet, aber sehr interessant bezeichnet \
wird. Die Briefe Tschudis an Eichhorn sind im Stiftsarchiv Einsicdcln nach !
gütiger Mitteilung P. Rudolf Henggclers nur mehr in der Kopie Kaspar Specker ; i
vorhanden. Die mir vorliegende des zitierten Briefes, lateinisch, enthielt den j
Ingieß nicht, ebenso fehlt die ganze Stelle über den Papst. Selbst der großen j
Akribie Reinhardts ist es entgangen, daß der Brief von Vogel mit den Anmer- j
kungen wörtlich aus Fuchs, Egidius Tschudis Leben und Schriften. Beilagen j
Nr. XLIII, S. 212 f. — 1562 ist dort Druckfehlerl — entnommen wurde. !
entging Reinhardt die teilweise noch temperamentvollere Nachschrift Tschudis. j
die Fuchs an führt. In der Kopie Kaspar Speckers wird das Datum des Schreiben'
Volpis an Abt Joachim, 27. November 1564, angegeben.
8 Hohcnbaum van der Meer, Geschichte des Gotteshauses Rheinau. S. 14h •
4 Sie klingt offenbar nach in den Worten Flerchs : ■ Jis igitur rebus. <l ui -
ad monasterium S. Galli seu eius abbatem ratione saecularis dominii pertinebar.
et quae hoc tempore maxiine expediebat expcdiissc confectis ... », Bericht Flerchs
St.-A., Bd. 358. S. 397.
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Diethelm, hatten machen müssen. Das Stift hatte den Schirmorten
keine Nachricht von der Ausschreibung der Abtswahl gegeben. Erst
am 23. Dezember, nach den Feierlichkeiten der Einsetzung, meldeten
Dekan und Konvent nach Zürich, ebenfalls zu Händen der drei übrigen
Schirmorte, das Ableben Diethelms und die bereits erfolgte Wahl
Otmars und ersuchten zugleich, einen Tag zur Erneuerung des Burg¬
und Landrechtes zu bestimmen. 1
Die Verhältnisse waren seit der Zeit, da an der Stelle des jetzigen
Zürcher Schirmhauptmanns Hans Konrad Escher der Freund Zwinglis,
Jakob Frei, in Wil residiert hatte, andere geworden. Nicht nur wurde
auch nicht der geringste Versuch unternommen, sich in die bereits
getroffene Abtswahl einzumischen oder den Freiheiten des Stiftes
Abtrag zu tun ; Zürich bestätigte schon am 27. Dezember die offizielle
Kenntnisnahme der Wahl und zeigte die Ankunft seiner Ratsbotschaft
auf den 7. Januar nach Wil an. Dort solle diese abwarten, wohin man
sie weiter bescheiden werde. 2 Ebenso reibungslos verlief die Huldi¬
gung der Gotteshauslandschaft und der Grafschaft Toggenburg. 8
Einzig am Heimatorte des neuen Abtes, in der Stadt Wil, konnte die
Beschwörung des Burg- und Landrechtes mit den Gesandten der
IV Schirmorte nicht vorgenommen werden. Er könne, erklärte Otmar
selbst, den Bürgern diese Zumutung nicht stellen, da sie auch ihm
erst schwören müßten, wenn er die Konfirmation vom Papste erhalten
habe. 4
Von ganz anderer Seite, als man im Stifte St. Gallen befürchtet
hatte, sollten dem neuen Abte Schwierigkeiten erwachsen. Das Konzil
von Trient hatte mit seinen kirchenrechtlichen Bestimmungen nach¬
haltig in so manche Privilegien eingegriffen und allenthalben die
bischöfliche wie die päpstliche Gewalt gestärkt. Gegen die dogmatischen
Dekrete des Konzils wurden von der katholischen Eidgenossenschaft
keine Einwendungen erhoben. Als Abt Joachim Eichhorn und Ritter
-Melchior Lussy im Januar und März 1564 die Anerkennung des Konzils
gemäß ihrer Vollmachten Unterzeichneten, erfolgte von keiner Seite
Einspruch, und im Vertrage, mit dem am 3. Juli desselben Jahres
der langwierige « Tschudikrieg t> seinen Abschluß fand, bestätigten die
V Orte ausdrücklich, daß sie ihrerseits sich entschlossen hätten, dem
1 St.-A., Urk. A2-L1, Entwurf.
* St.-A., Bd. 108, f. 10a.
• Ebenda, f. 106 ff.
4 Ebenda, f. 11 a f.
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Konzil zu gehorsamen. Aber umso eifriger bemühte man sich, die
bisherigen Privilegien beizubehalten und auf dem Gebiete des Staats¬
kirchenrechtes den neuen Bestimmungen die Anerkennung zu ver- ;
weigern, zum mindesten ihre Annahme aufzuschieben. 1 Die Vorgänge,
die sich um die päpstliche Konfirmation der Wahl Otmars abspielen, ?
4
bilden eine erste Illustration, wie nicht bloß von Seite der weltlichen ;
Landesherren, sondern auch von den geistlichen Stiften gegen jede :
Stärkung der bischöflichen Gewalt reagiert wurde, sobald dadurch i
bisherige Privilegien angegriffen erschienen. 2 Borromeo, der als Staats- j
Sekretär seines Oheims Pius IV. sich mit der Konfirmation zu befassen ■
hatte, hat hier erstmals aus der Eidgenossenschaft jenen Widerstand I
erfahren, den er im Tessin und auch in der deutschen Schweiz als j
«Usurpation» gegen die geistliche Jurisdiktionsgewalt bezeichnete.* j
Nachdem durch das verbindliche Schreiben Zürichs die Furcht
geschwunden war, es möchten von den evangelischen Schirmorten
seiner Wahl Schwierigkeiten erwachsen, bemühte sich Otmar sofort j
um die Konfirmation. Offenbar verhehlten er und seine Ratgeber sich ,
1 So ist ■ das Tasten und Zögern » zu bewerten, das Reinhardt mit Recht
gegenüber der Dai Stellung Scgessers über die Anerkennung des TridentiDums
durch die katholischen Orte betont und weiter ausgeführt hat. S. Reinhardt, j
a. a. O., S. 38 ff. i
* Reinhardt hat in den angeführten Erörterungen diese Vorgänge bloß mit :
einem kurzen Satze gestreift und — von der Darstellung Zieglers abhängig — 1
dabei nur eine Einmischung des Kardinals von Konstanz gesehen. Die nach- (
folgenden Ausführungen werden zeigen, daß Spiel und Gegenspiel sich auch hier |
um die piaktischc Anerkennung des Tridentinums drehte. Die Konfirmation 1
Abt Otmars verdient in der Darstellung der « Stimmung » der katholischen Orte
in den Jahren nach dem Konzil umsomehr eine giößere Berücksichtigung, ab
sie in die eisten Jahre fällt. ,
* Wohl hat Eugen Ziegler, Abt Otmar II. v^n St. Gallen, S. 8-12, und, das ;
Grundsätzliche der Vorgänge weit besser hervorhebend, Johannes Egli in dem ^
oben erwähnten Aufsatze S. 279-281, die Schwierigkeiten behandelt, denen
die Konfirmation Otmars begegnete. Beide haben dabei die Klosterchronik
P. Hermann Schenks ihrer Darstellung zu Grunde gelegt. Wenn diese auch den -
äußern Gang der Angelegenheit richtig zeichnet, so sieht sie hinter den Schwierig- .
keiten einzig die Ranküne des Kardinals von Konstanz und seiner Kurie. Au>
den primären Quellen, dem Berichte Florin Flcrchs und den noch vorhandenen
Briefen der beteiligten Personen und Orte, deren Nichtberücksichtigung selbst
verständlich nicht der kunsthistorischen Arbeit Eglis, wohl aber der Dissertation .
Zieglers zur Last gelegt werden darf, ergibt sich jedoch ein, wie angedeutet. 1
anderes, viel intensiver gefärbtes Bild. Das alles veranlaßte, die Darstellung der
Konfirmation Otmars neu aufzunehmen, erforderte aber auch, sie detaillierter
auszuführen. Dabei fallen aber auch einige Streiflichter ab auf Melchior Luv)'
•
und die Geschichte des Bündnisses mit Pius IV. ;
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1
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die Möglichkeit nicht, es könnten durch die neuen kirchenrechtlichen
Bestimmungen Hemmnisse entstehen. Denn der Bericht Flerchs hebt
hervor, wie man in reiflicher Beratung die geeigneten Schritte erwog,
and wie aller Ansicht dahin ging, Melchior Lussy werde der beste
Agent sein, um die Konfirmation leicht und schnell zu erlangen. Man
fürchtete nur eines : der vielbeschäftigte Politiker werde sich mit der
Angelegenheit nicht beladen wollen, weshalb Balthasar Tschudi beauf¬
tragt wurde, bei ihm persönlich zu sondieren. 1 Das muß eiligst
geschehen sein. Denn schon am 8. Januar 1565, mitten aus den
Feierlichkeiten der Huldigung und der Beschwörung des Burg- und
landrechtes heraus, richtete Otmar an Lussy die offizielle Bitte, die
Konfirmation in Rom besorgen zu wollen. 2 Umgehend erklärte sich
lussy dazu bereit. Sein Brief datierte von der Tagsatzung zu Luzern,
an der die VII katholischen Orte das Bündnisprojekt mit Pius IV.
berieten. 3 Er werde, bemerkte Lussy, weil die das Bündnis ab¬
schließende Tagsatzung erst wieder am 21. Januar zusammentrete,
nicht früher als auf den 25. zur gewünschten mündlichen Besprechung
nach Wil kommen können. 4 Als aber Lussy sich in Wil einstellte,
war er so eilig, daß er die Ausstellung seines Kreditivs und die Kopiatur
der nötigen päpstlichen Privilegien nicht abwartete, sondern sie samt
einem Kostenvorschuß von 200 Kronen durch Flerch nach Nidwalden
bringen ließ. Die Hoffnung, auf Lichtmeß nach Rom verreisen zu
können, mußte Lussy freilich aufgeben. Er ließ durch Flerch zurück¬
berichten, der päpstliche Geschäftsträger Vignola, der unmittelbar
nach der Tagsatzung verreist sei, müsse in Italien Bescheid abwarten,
wann sie nach Rom kommen sollten. Denn aus Furcht vor der Pest
werde gegenwärtig sonst kein Deutscher am päpstlichen Hofe vor¬
gelassen. 6
1 Bericht Flerchs, St.-A., Bd. 358, S. 397.
• Der Brief Otmars selbst fehlt; das Datum ergibt sich aus der Antwort
Lossys vom 10. Januar.
• An der gleichen Tagsatzung verstiegen sich aber auch die Vorwürfe gegen
den Kardinal Altemps bis zum Projekte eines eigenen schweizerischen Bistums.
Man mag dies in Bezug auf die st. gallische Darstellung beachten, hinter den
Hindernissen der Konfirmation Konstanz zu wittern. Vgl. Reinhardt, a. a. O.,
S. 63 f. '
4 Lussy an Otmar, Luzern, 10. Januar 1565, St.-A., Bd. 108, f. 36a.
• Bericht Flerchs, S. 398. Lussy an Otmar, Luzern, 4. Februar, Bd. 108,
f. 37. Kreditiv für Lussy, Kloster St. Gallen, 29. Januar, Urk. A2-L2, Original
mit Siegel des Abtes und des Konventes.
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— 86
Lussy hatte damit die diplomatische Niederlage bemäntelt, die
ihm Frankreich in der Angelegenheit des päpstlichen Bündnisses
soeben an der Tagsatzung zugefügt hatte. 1 Man wartete aber in
St. Gallen geduldig bis Mitte März. Erst als Otmar die Nachricht
empfing, daß auf den 17. Mai ein Reichstag nach Augsburg ausge¬
schrieben sei, wies er Lussy energisch auf die Verzögerung hin. Das
Stift sei mit Land und Leuten kaiserliches Lehen ; er habe daher pflicht¬
gemäß die Regalien zu empfangen, wozu die vorherige Konfirmation
absolut notwendig sei. 2
Erst jetzt rückte Lussy mit der Wahrheit heraus. In seiner um¬
gehenden Antwort beklagte er sich bitter über die Umtriebe des
französischen Gesandten, der Freiburg und Solothurn vom Bündnisse
abgesprengt habe. Vom Papste aber stehe die Antwort noch aus auf
den abgeänderten Vertrag und die Briefe der V Orte, die Vignola —
«wie er schon durch Flerch geschrieben* (!) — von Bellinzona aus
auf der Post nach Rom gesandt habe. Laute die in wenigen Tagen
sicher eintreffende Antwort verneinend, werde er dennoch selbst eilig
nach Rom reisen, um die Konfirmation bis zum 17. Mai zu erhalten.
Sei es aber dem Abte angenehmer, so wolle er sofort einen Edelmann
mit der Besorgung des Geschäftes beauftragen, oder, falls Otmar die
Angelegenheit einem Vertrauten übergeben wolle, diesen mit seinen
Fürschriften unterstützen. 3 Als jedoch der Abt in höflichster Form,
— wenn Lussy selbst bis zum Beginn des Reichstages keine Garantie
der Besorgung übernehmen könne — hierauf eingehen wollte, ant¬
wortete Lussy sofort zurück, er werde, komme das Bündnis zu Stande
oder nicht, doch nach Rom reisen ; durch ihn werde der Abt gewiß
nicht zu Schaden kommen. 4
Die Tagsatzung der V Orte zu Luzern vom 10. April stand
unmittelbar bevor, ohne daß Lussy über die Aussichten einer baldigen
Reise dem Abte berichtet hatte. Da erkundigte sich Otmar bei seinem
toggenburgischen Landvogte, Balthasar Tschudi, ob ihm etwas über
die Abreise des Nidwaldner Landammanns bekannt sei, und sandte
darauf den Landvogt selbst nach Luzern, um dort mit Lussy ernstlich
zu reden. Habe Lussy auch nur einige Zweifel, seine Zusage halten zu
i
4 -
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1 Feiler, Ritter Melchior Lussy, I, S. 64 f.
1 Otmar an Lussy, Wil, 17. März, Bd. 358, S. 242, Entwurf.
* Lussy an Otmar, 18. März, Bd. 108, f. 38 f.
4 Otmar an Lussy, Wil, 24. März ; Lussy an Qtmar, 25. März.
L 39*> ff.
Ebenda,
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können, so möge Tschudi alle überantworteten Schriften unverzüglich
herausverlangen, damit man «der sach in andemweg fürdemus geben >
könne. 1 Schon am n. April entschuldigte sich Lussy von Luzern
aus beim Abte. Seine Reise sei wiederum verzögert worden, weil die
Tagsatzung erst so spät habe angesetzt werden können. Damit aber
in der St. Galler Angelegenheit nichts versäumt werde, habe er und
Vignola an Kardinal Borromeo geschrieben — ein Datum fehlt ! —
und ihn unter Berufung auf seine Dienste gebeten, beim Papste für
Aufrichtung der nötigen «Instrument » anzuhalten. Ebenso habe er
durch Vignolas Diener das Kreditiv und die übrigen Dokumente nach
Rom spedieren lassen mit der Bitte, durch diesen die Konfirmations¬
bulle ihm zuzuschicken. «Dermassen » haben « wir baidt geschriben,
das wir die tröstlich und zum thail ungezwyflet hoffnung zu iro heilig-
keit und hochgesagtem Borromeo tragen, die Sachen äben so wol,
als ob wir schon glych selbst am hof weren, unverzogenlich sollen
gespindiert werden. > 2
Wie sehr sollte Lussy sich täuschen ! Er hatte wiederum geglaubt,
bald nach Rom reiten zu können, da das Bündnis, wie er schrieb,
auf guten Wegen sei. Wohl waren am 18. April die Unterschriften
der V Orte beisammen 3 ; allein Lussy konnte, wie es scheint wegen
der Quarantäne 4 , erst am 12. Mai von Bellinzona die Reise wirklich
antreten. 6 Von dort aus richtete er zwei Tage vorher an Abt Otmar
ein ausführliches Schreiben über einen Brief Borromeos, den er soeben
1 Otmar an Tschudi, St. Gallen, 7. April ; Tschudi an Otmar, Wil, 7. April;
Otmar an Tschudi, St. Gallen, 8. April ; Tschudi an Otmar, Lichtensteig, 8. April.
Ebenda, f. 426 ff.
* Lussy an Otmar, Luzern, 11. April. Ebenda, f. 45 f. Am Schlüsse fügt
er folgende persönliche Notiz hinzu : « und in irem hochwürdigen gotzhus miner
lieben husfrowen seligen, welche auf den andern diz monats, nit mit miner geringen
clag, weißt gott der herr, in gott dem heim entschlafen, indenkh ze sinde. » Die
hier als zum 2. April verstorben erwähnte Gattin Lussys ist Kleophe Zukäs,
deren romantische Entführung auch belletristisch behandelt wurde. S. Feiler,
I, S. 2x2 ; Wymann, Ritter Melchior Lussy, S. 60, die beide das genaue Todes¬
datum nicht kennen.
* Feiler, I, S. 66.
4 « Dann ich noch anderthalben tag, luth der Ordnung, hie laisten muß.
damit ich dann zwölfthalben tag hie gelaistet habe ; darnach muß ich noch
sechsnndzwainzig tag uf der straß verziechen, darmit ich erst am 40. tag am
hof ankome. >
* «Den I2.ten diz monats will ich hiedannen verryten, unser werden bi
15 pferden sin. » Feiler, I, S. 66 , gibt an, daß «ein Gefolge von cinhundertund-
zwanzig Mann Lussy auf dieser Romreise begleitete » I
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in der Konfirmations-Angelegenheit erhalten habe. Obwohl er diesen
Brief als Beilage erwähnt, war er nach dem Zeugnisse Flerchs der
Sendung nicht beigeschlossen. 1 So mag es dahingestellt sein, ob die
Entscheidung des Kardinal-Staatssekretärs Vignola, den Lussy als
soeben von Rom zurückgekehrt erwähnt, nur mündlich aufgetragen
wurde. Was in Lussys Brief über den Entscheid Borromeos steht,
genügt vollauf, um die Enttäuschung und Entrüstung zu verstehen,
die in St. Gallen dadurch hervorgerufen wurde.
Wiewohl der Papst wie Borromeo ihm, Lussy, gerne zu Willen
seien, habe letzterer doch geschrieben, er könne nichts vornehmen,
das gegen die Dekrete des Konzils wäre. Deshalb sei an den Statt¬
halter oder Sekretär des Bischofs von Konstanz die Aufforderung
ergangen, den vom Konzil geforderten Informationsprozeß über Abt
Otmar anzuheben und nach Rom einzuschicken. Sofort nach dessen
Eingang werde unverzüglich die Konfirmationsbulle ausgestellt werden,
zu deren Beförderung sich Borromeo noch mündlich Vignola gegenüber
speziell verpflichtet habe. Welch niederschmetternden Eindruck dieser
Entscheid in St. Gallen machen mußte, fühlte Lussy nur zu wohl.
Um den Vorwürfen zu wehren, fügte er bei, Vignola habe ihm gesagt,
wenn auch der Abt in eigner Person zum Papste gekommen wäre,
so hätte er die Konfirmation vor dem ordnungsgemäß durchgeführten
Informationsprozeß doch nicht erhalten können. Denn Seine Heiligkeit
wolle niemanden mehr bestätigen, außer nach den Vorschriften des
Konzils von Trient.
Borromeo hatte an Lussy die Fragen des Informationsprozesses
nebst der Eidesformel, sowie eine Kopie der auszufertigenden Konfir¬
mationsbulle übersenden lassen und Lussy legte diese dem Briefe an
Otmar bei. Es waren indessen nicht die Fragen selbst, die den Wider¬
stand des Abtes hervorriefen. 2 Lussy hatte richtig vorausgesehen,
Otmar und sein Konvent werde vor allem empfinden, daß der Prozeß
in Konstanz geführt werden solle. Eis muß ihm bekannt gewesen sein,
daß, seitdem die Konstanzer Kurie in der Angelegenheit der Inkorpo¬
ration des Klosters St. Johann im Turtale sich gegen St. Gallen ein¬
gemischt hatte, die durch die ganze Stiftsgeschichte sich hinziehende
Spannung wieder verschärft worden war und daß man in St. Gallen
vor allem Konstanz jedwede Jurisdiktionsübung bestritt, die als Ab-
1 Bericht Flerchs, S. 403. Was die Chronik Schenks, Stiftsbibliothek Msc.
1240, S. 520, als verba cpistolae wiedergibt, ist wörtliches Zitat aus Flerch.
* S. Beilage I.
*
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hängigkeit des Klosters vom Bistum gedeutet werden konnte. 1 Darum
hatte Lussy beigefügt, wenn Otmar es bedaure, von dem Konstanzer
Vikar examiniert zu werden, würden er und Vignola versuchen, am
päpstlichen H3fe andere Wege vorzuschlagen, wiewohl der Papst sich
versehe, daß der Abt sich wegen dieses Examens nicht beschweren
werde. 2
In St. Gallen wurde aber der Entscheid des Kardinal-Staats¬
sekretärs noch viel stärker empfunden, als Lussy vermutet hatte.
Man stieß sich — wäre es so gemeint gewesen, auch mit vollem Recht —
besonders auch noch daran, daß der Examinator in Konstanz, der
Statthalter oder Sekretär, wie Lussy ihn betitelt, ein Laie sei. 8 Das
und die Auslassung der vier dem Kloster inkorporierten Pfarreien
St. Margarethen- und St. Johann-Höchst, Rorschach und Bemeck in
dem eingesandten Entwürfe der Konfirmationsbulle, über die tat¬
sächlich längere Zeit zurückliegende Anstände mit Konstanz bestanden,
riefen in St. Gallen den Eindruck hervor, daß Altemps und dessen
Kurie hinter den Schwierigkeiten zu suchen sei, denen die Konfirmation
in Rom begegnete. Das mag in Bezug auf die Angelegenheit der vier
Pfarreien nicht ganz unrichtig gewesen sein, da Flerch hervorhebt,
diese seien im Entwürfe durchstrichen. 4 Aber in Bezug auf die Konfir-
1 Von Arx, Geschichte des Kantons St. Gallen, III, S. 8i f. ; Wegelin, Ge¬
schichte der Landschaft Toggenburg, II, S. 164 f., Bericht Flerchs, S. 344.
1 Lussy an Otmar, Bellinzona, 10. Mai, Bd. 108, f. 48h ff.
* Das kann nur Stephan Wohlgemut sein, dessen Amtstätigkeit damit gegen¬
über Reinhardt, a. a. O., S. 58, früher anzusetzen ist. Auf dessen Persönlichkeit
fällt durch die neueste Veröffentlichung « Zur Geschichte der Gegenreformation
un Bistum Konstanz * von Karl Schellhaß, Zeitschrift für die Geschichte des
Oberrheins, 1917, S. 3 ff., recht ungünstiges Licht. Zu den Vorwürfen, die bei¬
spielsweise der im gleichen Spital kranke Steiner Abt Martin Geiger Wolgmhuett
— so schreibt Schellhaß — in Bezug auf seine sittliche Lebensführung macht
(S. a. a. O., 1918, S. 456) paßt die Bemerkung Flerchs : « .... vicarius Constan-
tiensis et is ipse, qui prius in causa possessionis monasterii S. Joannis requisitus
strenue se opposuit, ille inquam, cui non in re nec patriae nec gentium consue-
tudine hoc competit (merus etcnim et impurus — oh purus volebam dicere —
laicus est-) » Bericht Flerchs, S. 345.
4 Bericht Flerchs, S. 402. Die Ansprüche des Bistums bezogen sich auf die
primi fructus, worüber 1516 ein Vertrag zwischen Bischof Hugo von Hohenlanden-
berg a nd Abt Fianz Gaisberg abgeschlossen worden war. Mark Sittichs Vor¬
gänger, Christoph Metzler, hatte seincizeit die Bezahlung reklamieit. Erst am
i$. Juni 1565 verlangte aber Wohlgemut in einer Audienz bei Otmar, nachdem
er im Namen des Kardinals gratuliert hatte, diesen Ausstand mit andern Restanzen.
Oie Angelegenheit wurde im Juni und Juli 1566 direkt durch Eingreifen beider
beteiligten Fürsten gütlich erledigt. St.-A., Bd. 107, f. 2206 ff.
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mation und die Haltung, die Borromeo zu ihr einnahm, trifft es nicht
zu. Wie wenig man indessen auf das neue, durch das Tridentinum
geschaffene Recht achtete oder zu achten vorgab, zeigt gerade Flerch,
der Begleiter Abt Eichhorns an das Konzil, dessen Bericht die einseitige
Darstellung der Klosterchroniken, in diesen Hindernissen einzig die
Einmischung von Konstanz zu sehen, verschuldet hat. 1
Unmittelbar nach Empfang des Briefes berief Otmar das Kloster¬
kapitel zusammen. Dieses beschloß, die Angelegenheit sofort bei den.
katholischen Schirmorten Schwyz und Luzern anhängig zu machen.
Am 15. Mai reiste Otmar persönlich mit ansehnlicher Begleitung von
St. Gallen ab, holte in Einsiedeln noch den Bescheid des Abtes Joachim
Eichhorn, des ehemaligen Gesandten an das Konzil, ein und trat am
17. vor den Landrat zu Schwyz mit der Bitte um Rat und Hilfe.
Folgenden Tages wiederholte er diese vor dem Großen Rate Luzerns. 1
• Schon am 21. Mai lag das Schreiben der beiden Orte an den Papst
vor, mit dem diese zu Gunsten des Abtes intervenierten. Die haupt- ;
sächlichsten Fragen des Informationsprozesses wurden darin von den
beiden Ständen selbst als den Schirmorten des Stiftes beantwortet.
Als solche hätten sie mit Otmar das Burg- und Landrecht erneuert
und ihm bei der Huldigung seiner Untertanen Beistand geleistet,
was sie nicht getan hätten, wenn ihnen «einiger Mangel» zu wissen
gewesen. Sie legten auch, zur Bezeugung, daß den Informationsfragen
zum größten Teil schon Genüge geschehen, die pro cura Erteilung des
Konstanzer Generalvikars für Otmar vom 22. Mai 1551 bei. * Energisch
reklamierten die Stände gegenüber der Auslassung der vier inkorpo¬
rierten PfarTeien die Wiederherstellung des früheren Textes der Bulle,
um zum Schlüsse unter dem Hinweise, daß durch einen Verzug nur
ihren Widersachern gedient sei, vom Papste angelegentlich die Konfir¬
mation « nach form und uswysung » zu verlangen, « wie sollichs euer
heiligkeit vorfaren ouch gethon. * 4 In einem Begleitschreiben wiesen
die beiden Orte Lussy noch eindringlich an, keine Mühe und Arbeit zu
scheuen und bei Pius IV. persönlich unter ausdrücklicher Berufung
auf sie sich für den Abt zu verwenden. «Dann wo », fügten sie hinzu,
«herm abbt wider seine löblichen fryhaiten, alte und nüwe confir-
1 Im Berichte Flerchs umfassen diese Deduktionen vier Seiten, 343-347-
1 Bericht Flerchs, S. 347.
8 Der pro cura-Titel in Kopie erhalten Bd. 358, S. 277. j
4 S. Beilage II. '
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~ 9i -
mationen etwas unbillichen ingriffs bescheche und nit, zu dem er
recht hat, befürdert, wurden wir zu erlangung deß und aller billigkeit
unser eer, lyb, gut und blut darstrecken. 1 »
Tags zuvor hatte der Abt selbst seine Antwort an Lussy aufgesetzt.
Nicht nur er, auch sein Konvent habe ob der Zumutung, sich dem
Informationsprozeß vor dem Vikar in Konstanz zu unterziehen, großes
Bedauern empfunden, da sein uraltes Gotteshaus von dem Bistum
exempt und allein unter dem Papste stehe. Dadurch würden alle päpst¬
lichen Privilegien des Stiftes kraftlos und er und seine Nachfolger in
ungebührliche Unterwürfigkeit geworfen, «so uns der vicari zu Costantz,
der nit priester, sonder allain purus laicus, wie ain andern schuler,
geschwygen priester, und der wir sollten ain fürst des rychs (warlich
one rhüm, aber mit schmerzen zemelden) genant und darbi allererst
von im examiniert werden. » Ebensosehr habe er sich über den Entwurf
zur Konfirmationsbulle zu beklagen. Sei die Auslassung der Pfarreien
wirklich aus Absicht und nicht aus bloßer Unkenntnis geschehen,
wollte er «vil ee die abbty wider ufsagen, darvon tretten .... und
die ursecher diser schedlichen spoliierung im Spiegel sechen lassen,
wie es gegen gott und der weit zu verantwurten sein möchte.» Vor
allem aber drang der Abt in Lussy, all sein Können einzusetzen, um
die Konfirmation zu erwirken « in massen vormalen allen unsem
vordem ouch beschechen. » Sollte dies nicht möglich sein, so dürfe
lussy sich nicht weiter einlassen, sondern habe ihm und den beiden
Schirmorten zu berichten. Diese seien Willens, ihn und sein Stift
bei seinen Freiheiten und Urkunden zu schützen und würden in diesem
Falle sehen, wie sie hierin «gegen päpstliche hailigkait nach gebür
und erhaischender notturft handlen möchten. * Wenn ihm aber die
Konfirmation erfolge, werde er nach Schuldigkeit alles, was er dem
Apostolischen Stuhl verpflichtet sei und «was das hailig concilium
vermag», herzlich gerne erstatten. Zugleich benützte Otmar den
Anwurf Lussys, dem Bündnisse mit Pius IV. beizutreten, dazu, um
seinem Verlangen noch weitern Nachdruck zu verschaffen. Er führte
des langem die Gründe aus, die für ihn gegen das Bündnis sprächen,
die Lage des Stiftsgebietes, die protestantischen Schirmorte, die teil¬
weise Abhängigkeit auch von den katholischen Ständen, fügte dann
aber bei, er werde, falls er von einem der beiden Kontrahenten ein-
1 Luzern und Schwyz an Lussy, Luzern, 21. Mai. Urk. A2-L2, Entwurf.
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92
I
geladen und «zuvor die verhoffenlich confirmation ervolgt > sei, sich
zweifelsohne « gebürlich finden lassen. * 1
Lussy erhielt diese Briefe in Rom am 9. Juni und begab sich damit
sofort zu Borromeo. Gleichen Tages noch ließ der Kardinal-Staats¬
sekretär seine Auffassung in einem erhaltenen Schreiben dem Abte
mitteilen. Die kirchliche Zulassung zur Abtei, so beginnt der Brief
unmittelbar, verlangt nach den Dekreten des Konzils von Trient die
Ablegung des Glaubensbekenntnisses und noch einiges andere, von
dem der Abt wohl Wissen trage. Noch niemand sei nach der päpst¬
lichen Bestätigung des Konzils zu irgend einer kirchlichen Würde
erhoben worden, der nicht das geforderte Examen über sich habe
ergehen lassen ; dies sei so notwendig, daß ohne dasselbe im päpst¬
lichen Konsistorium für die Expedition der Konfirmationsbulle über¬
haupt nichts geschehen könne. Nach diesen mit wenigen ehernen
Worten eingeschärften prinzipiellen Darlegungen fügt Borromeo bei,
es bleibe dem Abte frei überlassen, sich diesem Informationsprozesse
bei einem andern beliebigen Bischöfe zu unterziehen, wo er wolle,
bei dem von Basel oder von Como ; den Vikar von Konstanz habe er
nur vorgeschlagen, weil er dies für Otmar bequemer gehalten habe *
Lussy hatte das richtige Gefühl, daß diese Antwort des jugendlich¬
eifrigen Staatssekretärs weder den Abt noch die beiden Orte Luzern
und Schwyz befriedigen werde. Er war Diplomat genug, trotz seiner
Freundschaft zu Borromeo, die Angelegenheit vom Staatssekretariate
wegzuziehen und sie gemäß seinem Aufträge direkt beim Papste an¬
hängig zu machen. Er scheute sich auch nicht, als er Tags darauf
mit Borromeo sich zu Pius IV. verfügen wollte und jenen krank zu
Bette liegend antraf, Tolomeo Galli, den Kardinal von Como*, mit
sich zum Papste zu bemühen. Als Ergebnis dieser Audienz stellt
Lussy in seinem Schreiben voran, daß der Papst «ganz gut willens»
sei. den Abt «wie von alter här beschechen, zu confirmieren». Die
Auslassung der inkorporierten Pfarreien in dem Entwürfe sei unab¬
sichtlich und ohne Wissen geschehen. Dann kommt der springende
1 Otmar an Lussy. Luzern 20. Mai. Ebenda. Kopie.
* S. Beilage III.
8 Reinhardt hat a. a. O., S. 29, A. 1, gegenüber Hübner, Sixtus der Fünfte. 1 .
S. 119 f. bemerkt, Galli sei nicht unter Pius IV., sondern erst unter Gregor XIII-
Staatssekrctär gewesen. Lussy bemerkt in diesem Briefe : ■ So hab ich hochge-
gemelten cardinaln Borromeo arznyen schwach im bett funden, hab ich den hoch-
würdigsten Cardinal von Chum, irer hailigkeit alter rechter cantzlcr, mit mir für
ir hailigkait genomen. »
oogle
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93
Punkt: inskünftig werde kein Prälat mehr konfirmiert werden, es
sei denn das vom Konzil geforderte Examen vorangegangen, was
immer für Privilegien zuvor erlangt worden seien. 1
Lussy mochte in seiijem Schreiben noch so sehr betonen, daß
jegliche Absicht fern liege, den Abt Konstanz untertänig zu machen,
noch so sehr auf die Erlaubnis hinweisen, anderswo sich dem Examen
unterziehen zu dürfen, in St. Gallen hörte man nur die Weigerung
Roms heraus, die alten Privilegien in diesem Punkte nicht mehr an¬
erkennen zu wollen. Man beschloß, auf der Jahrrechnungs-Tagsatzung
zu Baden die VII katholischen Orte um Hilfe anzugehen, die eben
damals interessante Verhandlungen mit den Abgeordneten des Bischofs
von Konstanz über die Ausführung der Konzilsbeschlüsse pflogen. *
Die Vertreter des Abtes, Kanzler Stadler und Florin Flerch, erlangten
auch wirklich, daß die VII Orte zusagten, beim Papste, wie auch bei
dessen Neffen Mark Sittich und bei Lussy sich für das Begehren
St. Gallens zu verwenden. Dabei gab den Ausschlag, daß nicht nur
Otmar, sondern ebensosehr Luzern und Schwyz in Rom eine Ab¬
weisung empfangen hatten. Die Abfassung der Schreiben wurde den
st. gallischen Gesandten Überbunden, die hiezu nochmals Rücksprache
mit dem in Wil sich aufhaltenden Abte nahmen. Dieser selbst hatte
unterdessen sich entschlossen, auch von sich aus an Pius IV., an
Borromeo und Altemps zu gelangen und diese Briefe mit einem
Schreiben, worin er Lussy gegenüber seine Auffassung darlegte, seinem
Geschäftsträger nach Rom zu übersenden. 3
In dem ausführlichen Schreiben der VII Orte an den Papst wurde
als vomehmlichster Grund St. Gallens nun entwickelt, daß durch
diesen Informationsprozeß, dessen Zeugen nicht der Abt, sondern
der Prozeßleiter zu bestimmen habe, die freie Abtwahl, des Klosters
höchstes Kleinod, mit der Zeit Schaden erleiden könnte. Deshalb
baten die Orte Pius IV., Otmar die Konfirmation «wie von alter her
und usserhalb der examination allergnedigst zu stellen », wobei sie
unter dem Hinweis auf die damalige strittige Bischofswahl in Chur
beifügten, daß durch eine Herabwürdigung des Stiftes St. Gallen nur
die Protestanten zu gewinnen vermöchten. 4 Lussy selbst wurde von
den VII Orten aufgetragen, das Schreiben dem Papste zu präsentieren
1 Lussy an Otmar, Rom, io. Juni, Bd. 108, f. 64t f.
* S. Reinhardt, a. a. O., S. 68 f.
* Bericht Flerchs, S. 358 ff.
4 S. Beilage IV.
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und seines «Vermögens daran sin, das demselben .... allergnedigst |
willfart werde, * Das von Otmar gewünschte Schreiben an Altemps :
benützten sie, um ihm seine Verwendung für Beat a Porta als erwählten .
Bischof von Chur, «diewyl ernempter ain geschickte, demüetige und
in allweg togenliche person *, zu verdanken. 1
Die gleichen Gründe, wie die von den VII Orten entwickelten,
legte Otmar selbst in einem aus der Feder Flerchs geflossenen latei¬
nischen Schreiben Pius IV. vor. In dem gleichzeitigen Briefe an
Borromeo wehrte er sich dagegen, daß die Konfirmation nicht auf
die Wahl der Konventsmitglieder, deren Akten die Kurie schon längst
in Händen habe, erfolgen, sondern daß sie die Bestätigung des
Examens sein solle, dem er sich zu unterziehen habe. Noch schärfer
drückte diesen Gedankengang das Schreiben an Lussy aus. «Und
were uns deßhalb vil lieber, wir weren nie zu abbt erwelt, dann das
solicher unsers convents einiger schaz bi unserer person im solte be-
nomen werden, achten und schezen uns ouch nit als ainen triiwen j
vatter, so wir gstatten wurden, unserm convent das allerliebst gut <
sollte abgestrickt werden. » Immerhin war, vielleicht durch die Badener
Verhandlungen über die Inkraftsetzung der Konzilsbeschlüsse mit¬
veranlaßt, auch bei Otmar der Widerstand soweit gebrochen, daß er
i
Lussy in einem besonders gesiegelten Postscriptum «in aller geheim«
die Möglichkeit zu weiter entgegenkommenden Verhandlungen gab.
Wenn die Kurie von dem Examen absolut nicht abgehen wolle, so
müsse Lussy ein päpstliches Breve verlangen, mit der bestimmten
Erklärung, daß dieses Examen der Abtwahl und den andern Kloster¬
privilegien niemals irgendwelchen Abtrag zu tun vermöge. «Dann
one sölliches die examination uns nit möglich anzunemen, .... wurden
ee sechen, wie und wo wir dabi schuz und schirm funden. » Erstmals
auch bemerkte Otmar hier über die von Lussy mit dem Schreiben vom
io. Mai übersandte Formel der Tridentinischen professio fidei, daß er
sich derselben nicht beschwere, sondern sie gerne erfüllen werde;
zugleich wies er darauf hin, daß die Ablegung dieses Glaubensbekennt¬
nisses, wie es sonst bräuchlich sei, wohl am besten bei der Benedikticn
geschehe. 2
1 Urk. A2-L2. Papier-Originale, besiegelt vom Luzcrner Abgeordneten an
die Tagsatzung. Nikolaus Amlehn, Baden, 9. Juli. Vielleicht bezieht sich die
Bemerkung in den spätem Schreiben für a Porta an Altemps, von der Reinhardt
S. 97 . A. 3, spricht, auf diese Empfehlung.
2 Urk. A2-L2, Papier-Originale, diejenigen an den Papst, Borromeo ond
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- 95 —
Unterdessen war aber in Rom bereits der Entscheid zu Gunsten
Otmars gefallen. Lussy hatte die Angelegenheit nicht mehr bei
Borromeo, dessen Bemühungen für Einhaltung der Konzilsbeschlüsse
ihm gut bekannt waren, weiter verfolgt, sondern direkt mit Pius IV.
darüber verhandelt. Es kam ihm dabei zu statten, daß er seine Abreise
im Interesse des Papstes beschleunigen wollte, um das von letzterm
genehmigte Bündnis von den Orten besiegeln zu lassen. Am 24. Juni
schon konnte er Otmar melden, der Papst habe erlaubt, wenn die
Akten des Informationsprozesses nicht bis Anfang Juli in Rom ein¬
träfen, dürfe die Konfirmatiönsbulle auch «unangesechen decreta
concilii Tridentini * ausgefertigt werden, damit Lussy mit ihr zu Beginn
August in St. Gallen eintreffen könne. 1 Offenbar ergaben sich aber
trotz dieser Zusage des Papstes auf der Kanzlei Schwierigkeiten. Denn
erst am 7. Juli schrieb Lussy, Pius habe, als er diesen Morgen mehr
denn zwei Stunden in Abschiedsaudienz empfangen worden, den
Kardinälen Hohenems und Como befohlen, daß er baldmöglichst
«wol gespindiert aller Sachen werde *. Darauf hätten die Kardinäle
und er zum dritten Male mit den Sekretären geredet, die nun «ver-
haissen, mich in 10 tagen zu spindieren. » So hoffe er bestimmt, bis
Bartholomäustag in St. Gallen mit der Bulle einzutreffen, da ihn
einzig noch diese Angelegenheit in Rom zurückhalte. 2
Für Otmar und seinen Konvent war die Angelegenheit aber
Mark Sittich lateinisch ; diese datiert St. Gallen, 14. Juli, dasjenige an Lussy Wil,
5 1. Juli. Der Brief an den Papst ist mit klcinerm Siegel gesiegelt gewesen, das
vollständig weggebrochen ist; auf allen übrigen Schreiben findet sich das gleiche
Siegel Otmars aufgedrückt mit der Umschrift: S. Otmari A. M. S. Galli. Der
««vierte Schild weist im zweiten Felde nicht, wie später üblich, das Wappen
St. Johanns im Turtale auf, sondern Feld 2 und 3 führen das persönliche Wappen
Otmars. Das entspricht der Anordnung, wie sie beispielsweise in dem schönen,
in reicher Renaissance-Umrahmung sich darstellenden Exlibris des Abtes Diet-
hc!m sich zeigt, das ich im Staatsarchiv Zürich, X. Bd. 24, f. 1596 fand.
1 Lussy an Otmar, Rom, 24. Juni. Bd. 108, f. 59. Die Hochschätzung,
<ieren sich Lussy bei Pius IV. erfreute, geht aus folgender Stelle des Briefes hervor :
’•... han ich dermassen bi bäpstlicher hailigkait angehaltcn, dann ich morgens
und aubents, all tag zway mal, bi iren bin _® Der übrige Teil des Briefes
enthält Zeitungen über die Belagerung Maltas durch die Türken und am Schlüsse
derselben, zu des Großmeisters Bitte, den französischen König zu ersuchen, mit
seiner « Armada » zu Hilfe zu kommen, die für Lussys Auffassung der französischen
Politik charakteristische Bemerkung : «man hatt aber wenig hoffnung daruf,
dann man für sicher halt, das in wenig zyt die türggische botschaft bi dem könig
von Frankrych ankomen werde und zwiischen inen guter verstand, gott sys klagt.
s >'ge. •
* Lussy an Otmar, Rom, 7. Juli. Bd. 108, f. 60.
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bereits mit dem Briefe Lussys vom 24. Juni erledigt. Der Abt hatte •
Flerch mit den gesiegelten Briefen der VII Orte und den seinigen
am 14. Juli von St. Gallen abgefertigt und ihm befohlen, diese so •
schnell wie möglich in Bellinzona dem Kcmmissär der III One,
Johannes Waser, zu übergeben, der sie an Lussy weitersenden sollte.
Flerch hatte am 15. in Baden auf die Bitte Christoph Schomos noch
das Unterstützungsgesuch der V Orte an den Papst für Beat a Porta
zur Besorgung mitgenommen. Er rastete der großen Hitze wegen
in dem aargauischen Dorfe Jonen, als ihn dort ein Bote traf und nach
Baden zurückrief. Am Abend des 14. hatte Otmar das Schreiben
Lussys vom 24. Juni empfangen \ war sofort selbst mit seinem Kanzler
nach Baden geritten, um wenn möglich Flerch dort noch anzutrefien
und zurückzuhalten und zugleich sich mit den VII Orten zu beraten,
ob die Briefe unter dieser veränderten Lage dennoch weiterzusenden
seien. Da auch diese seiner Auffassung waren, es sei nun zum mindesten
abzuwarten, blieben die Schreiben der VII Orte wie des Abtes unspe-
diert. Otmar hatte seinen Willen erreicht : des vom Tridentinum gefor-;
derten Informationsprozesses hat er sich nicht unterzogen. 2
Lussy war, zurück von Rom, am 2. September in Luzern, wo er
der Tagsatzung der V Orte Bericht erstattete, folgenden Tages das
Volk das Bündnis beschwören ließ und darauf in den Kantonen dessen
Besiegelung besorgte. 3 So wurde es 14. September, bis er die erstrittene
Konfirmationsbulle nach St. Gallen brachte. Sie trägt, wie das Ab- j
schiedsbreve Pius, IV. für Lussy 4 , das Datum des 13. Juli. Im For¬
mular geht sie auf die früheren St. Gallen gegebenen zurück, zieht
aber die vorherigen Extra-Ausfertigungen in eine zusammen. Denn
es war Lussy gelungen, die Bulle gratis zu erhalten ; für deren Expe¬
dition hatte er nur 100 Dukaten bezahlt, während die Kosten früher;
auf 1200 sich belaufen hatten. Von einer Inkorporation der Pfarreien
1 Nach dem Post scriptum des Briefes sollte ihn der Vogt von Maiental
d. i. Melchior von Flüc (s. Feilet, I, S. 66) in 12 Tagen nach Bellinzona tragen
von wo ihn «der Vetter » Lussys, der oben erwähnte Kommissär Waser. wwttf
besorgen mußte.
1 Bericht Flerchs, S. 381-384.
* Feiler, a. a. O., I, S. 68.
4 Damit fällt der bei Reinhardt. S. 68, A. 3, auf die falsche Datierung d«
Rekreditivs Lussys bei Segcsser. Rcchtsgeschichte der Stadt Luzern, IV, S. 375 »
A. 1. sich basierende Zweifel dahin ; 'Archiv für schweizerische Reformation**
geschichte II. S. 36, gibt das richtige Datum, 13. Juli. Auch Egli. a. a. O., S. :8i.
datiert die Bulle, III Id. Julii irrtümlich 15. Juli.
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ist in der Bulle nichts erwähnt. Auch das Formular des Juramentum,
das nach der Benediktion, von Otmar besiegelt, nach Rom gesandt
werden mußte, stimmt wörtlich mit jenem für Diethelm überein. 1
Unterm 28. Juli hat Pius IV. noch mit einem Breve an Kaiser Maxi¬
milian II. Otmar diesem empfohlen. *
Otmar war sich bewußt, mit diesem Ausgang der Konfirmations¬
angelegenheit einen Sieg errungen zu haben. Aber entsprechend der
Einstellung, in der man in St. Gallen die Schwierigkeiten angesehen
hatte, feierte man sich als Sieger über Konstanz. In einem Zyklus
von Glasgemälden, der sich erfreulicherweise in die Jetztzeit hinüber
gerettet hat, ließ Otmar noch 1565 seine Konfirmation wie den
Regalienempfang darstellen und fügte ihnen die Belehnung des hohen
Adels mit den vier st. gallischen Erzämtem durch sich bei, die nicht
mehr Tatsache, sondern nur noch geschichtliche Reminiszenz war. *
Bewußt wird von ihm dabei das Wappenschild St. Gallens so geändert,
wie es von da an bis zum Untergänge des Stiftes blieb. Während, wie
bemerkt, Otmars Siegel das Wappen der inkorporierten Abtei Sankt
Johann im Turtal noch nicht führt, erscheint auf diesen Glasgemälden
im zweiten Felde des gevierten Schildes nun überall das Lamm Gottes,
und, um die Absicht noch deutlicher zu machen, kreuzen sich als
Amtsstücke zwei Abtsstäbe hinter dem Schilde. Diese Betonung, daß
der exemte Abt von St. Gallen als solcher zugleich Inhaber St. Johanns
im Turtale sei, war für Otmar und seinen Konvent der sinnfällige
Ausdruck, im Verlaufe dieser Anstände wegen seiner Konfirmation
sich nicht unter Konstanz gebeugt zu haben. 4
Aber im Rückblick auf die Verhandlungen und den schließlichen
Ausgang der Angelegenheit wird man noch mehr sich sagen müssen,
daß sie charakteristisch ist für die Stimmung der katholischen Orte
gegen die in ihr Staatskirchentum eindringenden Rechtsdekrete des
1 Urk. A2-L3, 4 ; Bericht Flerchs, S. 369-372. Die Gesamtkosten der Konfir¬
mation und Benediktion Otmars werden summarisch angegeben auf 1977 fl.
7 Bz. 7 3 ,. Bd. 358, S. 431.
1 Urk. A2-L5.
* S. die zitierte Abhandlung Johannes Eglis, S. 271 ff. Die sechs Scheiben
sind dort in zwei Chromotypien und vier Photographien wiedergegeben. Der
Wappenschild findet sich auf der Darstellung der Konfirmation und der Beleh¬
nungen.
* Entgegen der Rubrik des Pontifikale ließ Otmar auch an dem zu opfernden
Faßchen bei der Benediktion nicht das Wappen des Weihbischofs von Konstanz,
der die Benediktion vollzog, anbringen, sondern das Wappen des Papstes. Bericht
Flerchs, S. 372.
REVUE D'HISTOIRE ECt LfcsIASTIQUE 7
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- 9« -
Tridentinums. Die Ausstellung der Konfirmationsbulle «unangesechen
decreta concilii Tridentini» war, so unwichtig an sich gewiß die Ange¬
legenheit ist, doch eine Niederlage Borromeos und des in ihm sich ver¬
körpernden tridentinischen Geistes. Nachdem sich die Stände Luzern
und Schwyz in die Angelegenheit gemischt, mußte die Diplomatie
Pius, IV. indessen auf ihre Bitte eingehen. Das Eingreifen der
VII katholischen Orte beweist, daß eine andere Lösung nicht möglich
war. So mag diese Episode das Urteil Reinhardts über Borromeo als
Staatssekretär bestätigen, daß die Lebensweisheit des diplomatisch
begabten Pius IV. ergänzte, was seinem Neffen an Erfahrung in der
Diplomatie gebrach. 1 Aber die Kraft und Tiefe der religiösen Über¬
zeugung Karl Borromeos, die keine Ausnahmen kennt und die Reform-
dekrete des Konzils im Kleinen wie im Großen durchführen will,
leuchtet auch aus diesen an sich geringfügigen Verhandlungen über
die Konfirmation Abt Otmars hervor. (Forts, folgt.)
i
i
i
* Reinhardt, a. a. O., S. 23.
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Aymon de Montfalcon
EVfiQUE DE LAUSANNE, 1491-1517
Par M. REYMOND.
(Fin.)
II
Aymon ambassadeor da dac de Savoie.
Aymon de Monifalcon, devenu övöque de Lausanne et adminis-
trateur de Genöve, demeura Tun des conseillers habituels du duc de
Savoie et Tun de ses ambassadeurs pröfdrös, tantöt auprös des Ligues
suisses, tantöt auprös du roi de France, ou ailleurs encore. C’est ainsi
qu’en septembre i 5 oi, Aymon de Montfalcon fut ä la töte de la
dfyutation qui se rendit ä Bruxelles pour nögocier le mariage du
duc Philibert avec Marguerite d’Autriche, fille de l’empereur Maxi¬
milien, mariage qui fut finalement cölöbrö dans l’öglise abbatiale de
Romainmötier, mais fut bientöt aprös rompu par la mort de l’öpoux 1 .
C’est auprös des Ligues suisses que le duc de Savoie envoyait de
pr^fdrence l’övöque de Lausanne. 11 y avait ä cela plusieurs raisons,
tout d’abord celle que le prölat avait les villes de Fribourg, de Berne
et de Soleure sous sa juridiction spirituelle et qu’il possödait ainsi sur
leurs magistrats un ascendant ä nul autre pareil. Les Suisses ötaient,
comme Ton sait, trös courtisös ä cette öpoque, et chacun des monar-
ques voisins recherchait pröcieusement leur alliance- et leur appui.
Nous ne connaissons pas moins de huit ambassades de l’övöque
Aymon auprös des Suisses, de 1495 ä 1509*. Les unes ont pour objet
le röglement 4’aff a ‘ res particuliöres, telles qu’un gros debat entre le
duc et les Valaisans oü les döputös des Ligues ötaient arbitres, ou bien
1 Guichenon, Histoire de la maison de Savoie, t. II, p. 186-187.
’ Quelques-unes seulement sont mentionn6es dans les Abschiede. Les A. C. V.
possfcdent sur ce sujet des pi£ces inddites.
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IOO
°gl
l'hlritage de Marie de Savoie, marquise de Rothelin, que le duc
contestait aux Ligues, ou bien les faux d’un secrdtaire ducal Jean
Dufour, gräce auxquels les Ligues parvinrent ä extorquer i5o,ooo flo-
rins au duc. D'autres concernaient le renouvellement des alliances.
Nous ne pouvons naturellement entrer dans le detail de toutes. Mais
voici, ä titre d’exemple, le recit que fait Aymon lui-meme au duc de
Savoie, d’une de ses ambassades ä Berne, au mois de decembre 1 5oy *.
Aymon a passe ä Fribourg la premi£re semaine de decembre et
il y a trait£ avec l’avoyer et le Conseil de cettc ville — nous n’avons
malheureusemcnt pas son rapport. — Le samedi 4 decembre, il se
rend ä Berne. « On nous fit, dit-il, tr£s bonne ch£re et bon accueil
pour l’honneur de vous, et nous vindrens (vinrent) incontinent visiter
l'advoyer et les principaulx du conseil du dit lieu, et faire compaignie
au souppö, et hyer nous eussions estez ouyz (entendus) s'il ne fust
pour ce que le grant et le pety conseilz estoient congregues pour ouyr
Monsieur de Rieux (£v£que de Langres) et maistre Guilleaume de la
Mare, ambassadeurs du Roy (de France), qui leur parloient de leur
prouffit comme pour leur donne force argent. » On voit d’ici que ce
n'est pas d’hier que les petits cadeaux entretiennent l’amitie.
Le lendemain, dimanche, des ambassadeurs de Fribourg arrivent
ä Berne, mais ils n’y restent point, car le lundi est jour de la Saint-
Nicolas, leur patron, et l’evfique note que pour ce ils ont dü retourner
chez eux. Ce jour-lü, lundi, Aymon fut cependant requ en seance du
Conseil de Berne. II leur offrit de la part du duc « tous les serviceset
plaisirs ä eulx possibles », puis vint ä parier de sa mission, le renou¬
vellement de l'alliance. Malheureusement, l’dvdque ne s’ötait pas muni
d’une procuration en forme solennelle pour traiter. Le Conseil, qui
n'ötait point presse, saisit ce pretexte pour se borner h de bons propos
Mais l’ev£que ouvre l*oeil. II apprend de l’ambassadeur fran^ais de
Rieux, de l'avoyer de Scharnachthai et de M. (Nicolas) de Diesbach que
le roi des Romains (Rommains), c'est-ä-dire l’empcreur, a fait aui
Ligues des propositions qui ne sont ä l’avantage ni du duc de Savoie,
ni « de mon öveche », dit-il. Quelles sont ces propositions, il ne les
A
prdcise pas, parce qu’une lettre de M. de Diesbach en avait ddjä averti
le duc. L'£v 6 que a bon espoir qu'elles seront declinöes, mais il faudra
y mettre le prix : « Nous ferons en cet endroit tout ce qu'il nous sera
1 A. C. V. S6rie Ab 14. Affaires diplomatiques negocites par Aymon
Mont/alcon pour le duc de Savoie, f 66-68.
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IOI —
I
I
I
de possible, et sera de besoing que vous gaigniez aussys mieulx que
jatnais. » Et pour mieux se faire comprendre, Aymon ajoute : « Au
surplus, Monseigneur, hier messeigneurs de ceste ville se ddclarent de
vouloir praindre et recepvoir du Roy les pensions gdndrales et particu-
lidres et a donnd Monsieur de Rieux pour le dit seigneur son maistre
outre les dites pensions une bonne et grosse somme descuz. De
sorte que ceulx de cette dicte ville sont maintenant bons Francoys. »
Le lendemain de la Saint-Nicolas, le mardi au soir, l'avoyer
messire Francois Arsent et son secrdtaire arrivent de Fribourg k Berne.
« Et le mercredi suyvant qui fut le jour de Notre Dame, moy l’dvesque
de Lausanne feiz l’office en l’esglise colldgialle et aprds icelluy vindrent
disner avecques moy les advoye et une partie des plus gens de bien
du conseil, ensemble les dits ambassadeurs de Fribourg. Et lä dismes
particulidrement nos affaires aux susdits, lesqueulx nous remisrent
au lendemain qui fust le jeudy, et ce jour assez matin nous nous
trouvasmes au conseil ensemble les dits ambassadeurs de Fribourg.
Auquel conseil redismes la Charge qu’avyons de votre part, et aprds
nous fusmes renvoyds en notre logis actendre la response qui fut teile
comme paravant touchant la confirmation des dites alliances et confd-
ddrations. » Aprds quoi Ton en vint au fait, et l’dvdque dnumdre les
objections des Confdddrds. « Nous voulons bien, disent-ils en subs-
tance, renouveler l’alliance, mais vous n'avez pas due procuration, et
puis le traitd actuel n’expire qu’en mars, et puis nous voudrions savoir
sur quels points vous ddsirez le voir modifid. Nous savons que vous
vous plaignez des combourgeoisies que nous faisons entre nous, mais
votre autoritd et vos droits y sont toujours rdservds. Nous vous
promettons notre aide, mais il est entendu que c’est ä vos frais. »
On s’en tient lä, et l’dvdque pousse jusqu’d Soleure. L’avoyer
ancien et le nouveau lui font honneur et bonne chdrc, mais il trouve
le Conseil irritd. Le bänderet de la ville, par exemple, se plaint de
n’avoir pas recu certain argent qui lui dtait dü. Puis le Conseil est
sous l'influence des propositions du roi des Romains hostiles k la
Savoie et k la France. Aymon de Montfalcon revient k Berne. Avec
le bailli de Vaud, il doit rdgler une affaire spdciale pour laquelle il
vient de recevoir des instructions, mais il a beau diner le dimanche
avec l’avoyer et parier le lendemain au Conseil des Soixante, il
n'obtient pas la satisfaction qu’il rdclame. Peu importe le litige, la
raison du ddsaccord persistant la voici :
« Monsieur le secrdtaire dudict Berne et son clerc se plaingnent bien
i>, •
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fort des peines et labeurs qu’ils om eu touchant l’affaire du Valleys
dont ils n’ont rien amende, si non ledict secr^taire tant seullement
comme ung conseillier. Pour quoy, Monseigneur, ils vous supplient
et nous aussi pour votre prouffit y avoir du regard, car c’est un
homme de grand crödict audict Berne et qui vous peult faire beau-
coupt de Service quant il voudra. » Et puis les seigneurs de Berne et
de Fribourg se plaignaient de la sdvlrite des peageurs, des receveurs
des douanes de Nyon et de Vevey, qui, selon eux, « rongent » les
gens de ce pays.
Aprts quoi, Mgr de Montfalcon revient ä Fribourg. II est re^u
par le Conseil qui lui fait de belles promesses, mais rlclame au sujet
des limites du territoire de Pont, et aussi du poids des monnaies. La
question des limites de Pont etait particuliärement delicate, parait-il,
car eile entraine l’evöque ä promettre ä messieurs du Conseil cent&us
« parce qu’ils ont toujours plus de querelies que les aultres et que
nous ddsirons les gaigner ». Aymon rentra finalement ä Lausanne, sur
la promesse que Berne et Fribourg enverraient ä leur tour des deputes
a la cour du duc pour signer lalliance, et l’dv£que conclut son rapport
en disant : « Moy le dit eveque de Lausanne, j’ay gaign£ le dit advoye
de Fribourg, messire Fran$oys Arsent, lequel vous estoit toujours
contraire en tous vos afßres, mais je l’ay rdduyt de Sorte qu’il s'est
offert d’estre votre bon et humble servitcur, et esp£re que tel il sera
si ä vous ne tient et pourveu qu’il vous plaise le bien traicter, car
c'est ung homme de grant credict, de grant sens et bien seubtil, et qui
est pour vous faire cy aprös de grands Services. *
Malgr6 cet appel insistant, le duc de Savoie ne ddlia pas les cor-
dons de sa bourse autant que l’avoyer d'Arsent laurait voulu, car
l’öveque de Lausanne, ayant M renvoyd sept mois plus tard aupr^s
des Conseils de Berne et de Fribourg, re<;ut le 2 juillet i 5 o 8 des
instructions oü nous lisons 1 :
« Plus parlera ä messire Fran^oys Arsent, advoyer de Fribourg,
et luy dira commcnt les choscs sont passeez tout autrement qu'ii
n’entend. Luy fera entendre la bonne voulonte que monseigneur le
duc a en luy, üchera de l’appaiser et gaigner, sans espargner quelque
argent pour ce faire, s’il veut qu’il soit de besoing. * Aymon emportait
d’ailleurs 3 ,000 ecus (120,000 fr.) ä d^livrer au mieux, dont 5oo a
* A. C. V. S^rie AB, 14, P 97, verso.
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Henri Matter, Tun des gros bourgeois de Berne qui avait dtd autrefois
bailli de Lausanne.
Les ndgociations pour le renouvellement de l’alliance se prolon-
girent pendant quatre ans encore, jusqu’en 1 5 12, et ce ne fut pas
Aymon qui les acheva, mais le duc de Savoie avait dte content de ses
Services, puisque dös i 5 o 8 il lui faisait remettre 1,000 dcus d’or
(40,000 fr.) en reconnaissance de ses peines auprös des cantons
allemands et aussi du roi de France L
L’dveque s’dtaiten effet rendu au mois de mai 1507 k la cour du
roi de France pour trois objets principaux. II s’agissait d’obtenir que
la Savoie püt s’approvisionner de bld dans le Languedoc et le Dau-
phinö, et surtout en Provence. Puis d’obtenir pour le duc une pension
royale de 10,000 dcus dont celui-ci avait fort besoin. L’article des
instructions k ce sujet est assez amüsant: « Premiörement, venant a
propos de la pension qu'il plaist au Roy nous bailler, appres avoir
pourchasse par tous les meilleurs moyens qui seront possibles, qu’elle
soit bonne et grosse, finalement s’il plaist au dit seigneur l’octroyer
jusqu’4 trente mil francs, vous l’accepterez *. » Enfin, il s’agissait de
solliciter l’arbitrage du roi entre le duc et Tun de ses cousins (le
bütard Rend) au sujet de la possession de seigneuries contestdes.
Aymon avait dtd assez heureux pour rdussir dans sa mission, succös
qui permettait d’en espdrer un plus grand encore du cötd des Ligues.
L’dveque de Lausanne ambassadeur du roi de France
Aymon de Montfalcon n’dtait pas un inconnu du roi de France.
Nous savons que ddjA avant son dldvation k l’dpiscopat, il touchait
une pension comme conseiller de ce souverain. Celui-ci l’employa
ä son tour k plusieurs reprises auprös des Ligues suisses. En
novembre i 5 o 5 , Aymon se rendit k Berne pour engager les conseils
de cette ville k accepter des pensions du roi et il ddlia meme certains
conseillers du serment qu’ils avaient prdtd de ne plus accepter de
pensions de l’dtranger 8 . Plus tard, en aoüt 1509, l’dvdquede Lausanne
alla 4 la diöte de Lucerne solliciter le renouvellement de l’alliance entre
1 A. Turin, Protocoles duc jux, t. 1 35 .
1 A. C. V. Serie Ab 14, f* 4a.
* Ed. Rott, Histoire diplomatique de la France aupris des cantons suisses,
*• *■ P- 107.
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la France et les Suisses. II se buta ä des ouvertures de l’eropereur
aupres des Confdd£r£s; ndanmoins il serait peut-£tre arriv£ ä ses ßns
sans l’intransigeance d’un autre envoy£ que le roi lui avait adjoint l , et
qui se ret'usa ä ratifier des concessions faites par Aymon et entralna
par lä les Confeddr^s dans l’alliance contre la France qui devait
aboutir ä la bataille de Marignan.
L’eveque de Lausanne rendit ä cette 6poque k la France des
Services signates. Le gouvernement fran^ais n’avait pas d’ambassadeur
permanent aupres des Ligues, et se bornait k des missions extraor-
dinaires, tr£s frequentes d’ailleurs. Mais avant de les envoyer il fallait
connaitre F£tat d’humeur, plutöt difficile, des chefs confederes. Aussi,
plusd’une fois, notamment en i 5 o 3 , en i5o 7, en i5io, voyons-nous
ces ambassadeurs s’arrftter k Lausanne, aupres de l’£vöque et attendre
lä le moment favorable pour pousser plus loin leur mission. Lausanne
etait devenu par le fait un centre d’observation fransais, dont on ne
peut malheureusement qu’&ablir l’existence sans pouvoir avoir des
documents suffisants pour en etablir l’importance*. Mais si Fon songe
que nous sommes au moment oü les Suisses vont prendre parti entre
le roi de France d’un cötd, le pape et l’empereur de l’autre, on peut
deviner Fint£r£t tr&s puissant qu’offrait l’observatoire, d’autant plus
qu’Aymon n’&ait pas seulement l’dveque de Lausanne. Il fut encore
pendant la plus belle partie de sa carri&re £piscopale, de 1497 ä i5io,
l’administrateur de l’dvechd de Genöve, et comme son autoritö spiri¬
tuelle s’^tendait jusqu’ä Berne et Soleure, on voit d’ici combien le
pr^lat pouvait £tre d’un prdcieux appui. L’ardent adversaire de l’in-
fluence framjaise, le Cardinal Matthieu Schinner, s’en rendait parfai-
tement compte. L’dveque de Sion avait £t£ aux prises avec l’eveque
de Lausanne, en i 5 o 6 , alors que celul-ci defendait les int^rets du duc
de Savoie alli£ k la France 8 . Quatre ans plus tard, nous voyons
Schinner intervenir dans les affaires de l’ev£ch6 de Lausanne. 11
s’agissait d’obtenir la rösignation d’Aymon de Montfalcon qui etait
alors kg£ de plus de 70 ans, et de le remplacer par un personnage
d’un tout autre caractfcre, le protonotaire Nicolas de Diesbach, prfvdt
1
%
1 Ed. Rorr. Histoire diplomatique de la France aupris des cantons suisses, \
t. 1 , p. 167-168 et Abschiede, t. III, p. 452 et suiv. Bibliothique cantonale de |
Fribourg, collection Girard, t. XII. j
* M. Rorr (p. 11 5 ) annonce une biographie d’Aymon et d’autres envoy^s ordi-
naires du roi de France. On y trouvera sans doute des £claircissements k ce sujei.
• Abschiede , t. III, p. 342 et suiv. A. C. V. S6rie A B 14.
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deSoleure l . Averti des men^es de Matthieu Schinner k Rome, le duc
deSavoie intervint en faveur d’Aymon, et finalement le pape Jules II,
qui connaissait personnellement l’eveque de Lausanne et s’en etait
servi lui aussi pour des missions diplomatiques, laissa le vieil dveque
en Charge. Plus tard, en 1 5 1 3 , il lui donna simplement un coadjuteur
dans la personne de S^bastien de Montfalcon, son neveu. Si le Car¬
dinal Schinner cherchait k placer un de ses favoris sur le si&ge de
Lausanne, il est probable que la sant6 d’Aymon n’en dait pas l’unique
raison, et qu’au delä il voyait l’influence fran<;aise k dcarter. Mais si
le Cardinal Schinner n’atteignit pas son but par ce moyen, il y parvint
cependant d’une autre manide, car en i 5 ia les Ligues suisses se
prononcferent ddfinitivement contre la France : l’dveque de Lausanne
etait trop Ag£ et infirme, semble-t-il, pour pouvoir intervenir encore;
on ne le voit plus dfcs i 5 io md£ k aucune n^gociation diplomatique.
Ay:
lllll
de B
artiste et lettr6
Evßque vigilant, administrateur prudent, diplomate avis£, Aymon
de Montfalcon 6tait en meme temps un lettrd On sait que l’6v£que de
Lausanne, qui le premier fit imprimer le missel, le rituel, le br^viaire
et les constitutions synodales du diocfcse, aimait k s’entourer de lettrds.
Une enluminure d’un manuscrit de l’^poque renfermant l’une des
oeuvres du pode bourguignon Antitus montre le pode prdentant
son ouvrage k l’^vfique Aymon ; le texte montre d'ailleurs qu'il dait
un de ses familiers; c’est ainsi qu’il y fait allusion k Tun de ses
neveux mort de la rage. Nous avons reproduit ailleurs ce portrait *.
D’autre part, k aucune pdiode de l’histoire du chapitre de la cathd
drale de Lausanne, on ne vit autant d’illustrations que de son temps :
Francois de Colombier, l’^vdque du de Lausanne en 1491, brillant
1 Chronique du Chevalier Louis de Diesbach, publiäe par M. Max de Diesbach,
Genire 1902, notes p. 112.
* Reymond, Les Dignitaires de l’iglise Notre-Dame de Lausanne , p. 144. Le
manuscrit appartient ä M. J. J. Mercier-de Molin, beau-frfcre du regrett* pr*sident
de la Soci*t* d’hisioire de la Suisse romande. C’est un po*me k sentences morales.
Eo Toici un sp*cimen :
Quant gendarmeaulx ont mang* le bon homme,
Viennent apr*s les procureurs des cours,
Plus affamez que n’est la court de Rome,
Pour exigez dor et dargent grant somme.
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io6
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professeur de droit avant d’&tre abbd de Hautecombe et de Montheron;
Claude de Chiteau vieux, qui fut archeveque de Tarentaise; Claude
d’Estavayer, qui devint dvSque de Belley et le premier chancelier de
l’Annonciade; Claude de Seyssel, ambassadeur du roi de France,
historien reputd, mort dveque de Marseille ; Pierre Tartaret, de
Romont, cdlfcbre professeur ä la Sorbonne de Paris. A cöte d’eux,
d’autres qui ne jou£rent qu’un röle local, mais important : l’inergique
vicaire gdneral Baptiste de Aycardis, qui mourut de la peste; le cha-
noine Guillaume Colombet, qui fit peindre le manage de saint Joseph
au narthex de la cathedrale; le celterier Francois de Vernets, donton
connait la biblioth£que qui est celle d’un humaniste tr£s eclectique 1 .
La qualite de cet entourage est caract^ristique des tendances artis-
tiques et littdraires d’Aymon de Montfalcon. A-t-il öcrit lui-meme?
On ne peut le dire avec certitude. L’archiviste d’Etat de Neuchätel.
M. A. Piaget, a vu autrefois aux archives de Turin deux pi^ces de
vers signees de lui et qui ont dtd ddtruites plus tard lors d’un incendie
de la collection. D'autre part, l’architecte de l’Etat de Vaud, M. E. Bron,
faisant, il y a quelques anndes, une rdfection du vestibule du chäteau
Saint-Maire, aujourd’hui stege du gouvernement vaudois, a constate
qu’il dtait couvert de peintures qu’il a pu faire rdapparaitre, et qui
constituent de prdcieuses seines de moeurs. Ces peintures sont accoro-
pagnees de legendes en vers latins eten vers fran^ais, malheureusement
tr6s mutilees, et dont M. le professeur Piaget n’est pas loin d’attribuei
la paternitd ä l’dvöque de Lausanne lui-meme. L’une des plus caracte-
ristiques de ces peintures represente un ecusson : en chef, ä gauche, 1«
papc avec la clef de saint Pierre, entour£ de cardinaux, ä droite
l’empereur avec glaive et les princes; au centre, un laboureur ä la
charrue, en pointe un bücheron coupant du bois. Le po£te met dans |
la bouche du laboureur deux vers dont le premier seul est lisible : j
Peres, Roys ne me desjettez
Car ung mole. gatez (?)
Googl
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■
!
Une autre inscription surmonte l’^cusson ; le dernier vers est
celui-ci :
Peult petit homme hault venir.
Si le texte ne peut etre enti&rement lu, le sens gendral est assez
clair : « Papes, rois, ne me m^prisez pas; je Supporte le monde, et
1 Voir ces noms dans Reymond, Les Dignilaires de l'iglise de Lausanne.
9
i
— 107 —
petit homme peut arriver au sommet. » Cette sentence, ä la porte de
I’eveque, ne manque pas d’originalite et de hardiesse. Si eile n’est pas
d'Aymon de Montfalcon lui-mdme, tout au moins a-t-il dü l’approuver.
L’un des secrdtaires de l’dveque, le chanoine Perceval Gruet, a
iaissd un minutaire fort interessant oü l’on voit pour ainsi dire le
prelat dans l’intimite : il administre ses biens, rdgle des diffdrends
entre eures et paroissiens ou entre gentilshommes, nomme aux bdnd-
fices ecclesiastiques, institue des clercs, bdnit des chapelles, accorde des
indulgences, etc. Ce minutaire entre dans quelques autres ddtails encore.
C'est ainsi que le 25 mars 1497, le citoyen Gui Pernaud, de Lausanne,
remit ä son chapelain Pierre Roset, curd de Gruydres, un manicorde
ä pedales, valant trois florins d’or, qui est sans doute l’instrument de
musique gdndralement appeld monocorde. Ailleurs, on voit l’dvdque
posseder un organon, qui est vraisemblablement un petit orgue. Plus
tard, se trouvant k Bruxelles pour le mariage du duc Philibert de
Savoie avec Marguerite d’Äutriche, il passa contrat le 7 octobre i 5 oi
avec Petrequin Oupem de Odouard et Michel de Bracahebe de
Bruxelles, tapissiers, qui s’engagdrent ä travailler pour lui, de leur
an, pendant une annde durant, au prix de 40 fr. de 20 gros de
Savoie 1 (2,160 fr. d’aujourd'hui environ). Il n’y a gudre de doute
queces artisans n’aient dtd employds ä orner le chdteau de Lausanne
de tapisseries de Flandres. On peut voir d’ailleurs par le bahut
d’Aymon de Montfalcon, qui a pris place au musee de Cluny, que
ce prdlat s’dtait entourd d’un mobilier luxueux.
La demeure episcopale, ou chäteau Saint-Maire, avait dtd cons-
truite un sidcle auparavant (avant 1406) par l’evdque Guillaume de
Menthonay. Mais Aymon en modifia sensiblement l’aspect, par la
construction d’un vestibule surmontd de deux dtages, annexe aujour-
d’hui en partie masqude et mutilde par des annexes postdrieures. Ce
fut lui qui erda la « Chambre de l'eveque » comme l’on dit aujour-
d’hui, salle au plafond ä Caissons, avec une belle cheminde armoride,
avec la celdbre devise d’Aymon : Si qua Jata sinant *. Cette pidee,
que les anciens documents nomment la chambre neuve ou la belle
chambre, dtait relide directement aux pidees du nouveau vestibule.
Elle semble avoir formd l’appartement privd de l’dvdque, avec les
1 A. C. V. Minutaire Gruet, p. 1 3 , io 5 , etc.
1 Rktmond, Les chdteaux ipiscopaux de Lausanne , 1911. Ce volume a M 6crit
avaot la d£couverte des peintures dont nous parlons plus bas.
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chambres voisines. Peut-6tre y avait-il dans l'une de ces salles ia
chapelle privee de lev&que, au vocable de Saint-Nicolas. Mais cela]
n’est point sür. Au rez-de-chaussde, une autre piöce montre l'ivtque
Benoit de Montferrand, ä genoux, entoure de prötres, regardant un
autel figure par une fen&tre et vers lequel se tournent aussi une
foule de lalques egalement en prieres; la voüte represente Dieu le
P£re sur son tröne. Cette peinture, qui semble se rapporter ä une.
chapelle, est anterieure ä Aymon, mais tout ä cötd une autre peinture
representant une femme sur un cheval fougueux avec une inscription
rappelant ä la jeunesse d’avoir a moddrer ses passions, date bien de
ce dernier. En m^me temps, Aymon de Montfalcon fit decorer le
grand corridor du chdteau des compositions picturales dont nous
avons parle, curieuses notamment par la varidte et l’dlegance des
toilettes feminines, et qui paraissent dues ä un artiste bourguignonJ
D'aprts un graphite, ces peintures sont antdrieures ä 1509.
L’evdque fit aussi restaurer la charmante dglise de Curtilles, dans
Tun de ses domaines pris de Lucens, et cette restauration nous inte-
rcsse, parce quc Tun des vitraux represente Aymon lui-meme, ä un
äge avancd. L'ceuvre n’est pas merveilleuse au point de vue artistique:
c’est ainsi que la main droite est ddmesurdment grossie. Mais eile
präsente d'Aymon un portrait triis vraisemblable et uh caracte-
ristique : cheveux blancs, corps epais, nez arque bien accentue, phy-
sionomie ä la fois ferme et douce, intelligente avec un brin d’ironie 1 .!
On a d'Aymon deux autres reprdsentations, plus stytees et moin$
naturelles, en relief sur l’une des Stalles de la cathedrale. L eveque jr
est les deux fois ä genoux, protdgö dans Tune par saint Benoit, le
patron de 1 'Ordre des Benödictins auquel il appartenait, et par saint.
Jean-Baptiste, puis dans 1 autre par saint Maurice et les martyrs]
thebains pour lesquels Aymon avait une dövotion particulifere.
L’oöuvre d’Aymon de Montfalcon ä la cathedrale
Dejä avant son avönement k l’episcopat, en i486, Aymon de
Montfalcon avait fait construire au cimetiöre de Douvaine en Savoie
une chapelle dedide au martyr thebain Second. L’ev£que de Lausanne
conserva pour les martyrs d’Agaune la meme predilection. A ri®i-
1 Reymohd, Dignitaires de l’tglise de Lausanne, p. 388, 52.
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iog
tation des grands dvfcques frangais de l’lpoque, il voulut marquer son
passage par un monument important dans la cath^drale. Dans sa
seance du 25 septembre 1504 , le Chapitre, qui £tait le maitre absolu
du sanctuaire de Notre-Dame, accorda ä l’lvgque l’autorisation de
construire un nouveau portail, a l’extlrieur de la grande entrde, ainsi
qu’une chapelle ä l’intlrieur sous le clocher non termind. Cette
chapelle est celle de saint Maurice et des martyrs th^bains, et les frises
si richement sculpt^es de l’^brasement du portail contiennent entre
autres les statuettes de douze saints rattaches aux martyrs th^bains.
On trouvera dans l’importante £tude de M. le chanoine Dupraz
sur la Calhterale de Lausanne 1 des dötails copieux sur ces travaux
artisiiques. Nous n’y reviendrons pas. On a discut£ et l’on discutera
encore longtemps du goüt qui a prdsidd k l’edification du portail. Les
restitutions qui ont faites de l’etat de l’entr^e de la cathddrale avant
Aymon de Montfalcon permettent de se faire une opinion sur ce sujet.
Mais une fois le principe admis d’un portail flamboyant appliqu^ ä
un ediöce gothique, on ne pcut qu’admirer la facture de l’ouvrage.
* Ce portail est si complexe, a dit le sculpteur Raphael Lugeon, il
denote une teile science de la stdreotomie; l’art du tracd y est portd k
un tel degre de perfection, l’appareillage est si savant, si bien dtudid,
si logiquement combind, la composition gdndrale si bien dtablie, les
details si remarquablement raisonnds, l’ensemble prouve une dtude
si approfondie, qu’il a certainement fallu pour mener k bien cette
ttuvre magistrale un effort et un temps considerables *. » On sait que
le travail dura fort longtemps et ne fut acheve qu’au temps de Sdbas-
üen, le neveu d’Aymon. Il y avait eu des divergences de vues entre
l'eveque qui aurait prdfdrd mettre une fagade k l’entrde de la nef, et
le chapitre qui la voulait k l’extdrieur; entre 1’evSque et le chapitre
encore k propos du droit de patronat de la chapelle. Ces conflits,
comme aussi la lenteur ndcessaire ä la composition du plan de ddco-
ration du portail, expliquent dans une certaine mesure la mercuriale
qu’en 1 5 1 3 le pape Ldon X adressa k l’dveque, disant qu’il laissait
lentrde de la cathedrale et les chapelles qui s’y trouvaient exposees
ä la pluie et au vent, pr^förant enrichir ses parents que d’achever la
restauration de l’ddifice. Mais il y a dans cette bulle des exag^rations
et meme des erreurs de fait si Evidentes qu’on ne peut la prendre k
1 Dupraz, La cathedrale de Lausanne, Lausanne, 1906, p. 4 85 et suiv.
’ Patrie suisse, 11" ann£e, p. 293-294.
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la lettre, et si Ton songe qu elle est envoyee ä Tev&que de Sion, le
Cardinal Schinner, au moment meme oü Rome allait choisir un
coadjuteur ä Aymon, on peut se demander si l’injonction pontificale
n’a pas un autre but encore que celui de satisfaire au desir du chapitre.
Aymon s’intöressait d’ailleurs manifestement davantage ä ledifi-
cation de la chapellc de Saint-Maurice pour laquelle il avait les mains
libres, qu a celle du portail qui etait pour lui une source de conflits
avec le chapitre et lui coütail des sommes considerables. 11 y a des
raisons de croire que les travaux essentiels de la chapelle eiaient
achev^s en i 5 og dejä, date marquee sur une porte aux armes des
Montfalcon l . Elle devait etre fort belle, car les superbes Stalles que
Ton voyait naguäre dans la net et qui ont £te recemment reposees
dans la chapelle, en occupent exactement trois parois, la quatri&ne
dtant rdservöe a l’autel dont plus rien ne subsiste malheureusement.
Ces Stalles, pour lesquelles on s’est servi de penitences du treiztoc
stöcle, sont d’un travail extraordinairement richc et fin et donnent
une haute idee du prelat qui les a inspirees et de l'artiste qui les a
executees.
La mort d’Aymon de
ui
tfalcon
C’est lä, dans le sanctuaire intime soigneusement amenage par
lui, que Mgr Aymon de Montfalcon voulut finalemcnt reposer. II
mourut le io aoüt 1 5 17 au chäteau Saint-Maire, dge denviron
soixante-quinze ou quatre-vingts ans. Le lendemain dans l'apris-midi,
apres le chant des vepres et les vigiles des döfunts, dit le manualc
du chapitre, le corps de l’öveque fut inhume avec grand honneur dans
sa chapelle nouvellement fond^e.
II y a quelques ann^es, Tarchitecte de la cathedrale a recherche
dans la chapelle les traccs du tombeau d'Aymon. II n’a rien trouve. II
$
est probable que le tombeau a 616 ouvert et pilte par les Bernois qui
ont jete aux vents les cendres du grand evöque de Lausanne. Maisils
n’en ont pu faire disparaitre le Souvenir. Les armes d’Aymon se
retrouvent partout, au chäteau et plus encore ä la cathedrale, avec la
devise si m^lancolique et Jesabusee de l’dveque, Si qua /ata sinanl,
« Si les destins le permettent ». Que l’avenir devait-il lui donner, dans
sa pensee? A quelles aspirations revait-il, en meme temps qu’il *
1 Dupraz, La cathedrale de Lausanne, p. 1 55, 488 , 535.
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III
soumettait ä la volonte de Dieu, par cette devise qui, sous une appa-
rence fataliste, tdmoigne peut-etre aussi d’une rdelle humilitd ? Nous
ne le saurons sans doute jamais. Mais les destins ont permis qu’une
Partie au moins de son oeuvre religieuse et artistique restät debout,
gräce k laquelle nous pouvons entrevoir qu’Aymon de Montfalcon
fut Tun des personnages les plus intdressants de la Suisse romande
au ddbut du XVI me sidcle, et Tun des plus dignes et des plus
grands successeurs de saint Maire et de saint Amddde.
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Liturgisches aus Beromünster.
(Tropen und Cantiones)
Von Prof. Joseph TROXLER, Münster (Luzern).,
i
4
, \
\
Das Stift Beromünster bewahrt in seinem Kirchenschatze drei
mittelalterliche liturgische Bücher, die wegen ihrer kostbaren Einbände
von Kunstkennern mit Recht hoch geschätzt sind : das Epistular,
das Cantatorium und das Evangeliar l . Diese Handschriften bergen
aber auch einen wertvollen Inhalt.
Das Epistular mit elfenbeinerner Einbanddecke, aus spatroma¬
nischer Zeit, enthält die Episteln auf die Sonn- und Festtage des
Kirchenjahres und ist im n. oder 12. Jahrhundert geschrieben. Das
Cantatorium mit geschnitzten Elfenbeindecken aus dem 9. oder
lo. Jahrhundert ist ein Buch mit den Messgesängen für den Solisten
und stammt seinem Inhalte nach (70 Pergamentblätter, 26 : 16cm.);
aus dem 12. Jahrhundert. Das Evangeliar , dessen Einband aus zwei
mit vergoldetem Silber überzogenen Holzdecken besteht, gehört der
ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts an und enthält die evangelischen
Perikopen des Kirchenjahres (114 Pergamentblätter, 35 : 25 cm.).
Aus dem Inhalt der beiden letzten Manuskripte teilen wir eine
Anzahl Tropen mit; das Epistular weist keine solchen auf.
Tropus 2 im liturgisch-hymnologischen Sinne ist die Interpolation
1 Eine nähere Beschreibung bei K. A. Kopp , Die Stiftsbibliothek von Bero
münstcr, 11 . Teil (1904), S. 3 IT. Vergleiche Adolph Goldschmitt , die Elfenbein*
Skulpturen aus der Zeit der karolingischen und sächsischen Kaiser, 8.-11. J* hr -
hundert. 2 Bde. Berlin 1914-18.
* Nach Peter Wagner , Einführung in die Gregorianischen Melodien, 1 . Teil
2. Aufl., 1901, S. 282-300, mit vielen Beispielen von Tropen — und P . Clemens
Blume , S. J. t in Buchbergers Kirchl. Handlexikon II (1912), 2464 f. Vergl. web
Ders. t Poesie des Hochamtes im Mittelalter, in Stimmen aus Maria-Laach, Bä. 7 1
(1906), S. 1 8-38 ; E. Michael. S. J. t Geschichte des deutschen Volkes IV r (10061.
33 o fl*.; Lion Gautier, Histoire de la poösie liturgique au Moyen-Age. 1 : l cs
Tropes. Paris 1886.
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«3
oder die durch Interpolation, d. h. durch Einleitungen, Einschaltungen
und Zusätze bewirkte Ausschmückung eines liturgischen Textes.
Der Name ist griechisches Lehnwort und war ursprünglich ein
musikalischer Terminus; als solcher ist er bei den Lateinern gleich¬
bedeutend mit modus, modulus (Modulation). Das Kyrie eleyson
z. B. hat in alten Quellen und jetzt noch über dem e von Kyrie ein
langes Melisma, eine reiche Notenfolge, tropus genannt; der diesem
Melisma unterlegte Text erhielt frühzeitig den gleichen Namen,
ähnlich wie der Name Sequenz, d. i. die Notenfolge über dem a des
Alleluja, von der Melodie auf den unterlegten Text übertragen
wurde.
Die Tropen sind auf byzantinische Einwirkung zurückzuführen ;
bis ins 12. Jahrhundert hinein enthalten sie viele griechische Worte.
Die St. Galler Geschichtschreiber betrachten als ihren Erfinder den
Mönch Tuotilo (gestorben um 91 5 ), von dem sich mehrere Tropen
erhalten haben; Ursprungsstätte ist aber wahrscheinlich Frankreich,
von wo sie, im 9. Jahrhundert entstanden, schon im 10. und beson¬
ders im 11. Jahrhundert überallhin sich verbreiteten. Jene zum
Proprium Missarum erloschen im 12. und i 3 . Jahrhundert, die
übrigen lebten vielfach bis zum 16. Jahrhundert fort. Ihre Verfasser
sind meist unbekannt.
« Wie eine Flut überschwemmten die Tropen mit der Zeit die
sämtlichen Gesänge der Messe und des Officiums; nur von Tropen
des Credo hat nie etwas verlautet; man wagte es offenbar nicht,
die geheiligte Form des Glaubensbekenntnisses anzutasten. Im
allgemeinen verlief die Ausbildung der neuen Form entsprechend
derjenigen der Sequenzen; die ersten Tropen, diejenigen Tuotilos
und seiner direkten Nachfolger, sind in Prosa geschrieben, gelegent¬
lich begegnet man einem Hexameter. Von der zweiten Hälfte des
n. Jahrhunderts an tauchen Tropen auf, die einen ausgiebigen
Gebrauch vom Reime machen, und von da an sind die Tropen meist
in metrischen Formen abgefasst, besonders in jambischen und
irochäischen Versen. Jene Tropen sind immer nur Interpolationen
des liturgischen Textes, diese entwickeln sich zu selbständigen
Gedichten, die neben die offiziellen Worte treten, sie verdunkeln
und in den Hintergrund drängen. In der ersten Periode werden
vorzugsweise Messgesänge, in der zweiten besonders Offiziumsgesänge
tropiert.
Die Zahl der Tropen ist Legion, besonders derjenigen des
REVUE d'iiistoire ecclesiastique 8
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— ii4 —
Ordinarium Missae; sie gehören mil den Sequenzen zu den interes¬
santesten und charakteristischsten Erzeugnissen mittelalterlicher
Glaubensfreude und frommer Dichtung.
Bei der Beurteilung tropierter Stucke des Ordinarium Missae
darf man nicht vergessen, dass die Texte des Kyrie , Gloria, etc., I
keine direkte Beziehung auf den Charakter des jedesmaligen Festes
enthalten, während sich eine solche wohl in den wechselnden Texten
des Proprium ausspricht. Da waren Einschaltungen in den Teit,
wenn man einmal über das liturgisch Bedenkliche derselben
hinwegsieht, immerhin ein Mittel, alle Texte der Messe mit den
durch das Fest nahegelegten Gedanken zu durchtränken ; die so j
entstehende Einheit und der Zusammenhang aller auf einen Punkt j
•
gerichteten Gesangstexte waren doch nicht ohne ästhetische Bedeutung.
Seltsam ist, dass man sogar die Lesungen aus der heiligen Schrift
mit Erweiterungen ausstattete; doch bilden derartige Tropen immer
nur seltene Ausnahmen, wenn sie auch in Frankreich erhöhte
Bedeutung dadurch gewannen, dass man sie in der Volkssprache
abfasste und zum Volke gewendet vortrug. Solche Farciturae oder
Farsiae (Füllungen), wie man sie nannte, waren meist nur die
Uebersetzung der Epistel und besonders für die Messen von Weih¬
nachten und der folgenden Tage beliebt K »
Die zahlreichen Tropen sind vom poetischen Standpunkte aus
meist minderwertig; für die Entwicklung der Poesie, Musik und
Liturgie aber sind sie hochbedeutsam und kulturell sehr interessant.
Statt kurzer Einschiebsel wurden nämlich bald mehrere Verse, eine
ganze Strophe, schliesslich viele Strophen in den liturgischen Text
eingefügt, das Beiwerk wurde zur Hauptsache. Die Tropen wuchsen
aus zu selbständigen Cantionen, Motetten und führten zum geistlichen
Volkslied ; der dramatische Charakter der Tropen zum Introitus
auf Weihnachten und Ostern entfaltete sich allmählich zu den
Mysterien und geistlichen Schauspielen. Schliesslich ging es vom
Liturgischen und Religiösen zum Profanen und die Tropen arteten
aus in Liebes-, Spiel- und Wirtshauslieder. Diese Exzesse beschleu¬
nigten ihre vollständige Ausscheidung aus der Liturgie durch das
Konzil von Trient.
1 Wagner, a. a. O.
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1. Tropen im Kyrie
Kyrie, fons bonitatis, pater ingenite, a quo bona cuncta procedunt, eleyson.
Christe genite, summt patris unice, quem de virgine nasciturum mundo
mirifice sancti praedixerunt prophetae, eleyson.
Kyrie, ignis dipine, pectora nostra succende, ut digne pariter te laudare
possimus omnes, eleyson. (Cantatorium fol. 58 b .)
*
0 0
Kyrie, firmator sancte firmamenti, eleyson.
Kyrie, compactor sacri fundamenti , eleyson.
Kyrie, o summe splendor ornamenti, eleyson.
Christe, leofortis , pictor mortis, eleyson.
Christe, summi regis auctor legis , eleyson.
Christe, W/ae rfo/or et salpator, eleyson.
Kyrie, fo//e grapamen, rfans cunctis lepamen, eleyson.
Kyrie, amborum flamen, iustorum solamen , eleyson.
Kyrie, trinitas alma, /e confitentes et colentes salva, eleyson.
(Cantatorium fol. 6o.)
Cunctipotens genitor, Deus omnicreator, eleyson, Kyrie eleyson.
Fons e/ ori#o 6oni, pie, luxque perhennis, eleyson, Kyrie eleyson.
Salpificet pietas tua nos , 6one rector, eleyson, Kyrie eleyson.
Christe, Dei splendor, pirtus patrisque sophia, eleyson , Christe eleyson.
Plasmatis humani factor, lapsis reparator, eleyson, Christe eleyson.
Ne /ua dampnetur, Jesu, factura , benigne eleyson, Christe eleyson.
Amborum sacrum spiramen, nexus amorque, eleyson, Kyrie eleyson.
Procedens fomes, pitae fons purificans nos, eleyson, Kyrie eleyson.
Purgator culpae, peniae largitor opimae , eleyson, Kyrie eleyson.
Offensas dele , sancto nos munere reple, Spiritus alme, eleyson,
Kyrie eleyson *. (Cantatorium fol. 6o*.)
Äex, Deus aeternae, sine principio, sine fine, Kyrie eleyson.
Ordine qui rerum cursum facis esse dierum, Kyrie eleyson.
Fons pitae, menti dans pocula te scicienti, Kyrie eleyson.
Christe, sophia patris et forma suae deitatis, ipsius est perbum, quod pro
nobis caro factum, Christe eleyson.
1 Dieses im ganzen christlichen Abendlande verbreitete tropierte Kyrie ist
mit etwas abweichenden Lesarten abgedrucltt bei Wagner a. a. O. Seite 284, und
*on Blume in Stimmen aus Maria-Laach, Bd. 71, Seite 23 ff., wo sich auch
näheres Ober seine Geschichte findet. — Kyrietropen sind nunmehr über andert¬
halbhundert durch den 47. Band der Analecta hymnica medii aepi, hrsg. von
Blume und Drepes, wieder ans Licht gezogen.
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— 116 —
In te cum macula peccati non foret ulla, legem sancscisti legis sancftaei,
Christe eleyson.
Morte necans mortem, te vincens in cruce fortem , vitam donasti surgens
et ad astra levasti, Chrisie eleyson.
Sacrum spiramen peccatorumque levamen, Kyrie eleyson.
Purifica mentes, procul hostes pelle nocentes, Kyrie eleyson.
Ungeque pcctora, destrue vincula, gaudia dona, in patre proleque qui
iustis datur aequa corona, ut vitae munus videatur trinus et unus,
Kyrie eleyson. (Cantatorium fol. 6i b .)
*
* *
Ave nunc genitrix Maria, eleyson, Kyrie eleyson.
Ave nunc clara maris Stella , eleyson, Kyrie eleyson.
El porta in domo Dei clausa, eleyson, Kyrie eleyson.
Christi veri templum extitisti, eleyson, Christe eleyson.
Alvum ad exemplum praebuisti, eleyson, Christe eleyson.
Virgo mater esse meruisti, eleyson, Christe eleyson.
Adiuva te collaudantes in confessione, eleyson, Kyrie eleyson.
Adiuva te deprecantes in oratione, eleyson, Kyrie eleyson.
Adiuva tibi faventes teque venerantes et dicentes : Ave, eleyson, Kyrie eleyson.
(Cantatorium fol. 63 .)
Rubrik : ln summis festis :
Kyrie eleyson. Christe eleyson. Kyrie eleyson.
Canamus cuncti laudes ymnißcas soli Deo placidas, Kyrie eleyson.
Qui pius salvas semper et protegis te sequentes in aevum , Kyrie eleyson.
Quem nunc adoramus glorificantes et laudantes devote, Kyrie eleyson.
Christo melos et odas canentes psaltimus sic laetantes in aevum , Christe
eleyson.
Quem superi coelorum atque angelica venerantur agmina, Christe eleyson.
Oboediunt omnia illique factura coeli, terra et aquae, Christe eleyson.
Almipotens, qui regis alta coelorum, summa et cuncla moderaris terrena,
Kyrie eleyson.
Fac nos tuis insistere laudibus amoenis, quas cecinere summa praesagit,
Kyrie eleyson.
Doxa patri ac pariter filio addito spiritui sancto canamus omnes voce
sonora, Kyrie eleyson. (Cantatorium fol. 64.)
2. Tropen im Gloria.
Domine fili unigenite, Jesu Christe et sancte Spiritus.
(Cantatorium fol. 61.)
Domine fili unigenite, Jesu Christe altissime.
(!b. fol. 62M
Domine fili unigenite, salus nostra, Jesu Christe.
(Ib. fol. 63 .)
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ii 7
Domine fili unigenite, Jesu Christe,
spiritus et atme orphanorum paraclite.
Domine Deus, agnus Dei, filius patris,
primogenitus Mariae virginis matris...
suscipe deprecationem nostram
ad Mariae gloriam .
Quoniam tu solus sanctus, Mariam sanctiflcans,
tu solus Dominus, Mariam gubernans.
tu solus altissimus, Mariam coronans, Jesu Christe.
(Ib. fol. 64.)
3. Tropen in der Epistel.
In Dedicatione ecclesiae :
Ad decus ecclesiae recitatur hodie lectio libri apocalipsis Johannis
apostoli, cui revelata sunt secreta coelestia. In diebus illis talis divinitus
ostensa est visio : Vidi civitatem sanctam Jerusalem novam, quae constituitur
in coelis vivis ex lapidibus, descendentem de coelo nuptiali thalamo a Deo,
paratam sicut sponsam ornatam viro suo super solem splendidum. Et audiyi
vocem magnam nuntiantem nova gaudia de throno dicentem : Veni ostendam
tibi, ecce tabernaculum Dei cum hominibus, et ad eum venient omnes gentes
tt dicent : Gloria tibi. Domine, et habitabit cum eis, nunc et in aevum.
Et ipsi populus eius erunt, omnes Dei gratia, quos a morte redemit perpetua,
et ipse Deus cum eis erit eorum Deus, qui moderatur cuncta creata : et
absterget Deus omnem lacrimam ab oculis eorum, quorum non sol , luna,
std Christus vera est lucerna : et mors ultra non erit, sed coeli praemia
perpetua, neque luctus, neque clamor, ubi cum beatis gloriantes nova canunt
üto carmina, neque dolor erit ultra, gaudia permanent sempiterna, quia
pnma tbierunt, iusti florebunt. Et dixit, qui sedebat in throno in supernae
n 'ai«(atis arce : Ecce nova facio omnia, divina providentia, sancti spiritus
gratia, per sacra mysteria renovatur ecclesia.
(Cantatorium fol. 49 b .)
4. Tropen im Evangelium.
ln Dedicatione ecclesiae :
In illo tempore : Ingressus Jesus, Dominus Deus Sabaoth, perambulabat
Jericho in salutem populi. Et ecce vir nomine Zachaeus, potens in terra,
el hie erat princeps publicanorum in diebus illis, et ipse dives in terra.
& quaerebat videre Jesum, quis esset, aspiciens a longe, et non poterat
P rae turba videre, quia statura pusillus erat. Praecucurrit quantocius et
praecurrens ascendit in arborem sycomorum velociter, ut videret illum inter
geltes, quia inde erat transiturus coelorum rex. Et cum venisset ad locum
s uspiciens Jesus vidit illum. Cum sublevasset oculos Jesus et dixit ad eum
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4.
n8
coelorum pius arbiter : Zachaee, festinans descende et suscipe regem
Christum, quia hodie in domo tua oporiet me manere. Festina ne tardaveris,
Domine, et festinans descendit festinavitque in domum ei accepit illum
gaudens plenum gratia et veritate. Et cum viderent viri mendaces, omnes
murmurabant. Cogitaverunt impii et locuti sunt nequitiam dicentes quia
ad hominem peccatorem divertisset laudabilis et gloriosus in saecula. Stans
autem Zachaeus in conspectu Domini Dei sui et dixit ad Jesum coeli et
terrae conditorem : Et ecce dimidium bonorum meorum, Domine, Deut
salutis meae, do pauperibus, quia sicut aqua extinguit ignem , ita elemosyna
extinguit peccatum et si quid aliquem defraudavi opere et sermone , reddo
quadruplum propter amorem Domini mei Jesu Christi, quem vidi , quem
amavi , in quo credidi, quem dilexi. Ait Jesus ad eum, qui post viliorum
ignes poenitentiae temperiem refrigerabat : Quia hodie salus domui huic
facta est, dimissa sunt ei peccata multa, eo quod et ipse filius sit Abrahae,
vir Deo plenus. Venit enim filius hominis, ex quo omnia, per quem omnia,
in quo omnia quaerere et salvum facere quod perierat. Ipsi gloria in saecula.
( Cantatorium fol. 70 b und auf beiden
hinten und vorne auf die Decken geklebten
Blattern ; die Tropen sind von gleicher Hand
aber in kleinerer Schrift geschrieben.)
* •
In Dedicatione ecclesiae :
In illo tempore : Iter faciente Jesu, ingressus Jesus, sol iustitiae,
perambulabat Jericho, in hac tacrimarum valle. Et ecce vir, nomine Zachaeus,
qui solebat in sericis procedere in divinis , et hic erat princeps publicanorum,
secundum genus saeculi, et ipse dives in thesauris: et quaerebat videre Jesum,
quis esset, qui nasci dignatus ist de Maria virgine : et non poterat prae
turba videre, quia statura pusillus erat et modicus. Et praecurrens ascendit
in arborem sycomorum, quia dilexit multum, ut videret illum desuper;
quia inde erat transiturus, sapientiam praestans parvulis. Et cum venisset
ad locum Dominus Deus Sabaoth, suspiciens Jesus vidit illum sereno vultu
et ait ad illum miserator Dominus : Zachaee, festinans descende in domum:
quia hodie in domo tua oportet me manere eo quod timeas Dominum. Et
festinans descendit iuxta praeceptum Domini, et accepit illum gaudens de
introitu regis. Et cum viderent homines viri mendaces, murmurabant
dicentes mundi cordis amatorem nil vitam sordidis habere vasis, quod ad
hominem peccatorem divertisset, desiderium habens castitatis. Stans autem
Zachaeus ac prava sua dcrelinquens itinera dixit ad Dominum in spmtu
humilitatis et in animo contrito : Ecce dimidium bonorum meorum, Domine.
do pauperibus in remissionem peccatorum : et si quid aliquem defraudavi.
idcirco ipse me reprehendo, reddo quadruplum secundum verbum tuum.
Ait Jesus iili : Jocundare, quia hodie salus huic domui facta est et vocabitur
aula Dei : eo quod et ipse filius sit Abrahae per gratiam, quam meruisti.
Venit enim filius hominis missus ab arce patris quaerere et salvum facere.
quod perierat. Tibi Christe sit laus et gloria. (Evangeliar fol. 94.)
oögle
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In festo S. Johannis Evangelistae :
In illo tempore : Dixit Jesus Petro tamquam primo, tamquam praevio ,
tamquam ecclesiae fundamento : Sequere me, non corporis gressibus, sed
fidei passibus et mortis doloribus. Conversus Petrus vidit iilum discipulum,
quem diligebat Jesus, sequentem, qui et recubuit in coena super pectus
eius, et dixit: Domine, quis est, qui tradet te ? Mitte de fratre quaerere, sed
tu magistrum sequere. Noli tremens deficere , noli lupum admittere. Hunc
ergo cum vidisset Petrus, dixit Jesu : Domine, hic autem quid ? Dicit ei
Jesus : Sic eum volo manere, donec veniam, quid ad te ? tu me sequere.
Custodi gregem fortiter et sustine viriliter , si fremit adversarius, non fias
mercenarius. Exivit ergo sermo ille inter fratres, quod discipulus ille non
moritur. Et non dixit iili Jesus : Quia non moritur, sed : sic eum volo
manere, donec veniam : quid ad te? His monstratur articulis que intrioens
in saeculis in tanto vitae tempore virgo fuit corpore. Hic est discipulus,
qui testimonium perhibet de his, et scripsit haec. Huius verba discipuli
credant tribus et populi. Hic plenus Dei gratia scripsit eius magnalia :
ctscimus, quia verum est testimonium eius. (Evangeliar fol. 66 b .)
5. Tropen im Sanctus.
Sanctus, genitor summi filii , quem concepit sancta virgo Maria,
sanctus, summi patris unigenitus, quem produxit mundo virgo Maria ,
sanctus, Spiritus sanctus, sub cuius umbra Christum genuisti , excellentis-
sima virgo Maria ,
Dominus Deus Sabaoth. Dominum exercituum interpella pro nobis , te
supplices rogamus, virgo Maria.
Pleni sunt coeli et terra gloria tua, quia gtoria angelorum ex te orta est ,
ideo ineffabiliter glorificaris, virgo Maria .
Hosanna in excelsis. Benedictus qui venit in nomine Domini. O nomen
ineffabile, quod nominatur filius , quem pro nobis ora , virgo Maria .
Hosanna in excelsis. ( Cantatorium fol. 67.)
*
* *
Sanctus, a quo sunt omnia ,
cuius omnipotentia
potest impossibilia,
sanctus, per quem sunt omnia ,
cuius mira gratia
prope videt humilia ,
sanctus, in quo sunt omnia ,
cuius sapientia
excedit consilia,
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120
Dominus Deus Sabaoth, quem contemplari agmina
desiderant uranica.
Pleni sunt coeli et terra gloria tua, cui famulantur condila
subiedlione debita.
Hosanna in excelsis. Salvifica fidelcm populum.
Benedictus filius , pietate cuius reformatur perditus
iussu patris coelitus,
Qui venit in nomine Domini, nobis inspirando , cooperando , remunerar.io
dona sui.
Hosanna in excelsis. (Cantatorium fol. 67V)
6. Tropen im Agnus Dei.
Agnus Dei, qui tollis peccata mundi, coelitus informans,
saeva nos morte reformans , miserere nobis.
Agnus Dei, qui tollis peccata mundi, salvans a poena ,
dam gaudia lucis amoena , miserere nobis.
Agnus Dei, qui tollis peccata mundi, turbae speranti
vera pro pace roganti, dona nobis pacem.
|Cantatorium fol. 68.»
• *
Agnus Dei, fom indeficiens trinitatis,
miserere, miserere, miserere nobis.
Agnus Dei, auctor summe bone bonitatis ,
miserere, miserere, miserere nobis.
Agnus Dei, pax aeterna , dator caritatis,
dona nobis, dona nobis, dona nobis pacem.
(Cantatorium fol. 68 b .)
*
• •
Agnus Dei, Danielis prophetia
quem produxit , hunc Maria
virgo mater genuit ,
Agnus Dei, iam descendit , ui mactetur,
plebs fidelis jocundclur ,
ecce Christus sumitur ,
Agnus Dei, vitam confert agnus ille ,
cui canunt chori mille ,
verum corpus sumite ,
dona nobis pacem.
(Cantatorium fol. 6 q.»
miserere nobis.
miserere nobis.
• *
Agnus Dei, Maria videns angelum ,
deitatis nuntium ,
per Spiritus umbraculum
virgo concepit ßlium ,
miserere nobis.
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121 —
Agnus Dei, Maria Jesum generans ,
quem Johannes praedicans,
reges de Saba veniunt,
aurum , thus, myrrham offerunt, miserere nobis.
Agnus Dei, per virginalem filium
sit nobis hic auxilium,
his cunctis circumstantibus
et nobis celebrantibus , dona nobis pacem.
(Cantatorium fol. 69.)
7. Tropen im Ite missa est.
In festo S. Michaelis Archang. :
Ite plebs fidelis ad Michaelis ghriam in coelis iam missa est.
*
In Dedicatione ecclesiae :
Ite Deo laus hodie in festo huius ecclesiae missa est.
(Cantatorium fol. 47 b und 49, von anderer
Hand am untern RandJ
8. Tropen im Libera.
Rubrik : Isti versus cantantur super Libera me Domine de defunctis,
in processione.
Libera me, Domine, qui ambulabat iacet, qui loquebatur tacet, clausi
oculi iumen non vident, nec aures ulla voce patebunt, omnia membrorum
officia conquieverunt, non est gressus ad ambulandum, nec sensus ad
percipiendum, nonne ista est domus quam invisibilis habitator ornabat ?
recessit qui non vidcbatur, remansit qui cum dolore premebatur. Ista est
causa tristitiae, cuius tristitiae tu sis consolatio, Christe. Quando coeli
movendi sunt etc.
Item :
Audi telius, audi magni maris nimbus, audi omne quod vivit sub sole,
huius mundi decus et gloria, quam sint falsa, quam transitoria, contestantur
haec temporalia non in uno statu manentia, nichil enim regalis dignitas,
nichil valet corporis quantitas, nil artium profunditas, nil valet diis falsa
divinitas. Nullum salvat nec genus nec species, nulli prodest auri congeries,
transit enim rerum materies, ut liquescit a sole glacies. Ubi Plato, ubi
Pompeius, ubi Porus, ubi Porphyrius, ubi Caesar, ubi Virgilius, ubi Flaccus,
aut ubi Darius, Alexander rex ubi maximus, aut Achilles ubi magnanimus,
cum Elena Paris pulcherrimus, ubi Hector Troum fortissimus ? Transierunt
legem mortalium per unius diei spatium, sed tu, Deus, rector fidelium, fac
te, Christe, nobis propitium, cum de malis fiat iudicium. Quando coeli
movendi sunt et terra. (Cantatorium fol. 69 b .)
f THE
f THE ü
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122
Zwischen Gloria und Sanctus sind in unserm Cantatorium
sogen. Conductus eingefügt. Der Conductus ist ein Lied, das unter
der Liturgie gesungen wurde, während der Priester oder die Leviten
von einem Orte zum andern sich bewegten, z. B. wenn der Diakon
sich zum Ambon begab, um das Evangelium zu singen. Der Con¬
ductus ist also dem Prozessionshymnus verwandt und gehört zu den
Cantiones , die, ohne liturgisch zu sein, doch in und neben der
Liturgie Verwendung fanden und eine Brücke vom Tropus zum
geistlichen Volkslied darstellen; sie unterscheiden sich von den
Tropen dadurch, dass sie wohl die Liturgie, nicht aber einen
liturgischen Text, interpolieren (Guido Dreves).
Wir lassen die vier Stücke hier folgen :
Fregit Adam interdictum
et reliquit hoc delictum
miseris posteris,
poenam culpae veteris.
Libera conditio
mergitur in vitio,
viget in natura
gravis coniectura.
O quanta miseria 1
Fregit homo pactum Dei,
in quo sumus omnes rci;
labimur, patimur,
aeternoque morimur,
donec virgo preterit,
quod natura preterit,
sola praeter morem
pium redemptorem.
O quanta gaudia l
Hic adiutor oportunus,
a peccato über unus
extitit, restitit
hosti, qui perdidit,
qui, dum petit humilem,
temptat invincibilem ;
Sathan enervatur,
vicit qui temptatur.
O quanta victoria !
(Cantatorium fol. 65 b .)
Conditor alme siderum,
ab alto, Jesu, prospice
et fessos fasce scelerum
ope salulis refice.
Deus carens origine,
vita, salus credentium,
qui natus es de virgine,
rex Christe, factor omnium,
veni, redemptor gentium.
Qui dominatur superis,
de terra fons exoritur,
dum iubar novi sideris
de maris stella nascitur.
O qualis incarnalio,
scribenti scribe calamo,
stupet naturae ratio,
cum virgo gaudet filio
procedenti de thalamo.
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123
Redemptos mortis pretio
festina tuos visita,
ne serviamus vitio.
Nobiscum, Deus, habita,
in te da recta sapere,
ut ne credamus, Domine,
te natum carnis genere,
sed mistico spiramine,
non ex virili semine.
(Cantatorium fol. 66.)
#
* *
Pater unigenitus, a quo sunt omnia,
excludit hominem procul a patria,
miro consilio, mira potentia
reponit exulem in sede propria.
Qui claudit omnia, nec ipse clauditur,
claustrum virgineum solus ingreditur,
unitur homini, quod Deus nascitur,
nec tarnen Deitas in hoc deprimitur.
Inaestimabilis est Dei miseratio :
ut servum redimat, non parcit filio,
descendens filius de regni solio,
commutans gloriam carnis officio.
(Cantatorium fol. 66 b .)
*
* *
Fraude caeca desolato
primo nostri generis,
mortis virus expalato
redundavit posteris,
sed merore desicato
corruptelae veteris,
hausit poenam cum peccato
iubar novi sideris. (Cantatorium fol. 66 b .)
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So macht man Geschichte
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Von P. Fridolin SEGMÜLLER.
Seit Jahrhunderten führt man den Kampf gegen die katholische
Kirche auch dadurch, daß man ein Zerrbild von kirchlichen Einrich¬
tungen und Persönlichkeiten entwirft und .dann gegen diesen Popani
anstürmt. So machte man es seit den Magdeburger Centurien bis
heute. Zwar sagt man bisweilen, der Kampf sei heute doch sachlicher
geworden. Keineswegs; durch Entstellungen und Unterstellungen,
durch Verzerrungen und Verleumdungen wird immer noch das Urteil
Tausender getrübt und ihr Gemüt vergiftet. Leider kann man mit
bestem Willen bei den meisten Urhebern solcher falscher Urteile und
tendenziös gefärbter Darstellungen keine bona fides annehmen; bis¬
weilen liegt perfide Absicht und Berechnung offen zutage. Ob für das
« Lehrbuch der Kirchengeschichte von Kurtz, neubearbeitet von Bonwetsck
und Tschakkert * das eine oder andere zutreffe, mag der Leser beur¬
teilen. Dieses zweibändige Werk, welches mir in 14. Auflage 1906
vorliegt, ist für Tausende protestantischer Studierender Leiter und
Führer in der Kirchengeschichte. Es wimmelt darin von irrtümlichen
Darstellungen und unglaublichen Entstellungen. Und doch zeigt gerade
die reichliche Verweisung auf katholische und auf objektive akatho-
lische Literatur, daß man die Wahrheit kennt oder kennen könnte.
Der Neubearbeiter des ersten Bandes, Bonwetsch, hat sich durch eine
Reihe von Publikationen als sehr vertraut mit allen Erscheinungen
des ältern kirchlichen Lebens ausgewiesen. In diesem Buch wird aber
das Schöne und Erhabene in der Kirche gewöhnlich schnell abgetan,
oft mit einer nörgelnden Bemerkung verkleinert, Mängel, Fehler und
Skandale mit wahrer Wollust breitgeschlagen, als gelte es, den Beweis
zu erbringen, die Urkirche schon und noch mehr das Christentum des
Mittelalters sei von Geist und Lehre Christi abgefallen. So läßt sich
leicht die Berechtigung und Notwendigkeit der sogenannten « Refor-
Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
125
uation * erbringen,die uns dann Professor Tschakkert in ihrer ganzen
Herrlichkeit schildert. Was Wunder, wenn Protestanten den Katho-
izismus nur im jämmerlichen Zerrbild kennen und sich vorstellen.
Denn die katholische Kirche in ihrem Wirken und Leben und aus
ingetrübten Quellen kennen zu lernen, dazu fehlt bei vielen die
3 elegenheit, bei mehreren der Wille. Über katholische Glaubensäuße¬
rungen und Erscheinungen hat man zum vomeherein sein hochfahrendes,
wegwerfendes Urteil bereit, ohne ins Wesen einzudringen, und: catho-
lica non leguntur. Doch lassen wir nun das Buch selber sprechen.
(Gelegentliche Bemerkungen sind in Klammer beigesetzt; Kurtz und
die Herausgeber werden mit Kurtz, HH. (Herausgeber) oder K. B. Tsch.
bezeichnet.)
Schon in der Literaturangabe werden katholische Fachschriftsteller
möglichst totgeschwiegen ; ihre Bedeutung heruntergesetzt, auf ihre
Beweisführung und Ergebnisse keine Rücksicht genommen: « Döllingers
Geschichte der christlichen Kirche .... hat alles, was an ultramontanen
Anschauungen nur halbwegs der Verteidigung fähig schien, mit glänzen¬
dem Scharfsinn aufrecht zu erhalten gesucht (I, 17). — Möhlers Auf¬
treten verhieß den Anbruch einer neuen Epoche katholischer Kirchen¬
geschichtsschreibung, sich darstellend in ebenso inniger Befreundung
mit der Form und den Mitteln protestantischer Wissenschaftlichkeit
(natürlich !), wie in entschlossener Abweisung ihres Inhaltes bei treuem
Festhalten an allen, das Wesen des römischen Katholizismus konsti¬
tuierenden Elementen (S. 17). Alzogs Geschichte verschmähte nicht,
von Hases frischsprudelndem Quellwasser auf ihre dürren Auen hinüber¬
zuleiten. » Trotz « selbständiger Forschung » wird ihm « Festhalten des
katholischen Standpunktes bis zum Glauben an die päpstliche Unfehl¬
barkeit » zum Vorwurf gemacht. « Kraus schrieb das wissenschaftlich
gediegenste katholische Kirchengeschichtsbuch bei diplomatisch reser¬
vierter und vorsichtig abgewogener Haltung_Jesuitische Anfech¬
tungen (nein, eigene Einsicht I) nötigten ihn zu manchen Ausmerzungen.
— Noch höhere Anerkennung verdient das in möglichst knapper,
nbersichtlichew Fassung und objektiver, überaus würdiger Haltung
abgefaßte, eine hervorragende Geschicklichkeit mit tüchtiger Sach¬
kenntnis und einem auf katholischer Seite seltenem Maße geschicht¬
licher Unbefangenheit bewährende Lehrbuch von Funk. » (S. 18. Warum
nehmen Kurtz und seine Herausgeber diese Vorzüge nicht zum Muster ?)
« Dagegen hat der Normal- und Vertrauenstheologe des Vatikans,
Hergenröther, aus der reichen Fülle anerkannter Gelehrsamkeit schöpfend.
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I 2 Ö
ein Handbuch geliefert, aus dessen geschickter und stoffreicher Dar¬
stellung sich erkennen läßt, wie die Geschichte der Kirche, ja der
ganzen Welt, durch eine korrekt geschliffene römische Brille angesehen,
sich ausnimmt. » Brück ist « an wissenschaftlicher Bedeutung ihn nicht
erreichend, aber an obstinatem Ultramontanismus übertreffend » (S. 18).
— Dem edlen Löwener Professor Jungmann wird «quellenmäßige
Darstellung, aber vatikanische Voreingenommenheit * zugelegt. Das
Kirchenlexikon von Wetzer und Welte hat «mit seinen im Geiste
Möhlerscher Wissenschaftlichkeit gehaltenen kirchengeschichtlichen Ar¬
tikeln eine achtungswerte Stellung eingenommen. Die unter den
Auspizien Hergenröthers in ihrer Art vortrefflich redigierte zweite
Auflage hat eine weit strammere vatikanische Haltung angenommen,
die öfter selbst die grellsten Ausgeburten mittelalterlichen Wunder¬
glaubens sich zu verwerten nicht scheut, auch in der Schön- und Schwan¬
färberei Unglaubliches leistet. *
Dagegen ist fast jeder noch so unbedeutende akatholische Kirchen¬
geschichtsschreiber « ein wissenschaftlich gediegener Meister gründlicher
Quellenforschung, objektiver Wiedergabe, besonnener Kritik ; er zeigt
Liebe und Ehrfurcht vor der Wahrheit, nie erreichte Vollständigkeit
und Quellenmäßigkeit, vorzügliche Charakterzeichnung, ästhetischen
Sinn der Gestaltung, Erfassung des Zusammenhangs mit dem allge¬
meinen Kulturleben, eröffnet neue Gesichtspunkte, ist von warmem
irenischem Geist durchhaucht, voll Verständnis für den innern Ent¬
wicklungsgang der Kirche, sein Werk ein geistvoller Versuch, der
Einblick in den Gang und die Entfaltung der geistigen Kräfte gewährt,
der Forschung vielfache Bereicherung und großen Aufschwung brachte,
maßvolle Haltung bei berechtigter Kritik anbringt; er vereinigt divina-
torischen Scharfsinn mit geistvollem Pragmatismus und künstlerischer
Darstellung, bringt den genuinen Geist reformalorischer Geschicks-
Schreibung zur Geltung. > (Das letztere tut freilich auch K. in mehr als
einer Beziehung.) Kurzum, alle Lobsprüche des Rezensenten- und
Reklamelexikons werden verschwenderisch ausgeschüttet. — Die Magde¬
burger Centurien «beruhen durchaus auf gründlichem Quellenstudium
bei herber Kritik gegen römische Lehrentartung. » Dagegen seien des
Baronius Annalen, « ein in römisch katholischer Anschauung ganz und
gar befangenes, bei allem Scharfsinn ganz und gar kritikloses Werk.»
Bossuet schrieb seine Discours sur l'histoire nach Hases Urteil, «mit
einer Einsicht in die Wege der Vorsehung, als habe der kluge Bischof
nicht nur in des Königs, sondern auch in Gottes Rate gesessen ». Die
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Anführung katholischer Gewährsmänner macht fast den Eindruck, als
wolle man akatholische Leser vor ihnen kopfscheu machen, katholischen
aber Sand in die Augen streuen. Auf ihre Beweise und Ergebnisse
wird nicht eingegangen, so daß man fast vermuten muß, Kurtz, B. und
Tsch. hätten nur ihre Titel gelesen.
Daß Verfasser und HH. im altkirchlichen Gemeindeleben, wo
i die Gemeinde ein mehrgliedriges Kollegium an die Spitze stellte *,
ein Vorbild des protestantischen Kirchenwesens erblicken, ist nicht
verwunderlich; darum wird Petrus gegen den «Bruder des Herrn,
Jakobus, * ganz in den Hintergrund gedrängt, Episkopat und Pres-
byterat identifiziert, wobei nur «die Arbeitsteilung einen äußerlichen
Unterschied begründete. » Mit sauersüßer Miene gibt man zu : « eine
in das Martyrium auslaufende Anwesenheit Petri in Rom ist wahr¬
scheinlich, mögen auch die Zeugnisse nicht ausreichend sein, sie ganz
außer Zweifel zu setzen » ; sein bischöfliches Wirken in Rom ist « Sage,
Frucht von heidnisch apokryphen Schriften » (S. 46 f.). Der bedeutendste
protestantische Kenner des kirchlichen Altertums sagt zwar: «Der
Martyrertod des Petrus in Rom ist einst aus tendenziös-protestantischen
(heute noch von K., B., Tsch.), dann aus tendenziös-kritischen Vor¬
urteilen bestritten worden .... daß es ein Irrtum war, liegt für jeden
Forscher, der sich nicht verblendet, am Tage .... Der ganze kritische
Apparat gilt heute als wertlos. » (Doch was ist Hamack gegen Kurtz und
HH ?) Vom behaupteten Gegensatz zwischen Petrus und Paulus ist
bei Klemens von Rom so wenig eine Spur als in den Paulusbriefen (S. 99).
«Etwas Wahres wird auch an der spätem Behauptung der Dona-
tisten sein, daß (Papst) Marzellinus mit Melchiades, Marzellus und
Silvester, die auch seine Nachfolger im Bistum (Rom) wurden, Christus
verleugnet und den Göttern geopfert habe.» (Augustinus sagt zwar,
daß die Donatisten diese Behauptung ohne den geringsten Beweis
aufstellen, doch K., B., Tsch. werden es nach 1600 Jahren besser wissen !)
Die Nazaräer und Ebioniten werden zu Christen gestempelt (S. 72).
Die Väter haben «den paulinischen Grundgedanken nicht fest¬
gehalten, vielmehr verkannt, verflacht, die vom Apostel gelehrte
Glaubensgerechtigkeit in Werkgerechtigkeit umgesetzt. Auch machte
sich eine Unfähigkeit zum tiefem Verständnis des Alten Testaments,
wie in der Umdeutung und Außerachtlassung der tiefsten paulinischen
Grundgedanken geltend. * (S. 97 f. Arme Heilige Väter! Wenn ihr ein
solches Inquisitionsgericht von K., B. Tsch. vorausgesehen hättet!)
Unter dem schweren Druck der Verfolgung hielt die Kirche
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zunächst am Chtliasmus fest. (S. 139. Private Ansichten mancher
Häretiker und auch einzelner Katholiken zeugen nicht für die Lehre
der Kirche.) Der Patripassianer Viktorinus ist der Papst Viktor,
der, «so scheint es *, für die modalistische Irrlehre gewonnen wurde.
(S. 136. Wo findet sich in der gesamten Literatur ein einziges Zeugnis
für diese Ungeheuerlichkeit ?) Nach der DidacJte, im Widersprach mit
verschiedenen Stellen der Apostelbriefe (? I. Thess. 5, 21; I. Kor. 12,
10 ; 14, 29 ; I. Joh. 4, 1, spricht doch von Mietlingen und Irrlehrern!)
steht der Gemeinde nicht die Prüfung der Lehrer und ihrer Lehre zu
(S. 142. Auch nicht nach Petrus und Paulus !).
Die Charismen, dieser «enthusiastische Geist *, werden durch
allmählige Einbürgerung in die sozialen Verhältnisse zurückgedrängt;
das exzentrische Auftreten der Montanisten gab ihnen den Todesstoß
(S. 142). — « Das Bedürfnis festerer Ordnung sicherte dem Episkopat
den Sieg über das Prophetentum und vollendete seine monarchisch-
klerikale Stellung mit der Folie der göttlichen Geistesfülle und geist¬
licher Machtvollkommenheit. In den Gemeinden hat bald einer ab
primus inter pares Hauptansehen. Von einem solchen Primat war der
Weg zur Suprematie gebahnt .... Die Ignatianen zeigen in Syrien
und Kleinasien einen monarchischen Episkopat, während in Philippi
und Rom uns kein solcher entgegentritt. Deshalb wird man geneigt
sein, die Anfänge des Episkopates in Kleinasien, nicht in Rom zu
suchen. Eine Ansicht, wonach die Bischöfe Nachfolger der Apostel
und als solche Erben der dem Petrus durch Matthäus 16, 18 L ver¬
liehenen Machtbefugnis seien, bildete sich nie im Abendland* (S. 143f.)
Katholizität ist nur Ergebnis der geschichtlichen Entwicklung und
Streben nach Ordnung .... Rom hat als Hauptstadt sich den Vorrang
zu erlangen gewußt (S. 150 f.) ;der Ketzertaufstreit sollBeweis dafürsein,
daß Rom kein besonderes Ansehen und keinen Vorrang besaß. P. Ste¬
phans Verfahren ist « schnöde Anmaßung » (S. 161). — Der Moidanis-
mus war nicht Irrlehre, weil er kein anderes Dogma lehrte (S. 156
Doch, eine Irrlehre, wegen der Lehre vom Paraklet und der Sünden¬
vergebung. ) Die von Häretikern Getauften, die nie (falsche Behauptung)
Glieder der Kirche gewesen, wurden durch bloße Rekonziliation auf¬
genommen. — Die Wurzel der Liebestätigkeit begann schon im Urchristen¬
tum zu kranken, es riß die Gesetzes- und Werkheiligkeit ein. Obwohl
die Väter die Notwendigkeit der innem Gesinnung betonen, bahnen
sie doch den Weg dem opus operatum. (S. 178. K. B. Tsch. verstehen
offenbar diesen Ausdruck nicht.) Bei Hermas (dann bei Cyprian)
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beginnt die Unterscheidung von Gebot und Rat (als ob sie nicht schon
so offen von Christus ausgesprochen und von Paulus öffentlich ver¬
breitet worden wäre, I. Kor. 7, 25. S. 180). Fasten und Ehelosigkeit
sind K. HH. ein Dom im Auge. Dagegen werden einige, von der Kirche
streng mißbilligte und ausgerottete Mängel und Unordnungen fast als
feste Gewohnheiten in der Kirche dargestellt. Auch der Märtyrerkult
ist ihnen ein Mißbrauch. (Die «Zerstreuung der Gebeine » kam bis
auf Gregor den Großen und weiterhin gar nicht vor. Und welche
Spuren von Aberglauben finden K. HH. in den Katakomben ? S. 186.)
Das Konzil von Elvira habe den Bilderdienst verboten (S. 189, ja,
aber im katholischen, nicht im häretischen Sinne der Bilderstürmer des
16. Jahrh.)
Die Legende von Konstantins Taufe in Rom, der«erst die gelehrten
französischen Benediktiner den Garaus machten *, (ist wieder eine
Gelegenheit, sich an Rom zu reiben). Die Kaiser übten das Jus circa
sacra imbestritten aus (S. 194 — unbestritten von feilen Hofbischöfen,
nicht inbestritten von den Päpsten). Das Recht der Berufung all¬
gemeiner Synoden war ein unbestrittenes Recht der Krone. Den Vorsitz
führte ein vom Kaiser oder Konzil erwählter Prälat (waren die Gesandten
des P. Silvester, Hosius, Vitus und Vincentius in Nicäa wohl auch vom
Kaiser beauftragt ?) Abhaltung der allgemeinen Synoden in Rom
wurde, so sehr auch die Päpste dies wünschen mochten, nie zugestanden.
(S. 195. Wo wurde dies gewünscht oder beantragt, so lange die große
Mehrheit der Bischöfe im Morgenlande war ?) An der großartigen Ein¬
richtung des Mönchtums (S. 198) können die HH. doch nicht weg¬
werfend Vorbeigehen, aber mitleidig wird es etwa wie eine eigentümliche
Zeitverirrung beurteilt; auch Ketzer werden ihnen zugeteilt: «im
Grund bilden die Messalianer nur eine konsequente Fortbildung des
Mönchtums * (S. 205). Die Behauptung und Durchführung des Zöli¬
bates ist eine «manichäische Verlästerung der Ehe * (S. 207). Daß
«Rom, Alexandrien, Antiochien, Konstantinopel und Jerusalem mit
gleichen Jurisdiktionsrechten ausgestattet waren, indessen Rom immer
entschiedener den Primat anstrebte *, wird behauptet, aber mit bloßen
Phrasen zu belegen versucht: « Nie hat Rom im Laufe der Zeit einen
günstigen Umstand auszubeuten, nie früher Errungenes oder Bean¬
spruchtes zu behaupten unterlassen. * « Nur die Not der Zeit hat dazu
geführt, auf der Synode von Sardika 343 dem römischen Bischof
Julius I., und zwar nur persönlich, das Recht zuzuerkennen, Appella¬
tionen aus dem ganzen Reich anzunehmen. Der Beschluß fand keine
RETUE D'HISTOIRE ECOLfcSIASTIQUE 9
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Nachachtung, wurde bald vergessen, nur Rom vergaß ihn nicht. *
(213) — P. Liberius hat« durch Unterschrift einer ketzerischen Glaubers-
formel Begnadigung und Rückkehr aus der Verbannung erlangt» j
(das sollte ein Geschichtsschreiber nicht mehr sagen !) ; Damasus ist ;
ein Eindringling; Siricius maßte sich die Sorge für alle Kirchen an;
«in seine Regierung fallen die Anfänge des Papsttums * (also nicht
mehr in diejenige Leos I. oder Gregors I. ? S. 213 f.) —Die Entscheidung |
Cölestins I. gegen Nestorius ist nur eine Folge der Schmeichelei Cyrills !
von Alexandrien, und Leo I. ist mit ganzer Seele auf die Anschauung
eingegangen, als ob der Ausspruch Christi vom Fels auf Petrus gehe.
(Sein Wirken wäre nach K. B. Tsch. Anmaßung, sein Ansehen Sage. !
Die Würdigung der Päpste Innocenz, Zosimus, Cölestin und Leo zeigt,
daß die Herausgeberden « Janus » gut benützt haben.) — (S. 217.) Neben
vielen andern kommt auch Gregor der Große schlecht weg, * einer der '
größten, tüchtigsten, edelsten, frömmsten, abergläubigsten Päpste * •
4
(Frömmigkeit und Aberglauben enge vereint!) Er soll Alexandrien ,
gleiche Rechte wie Rom eingeräumt haben, weil er sagte, auch Ale- \
•
xandrien sei petrinischen Ursprungs. « In stolzer Demut nannte er •
sich servus servorum Dei.» Wegen des Lobes, das er (in Unkenntnis der .
Verhältnisse) dem Kaiser Phokas spendete, wird er schwer gebrand¬
markt.
Der hl. Cyrill von Alexandrien wird (auf dem Conc. Ephes.) ein
gewalttätiger Condottiere (S. 239, 265).
Der hl. Augustin habe «den Synergismus des Menschen geleugnet,
eine natürliche Unfähigkeit zu allem Guten» gelehrt; er behaupte- ;
« das völlige Verderben des Menschen, seine Unfähigkeit des Mitwirkens
zum Heile, das alleinige Wirken der Gnade, die absolute Prädestination. >
(S. 247. Da werden ja die Lehren, welche die Reformatoren aufstellten
und in Augustinus finden wollten, geradezu keck letzterm zugeschrieben j
und so der Kirchenlehrer von oben herab apodiktisch zum Irrlehrer
gestempelt.) 1 ;
1 Dieses Urteil über den heiligen Augustin findet sich auch sonst noch.
So in Otto Bachmanns Einleitung zu « Augustins Bekenntnissen • in Reclaais ;
*
Universalbibliothek. Er stutzt sich dabei auf Böhringers a Kirche und ihre Zeugen ».
Dieser Theologe, wegen Ultrarationalismus in Tübingen unmöglich geworden. *
ebenso nach zehnjährigem Pfarrdienst in Glattfeldcn (1842-1853) verabschiedet,
charakterisiert den heiligen Lehrer : ■ Er ging so weit, den Gotteswillen als alleinige,
von Ewigkeit her determinierende Macht anzusehen, so daß er die Freiheit des
Individuums vernichtete und ihm die eigene Kraft zum Guten absprach. Dem
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Der Irrlehrer Pelagius dagegen ist « ein Mönch von achtungswerter
Gelehrsamkeit und sittlichem Emst; seine moralistische Lehre fußt
auf den altem griechischen Vätern. » Die Semipelagianer wollten « der
menschlichen Freiheit ein gewisses Maß der Mitwirkung zuerkennen »
(S. 251). Auf der Synode von Orange 529 wurde Augustins Lehre in
ihrer ganzen Strenge, ebenso seine Behauptung von der gänzlichen
Verdienstlosigkeit menschlicher Werke und der unbedingten Not¬
wendigkeit der Gnade anerkannt, der Glaube ausschließlich als Werk
der Gnade gepriesen .... » (Die Herren mögen sich doch die Kanones
dieser Synode ansehen !)
Des hl. Hieronymus « Charakter ist von ungewöhnlicher Unliebens¬
würdigkeit : Eitelkeit, Ehrgeiz, Eifersucht, Leidenschaftlichkeit und
Unduldsamkeit beherrschten ihn %. (S. 279. Darum hatte er wohl eine
so große Zahl Freunde und Verehrer !) Im Gegensatz zu Hieronymus
wird dann sein Gegner V igilantius, der im Eifer gegen wirkliche und
vermeintliche Mißbräuche katholische Lehren und Gebräuche angriff,
zum «evangelischen Wahrheitszeugen *, «er bekämpfte den mannig¬
fachen in der Kirche eingerissenen paganischen Aberglauben. *
Gregor der Große läßt den Herren K. B. keine Ruhe. Wohl kann
man ihm die Anerkennung « seltener Kraft und Energie, wahrer Würde
und Sanftmut, tiefer Demut und ungeheuchelter Frömmigkeit * (früher :
«stolze Demut, einer der abergläubigsten Päpste *) nicht versagen.
Statt aber, wie die aufrichtig nach Wahrheit suchenden Oxforder
menschlichen Willen wird das ethische Recht abgesprochen. Der Mensch ist
gleichsam eine Maschine, die der absolute Wille Gottes willenlos leitet .... Der
Glaube wird ihm zum Autoritätsglauben (ja, sonst ists kein Glaube !). Aus der
rein evangelischen Autorität der Heiligen Schrift wird der römischkatholische
Kirchenglaube gemacht. Die katholische Kirche wird Vermittlerin des Heils,
der katholische Priester empfängt kraft seiner Ordination einen Charakter unver¬
wüstlicher Heiligkeit (Fälschung !). Seine Lehre vom Fall und dessen Folgen,
von der Erbsünde, von der Gnade, von der Taufe» von der Prädestination oder
Gnadenwahl, wie Gott nur eine ganz bestimmte Zahl aus der Massa perditionis
nach seinem ewigen Ratschluß zur Seligkeit vorherbestimmt, während er die
anderen ihrem Schicksal überläßt, alle diese Dogmen sind für die Kirche ein
unseliges Erbe gewesen. > (Ähnliche Ungeheuerlichkeiten werden auch anderswo,
2. B. in den aargauischen Lehrerscminarien geboten. Vor dem betreffenden
Reclamebändchen müssen die Katholiken gewarnt werden. Interessant ist es,
daß von den heutigen Rationalisten dem Bischof von Hippo Lehren in die Schuhe
geschüttet werden, die Luther, « der ebenbürtige Geistesheroe Augustins » (Böh-
ringer), aufstellte und bei ihm zu finden behauptete, und die ja den Inhalt des
strengen lutherischen und kalvinischen Lehrbegriffes bilden, womit aber Augu¬
stinus ebensowenig etwas zu tun hat als die Rationalisten mit Luther und Kalvin.)
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Traktarianer, der Quelle solcher Tugenden nachzugehen, wirft man
ihm im gleichen Atemzug «mönchische Befangenheit und Gebunden¬
heit in den bereits traditionell gewordenen Formen, Dogmen und An¬
schauungen der römischen Kirche, kritiklose Leichtgläubigkeit und
abstruse Wundersucht in denkbar grellster Gestalt» vor, und daß
«in ihm die altkirchliche Aus- und Verbildung des Dogmas, des Kulms,
der Disziplin und Verfassung sich sammelt, vollendet und abschließt»
(S. 289), wodurch das gespendete Lob genügend paralysiert erscheint
Besonders durch des «berüchtigten» Kyrillos von Alexandrien
« siegende Lehre von der innigen Gemeinschaft des Göttlichen in der
Person Christi * sei es gekommen, daß «heidnischreligiöse Anschau¬
ungen und Gebräuche aus dem frühem Kultusleben der Neubekehrten
auf allen Seiten in das christliche unaufhaltsam eindrangen » (S. 297
Der Rat Gregors des Großen an Augustin von England, die heidnischen
Feiern durch christliche Feste zu ersetzen, dabei alles Abergläubische
zu entfernen, Unschuldiges und Gleichgültiges zu belassen, ist nicht
« ein verhängnisvolles Wort» (S. 240) und kein Beweis für obige An¬
schuldigung.).
Ein Tummelplatz für tendenziöse Darstellung bildet auch das
Kapitel über Heiligen- und Reliquienverehrung (S. 305 ff.), «Manen¬
kult und Polytheismus ziehen mit dieser Märtyrer- und Heiligenver¬
ehrung in die Kirche ein. Der Inhalt der Heiligenverehrung ist der
Götterverehrung entnommen. Die drei großen Kappadokier eröffneten
im Morgenland, Ambrosius im Abendland die Schleusen der Heiligen¬
verehrung. » Die « steigende Entwicklung des Marienkults * datiere
vom 5. Jahrhundert. (Doch muß K. B. Belege dafür aus dem 2. und
3. Jahrhundert zugeben !) Beim Engelkult « wirkten heidnische und
jüdische Gedanken zusammen ». Kyrillos war « Urheber der Bilder¬
verehrung *. (Doch muß man zugeben, daß die Kirche gegen Anbetung
aufgetreten sei.)
Die Ansicht vom Fegfeuer habe sich erst nach und nach gebildet;
«Gregor der Große endlich erhob es zum feststehenden Dogma. *
(S. 314. Voraussetzungslosigkeit !) — Bis zum Konzil von Trient habe
man die Bücher der Weisheit, Sirach, Judith, Tobias, der Makkabäer
zu den Apokryphen gezählt, und erst wegen ihrer Brauchbarkeit gegen
die Protestanten sie als kanonisch erklärt. (Weiß K. B. nichts vom Codex
Sinaiticus, Vaticanus und dem Conc. Carthag. 393 und 397 ?) Auch
die Strafpredigt Salvians mit dem Satz, die heidnischen Germanen
seien oft besser als die christlichen Römer, wird gegen den Papst und die
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Kirche gedreht. «Werkheiligkeit und Fanatismus begegnen oft bei
denen, die als Muster der Frömmigkeit galten. > (Bei solcher Darstellung
verschwinden freilich die reinsten sittlichen Charaktere und die größten
Wohltäter der Menschen. Wo sich eine Stimme gegen die Kirche aus¬
spricht, da wird sie sicher herbeigezerrt, Tausend? von Zeugnissen
zu ihren Gunsten aber schweigend übergangen, z. B. S. 313, 327, 329.)
Helvidius und Jovinian (S. 331) hätten nur gegen Aberglauben, Werk¬
heiligkeit und Verweltlichung geeifert, (als ob nicht die Kirche das viel
wirksamer stets besorgt hätte !).
« Auch der fromme Honorius von Rom war (für den Monotheletis-
mus) gewonnen. > (I. 2, S. 3. Nein; wie B. selber weiß und sagt,
hat er nur. « durch Nachlässigkeit der Irrlehre Vorschub geleistet. *)
Der Bilderstreit wird mit unverhohlener Anteilnahme für die
Ikonoklasten dargestellt (S. 5), beim fränkischen Bilderstreit der Status
quaestionis außer acht gelassen (S. 127). Bei K. B. findet sich keine Spur
von Verurteilung oder Mißbilligung der Umtriebe des schlauen Photius,
während der edle Ignatius als « hartnäckiger Verfechter seiner Rechte »
erscheint und die Wiedervereinigungsversuche nur Ausfluß römischer
Herrschsucht sind. Die unter Mitwirkung des Kardinals Bessarion,
Bischofs von Tuscoli (!) « 1439 Vollzogene Union (der orientalischen mit
der römischen Kirche) war eitel Selbsttäuschung und Spiegelfechterei. »
(S. 27 ; doch muß K. B. « die Union der Maroniten und Armenier
zugeben. *) «Schon früh richtete Rom seine begehrlichen Blicke auch
auf die russische Kirche » (33 ; sie wäre dann wohl vom asiatischen
Barbarentum frei und der europäischen Kultur,zugeführt worden 1 ).
In der Würdigung des hl. Bonifaz geht K. B. nicht so weit wie
Ebrard, ihn als « fluchbeladenen Urheber alles Unheils in der deutschen
Kirche aus ihren Beziehungen zu Rom » anzuschwärzen, meint aber,
«daß seine Größe mehr auf dem beruht, was er leistete, als was er war,
daß er seine angelsächsischen Zeit- und Gesinnungsgenossen nicht
überragte *, daß er aber, «was er war, reiner treuer und voller war
als alle > (S. 63). — Der banale Ton bezüglich der Schenkungen ziemt
wenig für ein wissenschaftliches Werk (S. 99).
Muß auch die Ungeschichtlichkeit der « Päpstin Johanna » zuge¬
standen werden, so zeigt sich doch in der behaglichen Breite und im
Ton der Schilderung des anrüchigen Inhaltes der Fabel die Genugtuung,
dem Papsttum wieder eins anhängen zu können.
Die Kreuzzüge «brachten zwar in alle Gebiete des Lebens neue
Anschauungen, Bedürfnisse und Triebkräfte, verschuldeten aber den
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kirchlichen Aberglauben durch Steigerung des Reliquienschwindels. *
(S. 140 — für diese großartigste Manifestation des christlichen Mittel¬
alters fehlt K. und HH. jedes Verständnis.) « Trotz tiefster Entwürdi¬
gung* im 10. Jahrhundert, «behauptete Rom seinen Anspruch auf welt¬
beherrschende Autorität, ohne auf prinzipiellen Widerspruch zu stoßen»
(S. 347. Das beweist, daß auch « im unwürdigen Träger die Würde Pen
•
nicht stirbt *, sagt Leo I. Dies zeigt gerade, daß das Pap>sttum nicht
menschlicher Erfindung und politischer Klugheit sein Dasein verdankt).
Mit Genugtuung wird dann in den Skandalen des io. Jahrhunderts
herumgewühlt, eine wahre Chronique scandaleuse. Doch die eigentliche
Quelle, Luitprand von Verona, wird nicht angeführt; das hieße doch,
sich eine Blöße geben, nachdem Pertz, Böhmer usw. so sehr vor ihm
gewarnt. « Der Knechtung unter des Kaisers weltliche Macht schien
Rom nur entgehen zu können durch Knechtung des Kaisers unter
seine geistliche Macht. * (S. 97.) Dann werden solche Herrscher,
wie Otto III. tief bedauert, « die sich am hierarchischen Gängelbande
führen ließen. *
Von Gregor VII. wird ein abschreckendes Zerrbild entworfen,
dagegen über die Laster und sittliche Verkommenheit Heinrichs IV.
leichtfüßig hinweggegangen. Die große Befreiungstat der Kirche aus
elendester Tyrannenwillkür ist «Anstreben der Universaltheokratie;
er zeigte schnöde Härte gegen Heinrich IV. ; mit Waffen des Fleisches
hat er für das, was er den Sieg des Geistes nannte, gestritten ; politischen
Motiven und Intrigen hat er mehr, als einem Statthalter Christi ziemt, j
Raum gegeben ; die Fürsten sollten seine Dienstmannen werden. 1
Immerhin muß die « strenge Sittlichkeit seines Wandels und eine über j
seiner Zeit stehende Humanität * zugegeben werden (§ 97, 7. Joh. .
v. Müller, Voigt, Luden, Leo, Gregorovius, Bowden, Guizot entwerfen ]
ein ganz anderes Bild von Gregor VII. Heinrich war ganz verdorben,
sittlich verlumpt und zum willkürlichsten Tyrannen geworden, sagt j
Leo ; und Gregorovius : Jener unblutige Sieg Gregors verdient mehr
die Bewunderung der ganzen Welt, als alle Siege Alexanders, Cäsar? J
und Napoleons.) Wegen der Gewalttat in Sutri irn wird nicht der
treulose Heinrich V., wohl aber Paschal II. hart beurteilt (I. 2,161).
Der große Alexander III. wird natürlich auch zum ungerechten
Angreifer gegen Friedrich Barbarossa gestempelt. (S. 165. Wolf und !
Lamm ! Barbarossa urteilte nach der Versöhnung in Venedig ganz
anders über Alexander.)
Der hl. Thomas Becket, dieser starke Kämpfer gegen Tyrannen-
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•Willkür, dem England und ganz Europa Dank schuldet, ist « ein starrer
Hierarch. » (S. 166.)
Dem gewaltigen Innocenz III. wird zwar Geisteskraft und Gelehr¬
samkeit nicht abgesprochen, aber seine Bemühung für die Kirche ist
* Hingebung an den theokratischen Beruf des Papsttums, die päpstliche
Weltherrschaft Selbstzweck ; er ist ebenso zielbewußt und rücksichtslos,
dabei aber um- und einsichtiger, feiner und berechnender als Gregor
VII. * (§ 97, 16. Da müssen Hurter, Hefele, Lingard usw. doch rechte
Stümper von Historikern sein, daß sie zu völlig andern Resultaten
gelangten als Kurtz-B. !)
Den elenden, wortbrüchigen Friedrich II. nimmt K. B. in Schutz
gegen Gregor IX., der, ein « Hierarch trotz Gregor VII. und Inno¬
cenz III. in besinnungsloser Leidenschaft den Kaiser bannte. > (§97,
19, S. 169 f.)
Innocenz IV. «ist ein Mann ganz imgeistlichen Sinnes». Aus
Ludwig IX. möchte Kurtz auf Grund der gefälschten pragmatischen
Sanktion einen Joseph II. machen (S. 172). Die Sitte des Steigbügel-
haltens seitens des Kaisers ist « der Dienst eines Stallknechtes. » Über¬
haupt kommen oft banale, saloppe Ausdrücke vor, z. B. Lothar II.,
%
Johann ohne Land usw. « krochen zum Kreuz ». Dem Papsttum werden
alle möglichen Fehler und Gebrechen zur Last gelegt: Ehrgeiz, Simonie,
Urkundenfälschung, Beförderung von Konkubinat und noch Schlim¬
merem durch die Zölibatsgesetze.
Die Minderbrüder « waren beim Volk beliebter als die vornehmen,
hochfahrenden, sich in hohe Staats- und Kirchenpolitik als Ratgeber
und Beichtväter der Fürsten eindrängenden Dominikaner > (S. 199).
Das Ordenswesen wird als Geschäft mit allen Treibereien der Konkurrenz
behandelt. Von Beghinen und Begharden heißt es bald, sie hätten sich
des Konkubinats und des Sektenwesens schuldig gemacht, und dann
doch wieder, sie seien unschuldig von der Inquisition verfolgt worden.
Unrichtig ist, daß im Mittelalter die Brautsegnung als sakramen¬
taler Akt angesehen wurde, daß damals jeder Sakramentenspendung
ein Charakter indelebilis eignete, daß der Mariendienst sich von An¬
betung kaum unterschied, Heiligendienst den Gottesdienst überwucherte,
der Maimonat Marienmonat war, alle neuen Heiligen in den Meßkanon
aufgenommen wurden, heidnischer Aberglaube sich in der Kirche ein¬
bürgerte, ein allgemeines Bibelverbot aufgestellt wurde, gegen gute
Bezahlung immer die sonst verpönten Fleischspeisen erlaubt wurden
(S. 238-253, und so an hundert Stellen 1)
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Auch an der edeln Elisabeth findet man t exzentrische Askese»,
während Gertrud «sich aus Marien- und Heiligendienst, aus Werk¬
heiligkeit und Zeremonienübung zu einer auf der Gnade in Christo
gegründeten Glaubensfreudigkeit hindurch gearbeitet hat. *
Gegen die Häretiker «rief die Kirche die Macht der Inquisition
zu Hilfe. Wohl erhoben sich dagegen viele Stimmen, Peter Venerabilis.
Rupert von Deutz, Hildegard, Bernhard ; aber Henker waren leichter
aufzutreiben als Bernharde. Auch Dominikus und seine Jünger fanden
es wirksamer, mit Daumenschrauben und Scheiterhaufen als mit
Disputationen und Predigten die Ketzer zu bekämpfen. Die Domini¬
kaner, diese Domini canes, wurden gegen das ketzerische Hochwild
losgelassen. Der Staat ging nur zu bereitwillig auf die Intentionen der
Kirche ein » (S. 273. Auch die Ketzergesetze im Sachsen- und Schwaben¬
spiegel sind das Werk der « Folterkirche » ?)
Peter Arbues « waltete unter Verübung der entsetzlichsten Grausam¬
keiten seines Amtes mit solchem Zelotismus, daß er schon nach
16 Monaten viele Hunderte dem Scheiterhaufen überliefert hatte. >
(Elende Lüge, Geschichtsfälschung und Verleumdung großen Stils,
moralischer Giftmord ! K. B. berufen sich auf den notorischen Lügner
Llorente mit seinem frivolen «Probabilitätskalkul ». Unter Petrus
Arbues wurde kein einziger Ketzer hingerichtet. Vergl. Hefele. de
Cauzons und die protestantischen Forscher Peschei und Schäfer. Unter
König Heinrich VIII. und Elisabeth wurden in England mehr « Ketzer ►
hingerichtet und in der französischen Revolution während 6 Jahren
mehr Opfer zum Tode geführt als von der Inquisition in sechs Jahr¬
hunderten.)
Unwahr ist die Behauptung : « Auf den Vorschriften des Hexen¬
hammers beruhen direkt oder indirekt alle Scheußlichkeiten der spätem
Hexenprozesse. Viele Tausende wurden den entsetzlichsten Foltern
und den Feuerqualen in Deutschland wie in allen übrigen katholischen
Ländern überantwortet. Die Reformation brachte keine Änderung in
das scheußliche Treiben, das erst im 17. Jahrhundert seinen höchsten
Stand erreichte. Jn bigott-katholischen Ländern dauerte der Unfug
noch länger. > (S. 338. Das ist direkt Geschichtsfälschung ; die Refor¬
mation brachte recht eigentlich den Hexenwahn auf. Kalvin griff
sogar persönlich ein, während lange vorher ein Gregor VII. sich gegen
den Hexenwahn erklärt hat. Katholische Länder, wie Italien, Spanien
hatten keine Hexenprozesse. Die letzte Hexe in der Schweiz wurde
1783 von protestantisch Glarus verbrannt.)
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*
— 137 —
Auf gehässige Kritik und Wertung katholischer Kunst und Lite¬
ratur sei nur beinebens hingewiesen. Interessant sind die « Reforma-
tionsbestrebungen» (S. 343), wobei gewöhnlich Kirchenfeinde am
besten wegkommen. Manche Persönlichkeiten werden zu Vorläufern
der Reformation gemacht, u. a. auch Felix Hemmerli, «der sich den
Haß seiner liederlichen Stiftsgenossen zugezogen, daß sie einen Mord¬
anfall auf ihn machten. » (Hemmerli, der eine Wallfahrt nach Rom zur
Gewinnung des Jubelablasses machte, ein Protestant ! Wenn die Eid¬
genossen ihn gern hingerichtet hätten, so geschah es aus politischen
Gründen ; vergl. Fiala.) Aber von den « reformatorischen Theologen ,»
zu denen auch Äneas Sylvius Piccolomini in seinem «lasziven » Vorleben
gehörte, «ist keiner zur klaren Erkenntnis der Rechtfertigung durch
den Glauben allein gekommen » (S. 349, weil diese «Vorläufer der
Reformation* eben nicht Protestanten waren).
Wyclif folgte «im Gegensatz zum herrschenden Semipelagianismus
Augustin. * (Das wäre ja nach I. 1, 247 kein Lob.) Hus und andere
«ausgezeichnete Geistliche bekämpften die unevangelischen Lehren
und Institutionen der katholischen Kirche. Den nominalistischen
Vätern des Konzils von Konstanz schien Hussens Realismus als Quelle
aller denkbaren Ketzereien * (Wyclif, Hus, Savonarola werden mehr
verherrlicht als die alten Märtyrer. Warum diese Gloriole ?)
Hutten und seine liederlichen Genossen wagt K. B. nicht mehr
zu verhimmeln, verschweigt aber ihre Schande.
Durch das Buch zieht sich die wohlberechnete Tendenz, die Kirche
als eine Anstalt der Täuschung, der Verdummung und Knechtung der
Menschheit erscheinen zu lassen, und damit ist der richtige Unter- und
Hintergrund für die Reformationsgeschichte gefunden, die dann auch dem
entsprechend konstruiert wird. Das ist aber Imperialismus schlimmster
Art auf literarischem Gebiet, ein Pochen auf deutsche Gründlichkeit
und Wissenschaftlichkeit bei aller innem Oberflächlichkeit, ein anmaß-
licher Anspruch auf Glauben ohne Beweis und Belege, ein geistiges
Protzentum ohne gleichen, das den deutschen Namen bei andern
Nationen nicht weniger verhaßt und verrufen gemacht haben dürfte
als der Imperialismus auf politischem Gebiete.
Daß nach der Geschichtsbaumeisterei aut kirchlichem Gebiete des
Mittelalters die Darstellung der Reformation ein ganz eigenartiges
Gesicht aufweisen werde, stand zu erwarten. Nach Böhmers Ausspruch
ist ja die ganze Geschichte seit der Reform verfehlt dargestellt und
bedarf eines Neuaufbaues. Das « Lehrbuch der Kirchengeschichte von
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- 138 -
Kurtz, II. Band, 1. und 2. Abteilung, neubearbeitet von Tschakkert,
Theologieprofessor in Göttingen », leistet in dieser Beziehung Uner¬
hörtes.
Gegenüber dem «sorglosen, indolenten Leo X. und dem unver¬
schämten Ablaßkrämer Tetzel » steht der Reformator und Gottesmanr
Luther da in seiner ganzen sittlichen Größe, zu der er sich « im Kampfe
gegen Menschensatzungen und Mißbräuche der römischen Kirche
durchgerungen*. Nun werden in diesem «wissenschaftlichen Werke»,
gerade wie in einer großen protestantischen Volkslegende, alle alten
Märchen aufgetischt vom finstersten Aberglauben, von schändlicher
Simonie, von Ablaßhandel und Sündenloskauf — auch das Predigt¬
sprüchlein : Wenn das Geld im Kasten klingt usw. spaziert auf. Dann
eröffnet man den Kampf gegen diese Windmühlen, zieht den «eitlen,
orthodoxen Scholastiker Eck, der in Leipzig den römischen Semi-
pelagianismus verteidigt *, in den Kot, und macht mit ihm alle Gegner
der Neuerung herunter, z. B. Heinrich von England, Georg von Sachsen.
Cochläus, Murner, Emser, « der mächtig über Luthers Bibelübersetzung
schimpfte * (er hatte Grund dazu !). Auf diesem dunkeln Hintergrund
hebt sich desto glänzender Luthers Heldencharakter und Heiligenbild
ab, der mit apostolischem Mute seinen Gegnern zu Worms das be¬
rühmte Wort : « Hier stehe ich, ich kann nicht anders, Gott helfe mir,
Amen *, entgegengehaltcn habe, am Bauernkrieg völlig unschuldig sei.
da man seine Worte mißverstanden und mißdeutet habe (etwa auch
seinen Aufruf wider die mörderischen Bauern, «man möge sie tot¬
schlagen wie tolle Hunde * ?). Seine unerhörte Derbheit wird gerecht¬
fertigt, er habe die schnöde Verachtung seiner Gegner mit gleicher
Münze heimgezahlt ; deren Abwehr und Entgegnungen sind zum Vome-
herein rohe Schmähschriften. Melanchthon glänzt «durch lautere
evangelische Frömmigkeit »; sein Sklavenverhältnis zum Reformator
wird beschönigt: «er beugte sich in Demut (besser: mit Ingrimm;
unter dem gewaltigen Geist (alias Rechthaberei) Luthers. *
Doch solange man für die Verschwörung der Fürsten in Torgau und
Schmalkalden keine Mißbilligung findet, solange man die sogenannten
Religionskriege als Verteidigung des Evangeliums hinstellt, solange
man von Verfolgung der Protestanten durch katholische Fürsten
faselt, dagegen die Unterdrückung der Katholiken seitens der Prote¬
stanten als rechtmäßig erachtet, ist eine sachliche Diskussion mit
diesen Herren unmöglich. Döllinger, der in seinem grundlegenden
« Luther und sein Werk * so viele Fälschungen und Entstellungen wider-
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— 139 —
legt, so viele fundamentale Fragen gelöst und klargestellt hat, findet
bei den protestantischen Geschichtspächtem ebenso wenig Beachtung
als Janssen und Pastor, gegen welche die Protestanten als « ultramontan *
schon zum Voraus kopfscheu gemacht werden, die man wohl zitiert,
aber nicht benützt und noch weniger widerlegt.
Nach alle dem muß man sich nicht verwundern, wenn nach K.-T.
(Kurtz-Tschakkert) die Erlaubnis der Doppelehe Philipps nur ein
Beichtrat sein soll, « eine Nachwirkung der mittelalterlich katholischen
Praxis *, als hätte man je im Bußsakrament einen Entscheid und Rat
gegen die christliche Moral geben dürfen (§ 137).
Falsch ist, daß Zwingli schon 1516 in Einsiedeln gegen Wall¬
fahrten und Marienverehrung aufgetreten sei. Der Reformator zeigte
allerdings damals und früher schon in Glarus seinen anfechtbaren
Wandel und seine Unklarheit in theologischen Dingen. Falsch ist,
daß er sich auf die Demokratie stützte ; die demokratischen Kantone
blieben ja größtenteils katholisch; die «Bürgerlichen » sind eben die
aristokratischen Städtekantone. Sein nicht fleckenloses Leben kann
zwar nicht in Abrede gestellt werden, doch wird entschuldigend hinzu¬
gefügt : wir kennen es nur (?) aus seiner Selbstanklage, und es sei
gewesen, wie das der meisten katholischen Geistlichen. «Im Innern
der Schweiz widersetzte sich der Adel (!) der Neuerung. * Den Zürcher
Pastor Jakob Kayser hätten die Katholiken auf neutralem Boden
(in der Schwyzer Vogtei Uznach !) aufgegriffen und verbrannt. Die
katholischen Kantone hätten Verbindungen mit dem Ausland ange-
knüpft (Zürichs Bund mit Konstanz zur Evangelisierung und Vertei-
long des Thurgau !). In Kappel sei ein racheschnaubendes Heer von
8000 Katholiken eingebrochen, denen die Zürcher nur 2000 (!) entgegen¬
stellen konnten. Nachdem die vielen Todesurteile gegen Wiedertäufer
in Zürich angeführt worden, heißt es : « Das meiste Blut floß in Ländern
mit katholischer Obrigkeit. » (§ 131 u. 132, ff. S. 58.) Wir haben diese
Auslassungen angeführt, weil die Leser in der Lage sind, diese Aus¬
führungen aus der schweizerischen Reformationsgeschichte selbst zu
prüfen und zu widerlegen. Aber andere Teile wimmeln ebenso von
Unrichtigkeiten, schiefen Urteilen und Darstellungen. Von den vielen
hundert solcher Geschichtsfälschungen und schiefen Urteilen seien hier
^ Folgenden nur noch einige auf Geratewohl herausgehoben.
(Schluß folgt.)
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KLEINERE BEITRÄGE — MELANGES j
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Die letzten schweizerischen und deutschen Offiziere
der päpstlichen Armee.
PRO PETRI SEDEL
Am 20. September 1920 erfüllt sich ein halbes Jahrhundert seitdem
Untergange des Kirchenstaates. Obwohl von den übermächtigen Ereig- ;
nissen des kaum beendigten Weltkrieges in den Hintergrund gedrängt,
darf dieser Gedenktag doch nicht unbeachtet ohne geschichtliche Auf¬
frischungen vorübergehen, denn die Einnahme Roms durch die Soldaten
des geeinigten Italiens war und bleibt eine Tatsache von weltgeschichtlicher
Bedeutung.
Unter den Kriegern, die sich dem Heiligen Vater im 19. Jahrhundert
zur Verteidigung seines rechtmäßigen Besitzes aus freien Stücken zur
Verfügung stellten, nahmen die Schweizer , getreu ihren alten militärischen
Traditionen und entsprechend ihrer durch die Jahrhunderte bewährten
Ergebenheit gegen die römische Kirche, eine ganz hervorragende Stellung
ein. In der historischen Literatur sucht man trotzdem bisher umsonst
nach einer angemessenen Würdigung, insbesondere fehlt bis anhin jeglicher
Versuch, die Namen jener Männer festzuhalten, die einstmals Leib und {
Leben für die gerechte Sache des Papstes eingesetzt und furchtlos und treu ; .
unter der wcißgelben Fahne für den ehrwürdigsten und legitimsten Thron j
Europas gekämpft. Die Nachwelt soll aber nicht auf immer undankbar
sein. Der 50. Jahrestag des letzten Kampfes um das päpstliche Rom
bietet Anlaß, wenigstens einiges gutzumachen und nachzuholen. Es bildete
sich zwar schon 1860 eine Kommission, um den im gleichen Jahr gefallenen ]
päpstlichen Offizieren und Soldaten ein größeres Denkmal zu setzen. Als ;
Standort hiefür wurde bereits 1866 die Capella Severina in der Lateran- •
basilika bestimmt, aber die Enthüllung dieses Monumentes ließ bis zum j
26. November 1904 auf sich warten. Unter dem Giebel des Denkmals liest i
man die Inschrift : J
FORTIBUS . VIRIS . QUI . IVRA . SEDIS . APOSTOLICAE
PROFUSO . SANGUINE . ASSERUERUNT. A. D. MDCCCLX.
Das mittlere große Relief mit dem Gefecht bei Castelfidardo trägt die
Unterschrift: Victoria, quae vincit mundum, fides nostra. Die nämlichen
Worte stehen nebst unserem Motto : Pro Petri Sede, schon auf der Gedenk j
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I
— i4i —
münze, welche Papst Pius IX. 1861 an seine wackeren Verteidiger austeilen
ließ. Ein Gloria-Engel hält am Sockel ein Spruchband mit den Worten aus
der päpstlichen Allokution vom 28. September 1860 : Gloriosam mortem
obierunt. Wie hieraus zu sehen, enthält dieses Monument, im Gegensatz
zum Löwendenkmal in Luzern, keinerlei Namen. Auf dem Denkmal im
Lateran ist im mittlem Relief allerdings die Porträtfigur des Generals
Lamoriciöre und des Generals Marchese Pimodan zu erkennen, und auch
das seitliche kleinere Relief mit den Freiwilligen, die dem Heiligen Vater
•; Pius IX. ihr Schwert anbieten, zeigt offenbar einige Porträtköpfe, z. B.
Napoleon III., aber jeglicher Name fehlt. Diesem Mangel soll die Ver¬
öffentlichung der nachfolgenden Liste einigermaßen abhelfen. Sie wurde
im Aufträge jener römischen Offiziere erstellt, die ungefähr in den Jahren
1880-83 in Luzern zur Auffrischung und Pflege der alten Waffenkamerad¬
schaft zusammengekommen waren, gerade so wie auch die alten Neapoli¬
taneroffiziere von Zeit zu Zeit sich ein Stelldichein gaben. In diese Liste
wurden aber nur jene Offiziere aufgenommen, welche damals noch lebten.
Fehlende Namen und genauere Adressen sollten behufs Ausgabe einer
neuen verbesserten Liste an die zuletzt genannten Ausschußmitglieder
eingesandt werden. Eine solche verbesserte Auflage ist meines Wissens
jedoch nie mehr erschienen, und auch von gesammelten Materialien zur
Ergänzung und Berichtigung der ersten Ausgabe ist mir nichts bekannt
geworden. Ich benütze daher das erste und einzige gedruckte Verzeichnis,
das sich noch da und dort im Nachlaß ehemaliger päpstlicher Offiziere
finden wird.
Etat nomlnatlf par ordre alphabStique
de MM. los anciens offlciers suisses et allemands au Service du
St-Siöge, dont Fadresse est parvenue au comitd constituö & la
röunion de Lucerne.
AUet Pierre-Marie, Lieutenant, Pöre Rödemptoriste ä Loöche (Valais).
Ammann Conrad, Lieutenant, Wittenbach (St-Gall).
Benziger Francois, Lieutenant, Einsiedeln (Schwyz).
Bommer Fridolin, Lieutenant, Major de la Garde suisse au Vatican.
Bruschwyler, Lieutenant, Receveur ä la gare des marchandises, Constance.
Bräggi Fölitf, Lieutenant, Naters (Valais).
Britschgy Melchior, Capitaine, Alpnach (Unterwald).
Brügger, Capitaine, Chunvalden (Grisons).
Burkhard Urs-Victor, Lieutenant, Härchingen (Soleure).
de Buttet Charles, Capitaine, Chateau de Beimont prös Pont-de-Beauvoisin
(Savoie).
de Cancrin Constantin, Lieutenant, Wurzbourg.
Castella Simon, Lieutenant-Colonel, Bulle (Fribourg).
Cavigelli Florian, Lieutenant, Sette (Grisons).
Chaney Stanislas, Lieutenant, Estavayer (Fribourg).
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Coray Pierre, Lieutenant, Laax (Grisons).
de Courten Adolphe, Lieutenant, Major, Sion (Valais),
de Courten Angöle, Lieutenant, Munich, Klenzestraße 4 (Bavi£re).
de Courten Louis, Capitaine, Colonel-Commandant de la Garde Suisse
au Vatican.
de Courten Louis, Capitaine, Florence, Borgognisanti 42.
de Courten Raphael, G6n6ral, Florence, Borgognisanti 42.
de Courten Victor, Lieutenant-Colonel, Sierre (Valais).
Cropt Camille, Lieutenant, Martigny (Valais).
Crufer Fid£le, Capitaine, Ems (Grisons).
Crufer Charles, Lieutenant, Gen£ve.
Delpech Jean, Capitaine, Prüfet, Tavel (Fribourg).
d'Elgger (Charles), Capitaine, Luceme.
Epp Dominique, Capitaine Adj.-Major, Colonel-Instructeur, Altorf (Uri).
Ernst-Wittmer, Capitaine, Lucerne.
Esseiva Pierre, Capitaine, Juge cantonal, Fribourg, rue de la Pröfecture 19;.
Federer Georges, Capitaine, Schwyz.
Fischer Joseph, Aumönier k la Prison Mazas k Paris, Boulevard Diderot 23.
Gard Eugene, Capitaine, Bagnes (Valais).
Gauthier Henri, Capitaine, Econome de l’Höpital de Marsens, k Fribourg.
Götschmann, Aumönier, Sup^rieur du S6minaire, Fribourg.
Göldlin L6once, Capitaine, Lucerne.
Hayler Charles, Chirurgien-Major, Metten pr£s Degenfeld (Bavidre).
In-Albon Grögoirc, Capitaine, Sion (Valais).
Keiser Albert, Chapelain, Aumönier honoraire de la Soci6t6 des Offiriers.
Lucerne.
Keiser Auguste, Chirurgien-Major, Zoug.
Kciser-Henggeler Charles, Capitaine, Lucerne.
Kuglcr, Lieutenant, Munich,
de Lavallaz, Capitaine, Sion (Valais).
Mahler Fredöric, Capitaine, Lucerne.
Meyer Jules, Major, Solcure.
Meyer Leoncc. Lieutenant. Lucerne.
Meyer de Schauensce Francois, Lieutenant, Emmenweid pr£s Lucerne.
Mirer, Capitaine, Obersax (Grisons).
Piller Ernest, Lieutenant, membre honoraire, Schönberg prös Fribourg,
de Kickenbach Auguste, Lieutenant, Arth (Schwyz).
Schmidt Charles, Capitaine, Kaiserstraße 29, Fribourg (Bade).
Schmissing-Kersenbrock, Lieutenant, Maison Brinke pr£s Borgholzhausen
(Westphalie).
Segesscr Henri, Capitaine, Lucerne.
Siegwart Alfred, Chirurgien-Major, Altorf (Uri),
de Sonnenberg Louis, Lieutenant, Lucerne.
de Stockaiper Ferdinand, Capitaine, Brigue (Valais).
Stöcklin Fortune, Capitaine, Fribourg.
de Stollberg, Comte, Lieutenant, Börlinghausen pres Bonenbourg (West¬
phalie).
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143
Süßmaier Conrad, Capitaine, Polenzwerder (Eberswalde) pr£s Berlin.
Thalmann Antoine, Capitaine, rue Terrassi^re 14, Gendve.
Thomalö Jean, Capitaine, Ems prös Coire (Grisons).
Vinzenz Emanuel, Capitaine, Disentis (Grisons).
Vinzenz Francois, Lieutenant, Disentis (Grisons).
Vogel, Capitaine, Zizers (Grisons).
Wasescha Söbastien, Capitaine, Adj.-Major, Savognino (Grisons).
Wasescha S6bastien, Lieutenant, Savognino (Grisons).
de Werra Ernest, Lieutenant, Sion (Valais).
Wysen Francois, Lieutenant, Naters (Valais).
Wuilleret Theodore, Capitaine, Grand’Rue 8, Fribourg.
Zahn, Lieutenant, Bassingasse, 19, Mulhouse (Alsace).
Messieurs les Officiers sont prids de signaler les adresses manquantes
oa incomplötes ä un des membres du Comit6 ci-aprds d£signös :
Jules Meyer, Major.
Pierre Esseiva, Capitaine.
Charles Keiser, Capitaine.
Charles Schmidt, Capitaine.
Adolphe de Courten, Capitaine.
Jean Thomald, Capitaine.
Statt an das obengenannte Komitee wollen nun die Angehörigen,
Freunde und Bekannten der ehemaligen päpstlichen Offiziere die erwähnten
und gewünschten Ergänzungen zu meinen Händen an das Staatsarchiv
l.'ri in Altorf einsenden. Man möge auch an die nämliche Adresse die
Namen solcher Männer mitteilen, die nicht auf der vorstehenden Liste
sind, die aber ganz sicher einmal zwischen 1832 und 1870 den päpstlichen
Regimentern angehörten. Man verwechsle jedoch dabei die römischen
Soldaten nicht mit alten Neapolitanern und man übersehe vor allem nicht,
daß Offiziere und Soldaten der päpstlichen Garde nur dann in Betracht
fallen, wenn sie vor 1870 der Feldarmee einverleibt gewesen. Um sodann
jedem einen kurzen statistischen Lebensabriß widmen zu können, möge
man nebst dem Geburts- und Todesdatum vor allem die Zeit des Eintrittes
in die päpstliche Armee nennen und das Datum des A nstrittes mit Angabe
der Waffengattungen und militärischen Einheiten, denen der Betreffende
während der Zeit seines römischen Solddicnstcs sukzessive zugeteilt war. 1
1 Bei diesem Anlaß und auf diesem Wege könnte auch die Frage einer
gewissen Wanda Schmid, genannt Folchini, in Zürich, gelöst werden. Ihr Gro߬
vater Carlo Edoardo di Benedetto Schmid, Schweizer Hauptmann, sei 1848 in
Schweizerdiensten in Rom gewesen und habe dort sogar die Stelle eines
,Gesandten vertreten ; i 85 o war er in Bologna und siedelte 18.S2 nach Ferrara
über. Von dort wegziehend, kam er auf italienischem Boden um. Sein Sohn
Achilles Leopold Schmid starb 1891. Ich konnte diesen Hauptmann Schmid bisher
nicht als Urner identifizieren.
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— 144 —
Wo möglich ist auf Grund der noch vorhandenen Militärausweise jedes
Avancement mit genauer Zeitangabe festzustellen und desgleichen der
Empfang eines Ordens oder einer sonstigen militärischen Auszeichnung
Besondere Vorfälle mögen desgleichen erwähnt werden, wie z. B. die Teil¬
nahme an einem Feldzug, an einer Schlacht oder sonst an irgend einer
Waffentat. Auch der Hinweis auf noch vorhandene Photographien, Zeich¬
nungen, Notizen oder Erinnerungsgegenstände aus der römischen Dienstzeit
kann sehr nützlich sein. Für unsere Arbeit bedeutet es überdies eine sehr
dankenswerte Förderung, wenn man Angehörige und Freunde von ehe¬
maligen päpstlichen Offizieren auf diese Umfrage und auf unsere Art«:
aufmerksam macht und zur Beantwortung der gestellten Fragen aufmuntert
Wer es kann, nenne auch genau die Zeitung oder Zeitschrift, wo der Nekrolog
eines ehemaligen päpstlichen Offiziers erschienen.
Für die Einsammlung der vorgenannten Materialien ist es aller¬
höchste Zeit. Von den Offizieren unserer Liste lebt einzig noch Herr
Leutnant Piefre-Marie Allet , jetzt Red mptorist bei St. Löonard. Herr
Hauptmann Louis de Courten in Nai cy und Leutnant Peter Cotay m
Laax und von den Nichtgenannten bloß noch Herr Bundesrichter Dt.
F. Schmid in Lausanne, der im Herbst 1860 allerdings nur auf kurze
Zeit als Unterleutnant an der Seite seines Vaters, des Herrn Generals
Anton Schmid, in Perugia weilte. Unter den Soldaten der ehemaligen
päpstlichen Armee kenne ich zur Zeit noch zwei Lebende: Thomall m
Ems, ein Bruder des Zuavenhauptmanns Jean Thomalö und Joh. Josef*
Huber von Sisikon, der, 18-jährig, seiner Zeit sich in Feldkirch anwerben
ließ, unter Hauptmann Bell von Kriens stand und bei Castelfidardo in
Kriegsgefangenschaft geriet. Diesen Veteranen rufen wir zur goldenen
Gedenkfeier ein beso nders lebhaftes Evviva ! zu.
Eduard Wxmann.
*
Abfall eines Jenisalempilgers.
Unter den vielen Beschreibungen von Jerusalemfahrten gibt es natürlich
auch solche, die wenig neues bieten, weil ihr Verfasser entweder kein selb¬
ständiger Beobachter war oder nur auf altbekannten Pfaden wandelte
und von Abenteuern glücklich verschont blieb. Andere Aufzeichnungen
enthalten neben vielem Bekannten doch hin und wieder eine Partie, welche
als neu und selbständig bezeichnet werden darf und daher eines gewissen
Reizes nicht entbehrt. Einen derartig wertvollen Einzelzug von allge¬
meinem, kulturgeschichtlichem Wert finden wir in der Reisebeschreibuue
des Luzemers Johann von Lauffen , der 1583 als Begleiter und Diener des
Ritters Melchior Lussy nach Jerusalem pilgerte und ungefähr 1586 hierüber
mit Unterstützung seines gelehrten Stiefbruders Renward Cysat eine
ausführliche Schilderung entwarf, die von der Bürgerbibliothek Luzern
gehütet wird. Von Lauffen erwähnt darin die seltsamen Umstände des
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— 145 —
Übertrittes eines katholischen Priesters zum Islam. Auch andere Pilger¬
bücher zählen gelegentlich die Namen von Renegaten auf, die man da und
dort im Orient getroffen, aber eine nähere Schilderung der Vorbereitungen
und der Feierlichkeiten, unter denen sich der Abfall vollzog, findet man in
andern Reiseberichten wohl kaum, weshalb diese Stelle herausgehoben zu
werden verdient. Der Verfasser weist schon im Verzeichnis der Mitpilger
re Anfang seines Buches auf das unglückliche Ende eines Reisegenossen
hin, indem er ihn dem Leser also vorstellt:
* Don Anthonius von der Stadt Palermo in Sicilien, damalen ein Priester,
kam mit der Gesellschaft bis gan Tripoli [in Syrien], daselbst verlaugnet
er den christlichen Glauben und ward ein Türk, ehe man gen Hierusalem
kam.» Im Verlaufe der Reisebeschreibung widmet dann von Lauffen
dieser Begebenheit folgende Notiz :
Den andern Tag Höwmonats [1583] steigen wir us dem Schiff ufs
Land ....
Diser Zyt als wir zuo Tripoli tagend, begab sich ein erschröckenlicher
leidiger Zuofall mit einem unser Mitpilgeren, der hieß Antonius von Palermo,
«in italiänischer Priester, us Sicilien pürtig, dem wir auch ein solliches nit
vertrnwt by dem wenigsten, dann er sich sonst glich von siner Anfart von
Venedig us mit uns und mengklichen zimlich wol und still gehalten.
Aber er fiel unversehenlich in die Strick des Tüfels und der Verzwyflung.
Dann als er an einem Sambstag Morgens das hochheylig Ampt der Maß
verricht (wol zuo besorgen us einem bösen, wanklenden Gemüt und villicht
schon von dem bösen Geist angefeßlet nach dem Exempel des Verräters
Judae, der auch von des Herren Abendmal ufstuond, den nächsten hin-
|ieng und sin Verratery vollbracht) zoch er hin zuo dem türkischen Cadi
oder Statregenten, ime sin verzwyflet, elend Vorhaben fürzetragen durch
einen Juden, den er hierin zu einem Underhändler gebrucht, über alles
Warnen, Abmanen und Bitten der Gesellschaft (daruf er nüt anders ant¬
wortet dann : Spiritus, ubi vult, spirat, das ist: der Wind blast, wo er will)
«in solliches nit ze thuond und sich nit also ohne Noth dem Tüfel zuo einem
Opfer ze gäben. Der Sathan aber hat ime sin Härtz so stark besäßen, dz
«r sich nit wolt wendig machen laßen, sonder fuor fort und verlaugnet
anseren waaren christlichen Glauben, darinnen er erboren, getauft, erzogen
and, dz noch mehr ist, ein Priester worden und macht sich also uß Yngäbung
des Tüfels, auch ungenöt uß eignem Muotwillen zuo einem Türken, ward
auch mit Frolocken von dem Cadi ufgnommen. Der verhieß ime, by ime
ze Hof zuo behalten und ime guote Fürsähung ze thuond. Dessen er¬
schreckend wir all zuo mal vast übel und besorgtend, er möchte uns ver¬
raten oder ufs wenigest sonst in Gfar und Schaden bringen mit Eröffnung
etlicher uß der Gsellschaft Namen, Condition, Standts und Vermögens,
ohne dz uns sin Fal und Verzwyflung sonsten von Härtzen leid und be-
sch war lieh war. Die Türken aber hattend dessen groß Frolocken und
Pachtend ime am Sontag den 7. Tag July [1583] ein herrlich Fast und
Triumph, fuortend ine uns Christen ze Traz für dz Barfuosser Closter,
da er ze Herberg gewäsen, durch die Statt herumb in söllicher Ordnung:
RITUS d’HISTOIRE ECCL&SIAST1QUE 10
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— 146 —
Erstlich voran giengcnd etlich Türken ye zwen und zwen mit Knütlen
in Händen.
Darnach zwen mit Fanen.
Uf die selbig der abgefallne verlaugnet Christ, uf einem Roß sitzende,
zum allerköstlichsten angethan mit einem langen, roten Schariatinen Rock
und wyssen Hüllen oder Turbant. Item vergülten Sebel und Tolchen
an der Syten, auch einem Pfyl in der rächten Hand. So waren auch Sattel,
Zaum und Gereit mit vergülten Spangen geziert, alles auf türkische Manier,
wiewoll es ime nit bleib, sonder ime angelihen war zur Zierd dises gottlosen
Triumphs.
Uf ine voigtend andre Türken meer ze Roß mit Seytenspil und Büchsen
und da sy by dem Clostcr für zugend, schußend sy die Büchsen ab mit
vil Wasens und Geschrey, wie auch das ander Volk thät, so vor und
nach lief.
Es ward uns auch angezeigt, sy haben ime glich des selben Tags ein
junges Wyb verordnet und vermächlet; man wurde aber sy ime nit zuo-
laßen, bis er sich uf türkisch beschnyden Hesse, wie dann am volgenden J
Montag beschächen. Wir vemamend auch, das ime die Beschnidung so •
übel bekommen oder so nach gesuocht, besunder in sallicher Zyt des Jars. j
das er schier verdorben wäre. ;
Damit aber wir uns us der Sorg und Gfar so vil möglich ledigen \
möchtend, erwurbend wir durch Hilf und Mittel des französischen Consuls j
unsers christlichen Gastherren und Guotthaters, von dem türkischen Cadi
oder Landpflägcr allda ein gcschriftlichen Schin oder Paßport und Gkits-
brief, in syrischer Sprach gcschriben, inhalts das wir alle französische Pilger
wärent und das wir allenthalben Schirm und Gleit haben sollend, als dann 1
auch geschach, sitten mal, wie oben gehört, die französische Nation in j
der Türky sonderlich geachtet und angesähen würd. E. Wymann. {
Die Melodie zu einem Bruderklausen Lied.
Die Biographien und eine besondere Sammlung von Dr. P. Augustin
Benziger machen uns mit einer großen Zahl von Gedichten zu Ehren des
seligen Nikolaus von Flüe bekannt. Aber selten oder nie wird die allfällig
vorhandene Melodie mitgeteilt, ja nicht einmal ihr Fundort genannt. Es
Hegt hierin ein entschiedener Mangel, denn es ist wahrlich doch nicht
gleichgültig, ob im betreffenden Falle nur die Poesie oder gleichzeitig auch
die Musik sich in den Dienst des vielverehrten Landesvatere gestellt habe.
Auch vom praktischen Standpunkte aus ist die gerügte Unterlassung
jeweilen zu bedauern, indem schon öfters bei passender Gelegenheit ein
solches Lied cingeübt und vorgetragen worden wäre, wenn man die ent¬
sprechende Melodie gekannt hätte. Aus diesem Grunde möchten wir auf
ein mehrfach gedrucktes und erwähntes Gedicht aufmerksam machen, das
also beginnt:
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147
Ja, Brüder ! Es lohnt sich der Mühe,
Dem Bruder Niclaus von der Flüe
Zu singen ein unsterblich Lied !
Zu diesem Gedicht von 10 Strophen gibt es eine Melodie in einem
Quartheft, betitelt: ■ Schweizerlieder mit Melodien. BERN. Gedruckt und
verlegt bey Wagner, Hochobrigkeitlicher Buchdrucker. 1770.» Das Titel¬
blatt trägt als Vignette einen Posaunenengel, der auf Wolken daherfährt
und von einem kleinem Engel mit einem Palmzweig begleitet wird. Auch
die übrigen Blätter sind mit verschiedenen Vignetten verziert. Der « Vor¬
bericht zu den Melodien der Schweizerlieder »ist datiert und unterzeichnet:
« Wczikon den 2. Merz 1769. Joh. Schmidlin.» Das Heft zählt 77 paginierte
Seiten. Auf der Rückseite des letzten Blattes steht das obrigkeitliche :
• Imprimatur. JOH. STAPFER. » Unser Exemplar kam laut Stempel vom
bisheiigen Besitzer J. Jauch, Altdorf, an die « Kantonale Gemeinnützige
Gesellschaft Uri » und von ihr an die Bibliothek des Vereins für Geschichte
und Altertümer von Uri. Es dürfte noch da und dort ein solches Exemplar
in den Bibliotheken zu finden sein, aber niemand ahnt hinter dem all¬
gemeinen Titel, daß diese Sammlung auch ein Lied zu Ehren des seligen
Nikolaus enthalte. Diese Sammlung erlebte offenbar noch weitere Auflagen
oder Bearbeitungen. Das Antiquariat Gilhofer und Ranschburg in Wien
bot vor dem Weltkrieg eine dritte Auflage, datiert: Zürich, Bürkli, 1786,
für 15 Kr. an. Als Titelvignette zeigt diese Ausgabe die Büste Lavaters.
Das fragliche Lied ist für Sopran und Alt gesahrieben und mit einer Be¬
gleitung versehen. Die Melodie bewegt sich im schlichten Volkston. Als
Vortragsweise ist ein viel und doch nichts sagendes « Angenehm » vor¬
gemerkt.
Diese Lieder scheinen einst verhältnismäßig ziemlich gut verbreitet
und behebt gewesen zu sein. Aus Altdorfer Privatbesitz erwarb ich ein
vierseitiges «Schweizer-Mädchen Lied b, ohne Noten, geschrieben von
einer kräftigen Hand des ausgehenden 18. Jahrhunderts. Das nämliche
Lied findet sich mit Noten auch in dem oben beschriebenen Sammelheft
von 1770, scheint jedoch aus einer andern Auflage oder Ausgabe abge¬
schrieben zu sein, da es gegenüber der gedruckten Sammlung von 1770
mehrere zum Teil bessere Varianten aufweist. So schließt beispielsweise
eine der gedruckten Strophen :
Blumen nur sind unsre Zier ;
Milch und Wasser trinken wir !
Die Handschrift aber drückt sich also aus :
Blumen sind uns Edelstein,
Milch und Schotten unser Wein !
Eduard Wymann.
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148
Die Stiftung zweier Kaplaneien in Sargans
im Jahre 1394.
Zur Anfertigung einer Kopie wurde mir die Originalurkunde, mit der
Graf Johann I. von Werdenberg-Sargans am 29. April 1394 die zwei jetzt
noch bestehenden Kaplaneien in Sargans stiftete, durch hochwürdigsten
Herrn Prälat A. Tremp zugestellt. Seiner Freundlichkeit verdanke ich
auch die Einsicht weiterer, im Kirchenarchiv Sargans aufbewahrter Kopien
und Urkunden.
Mayer führt zwar in seiner Bistumsgeschichte von Chur, Bd. I. S. 422.
die Gründung an. jedoch mit unrichtigem Stifter; auch spricht er nur von
einer Kaplanei. Krüger gibt in Nr. 548 seiner Regesten zu «Die Grafen von
Werdenberg-Heiligenberg und von Werdenberg-Sargans.» St. GallerMittei¬
lungen, Bd. XXII, einen knappen Hinweis auf die Urkunde, der auf dem
Auszuge in Wegelins Pfäverser Regesten. Nr. 320. beruht. Allein, abgesehen
davon, daß das Regest Wegelins nicht auf das lateinische Original, sondern
auf eine deutsche Übersetzung des XVI. Jahrhunderts, die im St. Galler
Staatsarchiv liegt, zurückgeht, werden auch die kirchengeschichtlich recht
interessanten Bestimmungen für die Pfrundinhaber nicht vollständig wieder¬
gegeben. Die Aufzählung der Güter und Einkünfte der Dotation ist gänzlich
wcggelassen, obwohl sie für die Ortsnamenkunde, für die Siedelungsgcschichte
und für die Rechtsverhältnisse des Sarganserlandes manche Aufschlüsse
gibt. Auf eine Folgerung, die aus dem an der Urkunde hängenden Siegel
Bischof Hartmanns II. gezogen werden kann, machte ich in einem weitem
kleinen Beitrag aufmerksam, wie ich auch hoffe, auf « die Klose » bei anderer
Gelegenheit zurückkommen zu können. Dies mag trotz des Regests bei
Wegelin den Abdruck der Urkunde rechtfertigen, wobei, um Platz und
Satz zu sparen, alles irgendwie Formelhafte weggelassen und auch größere
Partien nur durch .— angedeutet wurden.
Bischof Hartmann (II.) von Chur bestätigt die durch Graf J oh a nn (I*)
von Werdenberg-Sargans errichtete Stiftung der zwei Kaplaneien
8t. Maria und Matheus, sowie St. Maria und Allerheiligen in der
Pfarrkirche zu Sargans. 1894, April 29.
Nos Hartmannus, dei et apostolice sedis .... gracia episcopus C\tritn&
notum facimus ..... quod sub anno .... millesimo drecentesimo nona-
gesimo quarto nobilis - dominus Johannes , comes de Wetdtnbert
dominus in Sanagans, noster consangwineus, .... altare beate_Man?
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149
et beati Mathey apostoli in honore dedicatum ac per eum in parrochiali
ccclesia oppidi in Sangans .... edificatum .... bonis et redditibus sub-
scriptis in salutem anime sue ac progenitorum et successorum animarum
nec non omnium fidelium defunctorum ac remedium peccatorum eorundem
canonice dotavit. Consequenter idem nobilis dominus - causis ex
suprascriptis domum in atrio dicte parrochialis ecclesie sitam Closam
actenus nuncupatam cum omnibus suis pertinenciis, obvencionibus ....
nec non bonis et possesionibus subscriptis et aliis dicti comitis propriis
in melius reformare .... anhelans capellam et altare noviter eciam per
ipsum comitem .... in .... barrochiali ecclesia constructum ad honorem
_beatissime-virginis Marie et omnium sanctorum dedicatum_
similiter canonice dotavit. volcns .... idem comes ..... quod ad dictorum
altarium .... quodlibet per eum et universos suos heredes ac successores
in possessione castri et dominii Sanagans existencium unus ydoneus capel-
lanus actu presbiter in singulis alterutrius ipsorum altarium vacacionibus
_ presentetur per ordinarium, ut iuris est, investiendus, qui huiusmodi
altare debite ac canonice inofficiet seque sic gloriose teneat, ut publici
concubinarii notacionem non incurrat, alioquin notoritate defejente huius¬
modi fore factum quilibet dictorum capellanorum tanquam pro crimine
ad privacionem cuiuslibet prebendati sufficiente ad delacionem patroni
premissi seu heredum suorum per nos et nostros successores ordinarios
priventur beneficiis et prebendis prelibatis. Est eciam per eundem comitem
.... condictum, quod si ipse comes seu ipsius successores in dominio
castri in Sangans existentes .... in presentacione huiusmodi capellanorum
ad .... altaria .... vacancia infra tempus iuris negliens foret .ex
tune .... ius presentandi predictos capellanos ad abbatem Preganciensem
..... ad quem et suum monasterium ius patronatus parrochialis ecclesie
in Sangans .... dinoscitur pertinere, ea vice devolvatur ; ac demum huius¬
modi abbate similiter negligente .... ius presentandi iam dictum ad prepo-
situm ecclesie Curiensis et consequenter, ut iuris est communis, ad superio-
res ea vice devolvatur. Voluit eciam .... idem comes, quod annuum
anniversarium suum, progenitorum et successorum suorum super diem
obitus sui celebretur cum vigilia et missa solempnibus in notis a ....
cappellanis sub utriusque ipsorum expensis rectore et aliis dicti oppidi
presbiteris et cappellanis interessentibus et concelebrantibus eisdem con-
vocatis per cappellanos antedictos ; et quociescumquc huiusmodi anniver¬
sarium annuo super diem obitus sui per .... cappellanos modo premisso
non celebraretur, festis vel aliis legitimis causis .... ambos seu alterutrum
- non prepedientibus, quod tociens .... cappellani rectori-per-
solvand decem solidos denariorum Constanciensium inremissibiliter reci-
pienti. Ne autem .... barrochialis ecclesie rector in aliquo suo iure defrau-
detur vel detrimentum ratione huiusmodi .... altarium paciatur.
constituit idem comes, ut .... altaris sancte Marie .... et beati Mathey
apostoli capellanus de redditibus sue prebende subscriptis annuo tradat
-duas libras denariorum Constanciensium-rectori in recompensam
oblacionum secretalium et aliarum obvencionum .... cappellanorum
amborum in et super suis altaribus .... evcniencium, que cum sic dictis
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I 5 °
rcmediis cedcre debent eisdem, sicque ambo .... prebendarii sint a ....
rectoris impedicione ac alterius cuiuscunque contradictione quoad premissa
totaliter inmuncs. Voluit eciara dictus comcs.quod-cappellani
diebus celebribus festivis ac precipue solempnibus dicto rectore concelebrent
et in divinis officiis cantando et ministrando, ut decet, omnino iuvent
nisi aliqua racionabilis causa unum vel ambos aliquo huiusmodi diemra
excusaret. Debent eciam predicti prebendarii frequenter missas in dictis !
altaribus celebrare et nunquam sine racionabili causa presentes obmittere,
nisi ipsi ambo vel quilibet ipsorum duobus diebus in ebdomada vellent a
divinis abstinere, quod ipsorum remittitur consciencie, tali tarnen mode-
ramine medio, ne nota accidie eis vel eorum alteri possit imputari. Est
autem specificacio bonorum, quibus dictus comes patronus altarc sancte
dei genitricis Marie et beati Mathcy apostoli canonice .... dotavit videlicet ;
hec : redditus duodecim modiorum farris de curia sua n Blunc : 1 sita
mensura Sanagansis.octo modiorum grani _ de curia sua in
Grünnenvelt Ä , .... quatuor modiorum grani .... solvendi de bonis dicii ;
Johannis Glarner , que pro nunc colit Nycolaus dictus God* .quatuor
modiorum grane !) .... de bonis dicti Pflipp ; item redditus dimidn 5
quartalis 4 pu iri mensure predicte de bonis, que nunc habentur per dictum j
Haennin vom Stein et suos concolonos & .dimidii quartalis butiri — !
de bonis habitis per Johannem von Ueberwasser et suo s) concolonos 1 . |
-unius quartalis putiri de bonis habitis per Uolricum dictum Glarntr !
et suos concolonos 7 ; item redditus decem casiorum ponderi comitatus j
prcscripti de bonis dicti Johannis dicti Glarner , que nunc habet b'ycolaus j
dictus God --decem casiorum .... de bono dicti comitis in Will volga- j
•
1 Pions, Gemeinde Meis. Nach einer Bemerkung über die Zinsen der Pfrund »
bei der Kopie des Stiftungsbriefes im Pfäverser Archiv V, 15 c (= A) wurden ifa j
mit diesen 12 Scheffeln Weizen noch 3 verbunden für die 4 Scheffel Korn ab j
Philippen Lehen « ab dem Hof zu Bluns gelegen, darauf n Heuser und 15 Stade! .
seyn sollen. » $
* Grüncnfeld. Gemeinde Vilters ; nach den angeführten Bemerkungen gm* j
der Zins vom Hof Barnäöl daselbst ; ein Verzeichnis der Pfrundgülten aus dem J
XVI. Jahrhundert (= B) im St. Galler Staatsarchiv heißt ihn c der Mcligen Hoi* |
* Nach A lag der Hof, « Goden Lehen » genannt, zu Meis ; seine Grenzen und
Güter sind nach einer Verbriefung von 1464 angegeben.
4 Die Übersetzungen des XVI. Jahrhunderts im St. Galler Staatsarchiv,
des XVII. im Sarganser Kirchenarchiv bezeichnen quartale hier als «fierline*.
unten, beim Zehnten zu Azmos, als • viertel »; B nennt es « anckenstuck *. Nach
A hatte das quartale 24 Maß.
6 Nach A ging der Zins von dem Lehen zu Schwendi in Weißtannen und
zwar von den Gütern « Geißgaden. Schafgadcn, Fröschgaden, zum alten Hac>
und Möschengaden, ligt zu dem Esel. »
6 Nach A von dem Hof in Weißtannen im Überwasser genannt, von dec
Stücken Schampboden, Unterlachen, Sträßli und Ruhstein.
7 Auch dieser Zins ging von Weißtannen, von den Gütern im Boden, an der
Kirchen Mur, Gafarrawis, Geißboden, Spicher und Mühliboden außerhalb der
Eselbruggen. (A.)
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riter dicto Byvang 1 ; item una vinea sita an Granen sub oppido predicto
ex superiori parte contigua paschue communis, inferius vero vinee Hain-
{r)ici dicti Smid ; item redditus octo librarum denariorum Constancien-
sium de sturis comitatus in Sangans dicti comitis propriis .... videlicet:
de stü'a volgariter dicta Mayenstür in Bersis unam libram.hominum
dictorum Hoftüt unam libram.oppidi Sangans unam 1 bram.
demonte dicto Porluls * unam libram, item de stüra volgariter dicta Herbst-
stür in locis prescriptis quatuor libras videlicet de quolibet dictorum loco-
rum unam libram. Ordinavit quoque .... comes, ut cappellanus altaris
p-escripti-redditus farris, grani et putiri .... per colonos _ in
festo beati Martini episcopi, redditus vero caseorum .... per colonos_
in festo beati Mychahelis archangeli, redditus vero denariorum de stüris
- per officiales .... comitis vel heredum suorum.medietas in
mense May, reliqua vero medietas in mense Novembris .... in oppidum
Sanagans presententur .... et in toto exsolvantur. Sequitur consequenter
specificacio bonorum, quibus dictus comes capellam et altare in honore
gloriose genitricis Marie et omnium sanctorum dedicatum similiter cano-
nice__ dotavit, videlicet: domus in atrio .... parochialis ecclesie Sane-
gaws sita Closa actenus .... nominata cum omnibus suis pertinenciis ....
videlicet : duo iugera agri an Schnittenaer dicta, de quibus cappellanus ....
dare tenetur annuatim custodi monasterii Fabariensis unam libram cere,
-unum iugerum agri nuncupatum Scharlacz akker, .... unum iugerum
an dem Graben .unum iugerum cum dimidio volgariter dictum Hof-
\uchart in campo inferiori dicto bi dem Crücz ; item una sectura pratorum
cum dimidio iugero agri in Castel dicta.in campo dicto am Veit tres
particulas agrorum, .... sex secture pratorum in Buschaer dicte im Bruel,
- sex secture pratorum dicte ze dem Hohen Port .una sectura
dicta im Büntlin ; item de decima in Aczmans * tot quartalia, quot modii
cedunt rectori ecclesie loci eiusdem, item una curtis ze Lims 4 dicta. Atten-
dens quoque .... comes, quod .... domus cum bonis et redditibus prescrip¬
tis dicte domui pertinentibus .... ad sustentamentum capellani, capeile
et altaris .... minime sufficerent, de suis propriis bonis et redditibus ad iam
dicta .... addidit subscripta scilicet : unam vineam dictam vinea Wil-
helmi dicti Smtd sitam in strictu scu banno Mayenveit ..... item redditus
viginti quatuor florenorum de theloneo suo in valle dicta Rinwald. 6 Quibus
1 Vild oder Fild, Gemeinde Sargans. Nach A hatte das Gut Bifang damals
« der Rhein mehrenteils hinweggenommen. *
* Porteis, Gemeinde Flums. Vgl. Götzinger, Die romanischen Ortsnamen des
Kantons St. Gallen. Nr. 115.
* Noch Götzinger a. a. O., Nr. 197, konnte zu dem Dorfnamen Azmos keinen
urkundlichen Beleg beibringen. B hat die Form Atzmas.
* Lims, Gemeinde Grabs.
* Schon am 8. Juli 1396 hat Graf Johann I. beiden Kapläncn das Einkommen
an Geld auf den Ertrag seiner Schmiede an der Scez hinter Meis angewiesen.
Krüger, a. a. O., Nr. 576.
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152
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per .... comitem - sic dispositis .... Hainricus 1 abbas totusque ;
conventus monasterii Pregancicnsis _nec non .... Oschwaldus, rector
ecclesie in Sanagans .... suam bonam voluntatem et consensum appo-
suerunt supplicantes .... una cum .... comite ...., ut prescripta .... \.
autorisaremus perpetuo duratura. Nos vero attendentes omnes et singulas
suas ordinaciones .... iuri ac rationi fore consonas __pro nobis nostns-
que successoribus penitus confirmamus et autorisamus in perpetuo dura¬
tura. Ordinavimus ac presentibus ordinaraus has literas dupliciter
perscribendas insuper et sigillis prescriptorum comitis, abbatis suique
conventus nec non rectoris una nostro cum sigillo muniendas, quarum •
unam in secretario nostre ecclesie Curiensis, reliquam vero in conserotorio •'
castri et comitis- volumus consignari.Datum anno domini j
ut supra, tercio kalendas May, indicione secunda. \
Kirchenarchiv Sargans. Pergament-Original; die stark verstaubten J
und im Siegelbilde teilweise unkenntlichen Siegel hängen in neuen Holz* j
kapseln. !
i. rund 35 mm., rot in gelber Wachsschale; erstes Siegel Bischof j
Hartmanns bei Gull, die Grafen von Montfort_Nr. 76. Die Legende ist j
indessen aufzulösen : Sigillum Hartmani electi et confirmati in episcopum
Curiensem.
2. rund 33 mm., zweites Siegel Graf Johanns bei Gail, Nr. 70., teilwese
beschädigt.
3. spitzoval 65/45 mm. In gothischem Gehäuse stehende Abtsfigur,
unten kleines, imkenntliches Wappenschild ; das Siegel in der Mitte zer¬
brochen und stark am Rande beschädigt. * SIGILVM.SINGEN (?)
. IN. PREGANCIA.
4. spitzoval 35/37 mm. Im Siegelbilde Paulus und Petrus, der Rand
teilweise beschädigt. * S’CONVENTUS.MONASTERII.PRIGANTINI
5. rund in starker Wachsschale 31 mm. Wappenbild : auf bewachsenem
Dreiberg nach links ein Vogel. * S’.OSCHWALD. .MAISER.
A tergo der Urkunde 1. A. 2. Von der Hand Gilg Tschudis : stiflt- J
brief baider pfrunden. 3. Von einer weitem Hand des XVI. Jahrhunderts: (
dis ist der brief von den pfronden ze Sangans. j
St. Gallen. Joseph Müller. •
1 Heinrich II., der 15. Abt des Benediktinerklosters Mehrerau bei Bregenz
regierte bis 1414. Lindner , Album Augiae Brigantinae, S. 8. Urkundlich erstmals
erwähnt zum 21. Januar 1388, Hummel, Chronol. Verzeichnis der Urkunden de?
.... Stiftes Mehrerau, Vorarlb. Museumsbericht XVII, S. 48.
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153
Gaben für ein Missale der Kirche von Zweisimmen
im Jahre 1470.
Im Archiv von Valeria befindet sich ein gut erhaltenes Missale auf
Pergament, das ursprünglich für den Altar der hl. Barbara in Zweisimmen
erstellt worden ist. Die Seiten sind durchschnittlich 35 Cm. lang und 25 Cm.
breit. Die ersten 5 Blätter bringen das Kalendarium ; das 6. Blatt, das
die Monate November und Dezember beschlägt, ist ausgeschnitten. Blatt
1-240 enthalten die gesamten Meßgebete. Der Kanon, der in größerer
Schrift auf zwei unpaginierten Blättern steht, ist nach Blatt 117 einge¬
schoben ; das Blatt unmittelbar nach dem Kanon trägt wieder die Seiten¬
zahl 117. Die Schrift ist durch das ganze Buch hindurch einfach und ein¬
heitlich gehalten. Die Rubriken werden stets rot, die Initialen abwechselnd
rot und blau geschrieben. Besondere Verzierung haben nur ein A am An¬
fang des Missales und das T beim Beginn des Kanons, ; letzteres bietet ein
in kräftigen Farben gehaltenes « Ecce Homo »-Bild. Dem Anscheine nach
ist ein Blatt vor dem Kanon, das e ; ne Zeichnung geboten haben dürfte,
ausgerissen. Noten oder Platz für solche sind nirgends angebracht. Nach
einer Notiz, die auf dem letzten unpaginierten Blatte des Buches steht,
war dasselbe für den Altar der hl. Barbara in Zweisimmen (Bern) bestimmt
gewesen und von Jorius Jöch von Augusta geschrieben und den 26. Juli
1470 vollendet worden. Später gelangte es in den Besitz der Kathedrale
von Sitten ; wann und unter welchen Umständen ist völlig unaufgeklärt.
Daß es aber in Sitten wirklich gebraucht und benützt wurde, das bezeugen
die verschiedenen Variationen, « secundum usum cathedralis ecclesie Sedu-
nensis», die jeweilen im Kalendarium oder am Rande des Missales ebenfalls
m gotischer Minuskelschrift angebracht sind. Auf den beiden Seiten des
vorletzten Blattes, das nicht paginiert ist, stehen die Namen sämtlicher
Wohltäter, die für das Meßbuch Gaben und Schenkungen gemacht haben.
Alle diese Eintragungen stammen von der Hand des Schreibers des Buches,
des Jorius Jöch von Augusta und haben folgenden Wortlaut:
Nota: isti sequentessuntbenefactores et fundatoresillius libri ad altarc
pmnarie in honore sancte Barbarc virginis et martyris in ecclesia Duarutn
Semtnarum.
Dominus Rudolffus Sunggi, tune temporis curatus ibidem, dedit unum
florenum.
Dominus Johannes Quentzer, primissarius tune temporis, dedit unum
florenum.
Petrus Rosz et uxor ejus Verena, tune temporis castalanus, dt. 2 flor.
Jorius Joech de Augusta, qui scripsit librum.
Stephanus Schertz et uxor dt. 10 solidos.
Anthio Zeller et uxor dt. 1 flor.
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154
t
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♦
»
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Petrus Pfleger et uxor dt. 5 solid.
! Petrus Uoschi et uxor dt. 2 libros.
#
‘ Cristannus Linder et uxor dt. 1 flor.
Petrus Steiger dt. 1 flor.
Petrus Metteller et uxor dt. 1 flor.
Rudolflus Metteller et uxor dt. 1 flor.
Petrus Metteller , antiquus, et uxor dt. 5 solid.
Janno Egerder dt. 1 flor.
Rudolflus Haiwer, pistor, dt. 1 lib.
Haintzmannus Schoenin et uxor dt. l / 2 flor.
Rudolflus Pfleger et uxor dt. ]/ 2 flor.
• Petrus Schoeni dt. 10 sol.
Rudolflus Gratschi et uxor dt. 5 sol.
Johannes Schmid et uxor dt. 10 sol.
Johannes de Fonte , junior, et uxor dt. 1 lib.
Johannes de Fonte , senior, et uxor dt. y 2 flor.
Nycolaus Uti et uxor dt. 2 pli.
Johannes Prenno, Johannes Schoeni , filiaster et uxores eorum dt. 15 sol.
Johannes Ger hart et uxor dt. 2.
Petrus Janssi et uxor dt. 5 sol.
Johannes Gisen et uxor dt. 10 sol.
Petrus Grider dt. 5 sol.
Nycolaus Plutti et uxor dt. 10 sol.
Ulricus Schmid dt. 5 sol.
Nycolaus IVansidel pfistalator et uxor dt. 1 pli.
Nycolaus Schmaltz et uxor dt. 2.
Luduvicus Türlin de Ulm dt. 5 sol.
Andreas Roesti dt. 10 sol.
Anthonius Jaggi et uxor dt. y 2 flor.
Uxor Johannis Egerders dt. y 2 flor.
Johannes Egerder et uxor dt. 10 sol.
Ulricus Koli et uxor dt. 6 pli.
Jodocus Mertz et uxor dt. 10 sol.
Johannes Kurtz et uxor dt. 5 sol.
Cecilia dt. 1 pli.
Johannes Schüro, pistor iunior, dt. 5 sol.
Petrus Am Tüll, senior et uxor dt. 10 sol.
Verena, uxor Christanni de Fonte , dt. 1 pli.
Christannus Santzi senior dt. 1 pli.
Anthonius Santzi et uxor dt. 1 flor.
Item Gassara et filia dt. 2 pli.
Magister Johannes Fry , faber et famula dt. 2 pli.
Petrus Jaggi im Richenstin et uxor dt. 1 lib.
Rudolflus Salmpschi et uxor dt. 10 pli.
Kropflina im Richenstin dt. 13 sol.
Johannes Maienschin et uxor dt. 5 sol.
Johannes Wernli pater et mater et uxor dt. 10 pli.
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155
Verena Schlaiffina, dt. 5 sol.
Petrus Am Tüll, iunior et uxor dt. 1 lib.
Johannes Schober, calciator, et uxor dt. 10 sol.
Johannes Betelried et uxor dt. 6 pli.
Anna Eggen dt. 5 sol.
Johannes Schertz et uxor dt. 10 sol.
Johannes Ginggo et uxor dt. 10 sol.
Petrus Ginggo et uxor dt. 10 sol.
Jacobus Rober et uxor dt. 5 sol.
Christannus Hartzin et uxor dt. 5 sol.
Christannus Minnig dt. 5 sol.
Christannus Barcli et uxor det. 5 sol.
Nycolaus de Fonte et uxor dt. 5 sol.
Johannes Renner et uxor dt. 5 sol.
Rudolffus Kropflin, mater et uxor dt. 5 sol.
Anna Partenoerin de Premgarten 2 pli.
Anthonius Leostein et uxor dt. 10 sol.
Magdalena usz dem Rintal 1 pli.
Peter Greden et uxor 1 pli.
Peter Mesching von Petelried 10 sol.
Uelli Harschy et uxor dt. 5 sol.
Christan Eggen et uxor dt. 5 sol.
Hensli Bürgi et uxor dt. 1 flor.
Hensli Loeginer et uxor dt. 10 sol.
Ruff Müller, senior, et uxor dt. 10 sol.
Der faist Janno et uxor dt. 10 sol.
Peter Leostein et uxor dt. 5 sol.
Uelli Stöcker et uxor dt. 10 sol.
Peter Uti et uxor dt. 10 sol.
Peter Meschin ze Oberriedt 5 sol.
[Von späterer Hand hinzugefügt] : Verena, uxor Steffani Schertz dt.
1 gülden.
Anno domini millesimo quadragentesimo septuagesimo completus est
über iste in die S. Anne, matris beate Marie virginis (26. Julii), per manus
Jtoru Joech de Augusta. D. Imesch.
Hat Zwingli die ältesten Pfarrbücher eingeführt ?
In * Zwingliana y> I, 86 ff. (1899), lesen wir, es scheine, daß die Pfarr-
tächer «als geordnete Institution durch die Reformation, und zwar durch
Zwingli, eingeführt worden seien. » Diese Angabe steht einigermaßen im
Widerspruch mit der Tatsache, daß uns die älteste, uns bekannte Verord-
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i
156 —
nung über Führung von Taufbüchern begegnet in den DiözesanstatuU* dts
Konstanzer Bischofs Friedrich II. von Zollern vom Jahre 1435. *
« Fridericus , electus, confirmatus Constanciensis. — Quia, sicut dkü- v
cimus, sepe propter defectus probacionum cognacionum spiritualium pen- [
cula consurgunt animarum, eo, quod ad invicem matrimonii sacramento {
constrictis interdum cognacionum spiritualium obstant impedimenta, qae
difficulter vel aliquando vix vel non probari possunt, huiusmodi periculo
cupientes quoad nobis subiectos obviare, decernimus et hoc statuto perpetuo ;
servari precipimus, ut ecclesiarum per civitatem et diocesim nostras ree- |
tores, plebani, viceplebani et singuli curati in baptizando putros subditorum
suorum levancium , collevancium et baptizati nomina in registro cvnmuni,
quod in sua ecclesia habeant, et conscribant et testes quam plures assumant
-» 1 — Von Kosten ist da auch keine Rede und « das Mittelalter hatte
den Gedanken der Gleichheit» somit schon vor Magister Ulrich Zwingli! 1
Konrad Kuni.
MelHnger Spenden für kirchliche Zwecke
von 1744-1759.
«Dato den 27. Februarii 1744- ist M. G. H. das Schreiben von
den wohlehrwürdigen Veteren Capuciner abgelesen worden, worinnen selbe
wegen Canonizaiion (!) des seligen Märtyrers Fidelis umb ein heiliges
Almuosen demüötig anhalten. Erkent: Man solle das Schreiben Hm.
Decan 3 übersenden, das er selbes offendlich in der Kirchen verkündigen
soll, und alsden solle man durch zwei Herren ein Steür einsammlen lassen. * *
1 Hdschr. Zurzach 189 im Staatsarchiv Aarau ; Regest, der Bischöfe von I
Konstanz, III. Bd., Nr. 9662 ; Karl Brehm, Diözcs.-Archiv von Schwaben, I 9 W* j
— Darnach sind zu berichtigen : Binterim, Denkwürdigkeiten, I. Bd., S. 185.
und Mayer, Geschichte des Bistums Chur, I., 514, die erst aus dem Jahre 149 > j
eine solche Bestimmung erwähnen. !
* vgl. Zwingliana. I. 87 und 89. * j
8 Christian Andermatt, Sohn des Strählmachers Johann Philipp und der J
Barbara Dossenbach, von und hinter der Kirche in Baar, wurde geboren den J
7. Christmonat 1678, studierte am Borromäum in Mailand, besaß zuerst die
Schulpfründe seiner Heimat, war vom 30. Juni 1708 bis zum 26. Hornung 175 -
wo er starb, Pfarrer in Mellingen, Scxtar vor 1730, Kämmerer 1733, vom Bischof
ernannter Dekan 1741 bis 1750, wo er als solcher resignierte (Geschichtsbl. Baarl.,
wo irrig ist. daß er in Mellingen die Pfarrbüchcr begonnen habe, die von Dr. ;
Singisen 1619 angefangen wurden; Geschichtsbl. M. 10; Pfarrei Verzeichnis M., j
Ratsprot. M. Fasz. 8. 9, 10, 16 und 17 ; Meng, Landkap. Mellingen, 33. 35 - 37 |
und 74 ; eine möglichst ausführliche Lebensbeschreibung Andermatts besitze
ich handschriftlich; vgl.« Die Stadtpfarrer von Mellingen» Nr. 54; noch onttf
der Presse).
4 Ratsprot. 10, 117 f. I
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157
— Das nicht bekannte, wohl gute Ergebnis dieser Sammlung verdankte
der damalige Provinzial Anton Maria Keller von Luzern am 23. März
darauf in einem warmen Dankschreiben. 1
« Ao. 1748, den 18. April, hat M. G. H. Ambtschultheiss Georg Niclaus
Müller den ordinari Rat versammlen lassen und hat .... vorgetragen,
das .... Hr. Decan, Pfarrherr allhier, ihme ein Patent von Jhro bischöf¬
lichen Gnaden zu Constantz überbracht, kraft welcher ( 1 ) Patent alle
•christcatholische Seelen angemahnt und ersucht werden, ein Beisteür
denen catholischen Christen, welche in Berlin, in Prüssen, sässhaft und
aldorten von Jhro Königl. Prüssischen Majestet die Gnad, eine catholische
Kirch, Schuol und Spital auf zubau wen, erhalten, die aber diss so grosse
und gute Werk aus Abgang der Mitlen nicht bewerkstelligen können, ein
jeder nach seinem Vermögen zu tuen. Als ist hierüber abgeraten und
erkant, dass Hr. Schaffner Schwendiman und Hr. Schützenhaubtman
Hümbelin mit einer Büchs von Haus zu Haus dise Beisteür einsamlen
und hernach das Eingesamlete dem Hrn. Decan solle überbracht werden,
damit solches an sein behörig Ort möge gesendet werden. » 2 Der Erfolg
ist ebenfalls unbekannt.
« Vor Ordinari Rat, den 24. Augst 1759 .... Dato ist auch in Vortrag
kommen, dass die P. P. Capuciner 8 wegen ihrem Closterbauw umb ein
Beisteür anhalten. Ist erkänt, dass aus dem Stattseckel solle geben werden
100 Pfd., und aus denen Bruderschaften 50 Pfd. ; macht zusammen
150 Pfd. » 4 Konrad Kunz.
Reliquien des hl. Fridolin.
Die kaiserlichen Gesandten an der Tagsatzung von Bern, Ulrich von
Habsberg, Vogt zu Rheinfelden, und Dr. Wilhelm von Reichenbach,
kaiserlicher Rat, berichten u. a. am 6. Mai 1515 aus Bern in einem Schreiben
an Maximilian (Statthalterei-Archiv Innsbruck, Maximiliana I, 44) fol¬
gendes :
« Die Aidgnossen haben mit uns der von Glariss wegen geredt und uns
anzaigt, wie sy sogar vergebens verritten sein, mit vleissiger bitte, das
1 Keller war Provinzial von 1735-1738 (irrig : von 1737, in Chronic. Prov.,
S. 513) und dann vom 15. September 1741 bis zum 18. September 1744 (gefällige
Mitteilung von H. H. P. Anastasius, Archivar in Luzern) ; Schreiben im Stadt¬
archiv Mellingen, Fasz. 81, 1 ; auf der Rückseite des Briefumschlages ein
Papiersiegel mit Madonna auf der Sichel mit Kind (Provinzsicgel).
* Ratsprot. 10, 240.
* Wohl von Bremgarten, wo eine Vergrößerung des Klosters vorgenommen
werden mochte.
4 Ratsprot. 10, 552.
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- i 5 8 -
Ew. Kais. Maj 1 noch welle inen ain stuck des heilthumbs Sand Fridlms
gnediglichen verschaffen zu geben, inmassen inen Ew. Maj 1 zuthun jungst
zu Innsprugg zugesagt. Darauf haben wir sy bericht, welcher gestalt ich,
Wilhelm von Reichenpach, mit denen von Glariss auf Ew. Maj 1 schreiben
gehandelt und was abschieds wir gemacht, das ich dann alles Ew. Maj 1
zugeschriben, ungezweifelt, Ew. kais. Maj 1 werde sich darinnen gehn und
furderlich entsliessen. Und ist unser vleissig bitt, Ew. Kais. Maj 1 welle
die von Glaris gnediglichen befolhen haben. » A. Bücki.
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REZENSIONEN — COMPTES RENDUS
Holdryoh Zwingli* Briefe, übersetzt von Oskar Farner. Erster Band,
1512-1523. Zürich, Rascher, 1918, xi u. 255 S. 8°. 6 Fr. 50 geb.
Farner veranstaltet eine Ausgabe der sämtlichen Briefe Zwinglis in
fließender deutscher Übersetzung mit sachlichen kurzen Einleitungen, die
trefflich über die im Texte genannten Personen orientieren, sowie ein
Personenregister, das umso verdienstlicher ist, als die Neuausgabe des
Briefwechsels Zwinglis in den bis jetzt erschienenen Bänden eines solchen
entbehrt. Der vorliegende Band enthält 76 Briefe aus den Jahren 1512
bis 1523 an die verschiedensten Adressaten, die in einem besondem Register
hätten zusammengefaßt werden dürfen. Von allem wissenschaftlichen
Apparate, der sich in der Originalausgabe in wünschbarer Vollständigkeit
vorfindet, ist hier mit Recht abgesehen worden. Petrus Gebwiler (S. 29)
ist wohl eher mit dem Kleriker dieses Namens, Sohn des Kaspar und
Familiaris des Kardinals Schiner zu identifizieren (s. Schiner-Korresp.
Bd. I, Basel 1920) als mit dem Sohne des Hieronymus und späteren Land¬
schreiber von Röteln. A. Bücht.
Johanne* Dierauer, Geschichte der Schweiaerischen Eidgenossenschaft -
Erster Band bis 1415. 3. Auflage. Gotha, Perthes 1919, xxm und 543 S.
14 Mark.
Diese trefflichste aller Schweizergeschichten erlebt nun bereits die
dritte Auflage, nachdem sie schon vorher auch ins Französische über¬
setzt wurde. Überall zeigt sich die bessernde Hand des Verfassers,
der sorgfältigst die neue Literatur berücksichtigt hat, so auch in Bezug
auf die wenigen unsere Kirchengeschichte berührenden Kapitel. So ist
über die Frage der Thebäer (S. 16) alles Neue gewissenhaft registriert,
desgleichen die mit der Einführung des Christentums in der Schweiz zu¬
sammenhängenden Legenden, wobei er im allgemeinen stets einen zu
radikalen Standpunkt gegenüber der legendarischen Überlieferung ein¬
nimmt. Daß gegenüber dem Aufsatz Vetters über S. Otmar (S. 44, A. 15)
einige Reserve angezeigt ist, geht hervor aus der Polemik Scheiwillers
dagegen in dieser Zeitschrift (Bd. XIII.). Wir können uns freuen, dieses
treffliche Handbuch in neuer, ganz auf der Höhe der modernsten Forschung
stehender Gestalt zu besitzen und wünschen dem immer noch rüstigen,
aber bereits hochbetagten Verfasser, daß es ihm noch vergönnt sei, auch
die übrigen vier Bände noch in neuer Auflage herauszugeben.
A. Bücht.
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— i6o —
Weinmann Karl, Das Konzil von Trient and die Kirohenmnsik. Eine
historisch-kritische Untersuchung. Leipzig, Breitkopf & Härtel, 1919.
155 Seiten.
Eine verdienstliche Schrift, die emsig alles zusammenträgt und kritisch
verarbeitet, was über den Gegenstand bisher veröffentlicht war und mancher¬
lei Neues hinzufügt. Mehrere Irrtümer sind berichtigt und die Vorgänge
auf und nach dem Konzil, wie auch die damaligen kirchenmusikalischen
Verhältnisse nach allen Richtungen quellengemäß dargelegt. Umfang
reiche Zitate auch aus der leicht zugänglichen Literatur und einige Weit¬
schweifigkeiten erklären sich wohl aus dem Bestreben, den Stoff zu er¬
schöpfen.
Als wichtige Ergebnisse seien hier hervorgehoben : mit einer Reform
des Chorals hat sich das Konzil nicht befaßt; Kaiser Ferdinand I. ist nicht
für Beibehaltung des polyphonen Kirchengesanges eingetreten, sondern
machte Vorschläge für eine Kürzung des Offiziums und den Gebrauch der
Landessprachen bei liturgischen Anlässen; als besondere Gönner der
Kirchenmusik erwiesen sich die spanischen Prälaten; die päpstlichen
Sänger waren über die Kardinalskommission, welche die Konzilsbeschlüsse
auszuführen hatte, nicht sonderlich erbaut; manche wurden gezwungen,
ihr Privatleben mit den christlichen Grundsätzen in Einklang zu bringen
oder wurden aus der Kapelle ausgeschlossen; die kirchenmusikalische
Hauptforderung der Prälaten ging auf die Verständlichkeit des liturgischen
Textes, der vielfach unter technischen Kunststücken verschwand, ins¬
besondere war die Praxis des Diminuierens, des Verzierens der Kompo
sitionen mit Figuren und Läufen, Gegenstand des Tadels ; die « Rettung
der Kirchenmusik » durch Palestrina endlich un 4 seine Missa Papae Mai-
celli hat als einzigen historischen Hintergrund die Tatsache, daß Papst
Marcellus II. am Karfreitag 1555 den päpstlichen Sängern wegen unge¬
ziemender Behandlung des lateinischen Textes einen scharfen Tadel aus¬
sprach und daß Palestrina aller Wahrscheinlichkeit nach durch dieses
Ereignis bewogen wurde, eine Messe, die dem Reformprogramm des
Pap>stes und der Kardinäle entsprach, dem Andenken des um die Reinheit
der Kirchenmusik so besorgten Papstes Marcellus zu widmen. Um diese
einfachen Dinge hat dann namentlich die Zeit der Romantik allerlei Fabeln
herumgedichtet, die bis zur Stunde die Literatur über den Gegenstand
ausgefüllt haben. P. Wagner.
Fribourg (Suisse). — Imprimerie Saint-Paul.
\
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Hans von Matt & Co., Verlag, Stans.
Dr. Joseph Hürbin
Handbuch der Schweizergeschichte.
{ -3 Bände, •
In eleganter Original-Leinwanddecke
(nach berühmten Holzschnittblättern entworfen).
Preis Fr. 26.40 '
. In der « Schweizerischen Rundschau » schreibt Universitäts-Professor
:) r Dr. Büchi von Freiburg über Hürbins Handbuch der Schweizergeschichte .
): * Wir haben nun ein Buch für alle gebildeten Katholiken jeden Standes, das
■ einem längst empfundenen Bedürfnisse abhilft und in keiner gebildeten
katholischen Familie fehlen sollte. An wissenschaftlichem Gehalt und
'. gefälliger Darstellung braucht es den Vergleich mit andern Handbüchern der
Schweizergeschichte nicht zu scheuen. Es unterscheidet sich von den bis-
herigen Bearbeitungen durch besondere Betonung des religiösen und kultur¬
geschichtlichen Momentes ; in dieser Hinsicht wird es von keinem anderen
: Werke erreicht, geschweige übertroffen
Dr. Joh. Georg Mayer
Geschichte des Bistums Chur.
I
►
Mit zahlreichen Konstbeilagen und Textil!tutrationen.
2 Bände in eleg. Originalleinwanddecken mit Goldprägung. Preis Fr. 37.80.
Der Verfasser hat bereits durch eine ganze Reihe wertvoller geschichtlicher
Publikationen sich einen angesehenen Namen im Kreise der schweizerischen
Geschichtsforscher gemacht. Hier liegt nun sein bedeutendstes Werk, gewisser¬
maßen seine Lebensarbeit vor. Sic bietet sehr viel Neues, noch ganj Unbekanntes,
und ist direkt aus den primären Quellen geschöpft, gans original. — Für alle
Freunde vaterländischer Geschichte bietet das Werk reiches Interesse : für die
Qeechiohte Graubündens und der schweizerischen Eidgenossenschaft bietet es eine
Menge wertvoller Bausteine. Kirchengeschichtlioh ist es eine der bedeutungs¬
vollsten unter den bisher erschienenen schweizerischen Publikationen.
DIE ERRICHTUNG DES BISTUMS ST. GALLEN
Von Dr. Frid. GSCHWEND
: Gr. 8\ In 2 Abteilungen broschiert. Preis 9 Fr.
> Was Dr. Gschwend in diesem Interessant und flüssig: geschriebenen Werke bietet, Ist weit
mehr als der Titel vermuten Hast. Er gibt eine akicnmilsstg belebte Geschichte der Aufhebung des
altbcrühmten Klosters St. Gallen.der Gründungdcs Kantons St. Gallen und der st. gallischen Politik in
'. Jen ersten Jahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts und darnut basierend und damit vermochten die
* Geschichte des Doppclbistums Chur-St.Gallen u. d. kirchl. Errichtung des neuen Bistums St. Gallen.
• ~
i
Rittor Molnhinr 1 l looi von imenwWeD, seine Beziehungen zu Italien
nilltJI IVIt/IUIIUI LUool und sein Anleil an der Gegenreformation.
Von Dr. Richard FELLER.
2 Bände 8 *. 247 und i55 Seiten. — Broschiert PreiH O Fr. 25.
m Dr. Feiler bietet uns hier ein Buch von bleibendem Werte, ein Charaktcruemaldc. zugleich
tln Zeitbild, für das wir ihm aufrichtigen Dank schulden. Kein anderer Schweizer jener Zeit hat
sich um die Wiederbelebung; des Katholizismus In unserem Vaterlande s«> verdient gemacht
wie Ritter Melchior Lussi. In überaus anziehender, geistreicher, oft geradezu spannender Darstel¬
lung weiss Dr. Feiler den Leser für seinen Helden zu interessieren >». „schweizer, kirrbfniriiuinj**.
T
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/
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HANS von MATT & C ,e , Antiquariat in Stans
_ 9
offerieren nachstehende hervorragende Werke zur schweizerischen Kirchen-*
geschichte z" den beigesetzten ermäßigten Preisen :
Archiv für schweizerische Reformationsgeschichte. 3 Bäm
Solothurn 1808-76. Lex. 8° (statt 60.—) 27.50
BÜChi, Dr. A. Die katholische Kirche in der Schweiz. Mit 93 lUustrl
Stans 190a. Lex. 8°. Gebunden 4.50
Freiburger Diözesan-Archiv. Zeitschrift für Geschichte, christliche
Kunst, Altertumskunde des Erzbistums Freiburg i. Breisgau, mit Berück*
sichtigung der angrenzenden Bistümer, 1.-37. Bd. nebst Generalregister*
Freiburg 1865-1909. 16 Bde. in Orig. Hfbdn. Rest broschiert
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Gatrlo, A. Die Abtei Murbach im'Elsaß. 2 Bde. Straßburg 1895
(statt 20.—) 9.50
Gelpke, E. F. Kirchengeschichte der Schweiz. 2 Bände. Berh i8S6-6t.
Gebunden (statt 20 .—) 7.50
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Geschichtsfreund. Mitteilungen des historischen Vereins der 5 Orte. ,
1.-70. Band und 4 Registerbände. Einsiedeln u. Stans 1843-1915.
37 Bände gebunden. Rest broschiert. (statt 53 q.—) 236.—
Lütoif, A. Die Glaubensboten der Schweiz vor St. Gallus. Luz.1871.
9.50
— Die Schweizergarde in Rom. Einsiedeln 1859. Selten ! 3.75
a
Nüscheler, Dr. A. Die Gotteshäuser der Schweiz : Bistum Konstanz 2
Archidiakonat Aargau und Dekanat Willisau, Sursee und Kapitel Hochdorfi
10 Hefte. Einsiedeln 1884-1906. Separat-Abdrücke 12.50
Ringholz, O. Geschichte des Benediktinerstiftes Einsiedeln. I. Band,
vielen Illustrationen. Einsiedeln 1904. Lex. 8° Gebunden in Leder.
(90.—) 55.—
Scheuber, Dr. J. Die mittelalterlichen Chorstühle in der Schweix.
11 Lichtdrucktafeln. Straßburg 1910 (statt 8.—) 5.75
Katholische Schwelzerblätter. 1 . und II. Reihe. 33 Bände.
1859-1904. Alles was erschienen (statt 223 .—) 76. —
Steimer, R. Die päpstlichen Gesandten in der Schweiz von 1073-1873. Mit,
35 prächtigen Portraits. Stans 1907 (statt 12.—) 8.—
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1 *
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I Zeitschrift
für
Schweizerische Kirchengeschichte.
Revue d’Histoire Ecclesiastique Suisse.
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HERAUSQEQBBEN VON
PUBLIEE PAR
Albert BÜCH! und Joh. Peter KIRSCH
o. ö. Professoren^an der Universität Freiburg (Schweiz).
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Erscheint viermal jährlich. — Parait quatre fois par an.
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Stans 1920 .
Hans von Matt & C u Verlagshandlung.
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Inhaltsverzeichnis
Sommaire
K. Steiger. — Kirchen- und Staatsetat eines schweizerischen geistlichen
Fürstentums. .161
Dom Albert Conrtray. — Documents supplementäres du Catalogue des
Chartreux d’Ittingen.17t
Joseph Malier. — Karl Borromeo und das Stift St. Gallen (Fortsetzung) 190
Fridolin Segmüller. — So macht man Geschichte (Schlu6) . . . ar
Kleinere Beiträge. — Mdlanges . 329 ?
Rezensionen. — Oomptes rendus.. . a3fc
GRÖSSERE BEITRÄGE.
welche für die nächsten Nummern
in Aussicht genommen wurden.
TRAVAUX
que la Revue publiera
prochainement.
I
Ant. von Castelmnr, Die Rheinauer Handschrift der Vita S. Sigisberti. —*
R. Hoppeier, Das Subsidium charitativum vom Jahre i5oo. — Hermann
HÜffer, Die geistlichen Herrschaftsgebiete in Welschburgund unter der Herr-,
schaft der Zähringer. — L. Kern, L’incorporation des couvents de femmes dans
TOrdre de Citeaux. — Konrad Kunz, Die Synodalstatuten des Bischofs Fried-,
rieh II. von Konstanz vom Jahre 1436. — Aloys Müller, Abt Peter II. (Schmidr,
von Wcitingen (i5y4-iG33). — P. Fridolin Segmüller, Marianus Herzog —
0
Prof. Dr. Arnold Winkler, Der Tessiner Kirchenstreit, 1K45-1847.
N.-B. — Alle für die Zeitschrift für Schweiz. Kirchengeschichte bestimmten
Rezensionsexemplare sind an die Redaktion Freiburg zu adressieren. —
Tous les ouvrages destines ä reccvoir un compte rendu dans la Rerut
d'Uistnirc ceclesiaslique suissc doivent ctre envov^s directement ä la Redaction,
Fribourg.
Die Zeitschrift
LA REVUE
/';>• Schwei ;ensche Kirchengeschichte d’mSTOIRE ECCLES1ASTIQUE SL’ISSE
erscheint 4 .Wal jährlich. paralt par fasneulos trunestripK
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Kirchen- und Staatsetat
eines schweizerischen geistlichen
Fürstentums.
Von K. STEIGER, St. Gallen.
Bekanntlich geben die Regierungsbehörden einer Reihe schweize¬
rischer Kantone alljährlich unter dem Namen Staatsetat oder Staats¬
blonder einen Personalbestand ihrer Verwaltungsorgane, zum Teil mit
angeschlossenem Verzeichnis des Seelsorgeklerus, heraus, aus welchem
jeder Bürger sich orientieren kann über die öffentlichen Funktionäre,
mit denen er gegebenenfalls in Verkehr zu treten hat. Es dürfte nun
nicht uninteressant sein, eine ähnliche Aufstellung kennen zu lernen
aus jenem ehemaligen geistlichen Fürstentum, das in seiner Art eines
der bedeutendsten war innerhalb und außerhalb des alt-eidgenössischen
Gebietes, und aus dessen Bestandteilen zum großen Teil dann der
heutige Kanton St. Gallen erwachsen ist. Dieses Fürstentum ist die
Abtei St. Gallen. Es besaß dieselbe, wie bekannt, das volle Souveräni¬
tätsrecht über die sog. St. Gallische Alte Landschaft und die vormalige
Grafschaft Toggenburg, sowie gewisse Hoheitsrechte im Rheintal und
in einigen, heute thurgauischen Gemeinden, weshalb auch jeweils ein
neugewählter Fürstabt che feierliche Huldigung dieser seiner Unter¬
tanen entgegennahm. Dies letztere geschah beispielsweise im Jahre
1655, v om 14. bis 22. Januar, an folgenden Orten, in welche der neue
Fürst, begleitet von den geistlichen und weltlichen Spitzen seines Hofes,
in feierlichem Aufritte sich begab : in Oberriet, Altstätten, Marbach,
Balgach. Bernang, St. Margrethen, Rorschach, Lömmischwil, Gossau,
Wil und Wattwil (allwo meistenorts «Ihro Hochfürstliche Gnaden mit
stückhlinen und doppelhaggen eingeschossen worden »). Es repräsen¬
tierten die an vorgenannten Orten huldigenden Männer eine Bevölkerung
von gegen 100,000 Seelen, über welche der Fürst als quasi-episcopus
REVUE D’UISTOIRE EGCLESIASTlyUfc 1t
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»
I
I
I
— IÖ2 —
zugleich die bischöflichen Ordinariatsrechte ausübte. Die geistliche und
weltliche Leitung eines solch ausgedehnten Gebietes erforderte natürlich
eine bedeutende Anzahl von Funktionären. Es möge nun hier ein Ver¬
zeichnis derselben, wie es Band 196 des St. Gallischen Stiftsarchnes
vom Jahre 1654, dem Todesjahr des Fürstabtes Pius Reher, lateinisch
anführt, folgen, wobei nicht weniger als die betreffenden Amtsbezeich¬
nungen auch die Namen selber Interesse finden dürften.
* *
*
Der hochwürdigste und erlauchteste Herr Pius Reher, von HVin-
garten, Abt des fürstlichen Stiftes St. Gallen, sowie des Klosters St. Jokonn
im Thurtale, Fürst des Hl. Römischen Reiches, Graf im Toggenburg etc.
A. Bestand des Konventes.
Die hochwQrdigen Herren :
Herr Gallus Alt von Oberriet, Doktor des kanonischen Rechus
und Dekan des Klosters St. Gallen.
Herr Athanasius Gugger von Bernang, Subprior und Professor
der Theologie.
Bernhard Hartmann von Tablat, Senior und Statthalter des hoch¬
würdigsten Fürsten in der Stadt Wyl im Thurgau.
Ambrosius Nägelin von Rapperswil, Vorsitzender des Konsisto¬
riums.
Benedikt Lutzcnberger von Kirchheim, Büchcreinbinder.
Beatus Keller von Schlaithcim, Stiftskustos, Pfarrer und ordent¬
licher Beichtvater.
Modestus Spieß von Altdorff oder Weingarten, Lizentiat d«r
Theologie und wiederholt Professor dieser Disziplin, z. Z. Prior und
Statthalter des Seminars Mariaberg zu Rorschach, sowie Beichtiger
der Klosterfrauen zu St. Scholastika daselbst.
Laurenz Egger von Tablat, verdienter Exdekan, z. Z. Visitator
der Frauenklöster in der Stiftslandschaft.
Matthäus Klump von Freiburg im Breisgau, Vize-Offizial.
Bernhardin Bai er von Rorschach, Prediger und Schulrektor.
Othmar Keßler von Gambs, Unterstatthalter zu Wyl.
Karl Gründer von Appenzell, Pfarrer zu Hemberg.
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— 163 —
Chrysoslotnus Stipplin von Biberach, Registrator, Musikpräfekt
und apostolischer Notar, Sekretär des löbl. Konventes St. Gallen, sowie
des Konsistoriums.
Bonifaz Feurer von Tablat, Leiter der Buchdruckerei, Beichtiger
im Frauenkloster zu St. Georgen und Kaplan an der Kapelle der seligen
Wiborada daselbst.
Plazidus Bridler von Bischofszcll, Doktor des kanonischen Rechtes
und Professor dieser Disziplin zu St. Gallen und Salzburg, vertrauter
Rat des dortigen Fürsterzbischofs, z. Z. Beichtiger der Klosterfrauen
zu Notkersegg und ordentlicher Kaplan derselben.
Dominik Karrer von Tablat, Großkellner des Konvents und
Gartenmeister.
Marzeil Leemann von Gossau, Schulrektor zu Rorschach.
Viktor Reding von Schwyz, Statthalter zu St. Gallen.
Iso Pfaw von Ueberlingen, Unterkantor.
Gerald Nidermann von Jonschwil, erster Zeremonienmeister.
Tutilo Gebel von Rottwil, Doktor des kanonischen Rechtes, Sub-
prior zu St. Johann.
Hermann Huttier von Mindelheim, Pfarrer zu Peterzell.
Burkard Zwenger von Fulda, Pfarrer zu Neßlau und Krummenau.
Andreas Hofmann von Rorschach, Pfarrer zu Alt-St. Johann.
Jakob von Tschernemol aus Hessen, Professor der Humaniora zu
Rurschach.
Bartholomäus Tschudi von-Glarus, Bibliothekar.
Thomas Niederist von Schwyz, Pfarrer zu Wildhaus.
Simon uonFret&MrgausVillingen, Statthalter zu Ebringen im Breisgau.
Mathias Roth von Schreckenstein.
Maurus Erler von Schwyz, Prior und Statthalter zu Neu-Sankt
Johann.
Joseph Gastei, Gewandmeister und Küchenmeister.
Joachim Müller von Wyl, Kellermeister zu Neu-St. Johann.
Johann Baptist Harder von Konstanz, zweiter Zeremonienmeister.
Honorat Keller von Uberlingen, Doktor des kanonischen Rechtes.
Martin von Oberhausen, Doktor des kanonischen Rechtes, zweiter
Schulrektor zu Rorschach.
Ulrich Aichheim von Neuravensburg.
Niklaus Grob aus Toggenburg, Pfarrer zum Stain.
Konrad Holzapffel, Doktor des kanonischen Rechtes, z. Z. Prior
im Kloster Ettenheimmünster im Elsaß,
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— 164 —
Maurus Heidelberger von Wyl.
Kolumban von Andlaw.
Meinrad von Baden.
Anselm Mayer von Hirtzbach.
Gregor Werlin von Langenargen, Kaplan in Ebringen.
Lukas Graw aus Elsaß, Pfarrer in Ebringen.
Magnus Egger von Tablat.
Anton von Beroldingen aus Uri.
Theodor Wirth von Lichtensteig.
B. Der Sflkularklerus des Stiftsgebletes.
a) Im Landshofmeisteramt:
Die hochwürdigen Herren : Plazidus Mailin, Doktor cler Theologi*
und Koadjutor der Kirche zu St. Georgen.
Georg Härtsch, Koadjutor der Kirche.zu St. Fiden.
Ignaz Franz Rai ff von Freiburg, Kaplan der Muttergottesplrüii *
und der Kapelle St. Peter und Paul innert dem Kloster.
Franz Wirth von Lichtensteig, Kaplan der Kirche St. Martin in
Brüggen und der Kapellen St. Wolfgang auf dem Haggen und St. Barbirj
auf dem Breitfeld.
Andreas Suter von Zug, Koadjutor der Kirche St. Ulrich in Kap¬
pelen (heute Wittenbach).
Johannes Mangwilcr von Unterwalden, Pfarrer zu Berg.
Sebastian Obcrlicffcr von Luzern, Pfarrer zu Bemhardzell.
Joh. Jakob Künniger von Konstanz, Pfarrer zu Hagenwil.
Georg Lütbrant, Pfarrer zu Summeri.
Franz Wirth von Lichtensteig, Kaplan an den Kapellen L'nstr-'
lieben Frauen, des hl. Gallus und der hl. Katharina innert den Mau<n-
des Klosters, sowie der heiligen Petrus und Paulus auf Rotmonten.
b) im Wyleramte :
Joh. Ludwig Gcrschwilcr von Wyl, Pfarrer der Kirchen St.P^ : - r
und St. Niklaus daselbst.
Olhmar Keßler, Kaplan der St. Galluskapelle, der Kappeln d ,;
heiligsten Dreifaltigkeit und des hl. Jakobus auf dem Hofe zu
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— 165 —
Beichtiger im Frauenkloster St. Katharina daselbst und Kaplan des
Oratoriums des hl. Dominikus, sowie Pfarrer zu Welffensberg.
Johann Müller von Appenzell, Kaplan der neuen Kaplanei und
der Kapelle auf Gerttensberg.
Johann Jakob Grübler von Wyl, Kaplan zu Dreibrunnen.
Joh. Kaspar Leder gerb von Wyl, Kaplan in Ziberwangen.
Johannes Villinger von Luzern, Spital- und Siechenhauskaplan.
Kaspar Andermatt von Zug, Pfarrer zu Rickenbach.
Joh. Michael Wied von Engen, Pfarrer zu Amtzell-Heiligkreuz.
Franz Kreuel von Zug, Pfarrer zu Helffenswil-Linggenwil, und
Kaplan der Kapellen im Schloß und im Dorf Zuckenriedt.
Balthassar Blösch, Pfarrer zu Oberbüren.
Martin Gartenhuser von Appenzell, Pfarrer zu Niederbüren.
N. N. (Name fehlt), Pfarrer zu Wuppenau und Kaplan der Kapellen
zu Wilen und auf dem Nollenberg.
c) in der Grafschaft Toggenburg :
Die hochwürdigen Patres zu Neu-St. Johann als Kapläne daselbst
oder eigentlich Vikare der Kapelle des hl. Karl.
Benedikt Staub (P.) vom Konvent Wettingen, Beichtiger der
Klosterfrauen zu Maggenau und deren Kaplan, sowie Pfarrer zu Sankt
Verena daselbst.
Mathias Meher von Überlingen, Beichtiger und Kaplan der Schwe¬
rtern zu St. Maria der Engel.
Albert Frick, Doktor der Theologie, Pfarrer zu Kappel, Dekan des
Landkapitels Wyl.
Georg Mosberger aus Toggenburg, Pfarrer oder Vikar zu Mogelsberg
und Kämmerer des Landkapitels Wyl.
Mathias Ullinger von Zug, Vikar zu Lichtensteig.
Jakob Maisler, Kaplan zu Lichtensteig.
Rudolph Buocher, Pfarrer zu Wattwil.
Peter Müller von Zug, Pfarrer zu Oberhclfenswil und Kaplan zu
Brunnadern.
Johann Müller von Luzern, Pfarrer zu Ganterswil und
Liitisburg.
Albert Mohr von Bregenz, Pfarrer zu Jonschwil und Kaplan zu
Schwarzenbach.
Johann Hertzog von Appenzell, Pfarrer zu Biitschwil.
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- i66 -
Michael Bilger von Zug, Vikar zu Kirchberg und Kaplan in
Batzenhaid.
Paul Heintz, Pfarrer zu Mosnang.
Christoph Hegesser, Pfarrer zu Henau.
Georg Heidelberger, Pfarrer zu Oberglatt und Kaplan zu Flawi
und Tegerschen.
Joh. Georg Giinthert von Konstanz, Pfarrer zu Niederglatt.
d) in der Vogtei Oberberg:
Joh. Kaspar Rothenflue von Rappcrswil, Lizentiat der Theologe,
Vikar in Gossau und Kaplan zu St. Margrethen.
Laurenz Marth von Tablat, Pfarrer zu Waldkirch.
Johannes Seegrien, Pfarrer zu Sitterdorf.
e) in der Vogtei Rorschach :
Balthassar Schmid, Vikar in Rorschach.
Anastasius Hentzenbergcr von Steinach, Kaplan zu Rorschach.
Die hoclnv. Patres Konventualen von St. Gallen und Prof< ssorer
des Seminars oder Gymnasiums als Kaplänc Unserer Lieben Frau in
Kloster Mariaberg.
Sabinus Wermelinger von Rußwil, Pfarrer zu Goldach.
Petrus Bock von Oberegg, Frühmesser und Kuratkaplan zu Goldach
Martin Vögtlin, Pfarrer zu Steinach und Kaplan zu Tübach.
Joh. Jakob Günthart, Pfarrer in der Gruob.
Christian Fortunat, Pfarrer zu Mörschwil.
f) in der Vogtei Romishorn :
Nt'klaus Weibel von Konstanz, Vikar in Romishorn.
g) im Rheintal:
Peter Bombachcr von Zug, Vikar zu Altstätten.
Gallus Bomgartner, Kaplan zu Altstätten.
Joseph Buochschorer von Altstätten, Vikar zu Marbach und Kap- 1 '
der Kapelle zu Rebstein.
Niklaus Guglcr von Luzern, Vikar zu Balgach.
Johannes Geser von Bludenz, Pfarrer zu Montlingen.
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— i &7 —
Joseph Zürcher von Bludenz, Frühmesser daselbst und Kaplan
der Kapellen der hl. Anna, des hl. Fridolin, des hl. Wolfgang, sowie zu
Krießeren.
Johannes Hunzikofcr von Wyl, Vikar zu St. Johann Höchst und
Kaplan zu Fußach und Gaißau.
Georg Gaist, Vikar zu Bernang.
Mauriz Briillisaucr von Appenzell. Frühmesser zu Bernang.
Johannes Hammerer,' Vikar zu St. Margrethen Höchst.
P. Hippolitus Bildstein von Appenzell, Konventual von Fischingen,
Kurat in Oberegg oder Hirschberg.
h) im Kollegium Unserer Lieben Frau, in der Porte
zu St. Gallen genannt :
Jgnaz Franz Rcuf) von Freiburg.
Franz Wirth von Lichtensteig.
Johannes Küeni von Oberriedt, im Rheintal.
Fridolin Gruober von Korschach.
Georg Sailer von Wyl.
i) an Kirchen ausserhalb des Stiftsgebietes,
über welche jedoch das Kloster St. Gallen das Patronatsrecht besaß,
"erden, ohne weitere Angabe der Pfründeinhaber, genannt die
Pfarrpfründen von Wasserburg, Roggenzell, Guotenstein, Löffingen,
Mundelfingen, Ebringen, Staringen, In der Kluß nach St. Johann
gehörig, Schwarzenbach bei Neuravensburg.
C. Vorstände der Klöster Im Stiftgebiete von St. Gallen.
Kapuzinerkloster in Wyl : P Berardus von Konstanz, Superior.
Frauenkloster zu St Katharina, Ord. S. Dom. bei Wyl : Frau
Maria Regula Wonlich, Priorin, Frau Maria Cäzilia Martin, Subpriorin.
Frauenkloster St. Wiborada, Ord. S. Ben. bei St. Georgen : Schwe¬
ster Anna Maria Weiermann von Wittenbach, Mutter. Schwester
Brigitta Hanimann von Mörschwil, Vikarin.
Frauenkloster der Tertiarinnen auf Notkersegg : Schwester Scho¬
lastika Siz von Ochsenhausen, Mutter. Schwester Seraphia Hetzenberg
von Konstanz, Vikarin.
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i68
Beguinenhaus St. Scholastika bei Rorschach : Schwester Koleu
Stadelhofer, Mutter. Schwester Iphigenia N. von Salzburg, Vikarin
Bcguinenhaus zu Altstätten : Schwester Anastasia Hinderben;:
von Altstätten, Mutter. Schwester Agnes Hasler von Altstätten, Vikarir.
Frauenkloster Maria der Engel bei Schloß Yberg im Toggenbure
Schwester Maria Katharina Bur, (gewesene) Mutter. Schwester Maria
Cäzilia Keller von Überlingen, Vikarin.
D. Bestand der Beamten, Vögte, Hofamänner, Ammänner, Richter,
Schreiber, Weibel und bedeutenderen Bediensteten.
Johann Heinrich Clooß von Luzern, Hauptmann der 4 Srhutzorte j
Jgnaz Balthassar Rinkh von Baldcnstcin zu Wartegg, Landest::
meistcr oder oberster Holbeamter.
Johann Baptist Harder von Konstanz, be'der Rechte Doktor, Ho:
kanzler.
Johann Rudolf Rcding von Biberegg, fürstlicher Rat, Landvoc
im Toggenburg und Oberster.
Georg Theodorich Rcding von Biberegg, Ritter des St. Stephan?-
ordens, fürstlicher Rat und Vogt zu Rorschach.
Adam Tschudi von Glarus, in Ammerschwil und Wälde, fürstlicher
Rat und Vogt zu Oberberg.
Ulrich Christoph Schenk von Kastell, fürstlicher Rat und \ogt k
R omishorn.
Bernhard Christoph Giel von Giclsbcrg, fürstlicher Rat, erblicher
Kämmerer, Feldoberster der Stiftslandschaft und Vogt auf RosvnbiT?.
Wilhelm Christoph von Schwarzach, fürstlicher Rat und Vogt Kl
Schloß Blatten.
Meinrad Tschudi von Glarus, fürstlicher Rat und oberster knec-
legat der alten Landschaft.
Johann Tschudi von Glarus, fürstlicher Rat, oberster KriegdcC'-'
im Toggenburg, Vogt auf Schloß Yberg.
Johann Georg Ledcrgerw, fürstlicher Rat, Reichs- und Lehenvogt
zu Wyl.
Fidel von Thum, Herr zu Eggenberg und Bichwil, fürstlicher Rat
Hofammann, Vizekanzler und Pannerherr, zu Wyl.
Johann Georg Reuti, fürstlicher Rat und Vogt auf Schloß Schwarz-n-
buch.
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— 169 —
Georg Christoph Schultheiß in Mammertshofen, fürstlicher Pfalzrat.
Gallus Germann, fürstlicher Rat und Landschreiber in der Graf¬
schaft Toggenburg.
Johann Joachim \1 aylin, fürstlicher Rat und Lehenvogt zu Sankt
Gallen.
Johann Konrad Gasser, fürstlicher Rat und Vogt zu Neuravensburg.
Johann Jakob Bridler, fürstlicher Rat und Hofammann zu Sankt
Johann in Thurtal.
Gallus Buochschor, fürstlicher Rat und Gerichtsammann zu Alt¬
stätten.
Ulrich Falkh, fürstlicher Rat und Amtmann zu Peterzell.
Georg Greßer, fürstlicher Rat, Verwalter der Abgaben zu Wyl
und Amtmann zu Homburg.
Markus Maylin, Leibmedikus des Fürsten und des Konventes
zu St. Gallen.
Kaspar Wirth, fürstlicher Rat und Schultheiß der Stadt Lichtensteig.
Meinrad Hessi von Glarus, fürstlicher Rat.
Franz Raphael Tschudi von Glarus, fürstlicher Rat.
Johann Heinrich Fuchs, fürstlicher Rat, Amtmann der Kloster¬
frauen zu Maggenau und Stadtschreiber zu Lichtensteig.
Joachim Müller, fürstlicher. Rat.
Karl Franz Reding von Biberegg, fürstlicher Kämmerer.
Lazarus Heinrici von Zug, fürstlicher Kämmerer.
Franz Müller, Notar beider Fakultäten und oberster Senatsschreiber
zu St. Gallen.
Mathäus Städelin von Babenhausen, Ratsschreiber zu Wyl.
Johannes Germann, Substitut im Toggenburg.
Andreas Keller von Steinach, Amtschreiber zu Rorschach und
Hausvogt.
Joseph Melchior Schwärzenhuber, Schreiber zu Ebringen.
Niklaus Tröwer, Hofschreiber zu Bernang.
Peter Hertenstein von Rorschach, Zoller zu Rorschach.
Joh. Jakob Graff von Steinach, Gredtmeister zu Steinach.
Jos. Jakob von Hertenstein von Luzern
Joseph Imfeld von Unterwalden
Jos. Melchior Locher von Frauenfeld
Franz Leber von Neuravensburg, Apotheker des Klosters.
Johann Rudolf Wirth von Lichtensteig, Landweibel in Toggenburg.
Franz Feurer von Tablat, Hofweibcl zu St. Gallen.
[ Substitute der Kanzlei
zu St. Gallen.
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Franz Grübler von Wyl, Hofweibel zu Wyl.
Kaspar Greuller von Rotmonten, Weinverkäufer des Klosters.
Es möchte bei vorstehender Aufzählung der Stiftsbeamten auffallen,
daß uns in den ersten und maßgebenden Ämtern fast auschließlich
Persönlichkeiten aus andern eidgenössischen Ständen, sowie Ausländer
begegnen. Dieser befremdende Umstand hing aber weniger von dem
Willen des Fürsten als vielmehr von einem äußeren Zwange ab. Die
Herren Eidgenossen, nicht zuletzt die aus den Urdemokratien, lehnten
es nämlich des entschiedensten ab, gegebenenfalls mit unebenbürtigen
Persönlichkeiten als Vertretern des Fürsten in staatsgeschäftliche Ver¬
handlungen einzutreten, und als solche betrachteten sie vor allem auch
die Gotteshausleute als Untertanen des Stiftes. Geschah es doch einst,
daß der Fürstabt sich einen ernsten Span zuzog, als er einmal einen
solchen « Gotteshausmann » an die Tagsatzung abzuordnen sich unter¬
fing. Dieser Umstand, von Fremden regiert zu werden, war anderseits
natürlich geeignet, beim Volke der Stiftslande ein gewisses Gefühl
des Unbehagens auszulösen, das bei mehrfachen Gelegenheiten, zumal
in den späteren Zeiten der aufkeimenden Freiheitsregungen in die
Erscheinung trat.
Leichter dagegen erklären sich die vielen fremden, d. h. nicht
St. Gallischen Namen in der Aufzählung»dcs Säkularklerus. Da nämlich
das Stift selber eine große Anzahl Landeskinder in die Reihen seiner
Kapitularen aufnahm, sein Territorium aber immerhin ein beschränktes
war, so sah es sich eben genötigt, seine Seelsorgskräfte in größerer
Anzahl sich von auswärts zu holen und damit in seinem Klerus eine
Vielseitigkeit bezüglich der Heimatszugehörigkeit zu schaffen, wie sie
damals wohl nirgends sonst auf schweizerischem Gebiete gefunden
wurde.
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Documents supplSmentaires
du Catalogue des chartreux d’Ittingen
publlS en 1919
Par Dom Albert COURTRAY.
A la fin du Necrologe (d6jä decrit) de la chartreuse d’Ittingen se
trouvent, de la page 132 ä la page 148, treize actes d’association spiri¬
tuelle, concemant surtout les suffrages mortuaires. Sept d’entrc eux
emanent d’Ittingen ; six lui sont adress6s en retour. II y a donc en
tout sept contrats d’association r&iproque.
Cinq des treize actes, sans parier des autres a ce point de vue,
sont suivis des noms des chartreux d’Ittingen qui les sign£rent, c'est-
a-dire de tous les P6res qui composaient la communaut6, sauf les hötes
(profus d’autres chartreuses), les novices et les Fr6res, s’il y en avait.
Or il est assez rare de rencontrer des documents qui foumissent ainsi
lenumSration ä peu pr£s complßte, sinon enti&re, du personnel d'un
monastöre, et nous l’avons ici pour quatre 6poques differentes. Deux
nomenclatures sur cinq sont semblables.
Bien qu’elles ne contiennent aucun nom inconnu, ces petites nomen¬
clatures devaient entrer dans le catalogue k leurs dates respectives
pour le motif indiqu£. Mais les actes auxquels eiles appartiennent et
les huit autres forment une page d’histoire du couvent. On ne s’en
est pas encore inqui6t£. Ils concernent meme six monast£res, non un
seul, ä cause du caractöre de r6ciprocit6 des associations. II y a plus.
Ces actes nous r 6 v 61 ent quelque chose, bien peu il est vrai, de la vie
spirituelle des six monast^res, vie spirituelle qui devrait etre la partie
la plus captivante de l’histoire de toute communaut^ religieuse, et
sur laquelle, malheureusement, on est d'habitude si mal renseign6.
Ils nous montrent, du moins, que leurs membres prenaient leur vocation
trfcs au s£rieux et selon son but principal, qui est de gagner le ciel,
puisq-ue par leurs engagements mutuels de priores, de bonnes oeuvres,
desa.ints sacrifices, ils prennent le moyen d’y parvenir le plus töt possible
aprte leur mort.
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Ces documents sont donc par eux-memes, en dehors des signatures
de ceux qui en portent, intöressants, instructifs, 6difiants. Autant
pour eux que pour leurs signatures, ils m6ritent d’etre imprimes. Nous
les publions sans y rien ajouter, sauf un numero d'ordre avant leur
titre respectif et leur date consignee aprds ce titre, pour plus de clarte
Cette date sera d’autant moins inutile que plusieurs actes ne donnern
l’annee de leur confection que dans les titres ou les suscriptions, en
chronogrammes qui exigent une Operation pour la trouver. Des chrono-
grammes semblent meme defectueux ou tronques.
Ces sortes d’associations perp£tuelles sont frequentes entre com-
munautes. Elles ont lieu naturellement le plussouvent entre monasteres
du meme institut, et assez rapproch£s afin d’etre avertis des deces
sans retard. Au XVII me siede, les chartreux d'Ittingen en contracteren?
avec dcux chartreuses des plus voisines : Buxheim, en Baviere (n ö I
et II), et le Mont-Saint-Jean-Baptiste (Johannisberg), pr£s Fribourg-
en-Brisgau (n° 8 III et IV). Ensuite ils s’engagerent entre eux ä une
augmentation des suffrages mortuaires prescrits par les Statuts com-
muns a tout leur Ordre (n° V). Puis, au XVIIl me si£cle, ils s'assoc lerer.:
aux chanoines reguliere de Saint-Augustin d’Oehningen, dans la Bade
ä l’endroit oü le Rhin sort du lac de Constance, sur la rive droite. pres
de la frontiere suisse (n^VI et VII). Quand la chartreuse du Mont-
Saint-Jean-Baptiste fut supprimee en 1782, Ittingen s'associa ä l’abbaye
des cisterciennes de Günterethal, pr^s Fribourg-en-Brisgau (n 08 VIII
et IX), ainsi qu’au couvent des dominicaines du Val-Sainte-Cathenne
(Katharinenthal), ä Diessenhofen, en Thurgovie, sur la rive gauchedn
Rhin, non loin du canton de Schaffhouse (n°«X et XI). Le monasterr
d’Oehningen ayant ete aboli en 1800, les dsterciennes de Güntersthal
en 1802 et la chartreuse de Buxheim en 1803, les religieux d’Ittingen
s’allierent ä leurs confr£res de La Part-Dieu, situ£e dans le canton de
Fribourg, en Suisse (n os XII et XIII). Les originaux de ce pact"
existent egalement aux archives de La Valsainte.
Ces dernieres chartreuses contractantes disparurent sous la revo-
lution de 1848, et les moniales du Val-Sainte-Catherine en 1869. De
leurs associations le souvenir seul subsiste. Recueillons-le pieusement,
de peur qu'il ne finisse aussi par perir.
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T 73
LITTERyE CONFCEDERATORUM CUM DOMO
SANCTI-LAURENTI IN ITTINGEN
I. Domus Buxianae.
, ( 3 o septem bre 1628)
Si Servatoris nostri commendatione dignum censet Lucas Vil-
licum iniquitatis, et filium huius saeculi, quod sibi amicos de mammona
iniquitatis constituisset, ut male locato concredito talento, et domini
sui legitimi bonis illegitim^ dilapidatis ä sua negotiatione remotus,
et ä praefectura abjectus homo suo natus abdomini, id in posterum,
cui hactenus iusto pofcius studuerat, ab aliis curaretur. Quantö maiorem
laudem merentur ftlii lucis, si eö tendant, idque unice et una intendant,
ut multiplicato hic in centuplum lucro, de futuro prospiciant, et in
profectu Spiritus proficiant, et si quandoque contingat, ut in trans-
versum acti ä ccepto defteiant, et coram Dei tribunali reos se constituant
(Ouis autem se innoxium fragilium mortalium fore praesumat ?) mature
sibi de auxiliatrice manu potentum (sic) adhuc patrocinium provideant.
Hisce et pluribus maturö pensatis, Vobiscum, Venerabiles Patres
Cartusiae Ittinganae professi, icimus provocati foedus, quod nullum
soh'at saeculum, ut si contingat quempiam ex nostris vitam commutare
r,j ni morte, aut ex vestris aliquem sarcinam immortalis anim;e depo-
uere, reciproce certiores facti super pio obitu singuli pro singulis redda-
mus more Ordinis unum intelligc cum psalteriis monachatum, seu
b missas. Haec fuit et est mens conventus Patrum Buxia^, ita testor
Frater Petrus prior Myia NB (sie) monachatus non in longius tempus
• • •
fejunatur, sed statim persolvatur, et Nccrologio pro annuis exequiis
faciendis inscribatur.
Et ut maiores vires hocce icti foederis instrumentum habeat, exi-
S lf nus ä Venerabilibus Paternitatibus vestris, ut vice huius et vestrum
submittatis, quo utrinque id, quod polliciti sumus praestituri, obligemus.
Actum Buxiae pridie kalendas octobris anni 1628.
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■i ?4
Fr. Petrus Kalt, prior Myia (sic).
Fr. Basilius Huober, vicarius.
Fr. Ambrosius Döner, senior.
Fr. Antonius Wideman.
Fr. Anselmus Faber.
Fr. Laurentius Dieterich, procurator.
Fr. Martinus Menhold.
Fr. Leonardus Plebst.
Fr. Arsenius Bitterlin.
Fr. Bruno Hoz.
Fr. Joannes Nodler.
Fr. Valentinus Stumpf.
II. Litter® Do
II
us Ittingensis.
{i novembre 1628)
Fraternum auxilium Sapientiae Oceanus Rex Salomon .tirrr.s
civitati suis in proverbiis comparare non dubitat, cum ait : « Frater
qui adiuvatur ä fratre, quasi civitas firma etc.» Et hoc subsidium Sarc:;
Patres in ipso charitatis actu consistere, fraternaequc dilectionis vin-
culum, quoad invicem connexi sunt, instar firmissimae civitatis
culter admodum dissolvi posse notant. Ad huius charitatis observamiam
frequenter Christus suos cohortatur apostolos ; hanc Eiusdem Salvatoris
discipuli Joannes et Paulus miris depraedicant pr^econiis ; hanc sanctU'
Augustinus characterem discipulorum Christi nominat ; hanc ipsa tuba
evangelica, Paulus, vinculum perfectionis appellat, quo membra sin-
gula in corpore sanctae Ecclesiae sibi invicem coniunguntur, ct Capit:
suo Christo ad percipiendum per Ipsum et in Ipso spiritualium charis-
matum ac gratiarum influxum uniuntur. Hanc prascipue excolere
condecens esse vidctur, qui relicto Ur Chaldaeorum huius mundi Salva-
torcm sccuturi, sub religionis vexillo Christo nomen dedere, ut Domin:
obtemperantes prreccpto erga se invicem charitatis actus exerceant.
qui in mutuis subsidiis, officiis, sacrificiis, aliisque piis operibus
consistunt, quo veri Servatoris esse discipuli dignoscantur.
Nos igitur infra scripti Cartusiae Sancti Laurentii in Ittingen.
dicecesis Constantiensis, professi, ut aliquod specimen praecepti Demi-
nici.quod actus charitatis exhibeamus, nosque Christi discipulos.quamvi'
indignos, pio aliquo demonstremus opere, Venerabilium Patrum Car-
tusia? Anke Bcat<e Mariae in Buxheim, dioecesis Augustanae, litteris et
oblatione confocderationis illecti, cum eisdem, praehabita matura con-
siderationc, unanimi consensu foedus ferimus, nullo unquam a?vo abo-
lendum, sed perpetuis du ran dum temporibus, nempeut si quis ex nostris
diein clauserit extremum, aut ex vestris professis aliquis vitae pericdum
absolverit, obitusque eius fuerit denuntiatus reciproce singuli pro
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175
animae eius refrigerio unum persolvat propediem Ordinis monachatum
(mtellige cum psalteriis), seu sex missas. Haec fuit et est mens Conventus
Patmm Ittingae. Ita testor Frater Bruno Prior Min [sic]) nec in longum
rejiciant tempus. Et pro annuis exequiis faciendis defuncti nomen
sub die obitus sui, suo Necrolcgio inscribant.
Utque hoc fcedus ictum ratum fixumque permaneat, hoc instru-
mentum singuli propriae manus subscriptione, et consueti sigilli nostri
appensione confirmavimus et roboravimus.
Actum in Cartusia Sancti Laurentii, martyris, in Ittingen, dicecesis
Constantiensis, i° die novembris qui omnibus ccelitibus sacer anno
reparatae salutis humanae supra millesimum sexcentesimum vigesimo
octavo.
Fr. Bruno Müller, prior.
Fr. Eusebius Wendelstein, vicarius.
Fr. Jacobus Taverney, senior.
Fr. Philippus Pfochius.
Fr. Dionysius Pflieger, sacrista.
Fr. Guigo Engelher.
Fr. Henricus Murer, procurator.
Fr. Ludovicus Kübler.
Fr. Dionysius Kerber.
III. LItterae Domus Friburgensis Brisgoiae.
|i6 novembre 162K)
Nos Fratres, prior totusque conventus Domus Montis Sancti
Joannis Baptistae pro]>e Friburgum Brisgoiae, Ordinis Cartusiensis,
zelo animarum nostrarum permoti, et salutem earum ac remedium
propensiüs intendentes, pari voto et consensu, charitatis intuitu et
fratemae dilectionis nexu indissolubili, associationem specialem ultra
Ordinis nostri constitutionem generalem, quae de spiritualibus bene-
ficiis facit mentionem, inirc, et eandem inviolabiliter observare inten-
dimus cum dilectis confratribus nostris Cartusiensibus Domus Sancti
Laurentii in Ittingen, conditione tali, ut quicunque nostrüm, ubicunque
n bierit, habeat omnia suffragia, quae Statuta concedunt professis.
Hane associationem quoad monachos professos Domus duntaxat,
incluso etiam priore hospite, si in officio prioris obierit, extendentes,
Nos pro tempore prior et conventus sigillo conventus et manuum
subscriptionibus confirmamus. Actum in Cartusia Friburgcnsi anno
1628 die 19 novembris.
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176
F. Columbanus Schreiber, prior.
F. Joannes Fleckenstein, vicarius.
F. Henricus Wolfius, senior.
F. Mathias Thanner.
F. Joannes-Christophorus Schenck.
F. Germanus Hugo (sic pour Huge).
F. Balthasar Wittmer.
F. Thomas Pez.
F. Wilhelmus Hauser.
F. Georgius Lichenlaub.
F. Maximilianus Zwanger.
IV. Doi
us Ittingensis Responsio.
(1 janvier 1629)
Cum iuxta Philosophum omnis societas fiat causa aiicuius bom.
et ipsa ratio et institutio vitae adiumenta desideret, in primis ut habeant
mortales, quibuscum familiariter agant, aut arctiori fcedere conntx:
sua bona communicent, ut sibi vel maxim£ in eiusdem communitatb
hominibus locum vendicare videtur, ut mutuis se invicem benefici:s
adiumentis et confzederationibus devinciant. Nos ergo, prior et cen-
ventus Sancti Laurentii, martyris, in Ittingen, provincise Alemama
inferioris professi Venerabilium Patrum prioris et conventus Domi>
Sancti Joannis Baptistae supra Friburgum Brisgoiae, Ordinis CartusitTSi-
provincize Rhenanae, litteris confoederationis mutuae ineundze provocat
hoc foedus renuere noluimus, sed idipsum nostro quoque calculo apprc-
bare, quod ita sonat : Nos Fratres, prior totusque conventus Domus
Montis Sancti Joannis Baptistae prope Friburgum, etc., usque in finem
ut supra. Quod etiam omnes Patres proprize manus subscripnonr
comprobarunt, scilicet : F. Columbanus Schreiber, prior, F. Joanne»
Fleckenstein, vicarius, etc., ut supra.
Igitur sub iisdem conditionibus in hoc instrumento positis no>
infra scripti pro nobis nostrisque successoribus vobiscum icimus fcedus.
nullo unquam aevo abolendum aut infirmandum, his quoque condi¬
tionibus annexis, ut si quis utrimque diem clauserit extremum, eins-
demque dcnuntiatus fuerit obitus, beneficia confoederationis, qua
defunctis impendi solent, non in longius rejiciantur tempus, sed statim
ä quolibet pro eo persolvantur, nomenque defuncti sub die obitus su;
Necrologio Domus inseratur, et omni privilegio tanquam Domus pro-
fessus perfruatur. In quorum fidem et robur hoc fcedus initum nostra
Domus sigillo consucto communivimus, et propriis manibus sub-
scripsimus. Actum in Cartusia Sancti Laurentii, martyris, in Ittinger
calendas januarii qua; novmm auspicantur annum supra millesimum
sexcentesimum .vigesimum nonum.
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177
F. Bruno Müller, prior.
F. Eusebius Wendelstein, vicarius.
F. Jacobus Taverney, senior.
F. Philippus Pfoch.
F. Dionysius Pflieger, sacrista.
F. Guigo Engelherr.
F. Henricus Murer, procurator.
F. Ludovicus Kübler.
F. Dionysius Kerber.
V. Descriptlo Litterarum Foederis inter Patres Conventuales
Ittingensls Cartusiae initi.
(io juillet 1646)
Human« mortalitatis infirmitas, qu® per pomum Protoplasti
sauciata fuit, nos semper in timore Stare, ne per quotidianos lapsus,
multitudinem peccatorum, impoenitensque cor nostrum in barathrum
damnationis ex improviso pr*cipitemur, hortatur ; nescit enim homo
an odio vel amore dignus sit. Et quamvis pretiosissimus Sanguis Christi
tffusus, sufficiens factus sit medicina salutis, nihilominus tarnen, ut
sacra nos docet pagina (2 Macbab. 12), sancta et salubris est cogitatio
pro defunctis exorare, ut ä peccatis solvantur. Considerantes igitur
ex intimo mentis affectu certitudincm mortis, incertitudinem eiusdem
hör*, human* mentis inconstantiam, districtique Divini Judicii
severitatem, in quo etiam de omni verbo otioso rationem reddere coge-
mur, deliberato animo et mutuo consensu nos, professi duntaxat huius
Cartusi* Sancti Laurentii, martyris, in Ittingen, icimus fcedus invicem
nullo unquam *vo abolendum, nec ullis sub quocunque pr*textu
contrariis verbis vel interrumpendum vel pcrturbandum, sed perpetuis
continuandum temporibus, tale :
Quicunque professus sive absens sive pr*sens huius prasfat*
Domus vit* su* periodum absolverit, habeat ultra consuetum mona-
chatum Ordinis, beneficium etiam tricenarii singularis, ita ut per totum
tricesimum singulis diebus extra tabul« ordinari* debitum legatur
una missa specialis pro rcfrigerio anim« defuncti. Quö per h*c pacta
charitatis fcedera si quis eidem defuncto in insueto ad ccelum tramite
forte sit positus obex, faciliüs amoveatur, et illuc celeriüs avolct, quo
prsecessit Jesus Christus Author vit« et Redcmptor peccatorum. In
cuius foederis fidem singuli professi manu propria se subscripsenmt,
et sigillo monasterii confirmarunt. Actum in Cartusia Ittingensi, anno
1646, die vero 10 julii.
HEVUE D’iUSTOIRE ECCLtSIASTI^UE
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F. Bruno, prior huius Domus ct totius
provinciae senior.
F. Lazarus Pflieger, senior et vicarius.
F. Ludovicus Kübler.
F. Dionysius Kerber, procurator.
F. Andreas Bürgin.
F. Georgius Glock.
F. Henricus Frey.
F. Bartholomaeus Ittcn.
F. Walterus Säger.
F. Antonius Dulcken.
F. Joachimus Gagg.
F. Conradus Gester.
4
VI. Descriptiones Confraterni foederis penes Ittings i
• 4
et Oeninga Professos. j
(28 octobrc 1718I
I
SaLVs a Fonte SaLVtls In Christo Vere ReLIglosIs PatrlbU
PrlnCIpaLIbVsqVe CanonICIs RegVLarlbVs BeatI AVgVsthl
Oenlngae CapItVLarlbVs, IVsteqVe VIVa VoCe CartliVsIanls Ittlnci
Fratemltate assoCIandls.
Aucthoritate Divina per Ecclcsiasten, c. 4, paterne adhortaii
bis verbis : Vre soli, quia cum ceciderit, non habet sublevantem st,
recte colligimus ; Si unus ccciderit, et ab altero fulciatur, Optimum
ac sanctum consociatis emolumentum esse. Rursus universo gener;
humano optime est notum, nec iustum hominem esse, quin quotidi'.
peccet, nec unicum verbum otiosum impunitum ä Divino Judice renu-
nere. Hinc praevia deliberatione visum est nobis mentem nostram.
quae olim habita convcntione Reverendissimo Domino Domino Pa’.r-
Augustino Lcechle, dccano meritissimo ac gratificanti nobis per pro-
priam prajscntiam oretenus est manifestata, denuo per hasce litteras
confirmare. Vidclicet ut singuli nostrorum meritd eö fortiüs avidiüsqo«
■
talibus ad fincm praeordinatis intendant inhaerere mediis, quo ma^ ;
tune calamitatis et miseriae tempore sibi videantur necessaria. R*
ergo nostra agitur, paries cum proximus ardet ; miseri etenini qn:
quasi in fornace illa ardenti Ur Chaldaeorum vivunt, votis gemitibusque
coelum petunt, ct non est qui adiuvet. Felix e contrario, quem fac/urr
aliena pericula cautmn, ut non solüm mentem adhuc vacuam, tanqu^
unicus peregrinus in terra, divinis sensim virtutum guttulis pro >'
adimplere satagat, verum etiam quasi quaedam arescentis
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179
flumina in inferiores partes terrae sese extendat, easque exundantibus
perfectionis aquis riget atque consoletur.
Unde his optim£ perpensis, sensns ineundi foederis taliter sit cons-
titutus, ut quidquid per pftesentes simus attestati, reciproc£ Admodum
Reverendae Religiosissimac ac Clarissinue Dcminationes vestrae Oeningae
Professae per authentica scri])ta sint promissurae ; iuxta Evangelicam
sententiam Matth. 7, Omnia quaecunque vultis, ut faciant vobis hoeredes
et vos facite illis.
Idcirco quamprimum Deus jusserit ex ca-tu nostro eonfoederato
aliquem ex tristissimis huius mundi sordibus discedere, de cuius obitu
simus certiores redditi, quilibet sacerdos in principali monasterio Oenin-
i r x, seu Cartusiae Ittingensis professus suffragari debeat trium missa-
nim celebratione. Frater vero clericus tres missas relata sua intentione
ad defuncti subsidium devote audiat. semel communicet, semelque
sibi disciplinam infligat.
Secundö, ut omnia exercitia spiritualia inter nos sint participativa,
quibus mediantibus auxiliis in hac et in altera vita aninue nostrae
refocillari valeant.
Tertiö demum ut nomen defuncti mortuorum confratrum Catalogo
etiam incorporetur.
Cuius foederis fidem ac finem, quem perpetuis temporibus continu-
andum speramus, nömina attestata satis fatebuntur, propriaque manu
singillatim subsignata, sigillcque nostrae Cartusue confirmata. Ittingae
28 octobris.
F. Anthelmus Entlin, prior.
F. Hugo Suter, p. t. vicarius.
F. Michael Beckensteiner, senior.
F. Antonius Foit.
F. Josephus Rieger, procurator.
F. Bruno Lussy.
F. Jacobus Hug.
F. Franciscus Müller.
F. Christophonis Rüemsperger.
F. Laurentius Landwing.
F. Benedictus Feuri r.
F. Carolus Fänger.
L S
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i8o
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VII. Responsio Inclyti
ac Principalis Collegii Oeningensls nobls transmissa.
(7 novembre 1718)
ReLIglosIssIMIs In Christo PatrlbVs Inslgnls CartVsIae Ittln-
ganae plls Professls CanonlCI Oenlngenses eX gratla noVa sanctaqVc
Fratemltate Ipsls assoCIatl IVstas agVnt gratlas.
Quamvis rcligiosa professione simus valde dispares, multümque
officium Mariae, utpote quae optimam partem elegit, Luc. 10, ä negotic
Marthae distet ; ut tarnen animorum coniunctione utrimque simu>
pares, et affectu sincer6 fraterno nos invicem complectamur. sicque
contemplatio Mariae ab actione Marthae suffulciatur, actio autem Marth*
a contemplatione Mariae suppleatur, non solum suadent, verum t-t (
persuadent sat ponderosae rationes in speciali instrumento vestr-
nuper ea de re ad nos dato abunde propositae, queis adhuc adstipulaur ^
Sanctus Jacob, episcopus, c. 5, nos admonens : Orate pro invicem, ut
salvemini, multüm enim valet deprecatio justi assidua.
Quibus omnibus permoti Patcrnitatum vestrarum ac Domina- .
tionum admodum Reverendarum Religiosissimarum ac Clarissimanm >
votis, quae nobis de arctiore spiritualis confraternitatis vinculo vos
inter ac nos contexendo non ita pridem per speciale instrumentum
exposuistis, libentissimö annuimus, spiritualemque fratemitatem non
solum vivis, verum etiam dcfunctis profuturam vobiscum inire cupimu.'
scquentem in modum :
Primo. Quamprimum nobis innotuerit aliquem confratrem Vene-
rabilissimi Conventus vestri professum ex hac mortali ad immortalen
vitam evocatum fuisse, sublatä omni mora, trium missarum celebratiom
confratri piö defuncto parentabimus ; Fratres verö clerici nostri tre>
missas in defuncti solatium dcvotd audient, semel communicabunt |
semelque disciplinam sibi infligcnt. 1
Secundo. Vos omnes et successores vcstros omnium bonoru”
operum, missarum, orationum, eleemosynarum, jeiuniorum, aliorumqur
*
spiritualium exercitiorum quae deinceps opitulante Dei gratia, tarn 1
nobis, quam ä successoribus nostris fient, quantum quidem possumu.'
tenore pra?sentiuni participes esse volumus.
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Tertio. Nomina quoque singulorum confratmm ex conventu vestro
decedentium super Mortilogio nostro inscribemus, confisi, hoc fcedus
spirituale perpetuis temporibus fore continuandum.
Praemissis a (sic), ut plenior fides habeatur, instrumentum hoc
reciprocum confecimus, propria singulorum manu subscripsimus, ac
maiore Collegii nostri sigillo munitum dedimus Oeningae, 7 novembris.
D. Augustinus Loechle, decanus.
D. Antonius Hess, senior.
D. Dominicus Wenz, p. t. parochus.
D. Gregorius Segin, p. t. oeconomus.
D. Hieronimus Saltzgeber
L S
D. Patritius Ziegler.
D. Franciscus Mayerhofer.
D. Carolus Loder.
F. Sebastianus Harder.
F. Petrus König.
VIII. BVnDtnlss zWIsChen einer KartaVs Ittlngen VnD CIsters
In GVnDtersthaL.
C7»7)
Der hochwürdigen hoch Adelichen Gnädigen Frau Von Thürn
Würdigster Abbtissin. Den Wohl Ehrwürdigen Adelichen Frauen
Kapitülaren. auch den Laien Schwestern des Hoch Adelichen Stift
s. Bernards Orden zu Gündersthal.
Unser Grües im Herrn.
Wenn uns der Apostel Jacob für einander zu betten ermahnet
damit wir seelig werden, wen das beharrliche Gebedt eines Gerechten
nach eben dieses Apostels Zeügnüss vill vermögent ist, — entgegen
der Schritt in die Ewigkeit hinüber aüch den frommen wegen fürcht
der genauester Rechenschaft schreckhaft, das einzelne aber so heilig
als heilsame Mittel, die Todte von ihren Sünden zu erledigen, das
Gebedt der anoch wanderenden ist: So haben wir ganz gerne aus nit
weicher Sorg für das Ewige, dero Ansuchen zu willfahren entschlossen.
Wir versprechen also den Schaden, den Ihre abgestorbene mit
dem Todt der Kartaüs bey Freyburg erlitten, durch ein geistliche
Bündtnüss in dissen Bedingniss zü ersezen : Vor iede erstorbene
How. Frau oder Schwester des hochadclichen Stifts Gündersthal
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182
wird nach gemachtem Anzeig ihres Todtes ieder Kapitular der K.art-
aüs Ittingen i heil. Mess lesen, ein Frater aber 3 heil. Messen an¬
hören, und so vill marianische Rosenkränze bedten.
Von dem How. Adelichen Stift Gündersthal als einen Gegensaz
fordern wir : das auf Anzeig des Todts einer unser Kapitülaren oder
Profess iede hochwürdige Frau des hochadeligen Stift Gündersthal
für selben 3 heil. Messen anhören, und so vill Marianische Rosen¬
kränze abbedten.
Wir wünschen also : dass wie das how. adeliche Stift zü Günders¬
thal mehr dan 2 hundert Jahr ünsers ganzen Ordens aller güten
Werken theil genossen, durch diese geistliche Bündtnüss wir mitander
des Genuss der ewigen Seeligkeit theil erhalten. j
Vor VbelM. Vn Versehenen ToDe besChVtze Vns lesV Chrlste!
1
IX. Vertrag Des GotteshaVszes iV GVnDersthaL VnD LöbLIChen |
*
I
KartaVs Ittingen. j
11787 ^ j
Dem Hochwürdigen in Gott geistlichen ünd hochgelehrten herrn
V. P : Antonius Von Seilern würdigsten Prior, Den Hochwürdigen
in Gott geistlichen P : P : Kapitülaren der Hochlöblichen Uralten
Kartaüs zü Ittingen.
Unser Grüess im Herrn.
#
Die lebhaftte Erinnerung jener Göttlichen Wahrheit, das nichts
in Himmel cingehen könne, welches auch nur die mindeste Makel aül
sich hat, erregte in uns aus pfiiehtmässiger Sorge für das Ewige die
heilsamste Begierde, das geistliche Bündtniss widerüm zü erneuern,
so wir mit der nunmehr aufgehobenen Karthaüs zü Freybürg im Breiss-
gaü eingegangen. Da nun eine hochlöbl. Karthaüs Idtingen Unserm
Ansuchen zü willfahren gerühet mit gelobüng, dass bei sich zütragenden
Todesfällen in ünserm Godtshaüss, ein jeder Hochwürdiger Kapitular j
eine Heilige Messe lesen ; ein Frater drei anhören, ünd soviele Rosen- J
kränze betten wede : so versprechen wir hingegen, dass nach gemachter ,
Anzeige eines verstorbenen Hochwürdigen Kapitular und Frater ein •
jede Professin des Godtshaüses zü Gündersthal dreyh. Messen anhören
ünd eben soviele Rosenkränze abbetten werde. Wir hoffen demnach
gemäss der göttlichen Yerheissüng, dass durch diese wechselweise
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1
geschehene Hülfe wir alle desto bälder zur vollkommenen Erlösung
und ewigen Seeligkeit gelangen mögen.
Gegeben in dem Gottshauss Gündersthal zu Freybürg im Breissgau.
Sor. M. Francisca de Thurn Sor. M. Benedicta de Freyenthall
Abbtissin Priorin und Convent.
• •
SChenke o Herr ! aLLen Denen aVs Vnserer BVndDnlsse Verstorbenen
SeeLen Die eWIge RVhe.
(On lit au Nicrologe, le 17 septembre : « R d * Mater Maria-Ioanna de Baden,
professa in üünthersthal, 1787, prima initi eodein anno cum eis feederis fructus
percipiens. * Cela fixe la date du contrat.)
X. VerbVnDnls Der CartaVs zV Ittlngen VnD GottshaVsses
zV CatharlnentaL.
(17 janvier 1789)
Der Hochwürdigen in Gott geitlichen Frau M. Agnes Wirthin
würdigsten Priorin, Den Wohlehrwürdigen in Gott geistlichen Fr.
Profess, des hochlöblichen Gottshaüsses Katharinenthal : wie auch
dessen layen Schwestern.
Unsern Grües im Herrn.
Nach Lehr des zweiten Machabäer Büchs ist heiliger ünd heil¬
samer Gedanken für die Todte betten, damit sie von den Sünden loossc
werden. Folgsam der Christlichen Liebe echt erhaben ünd preis¬
würdig wird, wan sie zürn Wohl der Verstorbenen dürch Hilfe des
Gebetts thätig ist. Das loben ünd verdanken wür dem löblichen
Convent Katharinenthal, welches schon lange ünseren verstorbenen
Mitbrüdern vergönet an ihrem Gebett Theil zü haben. Von gegen
ünd Eigen liebe bewegt, entschlossen wir uns für beiderseitige ab¬
gestorbene mit dem löblichen Convent Katharinenthal folgende geist¬
liche Bündtniss einzügehen. auf anzeig des hochlöbl. Gottshaus Katha¬
rinenthal des Todts fall einer Ihrer wohlehrw : Fraü Kapitularin wie
auch Ehrwürdigen Layenschwester, wird jeder Pater der Kartaüss
btingen ein h. Mess lessen : ein Frater 3 h. Messen anhören und soviel
Marianische Rosenkränze betten. Der Gegcnsaz löbl. Convents Katha¬
rinenthal soll seyn, das aüf absterben eines ünser Kapitülaren oder
Profess jede wohlehrw : Fraü ünd jede lay-schwester für selben 3 heilige
Messen anhören, ünd soviel Marianische Rosenkränze abbetten.
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— 184 —
Wir hoffen und wünschen, das wie dieses Bandnüss in geistlicher
Freundschaft verbündt: alle also auss dieser Bündtniss nach diesem
zeitlichen ewig in Gott vereinige.
Gegeben in d Kartaus Ittingen d 17 Jan : 89.
XI. Antwort des Gotteshausses S. Katharinathal bei Diessenhoffen
an die Karthaüs zu Ittingen.
(i! fevrier 1789)
Wir Priorin und Convent des Gotteshausses S : Katharinathall
des h. Dominici Ordens, bezeugen hiermit dieser Schrift, dass zwischen
der hochlöblichen Karthaüs Ittingen (unter Vorstehüng des hoch-
würdigen Herrn P. Prior Antonius von Seylern) und ünserm Gottes-
haüsse S : Katharinathal eine geistliche Confoederation, und heilige
Bündtnüss geschlossen worden, kraft dero der Nahmen eines jeweiligen
abgestorbenen Mitglieds unserer Gottshaüsseren gegeneinander sollen
einberichtet werden.
Wo sodafi obbenente hochlöbl. Karthaüs gütmütigst anerbotten,
dass für ein jedes solch abgestorbenes Katharinenthalisches Convents
glid |: Seye es eine Kohrfraü, oder Layen Schwester :| jeder hoch¬
würdiger P : Kapitülar für selbige ein heilige Mess lesen, und jeder
Herr Frater Profess drey anhören, und so viel Marianische Rosenkränze
betten werde.
Gegenseitig ebenfals verbindet sich das Gottshaüss S : Katharina¬
thal bei vemohmenen Todtfall eines Mitglieds der hochlöbl Karthaus
(seye es eines hochwürdigen Herrn Capitularen oder Fraters Profess*,
dass jede von uns Kohrfraüen und Layschwesteren für den ver
storbenen drey heilige Messen anhören, und soviel Marianische
Rosenkränze betten werde.
Welches alles ordentlich und willfährigst geschehen solle, mit
gleichmässiger anhoffnüng und Herzenswunsch dass, wie dieses Band
lins in geistlicher Frcündschaft hier zeitlich verbindet, also auch dort
in Gott ewiglich. Damit aber dieser heilige Liebes-Bündt um somehrer
Kraft möge haben, ist dieser gegeneinander schriftlich verfasset, auch
mit Unterschrift und gewöhnlichen Signet gefertigt worden.
So geschehen in S. Katharinathal den 11 Hornüng 1789.
M. Agnes Wirthin
Fr. Priorin : und Convent.
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i8 5
XII. Utters Domus Ittingensis ad Dornum
Partis-Dei.
<10 mars 1824)
Tessera pla* ConfoeDeratlonls CVM PatrlbVs
CartVsIanls In Ittlngen.
Admodüm Venerandi, Venerabilesque Patres.
Sancta ergo, et salubris cogitatio, pro defunctis exorare, ut ä peccatis
solvantur, quam verae fidei calore dudum fovistis, firmaque futurorum
bonorum spe jugiter nutristis, in apertam mutu® charitatis flammam
adeo exarsit, ut etiam nobis remotioribus luceat et ardeat. A vobis
igitur oblatam sacerdotii creditum nobis talentum cum multiplicato
animarum foenore expendendi occasionem eo libentiüs amplectimur,
quo propinquiüs nobis instare videntur dies novissimi, de quibus vati-
cinata est incarnata Dei Sapientia, dum ait : refrigescet charitas mul-
torum.
Quin etiam ipse Sanctus Ordo noster jugi sacrificio pro defunctorum
requie applicando diligenter ac devote intentus, at temporum injuriis
diu multumque fatigatus vix non expiravit, vigente semper irrefragabili
semel moriendi statuto, quod nos omnes compellit comparere ante
judicem, qui etiam in Angelis suis reperit pravitatem, nos vero ita
circumdati infirmitate, ut ea tenaciter adh®reant sine quibus ä culpa
nemo über extitit.
Nobis tarnen, qui residui sumus, inter angustias deprehensis salu-
berrimum evadendi remedium suggessit Apostolus monens : Orate
pro invicem ut salvemini. Verum enim vero, cum omne orationis genus
praecellat Sanctissimum Miss® Sacrificium, in quo non duodccim millia
drachmas argenti oflerimus pro peccatis mortuorum sacrincium, sed
agnum sine macula et sanguinem, sine cujus effusione non sit remissio.
et in quo non solum viventium mens impletur gratia, sed etiam defunctis
citiüs futur® glori® pignus datur. Qui jamdudurn ex Patrum nostrorum
institutis unus panis et unum corpus eramus, nunc in hoc unitatis
signo, et perfect® concordi® symbolo arctissime constringamur, ut ex
hujus miser® peregrinationis itinere ad ccelestem patriam sicut securiüs
in morte, ita velociüs post mortem convenire valeamus, et ad eum.
quem sub sacris velaminibus quotidie videmus, ab=que ullo velamir.e
videndum proj>eremu>.
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i86
His, aliisque permoti consensimus vobiscum tarn bene et religiöse
de Resurrectione cogitantibus foedus istud inire sub his, quae sequuntur
conditionibus : I. Quandocumque aliquis vestrum de praesenti vita ad
futuram transierit, ejusque obitus nobis fuerit denuntiatus, plenur;
cum psalteriis monachatum, sive 6 missae Sacrificia pro dcfuncti requie
quilibet nostrum persolvat. II. Defuncti nomen sub die obitus sui pro
annua recordatione Necrologio inscribatur. III. Monachatus iste, ex
foedere hoc debitus, non multum differatur, sed quando licet, sine mora
persolvatur. Sicque, dum invicem ardet amans spo nixa fides, optatum
certiüs consequamur finem, videlicet ut citius
SpIrltVs DefVnCtorVM reqVIesCant In paCe.
Verumtamcn ne foedus hoc spirituale, quod largiente Deo, a nobis.
nostrisque successoribus fideliter custodiendum speramus, ullo modo
violetur atque prasmissis plenior fides habeatur, instrumentum hoc
propria singulorum manu subscribi et consueto Domus nostrse sigillo
muniri fecimus, ac denique pro majore omnium robore et securitate
ä Vestris Patemitatibus petimus, ut in hujus vicem vestrum quoque
submittatis. Actum Ittingae, io martii (sur l’original on a ajoute aprö>
coup a la Part-Dieu :) 1824.
Fr. Benedictus Müller, prior. Fr. Bernardus König, sacrista.
Fr. Laurentius Berard, vicarius. Fr. Nicolaus-Albergati Challamel.
Fr. Joannes-Baptista Bruderhofer, coadjutor.
antiquior. Fr. Anthelmus Schad.
Fr. Bruno Lombris, procurator.
L S
XIII. Responsio Domus Partis-Dei.
117 avril 1824)
Ad honorem tcr Sanctissimae ac individuas Trinitatis Patris et Fiii:
et Spiritus Sancti. Amen.
Specialissima Communio bonorum Operum inter Patres Cartusianos
Domus Partis-Dei, pagi Friburgensis, et Domus Ittingen, pagi Turgo-
viensis.
Plurimüm Reverendi Patres et Confratres in Christo dilectissuni.
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— 187 —
Cum ejusdem Vobiscum in Ch/isto Parentis Filii, ac sancti Funda-
toris nostri Soboles esse gloriemur, qui in eodem stadio currentes ad
eundem terminum, bravium aeternae felicitatis pervenire contendimus ;
stimmum in Nobis exarcit desiderium peculiarem ineundi Vobiscum
consociationem bonorum operum, qua; divinae gratiae auxilio adjuti,
ad promovendam Domini nostri Gloriam et ad praesentem ac futuram
animanim nostrarum salutem consequendam exercere valebimus.
Pio huic nostro desiderio Vos, prout in votis habuimus, benigne
respondisse ex datis ad Nos litteris, non minori consolatione quam
ammi voluptate, intelleximus. Et re quidem vera, post illam tempes-
tatem, quae universam Dei Ecclesiam summa calamitate afflixit, et
Nobis quoque nonnisi paucas sacri Ordinis nostri Domus reliquit,
quse veluti hinc inde olivae, caeteris ex olea excussis, ve] quidam racemi,
cum fuerit finita vindemia (Isaiae, c. xxiv, 13) in medio populorum
conspiciuntur : an non aequum est, ut nos tantae ruinae superstites in
unum collecti has tristes reliquias Domino consecremus ? Quid magis
optandum quam cum suis Confratribus uno vinculo charitatis, quam
Paulus perfectionis vinculum, ipse vero Christus Dominus noster suum
mandatum appellat, ita constringi, ut unum corpus animamque unam
constituentes uberiora invicem auxilia, sub communis omnium nostrüm
Parentis ac sancti Fundatoris auspiciis, praestare valeamus ?
Quid ? Quod haec charitas sepem inter Deum et homines peccatores
sese interponere audeat, ac de divinae justitiae armis triumphare non
desperet. Hac charitate indutos sanctus noster Patriarcha nos filios
se dignos agnoscet, et fas est sperare, fore, ut pauca haec sancti Ordinis
nostri semina, quae Deus Sabaoth nobis in sua charitate reliquit, sicut
radix de terra sitienti, rursus germinent floresque olim laetissimos
denuo progignant.
Quare, Plurimum Reverendi Patres ac Fratres in Christo dilectissi-
mi, postquam litteras vestras sincere laudavimus ac ratas habuimus,
Xos infra subscripti Religiosi Partis-Dei sancta cum laetitia acceptamus
pro Nobis et pro Nostris successoribus bonorum operum communionem,
quam Nobis per litteras io ma martii 1824 ad Nos datas tarn amanter
offerre voluistis, quamque inter nos perpetuis temporibus sanctam
et inviolabilem conservari percupimus, Nosque vicissim obligamus ad
tres actus vestri articulos, nempe quod : i° quandocumque aliquis
'•'esinmv de praesenti vita ad futuram transierit, ejusque obitus nobis
fuerit denuntiatus, plenum cum psalteriis monachatum sive sex Missa;
Wihcia pro defuncti requie quilibet nostrum persolvat ; 2 Dcfuncti
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nomen sub die obitus sui pro annua recordatione Necrologio inscri 1
batur; 3 Monachatus iste ex foedere hoc debitus non multum differatur, :
sed quando licet, sine mora persolvatur ; et insuper ad ea quze vosdesi- (
derare significastis, uti fusius expressa leguntur Capite XXXIX n° 2 j
Ordinarii. t
(Sur l'original se trouve la phrase suivante qui aura 6t6 sans doute 1
ecrite ä Ittingen dans une lettre particuli&re :) I
Quinimo Venerabilis Pater Domnus Arsenius Ciccati, hospes vester
bene meritus, ut habeat nobiscum partem in hac operum bonorum
communione non solum libenter annuimus, sed ex vero corde etiam
peroptamus.
Datum in nostro Conventu Partis-Dei die 17 aprilis 1824.
Vestri in Christo Fratres
Fr. Franciscus Lachat, prior. Fr. Antonius Jomini.procurator.
Fr. Benedictus Palu, vicarius. Fr. Hilarion Peiry, coadjutor.
Fr. Benedictus Lempereur, correrius. Fr. Arsenius Bielmann, sacnsta
Fr. Nicolaus Berrard. Fr. Joseph Currat.
Deux petites rectifications au Catalogue. — I. A la notice de Henri
Gans, prieur de 1485 4 1496, nous 6crivions, page 50 : « II est curieux
de constater qu’aucun de ces trois articles n6crologiques » de la
chartreuse de Fribourg, de celle de Bale et du Chapitre general, «nc
rappelle le priorat au Mont-Saint-Jean-Baptiste de Fribourg, düment
av6r6 par ailleurs t. Nonobstant cette assertion, la seconde partie du
ndcrologe de Bäle, que nous citions, mentionne bien le priorat de
Henri Gans ä Fribourg-en-Brisgau, « quondam domorum Fryburgi ei
Yttingen prior *. L’absence de cette mention dans la premi&re partie
de ce necrologe seule nous avait frapp£. Et le Necrologe d'Ittinger.
Signale aussi cette Charge, le 3 novembre : « D. Henricus de Winther-
thur, olim prior Friburgi, Buxire et Ittingae. 1501. *
II. Nous nous demandions, page 223, si sous le prieur Hugues
Birchhoffer (1708-1712) « mourut D. Bemardus Steinbock, ex Diessen-
hoffen, redditus laicus hujus domus *, singuliörement appele D[omnus,
au lieu de Frater par le Calalogus, qui ne donne pas la date de son
deces, tout en le pla^ant apres les pr6c6dents, arrivfe sous le priorat
de Dom Christophe Schmid (1685-1708). Le Necrologe porte la meme
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— 189 —
*
inscription, mais precedee du mot Nobilis, au 31 juillet, et avant
toutes les autres de ce jour dont la deuxiäme est de 1657. Le mot
A ohlis nous explique pourquoi on appelait Bemard Steinbock Dominus
(plutöt que Domnus). C’6tait une sorte d’oblat ou de pensionnaire. Et
la place qu’il occupe dans le Necrologe, aussi bien que sa condition
de«laic rendu », supprim6e chez les chartreux depuis 1580, d6notent
que ce personnage vecut probablement dans le premier si6cle de
l'existence d’Ittingen.
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Karl Borromeo
und das Stift St. Gallen
Von Joseph MÜLLER
i Fortsetzung.»
II.
Wie die Konfirmation, so gab auch die Abtsweihe Otmars u
Weiterungen Anlaß. 1 In der Zeit der Reformationswirren hatte Kilian
German seine Weihe zum Abte im Münster von Überlingen empfanden
Diethelm Klarer sie verschieben müssen, bis der zweite Luulfrieti-
iIm wieder in den Besitz des Stiftsgebietes brachte. Auch dann noa
hatte Diethelm nicht gewagt, die Benediktion in der K lost er ki roh-' zi
St. Gallen vornehmen zu lassen, sondern die Feierlichkeit - nach Rer-
schach verlegt. So war es seit der Glaubensspaltung das erste Ma:. *
daß die Weihe des neuen Abtes, die nach dem frohen Festcfeiem jtmr
Zeit eine große Zahl Gäste versammelte, in St. Gallen vorgenomimn
werden sollte. 2
Nach der Auseinandersetzung über die Schäden, die K lost erst unr.
und Klosterkauf dem Stifte zugefügt hatten, war das Verhältnis von
Stift und Stadt im ganzen ein friedliches gewesen. Aufgelaufene Rechte
händel waren 1549 durch den großen Spruch der VI Orte beglichen
die Anstände religiöser Natur aber auf ein allgemeines Konzil unter
1 S. dazu Z i eitler, a. a. O.. S. i ; und S. 19 ff.
2 Pie Bemerkung, es sei allerdings noch nie eine Benediktion im Klost ;
St. Gallen gehalten worden, die Ziegler S. 20 Otmar in den Mund legt, hat die-. r
selbstverständlich nicht getan. Kr gab nur zu. es sei * by manns grdoncken
kein solches Fest im Kloster gefeiert worden, weil Abt Franz Gaisberg seine Wert:
in Koni erhalten. Kilian zu kainer possession, geschwygen benediction zu N*" ?
Gallen •> habe kommen können, Diethelm sie in Rorschach empfangen. 1 on>: ;
zwyfel nach der zyt und anderer ursach. « Bd. 108, f. 80a f. »
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— IQI —
Bezugnahme auf das Wiler Abkommen vertagt worden. 1 In den
letzten Jahren vor Diethelms Tode hatten wiederum etwelche Späne
rechtlicher Natur gewaltet, die sich unmittelbar nach dem Regierungs¬
antritte Otmars' um einige weitere vermehrten. 2
Zur Benediktion, die am Gallusfeste 1565 stattfand, hatte Otmar
den Rat der Stadt durch den Schirmhauptmann Escher von Zürich
und eine ansehnliche Abordnung fürstlicher Räte gebührend einladen
lassen. Mit Dank hatte der Rat zugesagt. Allein schon Tags darauf
setzte eine Gegenströmung ein ; man ließ sich auf der Pfalz erkundigen,
wieviel Volk käme und beruhigte sich auch nicht mit der Versicherung,
das Stift habe Anordnungen getroffen, daß niemand zu Schaden komme.
Furchtsam gemacht durch unkontrollierbare Gerüchte, stellte der Rat
am 6. Oktober eine Verordnung auf, durch welche die Zahl der Begleiter
für die Gäste des Abtes beschränkt und fest fixiert wurde. Trotz des
Hinweises Otmars auf diese Unfreundlichkeit 3 , da er seine Gäste auf
seinen eigenen Boden geladen, beharrte der Rat auf der Anordnung,
ließ auch beim Einzug der Geladenen am 15. Oktober die Tore durch
je 6-8 wohlgerüstete Bewaffnete bewachen und während des Festes
%
jewcilen in der Nacht 300 Mann auf Pikett stellen. Von den Bürger¬
meistern hatte jeder sich geweigert, der versprochenen Abordnung
anzugehören und eher das Burgrecht aufgeben wollen, so daß die
städtische Deputation nur aus vier untergeordneten Bürgern bestand. 4
Diese vom Kloster und auch von den Schirmorten stark empfun¬
dene Unfreundlichkeit der Stadt veranlaßte den Rorschacher Vertrag
vom 13. und den großen Wiler Spruch vom 20. September 1566. Mit
ihnen wurde die völlige territoriale Scheidung von Stift und Stadt durch
die Mauer um den Klosterbezirk und das dem Abte zugestandene
- ig«.ne Tor durch die Stadtmauer erreicht. Dieses in St. Gallen allein
noch erhalten gebliebene Tor hat durch seinen Namen « Karlstor»
1 Eidg. Absch. IV, i b, Nr. 691, IV, u\ Nr. 07.
2 S. diese bei Ziegler, S. 14 ff.
3 Er hatte dabei bemerkt : « es gescheche glych zu disen zyten in der statt
Zürich, das etwo 3, 4. 5 bi 13 in 6. 700 pferd und glvchwol et wo welsch volk,
es syge uß Frankrych, Italien. Engelland etc. in und ußryte, dess man aber
niemant sperre. » Bd. 108, f. 8m.
4 S. neben Ziegler die von ihm ausgeschriebene Arbeit Leders . Die Be¬
ziehungen der Stadt St. Gallen zur Eürstabtei vom Beginn der Reformation bis
zur völligen Scheidung der beidseitigen Gebiete, Msc. der Stadtbibliothek St. Gallen,
und Stiftsarchiv Bd. 108, f. 78-S3.
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192
die Kunde vom Besuche Borromeos im Stifte St. Gallen in die Gegen¬
wart hinübergetragen. 1
Im. Sommer 1570 hatte Karl Borromeo eine Reise durch die
Schweiz angetreten mit dem Endziel Hohenems, wo seine Stief¬
schwester Hortensia seit 1565 an den Grafen Hannibal vermählt war . 1
Von Luzern aus, wo sein Aufenthalt zum 23. August durch Brie;-,
bezeugt ist, reiste der Kardinal über Zug in das Gebiet des Snfn>
St. Gallen. 3 Noch hält die Volksüberlieferung die Reiseroute Karls
an der alten Rickenstraße fest durch ein Bild des Heiligen in dir
St. Josephskapelle in Uznach und durch das Kirchenpatronat von
Emetswil, der einzigen Karlskirche unserer st. gallischen Diözese. Ir.
Lichtensteig übernachtete Borromco. Obwohl er inkognito und ir.
kleiner Gesellschaft reiste, sich auch speziell jede feierliche kirchlich*-
Begrüßung verbeten hatte, weil er in fremdem Bistum sei, erwähn:
sein Kammerdiener Fornero ausdrücklich, daß sich zur Messe di>
Kardinals in der frühen Morgenstunde eine sehr große Menschen meng
einfand. Bereits war Borromco im Volke der Ruf eines außerordent¬
lichen Geistesmannes vorangeeilt, und unter großer Rührung bemüht-r.
sich viele, von ihm mit Andachtsgegenständen, wie Rosenkränzen um!
Agnus Dei, beschenkt zu werden. Fornero erwähnt vor allem di-
Frau del governatore di quel luogo. Das wird ohne Zweifel die Gattin
des schon erwähnten Landvogtes Balthasar Tschudi sein, der bis I5?J
die Landvogtei versah und bei dem Borromeo auch abgestiegen seit:
dürfte. 4
Noch in der Morgenfrühe brach der Kardinal von Lichtenstck
auf. Es war der 26. August, ein Samstag. In St. Gallen wurde er
vom Abte, der aus der Badekur in Fideris nach Hause geeilt war 1
und vom Konvente in feierlicher Prozession abgeholt und in da-
1 S. Exkurs 1 : Die St. Galk-r Tradition über den Besuch Borromeos. — Da;
Karlstor.
* Zweck, Veranlassung und Verlauf der Reise s. bei ReinhardI und Steffi*--
a. a. O., S. 310-323, und bei W'vnninn, Kardinal Karl Borromeo in seinen Ber.t-
hungen zur alten Eidgenossenschaft. S. 102 ff.
s S. Exkurs 2 : Zur Wegroute der Schweizerreise Borromeos.
4 D' Alessandri. Atti di S. Carlo riguardanti la Svizzera. S. 158 ; Rnnhu'i:
und Steffens. S. 320. A. 4. Der mit Borromeo gut bekannte Urner Staatsnia"!i
Johannes Zumbrunnen war der Schwager Balthasar Tschudis. Stiftsarchiv
B< 1 . 1770. S. 355.
s Otmar war am 11. August noch mitten in der Badekur; s. Schieß.
Korrespondenz Bullmgers mit den Graubündnern III., Quellen zur Schwei»'
Gesch. Bd. 23, S. 207.
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- i93 -
Kloster begleitet. 1 Schon frühzeitig hat die Klostertradition behauptet,
Borromeo habe sich geweigert, die Stadt zu betreten*als er gehört,
sie sei reformiert, und habe sich darum das neue Tor, das unmittelbar
in den Klosterbezirk führte, zu seinem Eintritte öffnen lassen. 2
Borromeo hat bekanntlich die Eindrücke und Beobachtungen
seiner Schweizerreise in jener Information für Papst Pius V. fest-
gehalten, deren Entdeckung sich Steffens zum besondern Glücksfall
anrechnet und die er mit vollstem Rechte an die Spitze der Bonhomini-
Korrespondenz stellte. 3 Borromeo schilderte darin auch, was er bei
seinem kurzen Besuche im Stifte St. Gallen mit scharfem Einblick in
die Verhältnisse geschaut und was er dem Abte geraten hat. 4
«In dem Landstrich oberhalb des Bodensees gegen den Rhein,
der zur Schweiz gehört », so bemerkt die Information wörtlich, «liegt
St. Gallen, ein weites freies Gelände, ganz zwinglianisch. Großen
Fleiß verwenden sie darauf, den Protestantismus zu erhalten. Alle
Tage wird gepredigt, wobei während der Predigt die Verkaufslokale 6
geschlossen werden ; des Sonntags wird dreimal gepredigt. 6 Um die
Stadt herum liegt die Gerichtsbarkeit des Abtes von St. Gallen ; sie
ist im Gebiete unterhalb Lichtensteig ganz katholisch, während sie
in der Umgebung Lichtensteigs paritätisch ist. 7 Der Abt hat seine
Residenz in der Abtei St. Gallen, die unmittelbar neben der Stadt
liegt 8 , aber durch eine Mauer von ihrem Gebiete getrennt ; doch hält
dies weder den Abt noch die Seinen ab, mit den Häretikern zu ver¬
kehren und sich gegenseitig zu Gast zu laden. » Mit Freude sah Borromeo
dagegen, wie die Abtei eine schöne Anzahl Mitglieder zählte und wie
1 D’ Alcssandri, S. 158. Daß Borromco in St. Gallen einen feierlichen Einzug
gestattete, zeigt, daß er das Kloster als von Konstanz völlig exempt betrachtete.
Die im ersten Teile dargestellten Verhandlungen mögen ihm in Erinnerung
gekommen sein.
1 Stiftsarchiv Bd. 181. unpaginiert. S. Exkurs i.
3 Reinhardt und Steffens, S. 323, A. 2.
4 Für das Folgende s. die Nuntiatur von Giovanni Francesco Bonhomini,
bearbeitet von Steffens und Reinhardt , Documente I, Nr. 2, S. 11-12. Ich zog es
vor, anstatt der Übersetzung bei Öchsli, Quellenbuch. S. 466, eine eigene zu geben.
Ä botteghe.
4 Diese Bemerkung scheint direkt darauf hinzuweisen, daß Borromeos
Aufenthalt in St. Gallen sich stark in den Sonntag, 27. August, hinein erstreckte.
S. Exkurs 2.
* Das weist wohl auf die Route durch das jetzige Alttoggenburg und die
Alte Landschaft hin, etwa Lichtensteig, Schwarzenbach-Flawil-Goßau.
• annessa alla terra.
MVUE UHISTOIBE RCCIKSIASTlyUE U
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— 194 ^
die Mönche den Gottesdienst sehr würdig versahen ; erfreut ruhte
auch sein BliA auf den Schülern, die, mit Ausnahme der Matutin*,
schon den gesamten Chordienst mitmachten und sich mit dem Ge¬
danken trugen, ins Kloster einzutreten. Den Abt charakterisierte er
als einen Mann von geringem Wissen 2 , aber er hob dessen Geradheit
und guten Willen hervor.
Unter den Mißständen, auf die Borromco den Abt in Milde auf¬
merksam machte, erwähnt Fornero vor allem das Fehlen der Klausur.
Weibliche Personen konnten in der Küche und in den Zimmern dr>
Klosters behilflich sein ; sie hatten auch Zutritt zu den Gastquartieren,
die sich in der Mitte des Klosters befanden. 3 Kurz und bündig wird
in der Information vermerkt, man scheine in St. Gallen von der
neuesten Bulle, die Frauen im Kloster zu dulden verbiete, kein Wissen
zu haben. Noch von einem zweiten benachbarten Benediktinerkloster
* am Bodensee meldet Fornero, daß Borromeo dort die gleichen Übel-
stände getroffen und um die nämliche Abhilfe sich bemüht habe
Da feststeht, daß der Kardinal durch Abt Otmar nach Rorschacfc
begleitet wurde, hat man mit Recht darunter Mariaberg bei Rorschach
vermutet, wo der st. gallische Statthalter für das Rorschacheramt
residierte. 4
Borromeo vertrat dem Abte gegenüber die Meinung, cs ließen,
sich die protestantischen Untertanen des Stiftes wieder zum Katho¬
lizismus zurückführen, wogegen Otmar auf die Schwierigkeiten hin-
wies — Karl nennt es weltliche Rücksichten — und Revolutions¬
drohung befürchtete. Der Kardinal hat offenbar mit diesem Ge¬
danken stark insistiert, bis der Abt, wohl um Karl keine direkt
abschlägige Antwort geben zu müssen, den Wunsch nach einem päpst¬
lichen Breve äußerte, das ihm ein Vorgehen gegen seine protestan¬
tischen Untertanen nahelege. Daß es sich in der Meinung Borromeos
1 Matutinales preces quotidie ad pulsum convcrsi hora ondeciina nor'ti
erunt cantandae heißt es in der Reformatio monasterii unter Abt Otmar. Stifts-
arr-hiv Bd. I, S. 540.
* senza lettere.
* D' Alcssandri. S. 158.
4 S. den Brief Walter Rolls an Borromeo, 24. Januar 1571. bei D'Alessandr.
S. iflo. Hiezu sei auch auf die Stelle im Briefe Borromeos an Otmar. Beilage'*
aufmerksam gemacht, wo von coenobia. also im Plural, die Rede ist. An Mehreraa
zu denken, wie eventuell Reinhardt-Steffens S. 321, Anm. 2 will, scheint mir de
Ausdruck l-orneros zu verbieten : si trasjenmnm al Castclio di Altaemps. womit «r
nach der Erwähnung dieses zweiten Klosters weiterfährt.
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- 195 -
dabei um die protestantischen Teile des Toggenburg handelte, geht aus
dem Briefe Walter Rolls hervor. Noch später hat Borromeo ausdrück¬
lich auf das Toggenburg hingewiesen. 1
Dem dritten Wunsche Borromeos, an das zu gründende Priester-
s.minar für die katholische Schweiz einen Beitrag zu leisten, trat der
Abt mit der Bemerkung entgegen, daß seine Einkünfte ihm hiefür
nichts übrig ließen. Der Heilige findet dagegen, der Abt gebe fast
alle seine Einnahmen für Gastereien aus. 2 Doch hätte er sich bereit
erklärt, bei günstiger Gelegenheit einige Jesuiten in sein Land zu
brufen, aber ohne für sie ein Kollegium zu gründen. Borromeo, der
die Einkünfte des Stiftes auf 50-60,000 Scudi schätzte, schlug indessen
dem Papste vor, in den Kreis des schweizerischen Seminars, das er
zu Luzern errichtet wissen wollte, auch das Gebiet des Stiftes St. Gallen
tinzubeziehcn. Und als Grund fügt er bei, weil das Seminar auf diese
Weise zum guten Teile durch die Größe der st. gallischen Einkünfte •
unterhalten werden könnte. 3
Der Kardinal hatte Otmar versprochen, bei der Rückreise wiederum
in St. Gallen vorbeizukommen. Aber am 29. August berichtete er
von Hohenems aus, er sehe sich genötigt, auf kürzerem Wege über
Feldkirch nach Uri zu reisen. Dabei unterließ er nicht, Otmar nochmals
alles ans Herz zu legen, was er mit ihm besprochen habe und das dazu
diene, den Katholizismus im Gebiete der Abtei zu erhalten oder wieder¬
um aufzurichten. Er selbst werde hiefür ebenfalls seine Mühe auf¬
wenden. 4
So viel Aufmerksamkeit man in den katholischen Orten verwendet
hatte, den Kardinal würdig zu empfangen, so würde man sich doch
in der Annahme täuschen, die Reise sei als etwas Außerordentliches
empfunden worden. Dies bezeugt auch das wenige Aufsehen, das sie
bei den Protestanten erregte. Die Briefe der großen Simmlersammlung
in Zürich enthalten in den in Frage kommenden Monaten August und
September keinen Hinweis darauf und auch unter den «Zeitungen »
1 S. Beilage VIII.
2 Tobias Egli schrieb vom Bad Fideris aus am 11. August 1570 an Bullinger:
- Conradino Planta, qui . . . non raro abbatem S. Gallensem et comitem
Henncum a Fürstenberg una aliis invisit et remotis Lutheranis apertis longissimc
tgregie simul voluptuantur. Schieß, a. a. O., S. 207.
* Zu letzterer Stelle Documentc I. S. 14.
* S. Beilage VI. Der Brief ist erwähnt bei Mayer, Der heilige Carl Borromäus
und die Schweiz, Schweiz. Kirchen-Ztg. 1SS4, S. 348 und darnach in dessen Werk
l>as Konzil von Trient, I, S. 181.
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— 196 —
des Zürcher Staatsarchivs sucht man vergeblich nach einer Nachricht
darüber. Was speziell den Besuch in St. Gallen betrifft, ergab ein
Nachforschen in den städtischen Ratsprotokollen ebenfalls ein nega¬
tives Resultat ; der Briefwechsel Liners aber enthält in der in Fra:-
stehenden Zeit eine Lücke, weil der Briefschreiber damals in Geschäfti-r.
in Frankreich abwesend war. 1 Erst als Borromeo schon in Hohenem-
angekommen war, schrieb Tobias Egli am 28. August von Chur an
Bullinger, der Kardinal sei vorgestern in Bellinzona gewesen und
werde durch die Schweiz reisen. 2 Bullinger freilich hat die Bedeutung
der Reise besser erkannt, wenn er nebst dem Hinweise auf die Durch¬
führung der tridentinischen Beschlüsse in den ennetbirgischen Yoc-
teien ganz allgemein fand, Borromeo verhandle wegen der Inkraft¬
setzung des Konzils. 3
Dazu hatte Bullinger beigefügt, vielleicht versuche der Kardinal
auch andere Prälaten anzustiften, Unruhen zu erwecken. Mit ähnlicher.
Worten war der Abt von St. Gallen der Mahnung Borromeos begegne'..
seine Untertanen zum Katholizismus zurückzuführen. Dennoch stimm!:
von allen Wünschen des Kardinals dieser am meisten mit Otmar-
Absichten überein. Schon im Interesse ihrer Herrschaft mußte den
st. gallischen Äbten ja alles daran gelegen sein, den Protestantismu-
aus ihren Gebieten zu verdrängen und dafür dort den Katholizismu.-
zu stärken. Wenn Otmar Bedenken erhob, w-aren cs die Verhältnis*
im Toggenburg, die ihm vor Augen schwebten. Eis gab aber auch in
der Alten Landschaft, wo der Abt als Landesfürst weit unabhängig r
regierte, noch Protestanten. Sie waren ohne Geistliche und Gottes¬
dienst ; sie durften auch nicht außerhalb der Stiftslandschaft ihr- ;
Kinder taufen oder ihre Ehen nach evangelischem Ritus cinscgnen ;
lassen. Persönlich aber war auf sie unter Abt Diethelm kein Zwanc i
ausgeübt worden, zum alten Glauben zurückzukehren. 4 Das groß'- ;
•
I
I
1 S. dazu Jlhretizcllcr, Hans Liner, ein st. gallischer Kaufmann in der Rotor- j
mationszeit. St. Gallcr Blätter, 1914. j
2 Schieß, a. a. O.. S. 210. i
3 Ebenda, S. 213 f. j
4 Die Bemühungen Abt I)ietheims, die Alte Landschaft zu rckatholifioror.
hat von Arx III, S. 52-65 dargestellt. Irrige Vorstellung, die auf Eidg. Absch b
le. S. 149 abgefärbt zu haben scheint, als ob der Wiler Vertrag von 1532111'-
driicklich und expressis verbis dem Abte das völlige Verfügungsrecht in Religion**
sachen gewährleistet habe, erweckt S. 62, Anm. b. Das dortige Zitat entstand
nicht dem Wiler Vertrag, sondern der Verantwortung der Stadt St. Galto
in den Verhandlungen von 1549. t’m für ihr Gebiet den Religionsrwang t»
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IQ 7
Landmandat hatte ausdrücklich den Vorbehalt für sie aufgenommen,
anstatt der österlichen Beicht- und Kommunionpflicht jene des « Betens *
erfüllen zu können, wie dies entsprechend für das paritätische Toggen-
burg und Rheintal vorgesehen war. 1
Hier setzte Otmar ein, bedächtig und sich im Voraus der Unter-
stützung der katholischen Schirmorte versichernd. Um Neujahr 1571
war er durch den Urner Staatsmann Walter Roll an die Mahnungen
Borromeos erinnert worden. 2 Wenn er es auch ablehnte, im Toggen-
burg, wie noch auszuführen sein wird, jetzt Rekatholisierungsvcrsuche
zu unternehmen, so sah er sich doch den so nachdrücklich geäußerten
Wünschen gegenüber gezwungen, seinen guten Willen zu beweisen,
Jen Roll ebenfalls, wie Borromeo in seiner Information, hervorhob.
Auf der Tagsatzung zu Baden vom 7.-15. Januar 1571 stellten
Jic stift-st. gallischen Gesandten an die Zürcher Boten das Gesuch,
retten, hat die Stadt diesen damals auch dem Abte für das Stiftsgebiet zuerkannt-
S. St.-A. Ruhr. 20. I-'asz. 1. Auch die zu summarische Darstellung Oechslis'
Orte und Zugewandte. Jahrbuch f. Schweiz. Gesell. XIII, S. 254, ist teilweise
irreführend: irrig ist, der Abt habe schon 1538 seine Untertanen «zur Messe
gezwungen ».
1 St.-A. Ruhr. 42. l'asz. 11. Für das Toggcnburg ist die Bemerkung Wc/fehns,
h. a. O., II, S. 150, irreführend, die zu verschiedenen Malen erlassenen besonderen
Forschriften « von wegen des pettens « seien 1 575 in das Landmandat aufgenommen
•'Orden. Bereits das für 1555 von Landvogt und zweifachem Landrate beschlossene
Undmandat enthalt erstmals die Verfügung. Gegenüber erhobenen Weigerungen
m den evangelischen Gemeinden bot Diethelm auf den 10. Tag «Wolfmonats»
*555 nach Schwyz Recht. Band 1551. S. 129 f., 195 M. Von den in Ruhr. 122,
lasz. 7 vorhandenen Rheintaler Mandaten enthalt gleichfalls dasjenige für 1555
die Verordnung wegen des Betens. Dabei ist durch die gleichzeitige Randnote :
es soll jedes mentsch alle dem priester oder predicanten bychten oder peten >•
der Sinn erkennbar. Im Artikel selbst ist erst im Mandate vom 16. Juli 1572
— die Verkündung geschah im Rheintal nicht auf Neujahr — die Osterbeicht
erwähnt mit dem Beifügen. « oder welichc personell nit bichten wellen, dem
priester oder predicanten in der kilcln-n ir gepet öffnen, namblich das.vater unser,
das ave Maria, das ist den englischen grub, den christenlichen glouben und die
zechen gepot sprechen ... •• Man mag auch hier das Datum — 1 572 — beachten !
1 Brief Rolls an Borromeo. Altdorf. 24. Januar 1571. bei D’Alessandri,
>59 f- 1 zum Briefe s. die Bemerkungen Wymanns, a. a. O.. S. 232, A. 1. Walter
Holl war mit Ursula Zollikofer von Altenklingen verheiratet, woraus sich seine
Anteilnahme an den st. gallischen Angelegenheiten noch mehr erklären mag.
5 - Reinhardt und Steffens. S. 13, A. 1 ; Bucelin, Germania IV, p. 229. Roll hat
a her auch damals, wie er die evangelischen Orte für das Bündnis mit Savoyen zu
interessieren suchte (Fidg. Absch. IV. 2. S. 458). mit dem Abte von St. Gallen
Hier dessen Eintritt verhandelt. Eine SchluUnahme von Luzern und Schwyz
7.. resp. 9. Dezember 1570, riet dem Abt energisch ab, * diewyl man nit
»eist. uQ was grund er deß begert. •> St.-A. Rubr. 13, Fasz. 17.
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— 198 —
den Burg- und Landrechtsbrief von 1451, auf dem das Bundes- und
Schutzverhältnis der Abtei mit ihren vier Schirmorten beruhte, zu
vidimieren und mit einem amtlichen Transsumpt wieder zuzustelkn
Es ist keine Ursache ersichtlich, daß Otmar damals das Vidimus zur
Schonung des Originals benötigt hatte. So stellt das Rechtsgeschäft,
das Bürgermeister und Rat von Zürich am 29. Januar beurkundeten,
von Seite des Abtes einen höflichen diplomatischen Schritt dar, der
das evangelische Vorort an seine Verpflichtungen gegen das St il
St. Gallen erinnerte. 1 Mindestens vor der Fastenzeit erließ darau!
Otmar ein Mandat für die Stadt Wil, das allen Bewohnern derselben
die Osterpflicht der Beicht und Kommunion auferlegte. Bei ihrer,
wie oben bemerkt, erst nach der Konfirmation am 1. Januar 151)»'
erfolgten Huldigung hatte sich die Vaterstadt des Abtes geweigert, dtr.
Schirmhauptmann zuzulassen, da sie den IV' Orten niemals geschworen
habe. 2 Durch diese Sonderstellung Wils bot sich Otmar eventuell
widerspenstigen Bürgern gegenüber die rechtliche Handhabe, jul
Einmischung Zürichs gegen das Rcligionsmandat zum vomhincin
abzuweisen.
Bisher waren in der Alten Landschaft wohl jene Übertretung!:
des Beicht- und Bct-Gebotes, die den Amtleuten zur Kenntnis kanten,
gestraft worden. Aber systematisch wurde nicht nachgesehen, ob das
Mandat hierin gehalten werde. Auf Weihnachten 1570 hatte Otmar
zu dem betreffenden Artikel verkünden lassen, daß von dem Priester
oder Prädikanten, der die Beicht oder das Gebet höre, *ein zädel: •
zu verabfolgen sei. Diese Zeddel ließ er hernach durch den Hofweib.!
einfordern, wobei sich im Hofmeisteramt 48 Personen, * mertkih
alte gestandne lüth, die nach dem bettel gand *, fanden, die in di-r
Fastenzeit weder «bychtet noch bettet » hatten. Sie wurden all«
einen Tag und eine Nacht zu St. Fiden in das Gefängnis gelegt ur !
mit der vom 19. September 1571 datierten Urfehde entlassen, sofort
in der dortigen Kirche dem verordneten Priester das Gebet zu s] »recht R
1 l'rkundenlnich der Abtei St. Gallen. VI, S. 305, Nr. 5291. Anm. Zün:li
übersandte das Yidinnis ain 21. Februar, worauf der Abt sofort mit Schreiten
vom 24. seinen ganz freundlichen und höchsten Dank ausdrückte. St.-A.. Btl. .! •'
S. 31. Staatsarchiv Zürich. A. 244, 3.
2 St.-A., Bd. ro.S. f. 346. Von dem zu besprechenden Vorträge der äbtisrn "
Gesandten wird im Luzerner Protokollauszug erwähnt, daß das Mandat für "’J
* vergangnes jar erfolgte, - du ganz niemand darwider gsin. ■■ Staatsarchiv Luzern
Abtei St. Gallen.
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• li
— 199 —
und fernerhin in der Fasten den christlichen Gehorsam, wie sich
gebühre, zu tun oder aus der Landschaft zu ziehen. 1
Nachdem durch diese Maßnahme ein eventueller Widerstand der
Gotteshausleute sich als gering voraussehen ließ und auch von den
evangelischen Schirmorten gegen das Mandat für Wil kein Widerspruch
erfolgt war, ging Otmar daran, die noch protestantischen Untertanen
der Stiftslandschaft « zum alten glouben zu zwingen ». Ein am 17. No¬
vember 1571 abgehaltener fürstlicher Rat beschloß, es sei durch eine
Abordnung die Begutachtung und der Ratschlag von Luzern und
Schwyz einzuholen. 2 Am 6. Dezember erschienen die Gesandten des
Stiftes, Landvogt Balthasar Tschudi und Kanzler Jakob Stadler, vor
dem Rate zu Luzern. Gemäß ihrer Instruktion führten sie aus, wie
durch die Bemühungen Abt Diethelms und des jetzigen Fürsten die
Zahl der Katholiken sich « in der hochen oberkait » des Gotteshauses
von Jahr zu Jahr gemehrt habe, so daß nun « vil der weniger thail
uf dem Lutherischen und Zwinglischen glouben » sei. Freilich sei
♦ das unkrut noch nit gar ußgerüt *, werde aber noch mehr «in den
alten, dann in den jungen gespüert. » Ob des Schwures, den er bei
seiner Konfirmation abgelegt, und ob der Verpflichtungen des triden-
tmischen Konzils wie der Konstanzer Diözesansynode, denen er eidlich
sich habe unterziehen müssen, werde Abt Otmar « in der consciens
und gwüssen angetast *. Wolle er dem richtigen Weg, den sein Ge¬
wissen ihm zeige, «ohn alles abschüchen der weit » nachgehen, so sei
er gezwungen, seine obrigkeitliche Gewalt anzuwenden. Darum habe
tr vor, sein Mandat in Bezug auf die Religion so zu ordnen, daß alle
seine Untertanen «in der hochen oberkait des gottshuß gesessen »,
die das rechte Alter haben, auf künftige Ostern und von da an immer
beichten und das hochwürdige Sakrament empfangen sollen ; Unge¬
horsame müsse er innerhalb bestimmter Frist aus der Landschaft
fortweisen. Da andere Zugewandtc, wie seine Nachbarn, die Stadt
*
1 St.-A., Bd. 1065, f. 110a ff. Das ist der bei von Arx III, S. 251 irreführend
«ledergegebene Vorgang, es seien 1571 in der Alten Landschaft über vierzig Per¬
sonen darum in den Gefängnissen gelegen, n weil sie die österliche Beicht nicht
verrichtet hatten — Bereits in den Beratungen für das Mandat von 1570 war
«in schärferes Vorgehen zur Sprache gekommen. Der Priester oder Prädikant,
der die « bycht oder bett rödel in den nechsten wochen nach Ostern » nicht ein-
iieferte, und « wer nit hyehtet oder bettet », solle um 5 U A gestraft werden.
Bd. 850, f. 58a.
* Bd. 850, f. 636,
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St. Gallen und auch der Freiherr von Sax 1 ihre Untertanen « m:;
gewalt und kurzer yl ze irem glouben gezogen *, hoffe er, es werde
ihm ebenso wenig wie diesen Eintrag geschehen. Dennoch habe <r
ohne Vorwissen und Rat von Luzern und Schwyz nichts tun wollen,
in der Zuversicht, daß sie sein Vorhaben befördern würden. 1
Schon in diesen ersten Verhandlungen im Franziskanerklosur. i.
wo nur wenige Räte anwesend waren, müssen indessen gewisse Erlau- ^
terungen über den Wortlaut der Instruktion hinaus verlangt worden |
sein, so über das Mandat von Wil und dessen Erfolg und vor allem I
bezüglich des Landfriedens. Die äbtischen Gesandten verwiesen nach¬
drücklich darauf, daß der Fürst «nit im landsfriden, ouch keine predi-
canten in iren landen* habe und daß das Religionsmandat «-allein
sich uf die hoche oberkeit ir fürstlichen gnaden erstrecke. * In den
Verhandlungen des folgenden Tages auf dem Rathause wurde es noch
genauer dahin fixiert, daß das Vorhaben « uf die, so in der grafschait
Toggenburg sizen und im landsfriden begriffen, sich nit, sonder allein
uf ir fürstlichen gnaden hoche oberkeit, da sy keine predicanten j
haben, erstrecke *. In diesem Rahmen erteilte Luzern am 7. Dezember I
seine schriftliche Zustimmung. Schwyz fügte der seinigen vom S. Di- j
zember bei, daß nebst dem Toggenburg auch die äbtischen Nieder- j
gcrichtc im Thurgau ausgenommen seien, und beschränkte den Gel- j
tungsbereich wörtlich auf des Gotteshauses «Alte Landschaft. * 3 ■
Der Artikel, den Otmar auf Grund dieser Verhandlungen in das '
•
Landmandat der Stiftslandschaft für das Jahr 1572 neu einfügte. 1
nahm Bezug auf die angeführte Begründung und gebot allen über
14 Jahre alten männlichen und weiblichen Personen in der Fastenzeit j
bis zu Ostern zu beichten und die Kommunion zu empfangen, nicht : (
mehr bloß zu beten. Weiter verlangte er an allen Sonn- und Feiertagen j
1 Chor die Reformation der Herrschaft Sax unter l T lncf# Philipp s. w« |
.l».v III, 90-92. Hubert Schrrller . Die Freiherren von Sax zu Hohcnsax. St. Ga*ler
Neu jahrsblatt 1919. behandelt nur die Geschichte des Geschlechtes. Cber die
Darstellung bei von Arx hinaus ist darum nur auf S. 48 zu entnehmen, daß die
Wiederverheiratung bei Lebzeiten seiner ersten, ehebrecherischen Frau Anna von
Zollern mit der Protestantin Regina Marbach den Freiherrn Ulrich Philipp mit \
logischer Konsequenz zum Anschluß an die Zürchcrkirche trieb, - wenn c 1 nicht
die Kinder zweiter Ehe als unehelich deklarieren und von der Erbfolge aus¬
schließen wollte *.
2 Instruktion. Original. Ruhr. 13. Fasz. 17.
3 Staatsarchiv Luzern. Abtei St. Gallen. St.-A., Ruhr. 13. Fasz. 1;. Es ^
das früheste mir bekannte Vorkommen der Bezeichnung Alte Landschaft. ,
I
1
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f
1
201
•:-:n vollständigen Gottrsdienstbesuch. der Predig: ur.d Messe. Wem
i>s nicht behage. der solle bis Johanni ,24. Juni das Land räumen,
m. sonst er cos trat: und mit Gewalt aus dem Stiitscebiet iorrce-schaft:
würde. 1
Dieser Artikel, den Abt Otmar II. für 1572 dem Landmanda:
••'.nfügte. war der Schlußstein zu den Bestrebung*. n. die Gotteshaus-
i.ndschaft vom eing*-drung*nen Protestantismus zu reinigen ; er ha:
• *
he Alte Landschaft in ihrer ganzen Ausdehnung von Rorschach bis
Wil zum geschlossenen katholischen Gebiete gemacht, wie sie heute
noch uns entgeg-ntritt. wenn auch in Folge der freitn Niederlassung
Ti ihr nun eine evangelische Diaspora entstanden ist. Daß auf diese
Verfügung Borrom* os Mahnungen von Einfluß gewesen sind, z-.igt der
•- •*- *- * V.
Gang der Verhandlungen wie die Begründung, die Otmar seinem
Vorgehen gab.
Widerstand hat der Abt weder bei seinen Untertanen noch bei
•d*n protestantischen Schirmorten gefunden. 1574 läßt er Luzern
und Schwyz mitteilen. es seien nach Ausgang des Mandates * ein
hußhab oder fünf hinw* gzogen «. alle andern hätten untertänig Ge¬
horsam geleistet. 2 Immerhin wurde noch 1585 erklärt, die in der
Alten Landschaft Seien * fast • durchgängig katholisch. 3 Aber rechtlich
war seit 1572 die Stiftslandschaft ausschließlich katholisches Gebiet.
Unter Abt Bernhard II. (1595-1630'. wahrscheinlich anfangs seiner
Regierung, konnte deshalb das Landmandat als Grundgesetz im
ersten Artikel verfügen, daß alle Gotteshausleute der Alten Landschaft
allein dem wahren, katholischen, apostolischen und römischen Glauben
zugetan sein müßten. 4
Ehe Mahnungen Borromeos waren freilich weitergreifend, als der
Abt von St. Gallen in den geschilderten Vorgängen erreicht hatte.
Daß Otmar dem Kardinal das direkte und bindende Versprechen
g*.geben, seine Untertanen im Toggenburg zum Katholizismus zurück¬
zuführen. wie Roll in seinem erwähnten Briefe behauptet, wird man
nach den eigenen Bemerkungen Karls in der Information bezweifeln
1 Beilage VII.
2 Ruhr. 20, Fa>z. i.
* Eiolg. Absch. IV, 2. S. S91. Nicht bloß das Kosest, auch der Wortlaut
~lbst, den ich der Güte Herrn Staatsarchivar Dr. Webers in Luzern verdanke.
•Avit es ungewiß, ob dies die Äußerung de* Abtes Joachim ist oder die Auffassung
‘Ls Abgesandten der V Orte, Christoph Schorno. der über eventuelle Hilteaus-
sichten referierte.
4 Rubr. 42, Fasz. 11.
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202
dürfen. Aber Otmars innersten Wünschen entsprach es, und seine Ma߬
nahmen in der Alten Landschaft scheinen tatsächlich mit Rücksicht
auf das Endziel einer möglichen Rekatholisierung des Toggenburg
unternommen worden zu sein. Rolls Argumenten, die Truppen der
katholischen Orte seien aus Frankreich zurück und in der Schweiz
alles in Ruhe, hielt er um die Jahreswende von 1571 entgegen, der den
Hugenotten günstige Friede von St. Germain en Lave hätte die
Stimmung der schweizerischen Protestanten nur gehoben. 1 Bloß-.
Ausflucht war das nicht ! Inzwischen hatten seine Verordnungen
gegen die Protestanten in der Alten Landschaft keinem Einsprüche
gerufen. Der Eindruck, den die ersten Nachrichten über die Paris- r
Bluthochzeit in beiden Religionslagem, hier erfreuend, dort nieder¬
drückend, hervorriefen, wurde in St. Gallen noch verstärkt durch di
Briefe, in denen Joachim Opser das Ereignis des 24. August 1572
schilderte. * Purgat io instat regni Gallici », hatte er dem Abte ge¬
schrieben ! 2 Wenn je, so schien jetzt der günstigste Zeitpunkt u
sein, zur Rekatholisierung des Toggenburg zu schreiten.
Am 9. September versammelten sich die Boten der V Orte in
Luzern, um die Berichte über die Bartholomäusnacht entgegenzu-
nehmen und den Vortrag des am 27. August von Paris abgegangeiun
Tresorier Grangicr anzuhören. Nebst der Bekanntgabe der damaligen
offiziellen Version hatte Grangier den Auftrag, die katholischen Oru
auf eine Truppenwerbung vorzubereiten und sic darum zu bitten,
alle innern Zwiste zurzeit anstehen zu lassen. 3 Vor diesem Vortrac-
war den Boten angezeigt worden, der Abt von St. Gallen begehn
im Toggenburg die katholische Religion zu äufnen und den Protestantin
mus gänzlich auszureuten. Denn das Toggenburg sei im allgemeinen
Landfrieden nicht einbegriffen, sondern besitze einen eigenen, dessen
Geltung sich nur bis auf ein allgemeines Konzil erstrecke, auch sei es
allein mit den beiden Orten Schwyz und Glarus verlandrechtet. Doch
wünsche der Abt nicht ohne Vorwissen aller Orte zu handeln, versehe
sich aber ihrer Unterstützung hiezu. 4
' 1 )’ Alessatulri. S. lfio.
2 S. die beiden Schreiben bei SchnwiU-r, Fürstabt Joachim von St. Gaüt"
in dieser Zeitschrift. XII. S. 53 ff. Die Schreiben waren nach einer dort nicht ver¬
öffentlichten Glosse zum zweiten Briefe am 28. August noch nicht abgegansrs
3 Segesscr. Ludwig Pfyffer. II, S. 190 f.
* Das Regest in den Eidg. Absch. IV, 2. Nr. 401. e, S. 499, ist ungenau
Der Wortlaut, den ich der Güte Hochw. Herrn Landesarchivars P. Norbert FKic.tr
in Schwyz verdanke, ist folgender : « So danne unser g. f. und herr von Sacct
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203
Nicht nur dieser Schritt des Abtes an sich ist von großem Interesse,
sondern ebensosehr die Begründung. Sie ist die Replik auf die Schluß-
nahme Luzerns vom 7. Dezember vorigen Jahres, der Schwyz zu¬
gestimmt hatte und die besagte, daß das Toggenburg von der ge¬
wünschten Religionsverfügung ausgenommen sei, weil «im Landfrieden
begriffen *. 1 Da beide Stände an den Verhandlungen zum Abschlüsse
des besondern Toggenburger Landfriedens und an dessen Besiegelung
am 18. Juli 1538 beteiligt waren, mußte ihnen dessen Beisatz, daß der
Religionsartikel nur bis auf ein allgemeines Konzil oder bis «uf ein
reformatz gemeiner Eydgnosschaft » Geltung haben solle 2 , bekannt
sein. Die Schlußnahme Luzerns vom Dezember war daher eine bewußte
Ablehnung der zwangsweisen Rckatholisierung des Toggenburg ge¬
wesen, übereinstimmend mit der Haltung, die es bei ähnlicher Rechts¬
lage in der Glarner Angelegenheit eingenommen hatte. 3 Dort hatten
die Länder, vor allem Schwyz, bis zuletzt Luzern widerstanden. Hier
war Schwyz durch seine Zustimmung gebunden. So war es gegeben,
daß das Begehren Abt Otmars den Boten zur bloßen Kenntnisnahme
mit heimgegeben wurde. Wenn die protestantische Führung in jenen
Tagen eine besonnene war 4 , so darf die katholische die gleiche An¬
erkennung beanspruchen.
Gallen begärt, in der grafschaft Togkcnburg die catholische religion ze uifnen
und die nüw sect gonzlich daselbs uszeriitten. soll jeder bott in allen triiwen
•'öllichs an sine herren und obern langen lassen, diewyl sy in dem gemeinen lands¬
frieden nit begriffen, sonder ein eignen landsfrieden haben, der sig nit witcr den
uf ein general concilium, welchs schon gehalten, volstreckt. ouch niemand, dan
den zweien orten Schwyz und Glarus zu versprechen stand, begärt doch ir fürst.
gn. mit vorwüssen unser aller herren und obern zehandlcn und ires bestends
liarob zu erwarten. « Daß Schwyz die Anzeige gemacht habe, wie es im Regest
heißt, ist offenbar vom vorhergehenden Artikel d : « jeder herr bott weisst. was
die gesandten unser lieben eidgenossen von Schwyz von wegen der iren uss dem
Gastal. ...» auf diesen hinübergeHossen. Leider ließen sich weder im Stiftsarchiv
noch in Schwyz oder Luzern weitere Akten über diese Verhandlungen auffinden.
1 Wohl ist in beiden Abschieden formell die Einschränkung betreffend des
Toggenburg als Ausführung der st. gallischen Gesandten dargestellt ; aber gerade
dieser Schritt des Abtes zusammen mit dem Wortlaute der Instruktion beweist,
daß der beschränkende Text durch Luzern eingefügt worden sein muß.
3 Wcgclin a. a. O. II S. 114. Dieser Beisatz war schon in den Vergleich¬
punkten des Tages zu Wil. 1. April 1538, enthalten, ohne daß von evangelischer
Seite dagegen Einspruch erhoben worden wäre, während er im Toggenburger
Frieden von 1533 mangelt. St.-A.. Bd. 1549. S. 715. Eidg. Absch. IV, 1 c t S. 1J97.
Die Besiegelung datiert Wegelin. S. 113, auf den 22., Eidg. Absch. IV, 1 c % S. 993
zu b. auf den 18. Juli 1538.
3 Scgesser, Rechtsgeschichte der Stadt Luzern. IV. S. 349-360.
1 Dicrauer , Gesell, der Schweiz. Eidgenossenschaft, III 2 , S. 389.
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204
Das Schreiben, das Borromeo am 7. März 1573 an Otmar richtete 1 1
nimmt offenbar Bezug auf diesen Schritt, eine Rekatholisiemne de- j
Toggenburg zu versuchen. Ebenso zeigt es, daß Borromeo über du J
seit seinem Besuche vorgenommenen Religionsverfügungen des Abt» ;
sich hatte unterrichten lassen. Hinsichtlich des Toggenburg mußt- :
aber der erneuten Mahnung Borromeos der Erfolg versagt bleiben.
Von Anfang an hatte Otmar richtig eingesehen, daß eine Religions¬
änderung in der Grafschaft nur im Rahmen der gesamtschweizerischen
katholischen Politik möglich war. Durch seine Anzeige an die V Ort' j
waren alle diesbezüglichen Verfügungen von ihrer Politik abhängig |
Die « hülfliche Vereinung * der IV evangelischen Städte vom 22. Stp- j
tembcT 1572. der sofort alle übrigen protestantischen Orte und Zu
gewandten beitraten die Berichte über ihre Rüstungen hatten di«
konfessionelle Spannung wieder so vermehrt, daß im Spätherbst und
Vorwinter die katholischen Orte den Kriegsausbruch ins Auge faßten
und sich bei ihren Vorbereitungen auch an den Abt von St. Ga Ihn
wandten. 3 Aus einem Hilfesuchenden war er ein Hilfeleistender t\-
worden. I-ussy, im Spätherbst zur Obedienzleistung an Gregor XIII
nach Rom gesandt, brachte im Februar nicht nur die Zusicherung
der Unterstützung, sondern auch den Antrag auf Erneuerung dt?
Bündnisses Pius IV. zurück. 4 Am 3. Januar 1573 beschlossen du
V Orte, sich durch den spanischen Gesandten Pompeo della Cr»'«
an Philipp II. zu wenden ; sie setzten von ihrer Bitte den Gouverneur
von Mailand und den Graf« n Anguisola in Conto in Kenntnis. 5 Ver¬
mutlich war das Schreiben Borromeos durch diese Schritte mitveranlaß:, j
Aber wie bei seinem Besuche in St. Gallen täuschte sich der I
Kardinal über die Folgen. Nur eine aggressive Tendenz der damaligen !
katholischen Politik hätte die Rekatholisierung des Toggenburg in j
Fluß zu bringen vermocht. Diese lag umso weniger im Plane Luzerns
als das französische Interesse die Beruhigung der innem Lage fordert-
und im März auch das seit Oktober bewilligte Truppenkontine-n'.
von 6000 Mann nach Frankreich abging. * Der einzige, der eventud
den Einfluß besessen hätte, in den Ländern die Kurve der Politik 1
1 VIII.
2 Oie Stadt St. ('»allen schon am 3. Oktober. Staatsarchiv Zürich. A. -45 :
3 Eidj». A lisch. IV. 2. Xr. 402. 404. 405. Scgesser. Ludwig Pf y ff er. II. S. ><>' r
4 Kn lg. A lisch. IV. 2. S. 510; Feiler, I. S. 180-183 ; Scgcsscr, II. S. :o;.
5 Sc ge s st r, II. S. 202.
6 Ebenda, S. 203 ff.
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offensiv gegen den Protestantismus herumzubiegen, Lussy, hielt das
Festhalten an der französischen Allianz für Ehrenpflicht und war
zudem 1573 mit seinem venetianischen Feldzug und mit den Angriffen
beladen, die ihm dieser zugezogen hatte. 1 1574 hatte sich durch die
spanischen Werbungen Rolls der Gegensatz zwischen Luzern und den
Ländern nach einem Worte Segessers zu einer Parteistellung verdichtet,
wie sie dem Stanser Verkommnis voranging. Er wurde erst, als Luzern
sich herbeigelassen, die innem Orte wirksamer in ihren Abmahnungen
bei Freiburg und Solothurn gegen das Bündnis mit Genf zu unterstützen,
durch das Abkommen vom 10. Januar 1575 derart beglichen, daß
• der Versuch, Luzern von der Leitung der katholischen Politik zu
verdrängen, gescheitert war *. 2
Wenn auch Abt Ötmar infolge dieser politischen Verhältnisse
an dem Stand der Religionsparteien im Toggenburg nicht zu rütteln
vermochte, hat er damals von sich aus seiner Verfügung für die Alte
Landschaft festem Rückhalt verliehen. Stadt-st. gallische Bürger
besaßen im Stiftsgebiet, vor allem um Rorschach, verschiedentlich
Landgüter, auf denen sie während des Jahres kürzere oder längere
Zeit wohnten. Die Untertanen des Abtes beklagten sich, sie müßten
das Religionsmandat, besonders den Gottesdienstbesuch einhalten oder
aus der Landschaft ziehen, während man die Stadtbürger da wohnen
lasse, obwohl weder sie noch ihre Dienstleute zur Kirche gingen. In
das auf Weihnachten 1573 erlassene Landmandat hatte Otmar daher
die neue Bestimmung aufgenommen, daß keiner, der nicht Gottes¬
hausmann sei, ohne seine Erlaubnis im Stiftsgebiete eigene Haushaltung
führen dürfe. Auf den Protest der Stadt ließ er antworten, die Besitzer
müßten, so* lange sie dort wohnten, an Sonn- und Feiertagen zur Messe
und Predigt gehen. Nicht nur die protestantischen, auch die katho¬
lischen Schirmorte interzedierten darauf am 14. Mai 1574 von der
Tagsatzung zu Baden zu Gunsten der Stadt. Allein Otmar blieb fest,
ln der Praxis mag etwelche Milderung durch erteilte Aufenthalts-
Bewilligung eingetreten sein, da weitere Klagen bis Mitte 1576 ver¬
schwinden ; das Mandat selbst wurde nicht zurückgezogen. Die Stadt
versuchte darauf, das Recht vor den IV Schirmorten vorzuschlagen,
wogegen sich Otmar mit Schreiben vom 25. Juni an Luzem und Schwyz
verwahrte, da dieser Rechtsstreit vor sein Pfalzgericht gehöre. Während
1 Feiler, II, S. 15 ; I, S. 195-204.
1 Se^esscr. II, S. 227-234.
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der Abt für seine Auffassung nicht die ungeteilte Zustimmung fand
schlug die Stadt an der Tagsatzung zu Baden die VI mit ihr verbürg*
rechteten Stände als Rechtsinstanz vor. Zu ihrer Unterstützung bracht--
einer der Schirmortc, Glarus, seinerseits die gleiche Klage für einig',
seiner Landsleute vor die Tagsatzung. Damit war Otmar geneigt
einzulenken, wofür Zürich die Brücke einer gütlichen Verständigung
gebaut und alle IV Schirmorte sich mit Schreiben vom 12. Juli ver¬
wendet hatten. Doch wurde die Angelegenheit erst am 13. November
1577 unter seinem Nachfolger Joachim geregelt im Sinne einer fest*
begrenzten Aufcntshaltbewilligung von je drei Wochen zur Zeit der
Saat, der Heu-, Korn- und Weinernte, unter der Bedingung, daß du
Stadtbürger niemand zu religiösem Ungehorsam aufstifteten und
während des Gottesdienstes sich so still verhielten, daß die Untertan-::
des Abtes nicht geärgert würden. 1
Diese Verhandlungen, in denen Luzern und Schwyz für die Stad;
St. Gallen und gegen den Abt auftraten, mußten Otmar zeigen, wie
wenig ein Vorgehen im Toggenburg nach dem Sinne Borromros ihr'
Unterstützung gefunden hätte. Er ist auch nie mehr darauf zurück-
gekommen. Den Zeitpunkt, da Luzern und dessen allmächtiger Staats¬
mann Ludwig Pfyffer vom offiziellen Frankreich in das Lager der Listu,
übertrat, erlebte er nicht mehr. Aber auch Borromeo hat sein
Mahnungen nicht wiederholt ; selbst im Briefwechsel mit Bonhomini
findet sich keine Anspielung darauf. Erst nach der Frontänderunc
die der Borromäische Bund und die Verbindung mit Spanien in d-r
Politik der katholischen Orte kennzeichnet, wurde dem Wunsche d-s
glaubenseifrigen Vorkämpfers der Gegenreformation eine teilweis
geringe Erfüllung gegeben. Otmars Nachfolger Joachim ließ 13$$
die reformierten Hintersäßen im Toggenburg auffordern, entweder
katholisch zu werden oder das Land zu verlassen. 2 Den auf die Yor-
1
V
1 St.-A., Ruhr. 20. Fasz. i : Staatsarchiv Luzern. Abtei St. Gallen : Ei«-s.
Absch. IV. 2. S. 604. S. dazu Ziegler, a. a. O.. S. 30-33.
1 HYg<7i»i. a. a. O.. II, S. 179 f.. darnach Schauilcr, a. a. O.. S. 136 i.
Die Klage WYgelins bezüglich Unduldsamkeit erledigt sich mit dem Hinweis
daß die Konferenz der V evangelischen Orte, die anläßlich der Jahrrechnun*;
zu Baden 1 ;S8 darüber verhandelte, das Vorgehen als durchaus dem Recht
entsprechend bezeichnen mußte. Eidg. Absch. V. 1. S. 115. Oechsli, a. a. 0.
S. 258. fuhrt zu der zusammenfassenden Behauptung, der Abt von St Galle"
habe « mit allen denkbaren Mitteln - auf die gänzliche Unterdrückung der Retor-
mierten im Toggenburg hinee^teuert. unter den Belegen auch diese Konteren:
der evangeh>chen Orte an 1 !
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*
— 2.0J —
Stellungen Zürichs wieder schwankend gewordenen Abt hat damals
Schwyz zum Festhalten bestimmt, aber ebenso evangelisch Glarus
gegenüber den Rechtsbestand des Landfriedens für die protestantischen
Landleute ausdrücklich anerkannt. 1 Die Erörterungen, die sich an
das Ansinnen Borromeos bezüglich des Toggenburg knüpften, hatten
katholischerseits zur Klärung des Rechtszustandes beigetragen, auf
den gestützt die Äbte des XVII. Jahrhunderts in der Grafschaft zur
Erhaltung und Förderung des Katholizismus vorzugehen vermochten. 2
Daß Karl Borromeo auf Otmars Verfügungen einwirkte, durch
welche die Stiftslandschaft gänzlich zum Katholizismus zurückgeführt
wurde, haben von Metzler an alle Geschichtsschreiber des Klosters
ausgesprochen. Von Arx unterdrückte es 3 ; ebenso hat Ziegler trotz
seiner starken Benützung der Klosterchroniken es unerwähnt gelassen.
Dagegen hat von Arx auf die Notwendigkeit aufmerksam gemacht, die
sich in dieser Zeit für eine Reform der Klosterzucht auch in St. Gallen
ergab. 4 Sein Hinweis auf den nächtlichen heimlichen Verkehr mit der
Stadt, der mit der Aufführung der Mauer um den Klosterbczirk ver¬
unmöglicht worden, hat bei Mayer 5 , der einzigen Darstellung der
gesamten Durchführung der Reform in St. Gallen, die wir besitzen 8 ,
der wunderlichen Behauptung gerufen, Otmar habe mit deren 1567
erfolgten Errichtung die Klausur eingeführt.
Im Rahmen, den der Titel bcscheidet, ist hier nicht die Einwirkung
1 Joachim an Schwyz, 17. März 1589. Entwurf. St.-A. Bd. 1552 S. 7816 ff. ;
Schwyz an Joachim, 24. März, Original, ebenda, S. 791 ; dazu Eidg. Absch. V, 1,
S. 153, Schwyz an Glarus, Juli 1588. Kopie : «_Und wiewol uns bewußt, das
der landsfriden im Toggenburg die alt und nüw religion zulaßt, .... erstreckt
'ich derhalben der landsfriden nit uf die ußlendischen und frömbde, als die hinder-
■assen sind, sonder allein uf die Toggenburgischc landlüth, deren wir uns, die
Ix-iden orth, im fal der notturft zu beladen hetten, da wir aber nit verständiget,
das ein herr von Sant Gallen bisher die landlüth uf einen oder den andern weg
dem landsfriden entgegen gedrengt habe. » Ebenda St.-A., Bd. 1552, S. 709 f.
* Dabei wird von Arx III, S. 130 f. nicht unrecht haben, wenn er meint.
St. Gallen habe den Anspruch, der sich aus dem Beisatze ergab « bis auf ein
allgemeines Konzil », nie ganz fallen lassen.
* Er spricht überhaupt nur bei Erwähnung des Karlstores von Borromeo
in der kurzen Anm. a, Bd. III, S. 101.
* Von Arx III, S. 113 f.
* Mayer, Das Konzil von Trient und die Gegenreformation in der Schweiz.
II, S. 155-158.
* Eine ausführliche Darstellung der gesamten Reform in St. Gallen, soweit
sie sich bei dem spärlichen Material des Stiftsarchivs geben läßt, wäre überaus
wünschenswert. Auch was Scheiwiler, a. a. O.. S. 138 ff. und 147 ff. und früher,
in dieser Zeitschrift II, S. 91 ff., gibt, hat uns leider wenig weitergeführt.
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%
— 208 —
nachzuweisen, die Borromeo allgemein durch die Reform in der Schweiz
auch auf St. Gallen ausübte, sondern nur die direkte Wirkung seines
Besuches zu untersuchen. Da ist zunächst der weitere, verzeihliche
Irrtum Mayers zu berichtigen, die sogenannte Reform Otmars sei au;
das Eingreifen des Kardinals zustandegekommen. Der ältesten Nach¬
richt zufolge sind jene Konstitutionen für den Konvent nicht 1573,
nach dem Besuche Karls in St. Gallen, sondern im unmittelbaren
Anschluß an die Konstanzer Diözesansynode von 1567 entstanden.
Eher könnte noch ein Einfluß auf einen undatierten Entwurf von Ab¬
machungen zwischen Otmar und seinem Konvent über Novizenaui-
nahme und testamentarische Verfügungen der Kapitularen angenommen
werden. 1
Unter den Mißständen, die Borromeo in St. Gallen traf, wird von
ihm selbst und von Fornero übereinstimmend das Fehlen der Klausur
vermerkt. Das darf auffallen ; hatte doch Otmar an der Diözesansynode
erklären lassen, er habe mit dem Abte von Einsiedeln sich auf einer
Zusammenkunft über eine schärfere Einhaltung der Klosterklausur
beraten und jene Beschlüsse zum Teil bereits ausgeführt. 2 Sollte sich
dieser Widerspruch nicht durch die verschiedene Auffassung erklären,
welche Gebäude des Klosters unter die Bestimmungen für die Klausur
fielen ? Nebst den um den Kreuzgang gruppierten Gebäuden befanden
sich damals innerhalb des « Porthus *, das als Pforte bezeichnet wird
verschiedene andere Gebäulichkeiten, vor allem das Gasthaus, die
«Hell» 3 . Tatsächlich führt auch Fornero an, um das Fehlen der
Klausur zu beweisen, weibliche Personen hätten Zutritt zu den Gas!-
quartieren, die sich in der Mitte des Klosters befänden. Wenn er aber
beifügt. St. Gallen habe infolge der Vorstellungen Borromeos die Reform
angenommen und sei dadurch nachher immer in gutem Ansehen
geblieben \ so hat er sich damit getäuscht. Als Nuntius Bonhomim
die Visitation in St. Gallen vornahm, fand er in Bezug auf diese
Beanstandung Karls über die Klausur alles noch vor wie neun Jahr-
vorher, da er der Begleiter des Kardinals gewesen war. , Seine V'er-
1 S. Exkurs 3 : Das Datum der Reformatio monasterii Abt Otmars.
* Constitutiones et decreta synodalia ; Acta synodi f. 261 b. S. dazu Rtinki'i-
und Steffens, a. a. O., S. 139.
3 S. dazu Harderer. Die alte Stiftskirche und die ehemaligen Klostergebäod'
in St. Gallen. S. 61-64 und die beiden Situationspläne, zirka 152b und 1 ?*e.
zwischen S. 56-57.
4 D’ Alessaiulri. S. 15S.
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2 CO
i- 2*.V\ . • n VilÜ'. i" ri VM XL' ' \
‘ 5 d~r
. • •' . • a +-
--» am 3. i>rz-.rr.:*rr 1579 — Oi..rn »artete. £>e:rc mr in erster
Lr.ie dns Gasthaus für die Frauen. Er begrlü. daß vs d-.m Stifte sehen
Ruiksici: au: die E ir .rosK-r. urur.:.e;Iich wir. Frauen dis Gü:-
• •
’zu vr^vriitni ini erlaub:-- duher irzw;>chtn r.::L: bkß dertn
•..'“ü’.r.i.* im L iir.rr.i»’* n (j- j i *, uuen c^rin i>: wirn-r.^
-.: h die Mir:, dv» K.i-sters. Aber rr verlangte. wie Abi Joachim r>
. ~ Kd-:r. zuue-stan: :. h-be. diß inner. ach:. hikhstens zehz Mrr.atcn
.r-vrhaib der Klari rr anb rr Gastlc-kalitaieu für Fraurn hrrr- richiri
i-m 1 Ar: d:•_>•- Forirrar.s kan rr no:h zurück. als seine Sihwcizer-
r.c.v.iatur s-ihcn abg.-sihloss-.n war 2 ; die rinstire Bennstandur.c: Bc-n»
”rc«s war auch zu jrr.tr t-.worden, auf die der Yisi:a::*r das haur-t-
•aihkhste Grw.ch: Ad in Abt Joachim aab wc-hi gute ViVr.v.
>:üi Vers pre\ her. ab-.-r ha: er ni:h: erfüllt. * Gc-orinrt wurde d.c- Arc- -
• •
c-rr.-o: vre: durch die Vis::a:icn cts Nuntius Hieronvuru» Par.ia
'•>.t. 13. F-brrar 1595. D.-k- bestimmte in Artikel 43. d^ß keine Frau.
K.:h-:r Würde siv auch s.-i. innerhalb d-.r Abgrenzung des Kicsi-.rs
.:d der Kiausur zug .lassen w-.rdt. uij<i l’ur’.e in Art. 40 aue-irr:k-ich
lei: « Yom-hme Frauen und weibliche Verwandte d-.r Kaviiu-aren
irrfen künftighin nicht rr. -hr innerhalb d-.r Klausur als Gas: aui-
i-L ommen werden. sor.d-, m •.-» k.ü ihnen da? Gas: log is in einem naher.
Hause au 3 rhalb d-.-r Abgrenzung d-.-s Kivsters ar.rewo.i-- n werden. 1
D.n dritten WurKih d.n Kar! anläßlich seine» Besuche» an Otmar
1 Ber.h orr. : r 1 an Aut Joachim Timkon ;. r>ezrm:-r On*:nai
; t A. Bi. S. • V3 n.
* Bonhionirji an Aut Joachim. Kon-oanz :. Nov-.-morr uni W: t 3
•• Januar i: 1 -’ Onisinalv. eh^r.iä 5 . :r; i. uni Ruhr. Fä*.z. s.
# - • • • • •
a Was a. a. O. S. :4- Cari“-r au?:-hrt >: :rr-.:ur.r-r.i. Zunächst
'"Zillt nicht Chror.ik Mvtz.rr-. bcrcivm nur dir>;:;rr.iki>. :‘: 1 .
124.0, 5 . f>o f. c:e Visitation B-bEoo—ir.ib. S^ihvnk n:.T.r*t Au^^uurn
•vt Visitator- mm-t-r «r* d*r b-rdvrk: : • N -c *-n:rr: ir^rant *:uar irrula Cvr.v;r.>
’-HC-rLant. com n-.-c votozn paoi^natis t-o. quo t*ar rrat r*2:re :n u>o r>>rt.
-r: ?tatutis pr?r sacro^ canonv> ar.r.i« ad sacros ori.nvs rcliz::«-: prom:v-rer.rur
-••• Ca/*trrym cuod maxime r.jnt:u* emtniatum curirhät. »rrü in
• •
' -i’-stmei u- tani cx:*.rarjm quam anc::^rum ; vt quiium Joa;h:n*.o :a.:.r
• ', ot ancil’arum ah-uiou? e c.au*tro :onu:*j? rvmct> por.t:f.:um Statut l>
-'.V.?icC < -rct sed non a*-;ue iaciiv fu:t d-c^m-rre. *;uo loco r.ul:v:-> rxtvrae h x itvf
• • •
••■r>.rtn»ur ..... Da*, h-. ir*. ■*> ier 'iah. Joachim ein viir .-r.-.-- Mar-vhau? wirklich
* • •
noch dai dort d:e w*r: v hchrrn Gä-tc- iozi-rrtn v/.I
4 Lrk. 34-8:3. Darnach >t d:c- B^ z-ichnur.^ • I ruu*.-rhiu> •. d:tr Ki'dzcjrt
■-v.i fitm Situation-plan von zirka 1570 dem G.-hau iv r.-rh^n dum Wvin^henkrQ-
gibt, odenbar verfrüht.
KVU D HiSJJIM. KaLilAi:V-L
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2 t 0
richtete. St. Gallen möchte an das zu gründende Seminar einen Beitn •
leisten, hat der Abt rundweg abgeschlagen. Das war nach der Stellung
die Otmar mit den andern schweizerischen Prälaten an der Konstanzor
Diözesansynode eingenommen hatte \ nur folgerichtig. Borromeo b: ;
auch bald, schon zu Weihnachten 1570, sich von dem Gedanken lns-
gesagt, die Beiträge der Abteien so leichthin beschaffen zu können. !
So gut beobachtet die Bemerkungen Karls über St. Gallen sind,
so ist es doch einleuchtend, daß cs ihm nicht möglich war, über dessen
|
finanziellen Stand sich Einblick zu verschaffen. Mit der Wirtschaft*- |
ist auch die Finanzgeschichte des Stiftes noch ungeschrieben. Von Arx •
bemerkt in seinen Ursachen der Aufhebung des Stiftes St. Gallon, daJ .
dasselbe fast vier Jahrhunderte lang alle Staatsausgaben beinah'* ;
allein aus dem Klettervermögen bestreiten mußte, woraus sich erklärt*. .
weshalb die Abtei in dieser Zeit trotz ihrer großen Einnahmen dennoch
fast immer mit Schulden behaftet gewesen sei. Habe es doch seit dem
Jahre 1400 nur dreimal sich ereignet, daß sie schuldenfrei war. 1 IV.
Schätzung der Einkünfte auf 50-60,000 Scudi, die Borromeo in ebr
Information erwähnt, geht offenbar auf diejenige der römischen Kurir
zurück ; sie kann sich natürlich nur auf die Gesamteinnahmen des
Klosters, nicht auf jene beziehen, die der äbtischen Kasse zuflossen. 1
Borromeo hat wohl richtig gesehen, daß Otmar für Gastereien
zu viel Geld ausgebe 5 ; aber diese damals als Zeitlaster sich gebend*.*
Verschwendungssucht ist allein für den Finanzzustand des Stiftes
nicht verantwortlich zu machen. Es hat sich eine summarische Zu-
1 Heinhardt und Steffens, a. a. O., S. 139.
* Ebenda, S. 337.
3 Die Ursachen der Aufhebung des StiftesSt. Gallen. In zwey Bnefen. iSef.
Seite 29.
4 Soweit die Einanzgebarung sich durch die noch vorhandenen Reste Je:
Rechmmgsbucher zurückvrrfolgen läßt, waren die verschiedenen Statthaltere.e.'
durchaus selbständig. Sie besaßen ihr eigenes Urbar, hatten aber auch für ihr**
Bedürfnisse von sich aus auf zu kommen. Beispielsweise sorgte für den l'nterhs*
des Konventes und des äbtischen Hofes in St. Gallen der dortige Statthalter. De
Uberschuß war von den Statthaltcrcicn an die äbtische Kasse abzuliefem. A*
zu nächst hegend i>t zum Vergleich auf die, fiir wenige Jahrgänge erhalten geho¬
benen KechnungMiefte Abt I ranz Gai.sbcrgs zurückzugreifen. Dessen Einnahme:
beliefen sich beispielsweise im Jahre 1521. bevor sich die Wirkungen der R*'^
mation bemerkbar machten, auf 5301 U 19 ß 8 3 *. St.-A., Bd. 87S. S. 3-6. U-
6 Zu dein oben. S. in;. A. 2 wiedergegebenen Zitat mag wohl noch wmoö' 1
werden, daß durch einen Diebstahl die Kunde einer Einladung auf das GaüusfK
1 auf uns gekommen i^t. Unter den Herren, die erschienen, werden ervu*-'
Graf Ulrich von Montfort-Rotenfels, vier adelige Domkapitularen von Konstanz
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jammenstelliing Otmars erhalten, die um 1570 geschrieben worden
sein muß. Darnach beliefen sich die bis dahin gemachten «außer¬
ordentlichen * Ausgaben seiner Regierungszeit auf 34,851 fl., wovon
30,254 fl. auf die Kosten der Auseinandersetzung mit der Stadt
St. Gallen und der dadurch bedingten Bauten fielen L Am 12. Sep¬
tember 1568 war das Kloster St. Johann einem Brandstifter zum
Opfer gefallen ; innert fünf Jahren stellte der Abt es wieder her, oder
besser gesagt, «ließ es beinahe neu errichten » 2 . Mit 1571 setzte eine
mehrere Jahre sich hinziehende Teuerung ein. Otmar sah sich beispiels¬
weise genötigt, für Wil, das Korn im Gebiete von Bern und im Elsaß
gekauft hatte, verschiedentlich einzutreten 3 , und weiterhin den Bürgern
das Getreide um den halben Preis zu überlassen 4 . Die Not muß damals
so schwer empfunden worden sein, daß sie nicht nur in den Mandaten 5 ,
sondern auch in den Gerichtsprotokollen 8 und Söldnerwerbungen 7
Erwähnung fand. Die Finanzlage des Stiftes war dadurch keine glän¬
zende. Wir können noch nachweisen, daß Otmar an Geldern aufnahm :
1567 von Balthasar Tschudi 7000, 1568 von Gilg, Kaspar, Balthasar
und Ludwig Tschudi 6ooo, 1574 von der Stadt Luzern 4000 Sonnen¬
kronen, 1573 von Graf Hannibal von Hohenems 3000 fl. 8 Sie wurden
teilweise zurückbczahlt ; dafür hatte Otmar am Ende seiner Regierungs¬
unter ihnen Jakob Christoph Blarer von Wartensec, der spätere Bischof von Basel,
Hans Muntprat von Spiegelberg « und andere eerenlüth vom adel und sonst ».
»Nachdem man ze imbis gessen hat und min gnediger herr von Sant Gallen mit
obgemclk'm herrn von Montfort und andern spacieren gangen, die niiwen biiw
und anderes zu besichtigen >*. machte sich der Dieb hinter die Heistruhe des Grafen.
In ihr waren in einem « seckcl 1000 gold guldi gewest » ! Bd. 1065, f. 104/' /.
1 Bd. 358, S. 431 f.
* So die von Flerch redigierte, in den Turmknopf gelegte Urkunde. Bd. 293,
S. 646 ff. Am 17. August 1573 bittet der Abt die V Orte um Wappenfenster für
St. Johann. Eidg. Absch. IV, 2, S. 523. Auch wenn man berücksichtigt, daß unter
Joachim und Bernhard noch manches verbaut und für die Einrichtung angeschafft
w urde, so zeigt das von P. Ambros Epp von Kudenz seinen Annales veteris et
novi S. Joannis eingefügte Bild des Klosters, daß die Ausgaben verhältnismäßig
bedeutend gewesen sein müssen. Bd. 298, S. 602. 730.
3 Otmar an Zürich, 23. März und 3. Mai 1571, Staatsarchiv Zürich, A. 244. 3.
4 Bd. 218. unpaginiert.
4 S. bei Ziegler, a. a. O., S. 54, aus dem Rheintaler Mandat für 1572.
• Bd. 1067. S. 244.
7 Eidg. Absch. IV, 2. S. 501, a. S. auch die bezüglichen Bemerkungen aus
dem Briefwechsel Otmars mit Joachim Opser, bei Scheiwiler, a. a. O., S. 45.
46 f. Noch am 25. November 1573 schreibt Otmar «von wegen der schwären
theuren zyth, so by euch und uns täglich zunimpt. « Bd. 306, S. 143.
1 Urk. GGi-Oifc; Rubr. 28, Fasz. 6.
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212 —
zeit bei Luzern für 12,000 fl. zu haften, deren Bürgschaft er zu
Gunsten des Grafen von Mont fort eingegangen war. 1
Wenn sich Otmar Borromeo wie Roll gegenüber dennoch
nicht ablehnend verhielt, eine kleine Niederlassung der Jesuiten in
seinem Lande zu unterhalten, verdient dies Anerkennung. Auffallen
darf dabei, daß von keiner, auch nicht von der st. gallischen Seite,
eine Bemerkung fiel, mit eigenen Kräften eine Schule ins Leben zu
rufen. Die Anfragen, die unter Otmars Vorgänger eine Hochschu;-'
für die katholische Schweiz in Rorschach errichtet wissen wollten,
hatten doch wohl nicht einzig auf die Geldmittel des Stiftes abgestellt. :
Zur Zeit des Besuches Borromeos zählte das Kloster mindestens drc.
Konventualen, die über eine sehr gute Bildung verfügten : Moritz Enk.
Johannes Rustaller und Joachim Opser, von denen die zwei letztem
damals sicher sich in der Heimat befanden. Auch das gehört zum
Geisteszustand der ersten Zeit nach dem Tridentinum, daß von dm
führenden Männern der katholischen Reform niemand versuchte, auf
den alten Baum neue, lebenskräftige Triebe aufzupfropfen, sondern
die Erfüllung des Wunsches nach hohem Schulen einzig von dem neuen
Orden der Gesellschaft Jesu erwartete.
Den spätem Bestrebungen St. Gallens nach einer eigenen Lehr¬
anstalt kam cs zu gut, daß die Anregungen für eine Jesuitennieder-
lassung schon durch den geschilderten Finanzzustand nicht zu ver¬
wirklichen waren. Dafür hat Otmar, dessen Eifer für höhere Bildung
<
1 Von 12,000 fl. Bürgschaftsverpflichtung Otmars spricht Joachim in seinem ^
Brich* an Bonhomini. 15. November 1 581, Bd. 306. S. 603 ff. Eine Generalqnittonü \
Luzerns von 1587 spricht nur von 8000 fl., obwohl die jährlichen Zinsquittuncc^ •
auf boo fl. lauten und auch der erneuerte Kapitalbricf von 1588 auf 12.000 fl. geht :
Es handelt sich um den oben erwähnten Graf Ulrich von Montfort. Urk. GGi-Fi-’ j
4b. Auf Joachim gingen an Schulden über die 12,000 fl. bei Luzern und dir* \
7000 Sonnenkronen bei Balthasar Tschudi. Bd. 306, S. 317. Abt Bernhard abfr |
trat von Joachim 52.187 fl. Schulden an. davon 11.205 laufende, teilweise ;
Besoldungsnickstände von mehreren Jahren (Bd. 879. f. 261-263). trotzdt-n: j
Metzler nur eine einzige Baute Joachims in St. Gallen erwähnt, domus dormitono \
contigua (Bd. 182. S. 673). Das ist etwas mehr, als daß Joachims IdealLsmus ihn I
nur 1 nr materielle Interessen weniger geeignet machte, wie SchetwtUr, S. itr. |
bemerkt. \
2 So ist es doch wohl aufzufassen, wenn 1551 die IV Orte zugleich mit dor. j
Begehren, eine hohe Schule in Rorschach zu errichten, Abt Diethelm baten J
zwei Junge aus seinem Konvent an Universitäten zu senden, um sie dort Theoloe* .
studieren zu lassen. Eidg. Absch. IV, \e. S. 511 f. Über die Verhandlungen j
bezüglich Korschnrh s. von . 1 t r. III. S. 2<>5 f. und Reinhardt und Steffi ns, a. a. 0 ., *
Seite 172 ff.
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213
>• incr Kapitularen bereits das Empfehlungsschreiben der VII Orte
an Pius IV. lobend hervorhob l , 1571 Joachim Opser mit Ulrich Osch
und Adam Giel von Gielsberg, die beide soeben die Profeß abgelegt
hatten, die Universität Paris wieder beziehen lassen. 2 Allein, was
damals St. Galler Konventualen zum höhern Studium trieb, war Wissens¬
durst, war ein spätes Nachblühen des Humanismus. 3 Die Generation,
die den neuen Geist des Apostolats, durch die Bildung auf andere und be¬
sonders auf die Jugend wirken zu können, erfaßte, mußte erst noch heran¬
wachsen. Und daneben mußte der Mitgliederbestand, der unter Otmar
nicht einmal zur vollständigen Besetzung aller Klosterämter genügte 4 ,
1 S. Beilage IV.
1 Über die Angaben Schciwilers, a. a. O.. S.44. hinaus sei betreffend die Studien
Opfers vermerkt: Opser hatte mit Rustaller im Frühling 1564 die Universität
Dillingen bezogen. Enk ist im Herbst nachgefolgt. Rustaller erhielt 1564 schon
ein Zeugnis ausgestellt ; es ist das erste bisher bekannt gewordene Dillingcns.
ftnnhardt und Steffens , S. 177. Anin. 2. Flerch schreibt in seinem Bericht, daß
die Rede bei der Benediktion Abt Otmars. 16. Oktober 1565, gehalten habe
«tacundissimus juvenis Joachimus Opser.qui una cum .... Joanne Rustaller
et Mauritio Enken presbyteris .... Dillingae sesqui annos litteris incubuerat. •>
Bd. 358, S. 374. Enk und Opser sind nicht mehr nach Dillingen zurückgekehrt.
Am 1. November 1565 stellt P. Petrus Hermath zu Dillingen Enk das nachträgliche
Abgangszeugnis aus: « frequentavit lectiones nostras philosophicas, quanuliu
hic fuit (fuit autem anno integro) diligentcr ac seclulo. Ruhr. 2g. Fasz. 12. Beide,
tnk und Opser, studierten schon 1566 in Paris. Am 20. Mai 1570 stellt der Rektor
dos Claromontanum, P. Edmund Hay. Opser ein Zeugnis aus. daü er krankheits¬
halber nach St. Gallen zurückkehren müsse. Darin bemerkt er: «dictum Joachi-
nium spatio quatuor annorum plus minusve. quo nobiscum in hoc collcgio egit,
— tantos fccissc progressus tum in literis graecis et latinis et studio praesertim
philosophico ac etiam initiis sacrae theologiae .... - Am 3. März 1571 stellte
ihm der Konstanzer Gcncralvikar das Zeugnis aus pro cura animarum, * in
Omnibus docte et competenter respondisse in examine est repertus «. während es
,m gleichzeitigen Zeugnis seines Mitkonvcntuals Matliias Riidlinger heißt. « medioe¬
nter canere et in caeteris omnibus bene respondisse est repertus. »* Stiftsbibliothek,
I2 53 » S. 47 » 48- Auf den Herbst 1571 kehrte Opser nach Paris zurück und
nahm ösch und Giel mit. Am 1. November 1571 antwortet ihm Enk von
St. Gallen aus auf zwei erhaltene Briefe und drückt seine Freude aus. • quod
feliciter cum tuis Lutetiain perveneris *». Bd. 306, S. 87 f.
3 Ein erhaltenes Schreiben Enks an Abt Dicthelm vom 1. August 1564,
mit dem er offenbar die Erlaubnis zum Universitätsstudium erreichte, gibt dem
^zeichnenden Ausdruck. Ruhr. 2Q, Fasz. 12. Von den Spätem ist auf P. Erasmus
v on Altmansbauscn hinzuweisen, der, im übrigen ein Träger des Reformgedankens.
i 5 8 4 . 27 Jahre alt und 10 Jahre nach seiner Profeß. in Paris unter Fronton du
Duc in prima classe alte Sprachen studiert. Stiftsbibi.. Msc. 1327.
4 « Et quoniam impraesentiarum noster conventus non sit adeo frequens,
ut singula officia singulis personis possint delegari *> heißt es in der Reformatio
monastcrii, Bd. I, S. 548.
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stark vermehrt werden, was ebenfalls erst durch das Ein^r-ii n d*:
*
Visitation Portias veranlaßt wurde. 1
* *
*
Den Anregungen nachzugehen, welche die wenigen Berührungen
die Karl Borrorneo direkt mit dem Stifte St. Gallen verbinden, au!
dieses und damit auf das katholische Leben der Ostschw* 12 au-grüb'
•
haben, war d-r Zweck d:*r vorliegenden Studie. Naturgemäß war da
Wirksamkeit und der Einfluß des Heiligen, in dem sich die BeStr* bung- r.
der Gegenreformation wie in einem Brennpunkte vereinigen, dort w» ::
stärker und tiefgreifender, wo die offizielle Vertretung dos schweize¬
rischen Katholizismus lag, bei den katholischen, speziell bei den V Qmn
Diese allgemein schweizerischen Einwirkungen sind ebenso dem Stift
St. Gallen als zugewandtem Ort zu gut gekommen, wie arultrsch?
die Politik der katholischen Orte hemmend in konfessionelle Bestre¬
bungen des Stiftes ringreifen konnte. 2 Da er noch Staatssekretär
seines pä|>stliehen Oheims gewesen, war Borromeo in der Konnr-
mationsangelegenheit Abt Otmars erstmals der Einfluß entgegen-
getreten, den Brauch und Herkommen, wirkliche und \\ rrm intl:c;:>
Privilegien dem Trid« ntinum gegenüber bei den Schweizern ausI«>st»T.
Die Befolgung und NichtIvfolgung seiner beim Besuche in St. Gj!k~.
geäußerten Wünsche zeigte ihm ebenso die Förderung wie die Hemm¬
nisse, die der Reform in den schweizerischen Gebieten warteten. Leicht
war es, die Liebe zum Katholizismus zu wecken, da er am Gegensatz«,
des Protestantismus sich ständig schärfte ; schwerer war es, die in nt re
Reform durchzuführen und Geldopfer zu erlangen. Das erstore war
an der lebendin Generation zu erreichen; für das zweite mußte ir.
Klerus und Führern eine neue heran wachsen, die in dem erfrischter.
Glaubensleben die Kraft zu innern und äußern Opfern fand, die dam ad.
verlangte, die eigene innere Erneuerung auch durch vermehrte Tätigkr.:
in Schule und Kirche weitern Kreisen des katholischen Volkes anzu¬
bieten.
1 Urk. B4-B13. Art. 76.
2 Die Beobachtung Occhsli's, a. a. O., S. 252, daß nach der Information
Luzern und Schwyz und die hinter ihnen stehenden V Orte die wahren Schirm¬
herren des Gotte.shaux s geworden. \wrd damit bestätigt, aber auch in ihrer
Wirkung beschränkt.
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Die offizielle katholische Schweiz ist in diesem Zeitpunkte der
schon eingelebten, wenn vielleicht auch noch nicht völlig durch¬
geführten Reform sich der Dankbarkeit bewußt geworden, die sie
Karl Borromeo schuldete. Darum haben am 28. Januar 1604 die
VIII katholischen Orte an Klemens VIII. eine Bittschrift um Be¬
förderung des Kanonisationsprozesses gerichtet. Auch das Stift Sankt
Gallen hat, indem cs diese Adresse an den Papst mitunterzeichnete,
Karl Borromeo damals seinen Dank in etwas abzutragen versucht. 1
(Fortsetzung folgt.)
1 Eidg. Absch. V, 1, S. 679; Liebniau, Der hl. Carl Borromeo und die
Schweizer, Monatsrosen xxix, S. 82 f.
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So macht man Geschichte.
Von P. Fridolin SEGMÜLLER.
• Schluss.)
<1 Die Reformation hätte ganz Europa erobert, wenn der Kampf mir
mit geistigen Waffen geführt worden wäre, aber man setzte Schaffot
Scheiterhaufen, Kriegsheere entgegen. * In Wahrheit : die Reformation .
hätte gar kein Land erobert, wenn nur «lautere Waffen » und nicht j
Täuschung und Gewalt der Fürsten und Regierungen cingegrifi-n
hätten (so in Deutschland, in Skandinavien usw. Beweise: Bei- ’
behaltung des Kanons, damit das Volk die Änderung nicht merk- j
sowie der bischöflichen Hierarchie in England und im Norden j
Mandate der Regierungen von Sirich, Bern usw.). f
Auf das Märchen vom «Blutdurst Marias der Katholischen* j
dürfte man nun endlich verzichten, nachdem aktenmäßig bewiesen ist j
daß unter Marias Regierung im ganzen 279 Protestanten meistens ■
wegen Hochverrat oder andern todeswürdigen Verbrechen hingerichtet |
wurden, während unter Heinrich VIII. und Elisabeth über 12.«-:
Todesopfer wegen « Papismus » gezählt werden. Dem gegenüber nimmt
sich die sittliche Entrüstung über die «Scheußlichkeiten von Albte
Blutrat» in den Niederlanden recht sonderbar aus. Daß die Bartholo¬
mäusnacht und die Treulosigkeiten der Katharina von Medici gegen
die Katholiken ausgebeutet wurden, war zu erwarten. Doch wag"
man diese Greuel nicht mehr direkt der Kirche aufzubürden und di |
1
Zahl der Opfer ins Ungemessene zu steigern :« Die Zahl wird verschieb •
angegeben, von 10,000 bis 100,000. » (Wahrscheinlichste Zahl ist 4«^ j
Über die Katholiken-, besonders die Priestermorde im hugenottische
Süden gleitet man natürlich schweigend hinweg.
Der Protestantismus in Österreich sei durch die jesuitisch-katho¬
lische Restauration erstickt worden. Die Zillertaler Auswanderung
soll ein Beispiel der Unduldsamkeit sein, während man die Anwendung
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des Grundsatzes: «Cujus regio, illius et religio» und gänzliche Un¬
terdrückung jeder katholischen Religionsäußerung in protestantischen
Gebieten ganz in Ordnung findet. — Wenn (§ 144) von der lutherischen
Kirche ein Bild entworfen wird, das lebhaft an die apostolische Urkirche
erinnert, so klingt dies für naiv gläubige Seelen recht schön und rührend ;
schade, daß es der Wirklichkeit und den Zuständen, wie sie Luther
selbst aus Wittenberg, « diesem Sodoma », in seinem letzten Lebensjahre
berichtet, so wenig entspricht.
Neu ist, daß die lutherische Lehre « die richtige Mitte »im Christen¬
tum bildet, welche die Einseitigkeiten des Katholizismus und Kalvinis¬
mus vermeide (145). Mit voller Voraussetzungslosigkeit und ohne alle
Voreingenommenheit wird dagegen die katholische Religion immer mit
* Papismus, römische Irtümer, katholischer Aberglaube» usw. be¬
zeichnet .
Die Neugestaltung der alten Kirche habe im «Tridentinum und
im Jesuitismus ihren Ausdruck gefunden» (§ 146). Nach der Lehre
des Konzils von Trient gebe es für den Christen nach der Taufe nur
Tatsünden, keine Begierdsünden (§ 138. Der Theologicprofessor Tsch.
hat den Satz, die böse Begierlichkeit bleibe im Gerechtfertigten auch
nich der Taufe, sei aber selber nicht Sünde, im Gegenteil dem sie
Bekämpfenden Gelegenheit zum Verdienst, arg mißverstanden). Auf
dem Konzil, « wozu der Heilige Geist im Felleisen von Rom nach Trient
gekommen », sei den mittelalterlichen Dogmen «eine antiprotestan¬
tische Zuspitzung gegeben worden ; hierarchische Interessen und
Extravaganzen zeigten sich überall».
Einzelne Müsterchen : «Man verdammte den strengen Augustinis-
mus (der ja nach Bd. I so verwerflich war !) in Bajus» (S. 164).
«Man feierte die Pariser Bluthochzeit als glorreiche Glaubenstat.»
Urban VIII. «pontifizierte nur » zwölf Tage. Die Unfehlbarkeitslehre
(noch bevor sie verpflichtend dogmatisiert war) wird verdreht und
dann verhöhnt (S. 165). Es wird über die sogenannte Malachias¬
prophetie als katholischer Aberglaube hergefallen (die katholische
Wissenschaft lehnt sie durchaus ab). Eine ähnliche Zulage betreff der
Lehninischen Weissagung lehnen wir ebenso ab, da sie um 1690 in
der starklutherischen Mark Brandenburg aufgekommen ist ; doch quid
hoc ad rem ? Die Cordeliers sind «regulierte Observanten»! ? «Gei¬
stige Verzückungen und Erscheinungen gaben der neuen Richtung
Loyolas ihre himmlische Weihe». — «Der Jesuitenorden hat sich zum
Prinzipalorden der römischen Kirche bestimmt.» (?) «Die Monita
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secreta, wenn auch unecht, sind doch dem Geist des Ordens ent¬
sprechend. * Trotz Billigung des Tyrannenmordes, laxer Moral, Pela-
gianismus, Intentionalismus (Zweck heilige die Mittel), Reservatio
mentalis habe der Orden doch « manche Mitglieder von ausgezeichneter
Frömmigkeit und strenger Sittlichkeit. * Schädlich sei der Einfluß
der Gesellschaft Jesu durch Förderung des Aberglaubens, besonders
des Herz-Jesu-Kultus und des Hexenwahns. (Haben nicht die Jesuiten.
Spee und Tanner mit Lebensgefahr gegen Hexenverfolgung gewirkt,
als die « Diener am Wort » nach Kalvins Vorgang noch eifrig die Hexen
aufspürten ?) Auch die Leistungen in der Schule seien äußerlich glän¬
zend, innerlich hohl gewesen. (Blasser Neid !) Die Protestanten hätten
Anstoß zum katholischen Kirchenlied gegeben, « das zwar seit 1470,
doch widerwillig, gepflegt wurde. * (§ 148.)
Weil die katholischen Staaten den Handel nach überseeischen
Staaten inne hatten, hätten auch nur sie Missionen unterhalten. (Und
England und Holland ?)
Der Buddhismus habe viel Verwandtschaft mit dem Katholizismus;
man habe deshalb bei den Neubekehrten heidnische Gebräuche geduldet.
« Nach dem 30 jährigen Krieg ergossen sich die Jesuiten scharenweise
über alle Länder Europas ; ihrer Schlauheit, Kühnheit und Machinatioc
gelang es, den kaum noch glimmenden Docht des Katholizismus
wieder anzufachen, dort den blühenden Protestantismus mit Stumpf
und Stiel auszurotten und den glühenden Haß gegen den Protestantis¬
mus schon in die Kindesbrust zu pflanzen. Sie nisteten sich in Ingol¬
stadt, Prag, Köln usw. ein. * Die andern Orden, besonders die Domini¬
kaner waren «die Antipoden der Jesuiten, auch im Dogma, soweit es
das Tridentinum zuließ. » Innoccnz XI. habe 65 Sätze der laxen
Jcsuitenmoral verdammt, Alexander VIII. die jesuitische Lehre vom
Unterschied der theologischen und philosophischen Sünde verurteilt
(§ 155). Der selige Peter Canisius wird zum Zerrbild; Albrecht V
soll zuerst (wegen des Laienkclchs) Protestant gewesen sein, »Ferdi¬
nand II., seit 1619 Kaiser, führte die Ausrottung des Protestantismus
mit brutaler Gewalt durch. » (§ 149, S. 183 ff.) Urban VIII. soll Ferdi¬
nand II. wegen Zerstörung von Magdeburg, als einer Ruhmestat Deutsch¬
lands, beglückwünscht haben. (§ 155 ; wenn wahr, hätte sich der Papst
in der Adresse geirrt, da der Ruhm der Zerstörung Gustav Adolf und
seinem Feldherrn gebührt.)
«In Savoyen rottete Franz von Sales durch gewaltsame Bekehrung
von So,000 Ketzern den Protestantismus vollständig aus.» (S.
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der Protestantismus in Savoyen wurde von den Bernern gewaltsam
tingeführt, Bekehrung und Rückführung geschah bloß durch Predigt
und Belehrung. Welcher Unterschied zwischen Franz von Sales, Karl
Borromäus, der « in der Schweiz hart und unmenschlich vorgegangen
sei» und einem polternden Farel, Calvin, Luther, Pommeranus usw.)
Mit gehässigen Invektiven wird (§ 151) die Konversion einiger
Fürsten begleitet ; dieser Schritt kann natürlich nur Folge von Täu¬
schung oder Verblendung sein. Daß der Bekehrung Stolbergs und Winkel¬
manns unedle Motive unterschoben werden, muß nicht wundemehmen.
(S. 345.) Der 30 jährige Krieg ist « nur eine Selbstverteidigung der
furchtbar bedrückten Protestanten. » Gustav Adolf «ist nicht minder
durch religiöses wie politisches Interesse als Retter des Protestantismus
nufgetreten. * (S. 189.) « Deutschland verlor durch den 30 jährigen
Krieg mehrere Provinzen, aber seine Geistes- und Religionsfreiheit
war gerettet. * (Ob die Sozialisten vom Weltkrieg 1914-18 und dem
Versailler Frieden mutatis mutandis wohl nicht dasselbe sagen ?) Die
Klagen über die Bedrückungen der Protestanten in Österreich, Böhmen,
Schlesien sind steinerweichend. « Eine schweizerische Bartholomäus¬
nacht im kleinern Maßstab wurde 1620 durch den sogenannten Vclt-
linermord ausgeführt ; es galt die Ermordung der Protestanten an einem
Tag. Die Zahl der Schlachtopfer belief sich auf 400-500 * ( ! S. 190).
Dazu kommen die Auslassungen über die Vertreibung der Salzburger,
sowie « Justizmorde * an andern Protestanten, z. B. in Thorn (S. 344 f.).
Der Kardinal Primas Pazmany sei «mit fanatischem Eifer für
den Katholizismus und glühendem Haß gegen den Protestantismus
erfüllt * gewesen. Die «von den Katholiken geraubten» Kirchen
seien trotz Rcstitutionsedikt größtenteils nicht zurückgegeben worden.
(Wer hat denn Kirchen an sich gerissen, die Altgläubigen oder Neu-
,gläubigen ?) Daß « das ungarische Fluchformular », wonach der Papst
‘livino honore zu ehren sei, die selige Jungfrau größere Verehrung
verdiene als ihr Sohn, und daß Konvertiten ihre Eltern verfluchen
müssen, eine auch von Protestanten anerkannte Fälschung ist, ver¬
schweigen K.-T. Ebensowenig verlautet, daß die Dragonaden, wozu
sich Ludwig XIV. « von seinen Beichtvätern überreden ließ, um seine
Ausschweifungen durch Reinigung des Reichs von allen Ketzern zu
sühnen », vom Papst streng mißbilligt worden ist ; es bleibt immer
etWa s hängen.
Von «ererbter Neigung Jakobs I. zum Katholizismus » zu sprechen,
bt doch zu komisch. Weil die Katholiken Englands und Irlands «Ver-
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schwörcr * waren, werden die Untaten der Bluthunde Croniwells be¬
schönigt. Die Angaben des Titus Oates gegen Katholiken und Jesuiten
«waren allem Anschein nach unbegründet », und doch sollen die grau¬
samen Verfolgungsmaßnahmen gegen sie begründet gewesen sein.
Der elende Paul Sarpi, der durch Banditen verwundet wurde
habe «im Stilet des Mörders den stilum curiae erkannt. * Die Ma߬
regelung Galileis habe Alexander VII. «ex cathedra unverbrüchlich
zu beobachten » befohlen. Auf die unrichtigen Angaben über Maria
Agreda und den Mauriner (!) Surius sei nur hingewiesen. (S. 154 f -
In Japan «exkommunizierten sich gegenseitig Jesuiten und Bettel¬
mönche *. « Zur Vertreibung und Austreibung der Christen führte der
Verdacht, daß die Missionäre politische Absichten auf Eroberunc
hatten * (ist weggelassen, daß diese Verdächtigungen von den kreuz¬
tretenden Holländern ausgingen, S. 218). Nach gehässiger Darstellunc
des Akkommodationsstreites kommt die «voraussetzungslose * Aus¬
lassung : «Der Jesuitenorden hatte in allen Weltteilen großartig
Faktoreien ; seine mit kostbaren Produkten aller Zonen beladenen
Schiffe durchfurchten die Meere ; er betrieb selbst die ausgedehntest-,
Industrie in Bergwerken, Meiereien, Zuckersiedereien, Apotheken,
legte Banken und Wuchergeschäfte an, verkaufte Reliquien und wunder¬
tätige Amulette, Rosenkränze, heilkräftiges Ignatius- und Xaverius-
wasser und übertraf in erfolgreicher Erbschleicherei alle andern Orden
(S. 219.) Nach Aufhebung der Mission entstand eine von den Jesuiten
inspirierte und geleitete Verschwörung der Indianer. » (S. 343. —
ist nur zu verwundern, daß der große Weltkrieg nicht schon damab
ausgebrochen ! Die Aufhebung der Missionen hat die Zivilisierung d- r
Indianer um zwei Jahrhunderte zurückgestellt.) Auch die Verurteilung
Fenelons soll ein « Werk der Jesuiten sein, während sie sich an Franz
von Sales noch nicht heranwagten. » (§ 173.)
«Der Ausgangspunkt der Reformation und Deformation (d. h
Sektenbildung im Protestantismus) ist derselbe, das entartete Kirchon-
tum. * Der reformatorisehe Mvstizismus «trieb die reformatorisdi-
Verinnerlichung in das der katholischen Veräußerlichung entgegen¬
gesetzte Extrem *. Dann macht K.-T. bei Schilderung des protestan¬
tischen Sektenwesens Ausfälle und Seitenhiebe auf die katholische
Kirche und ihre Werkgerechtigkeit, «während die protestantisch«
Orthodoxie ihre Blütezeit durchmachte», die Kirche Frankreichs «di«
unvergleichliche Glorie einer Märtyrerkirche» genoß. (S. 208. 221.
230. 268.)
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Voß hat « mit unerbittlicher Inquisitorenstrenge das Uhugeschlecht
der Finsterlinge und Unfreien verfolgt », (d. h. die edelsten Charaktere
begeifert und beschmutzt. S. 335). Fast allen zum katholischen Glauben
Ibergetretenen wird eins angehängt, als edle Früchte, die den Prote¬
stanten in den Schoß fielen, dagegen Sedlnitzky, Hoensbroech und die
Eroberungen der Los von Rom-Bewegung aufgeführt (§ 178). Von
den Päpsten im 18. Jahrhundert, deren Leiden und Kümmernisse in
saloppem Ton erzählt werden, habe Benedikt XIII. « für ein auf dem
Sterbebett gesprochenes : « Gelobt sei Jesus Christus » sogar Jahre der
Verkürzung der Fegfeuerqualen versprochen .» (S. 342. — Solche
Borniertheit halte doch die Hände weg von katholischen Sachen !)
Der hl. Alphons von Liguori wird als Trottel behandelt ; « wenn man
Liguori gerecht würdigen will, muß man ihn als katholisch-frommen,
leichtgläubigen und kritiklosen Volksschriftsteller des 18. Jahrhunderts
beurteilen ; er lehrte den überspanntesten Marien- und Papstkultus mit
krassester Aber- und Wundergläubigkeit. * (S. 342, 367. — Hl. Alphons
Liguori ist größtenteils nicht Volksschriftsteller ; doch diese Charak¬
terisierung ist wenigstens nicht so bodenlos verlogen und gemein, wie
diejenige von Graßmann, welcher den Heiligen zum Pornographen
stempeln wollte, dafür aber gerichtlich als Ignorant und Lügner ent¬
larvt wurde.) «Klemens XIV. starb nicht ohne Verdacht der Ver¬
giftung. * (Der Jesuitenfeind Theiner wird zwar als Quelle angeführt,
aber sein Beweis, wonach Vergiftung durchaus ausgeschlossen ist,
wird verschwiegen. S. 347.)
Jean Jacques Rousseau gehörte in den letzten 17 Jahren nicht
der katholischen Kirche an, wie K.-T. will (innerlich vielleicht gar nie ;
wir bedanken uns für solche Acquisitioncn ! S. 350.) Auch der
Schwindler Franke darf, ebensowenig als der Graf Cagliostro, den
Katholiken an die Rockschöße gehängt werden, wenn sich auch Katho¬
liken wie Protestanten von ihnen betören ließen. Mit des Jansenius
Buch sei Augustins Lehre verdammt worden ; das Jansenistennest Port
Royal wird als wahres Heiligtum dargcstellt, den 6000 Jansenisten
Hollands eine über ihre Bedeutung weit hinausgehende Aufmerksam¬
keit geschenkt (S. 359 ff.). Vom Probabilismus, der « päpstlich ver¬
urteilt * sei, verstehen K.-T. nichts. «Aequiprobabilismus und Proba-
biliorismus sind nicht «eine verschärfte Form des Probabilismus *
(S. 363. — Der ganze Abschnitt ist wertlos.) «Martin v. Cochem
stand an Geist, Witz und Humor ebenso tief unter Abraham a S. Clara,
wie er im krassesten Aber- und ÜIxrglauben ihn weit überbot. * (S. 367.)
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Wie unter den Historikern, so finden (§ 177) bei den Philosophen
nur Protestanten und Ungläubige Gnade. Angesichts der Leistungen
im eigenen Lager nehmen sich folgende Expektorationen sonderbar
aus: «Die ultramontane Geschichtsschreibung steigert ihre alther¬
gebrachte Weise, alles Protestantische zu verlästern und Geschichte
zu machen, statt unbefangen zu erforschen. * Als Beispiel wird Jansstn.
§ 189 angeführt. (K.-T. machen es wie Einbrecher, die nach dem
Diebe schreien.) Ehrle, Ehses, Paulus müssen zwar anerkannt werden;
doch warum nicht Hefele, Hergenröther, Weiß, Pastor ? Auch die
Klage bezüglich der * Schmähungen und Unduldsamkeit der Katho¬
liken gegen Protestanten» erinnert an die Fabel vom Wolf und
Lamm.
Recht pamphletartig mutet die Behandlung der neuesten Ge¬
schichte an (S. 188). Gregor XVI. sei «ein finstrer Mönch ; die Eisen¬
bahnen hielt er als Satansgeleise vom Kirchenstaat fern * (man erinnere
sich : Gregor XVI. starb 1846, wo die Schweiz und Italien noch keine
Eisenbahnen, Deutschland kaum einige Versuchslinien besaß.)
Pius IX. «ließ sich von seinem schlauen Staatssekretär Antonelli
am Gängelbande führen, welcher der Sohn eines Rinderhirten und
Holzhauers gewesen » (wenn wahr, keine Schande). Auf sein Vermögen
von 100 Millionen habe eine natürliche Tochter Anspruch gemacht
(die Angabe vom Riesenvermögen war liberale Zeitungsmache, die
Ansprecherin ward von den italienischen Gerichten als Schwindlerin
entlarvt und abgewiesen).
Auch Leo XIII., «der Jesuitenschüler, hat sich durch Leo Tax'l
täuschen lassen ; in der katholischen Welt hielt man den Schwindel
für wahr ; der Papst spendete Taxil seinen Segen » (auch in andern
Kreisen, nicht nur in der katholischen Welt ließ man sich täuschen
Den päpstlichen Segen könnten auf gestellte Bitte auch B. und T
erhalten, und er würde ihnen nicht schaden.) In seinen Rundschreiben
vertritt er die « Weltbetrachtung der Scholastik des 13. Jahrhundert'
als fertige Wahrheit, von der Luther und die Neuerer abgefallen sind*.
Dem schlauen Greis im Vatikan stellt K.-Tsch. « den religiösen Papst
Pius X., einen anspruchslosen, liebenswürdigen Priester » entgegen.
Im 19. Jahrhundert hat der Jesuitenorden auch die übrigen Orden
mit seinem Geist zu durchdringen, Pius IX. zu seinem Knecht und die
Bischöfe zu seinen Handlangern zu machen vermocht. Der Papst sali
nur mit ihren Augen, hörte nur mit ihrem Ohr, tat nur ihren Willen
Alle Klöster in Bayern
waren von jesuitischem Geist beseel;
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mittelbar oder unmittelbar von Jesuiten beherrscht. Selbst der Domini¬
kanerorden, früher der gefürchtetstc Widersacher der Jesuiten, ist
durch seinen General Jandcl in das Lager der Jesuiten hinübergeführt
und zum eifrigsten Verfechter der jesuitischen Tendenzen umgcwandelt.
(§ 189. Welche sensationelle Enthüllungen ! Und die armen Mönche
merken es nicht einmal!)
« Als nach Gründung des Deutschen Reiches der Ultramontanismus
den Gründern desselben den Krieg erklärte, sanktionierte der Reichstag
die Maigesetze * (da wird die Schuldfrage ungefähr gelöst, wie nach
dem Weltkrieg ! Alles rächt sich).
Sichtliche Freude hat K.-T. an der verlogenen Barbara Ubryk-
gcschichte ; für die entsetzlichen Verfolgungen und Bedrückungen der
l'niten in Rußland findet sich kein Wort der Mißbilligung.
Haarsträubendes wird (S. 118) vom staatsgefährlichen «ultra¬
montanen Vereinswesen » erzählt. Man strebe da offen die «Wieder¬
herstellung des Kirchenstaates » an, wolle «das Kapital katholisieren ».
Die katholischen Volksmissionen seien «ein Seitenstück der metho-
distischen Erweckungen* (S 119). «Die katholischen Missionen leisten
nicht viel ; die Protestanten spenden drei- bis viermal so viel Geld¬
beiträge * (letzteres ist richtig; über die Erfolge der katholischen
und die Mißerfolge der protestantischen Missionen gilt der Bericht des
deutschen Kolonialgouverneurs Wißmann hundertmal mehr als das
Orakel Tschakkerts). « Die katholische Mission ist hauptsächlich darauf
bedacht, sich da, wo Protestanten Erfolge haben, einzunisten und
ihnen durch Ränke entgegenzuwirken * (als ob nicht die Katholiken
lang vor den Protestanten das Missionswesen gepflegt, und die Pro¬
testanten sich in deren Gebiete eingedrängt hätten !).
Im katholischen Lager sei « Sailer freisinniger Richtung ergeben
gewesen, ebenso Diepcnbrock, bis er vom Ultramontanismus erfaßt
wurde*. Viel Lob finden Boos, Lindl, Dalberg, Lamenais, Schell;
Curci und Passaglia seien kirchenpolitische Ironiker. Einen Rouge
und Czerski, die mit dem Strafrichter in Berührung kamen, darf man
schicklicherweise nicht mehr verhimmeln ; wohl aber wird ihr Kind,
der Deutsch- und Reformkatholizismus auf den Leuchter gestellt.
Nachher wimmelt es von «katholischem Aberglauben, Wunderhei¬
lungen, stigmatischer Neuropathie (Louise Lateau), Muttergottes¬
erscheinungen (Lourdes), Reliquienschwindel (Januariusblut), Amu¬
letten (Skapuliere und Medaillen) ». — Dabei werden sonderbare Ablässe
erfunden, die bei einem katholischen Buch auf den Index kämen :
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/Wer den Gürtel des hl. Franz trägt, vermag täglich 1000 Seelen aus
dem Fegfeuer zu erlösen » (S. 139). — (Warum nicht gerade auch die
Spiritistenkränzchen, Kartenschlägerinnen, Handwahrsagerinnen Ber¬
lins, Zürichs usw. aufs Korn nehmen ? Die sind eben nicht katholisch
§ 190 und 191).
Ein schönes Versuchsfeld für diese Geschichtsbaumeistereien ist
natürlich auch das I alikanischc Konzil. Dort « wurden alle erdenklichen
Mittel raffinierter Schlauheit und hinterlistiger Tücke der jesuitischen
Kamarilla angewendet, um die Opposition zu beschwichtigtn und
umzustimmen *. Dabei orakelt K.-T. mit wichtiger Miene, die Katho¬
liken, selbst Bischöfe hätten die Bedeutung der Beschlüsse nicht
erfaßt (S. 192). Von katholischen Theologen finden hauptsächliche
Beachtung Hermes, Baader, Günther, Döllinger (des letztem ungünstig-,
Beurteilung im Literaturverzt iclinis des I. Bandes ist bereits ver¬
gessen) ; außerhalb Deutschlands scheint kaum eine Theologie zu
existieren (§ 194). Ix*o XIII. habe «das biblische Studium auf das
Verbalinspirationsdogma festgelegt *. (S. 156. Nein, diese ältere prote¬
stantische Pflanze wird nicht in die katholische Kirche versetzt.) In
Geltendmachung «der Freiheit der Kirche» durch das Würzburger¬
konzil 1848 sieht K.-T. eine «Erhebung der Hierarchie gegen dm
Staat », wie schon das Kölner Ereignis ein « Vorstoß des Ultramontarus-
mus» war. (§ 196. Die Regierungen anerkannten doch mit hollem Lob
die damalige Loyalität der Katholiken.) Bayern ist « der eigentliche
Hort des römisch-katholischen Kirchentums, der unselige Schauplatz
der wildesten demagogischen Agitation des katholischen Klerus»
(§ 198.' Die Göttinger Professoren scheinen einen durch braunschwei¬
gische und meklenburgische Toleranz sehr getrübten Blick zu haben.).
«An exorbitanten Ansprüchen Roms zerschlugen sich die Verhand¬
lungen zu einem Konkordat mit den kleinen deutschen Staaten» (w
das Staatskirchentum in Blüte steht. Warum sich überdies so auf¬
regen, weil Erzbischof von Vicari für den verstorbenen Großhcrzo:;
kein Seel« namt halten ließ, das ja vielen Protestanten ein heidnische'
Götzendienst ist ?).
Wenn K.-T. nach dem Vorgang so vieler Deutschen das Deutsch«
Reich «zum Hort und Vertreter des Protestantismus* macht (§
so muß man sich nicht wundern, wenn seitens der Entente ein Sieg
über die Zentralmächte als Sieg über den Protestantismus bezeichnet
wurde. Trotzdem wird immer von « Aggression des Ultramontamsmus»
gefaselt ; das österreichische Konkordat bedrücke das Schul- ur.il
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i
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Kirchenwesen ; es wird zwar zugegeben, die protestantische Kirche
sei in Österreich-Ungarn dem Staat gegenüber frei, müsse aber alle
Mittel selbst beschaffen. (O, wenn einmal die katholische Kirche
in protestantischen Ländern überall so weit wäre ! § 201.)
Viele Unrichtigkeiten weist die Darstellung der kirchlichen Ver¬
hältnisse in der Schweiz (§ 202) auf, weil die Ausländer diese als zen¬
tralisierten Einheitsstaat auffassen. So sei dort 1828 «wieder eine feste
hierarchische Ordnung geschaffen worden durch Errichtung sechs
kleiner Bistümer * (nur Bistum Basel rekonstruiert) ; « seitdem siedelten
die Jesuiten sich massenhaft an * (zwei ganze Kollegien, Freiburg und
Brig, 1834 Schwyz, 1845 Luzern, im ganzen nicht 100 Mitglieder !) ;
«sie rissen die Leitung des ganzen Kirchen- und Schulwesens in den
meisten katholischen Kantonen an sich. » Nach 1847 wußten sie sich
wieder Eingang zu verschaffen. Die Stadt Calvins, « wo sich die alte
calvinischc Aristokratie mit dem Ultramontanismus aufs engste ver¬
bündete und die katholische Bevölkerung durch Herbeiziehung des
Proletariats Savoyens und Frankreichs das Übergewicht erlangte *,
wurde der eigentliche Herd und Mittelpunkt ihrer Umtriebe nicht nur
für die Schweiz, sondern für das ganze cisalpinische Europa * (ver¬
wechseln K.-T. wohl Mazzini mit den Jesuiten ?). «Im Aargau brach
1841 ein von den Klöstern geschürter Aufstand aus (Lüge !). In der
neuen Verfassung von 1848 wurde unbedingte Gewissensfreiheit und
Gleichberechtigung aller Konfessionen gewährleistet (nur nicht den
Katholiken) .... Die durch den renitenten Klerus im Jura erregten
Aufstände wurden durch Militärgewalt unterdrückt, 69 Geistliche
exiliert» (K.-T. sind nun durch die liberale Berner Regierung selbst
desavouiert). Die Antonianer in Bern werden von den Geschichts¬
kundigen K.-T. offenbar für eine katholische Sekte des 19. Jahr¬
hunderts gehalten.
In Belgien hätte der Erzbischof und der Klerus 1830 das Volk
gegen die Gleichheit der Bürger und die holländische Regierung auf¬
gewiegelt, der Bund der Ultramontanen und Radikalen habe es zur
Losreißung Belgiens von Holland gebracht (während gerade die Eng¬
herzigkeit der holländischen Regierung zweierlei Bürger und zweierlei
Recht schuf und so die Revolution verschuldete). Die Klöster sollen
ein Vermögen von fast 1 2 / 3 Milliarden besitzen (ob ? und wenn auch,
die einzige Familie Rothschild besitzt viel mehr, als die 10,000 Or-
densleute). «Die Katholiken Hollands waren von altershcr einem
bigotten Fanatismus ergeben. » (§ 203.)
KEVUE DHISTOIRE ECCLESIASTIQ l*E
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22Ö
Die englische Hierarchie sei leider 1860 (nein, 1850) wieder er¬
richtet worden. Die vielen Konversionen seien ein « englischer Spleen».
In Frankreich « steigerte sich unter Mac Mahon das Wallfahrtsfieber und
die Mariolatrie * (!) Die « Evangelisation * Italiens mache Fortschritte.
In Spanien und Portugal sollen noch die Autodafes spucken. Sym¬
pathisch sind K.-T. die Revolutionen, « die dem ultramontancn Katho¬
lizismus den Garaus machen. * «In Portugal ist der Bildungsstand der
fanatischen katholischen Bevölkerung ein niedriger ; wirtschaftlich ist
das Land arg verschuldet ; die Evangelisation hat hier wenig Boden
gefunden » (aber die wirtschaftliche Aussaugung durch England) In
Polen hat sich «der gesamte Klerus durch Fanatisierung des Volkes
und Mißbrauch der Religion zum Vehikel der Verschwörungen gemacht;
er hat es sich selbst zuzuschrciben, daß die ihm zugestandenen Privi¬
legien immer mehr beschränkt wurden ». Die Unierten sollen selbst (:|
um Aufnahme in die orthodoxe Kirche ersucht haben (§ 204-209).
Von jesuitischen Emissären aufgereizt, auf französischen Beistand
sich verlassend, sollen sich die Maroniten 1858 Feindseligkeiten gegen
die Drusen erlaubt und so selbst die scheußlichen Christenmorde ver¬
schuldet haben. Auch soll die altkatholische Bewegung unter den
Armeniern von den Mechitaristen in Venedig ausgegangen sein; die
Rückkehr des abgefallenen Bischofs Kupelian und seiner Verführten
sei nur das Werk eines intriganten Druckes gewesen (§ 210). — «Wie
die « nordamerikanische Union durch den charaktervollsten Prote¬
stantismus entstanden ist, so wird sie durch protestantisch-kulturell-
Prinzipien erhalten. * Die 150 verschiedenen protestantischen Denomi¬
nationen haben ein «einheitliches (?) christliches Gemeingefühl». Die
Katholiken seien arme Leute, doch habe der Katholizismus durch seine
kompakte Einheit nicht wenig Bedeutung (§ 211).
«Nirgends war der Einfluß des Klerus so weitgreifend, unein¬
geschränkt, tiefgewurzelt, wie in den romanischen Staaten Amerika.
nirgends die Entartung des Katholizismus zum krassesten Aberglauben.
Fanatismus und Obskurantismus so weit gediehen. » Dann wird vor.
K.-T. mit den Revolutionen sympathisiert ; der mexikanische Revo¬
lutionär Juarez, der Tyrann von Venezuela, Guzman Blanco, sind
nach ihrem Herzen, Garcia Moreno natürlich ihnen ein Dorn im Auge,
und die Bischöfe, welche die Freimaurerenzyklika verkündeten, sind
«rebellische Prälaten» (§ 212). Und so kommt man zum tröstlichen
Endresultat : «Zwar sind in der katholischen Kirche seit dem Triden-
tinum weniger Sekten, aber zahllose religiöse Entartungen und Ver-
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irrungen, welche der Klerus selbst zugelassen, ja provoziert, gehegt
und gepflegt hat. * (§ 213.)
So häufen sich unbewiesene Behauptungen, arge Entstellungen
und geradezu offenkundige Fälschungen zu hunderten.
Nochmals : So macht man Geschichte ! Seicht und oberflächlich,
willkürlich und parteiisch wie kaum ein zeilenschindender Zeitungs-
reporter, greift man aus dem vielgestaltigen Leben der Kirche einige
pikante Vorfälle und Züge heraus, stutzt sie noch entsprechender zu,
spricht ohne Kenntnis der kirchlichen Lehre und Liturgie und vorab
des kirchlichen Geistes mit größter Unverfrorenheit apodiktisch und
anmaßlich über Personen, Lehre und Einrichtungen der Kirche ab,
wiegt sich stolz im Gefühle intellektueller und moralischer Überlegen¬
heit und pocht anspruchsvoll auf deutsche Gründlichkeit, eine Er¬
scheinung, worüber sich warme Freunde des deutschen Volkstums schon
längst betrübt! geschämt und geärgert haben. Wes Geistes Kind übrigens
Tschakkert ist, läßt uns ein Erguß in seinem Werke « Evangelische
Polemik * erkennen : Dort schreibt er wörtlich : « Mit der jesuitisch
gegängelten Priesterschaft im Frieden zu leben, kann man nur einem
Ignoranten oder Religionsverächter zumuten. Denn die wirkliche
römische Kirche ist eine widerliche Mischung von Religion und Politik,
von mönchischer Weltflucht und päpstlicher Weltbeherrschung, von
jesuitischem Scharfsinn und paganischer Borniertheit, von Anbetung
Gottes und Fetischismus. » Durch solche unevangelische Expekto¬
rationen hat sich die «Evangelische Polemik * und der Theologie-
professor Tschakkert sattsam gekennzeichnet und gerichtet.
Die Auslese und die Darstellung dieses « Lehrbuchs » macht oft
nicht den Eindruck eines wissenschaftlichen Werkes, sondern eines
Winkelblattes und Parteipamphlets. Jedenfalls haben die Erzeug¬
nisse und Ergüsse solcher Winkelpamphlete oft als Quelle gedient.
— Und dieser Geist wird durch dieses so weit verbreitete, durch
seinen Anekdotenkram so unterhaltende Buch Unzähligen eingeflößt,
die ihn unbewußt in sich aulnehmen und mit Haß und Verachtung
i'-gen alles Katholische erfüllt werden. Bei allem Bedauern und Mit¬
gefühl über das heutige deutsche Nationalunglück, das wir mit allen
Neutralen aufrichtig teilen, wollen wir doch hoffen, daß es manchen
Kreisen mehr Bescheidenheit, Vorsicht und Anstand bringe, und so
aus dem Übel doch einiges Gute erwachse. Die Kirchengeschichte von
Kurtz aber müssen wir in manchen Teilen als Chronique scandaleuse
bezeichnen, die Gift und Galle sät. Mögen wir den Verfassern auch das
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Wort zubilligen : «Sie wissen nicht, was sie tun, ja, sie meinen, Gott
sogar einen Dienst zu erweisen *, so muß hier doch der Ausspruch
des Kardinals Fischer Anwendung finden : «Ist konfessioneller Haß
und konfessionelle Hetze stets zu mißbilligen und einem Gifte gleich
zu achten, das am Marke des Volkes nagt, so gilt das doppelt in
einer Zeit, wo das Gespenst der Revolution drohend sein Haupt
erhebt. »
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KLEINERE BEITRÄGE — MELANGES
Entstehung
und Schicksale eines Bruderklausen Gemäldes.
Nicht nur Bücher, auch Gemälde haben ihre Schicksale. Lange Jahre
hing im Stiegenhaus des Landammanns Gustav Muheim* in Altdorf ein
* •
Ölgemälde, das bald nach seinem Tode (t iqi 7) auf den Trödlermarkt kam,
dann für einige Zeit sich im Besitze des Schreibenden befand und am
März 1920 an alt-Ratsherrn Meinrad Gisler in Fliielen überging. Bei
diesem letztem Anlaß wurden auf der Rückseite des Bildes einige Lein-
wandstücke wieder entfernt, die in ganz verständnisloser Weise behufs
Ausbesserung von durchlöcherten oder blöden Stellen dort aufgeklebt
wurden waren und die bis dahin leider mehrere Stellen der rückwärts
angebrachten Inschriften zudeckten. Durch diese Ablösung wurde die
Entstehungsgeschichte«eines Gemäldes aufgehellt, das zu den großem und
interessantem Bildnissen des seligen Eremiten vom Ranft gehört. Dasselbe
hat im Hochformat ohne Rahmen ein Ausmaß von 75 x 146 Cm. und stellt
«ien Seligen in jenem Augenblicke dar, wo er die Hand erhebt, um über
das brennende Sarnen das Kreuzzeichen zu machen. Auf unserm Gemälde
ist zwar kein Sarnen zu sehen, aber selbst dem mäßigen Kenner von Bruder
Klausen-Bildern muß die Ähnlichkeit mit jenem großen Gemälde auffallen,
'las Johann Melchior Wyrsch 1774 für das Rathaus von Sarnen malte.
Ein näherer Vergleich mit einer Abbildung desselben zeigt, daß es sich um
fine förmliche Kopie der Hauptfigur handle, während der Hintergrund
etwas verändert ist und rechts vom Bruder Klaus unten die Zelle und
Kapelle im Ranft zeigt und zwar in einem ziemlich großen Maßstabe.
Auf dem Wetterfähnchen des Türmchens ist sogar die weißrote Landes¬
farbe deutlich markiert. Rechts unten auf dem Bilde liest man die Worte :
hnatj Aloys Jacober pinxit. Es ist der nämliche Meister, welcher 1787
die untere Kanzlei des Sarner Rathauses ausgemalt hat. Ihm mußte also
'las Gemälde von Wyrsch bekannt sein, ja er war vielleicht sogar ein Schüler
desselben, in welchem Falle Jakober, abgesehen von der großem Be¬
quemlichkeit, einen besondern Grund hatte, gerade dieses Bild als Vorlage
zu benützen. Vielleicht wurde ein bezüglicher Wunsch auch vom Besteller
'xler Empfänger geäußert, denn das schöne neue Gemälde des berühmten
Meisters machte sicherlich nicht bloß in gebildeten Obwaldner Kreisen,
sondern darüber hinaus von sich reden.
Als Besteller nennt das Gemälde selbst auf der Rückseite einen Nikolaus
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Joseph Anion I vife Id , Philosophiae et Mcdicinae Doctor, also einen Ob-
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waldncr, der in Uri wohnte und offenbar dort auch seine Praxis ausubie-
Ein obrigkeitliches Wartgeld bezog er jedoch nicht. Obwohl landesfrenvh
gelang es ihm gleichwohl, eine Tochter aus der Urner Landammänner- •
familie Schmid zu heiraten. Hei der Verwirklichung dieses Planes mochte '
ihm einerseits sein geachteter Beruf, der im Verkehr durch den Titel Exzei- :
lenz ausgezeichnet wurde, anderseits sein aristokratischer Name schätzens¬
werte Dienste geleistet haben. Dr. Imfelds Lebensgefährtin, Maria Hder.a
Schmid , geboren den 10. Oktober 17^4, war eine Tochter des Landamrr.anr.s ;
und Hauptmanns Franz Joseph Schmid und der Maria Anna Katharina !
Elisabeth Schmid von Hellikon. Helenas Bruder. Jost Anton, wurde
ebenfalls Landammann. Durch diese Ehe kam Imfeld in Verwandtschaft* \
liehe Beziehungen zu Landammann Karl Thaddä Schmid. Dessen Vater
und der Vater der Maria Helena Schmid waren Brüder, lmfeld fühlte sich
auch sonst gegenüber Landammann Thaddä Schmid verpflichtet. Vielleicht
hatte er ihm gar zu seiner Frau verholten. Weil er Schmids Vorliebe für
Gemälde kannte, hoffte er, ihm mit einem solchen Freude zu machet.,
wobei lmfeld als Obwaldncr und als mutmaßlicher Abkömmling Bruder
Klausens gleichsam von selbst auf den Gedanken kam. zu genanntem Zweckt
ein Bruder Klausenbild erstellen zu lassen. Um aber dem Geschenkt*
bleibend auch eine persönliche Note zu verleihen, mußte der Künstler die j
Rückseite des Ölgemäldes in großer Buchschrift mit lateinischen Disticher: •
4
versehen, denen sich eine ungebundene Widmung anschließt. i
Ad Patrem Patriae tendit Pater Helvetiac : Quem \
Suscipias, Foveas, quem teneasqud Domi j
En Justus, Fortis, Prudens, et Sobrius extat: j
Ergo sicut Speculum Hunc respicias Genium ; *
Auspicc Quo, regnes, Patriae referasque Salutem, j
ac Dccus : Acquando Nomina magna Patrum ! j
i
Hane proimle Kftigiem B. Nicolai de Küpe, ln perpetuura Observantiav ■
(•rulitudinis, et Amicitiae Monumentum, D. D. Dedicat Pracnobili ac |
(Tarissimo Domino Domino Carolo Josepho Thaddaco Schmid, PatritK !
et Landamano Kegenti Inclitae Keipublicae Uraniensis. Eximio Mecaer*.:; j
ac Patrono suo Colendissimo :
Die Patrocinii, 21. Martii 17S0.
Umill. et Obsequiosiss. Servus
Nicolaus Joseph. Ant. Im Feld
Philos. et Med. Doctor Subsilvaniensis & c
Diese Widmung wird vom Wappen lmfeld abgeschlossen. Dr. ImiVvi J
war 1707 und 1708, also in bewegter Zeit, Stubenvogt der Straiißenbniue: I
Schaft und legte als solcher den 2S. Januar 1790 Rechnung ab (gefällig. !
Mitteilung von Pfarrer Joseph Müller). Er gehörte auch der Dreifaltigkeit* 1
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Bruderschaft an, die nach seinem Tode, im Jahre 1804, für ihn Gedächtnis
hielt. Das gleiche tat die St. Barbarabruderschaft und die Bruderschaft
der Herren Amtsleute von Uri. Das Totenbuch der Pfarrei Altdorf enthält
über den hingeschiedenen Arzt einen außerordentlich ehrenvollen Eintrag,
der fast etwas an den Stil des römischen Martyrologiums gemahnt. Hier
vernehmen wir auch zum erstenmal die nähern verwandtschaftlichen Zu¬
sammenhänge, die wir in Küchlers Chronik von Sarnen umsonst suchen.
1804. Martius 16. D. Nicolaus Jos. Ant. Imfeld de Sarnen, medicinae
doctor celeberrimus, filius legitimus Domini Melchioris Imfeld et Reginae
Stockmann, maritus legitimus Mariae Helenae Schmid.
Ah ! Quid dicam ? Solatium et spem infelicis Uraniae, nec non decus
et exemplum verae pietatis, et patrem pauperum ipsis ablatum esse, omnes
unanimiter lacrimis profitebantur. Poterit veraciter de illo dici et sumi
pro Epitaphio: Neminem unquam in vita, sed omnes moriendo affiixit.
l'ltima ipsius verba, antequam efflaret animam, haec fuere (quod et ipse
m sua persona impleverat), oportet medicum habere scientiam et conscien-
tiam. Summa devotione Ss. Sacramenta moribundorum petiit et accepit
tanto amore, ut omnes presentes lacrimarent. Incredibilia jam longo
tempore aegritudinis causa sustinucrat, sine spe de meliori sanitate recu-
peranda, indefessus tarnen in operibus charitatis usque ad extremum
permansit, deprecans plena resignatione in divinam voluntatem, hoc cum
S. Martino : Si populo tuo adhuc sum necessarius, non recuso laborem.
Dr. Imfeld trat 176c; zu Altdorf in die Bruderschaft der barmherzigen
Brüder und bezahlte hiebei 20 Gulden. Nach seinem Tode steuerten 24 Mit¬
glieder dieser Bruderschaft 12 Gulden 20 Schilling zusammen und ließen
daraus für ihn bei den Kapuzinern 12 heilige Messen lesen und noch zehn
durch Weltpriester. Imfeld scheint im großen Doppelwohnhaus auf dem
l.ehn gewohnt zu haben, denn es heißt in den Aufzeichnungen einer Kloster¬
frau über den Brand von Altdorf, das Dorf sei am 5. April 1790 verbrannt
hinaus bis zu der Nageltäschen und hinauf auf das Löhn bis an des Doktor
Imfelden und Johannes Herger und widernm bis an des Landammen Thade
Schmidt und unseres Gottshuß ».
Die Gemälde von Landammann Thaddä Schmid (f 1812) kamen durch
Erbschaft an Magdalena Schmid und durch sie in den Besitz ihres Gemahls
Eandammann Dominik Epp (t 1848). Offenbar von seinem Sohne und
v ora zweiten Träger dieses Namens ging das Bruder Klausen-Gemälde
durch Kauf an einen Verwandten desselben, an Landammann Gustav
Muheim über. Der Name und das Wappen Imfeld auf diesem Bild waren
sodann mitbestimmend beim Kaufakt des neuesten Besitzers, dessen Mutter
•
e 'ne Franziska Imfeld von Sarnen gewesen (f 1910) und in deren Adern
Blut vom seligen Nikolaus pulsierte.
Banquier Dr. Louis Falck sei. in Luzern besaß zwei ovale Ölporträte,
*he gemäß Aufschrift auf der Rückseite vom bekannten Trachtenmaler
J°s. Reinhart erstellt sind. Nach der mündlichen Überlieferung sollen sie
«nen Dr. Imfeld aus Uri und seine Frau darstellen. Nach den vorstehenden
Ausführungen scheint diese Behauptung durchaus glaubwürdig. Reinhart
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hat laut andern drei im historischen Museum zu Bern aufbewahrten
Porträts 1794 wirklich in Uri gearbeitet und die zwei Ölbilder im Besitze
von Dr. Falck stammen mit drei andern Gemälden, die er gleichzeitig
erwarb, aus urnerischem und zwar aus ursprünglich schmidischem Besitz.
Eines derselben stellt den Hauptmann Johann Balthasar Schmid von
Bellikon 1685 vor, und das andere den Landammann Jost Anton Schmid
von Uri. Das dritte Gemälde mit einer sterbenden Magdalena nach Cor- j
reggio trägt das Wappen der Schmid von Uri. Diese letzten drei Gemälde j
wurden IQ17 vom Schreibenden für das historische Museum von Uri zurück* J
gekauft. Eduard Wymann.
i
Aii wen richtete j
Antistes Heinrich Bullinger (1504-1575) seine Schrift j
wider das heilige Meßopfer ?
In Argovia 6, 22, [1871], schreibt Plazidus Weißenbach: * Schon im
Jahre 1 524 hatte er [Bullinger] an Plärrer Jakob Frey in Wahlen eine Schnit
gerichtet, in welcher er den Beweis führte, daß die Messe kein Opfer sei •
Ihm folgt offenbar Emil Schultz in u Reformation und Gegenreformation
in den Freien-Ämtern »». [i8<#>] S. 10 : « Dem Sohne des Dekans .... gelang j
die Bekehrung des Pfarrers Jakob Frey von Wohlen, dem er in einem Büch- t
lein bewies » usw. Als Quelle führt er an « Pestalozzi , Heinrich Bullinger. ;
p. 30 », wo jedoch S. 38 nur steht : « überdies verfaßte er schon im November j
1524 .... für Pfarrer Jakob in Wohlen .... einen schriftmäßigen Beweis j
usw. — I11 « Heinrich Bullingers Diarium »», E. Egli, Quellen zur Schweizer- (
rischen Kcformationsgeschichte 2, 14, findet sich als Nr. 14 eine Schrifi
* Aetiologia cur missa non sit sacrificium »>. Eine Widmung ist nicht an¬
gegeben Auch S. Hess, Lebensgeschichte M. Heinrich Bullingers [182K
bemerkt (1, 27) bloß: «« Er schrieb .... für einen benachbarten Pfarrer in |
Wohlen einen schriftmäßigen Beweis»* usw. — Nach Gr. Meng, Das Land* j
kapitel Mellingen [i8(*o], gab cs um 1524 keinen Priester mit Namen Jäkel 1
Frey im genannten Kapitel, wohl aber um 1521 einen Jakob Schwerin sei . J
Pfarrer in Wohlen. 1 Über ihn meldet M. Kiew in <« Geschichte der Benedik- *
tinerabtei Muri-Gries«, 1, 285 '1888 .: « Dagegen blieb der Leutpriester j
in Wohlen, Jakob Schwvrtwcger, anfänglich dem alten Glauben treu. Heinrich ?
Bullinger suchte ihn aber 1524 für die Reformation zu gewinnen, indem
er in einer Schrift, die er ihm widmete, nachweiscn wollte, daß die heilige
Messe kein Opfer sei. Herr Jakob übergab 2 diese dem gelehrten Prediger \
1 a. a. O., 103 ; freilich ist Meng nicht immer zuverlässig (vgl. Argov. 14.
5, Anin. i).
* Dagegen Pestalozzi, a. a. O., 38 : « Letzterer [Burkard] hatte sich dieser j
Abhandlung, nachdem sie durch mehrere Hände gegangen, zu bemächtiget) gewußt.* j
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von Bremgarten, Dr. Johann Burkard, einem Dominikaner, der in einer
Schrift, die 1525 unter deiji Titel, Gesprächbüchlein, erschien, den Herrn
Bullinger gehörig zurechtwies. * Dessenungeachtet trat Schw'ertweger bald
zur zwinglischen Partei über. » -— Bullinger antwortete Burkard wieder
in einer ungedruckten deutschen Schrift, die in Zürich erhalten ist.
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Konrad Kunz.
Eine Authentik von Klemens Maria Hoffbauer.
In der Pfarrkirche zu Amden, Kantern St. Gallen, steht auf dem rechten
Seitenaltar in einem Keliquienbehälter ein vollständiges, frisch gefaßtes
Haupt mit dem Namen St. Angelika. Dieses Haupt soll von einer heiligen
Jungfrau und Märtyrin aus der Gesellschaft der hl. Ursula stammen.
Leonhard Gmür, damals Pfarrer in Amden, wußte es 1813 für seine Pfarr¬
kirche zu erwerben, nachdem es um diese Zeit zufällig nach Weesen ge¬
kommen war. Gemäß einer Überlieferung, die noch näher zu prüfen wäre,
haben Ordensleutc diesen Schatz aus einem Kloster in der Umgebung von
Wien nach Weesen geflüchtet und dem dortigen Frauenkloster zur Obhut
anvertraut. Eine neue Pfarrchronik berichtet nur, Pfarrer Leonhard Gmür
habe dieses Haupt von Redemptoristen erlangt, die aus Polen vertrieben
worden seien. Pfarrer Gmür, geboren zu Amden den 20. Mai 1771, seit
1S25 geistlicher Rat und Domdekan in St. Gallen, starb den 21. Juli 1828
in Weesen. Er war der Oheim des Politikers und Administrationsrats¬
präsidenten Leonhard Gmür und des Dekans Jakob Gmür in Weesen.
Bevor Pfarrer Gmür die seltene Reliquie, für die man im Mittelalter zum
mindesten eine eigene Kapelle gebaut hätte, zur öffentlichen Verehrung
ausstellte, wollte er vorschriftsgemäß doch zuerst Erkundigungen über die
Echtheit des neuerworbenen Heiligtums einziehen. Er wandte sich daher
direkt und persönlich oder durch die bisherigen Besitzer nach Wien, von
wo die Reliquie ins Land gekommen. Johann Klemens Hoffbauer erteilte
auf diese Anfrage hin als Generalvikar der Redemptoristen in Polen und
Deutschland folgende Aufschlüsse : Zur Zeit der Klosteraufhebungen durch
Kaiser Joseph II. von Österreich befand sich dieses Haupt mit andern
hl. Häuptern im Reliquienschatze eines Wiener Ursulinerinnenklosters. Als
dieses Kloster ebenfalls aufgehoben wurde, nahm die Frau Priorin dieses
heilige Haupt an sich und schenkte es gelegentlich dem P. Klemens Maria
Hoffbauer. Dieser bezeugte durch Akt vom 2. Februar 1814. daß an der
Echtheit dieser Reliquie bisher nie gezweifelt worden sei und daß infolge¬
dessen kein Hindernis bestehe, sie an einem andern Ort wieder zur Ver¬
ehrung aufzustellen. Beim nämlichen Anlaß trat Hoffbauer auf geäußerten
8 Uber den Dominikaner Job. Burkard, der sich von etwa 1522-1528 als
Prediger in Bremgarten aufhielt, vgl. Nik. Paulus. Die deutschen Dominikaner
im Kampfe gegen Luther. Freiburg i. B. 1903, S. 325-330. (Pastor. Erläute¬
rungen und Ergänzungen zu Iaussens Geschichte des deutschen Volkes IV. 1 u. 2.)
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— 234 —
Wunsch diese heilige Reliquie in aller Form schenkungsweise mit a!k:
Eigentumsrechten dem Pfarrer Gmür in Amden ab, und der bischöfliche
Kanzler J. Jos. Baal von Chur erlaubte am 28. Februar 1814, gestutzt
auf die Angaben des P. Hoffbauer, die öffentliche Verehrung der auf >0
großen Umwegen nach Amden gelangten Reliquie.
%
Joannes Clemens Maria Hoffbauer
Congregationis Missionariorum SS ral Redemptoris per Poloniam et Ger
maniam
l'icanus generalis.
Plm. Revdo. Domino Leonardo Gmür, Parocho in Monte Amoeno,
Salutem in Domino !
Cum Dominationi Tuae admodum Reverendae oriatur dubium de
veracitate insignis reliquiae, sacri scilicet Capitis unius Virginis et Martyri*
in illo glorioso virgineo coetu Consociae, sub vexillo quondam S. Ursulae
Ducis, super tyranmdem persecutorium contriumphantis. nuper JVc.vmj.
depositi, eö quod specificä suä careat authenticä ;
Nos igitur admodum Reverendam Dominationem Tuam de auther.
ticitate hu jus sacri Capitis certam ac persuasam reddere volentes, in quar-
tum nobis constat, hisce fidem facimus ac attestamur, quatenus sacrur
hoc caput, tetnjxire suppressionis monasteriorum Vindobonnae impciante
Joscpho secundo, a venerabili matre Priorissa, sanctimoniali ordnir
S. t'rsulac nuncupati, de medio aliorum sacrorum capitum thesauri rcli-
quiarii unius monastcrii ejusdem praelaudati ordinis, postmodum pariter
sublati reverenter cxtractum, nobis dono oblatum fuisse, de authenticitate
ipsius fidem semper habuisse. nec unquam de ea dubitasse ac proitKc
judicio nostro, nil ulterius obstare. quominus aliis etiam in locis vene-
ratione publica donetur.
Intelligentes vero, quori translatio possessionis hu jus sacri Capim
in ecclesiam Amoeni Montis Reverendae Dominationi Tuae foret accep-
tissima, eam igitur lubenti, gratissimo ac prompto animo, una cum domir.u'
perfccto, irrevocabili ac perpetuo, ad majorem Dei gloriam Sanctaeque
hujus honorem et augmentum devotionis in populo actu transfenmu?
|: Tibique Soli:| ce<limus et dono sacramus.
In quorum fidem has litteras per infrascriptum Secretanum Nostruir.
expediri mandavinuis ac pro majori earumdem auctoritate etiam sigilh'
nostrae minimae congregationis SS ml Redemptoris proprio munivimus.
Vicnnae in Austria, die secunda Febr. 1814.
De mandato Reverendissimi
P. Joes. Jos. Maria Sabelli, congregationis Secretarius.
L. S. Joannes Clemens Hoffbauer.
Yicarius generalis, qui supia
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235
Das Siegel enthält die Leidenswerkzeuge, vom strahlenden Auge Gottes
überhöht. Rechts und links stehen im Siegel die verschlungenen Majuskeln
IS und MA.
Zu dieser Authcntik gehört noch das folgende selbständige Aktenstück :
Duplicati
»I ii
Viso testimonio Rev ml V. P. Joannis Clementis Mariae Hofjbaucr,
ccngregationis SS ml Redemptoris Vicarii Generalis super authenticitate
S. Capitis unius Virginis et Martyris Sociarum S. Ursulae, olim Viennae
in Austria publicae venerationi expositi et nunc in Montem Amoenum
uioeceseos hujatis translati, ut publico fidelium cultui ibidem exponi possit,
per praesentes permittimlis.
Curiae, 28. Februarii 1814.
Officium Ecclesiasticum ibidem.
L. S. Joannes Josephus Baal, Cancellarius.
Das Siegel enthält ein Bild des hl. Luzius und die Umschrift: Sigill.
‘uriae ecclesiasticae Curiensis. Eduard Wymann.
Abt Barnabas Bürki oder Barnabas Steiger ?
Wohl mancher, der mit den Verhältnissen und der Geschichte des
Rheintals vertraut ist, mochte sich fragen, wieso für den großen Abt und
Restaurator von Engelberg, Barnabas Bürki, 1504-1546, Altstätten als
Heimatort angegeben werde, da doch der Familienname Bürki sich weder
unter den frühem jetzt ausgestorbenen noch unter den heutigen Bürger-
peschlechtern der Stadt findet. Weder die Pfarrbücher, die freilich bloß
ins letzte Drittel des 16. Jahrhunderts zurückreichen, noch die Urkunden
<les Gemeindearchivs weisen den Geschlechtsnamen Bürki auf. Sollte die
Familie des Abtes Barnabas vielleicht aus dem nahen Appenzellerland
eingewandert sein, wo dieses Geschlecht auch heute noch zahlreich ver¬
treten ist ? Auch das ist nicht der Fall. Die Urkunden selbst geben uns
flie Lösung des Rätsels.
Der Name « Bürki » war im 75. und 16. Jahrhundert der landläufige
Heiname der heule noch blühenden Familie Steiger oder eines Zweiges der¬
selben ; der Zunahme entstand einfach aus dem Personennamen Burkhard.
So erscheint in einer Urkunde vom St. Gregoricntag 1411 ein « Staiger
Fürky, Burger ze Altstetten » zweimal (Original im Gemeindcarchiv zu
^idnau). Ebenso erwähnt ein Dokument des Abtes Wernher von Pfäfers
%, om St. Ulrichstag 1427 « die erbar bescheiden Bürken Staiger, Burger ze
Altstätten » (Archiv von Riiti). L T nd eine Urkunde vom 17. Dezember
>426 nennt den « Bürk Steiger » einen echten Burger zu Altstätten. (Ge¬
meindearchiv Oberriet).
So finden wir in einer Widnauer Urkunde von 1441, 12. März, einen
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— 236 — J
Bürki Steiger, Bürger zu Altstätten, als Schiedsmann in einem Streit
zwischen Berneck und Lustenau, und er zeichnet und siegelt mit drei ’
andern Schiedsrichtern (Archiv Widnau). Derselbe erscheint als Vertreter :.v
der Gemeinde Altstätten in einem Handel 1462 (Stadtarchiv Altstitten, \~ü
Nr. 9), und 1465 ist Stadtammann Burkhard Bürki Steiger Zeuge in einem j"?
Grenzstreit mit Appenzell (Zellweger Urkunden Appenzells, Nr. 419).
Im Jahre 1492 erscheint mehrfach Othmar Steiger , so z. B. : Othmar :
Staiger hat empfangen sin huß und hoff in der statt Altstetten gelegen,
stoßt an die gemaind zu zwain siten, zur dritten an Closen Bomgarter;
item 1 wingarten am münsterweg gelegen, stoßt an Bürckin Tagmann.
an stras .... item ein mad in ströwimäder, stoßt an die gmaind.
und an der Ender guter .... (Stiftslehenbuch St. Gallen, Bd. 80. S. :;c/
Zu gleicher Zeit erhält Jos Kitter 2 mansmad, ist 4 mansmad im
ströwimad. stoßt an Othmar Hiircki , och an die gmaind .... (Bd 80, fol.
f«l. 301 b ). Daraus ergibt sich mit höchster Wahrscheinlichkeit, daß Othmar
Steiger und Othmar Bürki identisch ist.
Dieser Othmar Steiger ist 1503 bereits gestorben, denn das Lchenbuch.
Bd. 83, fol. 200, trägt folgenden Eintrag vom Jahre 1503: Hanß
hat entpfangen zu sin und sins bruoder Barnabas handen ir huß und hofstatt
zuo Altstetten, stoßt an gmaind und an Clauß Bomgarter ; item 1 wir.-
garten am müqsterwcg gelegen, stoßt an Burckin Tagmann, an stras —
item 4 mansmad in strowymeder, stoßt an gmain und an der Ender güte:
.... so sy von irem vatter ererbt habend.
Eine unmittelbar vorhergehende Eintragung (fol. 199*) sagt: Har.ii
Staiger, Ottmars sun, hat empfangen .... I
Daraus geht hervor, daß die Steiger ein angesehenes Geschlecht waren,
auch Bürki genannt wurden, daß ferner Hans 1503 das gleiche Lehen,
welches sein Vater Othmar 1492 erlangt, für sich und seinen Bruder Bar¬
nabas, der abwesend war, antrat. Das stimmt auch, da Abt Barnabas lje;
in Paris weilte, wo er magister artium und Doctor thcologiae wurde Herrn
Kitter Hermann von Altstätten, Baurat in Frankfurt, der seine Muße¬
stunden eifrig auf Forschungen über seine Heimat und sein Geschlecht
verwendete, gelang es anhand eines Eheprozesses vor Abt Bernhard II
Müller 1630, sechs Generationen seines Geschlechtes im 16. Jahrhundert
zu bestimmen (Stiftsarchiv, Bd. 1843, S. 335 ff.). Ob durch bloße Kombi¬
nation oder auf Grund mir unbekannter Urkunden, — er konnte feststelien:
•• Agnes Ritter , Tochter des Hans Kitter und der Ellinen Kolb, heiratete
den Othmar Staiger, genannt Rio kt ; diese sind die Eltern des Abt Barns 1 *:
Hürki. »
Abt Barnabas selber nennt in der von ihm gestifteten Jahrzeit zu
Engelberg seine Eltern : • .... und soll man da gedenken Othmari Burkiß
und Agnesen Kitterin. fuerunt parentes praedicti abbatis. *> (Jahrzeitbucl
von Engelberg.) Diese Zusammenstellung nnt den oben erwähnten Othmar
Steiger und Agnes Kitter, ferner des Hans Steiger, Othmars Sohn, der für
sich und seinen abwesenden Bruder Barnabas 1501 eine Lchensverschreibum:
inacht, beweist unwiderleglich, daß Barnabas Bürki und Barnabas Steige:
identisch ist.
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— 237 "*
Im Jahr 1492 erscheint in den Lehenbüchern St. Gallens, fol. 2596
und 261 b, Othmar Steiger (Staiger) als Träger eines näher bezeichneten
Grundstücks. Im gleichen Band wird auch ein Jos Ritter genannt als
Lehentrfiger Ackers, der an Othmar Bi'irki grenzt, und wo es sich nach
Ausweis der Angrenzer um den gleichen Besitz und denselben Besitzer
handelt, wie im ersteren Fall, ein Beweis, daß Othmar Steiger und Othmar
Bürki ein und dieselbe Person ist.
Zu gleicher Zeit, wo Abt Barnabas die Leitung und Erneuerung seines
Stiftes kräftig an die Hand genommen, war Hans, sein Bruder, Stadtammann
von Altstätten und erscheint am 12. Mai 1517 als Vertreter Altstättens
in einer Streitsache mit Krießern vor dem äbtischen Gerichtsammann
Hans Vogler, dem Altem, Vater des jüngern Hans Vogler, des Refor¬
mators im Rheintal (Stadtarchiv, Nr. 80).
Aus dem häufigen Vorkommen muß geschlossen werden, daß der Name
Burk oder Bürki im täglichen Verkehr gewöhnlich gebraucht wurde, da
er in den Urkunden so häufig dem Familiennamen beigefügt wurde. Was
den Abt Barnabas bestimmte, statt des Familiennamens Steiger den Bei¬
namen Bürki zu führen, wissen wir nicht. Vielleicht war es der lange
Aufenthalt in der Fremde, besonders an der hohen Schule zu Paris und die
Korrespondenz mit Auswärtigen. Indessen dürfte der Name Bürki einer
romanischen Zunge wohl nicht geläufiger sein als der Name Steiger. Es
muß auch wundernehmen, daß er seinen Namen nicht nach damaligem
Gelehrtenbrauch latinisierte, etwa als Burkhardi oder Ascensor. (Mehrere
Mitteilungen von Stiftsarchivar Müller in St. Gallen und Dr. Carl Moser
in Altstätten werden herzlich verdankt.)
Einsiedeln. P. Fridolin Segmüller, O. S. B.
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REZENSIONEN — COMPTES RENDUS
0. Biieier, Petrus Dasypodius (Peter Hasenfratz). Ein FraaenfeUv
Humanist dee XVI. Jahrhunderts. Beilage zum Programm der thur-
gauischen Kantonsschule, 1919-20. S.-A. Frauenfeld, Huber &: Cie.. u,:r.
71 Seiten, 4 0 .
Es ist noch wenig bekannt, daß der Humanismus, wenigstens jüngerer
Observanz, selbst im Thurgau einige Vertreter gefunden hat, deren Namen
einen guten Klang haben, wie liibliandir (Buchmann) aus Bischofszell.
.Mulius (Hugwald Mutz), ebenfalls aus dortiger Gegend, Fritz Jakob :
Anwil, bischöflicher Hofmeister aus Bürglen. Ihnen gesellt sich ebenbürtig
zur Seite Petrus Dasypodius, von dem bis jetzt nur das wenige bekannt war,
was L. Hirzel im Neuen Schweiz. Museum VI über ihn veröffentlicht hat
Büeler hat nun in sehr verdienstlicher Weise die kurzen Notizen zu einem
anschaulichen Lebensbilde erweitert und vor allem in einwandfreier Weise
festgcstcllt, daß Dasypodius identisch ist mit dem Frauenfclder Geschlecht
Hasenfratz.
Petrus Dasypodius, geboren gegen Ende des 15. Jahrhunderts in
Frauenfeld, war akademisch gebildet, doch wissen wir nicht an welcher
Hochschule. Da er sich mag. art. nennt, muß er auch promoviert worden
sein. Sein Name findet sich aber weder in den Matrikeln von Tübingen
noch von Freiburg und Köln, so daß man geneigt sein möchte, an Basel
zu denken, was Büeler niclit-berücksichtigt hat. Er wurde sodann Kaplan
an der St. Michaelspfründe in Frauenfcld (um 1520), wurde durch Zwingli
berufen an die neuerrichtete Lehrstelle an der Lateinschule am Frau¬
münster, offenbar infolge seines Anschlusses an die religiöse Neuerung,
kehrte 1530 nach Frauenfeld zurück als Schulmeister und Prediger der
Neuerung, machte sich aber durch sein politisches Verhalten bei den ein¬
flußreichen katholischen Familien so verhaßt, daß er nach dem Umschwung
bei Kappel das Feld räumen mußte. Auf Verwendung seiner Glaubens¬
genossen fand er nun Anstellung in Straßburg als Lehrer des Griechischen
an dem von Sturm neugegründeten Gymnasium (1533) als hochgeschätzter
Lehrer. Er machte sich einen Namen als Verfasser lateinischer und
griechischer Wörterbücher, die unzählige Mal aufgelegt und in allen Ländern
verbreitet wurden, ferner als Verfasser einer lateinischen Komödie, Philar-
gyrus.
Im Anhang sind 21 meist ungedruckte Briefe des Dasypodius im Wort¬
laute publiziert und zugleich in deutscher Übersetzung angefertigt von
J. Biichi und E. Herdi, ferner der Philargyrus nach dem Exemplar in
Wolfenbültel. Da nur noch ein anderes in Berlin vorhanden ist, so ver-
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lohnte sich ein Neuabdruck ! Besser wäre die deutsche Übersetzung der
lateinischen Schreiben gleich neben diese gestellt worden, statt erst nachher
angefügt zu werden ; auch wäre ein Namenregister dazu willkommen
gewesen, das es sich um einen Erstabdruck von Quellen handelt, die auch
noch mehr enthalten als biographische Mitteilungen über Dasypodius.
Der zweite Landfrieden ist nicht schuld, daß die z. Z. des deutschen Bauern¬
krieges den Thurgauern von der Tagsatzung gemachten Versprechungen
riicht gehalten wurden ; sie wurden schon längst vorher wieder zurück¬
genommen (S. 16). A. Bücht.
Hein Meister Rnpertns. Ein Mönchsleben ans dem 12. Jahrhundert.
Von Odilo Wfdfl, O. S. B. Mit 10 Bildern. 8° (vm u. 202 S). Freiburg
1 Br. 1920, Herder. Mk. 6.80; gebunden Mk. 8.80 und Zuschläge.
Abt Rupert (Roudpert), geboren um 1070, Mönch zu St. Laurent in
Lüttich, begab sich 1113 zu seinem Freunde, dem Abte Kuno von Siegburg,
wurde 1120 Abt von Deutz, f 4 - März 1135. Sein Lebensgang ist in engem
Kähmen beschlossen ; er bewegt sich meist zwischen Zelle und Chor. Die
Monographie des Protestanten R. Rocholl (Gütersloh 1886) scheint wenig
befriedigend. (Hauck, Kirchengesch. 4, 411.) Aber «seine Persönlichkeit
hatte etwas Sympathisches. » (Daselbst 413.) Diese und kompatriotische
Beziehungen, « ein gewisser Gleichklang der seelischen Stimmung » war es,
das den Verfasser zu ihm hinzog. Zunächst für sich selbst, zu seiner eigenen
Freude hat er sein Leben beschrieben, dann aber auch in der Hoffnung,
andere an dieser seiner Freude Anteil nehmen zu lassen. Nicht für Gelehrte
hat er geschrieben, und wesentlich Neues bringt er nicht bei, aber er hat
sich seine Aufgabe nicht leicht gemacht. Seit mehr als 40 Jahren sind die
Werke Ruperts seine Lieblingslektüre. Aus den 4 stattlichen Bänden der
Patrologie (Migne, 167-170) hat er den reichen Stoff gesammelt. Ergän¬
zungen dazu boten einige andere kirchliche Schriftsteller. So kommt auch
der st. gallische Klosterplan hinein, der einzige Punkt, der die schweizerische
Kirchengeschichte berührt. — Rupert lebte völlig in der Heiligen Schrift,
die sein ganzer Trost, seine innigste Freude war. Führer sind ihm dabei
die Schriften der Väter, die er eifrig studiert. Daher seine Vorliebe für
allegorische und mystische Schrifterklärung, die heutzutage nicht mehr
zu verwenden wäre. Doch wird man Rupert aus seiner krausen Exegese
Leinen allzuschweren Vorwurf machen dürfen, denn er war abhängig von
der exegetischen Tradition (Hauk, 416). Den Vorzug hat er vor vielen
Zeitgenossen voraus, daß er einen schönen lateinischen Stil schreibt. Seine
Darstellung ist glänzend, seine Sprache voll Schwung, oft von poetischer
Schönheit. Als Belege sind einige der schönsten Stellen aus verschiedenen
Werken ausgehoben. So wird uns in dem Buche gewissermaßen ein Rupertus
tedivivus vor Augen geführt, das Ideal eines Mönches aus der ehrenvollsten
lln d schönsten Zeit monastischen Lebens, die so herrliche Früchte der
Heiligkeit in allen Ständen hervorgebracht, wie kaum je vor und nachher.
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— 240 —
Eine hübsche Beigal>e sind die 19 Bilder, teils Nachbildungen mittelalter¬
licher Pergamenthandschriften, teils Vignetten der Beuroner Kunstschule
im Stile des Mittelalters. Damit ist dem frommen und gelehrten Meister
Rupertus in Schrift und Bild ein würdiges Denkmal gesetzt.
P. Gabriel .Meier.
Königsbrief Karls des Großen an Papst Hadrian über Abt-Biidioi
Waldo von Reichenau-Paria. Palimpsest-Urkunde aus Cod. lat. Monar
6333. Herausgegeben von P. Emmanuel M nnding , Benediktiner der Erz¬
abtei Beuron. Mit einem Lichtdruck. 1920. Verlag der Kunstschule
Beuron. Vertrieb durch die Buchhandlung Harrassowitz, Leipzig, vn und
68 Seiten. 8°.
(Texte und Arbeiten herausgegeben durch die Erzabtei Beuron I, 6
Die Münchener Handschrift Clrn 6333 ist ein Sammelband von 13;
Pergamentblättern, die teilweise abgeschabt und zum zweiten Male be¬
schrieben wurden. Auf zwei Blättern ist beinahe vollständig eine Urkunde
erhalten, die nach dem von P. Raphael Kögel, O. S. B. erfundenen soge¬
nannten Fluoreszenzverfahren photographiert, in Lichtdruck beigegeben ist
Darauf kommt, nach 1100 Jahren, ein Brief Karls des Großen wiederar
den Tag. den er an Papst Hadrian sandte. Er meldet, daß er einen gewisser.
Waldo zum Lohn für schätzenswerte Dienste zum Bischof von Pavia
ernannt habe und empfiehlt ihn dem Papste zur kirchlichen Bestätigung
und Weihe. Dieser Waldo (in der Handschrift uualto) kann kein anderer
sein als der frühere Mönch und Abt von St. Gallen, wahrscheinlich vor,
791-801 Bischof von Pavia, dann Abt von St. Denis in Paris, f 8*3 °^ er
814. Der vorliegende Brief ist wahrscheinlich in Lorch an der Enns ent¬
worfen und in Reichenau ins Reine geschrieben worden. Karl der Große
konnte bekanntlich nicht schreiben. Nach dem Jahre 791 hatte das Bitt¬
schreiben keinen Wert mehr und wurde daher von neuem beschrieben
Seine Bedeutung liegt nicht so sehr darin, daß die Zahl von Karls Königs¬
regesten um eine Nummer vermehrt wird, als vielmehr im hohen Alter
und der Seltenheit von Palimpsesturkunden, in der Schriftart, und last not
least in der scharfsinnigen und gewandten Enträtselung und Deutung.
Das Ganze ist eine Vorarbeit zur quellenmäßigen Darstellung über Abt-
Bischof Waldo, die als Heft 7 der Texte und Arbeiten nächstens erscheinen
soll. P. Gabriel Meter.
Fribourg (Suii.bC). — Imprimerie Saint-Paul.
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Hans von Matt & Co., Verlag, Stans.
Dr. Joseph Hürbin
Handbuch der Schweizergeschichte.
/ 2 Bände.
In eleganter Original-Leinw&nddecke
(nach berühmten Holzschnittblättero entworfen).
Preis Fr. 26.40
In der € Schweizerischen Rundschau » schreibt .Universitäts-Professor
Dr. BQchi von Freiburg über Harbins Handbuch der Schweizergeschichte .
« Wir haben nun ein Buch für alle gebildeten Katholiken jeden Standes, das
einem längst empfundenen Bedürfnisse abhilft und in keiner gebildeten
katholischen Familie fehlen sollte. An wissenschaftlichem Gehalt und
gefälliger Darstellung braucht es den Vergleich mit andern Handbüchern der
Schweizergeschichte nicht zu scheuen. Es unterscheidet sich von den bis¬
herigen Bearbeitungen durch besondere Betonung des religiösen und kultur¬
geschichtlichen Momentes ; in dieser Hinsicht wird es von keinem anderen
Werke erreicht, geschweige übertroffen *.
Dr. Joh. Georg Mayer
Geschichte des Bistums Chur.
Mit zahlreichen Kunstbeilagen und Textill tu trationen.
2 Bände ineleg. Originalleinwanddecken mit Goldprägung. Preis Fr. 87.80.
. Der Verfasser hat bereits durch eine ganze Reihe wertvoller geschichtlicher
Publikationen sich einen angesehenen Namen im Kreise der schweizerischen
Geschichtsforscher gemacht. Hier liegt nun sein bedeutendstes Werk, gewisser¬
maßen seine Lebensarbeit vor. Sie bietet sehr viel Neues, noch ganz Unbekanntst,
und ist direkt aus den primären Quellen geschöpft, ganx original. — Für alle
Freunde vaterländischer Geschichte bietet das Werk reiches Interesse : für die
Oeech lohte Granbündens und der schweizerischen Eidgenossenschaft bietet es eine
Menge wertvoller Bausteine. Kirchengeschiohüich ist es eine der bedeutungs¬
vollsten unter den bisher erschienenen schweizerischen Publikationen.
DIE ERRICHTUNG DES BISTUMS ST. GALLEN
Von Dr. Frid. GSC1TWEND
Gr., 8\ In 2 Abteilungen broschiert. Preis 9 Fr.
Was Dr. Gschwend in diesem Interessant und flüssig geschriebenen Werke bietet, Ist weit
mehr äIs der Titel vermuten lässt. Kr gibt eine aktenmiissig belegte Geschichte der Aufhebung des
altberühmten Klosters St. Gallen, der Gründungdcs Kantons St. Gallen und der st. gallischen Politik in
<fen ersten Jahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts und darauf basierend und damit verflochten die
Geschichte des Doppelbistums Chur-St.Gallen u. d.kirchl. Errichtung des neuen Bistums St. Gallen.
Dlffor Molnhinr I nooi >on Unterwalden, seine Begehungen zü Italien
nllltJl IVIülülllUI LUcol und sein Anteil an der Gegenreformation.
Von Dr. Richard FELLER.
2 Bände 8*. 247 und 1 55 Seiten. — Broschiert Preis 6 Fr. 25 ,
«c Dr. Feiler bietet uns hier ein Buch von bleibendem Werte, ein Charaktcrgcmftldc. zugleich
ein Zeitbild, für das wir ihm aufrichtigen Dank schulden. Kein anderer Schweizer jener Zeit hat
»ich um die Wiederbelebung des Katholizismus In unserem Vaterlande so verdient gemacht
wie Ritter Melchior Lussi. In überaus anziehender, geistreicher, oft geradezu spannender Darstel¬
lung weiss Dr. Feiler den Leser für seinen Helden zu interessieren „Schweiier. hirfheoieilnug".
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offerieren nachstehende hervorragende Werke $ur schweizerischen Kirchen¬
geschichte den beigesetzten 'ermäßigten Preisen :
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Solothurn 1868-76. Lex. 8° (statt 60.—•> 27.50
Büchl, Dr. A. Die katholische Kirche in der Schweiz. Mit 93 Illuxtr.
Stans 1902. Lex. 8°. Gebunden 4.50
Freiburger Dlözesan-Archiv. Zeitschrift für Geschichte, christliche
Kunst, Altertumskunde des Erzbistums Freiburg i. Breisgau, mit Berück¬
sichtigung der angrenzenden Bistümer, 1.-37. ßd. nebst Genera!regisier_
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Gelpke, E. F. Kirchengeschichte der Schweiz. 2 Bände. Bern i 856 - 6 i.
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Inhaltsverzeichnis — Sommaire
Ant. v. Castelmur. — Die Rheinauer Handschrift der Passio des heiligen
Placidus aus dem Anfang des XIII. Jahrhunderts.241
R. P. Bernard Fleury. — Notes historiques sur le couvent des Cordeliers
de Grandson.260
P. WillibaldBeerli. — Die Verehrung der hll. Vitalis und Marcellus M. M.
in Mariästein.271
Joseph Müller. — Karl Borromeo und das Stift St. Gallen (Fortsetzung
und Schluli).2>M
Kleinere Beiträge. — Mölanges.3o;
Rezensionen. — Comptes rendns . 3 i 3
GROSSERE BEITRAGE. TRAVAUX
welche für die nächsten Summern que la Revue publiera
in Aussicht genommen wurden. prochainement.
R. P. Bernard Fleury, Le couvent des Cordeliers de Fribourg au moyen-
ägc (ia 50 -i 5 po). — R. Hoppeier, Das Subsidium charitativum vom Jahre i 5 co
— Hermann Hü£fer, Die geistlichen Herrschaftsgebiete in Welschburgund
unter der Herrschaft der Zähringer. — L. Kern, L’incorporation des couvents
de femmes dans l’Ordrc de CItcaux. — Konrad Kunz, Die Synodalstatuten des
Bischofs Friedrich II. von Konstanz vom Jahre 1436. — P. Fridolin Segmfllier,
Marianus Herzog. — Prof. Dr. Arnold Winkler, Der Tessiner Kirchenstre::.
1X45-1847.
N.-B. — Alle für die Zeitschrift lur Schweiz. Kirchengeschichte bestimmten
Rezensionsexemplare sind an die Redaktion Freiburg zu adressieren. —
Tous les ouvrages destines ä recevoir un compte rendu dans la Rene
d'llislnire ecclcsiastiquesuis.se doivent etre envoyis directement ä la Redaction,
Fribourg.
Die Zeitschrift
für Schwciberische Kirchcngeschichte
erscheint 4 Mal jährlich.
LA REVUE
d’histoire ecclesiastique suisse
paraft par tiscicules tnniestriels.
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Die Rheinauer Handschrift der Passio
des heiligen Placidus
aus dem Anfang des XIII. Jahrhunderts.
Von Ant. v. CASTELMUR, cand. phil.
Über Disentis, eines der ältesten schweizerischen Benediktiner¬
klöster, ist uns geschichtlich leider nur sehr wenig überliefert. Das
Archiv des Klosters fiel der Feuersbrunst des Jahres 1799 zum Opfer,
sodaß wir für die ältesten Zeiten des Stiftes auf auswärtige Quellen,
die leider nur sehr sparsam fließen, angewiesen sind. Eine kritische
Behandlung der Entstehung des Klosters ist somit mit sehr großen
Schwierigkeiten verbunden.
Die bisherigen Bearbeitungen des Lebens der Heiligen Placidus
und Sigisbert, der Gründer des Stiftes, gehen auf die Angaben der
* Propria Curiensia * aus dem Ende des XV. Jahrhunderts zurück.
Auf dieser Grundlage baut Ferrarius 1 auf, und auf ihm und dem
«Proprium Curiense * beruht hauptsächlich die Darstellung der Acta
Sanctorum a . In neuester Zeit befaßten sich Dr. G. Mayer s , P. Adalgott
Schumacher 4 und besonders Dr. Paul Ed. Martin in Genf 6 mit dieser
Frage. Letzterer ist im Besitze einiger Kopien der Nationalbibliothek
in Paris über die älteste Geschichte von Disentis, die für den berühmten
Benediktiner Mabillon angefertigt wurden, die er zum Gegenstand einer
eigenen Publikation machen wird. Aus diesem Grunde verzichten
1 Catalogus generalis sanctorum, qui in martyrologio Romano non sunt.
Romac 1526 etc.
3 Julii, Tom. III. p. 238-40.
3 Geschichte des Bistums Chur. I. p. 69-70. Stans 1907.
4 Album Desertinense. Disentis 1914.
* Etudes critiques sur la Suissc ä l’epoque merovingienne, Gcndvc, 1910,
p. 249-56.
REVUE d’histoire ecclesiastique 16
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wir darauf, unsern nachfolgenden Text in historischer Hinsicht aas¬
zubeuten.
Mein hochverehrter Freund und Gönner Dom Germain Morin
0 . S. B. entdeckte bei seinen Studien auf der Zentralbibliothek in
Zürich eine « Passio sancti Placidi» aus dem Anfang des XIII. Jahr¬
hunderts. Er hatte die große Freundlichkeit, mir dieselbe als Bündner
zu überlassen. Mit Freude benütze ich die Gelegenheit, ihm hiefür.
sowie auch für die sonstigen zahlreichen Beweise seines Wohlwollens
und der Freundschaft herzlichst zu danken.
Die genannte Passio befindet sich in einem Passionale, im Cod. V
des ehemaligen Klosters Rheinau, der dem XII. und XIII. Jahrhundert
angchört. Der Codex weist 142 Pergamentblätter, die zu 283 Seiten
paginiert sind, auf. Das Format ist 43,8 x 32,5 Cm. Die Schrift ist
die Übergangsschrift der karolingischen Minuskel zur gothischen Schrift,
weist mehrere Schreiberhände auf und ist in zwei Kolonnen gehalten.
Titel und Anfangsbuchstaben sind rot. Eine große Anzahl der Blätter
ist am Rande beschnitten. Der letzte Teil der Sammlung vom 31. Ok¬
tober an fehlt.
Unser Text beginnt auf Pag. 122, Kolonne 2 unten und füllt dir
p. 123 ganz aus. Der Rest befindet sich auf zwei kleinen, zusammen¬
genähten, gleichzeitigen *Pergament-Fragmenten, die zwischen die
Seiten 123 und 124 eingebunden sind. Am Schlüsse der eigentlichen
Passion sind uns noch einige historische Nachrichten über die Stiftung
Sigisberts erhalten.
Nach kurzer segensreicher Tätigkeit in unserm rätischen Gebirgs-
tale war dem Klo ter Disentis ein harter Schlag Vorbehalten. Es fiel ‘
den vom Langobardenkönig Grimoald (662-671) gegen seinen unge- j
treuen Vasallen Lupus von Friaul zu Hüfe gerufenen Avaren bei deren
Rückzug aus Italien zum Opfer. Die Reliquien der Heiligen Placidus
und Sigisbert, sowie die Kostbarkeiten des Klosters wurden zeitig nach
Zürich verbracht wo sie längere Zeit verblieben, bis der Neubau des
Klosters unter dem Abte Ursicin 739 8 vollendet war, der durch die
Gunst des fränkischen Königs zu Stande kam. |
An diese Translation nach Zürich wird wohl die Geschichte unserer |
J
1 Ein Verzeichnis der von Disentis unter Abt Adalbero nach Zürich ge¬
flüchteten Gegenstände bringt uns Mabillon in seinen Annales Bened. Tom. Ij-
xvi, p. 504, wo er auch die Rücktranslation der Reüquien nach Disentis durch den
genannten Abt um 670 meldet.
a cfr. Mayer, Geschichte des Bistums Chur, I, p. 63-64.
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Passio anzuknüpfen sein. Wir werden nicht fehl gehen, wenn wir an-
nehmen, daß bei der Rücktranslation der heiligen Gebeine von Zürich
nach Disentis der Kirche von Zürich 1 wohl aus Dankbarkeit einige
Partikeln derselben überlassen wurden. In der Tat finden wir Reliquien
unserer Heiligen um die Mitte des XIII. Jahrhunderts in Zürich,
am Großmünster urkundlich bestätigt. Das «Breviarium (sive ordi-
narium) chori Turicensis anno domini M°CC°LX°» überliefert uns
nicht nur das Vorhandensein von genannten Reliquien, es berichtet
uns auch über die Art und Weise, wie die Heiltümer daselbst geehrt
wurden. 2 Noch näheren Aufschluß gibt uns ein Reliquienrodel des
Chorherrenstiftes, der beim Amtsantritt des Thesaurarius Rudolf Brun
( 1333 , febr. 25) abgefaßt wurde. Er berichtet uns vom Vorhandensein
eines « capud sancti Placidi », das sich bis zur Glaubensspaltung dort
befand ; denn es begegnet uns 1528 wieder als Bestandteil des Schatzes
des Großmünsters, den der Rat von Zürich einziehen ließ. 3
Von Zürich aus wird sich der Kult der Disentiser Heiligen im ehe¬
maligen Bistum Konstanz weiter ausgedehnt haben. Ende des XII. Jahr¬
hunderts ist uns derselbe durch die Passio in Rheinau erwiesen.
Jedenfalls dürfen Reliquien der Heiligen schon früher ihren Weg nach
dem berühmten Kloster gefunden haben, das seit 846, resp. 865 mit
St. Gallen und Disentis in Confratemität stand. (Th. v. Mohr, Cod.
dipl. I. 27.) Gerold von Rinzin, ehemaliger Abt von Rheinau (1095-97)
angeblicher Bischof, der Ende des XI. Jahrhunderts den St. Johannes-
Altar des Klosters Muri weiht, in den er Heiltum der Heiligen
Placidus und Sig(is)bert einschließt 4 , dürfte dasselbe wohl aus seinem
ehemaligen Kloster erhalten haben. In diesem Falle dürfte man sich
0
fragen, ob uns angeführtes Manuskript wirklich die älteste Kenntnis
des Lebens der Heiligen Placidus und Sigisbert aus Rheinau darstellt 5 ,
da das allgemeine Streben dahin ging, von Heiligen, deren Reliquien
1 Die ältesten Nachrichten über die Kirchen zu Zürich entstammen zwar
erst dem IX. Jahrhundert: Großmünster 820 ; Fraumünster 853 ; und die St. Peters¬
kapelle 857. Z. U.-B. I, Nr. 37, 68, 77.
Da hingegen die Thebäer-Legende mit Felix und Regula an Zürich anknüpft,
dürfen wir im VII. Jahrhundert dort unzweifelhaft eine Kirche annehmen, zudem
ja Zürich eine nachweisbare römische Station war.
* cfr. Beilage I.
3 cfr. Stückelberg, Geschichte der Reliquien in der Schweiz, I, (Zürich, 1902)
Nr. 226; 478.
4 Stückelberg, 1 . c. I, Nr. 104.
8 Da unser Text die Avaren mit den Ungarn verwechselt, die erst gegen
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I
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man besaß, auch eine vita zu erhalten ; ja meist hielten Reliquien und
vita miteinander ihren Einzug. Jedenfalls hätte es nicht ioo Jahre
gedauert, bis man Nachrichten von Zürich, wo man doch sicher die
Legende unserer Heiligen kannte, erhalten hätte. 1
Auch anderorts finden wir Nachrichten, die uns über die Aus
dehnung des Kultes unterrichten. Der Cod. 174 der Stiftsbibliothek
St. Gallen, saec. IX, enthaltend Lieder des Mönches Ratpert (gestorben
kurz nach 880), enthält Nachträge durch die Hand des berühmten
Mönches Ekkehards IV., des St. Galler Chronisten und Dichtere, der
1036 oder 1060 starb.
P. I“ des zitierten Codex finden wir : « Columbanus, Gallus, Magnus
Chilianus et Theodorus, Sigibertus, Placitus cum plurimis complicibus
Francis immorantur, honore habentur. » Im Jahre 1099 weiht Bischof
Gebhard III. von Konstanz (1084-1110) die Kirche von Uster zu
Ehren der Heiligen, deren Reliquien im Altäre ruhen. Unter letzteren
finden wir Partikel unserer beiden Disentiserheiligen. *
Das Reliquienverzeichnis des Klosters Engelberg aus dem XII. Jahr¬
hundert verzeichnet auch die Namen unserer Heiligen *, die auch im
Cod. 550 der Engeibergischen Bibliothek (Mitte XII. saec.) auf den
11. Juli. Erwähnung finden : « Eodem die S. S. Placidi et Sigberti»
Auch in Einsiedeln kannte man früh die Disentiserpatrone. Cod. 117
der dortigen Bibliothek, ein Martyrologium des XI. mit Zusätzen
des XII. oder XIII. Jahrhunderts, p. 15, meldet uns auf den n. Juli
«Disertino Placidi et Sigisberti *. Allerheiligen bei Winterthur, da*
von Ulrich IV., Graf von Kyburg und Bischof von Chur (1233-37)
gegründet wurde, besaß im XIII. Jahrhundert auch Heiltum de>
heiligen Sig(is)bert. 4
Mitte des X. Jahrh. im westlichen Europa auftauchten, so ist auch die Vorlage,
die zur Rheinauer Copie diente, nicht vor Mitte des X. Jahrhunderts anzusetren
1 Rettberg verwirft in seiner Kirchengeschichte Deutschlands, Göttingm
1848, II, p. 141-43. die Nachrichten über Placidus und Sigisbert als nur auf eia
heimischer (bündnerischer) Tradition beruhend, der jeglicher urkundlicher Nach
weis mangle. An Hand unserer zwei Dokumente aus dem heutigen Kanton Zünc.a
dürfen wir dessen Behauptungen als hinfällig erachten.
* Stückclbcrg, 1 . c. I, Nr. 1930, aus dem Nekrolog von Uster auf der Zentral
bibliothek in Zürich. Wir sehen also, daß die Patrone von Disentis schon
dem Dekrete des Papstes Alexander III. (1159-81), das die öffentliche Verehrung
von Heiligen an die Zustimmung des Papstes band, als solche öffentliche Ver¬
ehrung genossen.
3 Stückclbcrg, 1 . c. I, Nr. 172.
4 Derselbe, 1 . c. I, Nr. 218.
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Schon in der ersten Hälfte des XIV. Jahrhunderts finden wir den
Kult unserer Heiligen auch am Beromünster. Im großen Reliquien¬
kreuze daselbst, i. Hälfte des XIV. Jahrh., befinden sich auch Reli¬
quien «Sancti Placidi Desertinensis Martyris ». Ebenso verzeichnen
die dortigen Anniversarbücher aus dem XIV. Jahrhundert auf den
ii. Juli (a. d. V. id.) das Fest unserer Heiligen. 1 1506, Juli 12, schenkte
Abt Johann von Disentis (f 1512) dem Beromünster Reliquien der
Heüigen Placidus und Sigisbert, die im Reliquieninventar von 1640
bis 50 wieder Erwähnung finden. 8 Im Laufe der Zeit müssen wohl die
Reliquien des hl. Sigisbert verloren gegangen sein, da dessen Fest dort
einging, während jenes des hl. Placidus noch weiter gefeiert wird. 8
Auch in verschiedenen Codices der Einsiedlerbibliothek des XV. Jahr¬
hunderts erscheint in deren Kalendarien das Fest unserer Heiligen. *
Im St. Galler Codex 415 « Lectiones cum Antiphones » des XV. Jahr¬
hunderts ist uns das Officium der Heiligen Placidus und Sigisbert ganz
erhalten. fi
Nachdem das Kloster Einsiedeln 1577 einer Feuersbrunst anheim¬
gefallen war, sandte Abt Ulrich III. (1585-1600) den P. Helias Hey¬
mann auf weite Reisen, um neue Reliquien für das Stift zu sammeln.
Im Jahre 1595 führte ihn sein Weg auch ins Bistum Chur, wo er Chur
und Disentis besuchte und Reliquien der Heiligen Luzius, Florinus,
Placidus und Sigisbert erhielt. Um die erhaltenen Reliquien zu ehren,
ließ obgenannter Abt Ulrich einen bisher kupfervergoldeten Sarkophag
neu hersteilen und in demselben u. a. auch die Reliquien der Gründer
des Klosters Disentis beilegen. 1726 wurden solche Partikeln auch in
den Knopf des rechten Turmes der Kirche eingeschlossen. • Im Mai
des Jahres 1624 wurden die von Disentis nach St. Gallen geschenkten
Reliquien unserer Heiligen daselbst feierlich empfangen 7 und 1645
schenkten Abt und Konvent von Disentis aus Dank für erwiesene
1 Akten des Prozesses zur Aufnahme der Heiligen Placidus und Sigisbert
ins Martyrologium Romanum. Rom 1905. Stiftsarchiv Disentis.
* Zeitschrift für schweizerische Kirchen-Geschichte, XII, p. 178-180-81.
* Prozeßakten.
4 Cod. 87 : « Breviarium abbatis Geroldi», V, id. Jul. Translatio S. Benedicti
Com. Placidi et Sigisberti M. M. Major fe.
Ebenso Cod. 107, nach welchem zuerst die Messe der Disentiserheiligen
gefeiert wurde. « Prior missa de sanctis Placidi et Sigisberti.» Prozeßakten.
6 Prozeßakten.
* Stückelberg, 1 . c. I, Nr. 542, 544, 1317.
7 a. a. O., I, Nr. 635.
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Dienste dem Kloster Muri «brachia minora * der Heiligen Placidus j
und Sigisbert, die 1895, wieder kostbar gefaßt, zurück nach ihrer 1
Heimat gelangten, wo sie auf den Hochaltar der Martinskirche (Haupt¬
kirche des Klosters) gestellt wurden. 1 1745 wurde das Fest der Diseu-
tiserheiligen in den Kalender der Helvetischen Benediktiner Kongre¬
gation aufgenommen. 2 1772-92 gelangten Partikel unserer Heiligen
nach Fischingen und Neu-St. Johann. 8
Im Ursem Tale erhielt sich die Legende vom Durchzuge der
Heiligen Columban und Sigisbert noch lange in Erinnerung. Das Fest
der Disentiserheiligen wurde dort im XV. Jahrhundert gefeiert. Dies
bezeugt uns die Eintragung im Anniversarbuch der Pfarrkirche von J
Andermatt von 1440, wo das Fest derselben auf den 11. Juli mit roten j
Lettern im Kalender notiert ist, was auf eine feierliche Begehung des- j
f
• •
selben hinweist. Anläßlich der Translation des Leibes des hl. Julius (
wurde zu Andermatt am 10. August 1757 eine feierliche Prozession • •'
abgehaltcn, in der auch die Brustbilder der Stifter von Disentis, sowie
des hl. Columbanus getragen wurden. 4 Natürlich können wir den Kult
des hl. Sigisbert im Ursemtale nicht als Zeugnis dafür ansprechen,
daß Sigisbert wirklich von dort her nach Disentis gekommen sei.
Da Ursem lange politisch zum Stifte Disentis gehörte, kann der Kult
dessen Stifters ebensogut von Disentis her eingeführt worden sein.
Den ältesten Nachrichten über Reliquien und Kult unserer Heiliger,
in Disentis selbst müssen wir mit jener Vorsicht, die durch das gänzliche
Versagen zeitgenössischer Originalquellen bedingt ist, entgegentreten.
Diese Nachrichten sind aber auch keineswegs nur so von der Hand
zu weisen, da wir sie Männern wie Mabillon, Eichhorn und dem ge¬
lehrten Einsiedler Fürstabt Placidus Raimann verdanken, die vor
dem großen Brande von 1799 aus dem Archiv des Klosters schöpften.
und unser Vertrauen verdienen. Anderseits müssen wir natürlich den
# '
damaligen Stand der Geschichtsforschung, der unsem heutigen An¬
forderungen nicht immer mehr entspricht, in Berücksichtigung ziehen j
um zu einer richtigen Würdigung jener überlieferten Nachrichten zu
gelangen. Wir führen hier alles auf, was uns erreichbar war, ohne zu
den einzelnen Ereignissen Stellung zu nehmen, was uns zu sehr vom
Thema ablenken würde.
1 a. a. O., I, Nr. 727. 1902.
1 Prozeßakten.
3 Stückclbcrg, 1 . c. I, Nr. 1588 und 1664.
4 Stiickelberg, 1 . c. I, Nr. 1951.
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1
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An der Stelle, wo der hl. Placidus enthauptet worden sein soll
(630, Juli 11), wurde schon 801 eine Kapelle zu Ehren des Märtyrers
erbaut, die 1458 durch eine durch das Placidustälchen niedersausende
Lawine zerstört wurde. Sogleich begann der Abt Johann Ussenport
(1448-61) einen Neubau. Die heutige Kapelle gehört mit Ausnahme
des Lawinenbrechers neuerer Zeit an. 1 Nach Wiederherstellung des
Klosters nach dem Einfall der Avaren, die 670 bei Disla von den
Rätiem vernichtend geschlagen worden waren, brachte der hl. Ursicin,
Bischof von Chur und Abt von Disentis, die Reliquien und Kostbar¬
keiten wieder in die Heimat, die sich dort großer Verehrung erfreuten.
Von Pilgern nennt uns die Tradition u. a. Carolomanus, den Sohn
Karl Martells im Jahre 747, Karl den Großen mit seiner Gemahlin
Hildegard auf der Romreise 781, und ebenso bei seiner Rückkehr nach
der Kaiserkrönung 801 ; Lothar, Sohn Ludwig des Frommen, auf der
Italienreise des Jahres 824 und Karl den Dicken mit seiner Gattin
Richarda 883 ; Otto I. und seine Gemahlin sollen 966 die Reliquien
unserer Heiligen in Disentis verehrt haben, als sie nach Italien « per
Lucumonem » (Lukmanier) reisten. 2
Unter den fünf heiligen Leibern, die durch den rätischen Grafen
Roderich dem Bistum Chur entfremdet worden waren, wie wir aus der
Klageschrift des Bischofs Viktor II. von Chur (820-33) an Kaiser
Ludwig den Frommen ersehen s , dürften wohl die Leiber unserer
Heiligen inbegriffen sein, da das Bistum Chur damals sonst nicht über
so viele Heiligenleiber verfügte. Nach genauer Untersuchung durch
Missi verordnete der Kaiser am 25. Juli 825 dem Bistum Restitution
aller ihm durch Roderich entzogenen Rechte und Güter. 4
1048 fand in Disentis unter Abt Ulrich eine neue Deposit io der
heiligen Gebeine statt, wohl, um sie in Sicherheit zu wissen. 8 Im Jahre
1201,18. Oktober, weihte der Bischof Reinher von Chur (f 9. November
^09) im Kloster Marienberg einen Altar, in den er Reliquien der
Eiligen Bekenner Luzius, Florinus und Sigisbert einschloß. • Daß
die Reliquien unserer Heiligen, d. h. deren Gräber im XIII. Jahrhundert
1 Th. v. Mohr, Regesten von Disentis, Nr. 16, 194.
1 Derselbe, Nr. 10, 13, 15, 17, 21, 25.
8 Th. v. Mohr, Codex diplom. I, Nr. 15, 16, 17, Chur 1848-52.
4 Derselbe, I, Nr. 19.
8 Derselbe, Regesten von Disentis, Nr. 32.
* Goswin: Chronik des Klosters Marienberg. Edid. P. Basti Schwitzer,
Innsbruck. 1880.
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noch in Disentis erhalten waren, bezeugt uns das « Breviarium Deser-
tinense *, Cod. 403, St. Gallen, XII.-XIII. saeculum.
P. 151-52 : « In festivitate sanctorum Placidi et Sigisberti: Oratio:
Propiciare Deus Domine nobis famulis tuis per sanctorum tuorum
Placidi et Sigisberti, qui in presenti requiescunt ecclesia etc .»
(« Testimonium eccl. St. Gallensis * in den Prozeßakten.)
Zu Beginn des XV. Jahrhunderts war Disentis oft in Fehden
verwickelt, sodaß sowohl der geistige wie der materielle Stand des
Klosters sank. Erst eres ergibt sich aus einem Schreiben des bekannten
Abtes Peter von Pontaningen (Pultingen) an Bürgermeister und Rat
von Zürich von 1419, September 7. (Liebfrauenabend im Herbstmonat),
mit dem Gesuche, ihm für die Friedensverhandlungen mit den Henen
von Räzüns den Stadtschreiber von Zürich zuzusenden, denn sie hätten
« brief und fryheiten, die unserm gotzhus geben sint von bäpsten und
von keysem, daz er uns die do lesen und ze gutem tütz brachtet.
Den materiellen Niedergang des Klosters ersehen wir aus der Indulgenz-
bulle Calixt III., d. d. XVII Kal. Aug. (Juli 16) 1456, in der er allen
Wohltätern des Stiftes, das « propter guerras, que partes illas diutius
afflixerunt, in fructibus redditibus et proventibus hujusmodi plurimum
diminutum fuerit *, die zur Neuherstellung desselben beitragen, Ablässe
verleiht. * Wichtig ist diese Bulle, weil in ihr von höchster kirchlicher
Stelle als Patrone von Disentis die Heiligen Martinus, Placidus und
Sigisbert genannt werden. Unsere Disentiser Heiligen erscheinen hier
in gleicher Rangordnung mit dem berühmten fränkischen National¬
heiligen, Martin von Tours.
1443 finden wir das Fest unserer Heiligen im Urbar von Pleif
(Lugnez) auf den 11. Juli vermerkt : « Placidi et Sigberti sub praecepto».
Der 1489 vollendete, schöne, gothische Flügelaltar der St. Agatha¬
kapelle im Felde bei Disentis weist auf der Rückseite des Flügels, auf
der Evangelienseite, unsere Heiligen auf.
Einen imposanten Anblick muß es 1499 geboten haben, als die
Streitscharen des Obern oder Grauen Bundes nach errungenem Sieg
über Österreichs Macht an der Calven in Scharen dem Kloster Disentis
zuzogen, um dessen Patronen für den gewährten Schutz zu danken. 1
1 Staatsarchiv Zürich, A 248. Kopie in der Urkundensammlnng des Ver-
fasse rs.
1 Prozeßakten. Stiftsarchiv Disentis.
3 Die Votivtafel, die bei der Gelegenheit in Disentis hinterlassen wurde,
gibt Th. v. Mohr in seinen Regesten von Disentis ohne Quellenangabe folgender*
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— 249 —
Von Kirchen und Altären, die den Disentiserheiligen geweiht sind,
kennen wir: Flims 1488; 1689 wurde in der Josephskirche in Ober-
caStels (Lugnez) auf der Epistelseite ein Altar den Heiligen Placidus
und Sigisbert geweiht; 1786 wurden unsere heiligen Patrone der neuen
Kirche in Surrhein. Dann sind ihnen auch die Kapellen zu Mademal
(Filiale von Disentis) und Flix (Filiale von Mühlen im Oberhalbstein)
geweiht. 1 Ein sehr originelles Bild enthält der Hauptaltar in der
Kirche zu Trans aus dem XVII. Jahrhundert. Es stellt uns die Episode
dar, wie Placidus sein Haupt dem hl. Sigisbert, in Gegenwart der
Patrone des Bistums Chur, St. Luzius und St. Florinus, überreicht.
Zu Vent, dem hintersten Dorfe im ötztal (Diözese Brixen), sind die
Heiligen Placidus und Sigisbert Patrone der guten Tod-Bruderschaft,
die 1723 errichtet wurde. Der frühere Altar daselbst hatte Statuen
der genannten Heiligen. Nachdem eine Lawine diese Kirche 1802 fort¬
gerissen, wurde in der neuen Kirche wieder ein Altar mit Statuen
der genannten Heiligen errichtet, der früher Seitenaltar in Karthaus
im Schnalsertale war. 2
Eine große Ehrung wurde Disentis im Jahre 1581 zu teil, als der
große Mailänder Kirchenfürst, der hl. Carolo Borromeo, es mit seinem
Besuche beehrte. Feierlich empfing ihn die Bevölkerung, die ihm mit
den Reliquien ihrer lieben Heiligen entgegenzog und ihm zum An¬
denken einige Partikel derselben überließ. 8 Dieses für Disentis so
erfreuliche Factum stellt ein Altarbild der Pfarrkirche daselbst dar.
1604 versuchte Abt Jacob IV. Bundi die Leinwand, in welche das
maßen wieder: Notum sit omnibus devotis Christi fidelibus, quod, cum sub
annnm Christi 1499, die 22. May inter illustrissimum et clementissimum dominum
Maximilianum nostrum omnium et Romanorum regem, ex una, et inter honorata
et provida Tria Rhaetiae foedera et Helvetiae confoederatos, ex altera partibus,
grave bellum et magnae discordiae exortae fuissent, quibus multa perpetrata,
moltorumque fortium et honorabilium virorum caedes utrinque facte (quibus
Omnibus Deus omnipotens propitius sit et Clemens) eodem ipso temporis articulo,
dom haec ita agerentur, in illis functissimi belli turbis et periculis ac necessitatibus
nobis sanctissimi parentes nostri, sanctus Placidus martyr et athleta Christi,
et S. Sigisbertus confessor, singuläres apostoli nostri totiusque diocesis Curien.
ac superioris praesertim Grisey foederis patroni, mirabiliter apparuerunt, et opem
nobis tulerunt, multisque signis ac virtutibus miraculorum effulserunt ac resplen-
derunt.
1 Nüscheler, Die Gotteshäuser der Schweiz, Zürich, 1864. I, Bd. Bistum
Chur, p. 75 und 115.
* Freundliche Mitteilung von Hochw. Herrn P. Adalgott Schumacher,
Archivar in Disentis.
3 Th. v. Mohr, Regesten von Disentis, 310 und Eichhorn, Episc. Cur. 256.
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— 250 —
Haupt des hl. Placidus gehüllt war, zu zerschneiden, wobei sein Arm
erlahmt sei. 1 In den Stürmen der Bündnerwirren mußten die Reli¬
quien unserer Heiligen unter Abt Sebastian vor Prätigauem und Enga-
dinem 1621 nach Biasca geflüchtet werden. Das Kloster fiel einer
10-tägigen Plünderung anheim, wobei viele Archivalien vernichtet
wurden. 2 1786, im Januar, entdeckte P. Augustinus ä Porta den
verschollenen Sarkophag des hl. Placidus, der mit kupfervergoldeten
Lamellen bedeckt war. Der Sarkophag war reich mit Figuren geschmückt
die das Leben und Leiden des heiligen Märtyrers darstellten. Leider
ging er wieder verloren. Man schätzte ihn als dem VIII. Jahrhundert
entstammend. 3 Der grauenhaften Zerstörung des Klosters des Jahres
1799 entgingen die Reliquien nur mit Not.
Daß der Kult unserer Heiligen auch an der Kathedrale zu Chur
gehalten wurde, ist wohl selbstverständlich. Die ältesten Nachrichten
hierüber liefern uns die Anniversarbücher, die im bischöflichen Archive
aufbewahrt werden. Die Nachrichten entstammen den Kalendaria
genannter Codices, die bis in die 1. Hälfte des XII. Jahrhunderts
zurückreichen. So berichtet uns z. B. Cod. D, fol. I4 b , auf den 11. Juli.
« Translatio Benedicti. Placiti et Sigiberti. * 1247 stiftete Abt Chonrad
(de Lumarins) von Disentis einen Altar zu Ehren der Heiligen seines
Stiftes in der Kathedrale zu Chur, den er auch zugleich dotierte. Auch
Propst und Convent von St. Luzi bei Chur mußten für genannten Altar
jährlich auf St. Martin ein Pfund mailisch entrichten. 4 Am Sonntag
nach Florinus, 1271, fand die Dedikation genannten Altares durch
Bischof Heinrich von Chur (1251-1272) statt, in den er Reliquien der
Heiligen Placidus, Sigisbert und mehrer anderer Heiligen legte. 4 Der
heutige Altar der Heiligen Placidus und Sigisbert in der Kathedrale
zu Chur entstammt dem XVII. Jahrhundert. Auch der Cod. E des
Necrol. Cur. (Ende des XIII. saec.) verzeichnet auf den n. Juli die
« Translatio S. Benedicti, Placidi et Sigiberti ». Die schönste Büste
des Domschatzes von Chur (Mitte des XV. Jahrhunderts) stellt uns
prächtig den hl. Placidus dar. Die Inkunabeldrucke des bischöflichen
Archivcs erwähnen unsere Heiligen an mehreren Orten. 4 Unter den
i
I
w
i
I
*
i
%
■i
1
1 Stückclbcrg, . c. 582.
2 Eichhorn, Episcopatus Curicnsis, p. 262.
3 Eichhorn, Episc. Curiensis, p. 220.
4 Wolf gang v. Invalt, Necrologium Curiense, p.
6 a. a. O., p. 115.
8 cfr. Beilage II.
in
3
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251
vielen Figuren des berühmten Churer-Hochaltares (1492 vollendet)
nehmen die Disentiser Heiligen einen Ehrenplatz ein. Die Innenseite
des Flügels auf der Epistelseite stellt uns die Stiftung des Klosters
Disentis durch Placidus und Sigisbert dar. Wenn sich in den Zügen
des hl. Sigisbert väterliche Milde spiegelt, so erkennen wir in jenen
des hl. Placidus den Ausdruck rätischer Trutzigkeit.
Das sind einige Nachrichten über den Kult oft genannter Heiligen,
die im Breviarium Romanum nicht enthalten waren, und somit war
ihnen nur lokale Bedeutung zugekommen, die über die Grenzen unserer
heutigen Schweiz nur wenig hinausreichte. Auf diesen Punkt wies
Rom hin, als ihm zu Anfang dieses Jahrhunderts ein neues « Proprium
Desertinense » zur Approbation vorgelegt wurde. Die Heiligen, deren
Kult darin eine so große Rolle spielt, mußten vorerst von Rom als
solche anerkannt werden. Am 18. Juli 1902 richteten Abt und Konvent
von Disentis, unterstützt von der helvetischen Benediktiner-Kongre¬
gation, sowie vom gesamten schweizerischen Episkopat, ein diesbezüg¬
liches Gesuch nach Rom. Nachdem am 20. Januar 1905 Dispens vom
ordentlichen Prozeßverfahren (vor der bischöflichen Kurie in Chur)
von Rom aus erlangt worden war, konnte der Prozeß direkt in Rom
erledigt werden, der mit der Anerkennung genannter Heiliger und
deren Aufnahme ins «Breviarium Romanum » am 6. Dezember 1905
endigte. Ausschlaggebend war die oben angeführte Bulle Calixt III.
von 1456, in der die Gründer von Disentis offiziell von höchster kirch¬
licher Seite als Heilige genannt wurden. Dieser konnte sogar der
«advocatus diaboli * seine Anerkennung nicht versagen. 1
Der Kult der Heiligen erstreckt sich heute auf die Diözesen Chur,
St. Gallen und Basel, sowie im Martyrologium des Benediktinerordens
über den ganzen Orden.
Am 11. Juli 1914 hatte das Kloster Disentis die seltene Gelegenheit,
das XIII. Zentenar seines Bestehens (614-1914) zu feiern. Es war
ein erhabener Anblick, wie fast das ganze katholische Bündnervolk
zu Ehren seiner nationalen Heiligen herbeiströmte. Möge es dem
Kloster vergönnt sein, auch in ferne Zeiten seine segensreiche Tätigkeit
weiter auszuüben !
1 Durch Hochw. Herrn P. Adalgott Schumacher, Stiftsarchivar in Disentis,
erhielt ich Kenntnis von diesem Prozesse. Die in Rom 1905 gedruckten Proze߬
akten stellte er mir freundlichst zur Verfügung.
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252
Jndpft p&ssio Pladdi.
J
B *enedictum sit nomen domini creatoris nostri: in manu iDius !
nos et sermones nostri *, cuius sapientia virtus eins, et emamtio j
quedam claritatis eius. * Hec per nationes 4 in animas sanctas se confer: 1
et constituit amicos Dei et fideles: per hanc 6 celi facti sunt, per ‘
hanc sanctarum virtutum splendoribus illuminati sunt, per hanc clari- |
tatem in turbas consecuti sunt, per hanc lumen populorum effecti sunt. :
per hanc in conspectu regum magnificati sunt, per hanc ad ultimum j
angelorum consortia adepti sunt.
Aperiamus autem cur ista prelibavimus, et ad instructionem üde-
lium gesta sanctorum fideliter proponamus. Tempore Aigilulfi * regis
Langobardorum Romanam ecclesiam regente beatissimo papa Gregorio !
sanctus et amicus Dei Columbanus cum sociis suis Gallo et Sigiberto j
natale solum videlicet Scotiam relinquens pro Domino, Reciarum \
montana suo perlustravit exemplo. Denique in earum quadam parte, j
que pro sui asperitate Ursaria dicitur, aliquamdiu moratus ecclesiam 1
ad honorem Dei construxisse fertur, que nunc eiusdem beati Columbttu ;
nomine vocatur, et inter feroces incolas iocundis virtutibus a domrno I
decoratur. Deinde ibidem relicto heremi amatore viro Dei Sigiberto, ‘
tamquam bonus operarius, ut augeret messem divinara, assumpto •
beato Gallo transivit in Sueviam. Tune beatus Sigibertus desiderans :
et ipse se divinum semen augere, cepit predictarum Alpiura deserta :
sedulus explorare. Venit itaque ad quendam vaste solitudinis locum i
Dcsertinam nuncupatum, montibus circumdatum, sed aliquanta planicie ,
gratum, silvarum opacitate condensum, fontibus amenum, ac Rem 1
fluminis decursu preclarum ; in quo loco sanctissimum sui amoris .
1 Die fettgedruckten Initialen sind im Codex rot und bedeuten die Einteilung '
in Kapitel für den Gottesdienst.
* Cant. 16. — * Sap. 7. 25.
4 pag. 123 des Codex (1 Kolonne).
* In der Handschrift: • homines ».
* Agilolph, König der Langobarden (591-615), wird im Proprium Curiense ,
mit Arnulf, dem Frankenkönig verwechselt. Offenbar kannte der Schreiber die
historischen Zusammenhänge nicht mehr und setzte an Stelle des weniger bekannten ,
Agilolph den bekannteren Amulph. So liegt also unserer Abschrift eine bessere, :
vielleicht auch frühere Fassung der Passion zu Grunde als dem Churer Missale,
das manche Stellen wörtlich wie unsere Passion bringt, andere aber wieder ausläßt
7 Gregor I. (590-604).
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— 253 —
inveniens effectum, in honorem Dei et beate Marie construxit Oratorium . 1
Ibique tamquam bonus miles Christi laborabat, et idoneum 2 ministrum
se domino exhibebat, et in multa pacientia infecundi pene deserti
fmgifer cultor erat, et imitator Christi et Helie prophete ac Baptiste
Iohanis fieri gestiebat.
Interea idem vir domini Sigibertus virhitum gratia renitebat,
et Christi bonus odor factus in omni loco sicut odor balsami redolebat,
et bone opinionis suavitate multos ad dominum convertebat. Quo
in tempore, quicumque in illis regionibus spiritu Dei agebantur, con-
gaudentes ad eum congregabantur. Et cum ei ad sublevandam corporis
necessitudinem temporalia offerebant, spiritualis annone cibaria ab eo
tamquam a fideli dispensatore percipiebant. Porro quecumque verbo
docebat, exemplo sancti operis roborabat. Camem quippe vigiliis et
ieiuniis macerabat, et operi manuum non segniter insudabat. Sepius
vero orationi vocabat, et mentem debriabat divine contemplationis
dulcedine 3 ; nimirum ea studens agere in terris, quorum memoria
perseveraret in celis. Eodem tempore in illis regionibus erat vir dives
et potens nomine Victor 4 , sed viciorum pestibus suis nominis violator.
Noxios namque dimittebat, innocentes opprimebat, Christi paup>eres
affiigebat. Liberos quosque in servitutem redigebat, honera censuum
enormiter incolis imponebat ; et tamquam iudex iniquitatis factus
nec dominum timebat, nec homines reverebatur. Sed alteri HerocLi
aliter extemplo Iohanis occurrit. Nam quidam vir nomine et gratia
Placidus 6 , eiusdem regionis libera propagine ortus, ut vidit hominem
tantum plenum viciis quantum rebus, disposuit potius iniquo homini
verum dicendo odiosus apparere, quam tacendo consentiens peccatis
domino displicere. Indutus itaque Christi miles Placidus lorica fidei,
et accinctus gladio verbi Dei, informatus exemplo precursoris Christi,
plenus spiritu fortitudinis et gratia gcmine caritatis, occurrit ei talibus
verbis : Si, inquit, super homines aliquos te cognoscis esse potentem,
quare non times dominum hanc potestatem tibi tribuentem ? Certc
1 Gebetsraum über Gräber von Heiligen, wo die Brüder in Klöstern stille
beten konnten. Außer Gebet und Psalmengesang durften dort keine Kulthand¬
lungen vorgenommen werden, cfr. Du Ca 11 ge, Glossarium latinum.
a Der Schreiber benützt oft das spitze V an Stelle des runden U und um¬
gekehrt.
3 pag. 123, Kolonne 2 des Originals.
1 Viktor I., Präses von Ration.
8 Imitation des hl. Gregor, Dialog.
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254
Deus dixit, In iudicio non opprimes pauperem. 1 Et in ewangelio
preco 2 veritatis, neque militibus dicit: Neminem concutiatis neque
calumpniam faciatis, et contenti estote stipendiis vestris. 8 Cum Christi
cultores per rapinam affligis, in lapidem offensionis Christum cupi-
ditate cecus offendis ; et quoniam Christi membra persequeris, laniator
ovium domini ac preceptorum eius contemptor esse decemeris. Et
nisi resipueris, sacerdotum et sanctorum a nobis exquisita sententia ,
dampnaberis. VII Ad talia viri Dei Placidi monita cor persecutoris ,
exarsit in ira, sibique existimat inimicum, quem audire debuerat !
tamquam Dei et sui amicum. Noluit enim intellegere, ut bene ageret:
iniquitatem meditatus est in corde suo, astitit omni vie non bone,
maliciam autem non odivit. 4 Quod mox ut preclarus Dei testis ;
cognovit, conspectum furiosi iudicis 6 fugit, et ad virum domini Sil¬
ber tum, de quo supra (....) 6 loco actenus exstat basilica in honore
sancti Placidi domino dedicata. Sed quia preciosa est in conspectu
I
Domini mors sanctorum eius 7 , illico sui martyris merita commendavit, j
et quod pro spe occisus melius iam viveret conbrobavit (sic). Abeuntibus I
namque lictoribus protinus suffragantibus angelis truncum martyris j
corpus de terra tamquam vivens mira agilitate surrexit ; et in suis i
manibus proprium caput accepit, atque ad locum, ubi degebat, vir )
Dei pergere 8 cepit. Fertur • in eo itinere quandam sancto martyri j
caput proprium deportanti feminam obviasse, atque eum ab illa vela- ?
men feminei capitis 10 ad involuendum suum caput petivisse, eamqoe j
i
1 Isaias, io, 2. j
2 Im Texte precio. {
3 Lucas, 3, 14. j
4 Psalm 35. 5- J
6 Richter in Rätien war der Präses, der dem Graten in anderen Gegenden .
entsprach. }
6 Hier lehlt im Codex der Bericht über die Verfolgung und den Tod des ,
hl. Placidus; der Text geht ohne Unterbrechung weiter. i
7 Psalm 115, 15. i
8 peragere im Codex. ;
• Der Verfasser der Passion scheint dem Wunder, das doch allzu oft vorkam, j
mit etwas Mißtrauen zu begegnen. i
10 Die Mode, sich zu verschleiern, war und ist besonders bei den Frauen
der Muselmänner. Bei den Christen waren nur verheiratete Frauen und Religiösen :
gehalten, sich zu verschleiern, deren Schleier nur die Haare bedeckte. Diese l
Praxis, die schon Tertullian (f nach 220) anempfahl, wurde vor dem XII. Jato- »
hundert sehr wenig beachtet. In dieser Epoche ging sie völlig verloren, um dann j
im XIII. bis XVI. Jahrhundert Tag und Nacht beobachtet zu werden, cfr. Manuel ,
d’Arch6ologie franyaise, Tom. III., « Le Costume », par Camille Enlart, Paris 1916- j
An Hand dieser Beobachtung müssen wir die Entstehungszeit der Passion j
1
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255
nimio timore perterritam proiecto velamine fugisse. Igitur martyr
domini Placidus, glorioso sui triumphi signo refulgens, ad locum desti-
natum et a Deo sibi preparatum miro et inusitato gressu pervenit.
Quem servus Domini Sigisbertus admirans, deflens gaudensque suscepit,
et cum psalmis et ymnis collaudans mirabilem Deum in sanctis suis
digno cum hono 1 re iuxta oraculum beati Martini 2 , quod ad latus
basilice genetricis Dei fuerat, sepelivit, assidue super illum orans ad
dominum, cui sit benedictio claritas et imperium per infinita secula
seculorum amen. (P)ost paucos deinde dies tirannus non Victor 8
sed victus, cum Renum flumen transire vellet, de alto ponte 4 cecidit,
et mortuus est ; filius vero eius nomine Tellus 6 , cum esset Curiensis
episcopus, tirrannidem patris arguens, et horrendum exitum perti-
ooch näher an unsere Zeit (anstatt Ende des X. saec.) datieren. Da der Text
jedoch im allgemeinen alten Eindruck macht, möchte ich eher Interpolationen
späterer Zeiten (nicht vor Ende des XI. saec.) annehmen.
1 Der Rest auf zwei kleinen, zusammengenähten Pergamentfragmenten,
die zwischen die Seiten 123 und 124 des Codex eingebunden sind.
* Bei den Ausgrabungen, die in kurz vergangenen Jahren im Hofe des
Klosters gemacht wurden, wurde der Grundriß der alten, unzweifelhaft karo¬
lingischen St. Martinskirche und die Grabkammer der Heiligen Placidus und
Sigisbert entdeckt. Auch viele Architektur- und Dekorationsüberreste kamen
zum Vorschein, die sich im Museum des Klosters befinden, cfr. E. Stückelberg in
Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde, Neue Folge, VII, p. 233.
3 Wohl Viktor I. aus dem rätischen Präsides-Geschlecht der Viktoriden.
4 Die Tradition in Discntis nimmt im VII. Jahrhundert daselbst zwei Schlösser
an: das eine, die spätere Burg Cischliun, wo heute der Disentiserhof steht, und
das andere vis-ä-vis über dem Rhein beim Hofe Caprau, durch den der Weg
nach Ca verdiras führt. Dies letztere soll das Schloß Villinga, die Residenz der
Grafen von Chur im Oberland gewesen sein. Die Passion berichtet uns aber aus¬
drücklich, daß Sigisbert « ad quendam vaste solitudinis locum Desertinam nun-
cupatum » kam. Das schließt das Vorhandensein zweier Schlösser aus. Wäre
der Lukmanier einwandfrei als von den Römern benutzt nachzuweisen, so könnten
wir eine römische « specula » zugeben, wobei man dann über den mutmaßlichen
Standpunkt noch lange streiten könnte. Wir haben nämlich gar keine Anhalts¬
punkte, diese Brücke nach Disentis oder überhaupt ins Oberland zu verlegen.
Wohl waren die Viktoriden dort reich begütert, wie aus dem Testament des
letzten des Stammes, des Churer Bischofs Tello von 76s, Dezember 15., ersichtlich
ist. Vgl. v. Mohr, Cod. dipl. I, Nr. 9. Mohr nimmt einen Stammsitz des
Geschlechtes in Sagens an. Die Residenz war aber unzweifelhaft Chur, sodaß
wir die Brücke also auch in dieser Gegend suchen könnten.
6 Daß Tello nicht Viktors Sohn, sondern Großenkel gewesen sein muß,
weisen schon die Bollandisten nach. Die starken Anachronismen, die hier in der
Passion Vorkommen, legen mir die Vermutung nahe, daß wir es hier mit spätem
Einschiebungen zu tun haben. Es könnte sich auch nur um eine spätere Moti¬
vierung des unzweifelhaft ächten Testamentes des Bischofs Tello handeln, der
die Schenkung an Disentis ■ pro peccatis meis multis abluendis vel parentum
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mescens, memoriam beati martyris reverenter 1 excoluit, et de soc
patrimonio largiter honoravit. Post non multum vero temporis sanctus
confessor domini Sigibertus de terris ad celum migravit, sepultusque '
est in tumulo martyris : ut quorum una mens fuerat in domino, uno
ambonun corpora tegerentur et loculo. * j
Exinde sacer ille locus tantis a domino signorum miraculis est j *'
illustratus, ut ipsi reges et principes eum summo honore dignum duce- j
4 .
rent, et de longinquis regionibus clarissimi viri et matrone confluenmt j
et maximis muneribus atque possessionibus ditarent. Nam quidam j
cecus Paulinus * nomine, sed fidei non modice, cum oraret ad sepulchrnm
beati martyris, protinus optatum lumen recepit. Quidam quoque homo
nomine Fagino 4 et mulier miserrima Marola * dicta ad sepulchniir.
sancti Placidi adducti sunt, et in conspectu omnium a spiritibus in-
mundis liberati sunt (P)ost hec tempore regni Francorum impia geri
Ungarorum de vagina sue crudelitatis educta in sanctos servos Dei j 1
qui habitabant in Deserti{n)a graviter est grassata. • Nam oranes. I
quos in monasterio Ungari invenerunt, gladio peremerunt, et ablatii ;- :r
Omnibus rebus locum prius habitabilem desertum fecerunt. Exindr
post annos aliquot Francorum exercitus transiens, et locum deser¬
tum inveniens, incaute equos infra muros ecclesie clausit, et eos ir.
mane mortuos invenit. Quo signo perterriti venientes ad regem 7
que passi fuerant nuntiaverunt, et rcgis animum ad inquirendum
de loco non mcdiocriter cxcitaverunt ; et cum omnia a scientibus j
mi-orum ■> macht. Von Taten gegen das Kloster ist keine Rede. Es kann sich nm
eine gewöhnliche Stiftung zum Seelenheile handeln. — Bischof Tello starb 773
cfr. Neer. Cur., p. q;.
1 revertenter im Codex.
2 Imitation des hl. Gregors Dialog.
3 Öl) Paulinus und die übrigen Namen rätischen Ursprungs sind, läßt sich
nur schwer bestimmen. Den Namen Paulinus finden wir in Quellen des damalige
Rätiens öfters, wie z. B. in den libri confraternitatum St. Galli, I, p. 173, dann
in den libr. confr. Fabaricnsis (Pfalfers), p. 131, 32 u. 33 etc. Mon. Germ. hi>t.
Libr. confraternitat.
4 Einen ähnlich klingenden Namen finden wir in der Verbrüderung^:
der Klöster Disentis und Pfäffers, p. 388. Agmo. Mon. Germ. 1. c.
6 Ähnlich klingende Wörter und Namen finden wir in damaliger Zeit 1-
Kätien. wie Crespola, in der Fraternit.-Liste Disentis-Pfäffers. Eine Klosterne*-
in Disentis heiüt heute noch Carcarola.
6 Wie schon früher bemerkt, erscheinen die Ungarn erst 936-40 in Grau-
blinden.
7 Die allerdings nur sekundären Quellen über diese Vorgänge betrachten
als den Frankenkönig Karl Marteil (714-41).
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— 257 —
didicisset, cepit vehementer inquirere, qualiter ipsum monasterium
in priorem statum posset restituere. Time habito consilio restaurandi
loci curam commendavit; qui veniens cum Ursicino 1 episcopo soller-
tissime monasterium restauravit, et ad servicium domini sanctos non
paucos sibi congregavit. Deinde sanctorum Placidi et Sigiberti corpora
de Turegio, ubi propter barbaros asportata fuerant, reportavit, et
venusto preparato locello cum ymnis Dei et laudibus plena devotione
recondidit, ad laudem et gloriam omnium sanctorum : cui soli honoris
et regni perpetuitas maneat in secula seculorum Amen.
BEILAGE I.
Beschreibung der Prozession zu Ehren der Reliquien
der Heiligen Placidus und Sigisbert
am Grofimflnster zu Zürich Im « Breviarlum (slve ordlnarium)
chorl Turlcensls anno Domini M°CC°LX°.»
Cod. C Sb der Zentralbibliothek Zürich.
* Cap. V. idus Julij 3 Placidi Martyris et Sigberti 4 confessoris et
translatio sancti Benedicti. Ad vesperas R. Sint lumbi vestri. Ymnus
Rex gloriose martyrum. V. Letamini in domino. In evangelio
antiphona Omnipotens Deus. Oratio Deus qui nos concedis (De sancto
Benedicto antiphona Similabo ad laudes de eodem antiphona. Evangelie
et in istis vesperis ad Magnificat publicum altarem superpositis Placidi
et Sigberti reliquiis solummodo incensatur) 6 . Ad matutinam quoque
ad laudes quoque ad horas omnia sicut de pluribus martyribus pleni
officij (Sed ad matutinam erit omelia super evangelium : Sint lumbi
1 Ebenfalls aus dem Geschlcchte der Viktoridcn (730-58), Abt von Disentis
imd (754-58) zudem Bischof von Chur. 758 resignierte er auf beide Würden,
vgl. Mayer, Bistum Chur, I, p. 63-64. Also fand die Rücktranslation nicht schon
unter Abt Adalbero I., 670, statt, sondern erst nach der Klosterrenovation unter
dem hl. Ursicin. — Der Text ist in diesem Satze unvollständig.
1 p. 115a, Kolonne a unten.
3 Gesperrt gedrucktes, sowie R. u. V. sind im Codex rot.
4 p. 115a, Kolonne b, ( ) am Rande, mit Hinweis an die betreffende Stelle.
* Vom Herausgeber hervorgehoben.
RXVUt d'histoire eccllsiastique 17
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258
vestri precincti et nonum erit R. Sint lumbi vestri precincti.) Ad
proce s sionem procircuitur totius ecclesie, si serenum fuerit, si minus,
per ambitum ecclesie faciendam. Reliquie Placidi et Sigberti cm can-
delis in processione a maioribus scolaribus vel clericis super pdliciatis
post prepositum deportantur. 1 Ad exitum processionis (si est dominica,
premittitur antiphona benedica_(Deu)s (?) et post sequitur imme-
diate) Responsorium * Sancti tui domine V. Quoniam percussit
terra apparuit. R. propter testamentum. V. Ecce quam bonum, quia
unus. R. In circuitu tuo domine. V. Magnus Deus *. Ibi requiescunt.
Quia unus. 4 contempnentes. In statione antiphona Gaudent in celis.
Ad introitum antiphona Sanctus est verum lumen. R. Sint lumbi
Quo finito sacerdos dicit V. Gaudete iusti in domino. Et inlenm,
cum publica missa celebratur, predicte reliquie in medio chori super
suos tripodes vel sustentatoria posite remanebunt, quoque in suum
locum missa finita reponuntur. 8 Ad missam INTROITUS Sapientiam
sanctorum. V. Exultate iusti. Kyry eleyson sub melodia Orbis factor
Lectio Exspectatio iustorum. Graduale Exultabunt sancti. V. Cantate
domino alleluja. Sancti tui domine. Sequentia Hii sancti. Evangelium
Sint lumbi. Offertorium Letamini. Communio Ego vos elegi*. In
secunda vespera antiphona Virgam virtutis. Psalmus Dixit Deus
cum psalmis reliquis, Deus noster. V. Exultent iusti. In evangelio
antiphona Gaudent in celis.
BEILAGE II.
Directorium Cariense.
Inkunabeldruck unter Bischof Ortlieb v. Brandis (1458-91).
Bischöfliches Archiv Chur.
C. V. Id. Jul. Placidi et Sigisbcrti commemoratio et translatio
sancti Benedicti. plenum.
De sanctis Placito et Sigberto plenum officium, ut in eorum habetur
1 Vom Herausgeber hervorgehoben.
* Gestrichen im Codex.
3 p. 115«, Kolonne a.
4 Quia unus gestrichen.
4 Vom Herausgeber hervorgehoben.
4 p. 1156. Kolonne b.
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— 259 —
hystoria. Qui autem illam non habent, faciant officium de pluribus
martyribus.
Ad missam Introitus : Judicant sancti. Epistula : Justi imperpe-
tuum. Graduate : Justorum anime, Alleluja. V. : Vox exultationis.
Evangelium : Descendens Jesus. Offertorium : Exultabunt. Communio :
Justorum anime. Eodem die fit commemoratio de translatione sancti
Benedict i.
Missale
(Inkunabeldruck, 1497 unter Heinrich VI. von Höwen, Bischof von Chur, gedruckt.)
Bischöfliches Archiv Chur.
Bringt uns zu obigem Texte noch die Oratio :
Fac nos, quesumus domine, sanctorum tuorum Placiti et Sigisberti
semper festa sectari, quorum suffragiis protectionis tue dona sentiamus,
per dominum nostrum etc. Epistula : Justi autem in perpetuum.
Graduate (ut supra). Sequentia de martyribus. Evangelium : Descendens
Jhesus. Offert. : Exultabunt. Munera tibi domine noster. Secr. :
Devotionis offerimus, que pro tuorum tibi grata sint, honore sanctorum
et nobis salutaria te miserante reddantur. Per etc. Comm. Justorum
anime. Compl.: Presta nobis domine, quesumus, intercedentibus sanctis
tuis Placito et Sigisberto, ut que ore contigimus, pura mente capiamus.
Per etc.
Breviarium Curiense
(Inkunabel.). Bischöfliches Archiv Chur.
Placidi et Sigiberti super omnia laudem. Antiphona.
Ecclesie splendor mirificus, odoriferis distinctus floribus, cui san-
guinei rose rubescunt martyrum albaque candescunt lilia confessorum,
vinceris meritis fruuntur regno celorum R. Auctorem gloria nostra
pangant solemnia, quem sanctorum anime ascenderunt sydera. Qui
militantes summe rei publice gloriantur in atrijs celestis patrie. V. Ipsi
intercedant pro populo in clarissimo Christi palatio. Ad magn. Antiph.
Gloriosus sanctorum Christi gratanter exultet Spiritus, quatenus
angelicis eorum intercessione iungamur consociis : quorum factis dita-
mur reliquiis. Oratio : Fac nos etc. (ut supra).
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Notes Mstoriques sur le couvent des Cordeliers
Par le R. P. Bernard FLEURY, cordelier.
II y a quelques annies (1907), nous avons publie dans la Revut
d'histoire ecclesiastique suisse, i re annle, p. 131 ss, quelques notes sur L
la fondation et la Suppression du couvent des Franciscains de Grandson I
Un peu plus tard, M. Dubois publiait, dans la mime Revue (3 me annfr, 1 1
p. 47 ss.), quelques documents intlressants sur ce monastere, splciak- 1,
ment l’inventaire du couvent, fait le 26 novembre 1554, soit au moment I
mime de sa suppression definitive. L
C’est un pur hasard qui nous permet aujourd’hui de completer 1 1
ces notes et den ajouter de nouvelles. En Itudiant l’ancien rentier I.
du couvent de Fribourg, Icrit en 1573 par le Plre Procureur Melchior I-,
Wullicn, ancien Cordelier de Grandson, nous nous aper^ümes que les I (
pages qui servaient de couverture ä ce volume portaient aussi des I
annotations. En examinant la chose plus attentivement, nous ne tar-
dames pas ä voir, par les noms de lieux, que ces notes dcvaient con- | 3
cerner le couvent de Grandson et enfin nous tombames sur le titre I j
suivant : « S'ensuyt le rentier des censes appartenant au couvent des I,.
Vln. frlres mineurs en la ville de Grandson... argent, bll, froment. l. s
cyre, chapons, oylle... pour l’an 1547. * Nous trouvämes encorequelques j
feuilles qui servaient de couverture ä un autre volume. En tout, nous |
pümes rlunir 11 feuilles in-folio, sur 29 que devait contenir ce rentier
d’aprls la table des matilres.
Les localitls oü le couvent avait des censes Itaient : Grandson.
Fiez-Pittet, Mathod, Peney (?), Baulmes, Montagny (Vaud), Valeyres, •
Chamblon, Yvonand, Yverdon, Corcelles, Provence, Ependes (Vaud).
St-Maurice (Vaud), Champagne, Mutrux, Montalchez, Cortaillod, Bevaix.
Onnens (Vaud), Fontaines, Novalles, Bonvillars, Concise, etc.
Cette enumeration et la longue suite de censes qui remplissait |
J A
une j
fortune considerable. II n'en Itait rien, car la plupart de ces censes
sont tellement minimes que le total ne pouvait pas monter bien haut.
Le grand nombre de censes en argent n’arrivent pas ä 1 livre chacune.
et quant aux censes en nature, il y en a d’une coupe de froment, dun
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2ÖI
demi-chapon et d'un demi-pot d’huile. Le revenu le plus consid6rable
£tait un montant de 200 livres, que le couvent percevait annuellement
sur la saulni&re de Salins en Franche-Comt6, et dont nous reparlerons
plus tard. Leurs Excellences de Fribourg et de Berne donnaient annuel¬
lement 27 livres en argent, 12 muids de froment sur leur dlme de Bon-
villars, 13 livres de cire sur la mime dime, puis encore 12 pots d'huile.
La chapelle de St-Antoine du Viennois 1 et de St-Antoine de Padoue,
fond6e au couvent par Dame Bonne de Bourbon, comtesse de Neuchätel,
avait de nombreux revenus. II en est fait tr&s souvent mention dans
ce registre.
Claude de G 16 resse, seigneur de la Moli&re, payait une cense de
9 livres pour le 16 gat de feu noble Jacques, Chevalier de Grandson.
« Illustrissime prince et seigneur, Mgr Othon de Grandson > avait
llgu6 au couvent une cense de 6 pots d’huile.
Nous ne voulons pas pousser plus loin cette nomenclature qui
a un int6r6t plutöt local pour Grandson et ses environs, k cause des
noms de familles et de propriet£s de cette 6poque.
Cette trouvaille nous engagea k chercher encore dans les Archives
cantonales de Fribourg ce qui pourrait concemer ce couvent de
Grandson, et nous fümes assez heureux pour mettre la main sur quelques
documents qui ne sont pas d£pourvus d’int6r£t.
Disons d’abord que le couvent devait d6jä €tre tiabit6 en 1298,
puisque dans son testament du moi°. de juillet de cette meme annfe,
Agnfcs de Vuippens, veuve de noble Ulrich de Vuippens, lfcgue aux
frfcres Mineurs de Grandson la somme de 100 sols *
Grandson, comme on le sait, devint, apr£s les guerres de Bourgogne,
bailliage commun entre Berne et Fribourg. Les baillis des deux villes
altemaient tous les cinq ans, et quand le bailli 6tait bemois, les appels
se faisaient ä Fribourg et vice-versa.
Le Souvenir de la bataille de Grandson 6tait rest6 vivant dans les
esprits. Aussi voyons-nous, en 1501, les deux villes Berne et Fribourg
fonder, au couvent des fr£res Mineurs de Grandson, deux Offices chant6s
de Requiem, le lundi et le vendredi de chaque semaine, k l’autel de
St-Georges, pour les soldats tomb6s sur le champ de bataille, et les
religieux doivent aller chaque fois visiter leurs tombeaux. Pour cela,
1 C’est saint Antoine ermite. 11 est appelä St-Antoine du Viennois i cause de la
ctlibre abbaye de St-Antoine, au dioc^se de Vienne, en Dauphinl, chef-lieu de
l'Ordre des Antonins ou Chanoines rlguliers de St-Antoine.
* Arch. cant., Marsens, S. 5 .
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2Ö2
le couvent recevra annuellement deux tonneaux de vin et deux imiids
de froment. Ainsi dicidi en Conseil k Fribourg, le 27 aoüt 1501 *
Par lettre du 13 avril 1515, Leurs Excellences de Fribourg recom
mandent au duc de Milan le fr. Pierre Grimoville de l’Ordre de Saint-
Frangois et du couvent de Grandson, qui a di ja prichi avec un certain
succis et qui se rend maintenant ä Pavie pour y continuer ses etudes !
Le 2 septembre 1516, encore une autre recommandation de leurs
Excellences de Berne et de Fribourg ä « Messeigneurs les prfcidans
et aultres gens du pariament de Dole, noz tres honore seigneuis et
grands amis *, en faveur du couvent de Grandson. On les prie de per-
mettre aux frires Mineurs de Grandson, munis du permis de l'Archeveque
de Besangon, de pouvoir annoncer la parole de Dieu et leurs « beaux
pardons » (c'est-ä-dire les indulgences) dans les pays de leur ressort
La raison, « c’est que iceulx frires par conclusion faite de leur Ordre
sont contraint de soulepourter ces festes de pasques le chapitre de la
province en le dit cloistre, que ne se pourra faire sans grand despence
et soulpourtation de grand missions *... * Nous apprenons par lä que le
chapitre provincial de la province de Bourgogne se riunit k Grandson
au temps de Piques de Fannie 1517.
L’adoption de la Riforme ä Berne devait avoir des suites funestes
pour l’ancienne foi dans les bailliages communs du pays de Vaud. Sans
doute, Fribourg, resti catholique, soutenait de toutes ses forces la
cause catholique. Mais il itait le plus faible et il cherchait dans la
prudencc et la diplomatie les moyens d’attinuer les procides autori-
taires de sa puissante voisine. Malheureusement, un accord itait inter-
venu entre les deux villes qui mettait les catholiques dans une fächeuse
Position*. A teneur de ce traiti, chaque commune des bailliages communs
pouvait votcr sur le maintien de la messe ou l’introduction du preche,
a la pluralite des suffrages ; mais tandis que le culte catholique devait
cesser immediatement dans les localitis qui avaient voti en majorite
pour la Riforme, le culte Protestant pouvait continuer dans les com-
munes qui s’itaient prononcies pour la messe. Ce traiti, tout ä l’a\-an-
tage des riformis et au prijudice des catholiques, amena peu ä peu
1 Arch. cantRathsmanual ß vol. 19, f. 17 b.
* Arch . cant., Missival, vol. 8, f. 3 o a.
• Arch. cant., Missiral, vol. 7, p. 58 a.
4 Cf. Supplement au Dictionndire historique, etc. de Vaud, par G. Faht.
p. a 58 (Lausanne, 1887). E- Dupraz, Introduction de la Reform« par le« Plustdins
le bailliage d’Orbe-Echallens, Revue d'hist. Ecclis. Suisse, IX, 1915.
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1
— 263 —
le triomphe de la R6forme dans toutes les communes des bailliages
communs, ä l'exception de dix communes du district d’Echallens oü
le catholicisme parvint ä se maintenir.
Un autre point, dit Pierrefleur 1 dans sa chronique, c’est que d£s
que le plus 6tait fait ä une ville ou village et que le dit plus se trouvait
pour le prSche, alors tous les biens d’Eglise, tant meubles, comme
calices, ciboires, aubes, chasubles et autres biens meubles quels qu’ils
fussent, tombaient es mains des dits seigneurs de Berne et Fribourg,
lesquels partageaient le t®ut par egale portion et l’emportaient chacun
en leur ville. Et quant aux terres, possessions, 16 gats et revenus, ils les
vendaient en partie ou le tout, except6 les dimes que les dits seigneurs
retenaient ä eux.
Dans ces conditions, on comprendra comment l’histoire du couvent
des Fr&res Mineurs de Grandson fut des plus agit6es pendant les vingt-
cinq demieres ann£es de son existence.
En 1527, Berne avait convoque le clerg£ des bailliages communs
ä la c£l£bre dispute religieuse qui eut lieu ä Berne, du 6 au 25 janvier 1528.
Mais Fribourg d£fendit au clerg£ de s'y rendre et fit d6clarer ä Berne
qu’il pr£tendait avoir les memes droits que cet Etat sur les bailliages
communs 2 .
Le 14 juin 1531, Fribourg accorde une escorte de süret£ au clerg£
de Grandson qui est cit£ ä Berne s .
D&s le commencement, le couvent de Grandson eut grandement
ä souffrir de la part des predicants qui se sentaient soutenus en dessous
par Berne. En 1531, deux religieux, les PP. Gondoz et Tissot furent
retenus quinze jours en prison pour avoir voulu r£sister aux empi£-
tements des predicants 4 .
Voici ce que dit Ruchat ä ce sujet : « Farel alla d’Orbe ä Grandson
dans le printemps (1531), accompagne de Claude de Glautinis, ministre
de Tavannes, dans le dessein d’y precher. Mais ils y furent d’abord
fort mal resus... Le Gardien des Cordeliers, nomm£ Fr£re Guy, s’opposa
a Farel, disant qu’il 6tait un her£tique et que, quant ä lui, il soutiendrait
sa religion jusqu'ä la mort... *
* Mais ce fut bien pis dans le mois de juin (1531), le jour de la
1 Mimoires de Pierrefleur, grand banneret d’Orbe, publies par A. Verdeil,
Lausanne i 856 , p. 6. Dupraz, 1 . c. 12, ss.
* Arch. cant., Missival, vol. 9, p. 41.
* Arch. cant., Rathsmanual.
* Cf. Pierrefleur, 1 . c. p. 47, ss.
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— 264 —
St-Jean et le lendemain. Depuis le demier tumulte jusqu’alors tout
s’6tait termin6 ä des disputes que Farel, Viret et d’autres, avaient
avec les moines ; particulifcrement avec le Gardien, qui prechait comme -
eux, tous les dimanches, et passait pour savant. » 1
Le 24 juin, le jour de la St-Jean, Farel ayant interrompu un Cor-
delier venu de Lausanne qui prdchait, « sur quoi le chätelain da lieu
chargea Farel d’injures et de coups de poings. A ce signal, tous les -
Justiciers, le peuple, les Cordeliers et plusieurs personn es qui 6taknt
venues d’Yverdun, se jestfcrent sur les deux- Ministres, les chargfcrent
d’injures, de coups de piez et de poings, et les maltraiterent cruellement.
Glautinis l'6crivit, le mfime jour, k Jean-Jacques de Wattevile, Seigneur
de Colombier, D6put6 de Beme, qui se trouvait alors k Colombier,
belle terre situ6e k 9 lieues de Grandson, au bord du Lac, dans le Comte
de Neuchätel. Cependant, quelqu’un ayant donn6 un faux avis aus
Cordeliers, que les R6formez voulaient abattre leur grande Croix, i
ils s'arm^rent et firent quelques dispositions pour les en emp&her.
De Watteville, ayant re^u la lettre de Glautinis, partit le lendemain )
(25 juin) pour Grandson ; et y 6tant arriv6, il alla dans le m&ne teraple !
pour ouir le sermon du Cordelier. Comme il montait sur la galerie, il ( ;
rencontra des Moines qui l’arrfitörent sur les degrez et ne voulurent 1
pas le laisser passer. Il y en eut mdme un qui voulut le pousser en j
arriöre. Son valet repoussa le moine, et le contraignit de remonter. i
Il lui sentit une hache sous la robe ; et aprös plusieurs efforts et bien '
de la rfeistance de la part du Moine, il la lui prit et voulut le tuer; j •
mais son Maitre l’en empöcha. Pendant ce temps-lä il y eut un vacarme ;
effroyable dans l’6glise. N6anmoins il n’y eut que du bruit, qui fut - ■
enfin apais6... Le Cordelier precha, et apr&s son sermon, Farel 6tant :!
mont6 en chaire disputa un peu avec lui; aprfcs quoi, il descendit et •
se retira. Cependant les deux moines, qui avaient voulu fermer le passage ;.
k Watteville, furent mis en prison par le baillif, k l’instance de ce ;
Seigneur. * * I •
Comme on parlait d’une pr6tendue conspiration des catholiques ! .
contre les Reformfe, Beme envoya deux d^putfe comme adjoints ä ;
de Watteville pour examiner l’affaire. « Ils examinferent le moine, qui '
avait eu la hache, et voulurent savoir, pourquoi il l’avait prise ? Il J
r6pondit, que c’6tait pour empecher Farel, de rompre le Crucifix, qui <
i ;
1 Ruchat, Abraham. Histoire de la rtformation de la Sttisse, 1" Mition, IV,
pp. 49, 56 - j
* lbid. ! .
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— 265 ~
etait sur la galerie, dont le Couvent lui avait confte la garde. Ensuite
interrog6 pourquoi il avait repouss6 de Watteville ? II dit qu'il ne
le connaissait pas, etc. Les Deputez voulurent qu’on mit ces moines
ä la torture; mais la chose de s’ex^cuta pas. Ils les firent seulement
attachfe k la corde, et mettre la pierre au pi6, mais ils ne les firent
pas tirer. Ces Moines protest&rent solennellement, qu'ils n'avaient eu
aucun autre dessein, que d’emp£cher Farel, de monter sur la galerie,
afin qu’il n’interrompit pas leur Pr^dicateur, comme il avait fait le
jour pr£c6dent. > 1 Au bout de quinze jours de prison, les deux Moines
furent relich6s * Pendant ces quinze jours, on mit six hommes en
gamison dans leur couvent, pour le garder et emp£cher que les Religieux
ne prissent la fuite.
C’est k cette occasion que le Gardien des Cordeliers de Grandson,
Fr. Guy Rey (Regis) envoya la lettre suivante k Messeigneurs de
Fribourg :
5 aoüt 1531.
« Mes tres chiers tres redoubtes et honores seigneurs a vous tres
benignes graces* humblement me recommande aussi faict le maistre
reverend mon compagnon. Et vuillers scavoir que sumes absens du
lieu de Granson pour les grousses menasses et oeuvres d'effaict qui nous
ont este faictes veu que nous estions en train et termes de iustice et que
mess™ de Berne avoyent donne sentence sans nous detenir prisonniers
comment le S r de Columbiers * a faict de nous. Car il a tire gesne et
tormente mes religieulx comme s’ils eussent este murtriers. Je ne seay
si mes tres redoubtes S r ® de Berne lui avoyent donne cette Charge
ou non. Il me semble si i avais mal faitc que ie debvoye estre seul
0
pugny et non pas les pouvres religieulx. Je me suis presente contre
Fanellus k Paris Aurelians 4 k Bourges k Poytiers k Dolle ou en quelque
uni versitz la ou sont gens clercs pour scavoir discuter la mattere de
luy et de moy mais mes parolles n'ont poinct de lieu. Item vous scaves
comment le iour que fusmes delivres de prison nous feusmes citer a
la court par devant vous et Mess ra de Berne et comment mons r de
Columbiers voulut estre advocat et mener la cause de Ferrellus et
comment il nous voulait faire detenir prisonniers pour nous tourmenter
1 Ruchat, Abraham, 1 . c.
* On sait que ces deux moines appelds Jean Tissot et Blaise Gondoz, ne pers£-
vdrirent pas dans leur vocation et pass&rent plus tard ä la Reforme.
* Jean-Jacques de Watteville, seigneur de Colombier, d£put£ de Berne.
* Orleans.
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266
j et nous fayre regnier (renier) Dieu et la saincte esglise catholique et
| vouloit que i eusse plus de creance en luy et en ses ordonnances que
en toutes les ordonnances de la universitd de tous les crestiens et aussi
Farellus nye tous les saincts Concilles tous les docteurs de saincte
esglise et de theologie, il expouse la saincte escripture a sens reprouve.
Contre tieux ie ne veulx point arguer, car ainsi que ma mere m'a ,
nourry ie veulx vivre c est en la subiection de nostre mere saincte 1
esglise. Pourtan mes tres redoubtes S” saichez que si ledit de Coluro-
biers nous eust peu avoir a son plaisir pour fayre de nous pugnicion
! il deliberait totallement que par menasses ou griefves poynes nous
i ferait regnier nostre foy. Item tant que c estoyt presume avec mes
freres il vous ont refuse l’entrer vers nous j ay regarde que pour vous,
il ne voulloyent rien fayre j ay eu paour et ay encore d estre tormente
*
en mon corps. Vuiller scavoir que ie ne crains poinct mourir en bonne
et vraye confession de la saincte foy catholique mais ie crains estre:
tormente pour la fayre regnier dont mes redoubtes S™ s il vous plaict j
que ie retome au pays envoyez moy asseurance que ie puisse aller
sain et saulve et venir car aultrement n ay pas intention tant que
dureront telz affayres aller a Granson. Ce non obstant mes tres redoubtes
S™ pour vous et vous affayres seray tousiours vostre humble orateur
et petit serviteur aidant Dieu qui vous doinet accomplicement de
vous bons desirs. A Salins le V de aoust, Par le tout vostre.»
F. Regis 1 .
« A tres redoubtes et honnores S™ Mess™ les ambassadeurs de Fri¬
bourg a Granson * »
Par ordonnance de 3 Mars 1532, les d 616 gu 6 s des deux villes avaient
du se rendre k Orbe, puis k Grandson pour 6tablir un modus vivendi
et faire r6tablir les autels qui avaient ct6 abattus. Le 4 mars, Fribourg
6crit encore k Berne pour faire rendre aux Chartreux de La Lance et
aux Cordeliers de Grandson les objets qui leur avaient 6t6 enlevfc *.
En 1536, Beme s’6tant plaint k Fribourg de la conduite de deux
Franciscains de Grandson, Fribourg, sans faire d’autre ’enquete, lui
rdpond, le 31 mai, qu’il a ordonn6 au Gardien du Couvent de faire
1 Le P. Rey ou Regis dtait du couvent de Lausanne. Un incunable de uff)
la biblioth£que des Cordeliers de Fribourg porte son nom.
* Arch. cant. de Fribourg , Collection Gremaud, vol. 36 , p. 538 ss. L’origwal
doit 6tre d’aprts M. G. aux archives cant. de Fribourg, mais nous ne l’avons p* 5
retrouvö.
* Arch . cant., Missipal , vol. io, pp. 48, 49.
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— 267 —
renvoyer ces deux fr£res et de les remplacer par deux autres l . A la
fin de cette m£me ann6e (1536), on avait de nouveau brüte les images
et les autels de TSglise des Cordeliers. Fribourg 6crit ä Berne qu'il
ne peut laisser ces exc£s impunis et qu’il d&ire s’entendre avec cet Etat
pöur punir les coupables *.
La Situation des religieux devenait intoterable. Aussi en voyons-
nous deux d6clarer ne plus pouvoir y tenir et demander ä Fribourg
un subside pour retourner dans leur pays. Leur supplique, qui n'est
pas dat6e, vaut la peine d'etre rapport6e. La voici :
Ihus.
Tres redoubtes, magnificques Monseigneur 1 Avoier et nobles Sei¬
gneurs de Fribourg honneur, salut, paix sainte soit avecques vous.
Messeigneurs plaise vous savoir que nous sumes deux pouvres religieux
de l'ordre de sainct Francoys de voustre pouvre couvent de Granson
qui avons estez cetuy an assignez de demorer par obedience au dict
couvent et venuz sumes par devers vous nobles et manificques seigneuris
en vous manifestant nostre pouvre nScessite, si est des persecucions,
tribulacions et aversites que nous avons endurez au dict covent et
avons heu pacience iusques a Teure de present et nous voians les
menassez con nous a fait de nous batrez, de nous meurtrir pour ce
que nous sumes pouvres estrangiers estions plus fort menasses que les
autres avons estez contraint d’abandonner le lieu et la place, nous
ne savons que faire ny ou devons aller, nous abillemant sont tous huzes,
nous n'avons or ny argent pour noz subvenir et ne savons a qui avoir
recours si n est ä vous nobles revesrances, par quoy nous redoubtes
et magnificques Seigneurs nous vous prions supplions humblement pour
lonneur de dieu qui vous plaise avoir pitie et compassion de nous et
nous faire unne aulmone pour nous aider a vivre et aussi pour nous
aider a retomer en nostre pais car nous n avons parens ny amys de
pardessa qui nous puissant secourir et aider en nostre necessite, par
quoy nous redoubtes seigneurs vous nous aurez si vous plaist pour
recommendez et toute nostre vie en nous messes prieres et oraisons
serons tenus et obligez a prier dieu pour vous nobles et bonnes intentions
Vous humbles orateurs
Sans date frere Jehan Foucandi.
frere imber Chatellain.
1 Arch. cant., Missival, vol. 12, p. 42.
1 Arch. cant., Missival, vol. 1 3 , pp. 22, 23 .
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268
Cette supplique se trouve aux Archives cantonales, Titres des ‘
Cordeliers de Fribourg, N° 15.
Le demier Gardien du couvent fut le P. Francois Besson. Nous
#
le trouvons d£jä k Grandson en 1534. Les Archives de Fribourg 00t
conservd la lettre du Provincial et du Chapitre des Cordeliers de la
province de Bourgogne rduni k Moirans en Dauphin^, annon^ant i !
Messeigneurs l’ 61 ection du P. Besson comme Gardien et du P. Sebastien
Robert comme lecteur. Cette lettre, datde du 15 juillet 1543, roirite j
d'fitre cit6e ici 1 : |
« Tres Redoubtes Seigneurs a vos Excellences tant humblement !
que faire povons nous Recommandons, vous merciant les biens qu j
aves faitz du passe a nre Religion et signament vre pourt couvent de j
granson et aux Religieux d iceluy, desquelz dieu vous sera principal ■
Remunerateur. Quant k nre part nous vous faisons de tous les bienffaictz,
oreysons, prieres, abstinences, jeunes et aultres operations vertueuses '■
et meritoires qu’ilz se font et feront en toutte nre ordre participantz. J
Vous recomandant touisours vre ditc couvent et les freres d ioehy j
•
ausquelz avons mis pour gardien frere francoys beson a cause qu ü !
faict continuelle residence au dict lieu qui est chose bien requise a ung !
gardien. Et pour liseur avons ordonne frere Sebastien Robert * lequel
*
pour le plus du temps demeure en vre noble ville de fribourg. Touttefois !
vous en poves disposer selon vos bones discretions, car vous en aves
pleniere auctoritd puissante et faculte, sy que en vre protection et l
saulvegarde cosiste totallement le dict couvent, duquel poves instituer '
et destituer les officiers selon qu’il plaira a voz tres nobles seigneuries,
lesquelles dieu veuille garder perpetuellement en prosperite et sante.
De Moyren en daulphine pendant nre congregation capitulaire celebree j
en Iceluy le quinzieme jour d april mil cinq eens quarante troys. j
Vos humbles orateurs le maistre provincial ensemble toutte la :
Congregation capitulaire. » [
Au revers: A tres Redoubtes Seigneurs Mes Seigneurs de Fribourg, 1
Le sceau y est encore. II repr£sente un franciscain k genoux, et, en
haut, deux personnages, k gauche la Sainte Vierge, k droite peut-&re
saint Bonaventure. La legende porte : (Sigillum) (illisible), province |
burgundie. •
I
1 Arch. cant. ß liasse Grandson.
* Ce religieux apparait k Fribourg des 1542. 11 y devient lecteur, puis girdicn
en i 558 . 11 mourut k Fribourg le i 3 janvier 1559. Cf. Cataloguc des religieux du ;
couvent des Cordeliers de Fribourg , N* 99, pp. 3a5-326. j
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Le plus pour le preche avait passe ä Grandson, en novembre 1554
(54 voix contre 44). Aussitöt le culte catholique avait ötö aboli et les
religieux avaient dü quitter leur antique demeure. Les Cordeliers se
retirörent dans le couvent de leur Ordre ä Fribourg et firent aussitöt
des dömarches pour jouir d’une partie des biens du couvent de Grandson
ou au moins d'une pension viagöre. Leurs demandes furent en partie
exaucöes. Le 15 mai 1556, fröre Francois Besson, Gardien, obtient
300 florins, fröre Melchior 150, fröre Jehan 150 et Philibert Criblet,
novice, 50 (Archives cantonales de Berne, volume de piöces de Grandson
et d'Orbe). En 1557, on leur accorde le linge et les omements de leur
ancienne öglise 1 et un peu plus tard une pension annuelle *.
Les Pöres de Grandson, ötablis ä Fribourg, dösiraient spöcialement
de pouvoir retirer comme auparavant la cense de 200 livres que le couvent
percevait sur les salines de Salins en Franche-Comtö 3 et pour cela, ils
demandaient au Conseil de Fribourg un tömoignage comme quoi,
chassös de Grandson, ils continuaient ä Fribourg ä faire le Service divin.
Mais le Conseil renvoya la röponse ä plus tard 4 . Cependant, l'admi-
nistration des salines de Salins, refusant aprös la suppression du couvent,
de payer cette somme aux villes de Berne et Fribourg, celles-ci, par
reprösailles, ne trouvörent rien de mieux ä faire que de mettre sous
söquestre les dimes que l’abbaye de Cisterciens du Mont-Ste-Marie 6
possödait ä Yvonand. Ce fut donc le pauvre abbö du Mont-Ste-Marie,
nommö de Vaultravers, qui eut ä en souffrir. II s’en plaint avec raison
ä Leurs Excellences de Berne et Fribourg 8 : « Touttefoys, öcrit-il,
magnifiques seigneurs, si vous vouliez prendre fondement du dit empe-
chement sur ce que le trösorier en la saulnerie de Salins difföre de
vous payer quelque somme d’argent au sujet de votre dite seigneurie
de Grandson, je supplie vos magnificences d'avoir ögard que ni moi
ni mes religieux n’en sommes coupables et ne pouvons porter le pöchö
d’autrui. Car sans empecher le bien de cette abbaye vous avez bien
d'autres moyens de vous faire payer du dit bien » (4 Dec. 1556).
1 Arch. cant., Rathsmanual, v. 75 (24 mai 1557).
* Ibid., 8 oct. 1 55 7 .
* Dans nos notes sur le couvent de Grandson ( Revue d’hist. eccl. suisse, I,
p. 1 36 ), nous avions cru qu’il s’agissait de 200 livres de sei, parce que nous avions
lu salis pour salins ; il s’agit d’une redevance de 200 livres ä percevoir sur les
salines de Salins, comme on le voit par le rentier du couvent.
4 Arch. cant., Rathsmanual, 5 dec. 1554.
4 Le Mont S'*-Marie, abbaye de l’Ordre de Citeaux, de la filiation de Clairvaux,
situöe dans le departement du Doubs, commune de Les Granges-S"-Marie.
6 Arch. cant., Liasse Grandson, lettre du 4 d£c. i 556 .
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— 270 —
En 1586, mourait ä Fribourg le deraier P£re de Grandson, le Pere
Melchior Wullem ou Vullien, et, avec lui, disparaissait sa pension. U
couvent de Fribourg, qui 6tait fort pauvre, essaya encore une fois
de revendiquer les biens du couvent de Grandson et en fit la demande
au Conseil. Celui-ci s'occupa de cette affaire dans sa sSance du 19 juin ’•
1589. II d6cida de prendre du temps pour 6tudier cette question, et
de ne rien statuer ä ce sujet jusqu'ä ce qu'on Sache quels revenus tirait
l’Etat des biens du couvent de Grandson. En attendant, pour venir
en aide au couvent de Fribourg, on lui accorda 3 muids de froment
et de meteil *.
Enfin, quatre ans plus tard (23 mars 1593), sur une nouvelle Petition
du P. Michel, Gardien de Fribourg, on vint en aide aux besoins du
couvent de Fribourg en lui accordant la collature de la eure de Font
qui n’avait plus de patron depuis la suppression du catholicisme ä
Lausanne *. j
Quant aux bätiments du couvent de Grandson, Berne vouiar.
d’abord transformer l’eglise en grenier. Les bätiments 6taient en mauvais
etat. Le bailli fribourgeois, Laurent Gasser, 6crit ä Messeigneurs, soo>
date du 9 octobre 1556, qu’une partie du couvent s’est 6croulee et
1
l
%
$
*
que pr£s de 4,000 tu i les sont tomb£es et qu’en inspectant les lieux. {
il a trouvd que d’autres parties menasaient ruine, principalement pres |
de l’ancienne biblioth£que. 1 * 3 Nous ignorons ce que sont devenus les j
livres de cette biblioth£que. Les religieux en auront, sans doute, apporte 2
quelques-uns au couvent de Fribourg, mais nous n'en avons pas dfrou- j
vert jusqu’ici. Plus tard, le couvent fut transform6 en magasin ä sei. i
II n'en reste aujourd’hui qu’une tour renfermant les prisons du distnet ;
et un vaste bätiment au nord de la route, servant d'entrepöt 4 5 . En 1515-
Fribourg avait command^ un autel destin 6 ä cette dglise ä notre celebre j
sculpteur Hans Geyler, et au peintre Nicolas Manuel de Berne *. Cet |
autel aura sans doute 6 t 6 bris 4 avec les autres. <
1 Arch. cant., Rathsmanual, 19 juin 1 5 89. '
1 La collature de la eure de Font appartenait aux chapelains de la chapelle de >
St-Nicolas du chäteau öpiscopal de Lausanne. t
* Arch. cant., Liasse Grandson. *
4 Supplement au Dictionnaire du Canton de Vaud, 1 . c. p. 3 18. ••
5 Cf. Max de Diesbach, Le sculpteur Hans Geiler, dans Arch. de la soaete ^
d’histoire du canton de Fribourg, t. VIII, p. 1-14. j
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Die Verehrung
der hll. Vitalis und Marcellus M. M.
in Mariastein.
Von P. Willibald BEERLI O. S. B.
Die Leiber der hl. Vitalis und Marcellus, welche in der Kloster¬
kirche zu Mariastein aufbewahrt und verehrt werden, sind römische
Heilige.
Der heilige Vitalis wurde mit andern Heiligen auf das Geheiß
Urbans VIII. durch den damaligen Generalvikar von Rom, Johannes
von Altera, aus dem Coemeterium Calixti erhoben und am 9. Januar
1640 dem Neffen des Papstes, dem General-Prior der unbeschuhten
Trinitarier, P. Johannes de Annuntiatione, geschenkt.
Am 7. Januar 1643 wurden diese heiligen Reliquien in Gegenwart
des Kanzlers und Notars der römischen Curie, Johann Bapt. Marius,
in ein Gefäß verschlossen und von P. J. de Annuntiatione dem damaligen
Hauptmann der Schweizergarde, Rudolf. Pfyffer von Luzern, gegeben.
Zeugen bei diesem Akt waren Officialen der römischen Curie. Am
11. Januar 1643 wurde von Fabricius Vallatus das Instrument aus¬
gefertigt.
Am 26. April 1650 kamen die Reliquien samt denjenigen des
hl. Honoratus durch den Grafen von Hohenems nach St. Gallen, diese
für St. Gallen, jene für Mariastein bestimmt. Dem Diener des Grafen,
der die Reliquien nach St. Gallen brachte, ohne zu wissen, was er bei
sich trage, wurde ein Honorar von 2 Talern übergeben.
In St. Gallen wurde die Ankunft des hl. Honoratus mit einem
Feste II. Klasse gefeiert. Den ganzen Sommer' hindurch blieb
St. Vitalis in St. Gallen, dann sandte am 3. Oktober Fürstabt Pius
von St. Gallen seinen Konventualen P. Franz v. Hertenstein mit dem
heiligen Leib nach Mariastein, samt einem Begleitschreiben, in dem
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es heißt:« Dimitto ad vos religiosum meum cum thesauro Ss. corporis
s. martyris Vitalis, Deum unice orans, ut sanctum hunc martyrem
jubeat, monasterii Beinwilensis esse protectorem simul et communem
in nostris necessitatibus intercessorem etc. » 3 Tage dauerte die Reise
Am 6. Oktober kam der Schatz in Mariastein an.
Bartholomäus Gasser, der Notar der ajjostolischen und kaiserlichen
Majestät wurde gerufen und in seiner Gegenwart die Kiste mit den
Gebeinen im Rekreationszimmer der Patres geöffnet. Auf den in ein
Tuch eingewickelten Reliquien war eine KapSel mit dem Instrument,
das am 11. Januar von Vallatus ausgestellt wurde. Abt Fintan Kieffer
nahm die Gebeine ehrfurchtsvoll heraus, von denen die größern sehr
gut erhalten, die kleinem teilweise in Staub zerfallen waren.
Außer oben genanntem Notar wohnten dem Akte bei: P. Franz
v. Hertenstein, dann aus dem Konvente : PI. R. P. Vincentius Fink,
Prior, R. P. Placidus Gründer, R. P. Eberhardus Tscharandi, R. P
Maurus Briat, R. P. Ursus Graf, R. P. Bernhard a Waldkirch, Rel
Fr. Joannes a Staal, Professus, Rel. Fr. Hieronymus Bröchin, Novitins
Der Leib des hl. Marcellus wurde am 1. Februar 1654 von Kardinal
Martius Ginettus, welcher denselben aus den römischen Katakomben
im Aufträge des Papstes Innocenz X. erhoben hatte, dem Exprovinziai
und Guardian der Franziskaner Minoriten in Werthenstein, P. Eusta¬
chius Wey, geschenkt. Der Laienbruder Joseph Müller brachte ihr
von Rom. Die Reliquien waren versehen mit dem Siegel des Kardinal'
und die Authentik wurde unterschrieben von 2 Zeugen, Joannes Ste¬
phanus Angelino und Joannes Antonius Zuagelino.
P. Eustachius Wey, der Onkel mütterlicherseits des P. Vincenz
Acklin von Luzern, Konventual von Mariastein, sandte durch obiger
Br. Joseph den Leib des hl. Marcellus am 1. September 1654 nach
Mariastein.
Am 6. September wurde in Beisein des apostolischen Nuntius
Joh. German Haas, Sekretär zu Pruntrut, der beiden Zeugen Pfamr
Burger von Blauen und Pfarrer Aeschi von Rodersdorf, des ganzer
Konventes und der ganzen Dienerschaft die Capsel geöffnet. Di--
Anwesenden beschauten und betasteten die Reliquien; von den kleinem
Partikeln wurden sogleich den vornehmem Gästen ausgeteilt, der
Staub in der Sakristei aufbewahrt und die großem Teile mit Ehrfurcht
und unter Gebet zum hl. Marcellus auf dem Altar der Gnadenkapelk
zur Verehrung ausgesetzt.
Lange Zeit wurde in Mariastein dafür gehalten, daß die beiden
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Heiligen nicht nur sogenannte getaufte Heilige seien, sondern solche,
die wirklich diesen Namen getragen. Dafür hatte man folgende Gründe :
1. Schon der Name Marcellus ist nicht einer jener Namen, die
den sogenannten getauften Heiligen gegeben werden.
2. Die authentischen römischen Urkunden machen keine Er¬
wähnung, daß diese sogenannte getaufte Heilige sind, wie es sonst zu
geschehen pflegt.
3. Die Authentik des hl. Vital sagt ausdrücklich, daß dieser heilige
Märtyrer aus den Coemeterien Calixti erhoben worden sei mit andern
Heiligen und nennt diese ebenfalls z. B. Maurus, Hyacinthus, Joannes,
Hilarius, Alexander, Gratianus etc., was nicht geschehen könnte, bei
noch zu benennenden Heiligen. Es werden dann auch im gleichen
Instrument Jungfrauen und Märtyrer aufgezählt, z. B. St. Flora,
V. et M., St. Fabiana, V. et M., St. Eugenia, V. et M., St. Aurelia, V. et
M., St. Restituta, V. et M., was bei getauften Reliquien nicht der Fall
sein könnte. Die überzeugende Kraft dieses Beweises erkannten schon
die ersten Besitzer dieser heiligen Leiber; deshalb ließen sie durch
einen Registrator die Urkunde betiteln : « Authentisches Testimonium
von Rom vom 11. Januar 1643, der Reliquien von heiligen Leibern
vieler darinnen vermehlten heiliger Märtyrer und Jungfrauen. *
4. Aus dem Instrument des hl. Vitalis geht hervor, daß alle seine
Genossen und Genossinnen « proprii nominis * waren, weil unter acht¬
zehn Märtyrern und acht Jungfrauen keine zu finden ist, die nur
Märtyrer wäre, während sonst der Katalog für die getauften Heiligen
verschiedene solche Namen enthält, wie St. Amantiae M., Aureae M.,
Concordiae M.
Noch ein Beweis, daß man bei der Ankunft des Heiligen glaubte,
er sei « proprii nominis *, ist der, daß schon im folgenden Jahr der
Novitius Hieronymus Bröchin von Rheinfelden bei seiner Profeß am
30. Mai 1651 den Namen des Heiligen annahm.
Schnell dehnte sich die Verehrung der beiden Heiligen aus.
St. Vital und Marcell wurden bald als erste Patrone und Beschützer
des Klosters angenommen und als solche eingesetzt, genannt, geschrieben
und verehrt.
Weil Abt Fintan nach kirchlichen Vorschriften handeln wollte,
wartete er noch einige Jahre mit der Verbreitung der Verehrung zu,
in Rücksicht darauf, daß von anno 1647-1652 in der schweizerischen
Benediktinerkongregation viel über die Einführung neuer Feste und
Officien beraten wurde. Nachdem aber alles gehörig vorbereitet war,
REVUE D’HISTOIRE ECCL^SIASTIQUE 18
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fand am 31. August 1656 die großartige Übertragung und feierliche
Aussetzung der beiden Heiligen statt. Zu diesem Anlaß kam der
Fürstbischof Joannes Franciscus von Schönau und hielt unter Assistenz
der beiden Äbte, Bemardin von Lützel und Fintan von Mariastein,
zu Ehren dieser beiden Heiligen ein Pontifikalamt. Außerdem waren
noch anwesend :
H. H. Christophorus a Liebenfels, Kanonikus von Basel. H. H.
Franciscus von Römerstal, Propst in Grandval. H. H. Niklaus Hedinger,
Propst in Solothurn. Die H. H. Kanoniker Schwaller, von Staal.
Stebler von Solothurn. Die Pfarrherren des Leimentales in Prozession.
Der Hofkaplan des Fürsten, ebenso sein Präfekt. Dann die Noblen
von Reichenstein, Biederthal, Leimen, Brombach, Inzlingen, Eptingen
in Hagental, Schönau, Wessenberg, Flachsland, Reinach, Blarer von
Wartensee, Ostein. Ferner zwei Patres von Großlützel, der Guardian
von Lupach mit einem Begleiter, von den Kapuzinern der Bruder des
Fürstbischofs mit einem Begleiter. P. Adam, Beichtvater des Bischofs,
und P. Alexander, beides Jesuiten.
Über 5000 Menschen wurden gezählt, und auch ein Musikchor war
zugegen, ebenfalls eine ganze Schützengesellschaft. Kanonendonner
verkündete die Festfreude nach außen.
Nach dem Mittagessen wurde über diese Heiligen ein Theater
aufgeführt, das 4-5 Stunden dauerte.
In der Prozession, die gehalten wurde, trugen die Kanoniker von
Solothurn Reliquien der hl. Ursus und Viktor, die sie dann dem Kloster
schenkten.
Von mm an wurde das Fest dieser beiden Heiligen am 31. August
wie man im Kloster sich ausdrückt, als « Festum Prioris II. Cls. instar I
cum Octava » gefeiert. Die Messe wurde genommen aus dem Missale
Romanum und zwar die ganze mutatis mutandis vom Feste der heiligen
Marius, Martha und Genossen, am 19. Januar : «Justi epulentur * mit
Credo. Noch vorhanden in einem von P. Vincenz Acklin geschriebenen
Supplementum Missalis Campidunensis. Das Missale wurde 1678
gedruckt und von Abt Esso Glutz kostbar eingebunden. Dasselbe ist
jetzt noch in Mariastein. In einem andern Missale Campidunensi vom
Jahre 1720 steht im Supplement pag. 23 geschrieben : Die 31. Augusti.
SS. Vitalis et Marcelli MM. Romanorum. Dupl. 2. cl. inst. Primae.
Missa habetur in Ordinario, fol. 420. 19. Jan. Oratio : Exaudi Domine
populum tuum, cum sanctorum Martyrum tuorum Vitalis et Marcelli
patrocinio supplicantem : ut et temporalis vitae nos tribuas pace gau-
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dere et aeteme reperire subsidium. Per Dom. etc. Reliqua omnia
ut in eadem Missa-Justi epulentur. Pag. 24 steht: Die 3. Sept. De
Octava SS. MM. semid. Missa, ut in die fol. 420 cum Orationibus
consuetis. (Missale des St. Gallusstiftes in Bregenz.) Auch findet sich
ein von P. Deicola von Ligertz, Capitular von Murbach, der sich einige
Zeit in Mariastein aufhielt, sehr schön geschriebenes « Kyriale », das
eine besondere Festmesse «St. Marcelli et Vitalis * enthält. (Archiv
des St. Gallusstiftes.)
Im Brevier wurde das Officium plurimorum martyrum, die Oration
aus obiger Messe genommen, die Lektionen der II. Noctum aus dem :
Sermo S. Ambrosii episcopi, Sermo 77, exemplo martyrum didicimus.
In der III. Noctum wurde die Homilie des hl. Joh. Chrysost. : Ex
homilia 76 in Math, initio «Idcirco seorsum accesserunt * gelesen.
Das Proprium Chori Beinwilensis ad Petram weist im Calendarium
am 3., 4. und 5. September de Octava auf. Am 3. September wurden
als Lektionen gelesen : Sermo S. Basilii episcopi, in Psalm 115 circa
finem : « Revera pretiosa est mors. » Am 4. September : Sermo S. Gre¬
gor» Nysseni. In 40 Martyrum Orat. 2. circa med. : « Quäle in coelesti-
bus accidit miraculis. * Am 5. September Ex Epistola S. Cypriani
episcopi et mart. : Ad Martyres, Epist. 15. «Imposuerunt compedes
pedibus vestris. » Am 7. September als Oktavtag des Festes wurde als
Lection der II. Noctum genommen: Sermo S. Fulgentii episcopi,
Sermo 10 : «Delectet videre campos segetum. » In der III. Noctum
Fortsetzung: De Homilia S. Joannis Chrysostomi, wie am Feste
♦Opportune pericula discipulorum etc. * Die XL Lection aus der
34. Homilie : « Qui autem perseveraverit etc. », und die XII. Lection
aus der gleichen Homilie, aber nach größerer Auslassung : « Ego certe
stupeo. *
Bis zur großen Reform des Breviers anno 1737 hatte das Fest
eine Oktav, nachher hatte es den gleichen Ritus, aber ohne Oktav.
(Gedrucktes noch vorhandenes Proprium Chori Beinwilensis ad Petram
B. M. V. Jussu Rev ral . D. D. Augustini ejusdem monast. Abbatis.
Editum Brisaci, Typis Joan. Jacobi Deckeri Typ. Reg. Anno 1680.
Dieses Proprium war im Gebrauch, bis Abt Placidus Ackermann 1832
ein neues drucken ließ, worin die beiden Heiligen nicht mehr figurieren.)
Im Appendix des Martyrologium wurde obiges Fest auf den
besagten Tag eingereiht und immer am vorhergehenden Tag verkündet.
Jedenfalls bestand dieser Brauch 1745 noch.
Die Namen der hl. Vitalis und Marcellus wurden in der Aller-
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heiligen-Litanei nach den Namen Gervasius und Protasius eingesetzt
(altes Ritual von anno 1625 in Mariastein) und zwar nicht nur im Kloster
sondern auch auf den inkorporierten Pfarreien Hofstetten und Metzerlen.
Die Namen dieser Heiligen
wurden bei der Profeß
von folgenden
Conventualen angenommen :
Prof.
8*c.
ObUt
1. P. Vitalis Bröchin . . .
•
1651
1655
1672
2. P. Marcellus Senn . . .
•
1654
1661
1678
3. P. Vitalis Nansc . . . .
•
1684
1691
I72I
4. P. Marcellus Kollin . .
•
1684
1689
1698
5. P. Marcellus Choulat . .
•
1704
1706
1756
6. P. Vitalis Grimm. . . .
•
1722
1744
1744
7. Br. Vitalis Feugel . . .
•
1744
1752
8. P. Marcellus Borer. . .
•
1756
1758
1794
9. P. Vitalis Sitterle . . .
•
1765
1766
1784
Der Ordo Professionis (im Kloster St. Gallus in Bregenz), unter '
Abt Esso Glutz 1695 sehr schön geschrieben, hat in der Professions- !
formel wörtlich : « Ego voveo coram Deo et Sanctis ejus ad Nomina
beatorum Apostolorum Petri et Pauli necnon beatorum Martyrum !
Vincentii, Vitalis et Marcelli patronorum hujus loci, atque aliorum
sanctorum etc. »
Nicht alle Professen nahmen die beiden Namen in ihre Formel
Auf den Namen der heiligen Märtyrer Vincentii, Vitalis et Marcelli
haben nach den Professionszetteln folgende 44 Konventualen ihr« }
Gelübde abgelegt: j
P. Morand Zipper von Angenstein, 14. Juni 1676. P. Karl Littry
von Rapperswil, 14. Juni 1676. P. Anselm Greutter von St. Gallen.
14. Juni 1676. P. Roman Falk von Peterszell, 19. Juli 1676. P. Fintan •;
Weißenbach von Zug, 19. Juli 1676. P. Konrad Greder von Solothurn.
15. September 1680. Br. Fridolin Dumeisen von Rapperswil, I. Sep¬
tember 1680. Dann folgen wieder 8, welche die Namen in der Profeß-
formel ausgelassen. P. Vincenz Acklin von Luzern, 4. Mai 1692 ruft
bei der Profeß St. Vitalis und Marcellus an, während sein Comprofeß
P. Marian Lindacher von Luzern, dies unterläßt. P. Augustin Glutr
von Solothurn, später Prior, Coadjutor und Abt, legt seine Profeß ab 1
unter Anrufung der beiden Heiligen, am 8. September 1692. Fr. Urs •
Jos. Gibelin von Solothurn und P. Joachim Gegelin von Blotzheim
die anno 1695 die Ordensgelübde machten, tun keine Erwähnung der f j
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beiden Patrone. P. Niklaus Keller von Beifort, 2. Juli 1697, und
P. Michael Stöcklin von Ettingen, 8. November 1699, schrieben die
bekfen Namen ; des letztem Comprofessen P. Othmar Clerc von Dels-
berg und der Schriftsteller P. Leo Wegbecher und P. Heinrich Glutz,
der schon ein Jahr früher die Gelübde ablegte, unterließen sie. P. Urs
Viktor von Ligertz von Freiburg in der Schweiz, 25. September 1701.
P. Basilius Senn von Wil, 25. September 1701. Nach diesen machten
wieder 11 die heilige Profeß, darunter P. Marcell Choulat, welche ihre
Patrone vergaßen. P. Beda Beck von Rappolschwyr, 4. April 1712.
P. Ludwig Müller von Wil, 24. Mai 1716, sein Comprofeß P. Leopold
Schemberger unterließ die Anrufung. Vom Jahre 1716 bis 1811 waren
die Namen « Vitalis et Marcelli * in den Professionszetteln ganz ver¬
schwunden ; durch die Heimsuchungen der französischen Revolution
stieg das Vertrauen zu diesen Heiligen wieder, und die folgenden
Konventualen nahmen die beiden Märtyrer wieder in die Profeßformel
auf: P. Plazidus Eggenschwiler von Matzendorf, 8. Dezember 1811.
P. Vinzenz Hammer von Langendorf, 8. Dezember 1811. P. Ambros
Ditzler von Domach, 8. Dezember 1811. P. Hieronymus Ziegler von
Zuchwil, 13. Juni 1813. P. Urs Viktor Roth von Breitenbach, 13. Juni
1813. P. Franz Xaver Walter von Mümliswil, 8. Dezember 1813.
P. Basilius Beeg von Breitenbach, 13. Juni 1813. P. Franz Sales Brunner
von Mümliswil, 13. Juni 1813. P. Karl Schmid von Wittnau, später
Abt, 13. Juni 1813. P. Edmund Kreuzer von Säckingen, 10. September
1815. Br. Trutbert Fehr von Rottenburg, 9. Juni 1816. P. Ignaz
Stork von Laufenburg, 26. Juli 1818. Br. Joseph Allemann von Welschen-
rohr, 26. Juli 1818. P. Gregorius Frauch von Wolfwil, 1. November
1819. P. Anselm Dietler von Büsserach, 1. November 1819. P. Ambros
Pflüger von Solothurn, 1. November 1819. P. Leo Stöckli von Hof¬
stetten, 1. November 1822. Dieser schrieb auf seinem Professionszettel
die Namen: Mariae, Benedicti, Vincentii, Vitalis, Marcelli, Placidi
und seinen eigenen Namen Leo mit größeren Buchstaben. P. Petrus
Coelestinus Meng von Frick, 1. November 1822. P. Pius Munzinger
von Olten, 1. November 1822. Br. Meinrad Heim von Fulenbach,
17. November 1822. Br. Kasimir Nußbaumer von Mümliswil, 17. No¬
vember 1822. Br. Lorenz Altenbach von Rodersdorf, 11. Juli 1823.
P. Aemilian Gyr von Einsiedeln, 15. Oktober 1826. Br. Alois Altermatt
von Mümliswil, 15. Oktober 1826. P. Beda Gschwind von Metzerlen,
24. August 1828. P. Fintan ab Hirt von Säckingen, 24. August 1828.
P. Ildephons Müller von Liebensweiler, 24. August 1828. Fr. Joh.
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Chrysostomus Altenbach von Rodersdorf, 24. August 1828. P. German !
Monerat von Vermes, 16. Mai 1830.
4
Dieser war der letzte Konventual von Beinwil-Mariasteiiu der j
auf die Namen der hl. Vitalis und Marcellus die Profeß gemacht. !
Warum dies unterlassen wurde ? j
Die Reliquien der beiden Heiligen wurden stets in hohen Ehren j
gehalten. Die großem Teile, wie Haupt-, Arm-, Bein-, Rippenknochen }
wurden kunstvoll und reich gefaßt und auf den Altären des hl. Sebastian j
und der hl. Agatha neben dem Chorgitter ausgesetzt. Nach der Restau¬
ration der Kirche in den dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts aber
fanden sie ihren Platz in der Mensa der Altäre, wo sie heute noch vom
Volk verehrt werden.
Am 19. Juli 1651 überbrachte P. Vincenz Fink dem Kloster
St. Gallen drei größere Partikeln der Reliquien des hl. Vital und erhielt
dafür von St. Gallen Reliquien des hl. Honoratus. Kleinere Partikeln
wurden verschenkt, oft bei der Konsekration von Altären in die
Sepulchra verwendet; so stellt der Weihbischof Caspar Schnorff 1686
einen Attest aus, solche für den Choraltar in Metzerlen in das
Sepulchrum eingeschlossen zu haben. Als im Jahre 1829 der Altar
abgebrochen wurde, übertrug Abt Placidus diese Reliquien in den Altar
der Josephskapelle nach Mariastein. Am n. April 1737 wurden von |
Abt Augustinus Glutz Reliquien der hl. Vitalis und Marcellus
verwendet bei der Weihe des Gnadenaltares in der unterirdischen
Kapelle.
Ein Dekret oder Indult für die öffentliche Verehrung der beiden i,
Heiligen Vitalis und Marcellus kann allerdings nicht beigebracht :
werden ; aber jedenfalls ist das Fest der Heiligen nicht auf unerlaubte :
Weise eingeführt. Dafür bürgt die schweizerische Benediktiner- j
kongregation und die kirchliche Gesinnung der beiden frommen Äbte (
Fintan Kieffer und Augustin Rütti. Es ist anzunehmen, daß Mariastein j
durch die schweizerische Benediktinerkongregation von der Riten- j
kongregation die Einsetzung des Festes erwirkt, oder daß dasselbe doch i
wenigstens approbiert und erlaubt wurde, ohne ein spezielles Instrument •;
zu erhalten. In jener Zeit wurde von der Kongregation so stark auf
die Beobachtung der kirchlichen Dekrete gedrungen, und nur kurz
vorher wurden verschiedene Erlasse punkto Kalendarien und Festt
erlassen. So am 8. April 1628 das Verbot, das Calendarium zu erweitern
und neue Officien und Messen einzuführen. (Psalterium Campid.)
Am 23. März 1630 wurde von der Ritenkongregation verordnet, daß
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nur solche Heilige als Patrone erwählt werden dürfen, die von der
ganzen Kirche als Heilige verehrt werden.
Dazu kommen die Statuten der schweizerischen Benediktiner¬
kongregation, welche anno 1636 approbiert wurden, und diese mußten
alle Jahre wenigstens einmal am Tische vorgelesen werden. Darin
heißt es ausdrücklich im 8. Kapitel: die Klöster unserer Kongregation
sollen sich hüten, Feste der Heiligen zu feiern, welche nicht von der
Kirche approbiert sind, auch sollen von ihnen keine Officien gebetet
werden, welche sich der Approbation nicht erfreuen. (Einsiedler
Stifts-Archiv, Manuscript.)
Aus all dem ist zu schließen, daß entweder der Ordinarius in Basel,
der Abt von Mariastein, die ganze schweizerische Benediktiner-Kongre¬
gation und unzählige andere durch die Einführung des Festes der
hl. Vital und Marcellus in jener Zeit sich gröblich und schwer gegen
den der Kirche schuldigen Gehorsam verfehlt hätten, oder aber, daß
das ganze Officium, wie man annehmen darf, durch das neue Kalen¬
darium von Abt Augustin Rütti der schweizerischen Benediktiner¬
kongregation und durch sie der Ritenkongregation unterbreitet und
dann von dieser ohne spezielles Instrument approbiert und rechtmäßig
eingeführt worden sei. 1 Daß Abt Augustin Rütti sich diesbezüglich
an die kirchlichen Vorschriften gehalten hat, geht daraus hervor, daß
er im Jahre 1684 ein neues Proprium S. Vincentii einführte, dasselbe
aber vom Ordinarius approbieren ließ. Es ist nicht anzunehmen, daß
der Bischof von Basel und der durch seine Frömmigkeit bekannte
Fürstabt Pius von St. Gallen und der Abt Augustin Rütti zu solchem
Ungehorsame gegen die Kirche fähig gewesen wären.
Am 11. August 1691 erließ die Ritenkongregation ein Dekret,
nach dem von keinen Heiligen mehr das Fest mit Officium gefeiert
werden durfte, wenn der Heilige nicht im Martyrologium Romanum
eingereiht ist, oder wenn nicht ein spezielles Indult gegeben wurde.
Von dort an kam der Brauch auf, daß man, an Stelle der eigenen Feste
mit Officium und Messe, einfach unter Beibehaltung der äußern Feier
die einfache Commemoration machte. Ob das genannte Dekret vom
11. August 1691 nicht nach Mariastein kam, oder ob man glaubte,
das Fest sei durch jahrelangen Gebrauch eingeführt, bleibe dahin¬
gestellt ; jedenfalls ist sicher, daß die Obern von Mariastein dieses Fest
nicht sogleich aus dem Officium eliminierten.
1 Auch bei Einführung der neuen Brevierreform 1917 kam nicht ein spe-
zielles Approbationsinstrument ; das Calcndarium wurde einfach approbiert.
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2 &>
Anno 1745 wurde das Fest noch gefeiert, wie aus einem gesche¬
henen Proprium, das zu einem anno 1742 in Einsiedeln gedruckter
Missale gehört, hervorgeht. In diesem Proprium, das 1743 angetan?«
wurde, ist am 31. August das Fest der hl. Vitalis und Marcellus vor¬
gemerkt, am Schlüsse aber ist die ausführliche Messe geschrieben uni
die Jahrzahl 1745.
Nach und nach fing man doch zu zweifeln an, ob wohl die Feier
dieses Festes mit dem Dekrete vereinbar sei, und man unterdrückte,
weil kein spezielles Indult zu finden war, das Fest der hl. Vitalis und
Marcellus. Ja, man unterließ nach und nach die Commeraoration, die
erlaubt gewesen wäre. Nach der Revolution schien die Verehnmr,
wenigstens die innere, wieder zuzunehmen, indem von 1811-1830,
wie oben schon gezeigt wurde, alle auf diese Namen Profeß abgcl^t
haben. Von 1830 an unterblieb bis auf den heutigen Tag jeglich«
äußere Verehrung. Die Gebeine der Heiligen ruhen immer noch u
der Mensa der beiden schon angeführten Altäre des hl. Sebastian und
der hl. Agatha.
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Karl Borromeo
und das Stift St. Gallen
Von Joseph MÜLLER.
(Fortsetzung und Schluss.)
EXKURSE.
1. Die St. Galler Tradition Aber den Besuch Borromeos. —
Das Karlstor.
Die St. Galler Tradition über den Besuch Borromeos liegt in
dem 1604 vollendeten, von Metzler eigenhändig geschriebenen Konzept
seiner Chronik vor, die in Band 181 des Stiftsarchivs auf uns gekommen
ist. Hier heißt es : (Othmarus hospitio excepit) «inprimis beatum
illura Mediolani archiepiscopum Carolum cardinalem Borromaeum,
qui ad divum Gallum cum pervenisset didicissetque oppidum a catho-
lica fide alienum, noluit pedem in eo ponere, sed portam novam, quam
Othmarus nuper aperuerat, licet ea nemo alius uteretur, pandi voluit,
ut intrare per eam et exire demum posset. In coenobio die tota substitit
sanctimoniaque sua Othmarum et patres illustravit. Cum Othmaro
de heresibus convellendis et extirpandis multis egit. Testes literae,
quas ad eundem Othmarum non multo post dedit et ita sese habent. *
Darauf fügt Metzler den Wortlaut des Briefes vom 29. August 1570 an.
Eine zweite Fassung von Metzlers Chronik liegt vor in Msc. 1408
der Stiftsbibliothek. Es ist eine teilweise korrigierte Kopie von der
Hand P. Marian Buzlins aus dem Jahre 1613 mit einzelnen Rand¬
bemerkungen von Metzlers Hand. Sie gibt den obigen Text in Bezug
a uf das Karlstor völlig gleich wieder, bezüglich des weitern mit folgen¬
den kleinen Abweichungen : «In coenobio die tota et amplius substitit.
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Cum Othmaro de heresibus convellencfis extirpandisque multis egit. (
Testes horum litterae. * Zu « substitit * fügte Metzlers Hand am Rande j
bei: « Stetit in abbatis loco in choro, missam in altari maiori celebravit. *
Außerdem wurde in diese zweite Fassung von Metzler der Brief Borro¬
meos vom 7. März 1573 aufgenommen. Die Verbindung zwischen dem
ersten und diesem zweiten Schreiben wurde durch eine kurze Kommen¬
tierung geschaffen, wobei Metzler die Kanonisation Borromeos einfügtt
mit der Bemerkung, sie sei « me etiam inspectante » vom Papst Paul V. I
vorgenommen worden. 1 In dieser Form, wobei die obige Randbemer¬
kung als solche verblieb, ging die Erzählung in die Reinschrift der
Metzler’schen Chronik in Band 182 des Stiftsarchivs über.
Um 1660 stellte P. Chrysostomus Stipplin in Band 194 die Notizen
zur Lebensgeschichte seines Urgroßonkels 2 Abt Bernhards II. zu- |
sammen. In den Bemerkungen zum Jahre 1570 führt er die Erzählung j
Metzlers wörtlich an, mit zwei Erweiterungen. Karl hat nach ihm i
« monasterium sanctimonialium ad S. Georgium visitavit ; de mensula j
•
sanctae Wiboradae pro reliquiis sibi secaturam assumpsit. Foveam ]
eiusdem sanctae martyris extensis brachiis orando honoravit. * Ferner i
fügt er bei: «Cum Othmaro abbate de reformatione (brevi secuta), !
de heresibus e territorio saltem veteri convellendis exterminandisque \
%
multis egit ; ac demum auxilium in terris et caelo suum pollicitus - t
abiit. Videantur eiusdem sancti epistolae, hoc et aliis annis datae. J j
Wie man ersieht, ist Tradition die Erzählung betreffend des Karl$-
tores und der Zeit, während welcher sich Borromeo in St. Gallen aui-
hielt. Dieser von Metzler aufgezeichneten Überlieferung fügte Stipplin
noch jene vom Besuche der kleinen Beginenniederlassung in Sankt ■
Georgen 4 bei. Was über die Verhandlungen mit Abt Otmar berichtet 1
wird, hat Metzler den gleichzeitigen, auch uns noch zugänglichen j
Quellen entnommen. Metzler, der 1593 die Profeß ablegte, ist freilich j
1 Stiftsbibi. Msc. 1408, S. 683 f. Zwischen etiam und inspectante steht eine
() ; die zwei bis drei Worte, die dort gestanden haben, sind vollständig unkenntlich
radiert.
1 So ist die Angabe Scheiwilers, Zur Vorgeschichte Abt Bernhards II. von
St. Gallen, in dieser Zeitschrift, II. S. 81, der Schreiber sei der Neffe gewesen, ru
korrigieren. S. dazu den von Stipplin, ebenda, S. 9 f. gegebenen Stammbaum
Bernhards wie seiner eigenen Familie. Margarita Müllerin, soror germana unica
Bernhards, war die proavia matema Stipplins.
3 Ebenda, S. 14.
4 Als Benediktinerinnen 1654 erwähnt (s. diese Ztschr. oben S. 167) erhielten
die Schwestern erst 1696 «das schwarze Velum » und die Oberin den Titel
Priorin. Bd. 1927, unpaginiert.
1
f
t
1
*
*
1
*
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r
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nicht Augenzeuge des Besuches Borromeos gewesen ; daß der Kardinal
in St. Gallen aber nicht ganz vergessen war, ersehen wir aus den 1638
zusammengestellten Lebensbeschreibungen st. gallischer Konventualen.
Bei dreien, P. Heinrich Forer, f 1607, P. Benedikt Pfister, f 1611,
und P. Mathias Murer, f 1613, wird ausdrücklich erwähnt, daß sie
von dem Besuche Borromeos erzählten. 1
Der Rorschacher Vertrag vom 13. September 1566 hatte prin¬
zipiell dem Kloster ein eigenes Tor durch die Stadtmauer zuge¬
sprochen, aber ihm zugleich während des Tages die Tore und Straßen
der Stadt zu gebrauchen Vorbehalten. Der Wiler Spruch vom 20. Sep¬
tember, der die Sonderung von Stadt und Stift durch die Mauer um
den Klosterbezirk vollendete, hatte verfügt, daß der Abt das ihm zu¬
erkannte Tor erst durch die Ringmauer brechen dürfe, wenn die neue
Schiedmauer vollendet sei. Und weiterhin durfte der Abt «in dry
jaren den nechsten » an sein neues Tor kein Wappen hauen noch malen
lassen. Am gleichen Tage, 13. Oktober 1567, da der Magistrat sein
Tor durch die Schiedmauer zwischen Stadt und Kloster des Nachts
zum ersten Mal schloß, ließ der Abt provisorisch die Ringmauer gegen
die Steinach durchbrechen ; « darmit ist man nit ir gefangner worden * 2 .
Es war damals beabsichtigt, im Frühling mit dem Bau des Tores zu
beginnen s ; doch kam die Klosterbauleitung im folgenden Jahre unter
Kaspar Dietschi von Schwyz nur dazu, die Vorbereitungen hiezu zu
treffen. 4 Mittwochs nach Ostern, den 13. April 1569, wurde «thurn
1 Forer : « In monasterio praesens S. Carolum Borromaeum ad S. Gallum
venientem videre meruit.» Pfister: « S. Carolum_in S. Gallo vidit et gavisus
cst ipsius benedictione accepta. » Murer, der eben am 21. April 1570 seine Profeß
abgelegt hatte : « S. Carolum Borromaeum in S. Gallo vidit eique ministravit. »
Bd. 256. S. 175, 178, 182.
a So sind die Angaben bei Näf, Chronik, S. 240, zu korrigieren. Bei
Hardegger, a. a. O., S. 58, ist der Druckfehler, der Abt habe 750 Werktage
für seinen Mauerteil aufgewendet, in 150 zu verbessern.
* « Es hat ouch hievor uf ermclten 13. tag Octobris ir gnad ein verloren
thor durch die alten ringmur im hofgarten by Bartholome Koblers hus brächen
lassen, darmit ist man nit ir gefangner worden, bis uf den früling (zü erbuwung
des rechten gotzhus thor, das dasclbig ouch gemacht worden ist, zü allerhand
noturft des buws) zü gebruchen. » Bd. 1013, f. 235a /.
4 In der Rechnung, die Dietschi am 25. Februar 1569 ablegte, heißt es:
» Und erstlichen von wegen des nüwen thors, so im boumgarten gemacht werden
sol und andern züfelligen büwen im gotzhus Sant Gallen », wozu als Gesamtsumme
angegeben ist 976 fl. 9 batzen 7 y t Bd. 305, S. 569-71. Die von Hardcgger,
a. a. O., S. 59, als Endsumme angegebenen Kosten von 994 fl. — diese Zahlen
kann ich nicht finden — ist somit ziemlich genau die Summe, welche die Vor-
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und thor, sambt den bruggen und Strassen * zu bauen angefangen
und der erste Stein « an disen thurn * gelegt; für Dietschi, der zum
Vogt von Blatten vorgerückt war, wird in der bezüglichen Urkunde
Karl Briegel als Baumeister genannt. Dieser hatte natürlich nur die
Rechnungsführung ; an letzter Stelle steht auf der Urkunde der Namt
Meister Kaspar Grafs, genannt Lindenmann, Steinmetz und Bau¬
meister, in welchem demnach der Bauführer und Architekt des Tores
zu suchen ist. 1 Über die Vorbauten gegen die Steinach und die Zu¬
fahrten ergaben sich aber Anstände mit der Stadt, die erst durch die
«Erläuterung* vom II. August beglichen wurden*, so daß im Jahre
1569 die Bauten kaum über die Wölbung des Tores und den nun
gestatteten Zwinger hinausgekommen sein dürften. Sicher ist, daß
1570 noch am Tore gebaut wurde. In der Rechnung des Weinschenken
Peter Sailer für dieses Jahr findet sich sehr oft der Vermerk: «gab
der winschenk Carlin an buw. * Die erste diesbezügliche Eintragum:
hat das Datum vom 17. Januar, die letzte jenes vom 27. August;
das beweist, daß während des Winters Vorbereitungen getroffen wurden
zum Bau, der im Sommer weitergeführt und wohl auch vollendet
worden ist. * Unter den Vorbereitungen wird man an die schöne
Skulptur denken dürfen, die heute noch die Zierde des Tores ist, die
wertvollste, die aus dem St. Gallen der damaligen Zeit in unsere Tage
hinübergerettet wurde. Sie trägt die eingemeißelte Jahrzahl 1570
mit vollem Rechte. Seit dem Wiler Spruch vom 20. September 1566,
bereitungen zum Bau erforderten. Von Briegel existiert keine Rechnung, so daß
wir die Gesamtkosten nicht kennen.
1 Bd. 1013, f. 2376 ff. So sind die Angaben bei Hardeggtr zu verbessern.
Jakob Althcer ist in der Urkunde nicht genannt; dagegen erwähnt ihn Dietschi j
unter den Ausgaben für die Steinmetzen als Meister mit« sinen gesellen •. Bd. 305, j
Seite 537. j
* Rorschacher Vertrag, Wiler Spruch und Erläuterung, Urk. V1-A56;
V2-A57, 61. Daß der hauptsächlichste Streitpunkt der Erläuterung das Tor ,
betraf, geht aus der Notiz über den fürstlichen Rat vom 4. August hervor: * des i
thors halb ist der gestelt articul gegen der statt Sant Gallen angenomen. soll
zugesagt werden, doch noch mit Barthlome Koblern abkomen », während übrr •
die weitern Artikel nichts vermerkt ist. Bd. 850, f. 57 a. ;
* Zu dem Eintrag vom 14. Juli macht der Weinschenk die Randbemerkung:
« Nota khört dem Karli in ain nüwe rechnung. » Ich nahm mir die Mühe, die
verschiedenen Posten, die den im Text genannten Vermerk ausdrücklich auf- ,
weisen, zusammen zu addieren ; sie ergaben bis zum 14. Juli 1871 fl., von da bis ■
zum 27. August 349 fl., total 2220 fl. Mindestens die 1871 fl. sind meines Erachtens .
zu den obigen 976 fl. der Rechnung Dietschis zuzuzählen, um einen etwekben ,
Überblick über die Kosten des Tores zu gewinnen. Bd. 306, S. 13-19. 1
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• — 285 —
in dem bestimmt worden, es « solle ein herr von Sant Gallen in dry
jaren den nechsten an solich nüw thor kein wappen howen noch malen
lassen *, waren vier Jahre verflossen. Jene Beschränkung aber mag
Abt Otmar angeregt haben, sein Wappen in der kostbaren Umrahmung
des « großen, wundervollen Reliefs » anzubringen. 1
So war Karl Borromeo der erste, der nach der Vollendung der
Torbaute diese am Tage benützte. In erster Linie im Rorschacher
Vertrag zuerkannt, um dem Kloster des Nachts einen Zugang zu ge¬
währleisten, der von jeder Belästigung der Stadt ungehindert sei,
war in der Erläuterung von 1569 bestimmt worden, daß der Abt das
Tor Tag und Nacht nach seiner Gelegenheit auf- und zumachen könne.
Aber das Kloster legte Wert darauf, von der andern Verfügung des
Rorschacher Vertrages Gebrauch zu machen, die Stadttore tagsüber
wie bisher zu benützen. Als im Juli 1569 die beiden Gemeinden Strau-
benzell und Gaiserwald zur Waffenschau nach St. Fiden «durch die
statt Sant Gallen ziechen sollen und müesSen *, hatten sich die Haupt¬
leute der Gemeinden bei dem Rate um den Durchzug beworben ; sie
erhielten jedoch deswegen auf der fürstlichen Pfalz einen ernsten Ver¬
weis, da man die Stadt in Friedenszeiten hiefür zu begrüßen nicht
verpflichtet sei. 2
So erscheint es ausgeschlossen, daß Borromeo von Seite des
Klosters auf das neue Tor aufmerksam gemacht wurde, das unmittelbar
durch die Stadtmauer in den Klosterbezirk führte. Dem Wege, den
der Kardinal von Lichtensteig nach St. Gallen einschlagen mußte,
•war das Tor direkt entgegengesetzt. Dieser Weg führte zum Multertor.
Auch erzählt Giussano in seiner Biographie Karls, daß die protestantische
Bevölkerung den Kardinal auf seiner Schweizerreise sehr geehrt habe.
1 S. die Abbildung des Tores bei Wymann, Kardinal Karl Borromeo, S. 61, die¬
jenige der Skulptur bei Schlotter, Das Stadtbild St. Gallens, in Die Stadt St. Gallen
und ihre Umgebung, eine Heimatkunde, I, S. 356, und noch größer und schärfer
als Titelbild bei Hardegger, a. a. O. Zu den Ausführungen vgl. Hardegger, S. 60,
und Schiatter, S. 357. Trotzdem nach dem chronologischen Verlauf des Baues
die Jahrzahl 1570 vollständig einwandfrei ist — Schiatter wie Hardegger haben
Dietschis Rechnung von 1568 irrtümlicher Weise für die abschließende Bau¬
rechnung gehalten — möchte ich dennoch Hardeggers Bemerkung, « daß wir es
nicht mit einem Werk aus einem Guß zu tun haben », beistimmen, aber so, daß
doch wohl der ganze obere Teil, nicht bloß das schwere gotische Abdeckgesimse,
eine andere künstlerische Handschrift aufweist als der mittlere Teil mit den schönen
R en aissancefiguren Galls und Otmars. Sollte es sich nicht lohnen, daß das Relief
von einem Kunsthistoriker stilistisch untersucht würde ?
* Bd. 850, f. 56a.
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«ebnermaßen die uncatholischen bey Sanct Gallen ..... zumaln ab
der heilige Carolus durch selbige stett wandlete, alles volk, mans und
weibs personen zugeloffen, in sambt den seinigen im durchzihen zu
besehen und zu ehren ». 1 Anstatt daß man Borromeo mit seinem
Gefolge, um durch das neue, eben erst vollendete Tor in das Kloster
zu gelangen, ohne die Stadt zu betreten, — auf ihrem Gebiete war
man doch! — um die ganze Stadtmauer herumreiten läßt, kann
vielleicht durch eine Kombination mit Stipplins Überlieferung vom
Besuche des Frauenklösterleins St. Georgen eine bessere Lösung
gefunden werden. Entweder ist Karl in St. Georgen eingekehrt, bevor
er in das Kloster einzog ; die Erläuterung von 1569 bezeichnete genau
den Weg, der vom neuen Tore aufwärts gegen das Müllertor führte
und die Steinach überquerte. Oder aber der Kardinal hat, nachdem
er auf dem gewöhnlichen Wege durch die Stadt in das Kloster ein¬
gezogen war, von da aus St. Georgen besucht. In diesem Falle hätte
seine Bitte, das neue Tor zu öffnen, kaum eine Spitze gegen die prote¬
stantische Stadt bedeutet, wohl aber eine Mahnung an den Abt, sich
von dem bemerkten Umgänge mit den städtischen Honoratioren,
wo solcher nicht notwendig war, zurückzuhalten. Das würde auch
mit der Bemerkung Borromeos in seiner Informatioo übereinstimmen.
Irrtümlich ist die Meinung, das Tor habe unmittelbar nach dem
Besuche Borromeos den Namen « Karlstor * erhalten. * Es hieß von
Seite des Stiftes « das neue * oder « das Gotteshaus-Tor * *, von Seite
1 In der wohl 1615 — das Titelblatt mangelt in beiden Exemplaren der Stifts-*
bibliothek — von dem Arzte des königl. Stiftes Hall, Hippolit Guarinoni heraus¬
gegebenen Übersetzung Giussanos S. 185. Bei Rubeus-Oltrocchi, Sp. 206 mangelt
zwar die Stelle ; allein der Hinweis Steffens, Einleitung a. a. O., S. 320. Anm. 3.
auf Giussanos Autograph zeigt, daß Guarinoni diesem hier näher steht als Rubens.
a So Näf, a. a. O., S. 240, nach dem es « die Benennung St. Karlsthor • von dem
Abte Otmar erhalten hätte. Aber auch Hardegger, S. 59, und Schiatter, S. 357.
scheinen dieser Meinung zu sein. Von Arx, S. 101, Anm. a) drückt den Werdegang
des Namens viel vorsichtiger aus.
s Bei der Fronleichnamsprozession 1572 war der erste Segen beim « nüwen
brüderhuß », von dort ging man « biß zum nüwen thor.» Bd. 306, S. 237. In der
Urfehde Klaus Heers von Rorschach vom 5. Mai 1572 heißt es: t das ich ver-
schiner zit ofienlich geredt .das graf Hanibal zu der Höchen Emps selbs
dritten durch das dorf Rorschach in sondersiechen klaider uf Sanct Gallen rti-
gangen und daselbs zü Sanct Gallen zü des gottshus nüwen thor durch wolgenants
mins gnedigen herren portner haimblicher wyß ingelassen worden. » Bd. 106;.
S. 252. Zum 4. Februar 1575 wird im Gerichtsprotokoll Bd. 1065. f. 125 a bemerkt :
" Hainrich Rosenberger ist in gfengknus uf die Pfaltz inzogen und damach luth
des Vertrags zu Wyl im 66sten jar zü des gotzhus thor us durch der statt glicht
gen Sant Fida gefüert worden. »
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der Stadt und auf den Stadtplänen « des Abts Tor ». Nicht nur der
Chronik Metzlers, sondern auch noch Stipplin ist 1660 die Bezeichnung
Karlstor unbekannt; selbst die 1681 niedergeschriebene Chronik
Schenks braucht den Namen nicht. Doch war er damals in der Um¬
gangssprache des Klosters gebräuchlich. Denn die im gleichen Jahre
anfgestellte Läuter-Ordnung für das Gotteshaus St. Gallen gibt als
den Platz des zweiten Fronleichnams-Altares an «bey St. Carlins
thor». 1 1689 schreibt P. Leodegar Bürgisser, der spätere Abt, an
Cölestin I. in einem nur amtliche Geschäfte enthaltenden Briefe von
der «minor portula ad S. Carolum bey der Haberdery ». 2 In die ge¬
schichtlichen Darstellungen des Stiftes ging die Bezeichnung über
durch eine 1714 in der Exilszeit purgierte Äbte-Chronik Vadians,
die bis auf Abt Bernhard II. fortgesetzt wurde. 3 Von Arx hat dem
Namen «Karlstor» dann allgemeine Geltung verschafft. Aus der
Darstellung der Metzler'schen Chronik über die Benützung des Tores
nach der Heiligsprechung Karls entstanden und für den täglichen
Umgang zugeschliffen ist die Bezeichnung « Karlstor * aus der « Volks¬
sprache > des Klosters in die Geschichtsschreibung zurückgewandert
und durch sie zur heute allein gebräuchlichen geworden.
2. Zur Wegroute der Schweizerrelse Borromeos.
Über die Reiseroute Karls besteht nach den Aufklärungen, die
erstmals Wymann gab 4 , sowie besonders nach den Ausführungen
Steffens 6 keine Unsicherheit mehr. Gegenüber D’Alessandri • wird
man mit Steffens, gestützt auf Forneros Zeugnis, für den Aufenthalt
in Luzern zwei Tage, resp. Nächte, den 22. und 23. August, rechnen.
1 Bd. 383, S. 56.
* Bd. 320, S. 612.
3 Bd. 199, II, S. 567: «Im jar 1570 kam der heilig Carle Cardinal gen
St. Gallen ; damit er die statt nit betreten müß, wie er begehrt hat, ward ihm die
newe porten oder thor, so noch nit vollenz ußgebawen was, geöffnet, und durch
dieselbe in und ußgefüehrt, dannenher es noch heut by tag zue dessen angedenken
St. Carlis thor den namen behalten hat. » Ich halte dafür, daß die Bemerkung,
das Tor sei noch nicht vollendet gewesen, auf keiner ursprünglichen Quelle beruht,
sondern aus Metzlers Bemerkung «licet ea nemo alius uteretur » kombiniert wurde.
4 Wymann, Der heilige Karl Borromeo und die Schweiz. Eidgenossenschaft,
Seite 19 f.
* Reinhardt-Steffens, Einleitung, S. 317 ff.
6 a. a. O., S. 156.
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Am 24., der als Tag des Apostels Bartholomäus ein Feiertag war,
zelebrierte Borromeo die heilige Messe in der Hofkirche ; der Feiertag
erklärt wohl auch die Austeilung der Kommunion, die Fornero aus¬
drücklich erwähnt.
Gegenüber Fomeros Bericht hat Steffens, gestützt auf einen Brief
des Abtes Heer vom 1. September, angenommen, Borromeo habe
Einsiedeln auf dem Hinwege nach Hohenems besucht; ihm hat
Wymann 1 rückhaltlos beigestimmt. Die Nachtquartiere der Reise
wären darnach: 24. August Zug, 25. Einsiedeln, 26. Lichtensteig
27. St. Gallen, 28. Rorschach, 29. Hohenems, 30. unbekannter Ort
zwischen Hohenems und Schwyz, 31. Schwyz, 1. September Altdorf.
Man kann sich fragen, ob in Zug und in Rorschach wirklich übernachtet
wurde, da Einsiedeln wie Hohenems in einem Tage von Luzern, resp.
von St. Gallen aus, erreichbar waren. Will man aber in ttberein-
stimmung mit der Tradition die Erwähnung dieser Orte bei Fornero
als Nachtquartiere auffassen, so ergibt sich für den Aufenthalt in Hohen- I
ems kaum ein knapper Tag. j
Hält man dagegen, am Berichte Fomeros fest *, daß Einsiedeb j
auf dem Rückwege besucht wurde, so ergibt sich folgende Reiseroute. •
resp. Nachtquartiere : 24. August Zug, 25. Lichtensteig, 26. St. Gallen ;
27. Rorschach, 28. und 29. Hohenems, 30. Einsiedeln, 31. Schwyz, ;
1. September Altdorf. Hält man die Wegstrecke Hohenems-Einsiedeln ;
für zu groß für einen Tagesritt, so mag man nach einer Andeutung j
im Briefe Karls an Abt Otmar 3 für den Abend des 29. August an Feld¬
kirch denken ; es bleibt dann noch für den Hohenemser Aufenthalt
bedeutend mehr Zeit als nach der ersten Annahme.
Was speziell den St. Galler Aufenthalt betrifft, so spricht die >
Bemerkung Metzlers, der Kardinal habe sich einen ganzen Tag und j
mehr im Kloster aufgehalten, sowie das Mitreiten Abt Otmars nach
Rorschach 4 ausdrücklich für die Auffassung, Fornero habe mit dem
Aufenthalte in dem zweiten Benediktinerkloster am Bodensee das
Nachtquartier in Mariaberg bei Rorschach gemeint. Die Zuger Lokal¬
tradition 6 spricht ebenso dafür, daß Fomeros Bericht über Zug im
1 Wymann, Kardinal Karl Borromeo in seinen Beziehungen zur alten Eid¬
genossenschaft, S. 227 und 229, Anm. 2.
, 2 Bei D’ Alessandri, a. a. O., S. 157 f.
8 S. Beilage VI.
4 D’ Alessandri, S. 160.
6 Schumacher, Kath. Schweizerblätter, 1885, S. 461.
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gleichen Sinne aufzufassen ist, wie seine Bemerkungen über Schwyz
die sonst wenig glaubwürdige Schwyzer Überlieferung 1 stützt. Man
möchte darnach versucht sein zu glauben, Fomero, der ausdrücklich
; bemerkt, er habe auf dieser Reise als Dollmetscher gedient, gebe die
.Nachtquartiere der Reise an, resp. jene Orte, wo nach seinen Notizen
der Sitte der Zeit gemäß Trinkgelder auszuzahlen waren.
Zum vornhinein wäre es auffällig, wie Fomero sich gerade beim
Einsiedler Aufenthalt irrte. Sollte daher nicht eher versucht werden,
ob der Brief Abt Heer’s nicht eine andere Deutung zulasse als Steffens
ihm gegeben hat. 2 Der Brief ist vom 1. September datiert. Nichts
hindert eventuell anzunehmen, das Pferd sei tags zuvor, da Borromeo
von Einsiedeln nach Schwyz reiste, zurückgesandt worden und man
habe daraus, vielleicht auch aus Äußerungen Borromeos, der von dem
Gnadenbilde tief ergriffen war, geschlossen, er werde von Schwyz
nochmals nach Einsiedeln zurückkehren. Es war ja keine Unmöglich¬
keit, in einem Tage von Einsiedeln bis Altdorf zu gelangen. Durch
die Reiseroute Zug-Lichtensteig für den 25. August wird es auch einzig
möglich, die überraschende Nachricht im Autograph Giussanos unter¬
zubringen, Borromeo habe auf seiner Reise Zürcher Gebiet durchquert
und sei dort in einer Ortschaft offiziell mit der Weinspende beehrt
worden. Steffens, der diese Nachricht richtig auf Wädenswil lokali¬
sierte 3 , hat sich selbst berichtigt, daß sie in die Reiseroute Zug-Ein-
siedeln-Lichtensteig nicht paßt. 4
Als Borromeo von Lichtensteig kommend schon frühzeitig am
26. August in St. Gallen eintraf, wurde dort noch ein zweiter Gast
mit Gefolge erwartet, Graf Heinrich von Fürstenberg, mit dem Abt
Otmar sich soeben in der Badekur zu Fideris angefreundet hatte. 6
Das läßt die Bemerkung Karls in seiner Information, Abt Otmar gebe
beinahe alle seine Einnahmen für Gastereien aus, als aus eigener Be-
1 Faßbind, Geschichte des Kantons Schwyz, IV, S. 408.
* S. den Text bei Reinhardt-Steffens, Einleitung, S. 319, Anin. 2.
* Ebenda, S. 320, Anm. 3.
4 Ebenda, in den Nachträgen, S. 419.
* « Jacob Lassmichnit» von Bcmhardzell bekennt ,« alsdann uf sambstag
den sechsundzwaintzigisten tag des monats Augusti (1570) .... der wolgeborn
herr graf Hainrich von Fürstenberg uß dem bad Fideris reisende hochgedachten
minen gnedigen fürsten ... in iro gotzhus Sanct Gallen fründlicher wiß haim-
gesucht », habe er am Abend dem Marchstaller, als er die Pferde versehen, einen
Dolch mit silberner Scheide « uß dem stall in der Fryhait entwert.» Bd. 1067,
Seite 241.
REVUE D'lUSrOIRE ECCI.fcSIASTlyUE 19
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obachtung stammend erscheinen, wie es auch möglich ist, daß d:r
Besuch Fürstenbergs den Abt veranlaßte, Honorationspersonen d-.r
Stadt in das Kloster einzuladen.
3. Das Datum der Reformatio monasterii Abt Otmars.
In seinen Ausführungen über die Reform im Kloster St. Gallen
erwähnt von Arx, Abt Otmar habe sich im Jahre 1573 mit dem Kapitn
einverstanden erklärt, eine völlige Lebensverbesserung vorzunehmir„
wozu er als Beleg die Reformatio monasterii Sancti Galli 1573 zitiert. 1
Ziegler hat diesen Hinweis übernommen und führt den Inhalt d-s
Dekrets in längerer Darstellung an. 2 Auf das gegebene Datum ver¬
trauend, machte Mayer darauf aufmerksam, wie Borromeo bei Ab'
Otmar sowohl schriftlich als mündlich seinen Einfluß ausübte, dam::
die Beschlüsse des Tridentinums im Stifte durchgeführt würden
«Deshalb *, fügte er bei, « verfaßte Otmar im Jahre 1573 Konstitu¬
tionen für den Konvent. » 3 In der Tat ! Wenn das Datum richtig is:.
haben wir in der Reformatio monasterii Abt Otmars eine deutlich-
und greifbare Wirkung des Besuches und der Vorstellungen Karl
Borromeos vor uns. Ja, wir könnten uns direkt fragen, ob nicht d-r
Brief Borromeos vom 7. März 1573 4 , dessen konfessionellen Forde¬
rungen nachzukommen Otmar durch die Politik Luzerns verwehrt
wurde, wenigstens für die Reform wirksam war, und ob das Schreiber,
vom 23. Juni gleichen Jahres, in dem der Kardinal den als Visitator
seiner Ordensklöster nach Deutschland reisenden Franziskaner Johann
Hieronymus Curtius dem Abte empfahl 5 , den letzten Anstoß zur Ab¬
fassung der Konstitutionen gegeben habe.
Von Arx wie Ziegler haben den Klosterdruck der Reformatio
benützt. 9 Dieser verzcigt unter dem Titel als Datum die Worte:
•
1 Von Arx, III, S. 114.
2 a. a. O., S. 60-66.
3 Mayer , a. a. O., II, S. 156.
4 S. Beilage VIII.
5 S. Beilage IX. Der Name ist im gleichdatierten Empfehlungsschreiben
Borroincos an Luzern, bei Licbcnau, a. a. O., S. 68, genannt.
• Der Tomus ccclesiasticus des Zitats bei von Arx ist Bd. I des Stiftsarchivs
mit dem Titel Status ecclcsiasticus et monasticus, wo sich S. 537-552 die Refor¬
matio als Klosterdruck vorfindet. Ziegler benützte nach seinem Zitat S. 66 offenbar
das Druckcxcmplar der Rubr. 13, Fasz. 17.
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Anno Christi 1573. In dem Sammelband 369 des Stiftsarchivs, der
frühestens Ende 1621 zusammengebunden werden konnte, findet sich
auf fol. 179-211 die Reformatio geschrieben vor. Hier steht jedoch
nach dem sonst mit dem Drucke gleichlautenden Titel kein Datum¬
vermerk, wohl aber am Schlüsse f. 211a die Bemerkung : « Florinus
raptim et per otium collegit et scripsit *, die im Klosterdruck mangelt.
Das ist natürlich Florin Flerch. Nicht bloß das «scripsit *, sondern
auch der Vergleich mit Notariatsurkunden Flerchs 1 ergibt, daß wir
es hier mit seiner eigenen Niederschrift zu tun haben ; die Abfassung
und Zusammenstellung der Konstitutionen nimmt er selbst für sich
in Anspruch.
Im Konzept seiner Chronik in Band 181 schreibt Metzler von
Otmar: «Disciplinam monasticam coluit, unde et statutorem eius
copiae, quas ex Constantiensi synodo reversus fratribus observandas
dedit, hodie supersunt. » 2 Offenbar meint Metzler damit die « Refor¬
matio *, deren Abfassung er unmittelbar nach der Konstanzer Diözesan-
synode vom September 1567 ansetzt. Dieses direkte Zeugnis wird ge¬
stützt durch Textstellen der Reformatio. In der Einleitung wird Bezug
genommen auf den von der Stadt ausgeführten Klostersturm und
bemerkt, das sei vor ungefähr 40 Jahren geschehen. Auch wird die,
das Kloster von der Stadt trennende Mauer zwar als vollendet be¬
zeichnet, aber mit solchen Worten, daß man den Eindruck erhält, es
werde von einer soeben erst geschehenen Tatsache gesprochen. 3 Da die
Mauer im Jahre 1567 aufgeführt wurde 4 , entspricht eine Datierung
der Reformatio etwa auf 1568 den ungefähr 40 Jahren seit dem Kloster¬
sturm vom 23. Februar 1529 gewiß besser, als wenn sie mit dem Kloster-
1 Beispielsweise das Elektionsinstrumcnt für Abt Otmar, Urkunde A2-L1,
und das Kreditiv für Lussy, ebenda L2.
1 Die im Texte gegebene Fassung ist aus folgender von Metzler korrigiert
worden : « Disciplinam monasticam haud quaquam segniter coluit ; exstant statu-
torum eius copiae, quas ex Constantiensi synodo reversus fratribus observandas
dedit. Stiftsbibi., Msc. 1408 wie die endgültige Reinschrift hat nur : « Disciplinam
monasticam coluit. ■>
3 « Irruptioncm, devastationem et omnimodam intemitionem huius nostri
monastcrii per incolas huius oppidi ab annis plus minus quadraginta cis citraque
non semcl tentatam silentio praeterire satius existimamus, quam de lis pauca
dicerc. Et quoniam alio medio, quam ut ab iis, qui et animo et mente a nobis
dissident, secernamur, nostris rebus vix consultum fore perspeximus, habitadesuper
inter nos nostrumque conventum deliberatione matura, muro hoc valido et ele-
Ranti septa nostri monastcrii ab oppido adiacente seclusimus et scpcraviinus. »
Bd. I, S. 539. Ich zitiere der Einfachheit halber den Klosterdruck.
4 Näf, a, a. O., S. 240, und darnach Hardcggcr, S. 58 f.
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druck in das Jahr 1573 verlegt würde. Auch daß das Konzil von Trien:
als * neulich geschehen * Erwähnung findet *, kann nicht für 1573
sprechen.
Wohl existiert ein st. gallisches Zeugnis, das entgegen Metzle:
das Datum auf 1573 ansetzt. Stipplin schreibt nämlich in den ober
erwähnten Notizen zu Abt Bernhard II. vom Jahr 1573 : « Ex s. Carol:
Borromaei utique hortatu nobilem Othmarus noster abbas hoc anno
molitur reformationem illam tarn in capite quam in membris, uti
habetur in actis. »* Das kann nach der Wortstellung nur den Sinn
haben, die Reformatio sei bei den Akten, aber nicht, ihre Datierung
sei aus den Akten zu ersehen. Es läßt sich auch nachweisen, wie Stipplin.
der außerordentlich fleißig historische Nachrichten sammelte, aber
der den kritischen Sinn Metzlers nicht erreichte, die Datierung 1573
kombinierte.
In der Darstellung Metzlers über den Besuch Borromeos in
St. Gallen fehlt jeder Hinweis, daß dabei über die Klosterreform ver¬
handelt worden sei. Es bestand demnach in St. Gallen keine Tradition
darüber. Stipplin ist an der oben vermerkten Stelle der erste, der
davon spricht. Er hat es zweifellos aus Giussano kombiniert, dessen
zitierte deutsche Übersetzung die Reformtätigkeit Borromeos auf der
Schweizerreise noch weiter als Rubeus ausführt und ausdrücklich
St. Gallen als vom Heiligen besucht erwähnt. 1573 hat nach Stipplin
Abt Bernhard, zu dessen Verherrlichung er die Notizen sammelte,
erstmals in St. Gallen um die Aufnahme ins Kloster angefragt, um irr.
folgenden Jahre dann wirklich einzutreten. Hiezu gibt Stipplin der.
Wortlaut des Schreibens Abt Andreas von Ochsenhausen, der Heimat
Bernhards, vom 15. Oktober 1574 wieder, mit dem nach St. Galler,
über die « articul, deren ein noviz in derselben gotzhaus qualifizier:
sein mueß», geantwortet worden war. Stipplin fügt dem Briefe
kommentierend bei, man möge aus ihm ersehen « i°. Quanta hoc aevo
in monasterio nostro S. Galli viguerit disciplina. 2 0 . Quam accuratr
articuli pro suscipiendis novitiis olim a maioribus nostris decreti.
servandi et servati sint », als Beispiel, wie er meint, für uns, «ne tarn
facile in patrum nostrorum statuta dispensationem aliquam illabi
permittamus. » 3 Was lag bei diesem Hinweis auf die Konstitutionen
1 «Praesertim vero decreta sacri concilii Tridentini novissime celebrat;
volumus per nostros conventuales omnino observari. » Bd. I, S. 540.
2 Bd. 194, S. 16.
8 Ebenda, S. 25 ff.
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293
Otmars und der Kombination, Borromeo habe die Reform erwirkt,
für Stipplin näher, als das undatierte Aktenstück der Reformatio
auf 1573 zu datieren ? Gibt er doch zu 1571 und 1572 keinerlei Kloster¬
nachrichten, wohl aber fügt er zu 1573, dem ersten Jahre, in dem
irgend ein Berührungspunkt Bernhards mit dem Kloster aufzuweisen
war, den Katalog der Konventualen bei, die « vivebant hac tempestate
in St. Galli monasterio viri spectabiles et venerabiles. *
Stipplin, von dem nachzuweisen ist, daß er viele Archivalien
in der Klosteroffizin drucken ließ, ist es zweifellos auch gewesen, der
den Druck der Reformatio besorgte und ihr dort das Datum 1573
beifügte. Das «Annus Christi * kehrt in seinen Notizen über Abt
Bernhard in den Überschriften oftmals wieder. Bei der Abschrift für
den Druck sind die geringen Verschiedenheiten entstanden, die dieser
gegenüber der Niederschrift Flerchs aufweist. 1 Schenk hat die Refor¬
matio nach dem Wortlaute des Druckes vollständig seiner Chronik
einverleibt 2 , nur eines hat er nicht mit dem Drucke gemeinsam :
er gibt der Reformatio kein Datum. Auch Schenk, der seine Darstel- ,
lung möglichst aus den Quellen aufzubauen sucht, hat die Datierung
1573 nicht für vollwertig genommen, wie er ebenfalls an Stipplins
Bemerkung, die Reformatio mit Borromeo in Verbindung zu bringen,
stülschweigend vorüber gegangen ist.
Das alles darf uns bestimmen, an der ältesten Nachricht über
die Reformatio, sie sei im Anschlüsse an die Konstanzer Diözesansynode
entstanden, festzuhalten. Wie früher erwähnt, hatte Otmar, vereint
mit dem Einsiedler Abte Joachim Eichhorn, dort erklären lassen,
sie seien bereits über die Inkraftsetzung der tridentinischcn Beschlüsse,
1 In der Anrede « ob oculos tibi ponito miserabilem illum Lazarum » statt
des unrichtigen « posito » Flerchs ; « reduc ad memoriam pauperem illum Christum >
statt « miserum illum Christum ». Am Rande gibt der Druck Verweise für die
wörtlichen Bibelzitate, während Flerch diese Randbemerkungen meistens nur
für die Anspielungen auf Bibeltexte hat. Auch gebraucht der Druck häufiger
Alineas.-Mir schienen zuerst im Zusammenhang mit den statutorum copiae
Metzlers, diese Verschiedenheiten auf einen Text B zu deuten. Allein der Relativ¬
satz, der an copiae und nicht an statuta anknüpft, zeigt doch wohl, daß der Plural
nicht zu stark zu pressen ist. Für den Gang der Beweisführung ist es belanglos,
da die Übereinstimmung des Textes bei Schenk mit dem Drucke, ohne daß er die
Datierung annahm, dann höchstens zu deuten wäre, daß auch dieser Text B
keinerlei Datierung bot.
* Stiftsbibi., Msc. 1240, S. 543-576. In der in Band 188 des Stiftsarchivs
vorhandenen Kopie Schenks aus dem XVIII. Jahrhundert heißt es S. 314 anstatt
der Wiedergabe : « habetur impressa. »
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— 294 —
besonders über strengere Klausur und andere Fragen klösterlicher
Disziplin übereingekommen. Das sei auch, wurde beigefügt, « zum Teil»
schon ausgeführt. Flerch war es gewesen, der namens der Prälaten
diese Erklärung abgab. 1 Man geht daher mit der Annahme kaum zu
weit, die Reformatio sei für St. Gallen der schriftliche Niederschlag
jener Beratung der beiden Äbte und die Inswerksetzung des an der
Synode implicite abgelegten Versprechens. Das stimmte mit der
kurzen Formulierung Metzlers überein, Otmar habe die Statuten den
Kapitularen zur Beobachtung vorgeschrieben, als er von der Synode
heimgekehrt sei.
Damit scheidet die Reformatio Abt Otmars aus dem Rahmen
der vorliegenden Studie aus. Für die Darstellung der Reform in Sankt
Gallen aber behält sie umso großem Wert, als sie darnach ohne Ein¬
wirkung von außen entstanden ist. Dabei werden die sich aufdrängen
den Fragen, ob sie von Flerch auftragsgemäß verfaßt oder sein spon¬
tanes Werk sei, ob sie überhaupt zur Annahme und Durchführung
gelangte, zu beantworten sein ; auch wird dann das Verhältnis zu
bestimmen sein zu einem erhalten gebliebenen kurzen Entwurf, der
in Urkundsform gekleidet den Namen Abt Otmars aufweist, sonst
aber ebenfalls undatiert ist und Statuten enthält über Schüler- und
Novizenaufnahme und über die dem Armutsgelübde entgegenstehender,
testamentarischen Verfügungen der Kapitularen. 2
4. Notizen über die Verehrung des heiligen Karl Borromeo
ln St. Gallen.
Es kann sich hier nicht um eine zusammenhängende Darstellung
der Karlsverehrung in St. Gallen handeln. Dazu reichen die Notizen
nicht aus. Auch wird von einem eigentlichen Kulte des Heiligen
kaum gesprochen werden können. Doch mögen die Notizen so viel
zeigen, daß der große heilige Protektor der Eidgenossenschaft in der
Ostschweiz ebensowenig vergessen war wie in den innem Kantonen
Unmittelbar vor der Heiligsprechung gab Abt Bernhard II. seinem
Kapitularen P. Theodor von Jeukeren, den er verschiedener Geschäfte
1 Constitutioncs et deercta synodalia ; acta svnodi f. 261b. S. dazu Reinhard'
Steffens, a. a. O., S. 139.
* Bd. 306, S. 431 f.
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295
wegen nach Ita’ien gesandt hatte, den Auftrag, sich in Mailand um
Karlsreliquien für das Stift St. Gallen zu bemühen. 1 Jeukeren tat
dies mit Erfolg. Noch sind drei Authentik-Kopien über Karlsreliquien
vorhanden, die 1610 auf die Bemühungen Jeukerens hin an St. Gallen
abgegeben wurden. Die erste betrifft ein Stückchen Wolle vom Bette,
auf dem Karl starb *, die zweite einen Teil einer Tunika des Heiligen 3 ,
die dritte endlich als spezielles Geschenk Friedrichs, des Neffen Borro¬
meos und seines Nachfolgers auf dem erzbischöflichen Stuhle, eine
Meßbuch-Decke, deren sich der Heilige bedient hatte. 4 Jeukeren hatte
von Mailand noch andere Reliquien erhalten, die in Mailand selbst
in ein silbernes Reliquiar gefaßt worden waren. Im Fuße desselben
wurden von den bezeichneten Reliquien die zwei ersten untergebracht;
außerdem aber verzeigt das 1693 aufgenommene Verzeichnis als dort
befindlich ein Kelchvelum mit au'gehefteter Burse, dessen sich Borro¬
meo bedient habe, und ein Stückchen einer Dalmatik, welch letzteres
laut beigegebener Authentik 1621 durch den Rektor des Helvetischen
Kollegs an das Stift gelangte. 6 Abt Gallus II. ließ 1662 zu diesem
Reliquiar ein völlig gleiches anfertigen ; in diesem wurden ebenfalls
im Fuße verschiedene Karlsreliquien eingesetzt, so zunächst die Me߬
buchdecke und einige geringe Überreste von Kleidern, deren sich Karl
bei seinen Visitationen bediente und die 1610, ohne Authentik, durch
Jakob Castoldi nach St. Gallen gekommen waren. Beigefügt wurden
verschiedene kleine Stücke von Gewändern, die bei der Erhebung der
Gebeine des Heiligen aus seinem Grabe verschenkt worden waren
und die mindestens aus dritter Hand nun nach St. Gallen gelangten. 8
Von den bei Wymann noch abgebildeten Karlsreliquien in St. Gallen
1 Bd. 732, Nr. 398. Brief P. Theodors an den stift-st. gallischen Agenten
in Rom, Dr. Alphons Pico, Mailand, 26. August 1609. S. Wymann, Kardinal
Karl Borromeo, S. 232, Anm. 2.
1 « .... partem lanae extractae e strato seu lecto, super quo beatus illc
Carolus .... ab hac vita decessit.» Stiftsbibi., Msc. 1718a, S. 422.
* « .... partem manicae ipsius vcstis Zambelloti rubei coloris », Ebenda,
S. 426.particulae duae, de manica s. tunica S. Caroli Borromaei, cx
Cambelotto uti apparet, rubei una, altera violacei coloris. Habent instrumentum
folio 425. » Ebenda, S. 139.
* «_missalis integumentum ex damascena albo, notis aureis intertextum
fimbreisque aureis omatum, quo beatus Carolus ..... cum sacrosanctae missae
divina mysteria celebraret, olim utebatur. » Ebenda, S. 427.
* Ebenda, S. 139 f. Das Kelchvelum mit der Meßpultdecke (!) s. abgcbildet
bei Wymann, a. a. O., S. 231.
* Ebenda, S. 145 f.
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ist der hölzerne Leuchter erstmals in dem Kircheninventar von 160:
*
erwähnt. 1 Dagegen findet sich bereits im frühesten erhaltenen Inven-
tare, jenem von 1665, vor der « über epistolarum S. Caroli Borromaei». '■
Dieser umfaßt die vier in den Beilagen wiedergegebenen und im Texte
verwendeten Briefe Karls an den Abt und dazu einen Brief Borromec*
an Pietro Galesino, datiert Galarate, 20. Juni 1570. 3 Der Brief enthält
nichts auf St. Gallen bezügliches ; man wird annehmen dürfen, er sei
als Karlsreliquie, wie die übrigen, von Mailand an das Stift gekommen.
Das Inventar von 1739 führt auf: annulus pontificalis 1 et 1 S. Caroli
Borromaei; worauf sich diese Notiz bezieht, ist nicht ersichtlich. 1
Es erwähnt auch «des Kardinals Coelestini 2 rothe birret und ein
käple *, woraus hervorgeht, daß das früher als Birret Karl Borromeos
gezeigte nur das zweite Birret Sfondratis ist.
Von Rom aus schrieb P. Jodok Metzler seinem Mitkonventuil
P. Magnus Brüllisauer : « Sanctum Carolum Borromaeum canonizatum
I. Novembris audiveritis ; inspexi ego ex propinquo omnia, quae erant
excessive stupenda. » 8 Die Bemerkung Metzlers in seiner Chronik,
er sei Zuschauer der Kanonisation gewesen, erhält damit ihre Be¬
stätigung. Wie sehr man sich seit Einleitung des Kanonisationspro-
zesses mit Borromeo beschäftigte, zeigt die Notiz im Rechnungsbuch''
Abt Bernhards, Metzler habe schon 1604 von seinem Aufenthalt in
Rom Bilder Karls mitgebracht. • Als man sich in St. Gallen nach
Hilfsmitteln umsah, um der unerklärlichen Krankheit zu begegnen,
die im Kloster St. Johann alle Bewohner ergriff und vielen Kapitulant
frühzeitig den Tod brachte, ergab es sich von selbst, daß man zur
Verehrung Karls die Zuflucht nahm. Die Konferenz aller in St. Gallen
anwesenden Patres beschloß am 25. Januar 1624, es solle der Karlstag
1 Stiftsbibi., Msc. 1722, II.. f. 196.
2 Ebenda, f. 10a.
3 S. Beilage V. Galesino war von Borromeo aus Rom nach Mailand gezogen
worden. Unter dem Vorsitze Karls war er Mitglied der Kommission gewesen,
die den Catechismus Romanus hcrausgab. Er veranstaltete auch 1582 die erste
Druckausgabc der Mailänder Provinzialkonzilien ; speziell aber war er der Ver¬
trauensmann Karls in Sachen des Ambrosianischen Ritus. Ich verdanke die*
Notizen ül>er Galesino der Güte Herrn Staatsarchivars Dt. Wymann.
4 Stiftsbibi., Msc. 1722, II., f. 162fr.
5 Metzler an Brüllisauer in Dillingen, Rom, 16. Dezember 1610. St-.A..
Bd. 310, S. 455.
4 «* Umb etlichen Sachen, so frater Jodocus zu Rom kauft, als ist
S. Caeciliac, beati Borromaei. summi pontificis, Baronii und andere mehr Sachen,
thut in Universum 54 fl. 6 bz. 14 ® Bd. 879, S. 215.
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- 297 -
von diesem Jahre an als festum duplex gefeiert, in diesem Jahre auch
am Vortage gefastet, in St. Johann aber dem Heiligen ein Gedenkzeichen
errichtet werden. 1 Das ist auch trotz des Brandes von 1626 und der
Verlegung des Klosters nach Neu-St. Johann geschehen ; noch am 6. De¬
zember 1751 verleiht Papst Benedikt XIV. den Besuchern der capella
publica S. Caroli Borromaei monasterii vallis Thurae am Feste des
Heiligen einen vollkommenen Ablaß. 2 Das Andenken an die Route
der Schweizerreise Borromdos hielt im Gebiete der Fürstabtei fest
ein dem Heiligen geweihter Altar in der 1621 erbauten Klosterkirche
zu Wattwil 3 und eine an der ehemaligen Pfarrkirche von Lichtensteig
angebaute Kapelle. 4
BEILAGEN.
I.
Prägen des Inforaiatlonsprozesses für Abt Otmar.
Vor 10. Mal 1565.
Pro reverendo et religioso Othmaro Cüntz, electo in abbatem.
Instructio circa processum in partibus super qualitatibus et idoneitate
in abbatem monasterii sancti Galli ordinis sancti Benedicti Constantiensis
dioecesis electi et aliis infradicendis formandum.
Examinandi sunt testes catholici viri et omni exceptione maiores
non ab electo inducendi* qui interrogandi sunt ut supra :
1. Primo si cognoscunt electum et a quanto tempore circa.
2. Secundo cuius etatis est ipse electus.
3. Tertio si est legitimus et de legitimo matrimonio natus.
4. Quarto si est presbiter et a quanto tempore circa.
5. Quinto si est professus ordinem sancti Benedicti et in quo mona-
sterio et a quanto tempore circa.
6. Sexto si est religiöse vite et si est catholicus, et super hoc cum
omni diligentia testes interrogentur.
1 Bd. 366, S. 53.
* Stiftsbibi., Msc. 1722, IV, f. 53*7. Die Kapelle mangelt bei Nüscheler.
3 «ad SS. Bonaventurac et Caroli Borromaei sacram aram. 0 Bd. 182,
S. 688.
4 Nüscheler, Die Gotteshäuser der Schweiz, II, S. 201.
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— 298 —
7- Septimo in qua scientia est eniditus.
8. Octavo si est habilis et idoneus ad regimen dicti monasterii.
Et super his omnibus et qualibet re testis reddat causam scientie.
Deinde est ostendendum testi instruraentum electionis de persona dicti
electi facte et interrogandus quilibet testis ut infra :
9. Si monachi, qui interfuerunt electioni, faciunt maiorem et saniorem
partem conventus dicti monasterii.
10. Si aliqui monachi contradixerunt, et causam contradictionis
si sciunt, dicant.
11. Si in electione intervenit fraus, simonie labes aut aliqua illiata
pactio.
Postremo super statu ecclesie et monasterii testes interrogennir
videlicet dicunt
12. primo, in quo loco et in qua provincia est situm monasterium et
13. si ibi abbas habet jurisdictionem vel curam animarum ;
14. ecclesia ipsius monasterii sub qua invocatione ;
15. quot monachi in eodem monasterio degunt;
16. si monasterium habet claustrum, refectorium et alia necessaria;
17. si habet jurisdictionem in aliquibus locis ;
18. fructus mense abbatialis si sunt separati a conventuali mensa
aut in simul incorporati et ad quem valorem ascendunt.
Advertendum, quod testes sunt examinandi coram reverendissuno
domino episcopo, cui hoc negotium comittitur.
His peractis debet electus fidei professionem juxta formam, que trans
mittitur, in manibus ipsius domini episcopi coram notario publico et testibus
facere.
Debet huiusmodi processus clausus ad sanctissimum dominum nostrum
vel illustrissimum et reverendissimum dominum cardinalem Borromeuni
transmitti.
Stiftsarchiv St. Gallen. Urk. A2-L1. Papieroriginal.
II.
Luzern und Schwyz an Pius IV. — Luzern, 21. Mal 1565.
Dem allerhailigisten in gott vater und herrn, herm Pio, der allgemainen
christenhait papst, dess namens dem vierten, unserm allergnedigsten
herrn, schribend euer hailigkait underthenigste gehorsame Schultheiß,
landaman und räth baider orten löblicher Eidgnoschaft alter religion
Lucern und Schwyz.
Allerhailigister in gott vater, aller gnedigster herr. Üwer hailigkait
syen unser aller underthenigste dienst schuldiger christenlicher gehorsame
berait zuvor. Allerhailigster herr und vater 1 Es hat uns diser tagen unser
lieber herr Othmarus Cünz von Wyl im Thurgöw als der nüw erwelt abt
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des würdigen uralten gottshus Sanct Gallen (welches euer hailigkait und
dem apostolischen stül ze Rom on alles mittel underworfen), unser von
bürg- und landrechts wegen lieber getrüwer buntsgnoß, verstendigt: Dem¬
nach er vermög der canonum ünd uswysung der regel sanct Benedicts
von dechan und gemainem convent gerüerts gottshus lut bihabender Privi¬
legien zu regierendem herren erwelt und sich gegen euer hailigkait vertröst,
sy sollte in (besonder diser betrübten widerwertigen zyt) nach altem ge-
wonlichem bruch bestätigt haben, sye doch er durch herrn Melchior Lussi,
ntter, unser und unserer lieben alten eidgnossen von Uri, Underwalden
und Zug zu euer hailigkait gesanten, bericht, das euer hailigkait dem vicari
zu Costanz durch ain verschlossen breve gnedigst bevolchen, ine vor der
confirmation uf etlich fragstuck zu examinieren ; und nebend dem in der
confirmation copy gesechen, das etlich pfarren, so von ee zyten har dem
gottshus durch gnedigste Privilegien und confirmationen euer hailigkait
vorfaren zugehörig, durchgestrichen, darus er etwas zwyfels empfangen,
ob das us unwissenhait oder darumb beschechen sein möcht, das dieselben
pfarren dem gottshus sollten entzogen werden ; welche zwen articul (als
die dem gottshus zu merklichem und unwiderbringlichem nachtail gereichen)
ine höchlich bekrenkind, erstlich der examination halb darumb, das ee
er zu priesterlicher würde körnen, über den mereren und fümembsten
tail der fragstucken schon examiniert und zu priesterlichem ambt und
seelsorg durch den vicari zu Costanz gelassen, vermög hiebi ligenden be-
sigleten titels, für das ander, das das gottshus Sanct Gallen die pfarren,
in den alten confirmationen begriffen, lange zyt on jemands widerred
ingehebt, genuzet und besessen und hinfür one dieselben sich kains wegs,
weder in gaistlichem noch zytlichem stand und wesen enthalten möchte,
— uns derhalben als des gottshus recht schütz- und Schirmherren mit
höchstem flys erbetten, ime, sinem dechan und convent harin unserm
besten vermögen nach hilflichen und rätlichen bistand zu thun. Diewyl
nun, allerhailigister herr und vater, wir uns, was wir dem gottshus Sanct
Gallen vermög .brief und sigel, so zwüschen uns und dem gottshus uf-
gericht, zuthun schuldig, erinnern mögen, uns ouch wol zewüssen, das
das gottshus Sanct Gallen lut habender apostolischer confirmationbullen
jez lange zyt die pfarren, in den alten confirmationen benamset, rüewiglich
und on alles widersprechen genuzet und brucht, und er dieselben mit
tougenlichen priestern stattlich versechen lassen, ouch der abt von eelichem
stamme unser Eidgnoschaft erboren, von jugend uf in dem allain hailigen,
waren, alten christenlichen glouben erzogen, dabi beharrlich bliben, in
dem hailigen orden sancti Benedicti bis in zwaiundzwainzig jar erhalten
und vermög angerüerts titels vierzechen jar priester gewesen, ouch ainem
ansechenlichen weltlichen ambt des gottshus im dryzechenden jar vor¬
gestanden, dasselbig erlich und wol versechen, dannenher one zwyfel
dechan und gemainer convent billich geursacht, ine mit ordenlicher wal
nach form rechtens und alter gewonhait zu ainem herren und abt ze erwelen,
wir ouch als schütz- und Schirmherren ime mit beeidigung der underthonen
trüwen bistand gelaistet, ouch bürg- und landrecht mit im emüwert,
das wir kains wegs gethon hetten, wo uns ainicher mangel zewissen gsin,
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300
und er also zu der äptlichen dignitet ordenlich und on allen trug durch
dechan und convent erwöllet, — so ist an euer hailigkait unser ganz under-
thenigst diemüetigst bitt, sy welle in ansechung vorangeregter Ursachen
und besonder jez schwebender schwären unglückhaften zyt, das ouch
(wo sich der confirmation halb ainiger ufzug ersechen ließ) unsern Wider¬
sachern damit zum höchsten gedienet were, beherzigen und ufs beldist
so müglich begerte confirmation nach form und uswysung, wie solichs
euer hailigkait vorfaren ouch gethon, dem abt gnedigst zuschicken, damit
solch löblich uralt gottshus bi sinen alten wolhergebrachten Privilegien,
brief und siglen bliben möge und wir solicher euer päpstlicher hailigkait
gnedigister willfarung unsere schütz und schirms halb gegen dem gottshus
erfröwet werden, erbüt sich der abt sambt sinem convent gegen euer päpst¬
lichen hailigkait allerunderthenigisten gehorsame und gebürlicher pflicht,
und sind wirs gegen euer päpstlicher hailigkait, wie wir uns desse schuldig
erkennen, in underthenigister gehorsame zeverdienen ganz wol genaigt,
dieselbig hiemit in den schirm der hailigen dryfaltigkait zu lang werender
regierung trüwhch bevelchend. Datum zu Lucent under unser schulthessen
und rats daselbs insigel, in namen baider orten verwart, uf den 21. Mayen
anno 1565.
Stifts-Archiv St. Gallen. Urk. A2-L2. Entwurf.
III.
Karl Borromeo an Abt Otmar von St. Gallen.
Rom, 9. Juni 1565.
Admodum reverende pater. Expeditio abbatiae, ad quam dominabo
tua reverenda electa est, ex decretis sacri Tridentini concilii fidei pro-
•
fessionem ac nonnulla alia requirit, quae te non ignorare arbitror. Neque
quisquam post concilium a sanctissimo domino nostro confirmatum elatus
est ad ullum ecclesiasticum et cathedralem honorem, de quo haec inqui-
sitio facta non sit; et omnino illa ratio et ordo, de qua scriptum est ad
reverendum vicarium Constantiensem, ab omnibus adhibetur et ita neces-
saria est, ut sine ea nihil in sacro consistorio de expeditione agi, nihil
confici possit. Quod autem id negotium datum sit reverendo vicario Con-
stantiensi, ea in re commoditati dominationis tuae reverendae consultum
est, quod propinquior et vicinior is esset. Quod si tibi apud alium fortasse
episcopum decretum hoc sacri concilii a sanctissimo domino nostro compro-
batum et ab omnibus adhuc servatum exequi placet, tui erit arbitrii apud
Basiliensem aut Comensem vel alium catholicum episcopum sive eius
vicarium fungi decoro hoc et necessario officio professionis fidei et aliarum
rerum, quae ex meis literis cognoscere potuisti. Sanctitas enim sua non per
quem, sed quod re ipsa haec professio et inquisitio fiat requirit nec propterea
quod de tuae fidei integritate dubitet, sed tantummodo ne Tridentini
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30i
concilii decretis (quod hucusque factum non fuit) in aliquo derogari patiatur.
Vale in domino meque tui studiosissimum confide. Romae IX. Junii 1565.
U ti frater
C. cardinalis Borromeus.
Admodum reverendo patri uti fratri domino electo abbati Sancti Galli.
Sakristei der Domkirche St. Gallen. — Papier-Original mit Siegel.
Registraturvermerk : Nr. 15.
IV.
VII katholische Orte an Plus IV. Baden, 9. Juli 1565.
♦
Allerhailigster in gott vater, allergnedigster herr.Als wir uf
disem tag der jarrechnung zu Baden in Ergöw uß bevelch und vollen
gewalt unser aller herren und obern versambt erschinen, haben wir von
unsere gnedigen herren und puntsgnosen, des nüw erwelten abts zu Sanct
Gallen botschaft bericht empfangen, als unser gnedig herrn und obern
von den zweien orten Lucern und Schwyz als Schirmherren des gottshus
Sanct Gallen nechst vergangnen monats Mei des ein und zweinzigisten tags
euer heiligkeit us der statt Lucern uf sin beschwerlich fürbringen und pitt
zü erlangung siner confirmation underthenigst zügeschriben, .... sye doch
im darüber von dem hochwürdigsten Cardinal Borromeo, euer heiligkeit
obristen Statthalter, schriftlich antwurt gefolgt der Substanz .... So habe
unser lieber getrüwer commissari Melchior Lussi als sin, des abts, in diser
sach erbättner deputierter gewalthaber ime glichfals zügeschriben. Nun
sye im siner person halb nit sovil noch sondere daran gelegen ; dann vor-
malen und ee er zu priesterlicher würde körnen, er ouch examiniert und
habe daruf seine bene (?) erlangt .... Er zwifle ouch nit, dann das euer
heiligkeit durch ernenten sinen gwalthaber gebürlich gloubwirdig über¬
schickt instrument, so über sin election durch dechan und ganz gmeinen
convent in bisin der gloubwirdigen scrutatorn, testen und notarien gemacht,
klar befinde .... So beschwäre in ouch nit und hette ganz kein abschüchen,
ob der vicari oder wichbischof zü Costanz, ald welcher wichbischof exami-
nator sin sollte. Aber in erforschung siner conscients befinde er dise
beschwärd, das sölichs vermög und uswisung des gottshus hochloblichen
päpstlichen previlegien und vorgeenden bihandhabenden confirmation und
bisher geübten brüchen siner löblichen vorfaren nit glich noch gmäß,
sonder zewider were, und zum fürnembsten, diewil sölich löblich friheiten
in sich halten, dero sich das gottshus bisher (wie gemelt) dankbarlich
befröwt und es sonst (sidmalen kein geistliche jurisdiction vorhanden)
nichts höchere, dann das ein dechan und convent einen herren elegieren
mögen, und so das ufrächt, in obgehörter gstalt des instruments zugange,
das also bisher die confirmation allergnedigst ervolgt. Dann ob glichwol
nach jezbegerter examination die confirmation usbracht wurde, möcht
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3 02
doch sölichs mittler zit dem gottshus durch verenderung der menschlichen
gemüeter und guter wolmeinung des examinanten, so jederzit were, z:
unwiderbringlichem nachteil und abbruch aller friheiten der election
dienen ; dann nach dem judicio desselben, so er villicht in examinatione
durch die zügen, welche er und nit ein abt oder sin convent zestellen gwalt
haben sollen, finden ald schliessen möchte, und nit nach der election wurde
die confirmation ein gstalt gwinnen. Weliches alles nun im und sinera
gottshus unlidenlich, sonderbar so er in disem fal der erst sin sollte und
ouch (so discr abfal durch in beschäche) ein ufheblich ergerlich epitaphiuir.
mitbrächte.Dwil dann wir sölich sin fürbringen treffenlich betrachtet
und ouch bi unsem personen gedenken, wo der abt zu Sanct Gallen das
selbig für unser herrn und obem schultheissen, aman, rath und gmeinden
gebracht oder noch bringen, sy wurden nit weniger, sonder so wol als wir
ime zehelfen und zeraten, zum teil unser zweier erster alten orten Lucem
und Schwyz us schuldigkait und in gemein us gutem christenlichem der.
willig sein, so befinden wir warlich kein fürnemen des abts, das uns
unbillich bedunke. Dann er ist underthenigst willig und urbütig, so\il
in seinem vermögen, dem heiligen concilio zügehorsamen, mit Vorbehalt,
wo cs je ein andern verstand hette, sich allergehorsamst wisen zelassen ;
derohalb er höchster hoffnung, sin gottshus solle bi diser siner frihait de:
election bliben, dann es sin höchstes cleinot und nit on vorgeende unus-
sprechlichc müei und arbeit durch allergnedigste bewilligung euer heiligkeit
vorfaren sye erlangt worden. Und so wir neben dem siner person gut-
Willigkeit der examination und usserhalb sins titels, ouch des ufgenchter.
election instruments und vermög unsers (der zweien orten) nechst an euer
heiligkeit gethonen schribcns seiner gebürt und wolhaltens in geistlichen
und zitlichen Sachen gnügsames wissen tragen, so können wir nit furkomen.
unser vermögen darzüstrecken, sondern langt und ist an euer heiligkeit
unser und sin underthenigst pitt, sy welle (in erwegung erzeiter Ursachen
ime die confirmation wie von alter her und usserhalb der examination
allergnedigst züstellen. Dann sollte das nit beschechcn und das löblich
gottshus hierdurch verkleinert werden, der alt christenlich gloub wurde
in unsem landen durch sölich und derglichen exempel, so diser zit mit dem
bistumb Chur und sonst vorhanden, wenig gefördert, aber die widerwertigen
darin und usserhalb lands wurden daran gwin empfachen, das uns aber
zu gcschcchcn entlegen sin will. So zwiflen wir nit und befindens ouch im
ougcnschin, das er sich je mer und mer gelerter lüten und conventualn bcflisst.
sich ouch mit dem convent verglicht, on underlass etlich uf den altglöubigen
univcrsitetcn zu erhalten, weder aber bisher diser leidigen trüebseligen zit
in vertrihung der geistlichen under sinen löblichen vorfaren hat beschechcr
mögen, dermassen das, ob gott will, zu künftigen ziten, so der aJlmechtig ♦
gott in glichwol berüctfen würt, abermalen söliche nachvolgende andere i
examination nit von nöten sin werde. An dem bewist euer heiligkeit
unsem herrn allergnedigst gefallen, geschieht ouch daran ein christenlich
gut werch, das wir gegen euer heiligkeit mit darstreckung eer, lib, blut
und gut verdienen und hierüber allergnedigster antwurt warten wellen,
wir und er sich gehorsamblich darnach zehalten und allemnderthenigst
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303
ziibefröwen wissen. Datum Baden in Ergöw, und zu urkund mit des
schultheissen zu Lucern, fromen vesten Niclausen Amiens eignen insigel
im namen unser aller verschlossen, uf den 9. Julii anno 65.
Euer heiligkeit underthenigst gehorsamste
von stett und lendern der siben alten cato-
lischen orten der Eidgnoschaft Lucem, Uri,
Schwyz, Underwalden, Zug, Friburg und
Solothurn gesanten und ratsboten, jez uf dem
tag der jarrechnung zü Baden in Ergöw
versambt.
Dem allerheiligisten in gott vater und herren, herrn Pio, der
allgemeinen Christenheit papst des namens dem vierten, unserm aller-
gnedigsten herrn.
Stiftsarchiv St. Gallen. Urk. A2-L2. — Papier-Original ; Siegel ab¬
gefallen.
V.
Karl Borromeo an Pietro Galesino.
Galarate, 20. Juni 1570.
Reverendo mio Pietro carissimo. Vi rimando i fogli sottoscritti per
li soffragani, et la lettera m’ 6 sodisfatta, se bene m' 6 occorso di mettere
la mano in due o tre luochi come vederete. Dubito bene, che non sarete
a tempo di mandarle per questa posta, non esscndosi potute rimandarle
prima d’adesso. Nel resto attendete ä star sano et k lavorare intorno al
breviario Ambrosiano. Di Galarato, le 20 di Giugno 1570.
V'ostro
cardinale Borromeo.
Al reverendo mio Pietro Galesino, mio carissimo ; ä Milano.
Sakristei der Domkirche St. Gallen. — Papier-Original, Siegel abge¬
fallen. A tergo finden sich nebst der Adresse Zahlen und folgende kurze
Inhaltsangabe: 1570, delli 20. di Giugno. Gallarato. Monsignor illustris-
simo Borromeo., Gli ha sodisfatto la lettera per i suffraganei. Che s’ attenda
al breviario Ambrosiano.
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304
VI.
Karl Borromeo an Abt Otmar von St. Gallen.
Hohenems, 29. August 1570.
Illustrissime princeps ac multum reverende abbas. Cogit me tempons
angustia per oppidum Filcherchense, qua via Uraniam celerius quam alu
pervenire mihi sane omnes confirmamnt, iter dirigere. Hoc autem ideo
permolestum accidit, quod dominationem tuam denuo invisendi, ut con-
stitueram, eiusque humanissimo congressu perfruendi facultas mihi erepti
est. Itaque te de hoc ipso certiorem faciendum duxi nec non pro tue
humanissimo hospitio tibi gratias agendum relaturus libentissime, si quando
mihi dominationem tuam eiusque res iuvandi occasio dabitur. Coenobu
item tua monachique omnes commendati mihi semper erunt atque inprimis.
quae ad catholicam et sinceram religionem in tua ditione tum restituendac
tum retinendam pertinere intellexero, in iis operam ac laborem meuir.
desiderari minime patiar. Qua in re te etiam pro tua pietate ac reiigione
operam daturum confido, ut quae coram super his tecum egi, quam diligen-
tissime exequaris. Deus dominationem tuam diu servet incolumem. Ex
oppido Altaemps, die 29. Augusti 1570.
Dominationi tuae illustrissimae ac multum reverendae
addictus
C. cardinalis Borromaeus.
Illustrissimo ac multum reverendo domino, domino Othmaro, abbati
divi Galli, in abbatia divi Galli.
Sakristei der Domkirche St. Gallen. — Papier-Original mit Siegel.
VII.
Aus dem Mandat Abt Otmars fflr die Alte Landschaft,
für das Jahr 1572.
.... Item wiewol bi disen laidigen ziten und siderher, das die ze;-
txennung im glouben ingerissen, alle jar ein mandat und gepot under der.
gottshuslüten usgangen, das alle personen von manen uftd wibem, was
vierzechen jar und darob alt sye, alle jar in der fasten und bis zu Osterec
sollen bichten und das hailig sacrament empfachen, oder welche lieber
wellen allain beten, namblich das hailig vater unser, das ave Maria, der,
christenlichen glouben und die zechen gebot, weliches alles zu aines frier,
willen gestanden.
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305
Sidmalen aber durch die gnad gottes befunden wirt, das der mertail
gottshuslüten die sind, so nun hinfüro alle jar bichten und das hailig hoch¬
würdig sacrament empfachen, und der weniger tail deren, so begeren
allain zebeten ;
damit dann die gottshuslüt, so in der hochen oberkait sind, glich
gehalten und kainer ab dem andern einen Unwillen empfache, ouch vorus
und an gott dem almechtigen in ainhelligem und glichem glouben, gemüet
und werchen möge gedient werden ;
so hat min gnediger herr als der, so desse us craft sines gethonen
aids bi anfang siner abti und prelatur schuldig ist und daruf in sin gwißne
wist und laitet, und besonder ouch, diewil ir gnad siner underthonen nit
minder, dann ein ander ort und hoche oberkait in ainer löblichen Eid-
gnoschaft mechtig und in dem landfriden nit behaft noch begriffen ist,
ouch kaine nüwglöubigen predicanten sol noch muß gestattnen, und wie
söliches bi allen oberkaiten beiderlai gloubens erfunden und gesechen
würt, fürgenomen und gepiet hiemit us craft der hochen oberkait, bi eer
und eid, das alle die, so vierzechen jar und darob alt sind, mans und wibs
personen, sollen in der fasten bis zu Osteren bichten und das hailig hoch
würdig sacrament empfachen und nit nur allein beten ; desglichen das
hinfür uf alle sonntag und firtag die gottshuslüt zu kilchen gangen ; wol
mag bi jedem hus etwar bliben und das hus vergommen, doch das das
volk mit einandern ab\vechsle und hierin kein gfar bruche. Weliche ouch
also zü kilchen gond, die sollend bi der predig und meß bliben, bis es gar
us ist und der priester das wichwasser gegeben hat. Und welchen sölicbs
nit gefellig sye, die mögen wol bis uf sanct Johannstag im summer nechst-
künftig (24. Juni) us der hochen oberkait mit lib und gut on entgeltnus
ziechen ; dann wo einer hierüber darinnen erfunden, der wurde hernach
an eer, lib und gut gestraft und mit gwalt darus gefüert werden.
Stiftsarchiv St. Gallen. Rubr. 42, Fasz. 11.
VIII.
Karl Borromeo an Abt Otmar von St. Gallen.
Mailand, 7. März 1573.
Illustrissime et reverendissime domine. Allatum mihi est de aliqua
amplitudinis tuae reverendissimae contra haereticos diligentia ; quae quidem
et pro catholicae religionis Studio et pro mea erga ipsam voluntate
mihi sane grata accidit. Gratias igitur ago primum omnipotenti deo, tum
sibi hoc nomine gratulor vehementer idque oro, ut quod christianae
pietatis zelo semel aggressa ipsa est, in eo maiores in dies progressus
facere pergat cum in omnibus ditionis suae finibus, tum maxime in
Togemburgensi comitatu, quem ista diligenti cura inprimis opus habere
intelligo. Ego certe pluribus agerem ; sed cum per se ipsa satis ad
REVUB DH IST 01 RE ECCLESlASTIQUE 20
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— 306 —
hoc inccnsa sit, hoc. quod meum est, assidue precor, ut deus, cuius
causa agitur, dextera virtutis suae adiuvet pios conatus amplitudinis
tuac reverendissimae, cui ego, si quid possum, defero ac polliceor officium
et Studium meum. Mediolani, nonis Martii 1573.
Amplitudinis tuae illustrissimae et reverendissimae
studiosissimus
C. cardinalis Borromaeus.
Illustrissimo principi et reverendissimo domino, domino abbati Sancn
Galli.
Sakristei der Domkirche St. Gallen. — Papier-Original mit Siegel.
Karl Borromeo an Abt Otmar von St Gallen.
Mailand. 23. Juni 1573.
Illustrissime princeps et reverendissime donyne. Proficiscenti istuc
fratri Joanni Hieronymo, ordinis Franciscani, has ad reverendissimam
amplitudinem tuam littcras dedi, quibus tum illum causamque, ob quam
ab eins ordinis magistro generali mißus est. commendare, tum mei erga
ipsam animi propensionem ita testatam facere volui. ut ei persuasurr.
iam esse cupiam polliceri se libere poße, quaecumque a me proficisci possmt
charitatis ac benevolentiae officia. Is in Germaniam venit Franciscanae
disciphnae in sui ordinis conventibus instaurandae causa, qua in re adiu
vanda quicquid studii et auctoritatis ei amplitudo tua contulerit, id mihi
erit sanc quam gratum. Itaque ut quibuscumque in rebus potent, potent
autcm in plurimis. ei ipsa favcat summopere amplitudinem tuam reveren¬
dissimam rogo, cui a deo precor perpetuam et salutarem felicitatem.
Mediolani, nono calendas Julii MDLxxm.
Amplitudinis tuac reverendissimae
studiosissimus
C. cardinalis Borromaeus.
Illustrissimo principi et reverendissimo domino, domino abbati Sancti
Galli.
%
Sakristei der Domkirche St. ('»allen. — Papier-Original, Siegel abge¬
fallen.
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KLEINERE BEITRÄGE
MELANGES
Vom Jubiläum des Jahres 1826.
Bekanntlich wird das päpstliche Jubiläumsjahr (annus sanctus) seit
Bonifaz VIII. im Jahre 1300 alle hundert Jahre gehalten. Papst Paul II.
bestimmte 1470 die Wiederkehr des Jubiläums auf 25 Jahre, wobei es seither
geblieben ist. Seit 1500 wird nach Ablauf des römischen Jahres die gleiche
Gnade auf alle von Rom entfernten Kirchen für einen Zeitraum von sechs
Monaten erteilt. Es wurden 18 solche allgemeine Jubiläen gehalten bis
zum Jahre 1775, respektive 1776. Das auf 1800 treffende Jubiläum konnte
wegen der Zeitereignisse nicht gehalten werden. Papst Pius VI. war am
29. August 1799 in Valence in Mer Gefangenschaft gestorben ; Pius VII.
am 14. März 1800 in Venedig erwählt worden. In besserer Zeitlage konnte
Leo XII. 1825 das 19. Jubeljahr feiern. Mit großem Jubel im Herzen und
großer Teilnahme des Volkes eröffnete er an der Vigil von Weihnachten
1824 die große Pforte der St. Peterskirche, die ein Jahr darauf ebenso
feierlich wieder geschlossen wurde.
Am gleichen Tage erließ er die Bulle « Exultabat spiritus noster»,
wodurch das Jubiläum auf den ganzen Erdkreis ausgedehnt wird. Er
spricht seine Freude aus über den glücklichen Erfolg, und wenn auch die
Zahl der Pilger nicht so groß war, wie in frühem Jahren so lag der Grund
in verschiedenen Hindernissen. Es war ein erhebender Anblick, die Scharen
der frommen Pilger zu sehen und zu hören, die mit ihren frommen Gebeten
und Gesängen die weiten Straßen der ewigen Stadt anfüllten. Es war
wirklich ein Jahr des Heils nicht für die Römer allein, sondern auch für
viele fromme Pilger.
Bedingungen für die Gewinnung des Jubiläumsablasses sind :
1. reumütige Beicht und würdige Kommunion ;
2. an 15 Tagen die Hauptkirche (Kathedrale) nebst drei andern Kirchen
besuchen und daselbst im Sinne der katholischen Kirche eine Zeitlang
beten ;
3. wo es tunlich ist, sollen die Kirchenbesuche gemeinsam, prozessions¬
weise gemacht werden, und soll denjenigen, welche andächtig teilnehmen,
eine Prozession für drei Kirchenbesuche angerechnet werden. So müssen
also nur fünf Prozessionen mitgemacht werden ;
4. für Kranke, Reisende, Klosterfrauen usw. erhalten die Pfarrer und
Beichtväter besondere Vollmachten.
Das bedeutsame Hirtenschreiben des heiligmäßigen Papstes ist von
einem wunderbaren Geiste der Weisheit und Heiligkeit durchweht und
schließt mit einer beredten Mahnung zur Buße und Geisteserneuerung.
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— 3°S —
Dieses Schreiben hat Pius IX. 50 Jahre spater, beim Jubiläum von iS;;,
erneuert.
Die Verkündigung-in den einzelnen Diözesen war den Bischöfen an*
heimgestellt. Im Kanton Luzern geschah dies am Passionssonntag In
Einsiedeln wurden Jubiläumspredigten gehalten ; die erste von Abt Cölestin
Müller. Für die Ledigen und die Verheirateten waren besondere Predigten
bestimmt. Der Zudrang zu den Prozessionen war so groß, daß die in
Aussicht genommenen Kapellen sich zu klein erwiesen und vier Altäre der
Klosterkirche bestimmt wurden. Für die Kinder wurde eigens gesorgt;
sie hatten auch ihre besondern Prozessionen.
Die Diözese Basel-Solothurn kam erst 1828 zu stände. Dagegen war
St. Gallen mit Chur seit 1823 zu einem Doppelbistum vereinigt unter
Karl Rudolph, Graf von Buol-Schauenstein. Ihm waren auch die ehe
maligen Teile der Konstanzer Diözese, die zur Schweiz gehörten, unter
stellt. Er erließ am 11. April 1826 ein lateinisches Rundschreiben an die
Geistlichkeit, in der Hauptsache eine Wiederholung des päpstlichen
Schreibens.
Über den Verlauf des Jubiläums ist wenig bekannt geworden. Es
dürfte daher sich lohnen, die Nachrichte* zusammenzustellen, welche uns
in den Tagebüchern von Rheinau aus jenem Jahre erhalten sind. Da ist •
1. Diarium Sacristae von 1774-1862 reichend ;
2. Das Diarium von P. Joseph Schauffenbühl, seit 1824 Großkeller,
gestorben 1851 ;
3. P. Januarius Frey, geboren 1749, Abt seit 1805, gestorben 1S3:.
verzeichnet in seinem Tagebuche fleißig, wie dreimal täglich den Thermo-
meterstand, so die Tagesvorkommnisse. Seinen Aufzeichnungen sind haupt
sächlich die nachstehenden Berichte entnommen.
Am 28. März 1826, am Dienstag nach Ostern, der damals noch Feiertag
war, ward von der Kanzel in Rheinau verkündet, daß Seine Päpstlich«
Heiligkeit ein allgemeines Jubiläum angeordnet habe, das ein halbes Jab
dauert, den 30. April anfängt und am 29. Oktober endet. Der Hirtenbriel
wird später verkündet werden. Am 23. April, dem 4. Sonntag nach Ostern
wurde die Eröffnung des Jubiläums auf nächsten Samstag bekannt gemacht
So geschah es. Abends 4 Uhr wurde eine Viertelstunde lang mit aller
tflocken geläutet in der Klosterkirche, in den beiden Kapellen St. Magdalena
und Felix und Regula, und in der Pfarrkirche St. Nikolaus auf dem Berge
im Dorfe Rheinau. Diese waren die vier Kirchen, in denen das Jubiläum j
zu gewinnen war. Für die Bewohner des Klosters waren neben der Klos er* ;
kirche die Kapelle des Abtes, der Kranken und des Kapitelhauses hieftr ,
bestimmt. j
Am Sonntag, den 29. April, fand die feierliche Eröffnung statt. Nach J
der Predigt wurde « Komm Heiliger Geist » gesungen, darauf folgte ein
feierliches Amt vom Heiligen Geiste und Segen mit dem Allerheiligster.
Nachmittags 2 I hr war Rosenkranz, dann Verlesung der päpstlicher.
Bulle durch den Pfarrer, was drei Viertelstunden dauerte. Darauf Pn> j
Zession mit dem Allerheiligsten durch den Klosterhof, unter Absingung der j
Litanei vom Namen Jesu. Mit dem Schlußsegen wurde das Volk entlasse:,, j
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309
Es war sehr zahlreich nicht nur aus der Pfarrei Rheinau, sondern auch
aus der Nachbarschaft erschienen. Die Bedingungen für die Gewinnung
des Ablasses waren an der Kirchentüre angeschlagen ; ebenso die Ordnung
bei der Prozession und die Reihenfolge der Gebete, die dabei zu verrichten
waren. Daran nahmen auch die Mitglieder des Klosters teil, an der Spitze
der bejahrte Abt Januarius, und neben den Pfarrkindern aus Rheinau
eine Menge Volk aus der Umgebung. Auch Reformierte gingen in der
Reihe mit den Katholiken.
Auf Donnerstag darauf, den 4. Mai, fiel Christi Himmelfahrt, ein
Feiertag. Um halb drei Uhr wurde die erste Jubiläumsprozession gehalten.
Sie verlief in schönster Ordnung, wozu die am Tore aufgestellte Polizei
mitwirkte. Der Zug ging durch die Magdalenenkirche zur Kapelle Sankt
Felix und Regula, von da hinauf nach St. Nikolaus, wo die vordersten
bereits angelangt waren, während die letzten erst den Klosterhof verließen.
Es fing an zu regnen, aber man lies sich in der Andacht nicht stören. Von
einer Station zur andern wurde laut je ein Rosenkranz und eine Litanei
gebetet. Mit einem Dankgebet und dem Segen in der Kirche erhielt die
Feier ihren erbaulichen Abschluß.
Die zweite Prozession fand am Pfingstmontag, den 15. Mai, statt,
in gleicher Weise wie die erste. Man behauptete, daß über 2000 Menschen
dabei waren. Aus der badischen Nachbarschaft, aus Jestetten, Lottstetten
und Altenburg waren die Klostervögte mit vielem Volk gegenwärtig. Aus
den Kantonen Zürich und Schaffhausen waren viele Reformierte da, teils
als Zuschauer, teils als Teilnehmer an der Prozession. Alles sehr erbaulich.
An der dritten Prozession, bei schönem Wetter, am 21. Mai, waren
wieder viele Menschen, doch weniger als das zweitemal, aber mehr als in
der ersten. Alles gut in Ordnung.
Zur vierten Prozession am Sonntag, den 11. Juni, fand sich schon am
Abend vorher viel fremdes Volk ein, von Birkendorf, Binningen, ja sogar
von Hechingen. Man hörte bis halb neun Uhr abends Beicht. Alle Gasthöfe
waren angefüllt; viele übernachteten in Ställen. Für andere, die keinen
Platz mehr fanden, wurde die St. Regulakapelle und die Klosterkirche
offen behalten zum Übernachten. Am Sonntag fing man morgens um
drei Uhr an Beicht zu hören. 7 und 8 Beichtväter hatten damit Arbeit
genug bis nachmittags 2 Uhr, wo noch die Kommunion ausgeteilt wurde.
Darauf wurde die Vesper angefangen. Das gemeinsame Mittagessen der
Patres mußte ausfallen ; ein jeder nahm flüchtig etwas zu sich, um sofort
wieder sich in den Beichtstuhl zu begeben. Um dem vielbeschäftigten
Pfarrer auszuhelfen, hielt Abt Januarius am Vormittag selbst die Predigt.
Es lag nahe, das Sonntags-Evangelium vom reichen Fischfang auf das
Jubiläum auszulegen. Um halb 3 Uhr fing die fünfte und letzte Prozession
an. Sie war, wie die vier vorhergehenden, sehr volkreich und andächtig.
Die ganze folgende Woche ist täglich starker Andrang von Fremden
zu den Beichtstühlen, namentlich am Samstag, den 17. Juni, von morgens
früh bis halb 10 Uhr und abends bis neun Uhr. Sonntags darauf war äußerst
viel Volk bis nachmittags 2 Uhr und doch konnten nicht alle beichten.
Am Montag war noch keine Abnahme zu bemerken. Aus Württemberg
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— 310 —
kamen Leute bis auf 20 Stunden Entfernung, auch von Hechingen und
anderswo. So ging es wochenlang.
Um die Ordnung aufrecht zu erhalten, ließ der Abt am Portale ein
Plakat anschlagen :
« Morgens wird die Kirche vor 4 Uhr nicht geöffnet; mittags 12 Uhr
geschlossen.
Nachmittags wird selbe um 2 Uhr wieder geöffnet, aber abends 8 Uhr
geschlossen. »
Den Patres ward kund getan, daß die klösterlichen Mahlzeiten regel¬
mäßig gehalten werden. Ausnahmen sind untersagt. Abends nach dem
Nachtessen mögen sie wieder Beicht hören.
An Wochentagen zählte man 40, 60 bis 80 « Jubilisten 1. Am Sonntag,
den 25. Juni, war man um 12 Uhr mittags noch nicht fertig mit Beicht¬
hören. Der 77-iährige Abt Januarius, der während der Woche den Arzt
gebraucht hatte, harrte auch 4 Stunden aus, wurde aber stark entkräftet.
Der Monat J uh schien etwas Ruhe zu bringen, doch stellen sich täglich
Beichtende ein. und an den Sonntagen wird man bis 12 Uhr nicht fertig
mit ihnen. Der 16. Juli war einer der « stärksten » Tage. Am Sonntag
darauf wurde noch unter der Vesper, ja um 4 Uhr nachmittags, die Kom¬
munion ausgeteilt.
Am 6. August \v*ird endlich bemerkt: « Jubilisten keine ». Doch nimmt
ihre Zahl wieder zu ; am 15. August wird um 1 Uhr noch kommuniziert
Am 3. September steht die Bemerkung: «Heute fing das Jubiläum
im Württembergischen an. » (Spät kommt ihr, doch ihr kommt.) Die
Arbeit im Beichtstuhl nimmt zu. Die Leute kamen 10, 11, auch 14 Stunden
weit her. Es wird die ganze Kirche voll und am Abend ist man noch nicht
fertig. Auch an Werktagen kommen 20, 30, 50 bis über 100 Fremde. Am
Sonntag, den 8. Oktober, ist sehr viel Volk, so daß man abends um 4 Uhr
noch kommunizierte und um 6 Uhr noch Beicht hörte.
Am Sonntag, den 22. Oktober, hatten die kleinen Kinder, welche noch
nicht kommunizieren konnten, ihre Jubiläumsfeier. Nach der Vesper zogen
sie mit Kreuz und Fahne, von Pfarrer und Unterpfarrer begleitet, nach
der Felix- und Regulakirche. Dort wurde eine Litanei, ein Rosenkranz
und einige andere Gebete verrichtet. Das ganze dauerte etwa Dreiviertel¬
stunden.
Acht Tage darauf war der feierliche Schluß des Jubiläums. Noch
um 2 Uhr nachmittags ward die Kommunion ausgeteilt. Dann wurde der
Rosenkranz gebetet, die Vesper vor ausgesetztem Hochwürdigsten Gute
init Orgelbegleitung gesungen, worauf Prozession, Te Deum, unter dem
Geläute aller Glocken, feierlicher Segen und Böllerschüsse. Nach 4 Uhr
hatte alles mit größter Erbauung ein Ende genommen. Ein gemütliches
Nachtessen bei einem Glase Ehrenwein war eine wohlverdiente Belohnung
für die mühcreichen Jubiläumstage.
Während des halben Jahres waren 26,000 heilige Kommunionen
gespendet worden. Abt Januarius sprach deshalb den Beichtvätern seine
Zufriedenheit aus. Aller Orten wurde vom Volke die unverdrossene Arbeit
der Rheinauer Patres gerühmt, besonders auch von den Weltgeistlichen,
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— 3 « -
denen ein gutes Stück Arbeit abgenommen ward. Leider gab es auch laue
Geistliche, welche ihrer Eifersucht und dem Unwillen über das Jubiläum
durch Schimpfen Ausdruck gaben.
Es war aber die Arbeit noch nicht zu Ende. Ein neues Plakat wurde
angeschlagen : « Da in der Schweiz die Zeit des Jubiläums verstrichen ist,
hingegen in Württemberg und Badischen Landen noch länger dauert, so
wird das Beichthören noch alle Tage gestattet. Doch werden die Kloster-
und Ordensübungen für Gottesdienst, geistliche und zeitliche Beobach¬
tungen dem Beichthören vorgezogen. »
Am Morgen des 30. Oktober waren noch 100 Beichtende. Auch
während des Novembers, als es bereits zu schneien anfing, fanden sich fast
täglich solche ein, selbst im Dezember, nachdem das Jubiläum auch in
Baden von den Pfarrern verkündet worden ; allerdings sagten die meisten
nichts davon. Am 3. Dezember war im Badischen Schluß des Jubiläums ;
in Württemberg dauerte es bis Weihnachten inklusive.
Zum Schlüsse lesen wir im Diarium des Sakristans : a Höchst lobens-
würdig war der Eifer des gläubigen Volkes, Hiesiger und Auswärtiger,
und oft w'underbar die kräftig wirkende Gnade Gottes, selbst bei den größten
Sündern. Deo gratias ! »
Auch anderwärts vernehmen wir ähnliche Stimmen über den Segen
des Jubiläums. Bischof Karl Rudolph von Chur-St. Gallen spricht im
Fastenmandat vom 30. Jänner 1827 von inniger Freude und großem Tröste,
«welcher Uns zu Theil geworden, als Wir theils mit eigenen Augen gesehen,
theils aber von Unsern untergeordneten Priestern und Seelsorgern erfahren
haben, mit welch heiligem Eifer und frommer Sorgfalt Ihr, geliebteste
Bisthumsangehörige ! Euch allenthalben habet angelegen seyn laßen,
an dem großen Gnadenschatze, welcher allen Christen der Welt während
dem verfloßenen Jubeljahre ist eröffnet worden, Theil zu nehmen ; und
welche häufige Früchten, wie wir mit Zuversicht zu Gott hoffen dürfen,
derselbe bei Eu$h auch allenthalben hervorgebracht hat. »
Bald wird seit dem denkwürdigen Jahre 1826 ein Jahrhundert ver¬
flossen sein und wieder ein großes Jubeljahr an die Reihe kommen. Wird
e> seinem Vorgänger gleichen ? Nur mit Wehmut können wir an die Ver¬
änderung denken, welche Rheinau zeigen wird. Das tausendjährige Kloster,
das uns ein so erbauliches Bild katholischen Lebens geboten, besteht heute
nicht mehr. 1862 wurde es von dem Großen Rat des Kantons Zürich
aufgehoben. Man möchte die Dichterworte darauf anwenden :
Was vergangen, kehrt nicht wieder.
Aber ging es leuchtend nieder,
Leuchtets lange noch zurück !
Einsiedeln. P. Gabriel Meier.
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Ein alter Jerusalempilger aus Schattdorf.
Laut « Annual miner Herren » waren «1556 uf Donstag des IX tags
Aprilis Landammann, Rät und Landlüt uf dem Rathus versampt». Sie
beschlossen :
Uf des kilchherren von Schattdorf bittlich ansüchen ist ym vergönnen,
ein gmein almüsen in allen Jdlchen uf zu nemmen, damit er die fart gm
Hierusalem dester baß vollbringen mög, und darby yme an die herschalt
Venedig ein fürgschrift ouch vergönnen, deßglich an die nöchst alten ort.
sy zu sölicher fürderung ouch bewilgen wollen, und yme zu der fart fürden:
und in trüwer bevelch haben wollen.
Der Name dieses Pfarrers und Pilgers ist in Uri nirgends mehr auf¬
gezeichnet. Er kam erst 1900 wieder an den Jag, als Reinhold Röhncht
in seinem Buche über die deutschen Pilgerreisen nach dem heiligen Lande
jenen Empfehlungsbrief veröffentlichte, den Landammann und Rat m
Uri den 12. April, also am weißen Sonntag des Jahres 1556, an die ubngea
vier katholischen Orte Luzern, Schwyz, Unterwalden und Zug richteten,
und der noch heute im Staatsarchiv Luzern liegt. Dieser war von den
Empfängern laut Adresse * sampt und sonders uf ze thun ». Jn diesem
Brief wird der künftige Jerusalempilger näher bezeichnet und charakterisier,
als « der wirdig Priester Johannes de Alexandriis, bürtig von Lyffincn,
so nun etliche Jar by uns zu Schattorf die Selsorgery versehen *. De:
gleiche Familienname d’Alessandri existiert jetzt noch in Livinen. Die
Kirchgenossen von Schattdorf baten die Regierung von Uri, ihren Pfarrer
« zu diser Fart 2e fürdem ». Diese zeigte sich hiezu « sonderlich geneigt *
und empfahl den übrigen katholischen Orten, dem Pilger « an die Herschaft
Venedig ein früntliche Fürgeschrift» zu geben, damit er auf seiner Meer¬
fahrt 0 dester baß gefürdert werd ». Gleichzeitig ersucht^ sie für ihn um
einen Zehrpfennig, « diewyl er am zittlichen Gut arm und one Stür und Hilf
biderber Lüten die Fart nit wol volbringen möge », die er « urab sonders
Andachts willen » sich vorgenommen. Der Rat von Uri schilderte den Bitt¬
steller überdies als einen frommen und züchtigen Priester. Der Erfolg
dieses Schreibens blieb daher nicht aus. Luzern vergönnte ihm, wie auch
die übrigen Orte, « ein ziemliche Fürgschrift » und hat 1 ime an solliche
Fart ein Schenke than, nemlich IV Kronen an Gold ». Obwalden gab ihm
•< zwo Krorten an Geld », Nidwalden * ein Kronen der Sunnen Schlag
Schwyz II Sunnenkronen und Zug « zwo Kronen ».
Über die Zeit der Abreise und die weitern Schicksale dieses Pfarren
und Pilgers wissen wir leider nichts.
Man vergleiche zu vorstehendem Artikel die frühem Angabe:
über Jerusalempilger aus Uri in dieser Zeitschrift, 1909, S. 233 ;
S. 135 ; 1918, S. 65.
Eduard Wymann.
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REZENSIONEN
COMPTES RENDUS
Pastor, Ludwig von, Geschichte der Päpste. VII. Band. Pius IV.
(1559—1565). Erste bis 4. Auflage Fieiburg i. Br. Herder, 1920. XI.
und 706 S. 8° Mk. 36 ; gebunden 44 Mk.
Trotz Weltkrieg und Weltrevolution schreitet das Monumentalwerk
Pastors stetig voran und findet von Jahr zu Jahr allerorts mehr Anklang
und in zünftigen Kreisen hohe Anerkennung. Es wäre vermessen, sich als
Kritiker und Beurteiler des großen Historikers aufspielen zu wollen ; es
handelt sich hier nur darum, zu referieren, nicht zu rezensieren.
Die Einleitung gibt uns eine orientierende Übersicht über die zwei
folgenden Bände. Nach dem strengen, aber einseitigen Carafapapst Paul IV.
folgt wieder ein Mediceer auf dem Stuhl Petri, freilich nicht aus der fürst¬
lichen Familie Leos X., zum Glück für die Kirche auch nicht ein Mann
seiner Geistesrichtung, aber auch nicht ein Heiliger, wie sein Nachfolger
Pius V., immerhin aber trotz persönlicher Fehler ein würdiger Hirt der
Kirche, ein glücklicher Politiker, zudem auch ein hochsinniger Kunstmäzen.
Doch wie sehr tritt schon in diesem Pontifikat, bevor die wahre Refor¬
mation recht einsetzen konnte, das Weltliche vor dem Geistlichen, das
Zeitliche vor dem Ewigen zurück !
Welch lichtvolle Zeit- und Charakterbilder bietet uns dieser VII. Band !
Da eröffnet sich vor uns das stürmische, fast vier Monate dauernde Kon¬
klave, wie die neuere Zeit kein ähnliches mehr kennt, mit allen seinen offenen
und versteckten Intrigen und Machinationen von außen und innen, mit
allen ehrgeizigen, politischen und persönlichen, großzügigen und kleinlichen
Bedenken und Berechnungen der Wähler und der Staatsmänner, daß wir
fast an die Wogen und Stürme der aura popularis in den römischen Konsu-
larkomitien erinnert werden. Der Christ aber denkt an das Walten der
göttlichen Vorsehung, die, trotz aller Pläne und Entwürfe menschlicher
Klugheit*und Verschlagenheit, doch die Zügel der Weltgeschicke in fester
Hand behält. Dann ersteht vor uns das Bild der Zoll- und Steuerpächter-
familie Medichino aus Mailand, die mit dem florentinischen Mediceerhaus
nichts zu tun hat, und deren künstliche Stammbäume erst nachträglich
aus beiderseitigen ehr- und eigensüchtigen Interessen zu einander in Be¬
ziehung gebracht wurden.
Uns Schweizern ist der machthungrige Giacomo Medichino unter dem
Namen « Müsser » bekannt, der seit 1522 als Besitzer der festen Burg Musso
am Comersee den Bündnern wegen ihres Untertanenlandes Veltlin äußerst
unbequem wurde, daß es den « Müsserkrieg» absetzte, dessen Ausgang
1527 dem Dynasten seine erworbene Herrschaft kostete und ihn zu einem
Condottiere herabdrückte. Sein geistlicher Bruder Johann Angelus war
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314
1529 als Koadjutor des Bischofs von Chur in Aussicht genommen, was die
Bündner so aufregte, daß sie alle angeblichen Mitwisser und Förderer dieses
Planes, so den ehrwürdigen Abt Theodor Schlegel von St. Luzi, als Hoch¬
verräter hinrichteten und hiefür auf ewige Zeiten als erstes unerläßliches
Erfordernis eines Churer Bischofs die Herkunft aus Bünden aufstellten
Der abgewiesene Churer Coadjutor stieg aber langsam auf der Beamten -
laufbahn an der römischen Kurie, erwarb sich allseitige gründliche Geschäfts¬
kenntnis im kirchlichen und weltlichen Regimente, wurde unter Julius III
Kardinal, stand durch sein heiteres, lebensfrohes Wesen, das sich jedoch
in geziemenden Schranken hielt, im Gegensatz zum strengen Paul IV
und blieb so viel wie möglich von Rom fern. Als « neutraler » Kardinal
war er schließlich der einzig mögliche Kandidat und gelangte an Weih¬
nachten 1559 zur Tiara.
Ein überaus spannendes Kapitel erfüllt die erste Regierungszeit des
neuen Papstes ; das Vorgehen gegen die unwürdigen Nepoten Pauls IV.,
der ihnen bereits den Nachfolger als Rächer ihrer Untaten angekündigt
hatte; der langwierige Prozeß führte zur erschütternden Tragödie des
Untergangs der Familie Carafa und zur letzten Hinrichtung eines Kardinals
Wir sehen dann die ungeheuren Bemühungen des Papstes für die Fon¬
setzung und Beendigung des Konzils von Trient und zur Durchführung
seiner Beschlüsse gegenüber den Hindernissen von Seiten des Protestantin
mus und der Staatsgewalt, wobei Pius IV. eine Energie für die kirchliche
Sache entfaltete, die ihm früher niemand zugetraut hätte und ihn in einem
sehr vorteilhaften Lichte erscheinen läßt. Freilich spürt man hier, wie
in allen kirchlichen Angelegenheiten, die segensreich wirkende Hand des
Papstnepoten Karl Borromäus heraus, eine Lichterscheinung, die uns mit
den ausgeprägten nepotistischen Neigungen des Papstes versöhnt.
Kaleidoskopartig treten dann Bilder aus dem kirchlichen Leben der
christlichen Staaten vor unser Auge, die Hugenottenbewegungen Frank¬
reichs und die Intrigenpolitik Katharinas von Medici, die bedrängte Lage
des römisch deutschen Kaisertums und die treulose Verräterin deutscher
Fürsten, die Religions- und Staatswirren in Polen, die heuchlerisch ver¬
schlagene. blutig grausame Regierung der «jungfräulichen » Elisabeth
von England, der puritanische Fanatismus in Schottland, das Martyrium
des grünen Erin, das echt byzantinische Staatskirchentum in Spanien,
wo Philipp II. keineswegs als gehorsamer Diener des Papstes und willen¬
loses Werkzeug der Hierarchie, sondern geradezu als despotischer Bedrücker
der Kirche erscheint.
Ein schöner Zug in der Regierung Pius* IV. ist sein Mäzenatentum
für Kunst und Wissenschaft, seine kirchliche und profane Bautätigkeit
in Rom und im Kirchenstaat; doch hat er nicht als weltfremder Idealist
darauf los gewirtschaftet, sondern als verständiger Kunstförderer sich nach
dem Möglichen gerichtet und mit den vorhandenen Mitteln zu haushalten
verstanden. Kurzum Pius IV. bewährte sich trotz mancher persönlicher
Fehler und Mängel als wachsamer Hirt und Vater der Kirche, als umsich¬
tiger Diplomat, als Freund und Förderer wahrhaft humaner Bestrebungen.
Seite für Seite dieses Bandes zeigt, daß eine neue Zeit angebrochen ist,
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daß die Reformation an Haupt und Gliedern ernst und kräftig eingesetzt
hat, welcher sich der Papst keineswegs zu entziehen sucht. Seele und Mittel¬
punkt dieser kirchlichen Bestrebungen ist der junge Kardinalnepot und
Staatssekretär Karl Borromäus, «dessen Beispiel am päpstlichen Hofe
mehr Gutes stiftete als alle Dekrete des Trienter Konzils zusammen », und
das trotz des Bleigewichtes, das sich durch den andern Kardinalnepoten,
den unwürdigen Markus Sittikus von Hohenems an seine Füße hängte.
Es sei einem aufmerksamen Leser erlaubt, hier noch einige Desiderien
anzubringen ; es betrifft Aussetzungen geringfügiger Natur. Bei manchen kurz
erwähnten Ereignissen, die den Geschichtsfreund interessieren, wird nur auf
Spezialwerke hingewiesen, die eben nicht allen Lesern zugänglich sind. Ließen
sich nicht die Hauptzüge solcher Einzelheiten mit einigen Strichen — oft genügten
ein oder zwei Worte — im Text oder in der Anmerkung anbringen, ohne daß
dabei viel Raum in Anspruch genommen würde ? So z. B. S. 2i5, Z. 5 v. unten :
Inhalt der Reformartikel. S. 216, Mitte oder Anm. 1 : Welche schmähliche
Verleumdungen ? S. 229, Anm. : Welche Mißbräuche ? einige kurz namhaft
machen ! Seite 23 o : Das kaiserliche Reformlibell. S. 232 . Anm. 4 : Grundzüge der
konklavebulle. — Hier und im folgenden : Wie viel wurde in der spätem Fassung
der Dekrete über Residenz, über Reform der Fürsten usw. gegenüber dem
Entwurf weggelassen ? S. 233 , Note 4 : Szene bei der Rede der Bischöfe von
• •
Cadix u. Alife. S. 234, N. 2: Pessimistische Äußerungen ? S. 237 u. 239: Erstes
u. zweites Reformlibell u. ihr Unterschied. S. 239, Anm. i : Testament und Grab
Seripandos. S. 254, A. 4 : Mißbräuche beim Ordo. S. 256. A. 2 : Kurzes Wort über
Person Paleottos, der uns so oft begegnet. S. 256, A. 5 u. S. 257, A. 2 : Wie wurde
der Rangstreit zwischen Spanien u. Frankreich entschieden ? S. 262 unten und
263 oben : Sachliche Unterschiede in den verschiedenen Redaktionen des Ehe¬
dekretes. S. 272, A. 1 und S. 273, A. 3 : Vollmachten der Bischöfe ? S. 334, Mitte :
Milderung der Verordnungen gegen Ordensapostaten, Juden, Veräußerung der
kirchengüter usw. S. 385, Z. 5 : « Delfino zeigte sich zu seltsamen Zugeständnissen
bereit»; zu welchen? S. 402, letzte Zeile : Welche Ausnahmsstelle nahm Este
ein ? S. 414, Z. 2 von unten : «Aus der Stadt Bezas» : Ist hier Geburtsstadt
Vezelay gemeint ? Genf kann es nicht sein. S. 417, A. 3: Welche Untaten ?
S. 428, Mitte : « Die bisherigen Auskunftsmittel» — welche ? S. 502 , Z. 2 v. u. :
«Die Bischöfe, bis auf wenige (welche ?) blieben treu ». Abfall Curwins im Text
erwähnen. S. 574, Z. 3 v. unten : «Streitigkeiten der Nepoten * — welche ? Dazu
noch S. 79, Z. 2: «Hohenems bei Götzis». Hohenems, selbst viel größere
Gemeinde als das 4 Km. entfernte Götzis, das zudem früher in einem andern
Land und Bistum lag (Götzis in Rätien, Bistum Chur, Hohenems in Schwaben,
Bistum Konstanz). Vielleicht «Hohenems bei Dornbirn». S. 101, Z. 9 v. unten.
Daß man von Como aus die katholischen Teile der Schweiz leichter erreichen
könne, als von Luzern aus, ist nicht ersichtlich. Übrigens hatten damals bis 1579
die gelegentlichen Nuntien keinen festen Sitz, vor der Reformation gewöhnlich
Zürich.
Doch das sind Kleinigkeiten. Wir Katholiken dürfen uns nur freuen,
daß die schwierige Zeit der Glaubenskämpfe in Pastor einen großen Dar¬
steller von säkularer Veranlagung und zugleich von katholischer Über¬
zeugungstreue gefunden hat, der Verständnis für die tiefgreifendsten, ver-
wickeltsten religiösen Probleme mitbringt. Wie erbärmlich stehen dagegen
so manche Kirchengeschichtsbaumeister da, welche über jedes Spinn-
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— 3*6 —
gewebe, das den majestätischen Bau der Kirche verunziert, stolpern. :
wegen jeden Fleckleins die Schönheit des Riesengemäldes verkennen, weger.
jeder Dissonanz die himmlische Harmonie nicht heraushören ! Ich denke
an Kurz, Tschakkert, Bonwetsch. Wie immer bei Pastor, so zeigt sich >
auch hier wieder die feldhermmäßige Beherrschung und Bemeistemng des
Stoffes, unparteiische, im besten Sinn des Wortes voraussetzungslose
Bewertung der Absichten und Taten, die feinfühligste, scharfgezeichnete
Darstellung von Menschen und Zeiten. Die verschiedenst gearteten Charak¬
tere, die Repräsentanten der höchsten Würden in Kirche und Staat, die v
Träger der folgenreichsten Weltereignisse werden unserm Geist und Hm
näher gebracht. Selbst tiefe Schatten, die im Leben der Kirche und ic
Walten mancher Päpste nicht fehlen, vermögen nicht die Bedeutung und
Erhabenheit ihres Amtes und ihrer Aufgabe zu verdunkeln. Nur kleine
Geister wird das Menschliche und Mangelhafte im Gottesbau der Welt¬
kirche irre machen. Uns stört das keineswegs, sondern wird zur wirkungs¬
vollsten Apologie des Christentums und illustriert des großen Leo Ans- .
spruch : Dignitas Petri etiam in indigno haerede non deficit. }.
P. Fridolin Segtnüller, O.S.B. \
Göller, Emil, Die Periodiiieniiig der Kirchengesohicfate and d» epo- *
oh Ale Stellung des Mittelalters zwischen dem christlichen Altertum und dar
Neuzeit. Akademische Rektoratsrede, gehalten am 12. Juli 1919. Freiburg
im Breisgau, Guenther, 1919. 4 0 . 67 S.
Der neue Rektor der Universität Freiburg i. Breisgau, der jüngst da>
Fach des Kirchenrechts mit dem der Kirchengeschichte vertauscht hatte,
wählte für seine Antrittsrede einen Stoff, der allgemeiner Aufmerksamkeit
sicher ist. Mit besonderer Berücksichtigung der neuesten Literatur, die
in seine Frage einschlägt, bekennt er sich zu der Ansicht, daß die Zeit
Gregors des Großen der entscheidende Wendepunkt zwischen dem christ¬
lichen Altertum und dem Mittelalter darstellt, und daß die neuzeitliche
Entwicklung mit der Reformation beginnt. Indem er vornehmlich der.
Kräften nachgeht, welche die kirchengeschichtliche und kulturgeschicht¬
liche Entwicklung im Mittelalter bestimmten, berücksichtigt er mit Vorliebe
die Einflüsse vom Orient, denen die Kunsthistoriker gern ihre Aufmerksam- .
keit zmvenden. Er verweilt, seiner alten Neigung zum Kirchenrecht
folgend, besonders bei den parallelen Erscheinungen zwischen Ost und
West, die wir auf dem Gebiete des kirchlichen Poenitentialwesens und
der Bußbüchcr-Literatur beobachten können, und kündigt darüber ein:'
ausführliche Abhandlung an, der man mit Spannung entgegensieht. Au:
die vielen Perspektiven, die seine Ausführungen eröffnen, können wir hie:
nicht weiter eingehen. In Bezug auf die Gotik möchten wir hinter seine
Zustimmung zu Dehios Charakterisierung, daß das System der großen
universalistischen Päpste von Gregor VII. bis Innozenz III. seinen Ausdruck
in dein wahrhaft katholischen und universalen gotischen Stil empfange,
ein Fragezeichen machen, das wir nur damit begründen wollen, daß der
gotische Baustil in Italien als fremder Stil empfunden wurde, und daß /
in Rom nur eine gotische Kirche gab. G. Schnürer.
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317
Bliemetzrieder, Franz PI., Anselms von Laon systematische Sentenzen.
Beiträge zur Geschichte der Philosophie des Mittelalters. Bd. XVIII,
Heft 2-3, 1919, Preis 6 Fr.
Anselm v. Laon, « Anselmus Laudunensis », f 17. Juli 1117, erfreute'
sich bei seinen Zeitgenossen eines hohen Rufes. Schüler aller Nationen,
aus Frankreich, Italien, England und Deutschland scharten sich um die
Lehrkanzel des « Altmeisters » in Laon. Auch Abaelard hörte ihn kurze
Zeit, schätzte ihn aber nicht hoch ein.
Schon Lefövre und Grabmann hatten die handschriftliche Existenz
seiner Sentenzen nachgewiesen. Hier im vorliegenden Werke bietet uns
Dr. P. Bliemetzrieder O. Cist. den kritischen Text von zwei systematischen
Sentenzwerken : I. Senlentie divine pagine (3-46), — diese Überschrift ist
vom Editor, der sie den Anfangsworten des Werkes entnahm (XII). —
II. Senlentie Anselmi (47-153). Schon ihrem Umfange nach treten unsere
beiden Werke weit hinter den spekulativen Werken eines Anselm v. Canter-
bury, Abaelard und der Viktoriner zurück. Den Inhalt derselben hat der
Herausgeber in einem meisterhaften, fast skrupulös genauen synthetischen
Inhaltsverzeichnis wiedergegeben (XIX-XXV).
Den wichtigsten Teil bildet natürlich der Handschriftennachweis
(1 *-37*)- Er ist außerordentlich kompliziert, auf den ersten Blick etwas
dunkel und verworren. Was hier in wenigen Seiten geboten wird, sind eben
die kurz zusammengefaßten Resultate jahrelanger kritisch-historischer
Kleinarbeit, die mit unzähligen Schwierigkeiten kämpfte, um die beiden
Sentenzen als Geistesprodukt Anselms nachzuweisen. Der Ausgabe beider
Sentenzen legt er als Grundtext zwei Handschriften unter, die neben andern
Traktaten im Cod. lat. 236 der Bibliothek des Stiftes Heiligenkreuz in
Niederösterreich sich vorfinden (37*). Er kollationiert dann den Haupttext
der divine pagine mit einer Handschrift der Pariser Nationalbibliothek
Cod. lat. 18108 und zwei weiteren der Mazarine, Cod. lat. 731 und 708
(i*-i6*). Die letzte ausgenommen, sind alle diese Handschriften aus der
ersten Hälfte des XII. Jahrhunderts, aber doch nur Abschriften, auch jene
des Grundtextes. Die Senlentie Anselmi finden sich außer in den bereits
erwähnten noch in Handschriften der Hof- und Staatsbibliothek in München
(16*), der Bibliothek des Stiftes in Admont in Steiermark, der Kgl. Biblio¬
thek in Bamberg, des Stiftes St. Peter in Salzburg und der Wiener Hof¬
bibliothek. (l8*-2I*).
Die kritische Untersuchung und der außerordentlich komplizierte
Vergleich all dieser Handschriften führten zu dem interessanten Resultat,
daß die beiden Sentenzen nicht bloß in mehreren Codices zusammen auf-
treten und überall bis zur Stelle, wo die Abhandlung über die Sakramente
beginnt, die gleiche systematische Lehrentwicklung aufweisen, sondern
auch in mehreren Codices zusammen verarbeitet sich vorfinden. Sie weisen
also beide auf das Schulhaupt von Laon hin. Beide sind von Anselm
Die Echtheit der Senlentie Anselmi ist zweifellos. Mehrere Hand¬
schriften, wie jene von Heiligenkreuz, St. Peter und eine in München,
fragen den Namen des Verfassers (i6*-i8* und 33*). Den Beweis, daß auch
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— 318' —
die Sententie divine pagtne Anselm von Laon gehören, wird nicht jedermann
für stringent halten. Zwar offenbaren sie inhaltlich und methodisch im
allgemeinen die gleiche Geistesrichtung wie die Sententie Anselmt und
berufen sich auch auf die gleichen Autoren: Augustin, Gregor, Bed2,
Hieronymus; Prosper und Isidor werden nur in Sententie Anselmi und
ScotusErigena und Anselm von Canterbury nur in den Sententie divine pagin-r
zitiert. Das und das oben erwähnte merkwürdige Zusammentreffen und
Verarbeitetsein könnte schließlich doch auch durch die bloße Zugehörigkeit
zur gleichen Schule von Laon erklärt werden. Auffallend ist es jedenfalls
daß alle Handschriften der divine pagine anonym sind, und das trotzdem
sie in die erste Hälfte des XII. Jahrhunderts zurückreichen (33*). Übrigens
sind die Handschriften der beiden Sentenzen da, wo sie in den gleichen
Codices Vorkommen, nicht einmal von der gleichen Hand geschrieben 'S. 3*!.
Merkwürdig wäre es auch, wenn Anselm von Laon seinem Lehrer Anselm
von Canterbury in den Sententie divine pagine den Traducianismus zuerteilt
haben sollte (32•) ! Es gibt übrigens zwischen den beiden Sententie auch
noch andere Lehrgegensätze, wenn auch nicht wichtige. So wird das
Paradies in divine pagine wie bei Scotus Erigena nicht lokal , sondern na
allegorisch als Glückseligkeit aufgefaßt (27) ; in Sententie Anselmi dagegen
wird es als bestimmter Ort bezeichnet (58). In Sententie Anselmi ist d^s
Weib , wie bei Augustin, dem Manne geistig minderwertig (60) ; in divine
pagine (25) ist es geistig ebenbürtig und nur körperlich schwächer. — Ich
möchte also dem Beweise für die Echtheit der divine pagine nicht mehr
als Wahrscheinlichkeitswert zuschreiben.
Als Führer der älteren konservativen mehr positiven Richtung besai)
Anselm in seiner Zeit offenbar großes Ansehen. Die vorliegende kritisch
gründliche Veröffentlichung seiner Sentenzen mit den historisch ungemein
reichen interessanten Verweisen auf die Quellen, aus denen Anselm schöpfte, I
erklärt auch uns seinen bedeutenden Ruf bei seinen Zeitgenossen. Soweit
bisher bekannt, ist er ja der erste systematische Sententiarier. Dagegen
hat mich die Lektüre der Sentenzen gar nicht überzeugt, daß er wie Bliemetz
rieder meint, ein •< schöpferischer» (IX), «selbständig bahnbrechender-
(XIV) Kopf gewesen wäre, dem mit Lanfrank allein der Titel « Vater der
Scholastik », wenn er überhaupt einer einzelnen Persönlichkeit zugesprochen
werden könnte, zukäme (X). Das sind Übertreibungen. Weder bezüglich
spekulativer Begabung und selbständigen Denkens noch in Bezug aui
Reichhaltigkeit des Wissens, noch hinsichtlich dialektischer Gewandtheit,
kann er, meines Erachtens, einem Anselm von Canterbury, oder Abaelard.
oder den Viktorinern an die Seite gestellt werden.
Freiburg. G. M. Manser 0 . P.
Schaufelberger, Rosa. Die Geschichte des eidgenössischem Bottega,
mit besonderer Berücksichtigung der reformierten Kirche Zürichs. Inaugural-
Dissertation der Universität Zürich. (1920) vi. 184 S.
Eine fleißige und gründliche Arbeit. Weit über die Anfänge des
Christentums hinaus werden die Wurzeln des Bettages verfolgt in der vor-
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319
christlichen Zeit, in Babylonien, im Persismus, bei Griechen und Römern,
im Alten und Neuen Testament. In seiner eigentlichsten Gestalt ist in¬
dessen der Bettag eine Schöpfung des 17. Jahrhunderts mit protestantischem
Gepräge, bis in die jüngste Zeit von Staate veranstaltet, proklamiert und
beaufsichtigt. Die endgiltige Form erhielt er im 30-jährigen Kriege durch
den Zürcher Antistes Johann Jakob Breitinger, der 1631 den Schweden¬
könig um Hilfe anging. Sein politisch-religiöser Eifer riß ihn so weit hin,
daß er von der Regierung einen Verweis wegen zu scharfen Predigens
erhielt. Er ist der Urheber des ersten Fast- und Bettags in Zürich, Dienstag,
den 2. November 1619. Die übrigen reformierten Orte folgten dem Bei¬
spiele Zürichs und hielten je nach Umständen, auch wegen Pest oder Er¬
scheinung eines Kometen u. dgl. lokale Buß- und Bettage, wobei «die
gemeinen Herrschaften» ihrem Vorbild folgten. 1639 beschlossen die
evangelischen Orte zum Danke für die Bewahrung vor dem Kriege einen
allgemeinen Fast- und Bettag, und von da an blieb diese jährlich wieder¬
kehrende Institution bis zum Untergang der alten Eidgenossenschaft.
In den katholischen Orten schrieb die weltliche Obrigkeit in außer¬
gewöhnlichen Fällen besondere Andachten vor, Kreuz- und Bittgänge,
namentlich das « große Gebet». Der Bischof von Konstanz verordnete
in der Türkennot des Jahres 1529 besondere Messen und Andachten, was
von seinen Nachfolgern dann öfters wiederholt wurde. Es ist namentlich
das 40-stündige Gebet, das immer wieder vorgeschrieben wird. Häufig
erscheint daneben auch der Rosenkranz.
Die französische Revolution brachte auch auf religiösem Gebiete
einen frischen Impuls. Von Bern ging die Anregung aus, in Anbetracht der
bedrohten Lage des Vaterlandes und des großen Fortschrittes des Un¬
glaubens gemeinsam mit den katholischen Brüdern ein außerordentliches
Kirchenfest zu feiern. Diese stimmten zu, und so fand Sonntag, den
16. März 1794 der erste eidgenössische Bettag statt. (Vgl. diese Zeitschrift
14 [1920], S. 42, wo statt 14. zu lesen ist 16. März.) Ein Jahr darauf folgte
der zweite und noch weitere im September 1796 und 1797. Der helvetische
Minister Stapfer führte ihn wieder ein, erstmals auf den Donnerstag, den
6. September 1798, im folgenden Jahre auf Sonntag, den 8. September.
Doch wurde er nicht allerorts und nicht überall an demselben Tage gehalten.
Auf Jahre hinaus konnte man sich nicht zu einer gemeinsamen Feier ver¬
ständigen, bis die Tagsatzung in Luzern am 1. August 1832 beschloß,
der gemeineidgenössische Dank-, Buß- und Bcttag soll künftig am dritten
Sonntag des Herbstmonats gefeiert werden. Dabei ist es bis heute geblieben,
im Anhang sind das « Große Gebet » und einige Proben von Zürcher Bettags-
mandaten abgedruckt. Ein reiches handschriftliches Material, haupt¬
sächlich aus den Archiven von Zürich und Luzern geschöpft, ist geschickt
zu einer Gesamtdarstellung verarbeitet, die recht dankenswert ist.
✓ P. Gabriel Meier.
*
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*
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Hag, Anna. Die St Urbanar Schulreform an der Wende dm 18. Ab¬
hunderts. Mit 6 Illustrationen (Schweizer Studien zur Geschichtswissen¬
schaft, XII. 2). Zürich, Leemann, 1920, 347 S. 8°. 13 Fr.
Diese Dissertation ist mehr als eine solche ; es ist eine ungemein
fleißige und exakte Darstellung der mit St. Urban zusammenhängenden
Schulreform, deren Ausgangspunkt in den Reformbestrebungen des öster¬
reichischen katholischen Pädagogen Johann -Jgnaz Felbiger liegt, die ir.
dieser Gestalt auch in der Abtei St. Gallen, im Fricktal und in Freibun
im Üchtland Eingang gefunden hat. Felbiger verfaßte Schulbücher für
Sprach-, Religions- und Rechenunterricht, und ein Methodenbuch, wodurch
er auf das Schulwesen der katholischen Schweiz einen nachhaltigen Einfluü
ausübte, indem seine Lehrmittel eine große Verbreitung erlangten, besondere
auch in den paritätischen Orten. An ihn knüpfte der Zisterzienser P. Nivard
Crauer, der seit 1781 die Schule von St. Urban leitete und Lehrmittel nadt
der Normalmethode bearbeitete, die in den Waldstatten und in Solothun,
aber auch in den paritätischen Kantonen Baden, Linth und Thurgau,
raschen Eingang und große Verbreitung erlangten. Obwohl die Crauersche
Methode gegenüber der vorausgehenden Pädagogik viel voraus hatte,
besonders durch die Methodisierung des Lehrstoffes, so ging doch Pestalozr.
noch viel weiter, indem erst er eine prinzipielle Reform brachte. Welches
Ansehen P. Crauer genoß, geht übrigens schon daraus hervor, daß de:
helvetische Unterrichtsminister Stapfer den Gedanken hegte, unter seine;
Leitung ein eidgenössisches Lehrerseminar in St. Urban zu eröffnen. Allen
es kam nicht cfazu, und während der Helvetik erlitten die Kurse durch der
vorzeitigen Tod Crauers (1799) eine längere Unterbrechung, und sein
Nachfolger P. Urs Brunner, der sich bei Pestalozzi weiter gebildet hatte,
vermochte die Anstalt nicht mehr auf der Höhe zu halten, so daß die Kurse
im Oktober 1805 eingingen. Gleichgiltigkeit der luzemischen Behörde::
Interesselosigkeit beim Volke hatten dies verschuldet.
Mit größter Einläßlichkeit und seltener Beherrschung der Quellen
und Literatur geht Verfasserin diesen Zusammenhängen nach, übt aueü
gesunde Kritik an der Methode Crauers und zeigt vor allem auch und zum
ersten Male die Bedeutung der St. Urbaner Schulreform für die katholisch-
Schweiz, die sich naturgemäß auf die deutsche Schweiz erstreckte, abe r
eine viel größere Ausdehnung erlangte, als man glauben möchte und no:n
länger ein wirkte, als bekannt war. Für die Geschichte des schweizerischen
Schulwesens ist die Arbeit ein sehr wichtiger Beitrag ; aber darüber hinaus
auch für das geistige Leben und die allgemeine Kultur zur Zeit der Helvetik
unterstützt durch einen reichhaltigen bibliographischen Anhang, urkund
liehe Beilagen und ein wertvolles Literaturverzeichnis, sowie ein gute*
Namenregister. Auffallenderweise gibt Verf. keinerlei Spezialliteratur über
P. Girard (S. 2 21). l'ber das Augustinerstift Kreuzlingen und die dortig'
Stiftsschule finden sich ausführliche Angaben bei Kuhn, Thurgovia sacra II.
349 ff., Frauenfeld, 1879, die Verf. entgangen sind. Welches ist das unter
Wcber-Baldamus zitierte Werk (S. 244), das in der Bibliographie nicht
aufgeführt ist ? . A. Bücht.
Fribourg (Subsci. — Imprimcne Saint Paul.
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HANS von MATT & C‘% Antiquariat in Stans
offerieren nachstehende hervorragende Werke zur schweizerischen Kirchen¬
geschichte Z“ den beigesetzten ermäßigten Preisen :
Archiv für schweizerische RefoYmationsgeschlchte. 3 Hände.
Solothurn 1868-76. Lex. 8° (stau 60.—) 27.50
Büchi, Dr. A. Die katholische Kirche in der Schweiz. Mit q3 lllustr.
Stans 1902. Lex. 8°. Gebunden 4.50
Freiburger Diözesan-Archiv. Zeitschrift für Geschichte, christliche
Kunst, Altertumskunde des Erzbistums Freiburg i. Breisgau, mit Berück¬
sichtigung der angrenzenden Bistümer, 1.-37. Bd- nebst Generalregister.
Freiburg (865-1909. 16 Bde. in Orig. Hfbdn. Rest broschiert
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(statt 2c.—> 9.50
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Gebunden (statt 20.—) 7.50
Geschichtsfreund. Mitteilungen des historischen Vereins der 5 Orte.
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1.-70. Band und 4 Registerbände. Einsiedeln u. Stans 1843-1915.
37 Bände gebunden. Rest broschiert. (stau 539.—) 235.—
Lütolf, A. Die Glaubensboten der Schweiz vor St. Gallus. Luz. 1871.
9.50
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NOscheler, Dr. A. Die Gotteshäuser der Schweiz : Bistum Konstanz :
Archidiakonat Aargau und Dekanat Willisau, Sursee und Kapitel Hochdorf.
10 Hefte. Einsiedeln 1884-1906. Separat-Abdrücke 12.50
Ringholz, O. Geschichte des Benediktinerstiftes Einsiedeln. I. Band. Mit
vielen Illustrationen. Einsiedeln 1904. Lex. H<> Gebunden in Leder.
(90.—) 55.—
Scheuber, Dr. J. Die mittelalterlichen Chorstühle in der Schweiz. Mit
11 Lichtdrucktafeln. Strafiburg 1910 (statt 8. — ) 5.76
Katholische Schweizerblätter. I. und II. Reihe. 33 Bände. Luzern
1859-1904. Alles was erschienen (statt 223.— ) 75. —
Steimer, R. Die päpstlichen Gesandten in der Schweiz von 1073-1873. Mit
35 prächtigen Rortraits. Stans 1907 (stau 12.—) 8.—
Vautrey, Mgr. Histoire des evdques de Bäle. Avec chromos. nombreuscs
illustrations, vues, portraits, sccaux, etc. Tomes II ä IV. Einsiedeln 1SX6.
(statt 3o.—) 11.75
MT Antiquariatskataloge über
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ImPRIMKRIE SaINT-PaLL, pRIBOrRG.
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Hans von Matt & Co., Verlag, Stans.
Dr. Joseph Hürbin
Handbuch der Schweizergeschichte.
3 Bände.
In eleganter Original-Leinwanddecke
(nach berühmten Holzschnittblät.tern entworfen).
. Preis Fr. 26.40
In der « Schweizerischen Rundschau > schreibt Universitäts-Professor
Dr. Büchi von Freiburg über Hürbins Handbuch der Schweizergeschichte .
« Wir haben nun ein Buch für alle gebildeten Katholiken jeden Standes , das
einem längst empfundenen Bedürfnisse abhilft und in keiner gebildeten
katholischen Familie fehlen sollte. An wissenschaftlichem Gehalt und
gefälliger Darstellung braucht es den Vergleich mit andern Handbüchern der
Schweizergeschichte nicht zu scheuen. Es unterscheidet sich von den bis¬
herigen Bearbeitungen durch besondere Betonung des religiösen und kultur -
geschichtlichen Momentes ; in dieser Hinsicht wird es von keinem anderen
Werke erreicht, geschweige übertroffen ».
Dr. Joh. Georg Mayer
Geschichte des Bistums Chur.
Mit zahlreichen KnnstbeOafen und TextffiutraUonso.
2 Bände in eleg. Originalleinwanddecken mit Goldprägung. Preis Fr. 37.80.
Der Verfasser hat bereits durch eine panze Reihe wertvoller geschichtlicher
Publikationen sich einen angesehenen Namen im Kreise der schweizerischen
Geschichtsforscher gemacht. Hier liegt nun sein bedeutendstes Werk, gewisser-
maüen seine Lebensarbeit vor. Sie bietet Mhr viel Neues, noch gans Unbekannt»*,
und ist direkt aus den primären Quellen geschöpft, gans original. — Für alla
Freunde vaterländischer Gesohiohte bietet das Werk reiches Interesse : für die
Geochiohte Graubündens and der schweizerischen Eidgenossenschaft bietet es eine
Menge wertvoller Bausteine. Kirohengeschiohtlioh ist es eine der bedeutungs¬
vollsten unter den bisher erschienenen schweizerischen Publikationen.
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Gr. 8’. ln 2 Abteilungen broschiert. Preis 9 Fr.
Was I)r. Gschwcnd in diesem Interessant und flüssig geschrlebsnsn Werke bietet. Ist weit
mehr als der Titel vermuten llsst. Kr gibt eine akienmassig belegte Geschichte der Aufhebung de>
alt berühmten Klosters St. Gallen, der Gründung des Kantons St. Gallen und der st. gallischen Politik in
den ersten Jahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts und darauf basierend und damit vermochten die
Geschichte des Doppclbistums Chur-St.Gallen u.d.kirchl. Krrichtung des neuen Bistums St. Gallen.
Ritter Melchior Lussi : l Äi
Von Dr. Richard FELLER.
2 Bände 8'. 247 und 1 55 Seiten. — Broschiert Frei* 6 Fr. 2 «.
Dr I-Vllcr biete: uns hier ein Buch von bleibendem Werts, ein Charaktergem&lde. zugleich
ein Zeitbild, tiir d .s wir ihm aufrichtigen Dank schulden. Kein anderer Schweizer jener Zeit hat
j'-.h um die Wiederbelebung des Katholizismus ln unserem Vaterlands so verdient gemach:
k* Ritter .Mcknior Lu>si. In überaus anziehender, geistreicher, oft geradezu spannender Darstcl*
iur.g Atis% Dr. Keller »len Leser lür seinen ileiden zu interessieren ». „Schweizer. UrdwsiettsB«“.
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